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Dramatik im Sturm und Drang. "Die Soldaten" von Jakob Michael Reinhold Lenz

Hausarbeit 2002 17 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Sturm und Drang

3. Zur Dramatik im Sturm und Drang
3.1. Das Drama im Allgemeinen
3.2. Besonderheiten im Sturm und Drang

4. Jakob Michael Reinhold Lenz - Dramatiker des Sturm und Drang

5. “Die Soldaten” als typisches Drama des Sturm und Drang
5.1. Hintergründe zur Entstehung
5.2. Zu den Personen
5.3. Zum Inhalt
5.4. Zum Aufbau, der Sprache und den Motiven

6. Zusammenfassung

Literatur

1. Einleitung

Sowohl der Sturm & Drang als auch das Drama nehmen in der Literaturbetrachtung eine spannende Rolle ein. Um so interessanter ist, beide einmal in Kombination zu betrachten – also die Dramatik im Sturm und Drang.

Ich möchte zunächst einen Einblick in die Literaturepoche und anschließend in die Dramatik im Allgemeinen bzw. im Sturm und Drang geben.

Und letztendlich möchte ich „Die Soldaten“ von Jakob Michael Reinhold Lenz vorstellen, denn Lenz war der Dramatiker im Sturm & Drang schlechthin.

2. Sturm und Drang

Der Sturm und Drang ist wohl die am schwierigsten definierbare Literaturepoche. Namentlich geht sie auf das gleichnamige Drama von 1176 von Friedrich Max Klinger zurück.

Diese Epoche zwischen 1770 und 1780 war eine literarische Revolution, die alleine in Deutschland auftrat. Aus gesamteuropäischer Sicht wird der Sturm und Drang als ein Teil der Aufklärung gesehen.

Auch war es eine rein literarische Bewegung, die sich weder auf die Kunst oder Architektur, noch auf die Musik übertragen ließ.

Wenn man den Sturm und Drang kurz beleuchten möchte, fallen folgende Schlagworte:

Natürlichkeit,

Originalität,

Genialität,

der Mensch in seiner Einmaligkeit

und als zentrales Thema - der Konflikt zwischen dem Naturmenschen und der bestehenden Kultur

Beleuchtet man den Sturm und Drang aber näher, so lassen sich 13 Merkmale formulieren:[1]

I. Der Sturm und Drang erhebt selbst den Anspruch, “anders” zu sein”. So sind zeitgenössische Bezeichnungen

“junge Dichter”,
“Genies”,
“Goethe - Sekte” und
“Original - Dichter”.

II. Ebenso setzt sich der Sturm und Drang bewusst formal wie inhaltlich von den bewährten Mustern der Aufklärung ab.
III. Neue Themen wie Kindsmord, Genieästhetik, Shakespeareianismus und Volkslieder werden bearbeitet. Aber auch alte Themen wie Liebe, Sexualität, Standesunterschiede, poetologische und ästhetische Fragen werden neu aufgegriffen.
IV. Philosophisch, theologisch und ästhetisch ist der Sturm und Drang an die Aufklärung angelehnt. Aber im Unterschied zu dieser wendet sich der Sturm und Drang kritisch an die eigene Gegenwart.
V. Die Dichter und Autoren dieser Epoche suchen in der Vergangenheit nachdem, was sie in der Gegenwart vermissen.
VI. Die Entdeckung des Individuellen wird als authentisches Erlebnis beschrieben. Dabei setzt man sich über Rollenzuweisungen in Dramas und Lyrik zurück.
VII. Weiterhin versuchten die Stürmer und Dränger sich nicht ständisch- hierarisch einordnen zu lassen. Doch dieser Versuch scheiterte.
VIII. Anstellen von Vorschlägen, wehrt man sich - anstelle des Arrangements steht hier die Kritik. Allerdings gibt man dieses Vorgehen wieder auf.
IX. In der Literatur, Ästhetik, Philosophie, Literaturkritik gibt man einen Ton an. Schrankenlos wird hier elidiert. Man setzt sich über aufgeklärte Regelbindungen der Sprach- und Stilhöhe hinweg. Stattdessen arbeiten die Dichter und Schriftsteller mit Auslassungen, Ellipsen und Techniken der Verknappung. Ziel dabei ist immer, einen Ausdruck der unverfälschten Sprache der Leidenschaft zu erreichen.
X. Gattungsgrenzen werden ignoriert.
XI. Die Selbstbestimmung wird nicht nur gefordert, sondern auch literarisch beschrieben. Hier führt man sich die Ideale und das Scheitern der Aufklärung.

“Je mehr ich in mir selbst forsche und über mich nachdenke, desto mehr finde ich Gründe zu zweifeln, ob ich auch wirklich ein selbständiges (!) von niemand abhangendes Wesen sei, wie ich doch den brennenden Wunsch in mir fühle. [...]das erste aller menschlichen Gefühle ‘ist unabhängig zu sein‘. “

Zitat Lenz aus “Über die Natur unsers Geistes“ 1771-73[2]

XII. Basierend auf Punkt XI versucht man natürlich auch Gründe für das Scheitern der Aufklärung zu erkennen.
XIII. Der Sturm und Drang ist eine Binnenrebellion, die einen Aufstand gegen die Vaterinstanz in der Fremdbestimmtheit führt. Ebenso ist das Thema der Selbstzerstörung ein wichtiger Punkt dieser Epoche. Aber auch die Unversöhnlichkeit des gesellschaftlichen und familiären Konfliktes wird immer wieder bearbeitet.

3. Zur Dramatik im Sturm und Drang

3.1. Das Drama im Allgemeinen

Das Drama bezeichnet Schauspiele und Theaterstücke. Dabei kommt der Begriff des Dramas von dem griechischen Wort „dráma“ und bedeutet zu deutsch „Handlung“.

Das klassische Drama (von der Antike bis zum19. Jahrhundert) hat einen festen Aufbau. Beginnend mit der Einleitung „Exposition“ über den Wendepunkt „Peripetie“ bis zum Ende „Katharsis“, besteht das Drama meist aus drei bis fünf Akten, die in Auftritte oder Szenen gegliedert sind.

Beim Drama unterscheidet man verschiedene Gattungen: die Tragödie, die Komödie, die Tragikomödie, die Posse, das Lustspiel, die Farce, das Monodrama, das Volksstück, das Lehrstück, das Antistück u.a. Durch die Art und Weise der Katharsis wird die dramatische Gattung bestimmt. Während so zum Beispiel die Tragödie mit einer Katastrophe und die Komödie heiter endet, hört das Schauspiel versöhnlich und die Tragikomödie schicksalhaft und offen auf.

Die innere und äußere Handlung werden direkt und zielgerichtet durch Wort und Spiel zum Ausdruck gebracht. Die Figurenrede ist entweder im Monolog oder Dialog geschrieben. Nicht darstellbare bzw. entferntere Ereignisse werden durch verschiedene Hilfsmittel dargestellt. Bei der Teicheskopie oder auch „Mauerschau“ genannt, berichtet der Beobachter über gleichzeitige, sich angeblich hinter der Bühne abspielende Ereignisse. Eine weitere Möglichkeit ist die Retardation. Hierbei werden andere Konfliktlösungen eröffnet, wenn das Interesse an der Handlung nachlässt. Dies

[...]


[1] vgl. Matthias Luserke: Sturm und Drang, Reclam Verlag, Stuttgart 1997, Seite 10ff

[2] in Matthias Luserke: Sturm und Drang, Reclam Verlag, Stuttgart 1997, Seite 13 aus WuB 2,619

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638165822
ISBN (Buch)
9783638834711
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10017
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Grundschulinstitut
Note
2
Schlagworte
Dramatik Sturm Drang Wandel Zeit Thema Sturm und Drang

Autor

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