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Die Geschichte der katalanischen Sprache

Ein Vergleich zwischen dem Katalanischen in Frankreich und Spanien hinsichtlich ihrer Sprachpolitik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2019 16 Seiten

Zusammenfassung

Die Arbeit beschäftigt sich mit zwei Themenschwerpunkten. Zum einen wird die Sprachgeschichte des Katalanischen dargestellt. Zum anderen wird die Sprachpolitik des Katalanischen innerhalb der beiden Länder Spanien und Frankreich verglichen.

Als Materialbasis dienen unter anderem die Sekundärwerke von Braslemann, Geckeler/Dietrich und Brummer, wobei die Werke von Bossong und Kremnitz die wichtigste Orientierung darstellen. Zunächst beginnt die Arbeit mit einer Einordnung des Sprachraumes der katalanischen Sprache, um einen Überblick zu verschaffen, in welchen Orten und Staaten die Sprache von Bedeutung ist. Anschließend beginnt der Hauptteil, der sich wiederum in zwei Teile aufgliedert. Im ersten Teil wird die Sprachgeschichte dargelegt, in der das Katalanische und seine Entwicklung ausführlich vorgestellt wird. Diese dient als Grundlage für den zweiten Teil der Hausarbeit, der aus einem Vergleich zwischen Frankreich und Spanien hinsichtlich ihrer Sprachpolitik besteht. Abschließen wird diese Arbeit mit einem Fazit sowie mit einem Ausblick auf die Zukunft der katalanischen Sprache.

Die katalanische Sprache ist in die Familie der romanischen Sprachen einzuordnen. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht kann das Katalanische zur galloromanischen und zur iberomanischen Sprachgruppe zugeordnet werden, da die Sprache eine Art Brücke zwischen den beiden Sprachgruppen bildet.

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Abstract

2 Einleitung

3 Sprachraum der katalanischen Sprache

4 Die katalanische Sprache
4.1 Geschichtliche Hintergründe
4.2 Die zwei Etappen des Katalanischen
4.2.1 Das Altkatalanische
4.2.2 Das heutige Katalanisch

5 Sprachpolitik
5.1 Katalanisch in Spanien
5.2 Katalanisch in Frankreich

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis
7.1 Sekundärliteratur
7.2 Internetquellen

1 Abstract

Le présent ouvrage vise à comparer le catalan en Espagne et en France. Après l'introduction suivra une classification géographique de la langue catalane pour créer une base. Ensuite vient la première grande partie du travail, ou le contexte historique et les deux différentes étapes de la langue seront discutés. La deuxième partie de la partie principale traite de la politique linguistique en Espagne et en France par rapport à la langue catalane. Enfin, il y aura une conclusion dans laquelle tous les points de vue seront rassemblés et un aperçu de l'avenir sera donné.

Dans ce travail, les œuvres de Braselmann, Geckeler/Dietrich et Brummer, entre autres, sont utilisées, mais les œuvres de Kremnitz et Bossong représentant l'orientation la plus importante.

En résumé, on peut dire que les différences entre le catalan en Espagne et le français sont énormes. Alors qu'il existe quatre langues officielles de l'État en Espagne, dont le catalan est l’un d’entre eux, le français n’est que la langue officielle en France et le catalan est une minorité régionale.

2 Einleitung

Die katalanische Sprache ist in die Familie der romanischen Sprachen einzuordnen. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht kann das Katalanische zur galloromanischen und zur iberomanischen Sprachgruppe zugeordnet werden, da die Sprache eine Art Brücke zwischen den beiden Sprachgruppen bildet (vgl. Geckeler/Dietrich 2012, 17). Sie wird in mehreren Ländern gesprochen und verstanden, gilt jedoch ausschließlich in Andorra als alleinige offizielle Amtssprache. Aufgrund ihrer vielen Rechte in Spanien kommt es in Katalonien selbst zum immer größer werdenden Nationsgedanke, der sich 2017 in Form eines Referendums zur Abspaltung Kataloniens von Spanien äußerte. Das Referendum scheiterte allerdings. Durch die Literatur von Ramón Llull erhielt das Katalanische einen wachsenden Bekanntheitsgrad, der die Sprache zu ihrem Status als eine der wichtigsten Kultursprachen brachte.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit zwei Themenschwerpunkten. Zum einen wird die Sprachgeschichte des Katalanischen dargestellt. Zum anderen wird die Sprachpolitik des Katalanischen innerhalb der beiden Länder Spanien und Frankreich verglichen.

Als Materialbasis dienen unter anderem die Sekundärwerke von Braslemann, Geckeler/Dietrich und Brummer, wobei die Werke von Bossong und Kremnitz die wichtigste Orientierung darstellen.

Zunächst einmal beginnt die Arbeit mit einer Einordnung des Sprachraumes der katalanischen Sprache, um einen Überblick zu verschaffen, in welchen Orten und Staaten die Sprache von Bedeutung ist. Anschließend beginnt der Hauptteil, der sich wiederum in zwei Teile aufgliedert. Im ersten Teil wird die Sprachgeschichte dargelegt, in der das Katalanische und seine Entwicklung ausführlich vorgestellt wird. Diese dient als Grundlage für den zweiten Teil der Hausarbeit, der aus einem Vergleich zwischen Frankreich und Spanien hinsichtlich ihrer Sprachpolitik besteht. Abschließen wird diese Arbeit mit einem Fazit sowie mit einem Ausblick auf die Zukunft der katalanischen Sprache.

3 Sprachraum der katalanischen Sprache

Die Katalanisch sprechende Bevölkerung verteilt sich auf vier europäische Staaten (Abb. 1). Insgesamt beläuft sich die Anzahl der Menschen, die Katalanisch verstehen auf 13.406.271 und die Anzahl der Personen, die Katalanisch sprechen auf 10.047.102 (Stand: 05.05.2016).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: https://www.mallorcamagazin.com/nachrichten/gesellschaft/2016/05/05/46704/mehr-als-die-halfte-der-auslander-sprechen-katalanisch.html.

Die katalanische Sprache wird im spanischen Staatsgebiet in folgenden autonomen Regionen als kooffizielle Sprache gesprochen: im Fürstentum Katalonien mit etwa 6.045.198 Sprechern, im Land Valencia mit 2.561479 Sprechern sowie auf den Balearen mit 888.271 Sprechern (vgl. Abb.1). Des Weiteren spricht man Katalanisch in Aragón und El Carche, einem kleinen Dorf mit 50 Einwohnern (vgl. Bossong 2008, 106). In Spanien gilt die katalanische Sprache als staatseigene Sprache (lengua propia). In Frankreich hingegen gilt sie neben dem Elsässischen, dem Baskischen, dem Flämischen und dem Bretonischen als Minderheitensprache. Gesprochen wird sie nahezu im gesamten Département Pyrénées-Orientales, „wobei die Sprache in den Dörfern der Pyrenäen noch lebendiger ist als an der Küste“ (Bossong 2008, 107). „Heute bezeichnet man dieses Teil des Sprachgebiets auf Katalanisch als Catalunya [del]Nord “ (Kremnitz 2015,61). Hier sprechen ungefähr 35,4% der Einwohner Katalanisch und 61% verstehen die Sprache (vgl. Abb.1). Im canton Fenouillet und einem Teil des Capcir wird Okzitanisch gesprochen, was aber nicht zu kommunikativen Schwierigkeiten führt, da der Unterschied zwischen dem hier gesprochenen Ostkatalanisch und dem Okzitanischen sehr gering ist (vgl. Kremnitz 2015, 61). Zudem wird das Katalanische in Andorra von 55.680 Menschen gesprochen (vgl. Abb.1), wo es als alleinige offizielle Amtssprache gilt. In Italien spricht ein Teil der Einwohner im Nordwesten Sardiniens (Alghero) Katalanisch, da die Insel im Mittelalter unter aragonesischer Herrschaft stand. Hier wird die Sprache von 61,3% der Bevölkerung gesprochen und von 90,1% verstanden (vgl. Abb.1). Daher wird neben dem Italienischen auch eine regionale Varietät des Katalanischen gesprochen (vgl. Bossong 2008, 107). Die einzelnen Orte, an denen Katalanisch gesprochen wird, grenzen sich wiederum durch eigene regionale Dialekte voneinander ab.

4 Die katalanische Sprache

4.1 Geschichtliche Hintergründe

Betrachtet man die Entstehung des Katalanischen aus der örtlichen Perspektive, lässt sich sagen, dass sie im östlichen Pyrenäenraum ihren Ursprung findet. „Die erste greifbare politische Entität ist die Marca Hispanica, ein Grenzland, das Karl der Große zum Schutz gegen die von Süden anbrandenden Mauren besonders befestigt hatte“ (Bossong 2008, 100). Während der Reconquista1 entstand ein einheitliches Regierungsgebiet in Aragón, wo das Katalanische als Amtssprache galt. Zum Ende der Reconquista um die Jahrhundertwende des 13. Jahrhunderts zählte zur Krone von Aragón das eigentliche Aragón, Katalonien, Valencia, das Roussillon sowie die Balearen und auch Sardinien und Neapel standen unter aragonesischer Herrschaft. Im Jahre 1476 wurden die Kronen von Aragón und Kastilien durch die Heirat der katholischen Könige, Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragón, zum Königreich Spanien vereinigt. Ab diesem Zeitpunkt setzte sich das Kastilische als dominante Sprache durch und das Katalanische wurde somit hierarchisch untergeordnet. In Folge des Pyrenäenfriedens 1659 kam es zum Verlust des Roussillon an Frankreich, was den katalanischen Hintergrund in Frankreich erklärt (vgl. Bossong 2008, 99f.).

4.2 Die zwei Etappen des Katalanischen

„Das Katalanische ist die Bedeutendste unter den „kleineren“ romanischen Sprachen. Es hat mehr Sprecher als viele europäische Nationalsprachen mit offiziellem Status“ (Bossong 2008, 99). Besonders in Katalonien genießt die Sprache sehr viele Rechte dank ihrer einzigartigen Sprachpolitik in Spanien, auf die in Kapitel 5 näher eingegangen wird. Aufgrund des starken Nationsgedankens seitens der Katalanen kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen dem Staat und der katalanischen Regierung, da diese sich als eigenständigen Staat sieht und sich daher von Spanien unabhängig machen will (vgl. Vallespín, Fernando 2018).

4.2.1 Das Altkatalanische

Die erste Etappe des Katalanischen, die als ihre Blütezeit gilt, wird heute als Altkatalanisch bezeichnet (vgl. Brummer 1975, 20). Die katalanische Sprache entwickelte sich zwischen dem siebten und neunten Jahrhundert zu einer eigenen Sprache und entwickelte sich im Mittelalter weiter zur Volkssprache. Sie galt als Sprache der Literatur, des Gesetzes und des Schaffens (vgl. Etxebarria,Maitena 2002, 102). Des Weiteren zählte sie im Mittelalter zu einer der bedeutendsten Kultursprachen (vgl. Bossong 2008, 99). Die ersten schriftlichen Nachweise des Katalanischen stammen aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der erste bisher bekannte katalanische Text ist eine Übersetzung des westgotischen Gesetzbuches Forum Judicum. Nach und nach kamen weitere Texte in katalanischer Sprache auf, wie beispielsweise die Sammlung von Predigtentwürfen aus der Zeit um 1200 mit dem Titel Les Homilies d’Organyà (vgl. Brummer 1975, 17f.) . Die Texte sind besonders bekannt für ihre antike Sprache- eine Mischung aus lateinischen und katalanischen Sprachelementen (vgl. Etxebarria, Maitena 2002, 102). Einige Jahrzehnte später tritt das Katalanische erstmalig als Literatursprache auf. In ihrer endgültigen Form entwickelt, erscheint sie erstmalig im 13. Jahrhundert in den Werken von Ramón Llull, der als Begründer des Katalanischen in der Literatur gilt, was ihn bis heute besonders wichtig für das katalanische Selbstbewusstsein macht (vgl. Vidal, Francesca 2012, 1). Die Werke von Llull umfassen neben den katalanischen Schriften auch lateinische und arabische Schriften. „Das erste - und zugleich umfangreichste – Prosawerk aus seiner Feder, das katalanisch überliefert ist, ist der Libre de contemplació en Déu“ (Brummer 1975, 18). Ramón Llull bringt so seine Muttersprache auf einen hoch angesehenen Platz, denn sie wird dank ihm nach dem Griechischen und dem Lateinischen zur ersten europäischen Sprache, die theologische und philosophische Problematiken thematisiert (vgl. Brummer 1975, 18).

Schon eine Betrachtung des Wortschatzes zeigt, dass Ramón Llull zahlreiche gelehrte Wörter und Wortbildungen gebraucht, von denen viele in anderen romanischen Idiomen um diese Zeit entweder gar nicht vorkommen oder sich noch nicht eingebürgert haben […] (Brummer 1975, 18).

Das 14. und 15. Jahrhundert dienen dem Zweck der Weiterentwicklung der Sprache im Bereich Prosa, wobei im 15. Jahrhundert der Bereich der Poesie hinzukommt. In dieser Phase des Katalanischen sind kaum dialektische Eigentümlichkeiten festzustellen, denn alle Autoren dieser Zeit verwenden eine einheitliche Literatursprache (vgl. Brummer 1975, 19f.). Der Sprachgebrauch war zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert weggefallen und trat erst im 19. und 20. Jahrhundert wieder in Erscheinung.

Zusammen mit dem Galicischen und Okzitanischen bildet das Katalanische die Gruppe der «classiques déchus », der Sprachen, die nach mittelalterlicher Hochblüte verfielen und erst im Zeichen der Romantik wieder zu neuem Leben erweckt wurden (Bossong 2008, 99).

Während der spanischen Siglos de Oro im 16. und 17. Jahrhundert nahm die Kastilisierung der katalanischen Sprachbevölkerung immer mehr zu. Bis zum 19. Jahrhundert wird von der Periode der Decadència gesprochen, in der das Kastilische dem Katalanischen vorgezogen wird, was zu einem Mangel an bedeutenden Literaturwerken während dieser Zeit führt (vgl. Brummer 1975, 20). „Der Niedergang des Katalanischen war [jedoch] nicht total“ (Bossong 2008, 101). Vor allem in Katalonien und auf den Balearen wurde die Sprache weiterhin im Alltag verwendet, was immerhin die mündliche Tradition des Katalanischen bewahrte.

4.2.2 Das heutige Katalanisch

Die zweite Etappe des Katalanischen, die im 19. Jahrhundert beginnt und bis in die heutigen Tage reicht, könnte als Neukatalanisch bezeichnet werden, wird aber aufgrund ihrer einsetzenden Normierung Anfang 1900 als heutiges Katalanisch betitelt. Als in der Epoche der Romantik das Interesse an der mittelalterlichen Troubadourlyrik neu auflebte, „veröffentlichte Buenavantura Carlos Aribau […] eine Ode an die katalanische Nation und Sprache mit dem Titel La pàtria“ (Bossong 2008, 101). Durch dieses Gedicht wurde die Bevölkerung wieder an ihre Traditionen erinnert und es folgte die Bewegung der Renaixença2. Das Katalanische wurde von Pompeu Fabra zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur voll ausgebauten modernen Schriftsprache normiert, indem er die maßgeblichen Werke zu Orthographie (1913), Grammatik (1918) und Lexik (1932) verfasste (vgl. Bossong 2008, 101 f.). Seine Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut d’Estudis Catalans, welches bis heute als Zentrum der katalanischen Sprachpflege und Kultur gilt (vgl. Brummer 1975, 21).

„Mit dem Bürgerkrieg und der nachfolgenden franquistischen Unterdrückung aller Minderheiten in Spanien folgte allerdings wieder eine Epoche des Niedergangs“ (Bossong 2008, 102). Dies hatte zur Folge, dass auch die katalanische Sprache weder geschrieben noch gesprochen werden durfte. Erst mit dem Tode Francos im Jahr 1975 und der damit verbundenen demokratischen Wende Spaniens, kehrte das Katalanische wieder in seinen Alltag zurück und fand wieder Anklang. Das Ende der Diktatur bedeutete ein Wiederaufleben der Regionalsprachen und die damit verbundenen kulturellen Zusammenhänge. Die neue demokratische Konstitution Spaniens von 1978 erkannte die sprachliche Vielfalt Spaniens wieder an (vgl. Etxebarria 2002, 109). Im Jahr 1979 wurde von der katalanischen Regionalregierung Generalitat ein Statut erlassen, welches das Katalanische zur kooffiziellen Sprache in Katalonien machte. Auch die anderen autonomen Regionen Spaniens, Valencia und die Balearen, in denen das Katalanische bis heute gesprochen wird, machten die katalanische Sprache zur kooffiziellen Sprache (vgl. Bossong 2008, 102).

[...]


1 „Christliche Wiedereroberung der von den Mauren beherrschten Gebiete“ (Bossong 2008, 100).

2 Renaissance, Wiedergeburt.

Details

Seiten
16
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346372901
ISBN (Buch)
9783346372918
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Erscheinungsdatum
2021 (März)
Note
1,3
Schlagworte
geschichte sprache vergleich katalanischen frankreich spanien sprachpolitik

Autor

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Titel: Die Geschichte der katalanischen Sprache