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Pädagogik und Partizipation in Kindermuseen

Hausarbeit 2019 18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Definition und Abgrenzung
1.1. Kindermuseum
1.2. Museumspädagogik
1.3. Partizipation

2. Museumspädagogik und Partizipation in Kinder- und Jugendmuseen
2.1. Räumliche Gestaltung
2.2. Pädagogisches Konzept
2.3. Partizipation im Kindermuseum
2.4. Methoden
2.4.1. Methoden während einer Führung
2.4.2. Methoden in Kursen und Programmen
2.4.3. Methoden zur eigenständigen Erkundung

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Museen existieren bereits seit mehreren Jahrhunderten. In ihren Anfängen handelte es sich meist um private Ausstellungen, die dem Bildungsbürgertum vorbehalten waren. Die ersten öffentlich zugänglichen Museen entstanden im 18. Jahrhundert, wobei es noch kein pädagogisches Konzept gab und der Anspruch darauf beruhte, so viele Exponate wie möglich auszustellen (vgl. Schmieglitz- Otten 1991, 6). Im 19. Jahrhundert begannen jedoch die ersten Museumsdirektoren damit, den Besucher*innen die Ausstellungsstücke zu erklären und ihr Wissen darüber zu vermitteln.

In Amerika entstand das erste „Children’s Museum" bereits 1899. Es diente als Vorbild für die hiesigen und anderen internationalen Kinder- und Jugendmuseen (vgl. Kolb 1987, 37). Heute sind sie ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft, da sie nicht nur auf bildungskultureller Ebene tätig sind, sondern erfüllen auch eine erzieherische Funktion. An diesen Orten sollen Kinder und Jugendliche auf erlebnisreiche Weise neue Erfahrungen machen, soziale Kompetenzen erwerben sowie gesellschaftliche Werte verinnerlichen. Die Wissensvermittlung ist ebenso ein wichtiger Bestandteil dieses Museumstyps. An erster Stelle steht allerdings die Partizipation, da Ansätze von Vorurteilen und Misstrauen sowie Orientierungslosigkeit in der heutigen Zeit nicht selten bei Kindern und Jugendlichen zu beobachten sind (vgl. Süßmuth 1994, 22). Ziel dieser Museen ist es, den Besucher*innen ihre eigene Lebenswelt näher zu bringen und zu erklären, mit Anderen vertrauensvoll zusammen zu arbeiten und ihnen eine neue Orientierung zu geben.

Die Kinder- und Jugendarbeit wird in den entsprechenden Museen in den Mittelpunkt der Museumspädagogik gerückt. Sie beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Methoden, welche stetig weiterentwickelt und angepasst werden, um Kinder- und Jugendgruppen zum gemeinsamen aktiven Lernen zu motivieren und regt sie zu einem interaktiven Austausch an.

In dieser Hausarbeit werde ich das Thema der „Pädagogik und Partizipation in Kindermuseen" bearbeiten, indem ich zunächst einige definitorische Angaben mache, die im weiteren Verlauf dem Verständnis dienen. Im zweiten Teil zeige ich auf, welche räumlichen Möglichkeiten Kinder- und Jugendmusen haben, das pädagogische Konzept sowie partizipative Verfahren erläutern sowie einige Methoden aufzeigen, bevor ich am Ende ein Fazit zu dem Thema gebe.

1. Definition und Abgrenzung

Ob eine Einrichtung als „Museum" gilt, wird durch die Definition der 1946 in Paris gegründeten ICOM (International Council Of Museums) bestimmt, welche in ihren ethischen Richtlinien für Museen festgehalten ist: „Ein Museum ist eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“ (ICOM 2010, 29)

Demnach ist eine Einrichtung nur dann als Museum zu definieren, wenn sie Exponate, die zur Geschichte der Menschheit und seiner Umwelt gehören, erforscht und der Öffentlichkeit für ihre Weiterbildung zur Verfügung stellt. Die Art dieser Exponate lässt schließlich erkennen, welcher Museumsart ein Museum angehört.

1.1. Kindermuseum

Die Zielgruppen von Kindermuseen sind in erster Linie Kinder und Jugendliche, was ihre Ausstellungskonzeption von anderen Museen methodisch unterscheidet (vgl. Worm 1994, 10). Es sind des Weiteren auch Orte für Familien, deren kulturellen Transferleistungen sich auf Erfahrung, Kommunikation und Anregung sowie auf Wissenspraktiken und Erkenntniseffekte konzentriert (vgl. Leonard 2012, 26). „Kinder sind nicht nur Besucher, sondern auch Macher und Mitmacher sowie Weiterentwickler des Angebots der Ausstellung“ (Worm 1994, 10), wobei heute auch die Eltern und / oder Begleiterinnen integriert werden wollen (vgl. Leonard 2012, 27).

Ob Kindermuseen jedoch tatsächlich als Museen anerkannt werden, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Grund hierfür ist zum einen die uneindeutige Bezeichnung. Während zum Beispiel beim „Römisch-Germanischen Museum“ in Köln klar ist, dass es um die römisch-germanische Geschichte geht, ist die Begrifflichkeit „Kindermuseum“ zweideutig. Dem Namen nach könnten hier Kinder erforscht und ausgestellt werden, gemeint ist allerdings, dass es ein Museum ist, in dem besonders Kinder und Jugendliche willkommen sind und zum Mitmachen und selbst Erforschen motiviert werden.

Eine weitere Schwierigkeit das Kindermuseum als Museum zu definieren, ist seine unklare Spezialisierung. Da sie nicht nur ein einziges Thema, wie zum Beispiel Regionalgeschichte, behandeln und ihre Priorität nicht der Forschung gilt, ist eine Definition als eigenständiges Museum nach ICOM nur schwer möglich. Da es sich dennoch um einen Ort handelt, an dem Menschen Kultur, Umwelt, Technik und vieles mehr nähergebracht werden soll, kann das Kindermuseum etwa als „ein eigenständiger Kulturort [bezeichnet werden], der seine Begründungen nicht aus den Arbeitsfeldern von Schul- und Sozialpädagogik entnimmt, wohl aber erhebliche bildende wie auch soziale Wirkungen haben kann" (Liebich & Zacharias 1987, 5).

Im Gegensatz zu traditionellen Ausstellungen, in denen allein die visuelle Wahrnehmung möglich ist, bieten Kindermuseen einen direkten Bezug zu den Exponaten. Bezeichnungen wie „Hands-on-Museum“ oder „Kinder-aktiv-Museum“ sind demnach passende Umschreibungen für diese Museumsgattung (vgl. MPZ 1986, 7). Durch das „Hands-on Prinzip“ spricht diese Art der Bildung nicht nur die kognitive Lernebene an, sondern darüber hinaus „erweitert [diese Welt] den Lernbegriff [...] mit den Begriffen und Formen des emotionalen und handlungsorientierten Lernens“ (Nahrstedt 2004, 29).

Zusammenfassend sind Kindermuseen Erlebniswelten, in denen Kinder ganzheitlich, also auf kognitiver, emotionaler und handlungsorientierter Ebene, lernen können. Auf diese Art und Weise sollen sie ihren eigenen Interessen folgend ihre Lebenswelt mit Spiel und Spaß selbst erforschen und lernen sie zu verstehen.

1.2. Museumspädagogik

Nachdem sie unter anderem durch Alfred Lichtwark gegen Ende des 19. Jahrhunderts ins Leben gerufen wurde (vgl. Thomsen 2017, 153), gehört die Museumspädagogik „zu den jüngsten [...] Zweigen des Museumswesens im deutschsprachigen Bereich“ (Noelke 1998a, 10) und hat sich als ein wichtiger musealer Bestandteil etabliert (vgl. Vieregg 1991, 308).

Aufgabe der Museumspädagogik ist vor Allem das Vermitteln von Wissen im musealen Kontext (vgl. Jürgensen 1994, 30). Hierzu erarbeiten Museumspädagog*innen „auf der Grundlage von Zielgruppen- und Besucheranalysen Programme für die Dauer- und Sonderausstellungen von Museen" (Bundesverband Museumspädagogik e. V. 2006, 2).

So wie es verschiedene Museumsarten gibt, existieren auch unterschiedliche Arten der Museumspädagogik. „Je nach inhaltlicher Ausrichtung [...] [müssen] unterschiedliche Zielsetzungen berücksichtigt werden" (Rottmann 1998, 75). Ein pädagogisches Konzept, das auf ein naturwissenschaftlich-technisches Museum zugeschnitten ist, funktioniert beispielsweise nicht in einem Kunstmuseum.

1.3. Partizipation

Die Partizipation, oder auch Teilhabe, ist wichtiger Bestandteil der Museumspädagogik geworden. Durch sie werden die Besucher*innen ein Teil des Geschehens. Sie erhalten selbst die Mitverantwortlichkeit für ihre Beteiligung und können am Prozess der Museumsführung mitwirken (vgl. Frangenberg 2012, 93). Besucher*innen sind nicht länger nur Zuschauer*innen, die dem Monolog einer referierenden Person zu folgen versuchen, sondern werden mit einbezogen. Speziell in Kinder- und Jugendmuseen verfolgt die Partizipation auch einen pädagogischen Zweck. Durch sie soll Verantwortung an die Gruppe weitergegeben und die Kommunikation miteinander angeregt werden (vgl. ebd.).

Nach Nina Simon sind fünf Stufen in der Entwicklung von Partizipation notwendig: Zunächst muss ein bestimmter Inhalt von einer Person aufgenommen werden und anschließend eine Interaktion mit dem Sinngehalt stattfinden. Danach orientiert sich die Person an anderen Mitmenschen und Bezugspersonen. Im Anschluss stellt sie Kontakt mit diesen her und arbeitet letztendlich mit ihnen zusammen (vgl. Simon 2010, 26f).

Alles in allem deckt der Begriff der Partizipation also einen wichtigen Bereich in der Pädagogik ab. Mit ihr werden Besucher*innen nicht nur in der Gruppe integriert, sie werden darüber hinaus zu Selbstständigkeit angeregt und letztendlich Teil eines Ganzen, wodurch in Museen eine neue Welt des gegenseitigen Lernens und Verstehens entsteht.

Im folgenden Kapitel werde ich das Thema „Partizipation" noch einmal näher mit Kindermuseen in Verband bringen und detaillierter darauf eingehen.

2. Museumspädagogik und Partizipation in Kinder- und Jugendmuseen

Wie schon von A. Lichtwark in den Anfängen der Museumspädagogik, wird auch heute das Museum als Bildungsstätte verstanden (vgl. Deppner & Lichtwark 2010, 12). Im Gegensatz zur schulischen, meist eher theoretischen Bildung, steht in Kindermuseen die Wissensvermittlung durch aktives Erleben und im Austausch mit anderen Kindern im Vordergrund (vgl. Beuys & Theyhsen 2004, 5). Für die Durchführung sind je nach Museum unterschiedliche Konzepte und Räumlichkeiten notwendig. Diese, sowie auch Möglichkeiten der Partizipation, werden in diesem Kapitel aufgezeigt.

2.1. Räumliche Gestaltung

Kinder- und Jugendmuseen können im Prinzip überall entstehen, egal ob in Gewerbebauten oder in städtischen Wohnblocks (vgl. Worm 1994, 11). Selbst in Wohnungen, wie etwa dem Kindermuseum Wuppertal (vgl. www.kindermuseum- wuppertal.de) oder auf einem Landgut, wie beispielsweise dem Naturgut Ophoven (vgl. www.naturgut-ophoven.de), können solche Museen verwirklicht werden. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass „der kindermuseale Raum als Ganzes gedacht wird, der die Projektionsfläche für Interaktionen unterschiedlichster Art abbildet und nicht das einzelne Objekt" (Leonard 2012, 29). So werden die Einrichtungsmöglichkeiten flexibler und sind nicht an eine spezielle Ordnung gebunden.

Die Gestaltung der Räumlichkeiten in „normalen" Museen spiegelt meist die Systematik der Sammlungsbestände wider (vgl. Czech 2014, 202). Kindermuseen unterscheiden sich dahingehend von diesen, weil die Ausstellungsstücke viele Themen abdecken (vgl. Worm 1994, 11). Die meisten Kindermuseen versuchen sogar „das gesamte Universum exemplarisch zu erfassen und darzustellen" (MPZ 1986, 18). Die raumgestalterischen Möglichkeiten werden dabei bestmöglich auf Kinder ausgerichtet. Verbindungen zwischen Etagen werden etwa um Rutschen oder Kletterwände ergänzt, Räume werden durch verschiedene bespielbare Elemente, wie Klappen, Gucklöcher, Öffnungen und Schlitze, getrennt; selbst der Fußboden kann durch sein Material zum Erfahrungsraum werden (vgl. Schmidt- Thomsen 2012, 115f).

Um den Kindern und Jugendlichen das Lernen durch Handeln zu ermöglichen, gibt es mittlerweile nicht nur in Kinder- und Jugendmuseen Werkstätten, in denen sie den Ausstellungen entsprechend selbst tätig werden können (vgl. ebd., 27). Auch viele traditionelle Museen, wie zum Beispiel das Kunstmuseum Bonn (vgl. www.kunstmuseum-bonn.de), haben für diese Zwecke Räumlichkeiten eingerichtet.

2.2. Pädagogisches Konzept

Für Kinder ist grundsätzlich zunächst alles interessant, was gut und spannend vermittelt wird (vgl. Kolland 1994, 105). Auf Grund der Tatsache, dass nicht jedes Kindermuseum dem anderen gleicht, ist es somit die Aufgabe der Museumspädagogik „spezifische Zugangsweisen, spezifische Präsentationsweisen zu schaffen" (ebd.), um Interesse zu wecken und Kinder zum Mitmachen und Entdecken zu motivieren. Das Motto ist dabei stets das gleiche: Was nur gehört wird, gerät in Vergessenheit; was gesehen wird, bleibt in Erinnerung; was ausprobiert wird, ist nachvollziehbar (vgl. MPZ 1986, 7; Noelke 1998b, 73).

Dieses Motto bildet das Fundament eines jeden pädagogischen Konzeptes in Kindermuseen. Kinder sollen sich nicht nur Exponate anschauen und deren Geschichte anhören müssen, sondern sich viel mehr auf eine Entdeckungsreise begeben und eigenständig erforschen, welche Bedeutung z.B. ein Ausstellungsstück besitzt, oder wie Menschen in anderen Kulturen leben oder zu anderen Zeiten lebten (vgl. MPZ 1986, 7). „Indem Kindermuseen [auf diese Weise] den kognitiven Prozeß [sic!] mit Bewegung, Riechen, Tasten, Wahrnehmen, Fühlen von seinen körperlichen Wurzeln her inszeniert, ergänzen sie die traditionellen, intellektualisierten Formen der Vermittlung" (Worm 1994, 11). Lernen ist dadurch nicht länger ein rein kognitives Erlebnis, sondern findet zugleich auf emotionaler und handlungsorientierter Ebene statt.

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Details

Seiten
18
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346387479
ISBN (Buch)
9783346387486
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Erscheinungsdatum
2021 (April)
Note
2,0
Schlagworte
Pädagogik Erlebnispädagogik Museumspädagogik Museum Kindermuseum Partizipation Jugendmuseum Kinder- und Jugendmuseum Räumliche Gestaltung Pädagogisches Konzept Methoden

Autor

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Titel: Pädagogik und Partizipation in Kindermuseen