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Vietnam: Die Folgen des Krieges für Bevölkerung und Wirtschaft

Facharbeit (Schule) 1999 16 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach

Leseprobe

Inhult

1. Einleitung

2. Geschichte

3. Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Bevölkerung

4. Die Zukunft

5. Schlusswort

1. Einleitung

Abb. 1:

Landkarte von Vietnam heute.

Aus: Scheuch, M.: Atlas zur

Weltgeschichte, 1993, S. 110-111

Vietnam ist ein Land geprägt durch seine jahrelange Kriegszustände mit verschiedenen Länder. Es könnte in seiner Entwicklung schon wesentlich weiter sein, wenn nicht der Krieg mit den Amerikaner gewesen wäre, die sie „in die Steinzeit zurück bombardieren wollten“, und wenn nicht die Kommunisten das Land regiert hätten. Jetzt weist es, wie jedes arme Entwicklungsland, dieselben Probleme auf: Überbevölkerung, mangelnder Lebensraum, etc.. Vietnam liegt in Indochina, in Südostasien. Es grenzt an Laos, Kambodscha, China und an das Südchinesische Meer. Es erstreckt sich über 1650 km von Norden nach Süden, wobei die Küstenlinie rund 3000 km lang ist. Mit einer Fläche von 330‘341 km² und einer Einwohnerzahl von 71‘323‘000 (1993), betrug die Bevölkerungsdichte 216 pro km². Vietnam steht an 13.-höchster Stelle der Einwohnerzahlen in der Weltrangliste. Die Hauptstadt ist Hanoi im Norden des Landes. Das Bruttosozialprodukt betrug 1996 250$ pro Einwohner. Die Amtssprache ist Vietnamesisch, und wird in unseren Buchstaben geschrieben, das heisst nicht in chinesischen Zeichen. Im Norden herrscht ein gemässigtes Klima, während im Süden ein durch den Monsun geprägtes Klima ist.

Das Land kann grob in 5 Zonen aufgeteilt werden: 1. Die nördliche Gebirgslandschaft mit Höhen von über 3000 Metern. 2. Das Delta des Roten Flusses (an dem die Hauptstadt Hanoi liegt). 3. Der Annamitische Gebirgszug. 4. Der schmale Küstenstreifen zwischen Annamitischem Gebirgszug und dem Südchinesischen Meer. 5. Das Mekong-Delta im Süden des Landes.

2. Geschichte

Vietnam ist ein Land, dass sehr von seiner Geschichte geprägt ist. Ich möchte hier einen kurzen Einblick in diese vermitteln.

Kolonisation

Abb. 2:

Landkarte von Vietnam während der Kolonisation unter Frankreich. Aus: Scheuch, M.: Atlas zur Weltgeschichte, 1993, S. 110-111

Schon 1861 brachten die Franzosen das Gebiet um das Mekong-Delta in ihre Herrschaft. Damals war Vietnam noch in verschiedene Staaten aufgeteilt. Im Norden war Tonking mit der Stadt Hanoi, in der Mitte war Annam, und im Süden Kotschinchina. Dort liegt heute Saigon, die grösste Stadt Vietnams. Die in Annam lebenden Vietnamesen nennt man Annamiten. Annam konnte schon damals auf eine lange Geschichte zurückblicken, unter anderem auch an Zeiten, in denen sie unter chinesischer Oberhoheit waren. 1908 erhob sich der erste grosse Aufstand der Annamiten, dieser wurde aber blutig niedergeworfen. Frankreich versuchte seine Kolonie damit zu beruhigen, indem es Schulen für die Einheimischen und Parlamente für Annam und Tonking schaffte. Der Drang nach Unabhängigkeit wuchs in Folge der Wirtschaftskrise weiter und 1930 kam es zum zweiten grossen Aufstand. Dieser ging auf ihren kommunistischen Führer Ho Tschi Minh zurück, der die Kommunistische Partei in Vietnam gegründet hatte und nun anführte.

2. Weltkrieg

Als dann der 2. Weltkrieg begann, wurde Frankreich 1940 von den Deutschen besetzt. Nun eroberten die Japaner Tonking und Annam, später ganz Indochina. Ho Tschi Minh gründete die Vereinigung der Vietminh und begann einen Krieg gegen die Japaner. Japans Macht geriet ins Wanken und so wurde am 8. März 1945 der Staat Vietnam proklamiert. Nach der Kapitulation Japans ergriffen die Vietminh die Macht, der annamitische Kaiser Bao Dai wurde abgesetzt und die Republik Vietnam ausgerufen. Die Franzosen aber wollten ihre Oberherrschaft in Vietnam wieder zurück erlangen. Anfangs versuchte man es mit Verträgen, doch bald endete dies in einer militärischen Auseinandersetzung. Es kam zu einem regelrechten Kolonialkrieg, der damit endete, dass Frankreich seine Macht wieder im Gebiet zwischen Hanoi und dem Hafen Haiphong und im Süden im Raum von Saigon behaupten konnte. Frankreich versuchte auch, den Kommunisten die Macht zu nehmen, indem sie Vietnam als Staat mit dem alten Kaiser Bao Dai in ihre Französische Union aufnahmen.

Vietnamkrieg

Abb. 3:

Landkarte von Vietnam nach der Trennung am 17. Breitengrad Aus: Scheuch, M.: Atlas zur Weltgeschichte, 1993, S. 110-111

Nach dem Sieg der Kommunisten in China konnten auch die Vietminh Truppen mit verstärkter Kraft den Kampf gegen die Kolonialmacht aufnehmen. Ihre Offensive endete schliesslich 1954 mit der Niederlage der Franzosen. Nun kam es zur Genfer Indochina- Konferenz und Frankreich erklärte sich bereit sich von Indochina zurück zu ziehen. Vietnam wurde am 17. Breitengrad in Nord- und Südvietnam aufgeteilt. Bis zu den allgemeinen Wahlen sollte Nordvietnam mit Hauptstadt Hanoi von dem Kommunisten und Südvietnam mit Hauptstadt Saigon von Bao Dai regiert werden. Nordvietnam wurde von Ho Tschi Minh rasch zu einer Volksdemokratie ausgebaut. Eine Bodenreform wurde eingeführt, welche eine Massenflucht in den Süden zu Folge hatte. Dort verstärkte sich nach dem Abzug der Franzosen der Einfluss der USA. Die Vereinigten Staaten befürchteten, dass ein weiteres Land unter die Herrschaft der Kommunisten geriet, und wollten dies verhindern. Der neue Ministerpräsident Ngo Dinh Diem setzte den Kaiser Bao Dai ab und lehnte die Gesamtwahlen ab. Er regierte selbst autoritär und es kam zu Konflikten mit den Vietminh-Partisanen, welche sich nun Vietkong nannten und durch den Norden unterstützt waren. Es kam schliesslich zu regelrechten Aufständen des Vietkong gegen Diem. Buddhisten veranstalteten Selbstverbrennungen, um sich gegen Diem zu wehren. Amerikanische Berater mischten mit, als Diem 1963 von der Armee in einem Staatsstreich gestürzt wurde. Inzwischen rückte der Vietkong, die Kommunisten des Nordens, in den Süden vor. Nun ersuchte Südvietnam die Amerikaner um Hilfe. Der umstrittene „Tonking-Zwischenfall“ verhalf dem US-Präsident Johnson zu Handlungsvollmachten durch den Kongress. In diesem Zwischenfall sollen US- Kriegschiffe von Torpedobooten angegriffen worden sein. 1965 landeten amerikanische Bodenstreitkräfte in Südvietnam, der Vietnamkrieg brach aus. Die Kämpfe in Vietnam führten zu einem zermürbendem Dschungelkrieg. 1968 zeigten die Kommunisten ihre Macht in der „Tet-Offensive“, bei der sie zahlreiche südvietnamesische Städte angriffen, doch gelang es ihnen nicht, die ganze Bevölkerung für sich zu gewinnen. Die Amerikaner fingen nun auch an die Tropenwälder zu entlauben und richteten damit grosse Umweltschäden an. Die Bombenlast, die auf Vietnam abgeworfen wurde übertraf die im 2. Weltkrieg um ein Vielfaches. Die Leiden der Zivilbevölkerung, sowie die Greueltaten erschreckten die Welt.

Abb. 4:

Dies ist eines der bekanntesten Bilder aus dem Vietnamkrieg. Es zeigt, wie ein ziviler

Bürger auf der Strasse öffentlich vor laufenden Kameras hingerichtet wird. Dieses Bild löste Angst und Erschrecken in der Westlichen Welt aus.

Aus: Rinaldi, P.: Vietnam, 1998, S. 48

1969 wurde Nixon zum neuen Präsidenten der USA gewählt. Es begannen Verhandlungen von US-Aussenminister Kissinger und Nordvietnamesen Le Duc Tho. Die Amerikaner befürchteten immer noch, dass ein Fall Vietnams den Sieg der Kommunisten über Indochina bedeuten würde. Im Oktober 1972 kam es nach langen Verhandlungen in Paris zum Waffenstillstand. Kissinger und Le Duc Tho sollten den Friedensnobelpreis erhalten. Der Nordvietnamese nahm diesen aber nicht an, weil er im Dezember 1974 eine Grossoffensive gegen die letzten südvietnamesischen Verteidigungslinien plante. Das Ende der amerikanische Unterstützung führte 1975 zur Kapitulation Südvietnams. Das Land wurde unter dem Namen „Sozialistische Republik Vietnam“ wieder vereint. Der Sieg Vietnams forderte viele Opfer auf amerikanischer wie auch auf vietnamesischer Seite, wobei die Toten der Vietnamesen die der Amerikaner, etwa 40'000, um ein zwanzigfaches übersteigen. Erst 1995 wurde offiziell Frieden mit den USA geschlossen.

Heutiger Zustand

Heute heisst Vietnam die „Sozialistische Republik Vietnam“, was bedeutet, dass Vietnam immer noch unter der Herrschaft der Kommunisten, oder Sozialisten, lebt. Das momentane Staatsoberhaupt ist seit 1992 Le Duc Anh. Seit der Kapitulation Südvietnams lebt das wiedervereinigte Vietnam in Frieden; das bedeute aber nicht ohne Probleme. Viele Reformen wurden schon durchgeführt. Seit 1986 wirkt eine Reform namens „doi moi“, was so viel wie Erneuerung heisst. Diese Reform hat das Land zu einer guten Entwicklung gebracht.

3. Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Bevölkerung

Wirtschaft:

Vietnams Wirtschaft ist stark geprägt durch den Krieg. Durch diesen verschuldete sich Vietnam bei vielen Staaten, vor allem bei der Volksrepublik China. Durch den Wiederaufbau hat es wieder neue Schulden, vor allem bei Japan und bei den USA. Südvietnam ist, wirtschaftlich gesehen, besser entwickelt als Nordvietnam, weil es während dem Krieg durch die USA unterstützt wurde. In den 80er und 90er Jahren kam es zu vielen Reformen. Seit diesen Reformen geht es Vietnam immer besser. Die aufkommende Marktwirtschaft bringt nicht nur Wandel in der Wirtschaft, sondern auch in der Bevölkerung. Mit einer Wachstums- rate des BIP um 9% gehört es zu den Spitzenreitern in Asien. Das Bruttosozialprodukt konnte innerhalb von wenigen Jahren verdoppelt werden. Von knapp 100 US-Dollar 1991 stieg es auf ca. 250 US-Dollar 1996. Das Warenangebot ist mittlerweile in den grossen Städte schon vielfältig, und auch der Tourismus steigt an. Deutlich zeigt sich dies in einer Entwicklung von Neureichen. Gleichzeitig wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer grösser.

Bevölkerung:

Der Krieg führte Vietnam in eine wirtschaftliche schlechte Lage. So sind die meisten Einwohner arm. Durch die Reformen aber versucht man nun die Lage aufzubessern. Aber immer noch bestehen grosse Probleme. Einige möchte ich hier kurz erläutern.

Armut auf dem Land, Armut in der Stadt:

Die grösste Anzahl reicher Bauern findet man in den kaum besiedelten Gebieten mit grossen Anbauflächen. Besonders im Mekong-Delta und teilweise im Hochland trifft dies zu. Dort ist der Unterschied zwischen Arm und Reich am grössten. Das Einkommen der Einwohner hier betrug Anfang der neunziger Jahre das zwanzig- bis dreissigfache der armen Haushalte. Eine Untersuchung der Haushalte stellte heraus, dass nur rund 2,3% als reich eingestuft werden könnten, mit einem jährlichen Einkommen von mindestens 273 US Dollar. Hingegen gelten 22,14% als arm, mit einem Einkommen von weniger als 55 US Dollar pro Jahr. Die reichen Haushalte entstanden nach den Landreformen in 1988 und 1993, diese Familien sahen frühzeitig ihre Vorteile durch den aufkommenden Markt und begannen in ihr Land zu investieren. Sie besitzen heute genug Geld um Maschinen, Dünger, Tiere etc. zu kaufen. Sie erwerben durch Pacht oder Kauf von der Genossenschaft und von anderen Bauern neues Land, wobei es sich auch oft um illegalen Bodenkauf handelt. Oft dehnen die reichen Bauern ihre Aktivitäten auf Nicht-landwirtschaftliche-Dienste aus, indem sie zum Beispiel Maschinen vermieten, und verdienen so zusätzlich Geld. Die Armen machen aber immer noch einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung aus. Gewisse Schätzungen gehen bis zu 50%. Diese Armen sind in zwei Gruppen eingeteilt. 1. Haushalte ohne Kapital, ohne Arbeitskräfte und Know-how, oft mit überdurchschnittlich vielen Kindern. Sie wurden von den Reformen benachteiligt und bekamen nur zu wenig oder unbrauchbares Land. Oft sind diese gezwungen sich in reichen Haushalten anstellen zu lassen, aber der Lohn, den sie dort erhalten, ist sehr gering, weil ein Überschuss an ländlichen Arbeitskräften besteht. Viele versuchen in die Städte abzuwandern, aber auch diese können dem hohen Bevölkerungsdruck nicht standhalten, deshalb sind immer noch 28% der Bevölkerung arbeitslos. Besonders der Kapitalmangel führt zu immer grösserer Armut. Die Banken geben keine Kredite, weil keine Sicherheiten bestehen, und Privatpersonen verlangen zu hohe Zinsen. 2. Ethnische Minoritäten, die nur ein Bruchteil des durchschnittlichen Einkommens erlangen. Nicht zuletzt zerstörtes Land, schwieriges Klima und mangelnde Ausbildung führten zur Benachteiligung der Minoritäten.

In der Stadt sieht dieses Problem wieder etwas anders aus. Das grösste Entwicklungszentrum ist die Ho-Chi-Minh-Stadt, das ehemalige Saigon, dessen Wirtschaftswachstum seit Jahren weit über dem Durchschnitt liegt. An zweiter Stelle steht Hanoi, in Nordvietnam, dem es wirtschaftlich immer schlechter ging. Das Pro-Kopf-Einkommen ist nicht nur höher in der Stadt, sondern nimmt auch schneller zu. Die Reichen in der Stadt lassen sich in zwei Gruppen gliedern. 1. Die Mehrzahl sind Regierungsangestellte und Angestellte von Firmen, die Kontakt mit dem Ausland haben. 2. Erfolgreiche Unternehmer im Sektor der Dienstleistungen. Überschneidungen gibt es insofern, als ein beträchtlicher Teil gerade der erfolgreichen Unternehmer aus dem Bereich der staatlichen Verwaltung und der Kommunistischen Partei stammt. Sie haben ihre Beziehungen zur Regierung ausgenutzt und haben weniger Probleme beim Zugang zu Produktionsfaktoren, wie Kapital, Land, Strom, Wasser, etc.. Die Verlierer der Reformen sind die Arbeiter im Staatssektor. Viele Betriebe sind nicht mehr fähig den vollen Lohn auszuzahlen. Dazu kommt, dass das Lohnniveau sehr niedrig ist und kaum für den Lebensunterhalt ausreicht. Den Arbeitern fehlt im Falle einer Entlassung das nötige Fachkenntnis und Kapital, um ein eigenes Privatunternehmen zu starten. Viele Soldaten sind auch dazu gezwungen, wegen mangelnder Ausbildung schlecht bezahlte Jobs anzunehmen. Ganz unten auf der sozialen Leiter stehen dann nur noch die „Rikschas“ (Velo-Taxis). Meistens handelt es sich um kinderreiche Familien, was noch eine zusätzliche Belastung bedeutet. Demzufolge sehen viele Familien sich gezwungen, ihre Kinder auszusetzen, was zu vielen Strassenkinder führt. Die Zahl der Strassenkinder stieg innerhalb von einem Jahr von 16.000 1994 auf 50.000 1995 an. Finanziell schlecht geht es auch Kriegsinvaliden und Rentnern, denen der Staat auf Grund leerer Kassen keine finanzielle Unterstützung leisten kann. Der Unterschied zwischen Reich und Arm steigt immer weiter an. Die Reichen zeigen ihren Reichtum teils durch Kauf einer zweiten Wohnung, speziell in Regionen wo es ohnehin zu wenig Wohnplatz gibt. Die reichen Privatunternehmer sehen sich schon als eine eigene Gesellschaftsschicht und distanzieren sich deutlich von den doch drei Viertel der Bevölkerung ausmachenden Bauern. Die Reichen sehen oft nur ihren eigenen Profit und unternehmen wenig gegen die steigende Armut.

Bevölkerungsprobleme:

Seit dem Ende des Krieges geht es der Bevölkerung zwar immer besser, doch das bedeutet auch, dass die Bevölkerung ständig wächst. 1979 waren es 52,7 Mio., 1989 64,4 Mio. und 1993 71,3 Mio. Der Regierung beschloss 1988 die Zuwachsrate von 2,13% auf 1,7% zu senken. Frauen wurden angehalten vor 22 Kinder zu bekommen. Auch die Zwei-Kind-Familie wurde zur Norm erhoben. Natürlich funktionierte dies nicht ohne Probleme. Stichproben zeigten, dass es Frauen gab, die bis zu 25 mal geboren habe. Auch die Bevölkerungsdichte ist ein grosses Problem. Die Einwohner sind sehr ungleichmässig verteilt. Im Roten-Fluss-Delta beträgt die Dichte 1000 E/km² und in Ho-Chi-Minh-Stadt sogar 1700 E/km². Genauso wird die Aufteilung des Ackerlandes immer schwieriger, weil die Zahl der Bauern ständig ansteigt.

Umweltprobleme:

Zitat aus Weggel, Oskar, Indochina, München 1990, S. 135-136: „Zwar haben die amerikanischen B-25-Flugzeuge Vietnam nicht „zurück in die Steinzeit gebombt“, doch waren immerhin 60-70 % der Industrie des Nordens zerstört und rund 170 000 ha Land „umgepflügt“ worden. Hanoi behauptet ausserdem, dass 17 Mio. ha Forst- und Waldland im Süden mit dem dioxinhaltigen „Agent Orange“ besprüht worden seien, also jenem Seveso- Gift, das bereits mit einem Millionstel Gramm krebserzeugend wirkt und dessen Folgen manchmal erst nach Jahren zu Tage treten - hier tickt eine soziale Zeitbombe.“ Besser kann man die momentane Umweltsituation in Vietnam nicht beschreiben. Die Schäden, die die Amerikaner mit ihren Entlaubungsaktionen verursachten sind unermesslich. Das Herbizid, bekannt unter dem Namen „Agent Orange“ wurde von den Amerikaner gegen den Beschluss, dass chemische Waffen nicht angewendet werden dürfen, grosszügig gespritzt. Dies hat heute zu Folge, dass viel Land unbrauchbar geworden ist. Genauso ist zu wenig bekannt, welche Auswirkungen dieses Gift wirklich auf die Bevölkerung hat. Gewisse Gifte, die auch „Agent Orange“ enthält, können über mehrere Jahre in Körper verweilen, ohne wirklich eine Krankheit zu erzeugen. Nicht nur solche Gifte, auch Minen und sonstige nicht detonierte Granaten und Bomben aus dem Krieg bedrohen die Menschen bei ihrer Feldarbeit. Ein anderes Umweltproblem ist das Waldsterben. In Vietnam wird sehr viel Tropenholz abgebaut. Gewisse Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2010 sämtliche Holzreserven aufgebraucht werden sein. Das bedeutet einen Rückgang der Wälder um 20% pro Jahr.

Abb. 5:

Verbreitung von „Agent Orange“ in Vietnam während des Vietnamkriegs Dunkel: vergiftete Gebiete.

Aus: Internet, Agent Orange Homepage (Adresse siehe Abbildungsverzeichnis)

Landwirtschaft:

An die 70% der Vietnamesen leben von der Landwirtschaft. Das wichtigste Erzeugnis ist der Reis, der auf 75% der Anbauflächen angebaut wird. Die Landwirtschaft ist sehr durch das Klima und den Monsun geprägt. Das zweite Hauptnahrungsmittel ist Fisch. Ein grosses Problem ist die Landfrage. Seit den Reformen 1988 und 1993 ist die langfristige Verpachtung von Land an Bauern wieder erlaubt. Das ganze Land ist im Besitz des Staates, die Bauern besitzen nur das Nutzungsrecht. So kommt es zu grossen Landverkäufen, die nun wiederum zu starker Konzentration von Landbesitz führen. Im Durchschnitt sind im Süden nur 5 ha Land, und im Norden, aufgrund hoher Bevölkerungsdichte nur 3, erlaubt, aber es ist bekannt, dass Bauern von 50 bis zu 640 ha Land besitzen. Dies führte dazu, dass 1997 die Anzahl der landlosen Bauern auf 83‘000 stieg. Das Land wurde grösstenteils durch andere wohlhabende Bauern aufgekauft. 10% der Bauern besitzen kein Land, dafür 6% über 5 ha. Die Grösse der Ackerfläche pro Haushalt nimmt wegen dem ansteigenden Bevölkerungswachstum immer mehr ab. Der Anbau auf so kleinen Anbauflächen ist oft unrentabel und die Bauern wechseln von Reis zu Gemüseanbau, bis sie es schliesslich ganz aufgeben. Den Behörden ist dieser Landverkauf bekannt, doch sie unternehmen nichts dagegen, weil sie selbst oft in finanziellen Nöten stecken. So sehen auch sie eine Vorteil für sich, wenn sie Land verkaufen. Ein durch den Kommunismus entstandenes Problem ist, dass verschiedene Bauern versuchen ihr Land, das ihnen einst weggenommen wurde, wieder zurück zu erlangen. Dadurch wird das Loch zwischen Arm und Reich immer grösser, aber es kann etwas dagegen unternommen werden. Vietnam ist reich an verschiedenen Rohstoffen, wie zum Beispiel Kohle. Es werden 6-7 Mio. Tonnen pro Jahr abgebaut. Neben der Kohle sind zahlreiche Erze, wie Chrom, Titan, Mangan, Eisenerz, und Edelmetalle, wie Gold und Silber, vorhanden. Grosse Probleme gibt es bei der Nutzung dieses Potentials. Die Elektrizität muss über lange Distanzen transportiert werden und das Wasser, das in den Monsunzeiten reichlich vorhanden ist, muss gestaut werden. Holz ist auch sehr wichtig in Vietnam, es kommt aber auch hier zum Raubbau. Eine weitere grosse Einkommensquelle ist auf den Krieg zurück zu führen: Vietnam ist der weltweit grösste Lieferant für Metallschrott.

Abb. 6: Hier eine Tabelle mit den verheerendsten Kriegen von 1700-1990. Man sieht deutlich, dass der Vietnamkrieg sehr viele Todesopfer forderte. Er steht an 6. Stelle. Aus: Globale Trends 93/94, Daten zur Weltentwicklung, 1993, S. 183

Die Zukunft

Das Hauptproblem an diesen Entwicklungen, welches durch den steigenden Unterschied zwischen Arm und Reich entsteht, trägt die Kommunistische Partei. Auf der einen Seite entsteht nun eine einflussreiche Gruppe von Privatunternehmern. Diese wollen die Reformen weiterführen, weil sie ihren eigenen Vorteil in der grösser werdenden Wirtschaft mit dem Ausland sehen. Dies führt aber dazu, dass die KPV (Kommunistische Partei Vietnam) an Einfluss verliert. Auf der anderen Seite gibt es die immer schlimmer werdende Verarmung auf dem Land, was dazu führt, dass das Volk unzufrieden wird. Alles in allem wird die KPV an Macht verlieren. Die Partei muss sich bereit erklären politische Reformen durch zu führen, sonst wird sie von dem Volk früher oder später abgelehnt. Die steigende Bevölkerung sowie die Landreformen sind ein ungelöstes Problem. Die reichen Länder können vor allem durch offene Grenzen dem Handel helfen.

Schlusswort

Die Probleme, die Vietnam momentan belasten, sind grundsätzlich die gleichen, die jedes andere Entwicklungsland auch aufweist. Abgesehen von den Umweltschäden, die durch den Krieg entstanden sind, sind die Probleme Armut und zu wenig Anbauland für die Bauern. Erstaunlich ist eigentlich, dass trotz des langen Krieges der Bevölkerungszuwachs nicht nachgelassen hat, sonder immer noch sehr hoch ist. Es starben immerhin knapp eine Mio. Menschen im Vietnamkrieg. Aber auch die Nord-Süd Problematik, hier in diesem Fall West- Ost, ist ein grosses Problem. Die Leute in Vietnam sind auf den Handel mit den reichen Ländern angewiesen. Ein solch armes Land nimmt keine Rücksicht auf Waldsterben, Ozonloch oder Treibhauseffekt. Sie sehen nur ihren eigenen Vorteil durch das Geld, das sie damit verdienen. Auch die Grösse der Familien ist auf diese Problematik zurück zu führen. Die Vietnamesen sehen in vielen Kindern eine Altersvorsorge und sie sehen nicht, dass viele Kinder verhungern werden. Der drastische Anstieg der Strassenkinder macht jetzt schon Angst.

Es ist ein Thema, über das man schwer Materialien findet, erst jetzt durch das Internet kommt man zu aktuellen Berichten rund um die Welt. Ich hoffe, dass in Zukunft auch mehr für das Land Vietnam getan wird, und dass es nicht vergessen wird, neben all den Länder wie Indien, China und Nordafrika. Aber auch die kommunistischen Länder wie Vietnam brauchen die Aufmerksamkeit der westlichen Welt. Immerhin steht Vietnam mit seiner Bevölkerung schon an der 13.-höchster Stelle aller Länder dieser Welt.

Literaturverzeichnis:

Scheuch, Manfred: Atlas zur Weltgeschichte: Asien, Afrika und Amerika im 20. Jh., Wien 1993

Weggel, Oskar: Indochina, München 1990

Rinaldi, Paolo: Vietnam, Niedernhausen 1998

Robinson, Daniel: Storey, Robert; Wheeler, Tony: Vietnam, Kambodscha, Stefan Loose Travel Publications, Berlin 1994

Der Fischer Weltalmanach 1996, Frankfurt am Main, 1995

Uhlig, Harald: Fischer Länderkunde Südostasien, Frankfurt am Main, Februar 1988

Stiftung Entwicklung und Frieden: Globale Trends 93/94, Daten zur Weltentwicklung,

herausgegeben von Ingomar Hauchler, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M., 1993

Internet:

http://www.asienhaus.org/publikat/soa/soa1-98/98-1-013.html http://www.asiatour.com/vietnam

http://www.geocities.com/Hollywood/Academy/1430/S1.html

http://www.doane.edu/crete/academic/social/history/his314/AgentOrange/Intro.html

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1, 2 & 3: Scheuch, Manfred: Atlas zur Weltgeschichte: Asien, Afrika und Amerika im

20. Jh., Wien 1993, S. 110-111

Abb. 4: Rinalsi, Paolo: Vietnam, Niedernhausen 1998, S. 48 Abb. 5: http://www.lewispublishing.com/map1.htm

Abb. 6: Stiftung Entwicklung und Frieden: Globale Trends 93/94, Daten zur

Weltentwicklung, herausgegeben von Ingomar Hauchler, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1993, S. 183

Details

Seiten
16
Jahr
1999
Dateigröße
359 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100093
Note
5-6 (CH)
Schlagworte
Vietnam Folgen Krieges Bevölkerung Wirtschaft

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Titel: Vietnam: Die Folgen des Krieges für Bevölkerung und Wirtschaft