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Analyse und Interpretation von Akt I, Szene 8 des Dramas "Emilia Galotti" von G. E. Lessing

Referat / Aufsatz (Schule) 2021 4 Seiten

Didaktik - Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

1) EINLEITUNG

Im achten Auftritt des ersten Aufzuges von „Emilia Galotti“ treffen der Prinz und Camillo Rota, einer der Räte des Prinzen, am frühen Morgen im Arbeitszimmer des Prinzen aufeinander, um Amtsgeschäfte zu besprechen. Kurz zuvor hat der Prinz von Marinelli erfahren, dass Emilia, in die er frisch verliebt ist und die er um jeden Preis für sich gewinnen will, noch am gleichen Tag mit dem Grafen Appiani vermählt werden soll. Im Anschluss an die kurze Unterredung mit Rota wird der Prinz Emilia während der Messe auflauern, um ihr seine Liebe zu gestehen. Die Szene fungiert insgesamt als Veranschaulichung des Charakters des Prinzen, der zu emotionaler Impulsivität und egoistischer Skrupellosigkeit neigt.

2) HAUPTTEIL: Zusammenfassung und Interpretation des Inhalts

Der 8. Auftritt lässt sich in drei Sinnabschnitte unterteilen. Im ersten Teil zeigt der Prinz seinem Untergebenen die Schriften auf seinem Schreibtisch, die er gesichtet hat und die noch bearbeitet werden müssen. Er gibt zu, dass er nicht viel an diesem Morgen geleistet hat und lässt Rota freie Hand, wie damit weiter zu verfahren ist. Besonders hebt er die Bittschrift einer Emilia Bruneschi hervor, die er bereits bewilligt hat. Zunächst weist er Rota an, mit der Ausfertigung noch zu warten, was er jedoch gleich darauf wieder relativiert und letztlich Rota die Entscheidung darüber überlässt. Dadurch wirkt der Prinz wankelmütig und verantwortungsscheu. Der Rat weist diese Verantwortung jedoch mit den Worten: „Nicht wie ich will, gnädiger Herr“ (vgl. S.19, Zeile 24) von sich. Der Prinz wirkt von Anfang an fahrig und ist offensichtlich in Eile, da er es kaum erwarten kann, Emilia zu treffen. Dies manifestiert sich auch in kurzen Sätzen und Wortwiederholungen: „Kommen Sie, Rota, kommen Sie“ (Zeile 14), mit denen er den Rat antreibt.

Im zweiten Abschnitt (ab Zeile 25) erkundigt sich der Prinz knapp nach weiteren anstehenden Geschäften und Rota verweist auf ein Todesurteil, das unterzeichnet werden muss. Die hektische und nachlässige Reaktion des Prinzen: „Recht gern, nur her! Geschwind!“ (Z. 27) befremdet Rota sichtlich, der den Prinzen laut Regieanweisung stutzig und starr ansieht (Z. 28). Rota vermutet, dass der Prinz ihn nicht richtig verstanden hat und wiederholt sein Anliegen, aber der Prinz reagiert wieder ungehalten und ungeduldig, da er es eilig hat. Rota gibt nun vor, das Todesurteil vergessen zu haben und will es ihm später noch einmal vorlegen, um den Prinzen vor einem Fehlurteil zu bewahren. Auch dies kümmert Hettore wenig, der nun das Arbeitszimmer verlässt.

Sprachlich zeigt sich die innere Unruhe des Prinzen in diesem Abschnitt in teils unvollständigen, kurzen Sätzen wie z.B.: „Morgen, Rota, ein Mehres!“ (S. 20, Z. 4), bei denen es sich mehrheitlich um Ausrufe handelt.

Im letzten Sinnabschnitt (ab S.20, Z.5) bleibt Rota allein zurück und äußert sich offen entsetzt über das gleichgültige Verhalten des Prinzen, indem er den Kopf schüttelt, während er seine Schriften zusammenpackt. Seine Bestürzung spiegelt sich in der mehrfachen Wiederholung der Worte „recht gern“ wider, die so gar nicht zum Todesurteil passen wollen und die Rota daher als „grässlich“ (S. 20, Z. 10) kennzeichnet. Mit Hilfe eines drastischen Beispiels verdeutlicht er sein Unbehagen: Er hätte selbst das Todesurteil für den Mörder seines einzigen Sohnes nicht in diesem Moment vom Prinzen unterschreiben lassen (S. 20, Z. 7 – 9). In dieser heftigen Reaktion des Rates wird jedoch auch offenbar, dass er dergleichen von seinem Vorgesetzten nicht unbedingt gewohnt zu sein scheint.

Der Prinz ist in dieser Szene offensichtlich die dominante Figur, die (schon aufgrund ihres höheren Ranges) die Befehle erteilt und im Gespräch auch durch Fragen führt. Rota verhält sich seinem Herrn gegenüber respektvoll, je fast devot, was sich in der mehrfachen Anrede „gnädiger Herr“ und einer gehobenen Ausdrucksweise zeigt (vgl. Zeile 20/21). Diese steht im starken Kontrast zu der knappen und in der Wortwahl eher einfachen Sprache des Prinzen. Allerdings ist Rota insofern die überlegene Figur, weil er sofort erkennt, dass der Prinz nicht in der richtigen Verfassung ist, sich mit ernsten Geschäften zu befassen und ihn vor einem Fehlurteil durch seine Notlüge bewahrt. Rotas Entrüstung über die Gleichgültigkeit des Prinzen gegenüber dem Todesurteil demonstriert zudem sein moralische Überlegenheit.

3) SCHLUSS

Der Zuschauer erlebt den Prinzen (als Repräsentanten des Adels) in dieser Szene als einen verantwortungslosen, selbstsüchtigen Charakter, der blind seinen Emotionen folgt und dem die Interessen anderer gleichgültig sind. Auf diese Weise übt der Aufklärer Lessing deutlich Kritik an der Willkür des Adels seiner Zeit.

Die Szene führt dem Zuschauer auch deutlich vor Augen, wie aufgewühlt der Prinz von seiner Verliebtheit zu Emilia ist, die seinen Verstand lahmgelegt hat und die wiederholt zu unüberlegten Handlungen führt. Dazu zählen auch die Begegnung mit Emilia in der Kirche oder der unbedachte Umgang mit der Gräfin, welche wiederum maßgeblich zum tragischen Tod der Hauptfigur am Ende beitragen.

Häufige Fehler aus euren Übungsaufsätzen zu Akt I, Szene 8:

1) Fehler im Aufbau:

a) Einleitung:

Der achte Auftritt aus dem Roman „Emilia Galotti“ handelt es sich um ein Gespräch zwischen dem Prinzen und seinem Berater Rota, welches im Arbeitszimmer des Prinzen stattfindet, in dem Rota dem Prinzen dabei hilft, Bittschriften zu bearbeiten. Der Prinz soll ein Todesurteil unterschreiben und antwortet nur mit einem überstürzten: „Recht gern“(S. 19, Z. 27). In der Szene wird der Prinz stark charakterisiert, was die Szene stark beeinflusst.

b) Schluss:

Insgesamt kommt es erst durch die Liebe des Prinzen überhaupt zum folgenden Geschehen. Allein durch diese Tatsache kann man sich erschließen, dass die Szene eine große Rolle im weiteren Verlauf des Stückes und Ende des Dramas spielt.

2) Fehler in der Kommasetzung:

a) Das Komma beim erweiterten Infinitiv:

Bist du bereit zu sterben?

Bist du bereit jetzt zu sterben?

Bist du dazu bereit jetzt zu sterben?

Bist du bereit für deine Tugendhaftigkeit zu sterben?

b) Setze die fehlenden Kommas ein:

Der dritte Teil zeigt die Reaktion Rotas der vorgibt das Formular nicht bei sich zu haben.

Rota tut daraufhin so als ob er das zu unterschreibende Dokument nicht dabei hat um den Prinzen von seiner vorschnellen Entscheidung abzuhalten.

Andere Menschen sind ihm gleichgültig außer sie helfen ihm Emilia zu bekommen.

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783346377081
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1001919
Note
15
Schlagworte
G.E. Lessing Emilia Galotti Dramenanalyse
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Titel: Analyse und Interpretation von Akt I, Szene 8 des Dramas "Emilia Galotti" von G. E. Lessing