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Zeugen Jehovas

Facharbeit (Schule) 2001 8 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Referat: Meike Müller und Sahra Herrmann

Zeugen Jehovas

Die Christliche Glaubensgemeinschaft wurde 1872 von dem amerikanischen Geistlichen Charles Taze Russell in Pittsburgh (Pennsylvania) gegründet. Die Zeugen Jehovas nannten sich zunächst Bibelforscher. Im Juli 1879 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift Zion’s Watch Tower, zu Deutsch heute kurz: Der Wachturm mit der ersten deutschen Ausgabe 1897. Am 23. April 1900 wird in London das erste Zweigbüro der Gesellschaft gegründet.

1916 starb Charles Taze Russsell während einer Vortragsreise in Texas. Im Sommer 1931 änderten die Bibelforscher ihren Namen in Zeugen Jehovas. Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler (1933) wurden die Zeugen Jehovas in Deutschland verboten.

Die Weltzentrale der Zeugen Jehovas ist in New York. Dort befindet sich die leitende Körperschaft, eine zentrale Gruppe erfahrender Ältester, die die Aufsicht über die weltweite Versammlung hat. Auf der ganzen Welt gibt es auch mehr als 100 Zweigbüros. Dort helfen Freiwillige biblische Literatur zu drucken und zu versenden und von dort aus wird auch Anleitung zum Organisieren der Predigttätigkeit gegeben. 1999 gab es in Deutschland etwa 270958, weltweit etwa 6 Millionen aktive Mitglieder, doch vor 4 Jahren waren es nur 166000 Deutsche und 4,7 Millionen auf der ganzen Welt in über 90 Ländern. Heute predigen die Zeugen Jehovas ihre ,,gute Botschaft‘‘ in 230 Ländern und Inselgebieten.

Die Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft glauben an die Wiederkunft Christi, sehen sich als Verfechter des frühen Christentums und jeden ihrer „Zeugen” als Diener des Herren. Sie legen Wert auf die Bibelforschung sowie auf absoluten Gehorsam gegenüber den biblischen Geboten. Ihre Lehre wird von den Mitgliedern in privaten Bibelstunden, durch Hausbesuche und durch Verteilen von Informationsunterlagen an Straßenpassanten verbreitet. Die Versammlungsstätten der Zeugen Jehovas werden Königreichssäle genannt. Man wird in diesen keine Bildnisse , Kruzifixe oder ähnliches finden. Bei fast allen Zusammenkünften werden Referat: Meike Müller und Sahra Herrmann auch zu Herzen gehende ‘geisterfüllte Lieder‘ gesungen. Der Eintritt ist frei und es werden keine Kollekten durchgeführt.

Ihre Glaubensinhalte

Die Mitglieder widersetzen sich Wahlen und lehnen politische Ämter ab. Sie weigern sich am Wehrdienst teilzunehmen, auch der Ersatzdienst war verboten und ist erst seit 1994 erlaubt. Zeugen Jehovas lehnen Glücksspiele (von Lotto bis Roulette) aufgrund der Habgier ab. Die Anhänger glauben an die Auferstehung der Toten auf der Erde und an die Auferstehung einer bestimmten Gruppe von Menschen zu einer himmlischen Existenz, in der sie über die Erde herrschen. Sie lehnen Drogen ab, welcher Form auch immer, ab; (Nikotin verboten, Drogen wie Heroin, LSD, Haschisch etc.); allerdings: Alkohol ist erlaubt. Sexualität ist auf Fortpflanzung beschränkt. Homosexualität (männlich, weiblich) ist ein todeswürdiges Verhalten. Die Feiertage der christlichen Welt sind generell als heidnisch (ungläubig, unchristlich) abzulehnen auch der Umgang mit Nicht- Zeugen ist auf das absolute Mindestmass zu beschränken. Die Ausbildung ist nur als Mittel zum Lebensunterhalt zu sehen. Nach Ansicht der Zeugen sind alle übrigen Religionen vom Teufel. Die Mitglieder tragen immer eine Vollmachtserklärung bei sich, in der steht, dass sie auf keinen Fall eine Bluttransfusion haben wollen, selbst wenn Ärzte das zur Erhaltung ihres Lebens oder ihrer Gesundheit für erforderlich halten.

Die Finanzen

Das Finanzkonzept ist schlichtweg genial, denn alle Mitglieder sind ehrenamtlich tätig. Auflagen der Zeugenveröffentlichungen lagen bei Band 1 der "Schriftstudien", Ausgabe 1886, um die 10 Millionen Exemplare , doch in den Jahren 1923 bis 1933 erreichte die Gesamtauflage der Schriften von Präsident Rutherford die Zahl von Referat: Meike Müller und Sahra Herrmann 130 Millionen Exemplaren. Der "Wachtturm" - erscheint zweimonatlich - mit einer Auflage von 14 Millionen, was genial ist: jedes Druckerzeugnis ist verkauft, zumindest bis 1991; ab diesem Jahr werden alle Druckerzeugnisse kostenfrei abgegeben, denn dann kam die neue Erkenntnis: Jehova hat das Werk so sehr gesegnet, dass ab sofort alle Publikationen kostenfrei abgegeben werden. Stim mt. Das mit der Kostenfreiheit, allerdings wird jedes Mitglied der Zeugen Jehovas gebeten, eine Spende in Höhe des Wertes der Literatur zu geben... Damit sind zwei Dinge gesichert : nach wie vor ist jedes bedruckte Papier bezahlt (das heisst jetzt Spende); damit hat die Staatskasse garantiert keinen Zugriff auf die Eingänge, denn merke: Spenden sind steuerfrei... Im übrigen ist kein Zeuge Jehovas zu irgendwelchen Abgaben verpflichtet; allerdings wird dazu ermuntert, zur Ausbreitung des Königreichswerkes monatlich - falls möglich und gewünscht - einen festen Betrag zu überweisen, der natürlich steuerlich geltend gemacht werden kann, immerhin ist das ganze ja ein gemeinnütziger Verein.

Ihre Stärken

Die Zeugen Jehovas sind hoch motiviert, andere Menschen vom nahen Untergang des gegenwärtigen politischen Weltsystems zu überzeugen und sich und den Gläubigen damit den Eintritt in das Paradies zu ermöglichen, welches hier auf Erden entstehen soll, mit den Grundzügen: kein Tod, keine Krankheiten, kein Schmerz, nur noch Friede und Freude... Die Mitglieder glauben an das Wort Gottes (Bibel) als ultimative Religionsbasis und sind immer nett und freundlich - Ausnahme: zu ehemaligen Zeugen Jehovas.

Referat: Meike Müller und Sahra Herrmann

Ihre Schwächen

- Einseitiges Weltbild - fundamentalistisch geprägt · kritiklos der eigenen Führung gegenüber Warum ist der Ausstieg so schwer ?
- weil die Prägung ein Leben lang vorhält, so schwer das auch zu begreifen ist, es ist einfach so.
- weil die Mechanismen aus Furcht und Hoffnung, Zuckerbrot und Peitsche, einfach zu gut funktionieren, das ist nicht nur bei den Zeugen so...
- weil das soziale Umfeld derart eingeschränkt ist (alle anderen sind vom Teufel), dass der Ausstieg eben extrem schwierig ist - fallen Aussteiger doch in das berühmte schwarz e Loch der totalen Isolation...
- weil sich niemand gern eingesteht, 20, 30 Jahre oder länger einer Illusion nachgelaufen zu sein...
- weil diese Sekte von der Grundaussage unter anderem ein gutes Gefühl verkauft, und wer will sich dieses (gute) Gefühl denn einfach so nehmen lassen...
- weil jetzt plötzlich und unerwartet Verantwortung zu übernehmen ist, die vorher einfach nicht da war; Verantwortung für sich selber, für das soziale Umfeld, für die Welt schlechthin; gab es alles bis dato eben nicht, hat alles die Sekte/der Herr erledigt...

Referat: Meike Müller und Sahra Herrmann

Hierarischer Aufbau der Sekte

- Versammlungsverkündiger: Jeder Zeuge ist Verkündiger der "guten Botschaft"
- Dienstamtgehilfe: wie vor; Funktionen : Überwachung und Reglementierung der Gläubigen, banale Funktionen in der Ortsgruppe wie Ordnungsdienst, Reinigung, Observierung der Mikrofonanlage, Leitung von kleineren Treffen/Versammlungen
- Ältester: führt die Ortsgruppe (Versammlung) einer lokalen Gemeinde; hat die Macht schlechthin in eben dieser Gemeinde; wird seinerseits durch andere Älteste kontrolliert; delegiert oder leitet Aufgaben/Veranstaltungen; ist in einer Person Ankläger und Richter zugleich (z.B. im Umgang mit Abweichlern).
- Kreisaufseher: sind reisende Älteste, welche die Ortsgruppen der Z.J. beaufsichtigen/reglementieren/beurteilen; sprechen Empfehlungen aus, korrigieren Entscheidungen, sind letzte Instanz in Zweifelsfällen Zonendiener: wie vor auf internationaler Ebene
- Leitende Körperschaft: oberstes Gremium in Führungsfragen und Lehrentscheidungen; ist direkt (!) von Gott inspiriert - geleitet; besteht z.Z. aus 15 Personen, Sitz in Brooklyn / New York; sieht sich selber als den "treuen und verständigen Sklaven", der die Belange des Herrn im Auge hat Der folgende Text schildert einen Tag im Leben der aktiven Zeugin Jehovas Eva Niederhauser aus Zürich. Er wurde unserer Informationsstelle von Herrn Urs Aerni vom Informationsdienst der Zeugen Jehovas zur Verfügung gestellt. Frau Niederhauser berichtet vom Von-Tür-zu-Tür-Pionierdienst und von einer Versammlung im Königreichsaal der Zeugen Jehovas. Der Text gibt die Sichtweise einer aktiven Zeugin wieder. Die Sichtweise eines Ehemaligen findet sich im diesbezüglichen Artikel.

Erzähl mal, was Du gestern so gemacht hast Ein Tag im Leben einer Zeugin Jehovas Die an Waghalsigkeit grenzende Originalität der BeeGees weckt mich unsanft aus meinem Morgenschlummer. Tagwache für meinen Mann. Ich muss zwar noch nicht raus, an ein gemütliches, tiefes Weiterschlafen ist jedoch nicht zu denken, da meine hungrigen Katzen dies zu verhindern wüssten. Dennoch kann ich noch etwas länger liegenbleiben. Dies bedarf wohl einer Erklärung, da es doch Ehrensache für eine 'anständige' Ehefrau sein sollte, ihrem Mann das z'Morge zuzubereiten und mit ihm Morgengemeinschaft zu pflegen. Da wir Zeugen Jehovas grundsätzlich vor der Ehe nicht zusammenwohnen, können sich gewisse Alltagsabläufe erst nach der Eheschliessung einstellen. Wenn man nicht mehr 'blutjung' ist (wir sind beispielsweise beide um die 30 Jahre alt), mag dies manchmal Flexibilität und Anpassungsvermögen benötigen. Wir hatten damit jedoch keinerlei Probleme: nach zwei Referat: Meike Müller und Sahra Herrmann

(von nunmehr insgesamt zehn) Ehemonaten, beschlossen wir, ich müsse nicht unbedingt gemeinsam mit Martin aufstehen, da wir ohnehin beide 'Zeit zum Aufwachen' brauchen (in meinem Fall könnte man dies als 'Morgenmuffelei' bezeichnen) und uns gerne in Ruhe auf den vor uns liegenden Tag konzentrieren. Dazu kommt, dass Martin als Hochbaupolier im Gegensatz zu mir als Büroangestellte sehr früh weg muss.

Nachdem Martin also gegangen ist, tue ich dasselbe wie er: ich lese bei einer Tasse Kaffee den 'Tagestext' - eine Bibelstelle mit einem kurzen Kommentar, der zum Nachdenken anregt. In dieser ruhigen Morgenstunde, bevor die Hektik des Tages hereinbricht, spreche ich auch gerne ein Gebet und bereite mich auf den Tag vor.

Nach 25-minütiger Stassenbahnfahrt durch halb Zürich komme ich etwa um 8.30 Uhr ins Büro, mache mir einen Ueberblick über die heutigen Pendenzen - und lege mit meiner Arbeit los. Um 10.00 Uhr brauche ich eine kurze Pause vom Computer und setze mich mit einer Arbeitskollegin in Richtung Cafeteria ab. Da ich vor einiger Zeit erwähnte, dass ich Zeugin Jehovas bin, möchte sie einige Fragen los werden. Ob es nicht Zeugen Jehovas seien, die von Tür zu Tür gehen, und ob ich dies auch täte, möchte sie wissen. Beides bestätige ich. Es folgt die unvermeidliche Frage: "Muss das denn jeder bei euch machen?" Viele Menschen haben diese Vorstellung, dass wir unter Zwang stehen (was nicht stimmt), oder dass wir eine Gehirnwäsche hinter uns haben (was absurd ist, wenn man bedenkt, woher der Ausdruck stammt und was er besagen sollte). Es ist für jemanden, der unseren Glauben nicht teilt vermutlich schwer nachvollziehbar, dass wir freiwillig und sogar gerne 'predigen'. Um die Frage zu beantworten, erkläre ich: "Nein, es ist jedermanns eigene Entscheidung, ob er von Haus zu Haus geht, um mit den Menschen zu sprechen. Aber da es ein wichtiger Bestandteil unseres persönlichen, aktiven Glaubens ist, tun es die meisten." Wir unterhalten uns noch eine Weile über das Thema, doch schliesslich ist die Pause vorbei und wir müssen zurück an die Arbeit. Sicher wird sich wieder einmal die Gelegenheit für ein solches Gespräch ergeben.

Am Mittag möchte mich ein Arbeitskollege zur Fitness-Stunde im Fitnesszentrum des Akademischen Sportvereins überreden, aber ich habe heute keine Zeit. "Ach, Du gehst wieder reiten?" mutmasst er, da er mich als Pferdeliebhaberin kennt und weiss, dass ich regelmässig reite. "Nein, ich habe um 14.30 Uhr eine Verabredung." antworte ich. Er würde es wohl nicht ganz verstehen, wenn ich ihm erklärte, ich hätte mich 'für den Dienst' verabredet.

Ich komme um ca. 13.15 Uhr nach Hause und gönne mir eine Weile Ruhe mit einem Sandwich und einem Buch. Ich liebe englische Literatur und verschlinge im Moment gerade 'The Return of the Native' von Thomas Hardy. Dabei kann ich mich herrlich entspannen.

Danach bereite ich mich für den Dienst vor. Vor allem überprüfe ich, ob ich alles in der Tasche habe: meine Bibel, einige Zeitschriften und meine persönlichen Notizen, die mir aus verschiedenen Gründen sehr wichtig sind. Einerseits helfen sie mir, dort vorzusprechen, wo ich noch niemanden angetroffen habe, sowie interessierte Personen wieder aufzusuchen. In solchen Fällen möchte ich mich erinnern, welches Thema ich jeweils angesprochen oder welche Zeitschriften ich abgegeben habe. So kann ich an einem Punkt wieder ansetzen, der den Wohnungsinhaber interessiert. Andererseits möchte ich es vermeiden, bei jemandem nochmals zu läuten, der überhaupt kein Interesse hatte, denn dieser würde sich bestimmt belästigt fühlen.

Um 14.30 Uhr treffe ich eine 'Schwester' in meinem Alter (wir nennen unsere Mitgläubigen "Brüder" und "Schwestern"), und wir ziehen los. Ich habe eine kleine Karte, auf welcher ein Gebiet von Häusern eingegrenzt ist. In diesem Gebiet versuche ich, nach und nach an jeder Wohnungstüre jemanden anzutreffen. An den ersten vier Türenöffnet niemand. Dann treffen wir eine junge Frau, die aufmerksam zuhört, während ich uns freundlich vorstelle und möglichst rasch zum Thema komme. Ich biete die Zeitschriften 'Der Wachtturm' und 'Erwachet!' an. 'Erwachet!' hat das passende Thema 'Gespräche über Religion'. Ich erwähne den Gedanken, dass respektvolle Gespräche uns helfen, unsere Standpunkte gegenseitig besser kennenzulernen. Dies baut Hemmungen und Vorurteile ab und fördert somit die Toleranz - etwas, das wir in der heutigen Zeit gut gebrauchen können. Die junge Frau stimmt mir da zu und nimmt die Zeitschriften entgegen.

Referat: Meike Müller und Sahra Herrmann

Wir treffen noch einige weitere Personen an, die uns bestimmt aber dennoch relativ höflich zu verstehen geben, sie hätten kein Interesse. Selbstverständlich respektieren wir das, verabschieden uns und wünschen jeweils einen schönen Tag. Ein Wohnungsinhaber ist weniger höflich: er lässt uns nicht ausreden sondern schnauzt uns nur an, wir sollten mit diesem 'Sektenmist' verschwinden und knallt uns die Türe vor der Nase zu. Wir sehen uns kurz betroffen an und meine Kollegin meint: "Soviel zum Thema Anstand". Es ist ärgerlich und verletzend, so behandelt zu werden, wenn man doch gar nichts Unrechtes getan hat. Zum Glück sind solche Vorfälle, wiewohl unangenehm, so doch sehr selten. Wir versuchen, es nicht persönlich zu nehmen, und da wir zu zweit sind, lassen wir uns auch nicht so schnell entmutigen. Erfreulicherweise können wir kurz darauf ein langes und interessantes Gespräch mit einer älteren Frau führen, die uns schliesslich sogar auf eine Tasse Tee einlädt. Bevor wir uns verabschieden, können wir einen weiteren Besuch mit ihr vereinbaren, was uns sehr freut.

Nach insgesamt zwei Stunden beschliessen wir, uns auf den Heimweg zu machen. Alles in allem haben wir einen sehr schönen Nachmittag verbracht und sind so richtig positiv 'aufgeladen'.

Ich muss auf dem Heimweg noch ein paar Sachen einkaufen und komme kurz nach 17.00 Uhr zuhause an. Etwa um 17.30 Uhr wird mein Angetrauter in der Türe stehen und 'Hunger' rufen. Um 18.00 Uhr essen wir zusammen, vorher spricht mein Mann ein kurzes Gebet, um Dank und Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Wir nehmen uns gerne Zeit beim Essen und unterhalten uns über den Tag. Ich erzähle auch von den heutigen Erfahrungen im Dienst und stelle erneut fest, dass die Freude an guten Gesprächen schlechte Erfahrungen bei weitem aufwiegt.

Da heute Dienstag - ein 'Zusammenkunfts-Tag' - ist, machen wir uns um etwa 19.15 Uhr wieder auf den Weg. Kurz vor 19.30 Uhr sind bereits fast alle in unserem schönen, schlichten 'Königreichssaal' versammelt, und ich fühle mich richtig wohl unter all meinen 'Brüdern und Schwestern'. Die Zusammenkunft beginnt mit Lied und Gebet, dann werden von mehreren getauften Zeugen kurze biblische Ansprachen gehalten. Auch ich habe heute einen Beitrag in Form eines Zwiegespräches vorbereitet, den ich schon gestern mit meiner Partnerin besprochen habe. Er dauert etwa fünf Minuten und handelt von einer biblischen Person des Alten Testaments und ihrer Vorbildwirkung für uns. Kurz nach 21.00 Uhr wird mit Lied und Gebet abgeschlossen. Ich habe heute Abend einige sehr gute biblische Gedanken notiert, denen ich nächstens zuhause mit meiner Bibel nochmals nachgehen möchte.

Nach dem Programm unterhalten Martin und ich uns jeweils noch gerne mit unseren Freunden, treffen Abmachungen für den Dienst, vereinbaren gemeinsam Einladungen zum Essen oder Verabredungen fürs Kino oder andere Tätigkeiten. Wir geniessen die entspannte und freundliche Atmosphäre sehr und pflegen gerne die Gemeinschaft mit unseren Mitgläubigen. Auch heute wird es wieder fast 22.00 Uhr bis wir nach Hause kommen.

Später im Bett unterhalten Martin und ich uns noch über einige Gedanken aus der Zusammenkunft, aber auch was wir in den nächsten Tagen vorhaben. Am Wochenende soll das Wetter schön sein, in dem Fall können wir endlich eine Fahrradtour machen. Wir freuen uns beide riesig auf den Frühling, wenn die Natur wieder erwacht und aufblüht und die Vögel mit ihrem herrlichen Gesang zurückkehren! Bei einer Fahrradtour oder einer Wanderung durch den Wald kann man die wunderbare Schöpfung in vollen Zügen geniessen. Sonntag Nachmittag könnten wir bei Martins Eltern reinschauen, ich könnte einen Apfelstrudel machen, das geht schnell und ist fein.

Martin und ich geniessen diese Zeit gemeinsam sehr. Wir sind noch nicht lange verheiratet und freuen uns, zu zweit zu sein. Zurzeit haben wir noch keine Pläne für Kinder, aber sowas geht ja manchmal schneller, als man meint. Auf jeden Fall ist es uns jetzt wichtig, unsere Beziehung zu vertiefen und zu pflegen, damit sie in Zukunft auch mal eine Hürde überwinden oder einen Sturm überstehen kann. Wir können immer noch viel übereinander erfahren und voneinander lernen. Zum Beispiel ist Martin in einer Familie von Zeugen Jehovas aufgewachsen, ich hingegen wurde römisch-katholisch erzogen und lernte die Bibel erst viel später, vor etwa sechs Jahren, kennen und schätzen. Diese Unterschiede in unseren Lebenserfahrungen sind interessant für uns beide, können aber durchaus auch für Missverständnisse oder Meinungsverschiedenheiten sorgen. Auf jeden Fall ist es für uns beide schön und beruhigend Referat: Meike Müller und Sahra Herrmann

zu wissen, dass wir in grundsätzlichen Fragen des Lebens und der Anbetung übereinstimmen. Auch dies wird in unserer Ehe immer für eine enge Bindung zwischen uns sorgen.

So, nun wird es Zeit zu schlafen. Bald ist es wieder Mitternacht, und morgen ist ein Arbeitstag. Martin ist bereits so müde, dass er schon während des Gesprächs fast eingeschlafen ist. Na, dann beten wir halt morgen wieder gemeinsam. Morgen Nachmittag habe ich mir nichts Festes vorgenommen - ab und zu mal Ausspannen muss sein, und der Haushalt will auch noch gemacht werden. Heute bin ich müde aber glücklich und habe das Gefühl, einen sehr schönen und sinnvollen Tag verbracht zu haben. All dies bringe ich noch in einem Gebet zum Ausdruck bevor ich endgültig und ohne die sonst gewohnte Nachtlektüre einschlafe. Ich denke noch, hoffentlich habe ich morgen mehr Glück und darf ohne die BeeGees in den Tag starten.

Details

Seiten
8
Jahr
2001
Dateigröße
347 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100293
Note
Schlagworte
Zeugen Jehovas

Autor

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