Lade Inhalt...

Lessing, G. E. - Nathan der Weise

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 5 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Nathan der Weise

GLIEDERUNG:

A) Humanität ist eines der bedeutendsten Merkmale der Aufklärung.

B) ,,Humanität (hat) vor allem drei Züge (...): einmal die Loslösung von ihrer geschichtlichen Existenz, zweitens die Erhebung zu geistigen Personen, drittens den Optimismus der Weltund Lebensanschauung." (Benno von Weise). Inwiefern ist Humanität als ein Element der Aufklärung auch durch die Figuren in ,, Nathan der Weise" verkörpert?

I. Wie sollen die drei Hauptmerkmale der Humanität verstanden werden?

1. Erklärung von ,,Loslösung von ihrer geschichtlichen Existenz"

2. Bedeutung von der ,,Erhebung zu geistigen Personen"

3. ,,Optimismus der Welt- und Lebensanschauung" als drittes Zeichen für Humanität II. Der Patriarch wird als typisch nicht-human dargestellt.

1. Ablehnung der Benützung des Verstandes

2. Intoleranz gegenüber anderen Menschen

a) im Hinblick auf deren Meinung
b) im Hinblick auf deren Religion

3. Verkörperung des Unmenschlichen durch die Person des Patriarchen auch heutzutage

III. Der Sultan Saladin wandelt sich zu einem humanen Herrscher

1. pessimistische Einstellung gegenüber seinen eigenen Fähigkeiten und auch der Zukunft gegenüber

2. kein Einsatz seines Verstandes

a) Verschwendung seiner Finanzen trotz Geldnot
b) Beeinflussbarkeit durch seine Schwester

3. Abbau der Vorurteile gegenüber anderen Religionen

a) Intoleranz zu Beginn der Handlung
b) Tolerantes Verhalten ab der Aufklärung durch Nathan

IV. Durch Nathan wird Humanität verkörpert.

1. Gültigkeit seiner Humanität auch heute noch

a) aufgrund seiner Toleranz gegenüber anderen Religionen
b) Hilfe anderer Menschen

2. Benützung seines Verstandes

3. Optimistischer Blick in die Zukunft

C) Humanität wird auch in der heutigen Zeit bei manchen Menschen noch vergeblich gesucht.

Neben (religiöser) Toleranz, den Naturrechten und dem Empirismus ist die Humanität eine der Hauptideen der Aufklärung. Deshalb hat die Menschlichkeit auch in ,,Nathan der Weise" einen großen Stellenwert. Dieses dramatische Gedicht wurde 1778/79, also in der Zeit der Aufklärung, von Gotthold Ephraim Lessing geschrieben. In diesem Werk, welches in Versform verfasst ist, wird vor allem die Religionsfrage bearbeitet.

Benno von Weise definierte: ,, Religion (hat) vor allem drei Züge (...): einmal die Loslösung von ihrer geschichtlichen Existenz, zweitens die Erhebung zu geistigen Personen, drittens den Optimismus der Welt- und Lebensanschauung." Inwiefern wird Humanität auch durch die Figuren in ,,Nathan der Weise" repräsentiert?

Dazu ist es wichtig, zu klären, wie die drei Hauptmerkmale, die Benno von Weise nennt, eigentlich verstanden werden sollen. Mit ,,Loslösung von ihrer geschichtlichen Existenz" meint er, dass Humanität nicht nur für eine bestimmte Zeit ihre Gültigkeit hat, sondern allgemeingültig ist. Wenn man also schon zur Zeit der Aufklärung als human betrachtet wurde, so wäre dies auch jetzt in der Gegenwart der Fall, falls man jetzt genauso handeln würde. Es ist also nicht von einer bestimmten Epoche abhängig, ob man als menschlich oder unmenschlich angesehen wird. Humanität ist sozusagen zeit-unabhängig. Das Merkmal ,,Erhebung zu geistigen Personen" soll veranschaulichen, dass man nur menschlich ist, wenn man auch seinen eigenen Verstand benützt. Man soll also nicht wie ein Papagei alles was andere machen nur nachmachen und sich sofort deren Meinung aufdrängen lassen und diese nachplappern, sondern man soll selbst überlegen, was gerade vernünftig wäre und nach eigenem Ermessen handeln.

Als drittes Zeichen für Menschlichkeit nennt Benno von Weise den ,,Optimismus der Weltund Lebensanschauung". Dadurch soll ausgedrückt werden, dass man positiv in die Zukunft blicken und Fortschritte machen und annehmen soll. Man darf also nicht andauernd an sich selbst zweifeln und nur das schlechte am Leben sehen. Natürlich durchlebt jeder Mensch auch einmal eine schwierigere Lebensphase, aber da darf man dann eben nicht verzweifeln, sondern optimistisch sein und sich sagen, dass alles auch einmal wieder besser wird. Ansonsten erstickt man an dieser Verzweiflung.

Der Patriarch ist typisch unmenschlich dargestellt. Er lehnt die Benützung seiner Vernunft und damit seines Verstandes ab. Wenn er nämlich mit Verstand handeln würde, dann hätte er auch etwas Vernunft. Er will sich nur blindlings an das halten, was er von Gott gesagt bekommt und meint, dass sich die ,,stolze menschliche Vernunft (...) doch irren kann", (S.91).

Er behauptet auch, dass die von Gott gegebene Vernunft auf keinen Fall weiter untersucht werden darf (siehe S.90/91), sondern nur so, wie sie von ihm vorgefertigt wurde auch verwendet werden muss. Außerdem meint er, dass Vernunft auch gar nicht überall zu gebrauchen ist (vgl. S.90), was auch ein Gegensatz zu dem ist, was Benno von Weise sagt. Ein weiteres Zeichen für die Unmenschlichkeit des Patriarchen ist, dass er sehr intolerant gegenüber anderen Menschen ist. Zum einen ignoriert er deren Meinung und will ihnen seine eigene, in seinen Augen einzig richtige aufzwängen. Das ist deutlich daran zu sehen, dass sogar der Klosterbruder, der sich eigentlich immer selbst seine Meinungen bildet, auf das zurückgreift, was der Patriarch sagt und meint (siehe S.24, 25, 27). Seine starke Autorität und Befehlsgewalt, die er unter anderem dadurch hat, sieht man auch am Klosterbruder, der sagt: ,,Ich muss gehorchen (...)."(S.22).

Überdies ist er auch äußerst intolerant gegenüber allen anderen Religionen. Er behauptet, dass Nathan der Recha vor dem Elend gerettet hat(siehe S.92), ihr gar nicht hätte helfen dürfen. Nathan, ,,(...) welcher einen Christen zur Apostasie verführt"(S.92) gehört seiner Meinung nach sogar auf den Scheiterhaufen. Er meint auch, dass Recha schon von Gott selbst gerettet worden wäre, wenn er dies gewollt hätte. Dies wäre auch viel besser gewesen, als von einem Juden gerettet zu werden.

Der Sultan Saladin ist zu Beginn der Handlung auch nicht sehr menschlich. Er hat zum Beispiel eine sehr pessimistische Einstellung seinen Fähigkeiten gegenüber. Als er nämlich Nathan um Hilfe bitten soll, traut er sich zuerst gar nicht, weil er meint, dass er das nicht kann (vgl. S.64). Hinzu kommt auch noch der sehr pessimistische Blick in die Zukunft. Er denkt eher nicht, dass ihm Nathan Geld leihen wird, auch wenn dieser sehr viel davon hat und es ihm in keinster Weise schaden würde (siehe S.65f.).

In diese Geldnöte wäre Saladin eigentlich gar nicht gekommen, wenn er seinen Verstand benützt hätte. Er verschwendet seine Finanzen nämlich ohne einen triftigen Grund zu haben. Zum Beispiel spielt er mit seiner Schwester Sittah sehr oft Schach mit einem hohen Einsatz, wobei er aus ,,(...) Fleiß, mit aller Gewalt verlieren" will (S.32), um ihr Geld geben zu können. Sollte sie jedoch auch einmal verlieren, so ,,gewann(...) sie immer am meisten(...)"(S.32), wenn sie verlor, weil er ihr dann immer den doppelten Einsatz gab, um sie zu trösten. Darin ist jedoch nicht nur Unvernunft, sondern auch schon Ansätze von Menschlichkeit zu erkennen, weil er sich ja auch um Sittah sorgt. Hinzu kommt noch dass er sich sehr stark von Sittah beeinflussen lässt. Er lässt sich von ihr überreden, Nathan um Hilfe zu bitten, obwohl er dies eigentlich gar nicht will, weil er darüber so pessimistisch ist (vgl. S.64ff.).

Am Anfang ist auch Saladin, der ein Muslime ist, sehr intolerant gegenüber anderen Religionen eingestellt. Er hat Angst davor, dass ihn der Jude Nathan bei den Geldgeschäften betrügen könnte, weil laut seiner Meinung Juden darin viel geschickter sind (siehe S.65). Außerdem zeigt sich die Intoleranz gegenüber dem Christentum darin, dass er sehr viele Tempelherren wegen ihrem Glauben töten lässt(vgl. S. 7). Hier ist aber auch schon ein Hauch von Menschlichkeit zu entdecken, weil er ja den Tempelherrn, der seinem Bruder so ähnlich sieht, begnadigt(S.7). Dies ist nämlich auch ein Zeichen von Vernunft und Nächstenliebe. Aber andrerseits zeugt dies auch von wenig Einsatz seines Verstandes, weil es ziemlich unlogisch ist, dass er jemanden verschont, nur weil er seinem Bruder ähnlich sieht und dies, obwohl dieser auch noch einen anderen Glauben hat. Ab der Aufklärung durch Nathan wird Saladin aber dann immer toleranter. Nathan schafft dies mit Hilfe der Ringparabel (S. 70ff.). Er kommt zu dem Ergebnis, dass alle drei Religionen gleich gut sind und macht dies in derart geschickter Weise, dass Saladin die Meinung Nathans akzeptiert und förmlich begeistert ist (siehe S. 74 und 75). Am besten ist Saladins Toleranz gegenüber anderen Religionen darin zu sehen, dass er Nathan als Freund ansieht und vor allem dann am Schluss der Geschichte, als er sozusagen die beiden anderen Religionen, die durch Recha und den Tempelherrn verkörpert sind, umarmt. Er sieht sogar auch noch Recha und den Tempelherrn echte Familienmitglieder an (vgl. S. 138f.).

Diejenige Person in diesem Stück, die am meisten Humanität besitzt, ist Nathan. Dies ist nicht nur für die Zeit der Kreuzzüge, in der die Handlung spielt gültig, sondern er würde auch heutzutage als sehr menschlich empfunden werden. Zum einen ist das aufgrund seiner Toleranz im Hinblick auf andere Religionen, die auch heute sehr geschätzt wird. Zu sehen ist diese Toleranz schon ganz zu Beginn der Geschichte, als man erfährt, dass er als Jude die Christinen Recha und Daja bei sich aufgenommen hat. Nicht nur das, er beschenkt diese auch noch mit seinen mitgebrachten Waren (S.5) und noch dazu sieht er beide als feste Angehörige seiner Familie an, die er auch liebt: ,,O Recha! O meine Recha! (...) Wenn ich mich je wieder entwöhnen müsste, dieses Kind mein Kind zu nennen!"(S.5). Die Toleranz gegenüber den beiden anderen Religionen ist auch gut darin zu erkennen, dass und wie er das Gleichnis mit den Ringen erzählt(ab S.70). Nathan ist ein sehr reicher Mann. Er ist jedoch überhaupt nicht geizig und häuft sein Vermögen nicht nur für sich an, sondern er hilft auch anderen Menschen damit. Auch das hat immer schon und gilt heutzutage als sehr menschlich. Ihm ist dabei allein die Hilfe wichtig und nicht die Menge des Geldes, mit der er sich womöglich auch angesehener oder beliebter machen könnte: ,,Geld hin, Geld her! Das ist das wenigste."(S.55). Außerdem hilft er anderen Menschen auch durch seine Freundschaft. Er bietet dem Tempelherrn seine Freundschaft an: ,,Kommt, wir müssen, müssen Freunde sein!"(S.49).Und auch Saladin wird ein Freund von Nathan, nachdem er ihm die Ringparabel erzählt hat. Darüber hinaus setzt Nathan der Weise auch seinen Verstand ein. Zum Beispiel hat er die Christin Recha nicht einfach stur nach seinem Glauben erzogen, sondern lässt ihr sozusagen die freie Entscheidung, wenn sie einmal größer ist, ob sie Christin oder Jüdin sein will und erzieht sie neutral: ,,Er habe das Mädchen nicht sowohl in seinem Glauben auferzogen, und sie von Gott nicht mehr und nicht weniger gelehrt, als der Vernunft genügt."(S. 93). Hier wird sogar auch direkt gesagt, dass er nach der Vernunft handelt. Sein Verstand zeigt sich außerdem bei der Ringparabel. Er erzählt diese mit einem solchem Geschick, dass Saladin total begeistert reagiert und sich völlig überzeugen lässt. Nathan weist auch noch das dritte Merkmal der Humanität auf: ,,Den Optimismus der Welt- und Lebensanschauung." Zum Beispiel bleibt er relativ ruhig, als er erfährt, dass es bereits öffentlich wurde, dass er ein Christenkind aufzieht (siehe S.107). Er hat also keine Angst vor der Zukunft. Außerdem blickt er gelassen in die Zukunft, als ihm zu Ohren kommt, dass der Tempelherr mit Recha verwandt ist (siehe S.111). Durch Nathan werden also alle drei Grundzüge der Humanität in einer Person verkörpert. Er ist somit absolut menschlich und eine sehr aufgeklärte Person.

Auch in der heutigen Zeit wird Humanität bei manchen Menschen vergeblich gesucht. Viele geben nur einfach das wieder, was sie in den Medien als perfekt vorgefertigte Meinungen vorfinden, ohne darüber nachzudenken. Dabei überlegen sie meist gar nicht mehr, was sie sagen. Der Verstand wird dabei also total vernachlässigt. Dies sieht man auch darin, dass sehr viele Menschen gegenüber anderen Religionen, Meinungen oder Kulturen ziemlich intolerant sind. Die jüngsten Beispiele von Anschlägen auf Gotteshäuser des anderen Glaubens oder Ausländerfeindlichkeit sind Zeugnis davon. Und das alles oft nur, weil andere es ihnen vorgeben, so zu handeln. Sie können also mit dem intoleranten Patriarchen oder dem (zu Beginn) unaufgeklärten Sultan verglichen werden.

Details

Seiten
5
Jahr
2000
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100122
Note
2
Schlagworte
Nathan Lessing

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Lessing, G. E. - Nathan der Weise