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Kommunikationsfähigkeit im Pflegeprozess

Referat (Ausarbeitung) 1999 10 Seiten

Pflegewissenschaften

Leseprobe

Die Funktion der Kommunikationsfähigkeit im Pflegeprozess

1 Einleitung

Kommunikation sollte immer dann stattfinden, wenn mindestens zwei Menschen zu einer gemeinsamen Einschätzung einer Situation kommen wollen. Der Austausch der Nachrichten kann sprachlich (verbal, graphisch) oder nonverbal (Mimik, Gestik) stattfinden. Ein besonderer Fall ist gegeben, wenn ein kranker Mensch Hilfe benötigt und dazu eine Fachkraft aufsucht.

Bei der Berücksichtigung des ohnehin sehr komplexen Themas, Kommunikation in Verbindung mit den Bedürfnissen kranker Menschen wird deutlich, dass sich hierbei durchaus negative Konsequenzen für den Patienten ergeben können. Das bedeutet, dass Kommunikation erlernt werden muss.

Die Kommunikationsfähigkeit ist nicht nur die am häufigsten geforderte Fähigkeit von Schlüsselqualifikationen auf dem Stellenmarkt, es kommt ihr im Berufsfeld der Pflege eine besondere Bedeutung zu.

Betrachtet man zum Beispiel den Pflegeprozess, beginnend mit der Informationssammlung, wird deutlich, welch großen Einfluss Kommunikationsfähigkeit auf ihn hat. Im Rahmen unserer Weiterbildung zur Lehrenden an Pflegeschulen erfolgte eine Auseinandersetzung mit dem Pflegeprozess und der Schwierigkeit, diesen in die Praxis umzusetzen. Ebenso haben wir eine Grundlage für die Interpretation der Kommunikation erworben und haben gelernt, unser eigenes Kommunikationsverhalten immer wieder unter bestimmten Gesichtspunkten zu reflektieren.

Durch unsere Erfahrungen wissen wir, dass die situationsgerechte und individuelle Gesprächsführung die gezielte Anwendung unterschiedlicher Kommunikationsmethoden voraussetzt.

Aus diesen Erkenntnissen heraus ergibt sich für uns folgende Fragestellung:

Warum kommt der Kommunikationsfähigkeit im Pflegeprozess große Bedeutung zu und wie kann dies in der theoretischen und praktischen Ausbildung gefördert werden ?

Um diese Frage möglichst objektiv beantworten zu können, wählten wir als Bearbeitungsmethode ein erarbeitendes Gespräch und eine intensive Literatursichtung. Mit Hilfe des Regelkreises der Problemlösung werden wir das Thema darstellen. Der Einstieg in die Bearbeitung der konkreten Fragestellung beinhaltete die Auseinandersetzung mit den Schlüsselqualifikationen und deren Transfer in die Pflegeausbildung - Praxis.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 zum Pflegeprozess

Einen Weg gehen, bedeutet einzelne Schritte ausführen.

Ein Ziel erreichen kann man, indem man einen Weg geht.

Einen Weg gehen kann die Planung einzelner Schritte bedeuten. Einen Schritt ausführen kann der Anfang eines Weges sein.( )

Den Ablauf einzelner Schritte bezeichnet man als Prozess. Mit dem Begriff Pflegeprozess soll der Ablauf der pflegerischen Handlung systematisiert werden.

Wir ziehen dazu die Definition nach Fiechter und Meyer heran (Der Pflegeprozess, S. ):

,,Der Krankenpflegprozess hat zum Ziel, auf systematische Art und Weise dem Bedürfnis des Patienten nach pflegerischer Betreuung zu entsprechen. Der Krankenpflegeprozess besteht aus einer Reihe von logischen, voneinander abhängigen Überlegungs-, Entscheidungs- und Handlungsschritten, die auf eine Problemlösung, also auf ein Ziel hin, ausgerichtet sind und im Sinne eines Regelkreises einen Rückkoppelungseffekt (Feedback) in Form von Beurteilung und Neuanpassung enthalten."

Der Pflegeprozess allein beschreibt nur das systematische, logische und auch das wissenschaftliche Vorgehen. Die Pflegeplanung ist das als Werkzeug im Pflegealltag.

Der Pflegeprozess dient dazu:

- Informationen zu sammeln, um die subjektiven - und objektiven Daten über das Gesundheitsproblem des Patienten zu analysieren
- aktuelle und potentielle Gesundheitsprobleme festzustellen
- Ziele zu setzen und deren Erreichbarkeit zu überprüfen einen Plan zu entwickeln, in dem die Pflegemaßnahmen benannt werden, die zum Erreichen des Ziels notwendig sind
- den entwickelten Plan in die Tat umzusetzen und die dabei ausgeübten Pflegehandlungen und ihr Ergebnis zu dokumentieren

2.2 Kommunikation

Der Pflegeprozess ist eine Gemeinschaftsarbeit von Patient und Pflegekraft. Damit diese Zusammenarbeit gut gelingt, müssen sie miteinander reden, das bedeutet für uns kommunizieren. Pflegekraft und Patient sollten so miteinander reden, dass sie einander besser verstehen können und wollen. Die Pflegekraft, die den Pflegeprozess gestaltet, sollte Kommunikation beherrschen, um Erfolg zu gewährleisten. Kommunikation kann in schriftlicher - und in mündlicher Form, die wiederum einen verbalen und einen nonverbalen Anteil hat, erfolgen. In unserer Arbeit beschränken wir uns auf den mündlichen Teil der Kommunikation, bei der folgende Kriterien die Qualität bestimmen.

a. Personenbezogen

- Wortwahl
- Tonfall
- Angemessenes Sprachniveau
- Mimik, Gestik
- innere Haltung
- Ehrlichkeit (Kongruenz)

b. bezogen auf Rahmenbedingungen

- ruhige Räume
- Störungen fernhalten
- Atmosphäre schaffen

Assoziationshofhof zum

Begriff Kommunikation

Der Assoziationshof zum Begriff der Kommunikation sowie die allgemein gültigen Grundsätze der Kommunikation verdeutlichen dieses Verständnis von Kommunikation.

Grundsätze der Kommunikation

- Eine Kommunikation ist eine Mitteilung
- Man kann nicht nicht kommunizieren
- Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
- Jede Kommunikation unterliegt der Deutung
- Die Kommunikation kann analog oder digital erfolgen
- Die Beziehungsebene bestimmt die Inhaltsebene

Unter Kommunikation versteht man:

,,den Prozess der Übermittlung und Vermittlung von Information durch Ausdruck und Wahrnehmung von Zeichen aller Art systematisch einzuordnen auf einer biologischen Ebene (körperliche Berührungen und Affekte, wie lachen und weinen ), einer motorischen (Körperhaltung, Mimik, Gestik), einer lautlichen (Geräusch und Sprache) und einer technischen Ebene (Medien)."

2.3 Kommunikationsfähigkeit

Kommunikation muss gelernt werden!

Unter Kommunikationsfähigkeit versteht man die Bereitschaft und das Vermögen des Einzelnen, bewusst und selbstkongruent zu kommunizieren, indem er/sie sich anderen möglichst klar und deutlich mitteilt (Selbstoffenbarung), anderen bewusst zuhört, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden weiß, auf Bedürfnisse anderer eingeht und auf nonverbale Signale achtet

Den Begriff der Kommunikationsfähigkeit kann man auch in der Definition des Begriffs der ,,Interaktion" wiederfinden, in welcher Interaktion verstanden wird, als allgemeine und umfassende Beziehung für jede Art wechselseitiger Bedingtheit, z. B im sozialen Verhalten, wo zwei oder mehrere Versuchspersonen durch Kommunikation einander beeinflussen können und das gemeinsame Verhalten als Ergebnis der Interaktion angesehen werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser Abbildung wird die komplexe Struktur der Kommunikationsfähigkeit gut sichtbar.

3 Funktion der Kommunikationsfähigkeit im Pflegeprozess am Beispiel des Aufnahmegespräches eines Patienten

Die Einschätzung des Patienten durch ein Aufnahmengespräch ist die erste Aufgabe beim Durchführen eines Pflegeprozesses. Sie dient dazu, das Fundament für eine optimale pflegerische Tätigkeit zu legen. Alle folgenden Schritte des Pflegeprozesses und damit die Qualität der Pflege insgesamt hängen von der Verlässlichkeit der Situationseinschätzung ab. Der erste Schritt im Pflegeprozess, die Informationssammlung hat zum Ziel, den Patienten kennen zu lernen, seine Ressourcen und Defizite zu erfassen, den Grad seiner Hilfsbedürftigkeit zu ermitteln und herauszufinden, welche pflegerische Unterstützung er in seiner speziellen Situation benötigt. Das Sammeln von Informationen beginnt sofort beim ersten Kontakt mit dem Patienten. Gegenwärtig werden zu diesem Zweck Interviews nach standardisierten Fragebögen durchgeführt. Auf den ersten Blick hat das den Vorteil, dass alle wichtigen Punkte angesprochen werden, erweckt aber eher den Eindruck eines Verhörs. Die Individualität, geht dabei verloren und das nötige Vertrauen, das für ein gutes effektives Aufnahmegespräch nötig ist, wird dabei nicht im ausreichenden Maße aufgebaut. Es ist nicht nötig mit dem Patienten ein standardisiertes Fragebogeninterview abzuhalten, er sollte vielmehr nur als Leitfaden - als Gedankenstütze - dienen und sollte niemals zu einem routinemäßigem Abfragen gebraucht werden.

Die Pflegekraft sollte vielmehr bewusst zuhören, Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden, auf die Bedürfnisse des Patienten eingehen und durch gezielte Beobachtung auf nonverbale Signale achten.

Je mehr es gelingt, in der Interaktion mit dem Patienten eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, desto mehr wird auch der Patient bereit sein sich zu öffnen.

Damit der Pflegeprozess zu einem gemeinsamen Weg aller Personen, die an ihm beteiligt sind und dasselbe Ziel verfolgen (Pflegekräfte, Patienten, Angehörige und alle weiteren Berufsgruppen)wird, ist die Kommunikationsfähigkeit mit dem gesamten Spektrum ihrer Bestandteile, wie z. B. Feedback geben und nehmen, Fragen stellen, aktivem Zuhören,. besonders wichtig.

So stellt sich die Kommunikationsfähigkeit für uns ganz deutlich als Basisqualifikation für den Pflegeprozess dar, was sich schon besonders zu Beginn der Informationssammlung abzeichnet. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, diese Fähigkeit bei den Auszubildenden von Beginn an zu fördern. Auch sollten die Beteiligten des Berufsfeldes angeregt werden, ihre Fähigkeit zum Kommunizieren, stetig zu reflektieren.

4 Problemanalyse

4.1. In der theoretischen Ausbildung

Beim Erlernen des Pflegeprozesses wird Kommunikationsfähigkeit bei Auszubildenden nicht genügend gefördert, da Pflegelehrer der Kommunikationsfähigkeit im Aufnahmegespräch nicht genügend Bedeutung beimessen.

In der theoretischen Ausbildung werden Grundlagen der Kommunikation mit Kommunikationsmethoden und der Pflegeprozess unabhängig voneinander unterrichtet. Kommunikation wird von Psychologen unterrichtet, die den Pflegeprozess nicht genügend in ihren Unterricht miteinbeziehen. Pflegelehrer unterrichten über den Pflegeprozess und geben der Kommunikationsfähigkeit dabei oftmals zu wenig Raum. Psychologen und Pflegelehrer stimmen sich über Unterrichtsinhalte und -methoden, die für das Gespräch sinnvoll wären, offensichtlich nicht genügend ab.

4.2. In der praktischen Ausbildung

Die Bedeutung des Aufnahmegesprächs wird meistens von Pflegenden, im Vergleich mit anderen pflegerischen Tätigkeiten unterschätzt und Auszubildende werden mit der scheinbar leichteren Aufgabe der Informationssammlung betraut. Anhand eines standardisierten Fragebogens werden die Patienten befragt, um so Informationen zu erhalten. Häufig erfassen sie somit nicht die individuellen Ressourcen und Probleme eines Patienten. Manchmal werden Aufnahmegespräche auf dem Flur, in unruhigen Räumen und unter Zeitdruck durchgeführt. Den Auszubildenden ist unklar, wie sie ein Gespräch führen müssen, besonders bei Patienten mit Krankheitsbildern, welche sie aus der Theorie noch nicht kennen. Da Auszubildenden führen ein Aufnahmegespräch meistens alleine und erhalten deshalb kein Feedback und können ihre Kommunikationsfähigkeit nicht reflektieren.

5 Zielvorstellung

Mit unserer Arbeit haben wir die Funktion und Bedeutung der Kommunikationsfähigkeit im Pflegeprozess für alle Beteiligten des Berufsfeldes Pflege deutlich hervorgehoben. Für uns als zukünftige Pflegelehrer ist es wichtig, die eigene Kommunikationsfähigkeit zu reflektieren, um damit für uns eine Grundlage zu schaffen, um diese bei unseren späteren Auszubildenden fördern zu können. Uns erscheint es bedeutsam, die Funktion der Kommunikationsfähigkeit im Pflegeprozess den Auszubildenden transparent zu machen. Dies wird unterstützt über die Reflexion der eigenen Erfahrungen auf beiden Seiten.

Unsere Zielvorstellungen richten sich an beide Lernorte der Ausbildung:

- Innerhalb der Krankenhäuser bedarf es der Unterstützung der Auszubildenden durch entsprechende didaktische Maßnahmen, die den Auszubildenden Orientierungshilfe bieten sich im ,,Dschungel der Widersprüche, im Strukturwandel der Pflege" zurechtzufinden, um die Pflegequalität weiterzuentwickeln.
- In der theoretischen Ausbildung sollte versucht werden, Theorie und Praxis durch handlungsorientiertes Lernen zu verknüpfen. Dadurch bleibt der Pflegeprozess -Pflegplanung- nicht nur ein theoretisches Arbeitsmittel.

6 Lösungsaspekte

Die Notwendigkeit der Einführung des handlungsorientierten Unterrichtens stellt eine Differenzierung von theoretischen und praktischen Unterrichtsinhalten in Frage. Da es aber aus jetziger Sicht noch erforderlich ist, die Ausgangslage für diese Veränderung zu beleuchten, führen wir die Punkte Theorie und Praxis noch getrennt auf.

6.1. Lösungsansätze in der theoretischen Ausbildung

Der Schwerpunkt der Lösungsansätze liegt für uns in der Einführung eines handlungsorientierten Ausbildungskonzeptes, welches die Kommunikationsfähigkeit im Pflegeprozess fördert.

Handlungsorientierter Unterricht ist ein ganzheitlicher und schüleraktiver Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer und den Auszubildenden vereinbarten Handlungsziele die Gestaltung des Unterrichtsprozesses leiten, so dass Kopf-, Hand- und Gefühlsarbeit der Auszubildenden in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden können. Dabei sollten folgende Punkte Beachtung finden :

- Herstellung eines Gleichgewichtes von funktioneller und kommunikativer Kompetenz ¬ das in Pflegethemen integrierte kommunikative Thema sollte konsequenterweise von Lehrern für Pflegeberufe unterrichtet werden
- Fächerübergreifender Unterricht im Sinne von Lernfeldern im handlungsorientierten Unterricht (Pflegeprozess)
- Theoretische Grundlagen der Kommunikation, angelehnt an das Kommunikationsmodell von Schulz v. Thun sollten mit eigenen Erfahrungen aufgearbeitet werden
- Orientierung an Pflegemodellen z.B. Martha Rogers

Um den Patienten wahrnehmen und ihm begegnen zu können, benötigen die Auszubildenden ein hohes Maß an kommunikativer Fähigkeit. Zur Aneignung dieser Fähigkeit ist eine Orientierung an dem Konzept der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Rogers (1965) sinnvoll, das sich durch eine prinzipielle Wertschätzung der Person, ein einfühlendes Verstehen und eine kongruente Haltung positiv auf den Beziehungsprozess auswirkt.

Methoden für handlungsorientierten Unterricht

Wenn es richtig ist, dass Menschen mit Kopf, Händen und Empathie dabei sein können, dann müssen auch die ausgewählten Unterrichtsmethoden ganzheitlich sein : Gruppen- und Partnerarbeit, Projektarbeiten, Geschichtenerzählen, verschiedene Formen der szenischen Interpretation, Standbild bauen, Rollenspiel, Planspiel, Experiment, Erkundung gehören dazu.

- Projekt : Eine Möglichkeit der Bearbeitung dieses Themas wäre die Projektform. Diese Form stellt die Auszubildenden in den Mittelpunkt und lässt ihnen viel Freiraum, sich auszutauschen und Schwerpunkte selbstständig zu erarbeiten.
- Fallstudien :durch Fallstudien werden die Auszubildenden mit Lebenssituationen konfrontiert und dadurch auf das praktische Leben vorbereitet
- Rollenspiel : Rollenspiel ist ein handlungsorientiertes Spielverfahren und eine Simulation von Wirklichkeiten. Das Verhalten der Teilnehmer in einem Rollenspiel ist von Rollen geprägt, die erfahren, gewechselt und geändert werden. Es beinhaltet das bewusste Trennen zwischen Realität und Spielrolle (Rollendistanz).
- Ist die Umsetzung in Form eines Projektes nicht möglich, sollten weitere erarbeitende Verfahren eingesetzt werden, wie z.B. Diskussion, Gruppenarbeit, Reflexionsarbeit usw..

In der methodischen Abfolge ist darauf zu achten, dass die Auszubildenden immer wieder Möglichkeiten erhalten, ihre Person und Haltung im Bezug zur Kommunikationsfähigkeit zu reflektieren und eine Auseinandersetzung mit anderen Auszubildenden in diesem Zusammenhang zu fördern.

6.2 Lösungsansätze in der praktischen Ausbildung

Der Pflegprozessgedanke besagt, dass Individuen, die in Kontakt stehen, einen Handlungsprozess erleben, der in seinen Elementen das Verhalten anderer Menschen, die Gedanken und Gefühle, die sich aus diesem Verhalten ergeben und die hieraus resultierenden Handlungen beinhaltet. Auf die Pflege bezogen, betont diese Beziehung zwischen Patient und Pflegenden die Individualität des Vorgangs und fördert die geplante Pflege, die darauf abzielt, das unmittelbare Hilfebedürfnis des Patienten festzustellen.

Dazu ist es nötig, dass das handlungsorientierte Ausbildungskonzept in der Praxis umgesetzt wird und das bedeutet:

- dass Pflegelehrer, Mentoren und Praxisanleiter eine gemeinsame Kooperations- und Kommunikationsstruktur entwickeln, auf der Basis einer gemeinsamen Zielsetzung
- dass Aufnahmegespräche von Seiten der Mentoren vorbereitet, in der Durchführung begleitet und im Anschluss reflektiert werden.
- dass Praxisanleiter den Auszubildenden im Rahmen des gesamten Pflegeprozesses ein konstruktives Feedback geben in Bezug auf die patientenorientierte Interaktion.
- dass Auszubildende im Sinne der eigenverantwortlichen Wahrnehmung von Ausbildungszielen einander in der patientenorientierten Kommunikation Feedback geben. Dabei sollte es helfen, durch die Erhöhung der Bewusstheit der Kommunikationsfähigkeit, langfristig auch die Wirksamkeit der internen Rückkopplung zu verbessern, d.h. dazu beitragen, dass die Reaktion des Interaktionspartners (Patient, Mitschüler, Lehrer) differenzierter wahrgenommen und mit den eigenen Zielvorstellungen verglichen wird.

6.3 Im Lehrerkollegium

Mögliche Prinzipien im Pflegelehrerteam:

- Auseinandersetzung mit dem Schlüsselqualifikationskonzept
- Reflexion der eigenen Kommunikationsfähigkeit durch Feedback, z.B. nach Hospitationen im Unterricht der Kollegen und in Teamsitzungen
- Bereitschaft, mit Kollegen und Dozenten zu kooperieren, um einen gemeinsamen Konsens zu finden, um fächerübergreifend unterrichten zu können
- Kommunikationsstrukturen schaffen, um sich mit allen an der Pflegeausbildung Beteiligten austauschen zu können, denn "Ganzheitliche Pflege ist nur möglich, wenn auch ganzheitlich ausgebildet wird"
- Es ist wichtig, den Auszubildenden als Gruppenleiter ein Feedback zu geben, um ihre Kommunikationsfähigkeit in der Gruppe zu fördern. Dazu ist es erforderlich, immer wieder Rückkopplungen in Form von gemeinsamen Reflexionsphasen in das Lernarrangement zu integrieren.

7 Fazit - betrachtet aus der Lehrerperspektive

Aus den vorangegangenen Ausführungen wird deutlich, dass Themen über Kommunikation, die in Pflegethemen integriert sind , konsequenterweise auch von Lehrern für Pflegeberufe unterrichtet werden sollten. Wenn es uns gelingt, die patientenorientierte Kommunikation bei den Auszubildenden, welche die Experten von morgen sein werden, zu fördern, dann kann die Qualität des Pflegeprozesses gesteigert werden.

8 Literaturverzeichnis

- Brobst, Ruth et. al.- Der Pflegeprozess in der Praxis, Bern : Verlag Hans Huber 1996 / 1. Nachdruck 1999
- Fiechter, Verena und Meier Martha - Pflegeplanung ; eine Anleitung für die Praxis - Basel : RECOM - Verlag 1990 / 7. Auflage 1999
- Ruhmke, Bettina - Die Gestaltung von Lernprozessen zur Förderung sozialer Kompetenzen - Hamburg : HEW Berufsausbildung
- Kath, Fritz M. und Lützow, Hans-Joachim - Handlungskompetenz - die Herausforderung für Schule und Betrieb - HEW - Berufsausbildung 2000
- Kron, F.W. - Grundwissen Didaktik - München/ Bern 1993
- Belz, Horst und Sigrid Marco - Kursbuch Schlüsselqualifikation; ein Trainingsprogramm - Freiburg im Breisgau - Lambertus -Verlag 1997/ 2. erweiterte Auflage 2000 ¬ Schulz von Thun, Friedemann - Miteinander Reden 1 - Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1981, 725-754 Tausend Mai 1999
- Specht- Toman, Monika und Tropper, Doris - Hilfreiche Gespräche und heilsame Berührungen im Pflegealltag - Berlin, Heidelberg, New York : Springer Verlag
- Backs, Stefan und Lenz, Reinhard - Kommunikation und Pflege; eine Untersuchung von Aufnahmegesprächen in der Pflegepraxis - Wiesbaden Ullstein medical Verlagsgesellschaft mbH & Co 1998
- Hessisches Curriculum - Krankenpflege - Frankfurt : DBfK- Verlag, Druckerei Heinrich GmbH 1990
- Jank, Werner und Meyer, Hilbert - Didaktische Modelle - Frankfurt am Main: Cornelsen Verlag Scriptor 1991/ 1. Auflage 1991

Details

Seiten
10
Jahr
1999
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100158
Note
noch keine
Schlagworte
Kommunikationsfähigkeit Pflegeprozess Lehrgang Lehrende Pflegeschulen

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