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Alternativen zu Ehe und Familie - Zur Problematik und sozialen Akzeptanz der zunehmenden Singulisierung in der BRD

Hausarbeit 2001 14 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Was ist ein Single? Begriffsklärung
2.3. Soziodemographische Aufschlüsselung von „Singles“ Bildung, Beruf, Einkommen, Wohnsituation
2.4. Politisch und gesellschaftlich relevante Konsequenzen aus der Singulisierung der Gesellschaft

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der „Single“ (wenn im weiteren generell von „Singles“ gesprochen wird, werden damit sowohl Personen weiblichen als auch männlichen Geschlechts gemeint, wenn dies nicht ausdrücklich anders erwähnt wird) ist sicherlich kein neues Erscheinungsbild in der gesellschaftlichen Entwicklung. Aus den unterschiedlichsten Gründen allein lebende Menschen hat es zu allen Zeiten gegeben. Doch der in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich gewachsene Trend zu Einpersonenhaushalten hat zu sozial und ökonomisch immer relevanter werdenden Entwicklungen geführt, auf die in dieser Arbeit soweit als möglich eingegangen werden soll. Es kann in Folgenden nicht darum gehen, eine Lanze für oder gegen die Form des Alleinlebens zu brechen, sondern es soll versucht werden, anhand von demographischen Daten sowie von Kommentaren und Einschätzungen aus der sozialwissenschaftlichen Fachwelt eine kurze Bestandsaufnahme des Phänomens „Single“ zu erstellen.

Dazu ist zunächst eine Klärung des Begriffs „Single“, wie er in den weiteren Ausführungen verstanden werden muß, notwendig. Daran anschließen wird sich eine zahlenmäßige Erfassung der Alleinlebenden, die sich mit der von mir verwendeten „Single“-Definition decken, um darzulegen, daß die Zunahme der Singles die Beschäftigung mit dem Thema als solches rechtfertigt. Ein weiterer Punkt dieser Arbeit wird eine kurze Zusammenfassung zum Thema Bildung, Beruf und Einkommen sein – alles Punkte, in denen sich die Gruppe der

„Singles“ von altersmäßig gleich strukturierten Gruppen abhebt. Alsdann werde ich mich mit verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Aspekten der deutlichen Vergrößerung dieser Gruppe in der bundesrepublikanischen Gesellschaft befassen, bevor meine persönliche Bewertung der zuvor dargelegten Zahlen, Meinungen und Hintergründe erfolgen wird.

2. Hauptteil

2.1. „Was ist ein Single“ - Begriffsklärung

Der Begriff des „Singles“ wurde etwa seit Mitte der 70er Jahre erst aus den USA „importiert“, danach in den deutschen Sprachschatz aufgenommen und mit allerlei – zunächst meist negativ behafteten – Attributen in Verbindung gebracht. „Singles“ galten als kontaktarme, beziehungs- oder partnerschaftsuntaugliche Eigenbrötler, aber auch als karriereorientiert und

„modern“ – war doch die Kleinfamilie die soziale „Norm“ zu dieser Zeit.

Mittlerweile ist der Begriff des „Singles“ kaum noch attributbehaftet, sondern hat sich in der Umgangssprache als „Ersatzbegriff“ für alleinlebende Menschen herausgebildet. Unter sozialwissenschaftlichen Aspekten erscheint es allerdings unzweckmäßig, damit allgemeingültig zu operieren., denn viele Alleinlebende tun dies nicht aus Überzeugung oder aus wie auch immer gearteten sozialen oder wirtschaftlichen Gründen heraus. Beispielhaft dafür seien hier nur der 19jährige, der nach dem Abitur zwecks Studiums allein in eine fremde Stadt übersiedelt und dort einen Platz in einem Studentenwohnheim bekommt oder die 75jährige Witwe, die nach 50jähriger Ehe ihren Gatten verloren hat und nun allein

lebt. Deshalb erscheint mir die von Hradil [1] benutzte Definition die sinnvollste zu

sein. Hradil geht von zwei unterschiedlichen „Klassen“ von Singles aus: Im weiteren Sinne sind „Singles“ Menschen zwischen 25 und 55 Jahren, die allein leben und haushalten, im engeren Sinne solche derselben Altersstufen, die darüber hinaus keinen festen Partner haben und langfristig allein leben.

Da vor allem im Hinblick auf demographische Untersuchungen, die im Folgenden Berücksichtigung finden werden, lediglich die Tatsache des „allein leben und haushalten“ Bestandteil der Erfassungen sein kann, wird auch in dieser Arbeit hauptsächlich auf die „Singles“ im weiteren Sinne der Hradil‘schen Definition eingegangen werden.

2.2. Zahlen zur Entwicklung von Single-Haushalten in der BRD (West) zwischen 1970 und 1996

Während noch 1970 etwa jeder vierte Haushalt als Einpersonenhaushalt gelistet wurde, traf dies knapp 20 Jahre später bereits auf etwa ein Drittel der Haushalte zu.[2] Insgesamt gab es 1990 im „alten“ Teil der BRD fast 10 Mio Einpersonenhaushalte.[3] Geht man von der o.a. Definition der „Singles“ als Personen beiderlei Geschlechts zwischen 25 und 55 Jahren aus, relativiert sich zwar die Gesamtzahl deutlich, der Zuwachs bleibt jedoch signifikant.

So lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes[4] noch 1972 insgesamt 1.605 Mio Männer und Frauen dieser Altersgruppen in Einpersonenhaushalten, jedoch 1996 bereits 4.694 Mio, was fast einer Verdreifachung entspricht.

Abb. 1

Zunahme von Single-Haushalten in der BRD (alt bzw. alte Länder) v. 1972 bis 1996

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Absolute Zahlen in Tsd.

Eig. Darst.: Tabelle nach Zahlen d. Statistischen Bundesamtes

Dabei sind die männlichen Singles deutlich in der Überzahl: 2.838 Mio. von ihnen stehen lediglich 1.836 Mio. Frauen gegenüber. Im Durchschnitt leben 20,5 % der Männer, aber nur 13,7 % der Frauen in den beobachteten

Altersgruppen allein.[5] Trotzdem ist bei den ledigen Frauen der Altersgruppe von

25 bis 45 der deutlichste Anstieg im Vergleich zwischen früher und heute festzustellen: Von 1975 bis 1990 erhöhte sich ihre Zahl um 217,9 %, während er bei den gleichaltrigen Männern „nur“ um 199,1 % anwuchs. Zwei weitere Zahlen sollen verdeutlichen, daß die steigende Zahl der Singles mit einem Wechsel in den Lebensgewohnheiten der jüngeren Generation einhergeht: Auch die Zahl der unter 25-jährigen, die aus den o.a. Gründen nicht in dieser Arbeit berücksichtigt werden, stieg im gleichen Zeitraum deutlich an: Um 96 % bei den Frauen und um

102 % bei den Männern.[6]

Dies ist wohl auch auf die geänderten (Aus)Bildungsgewohnheiten zurückzuführen. Längere Schulbesuche und die Tatsache, daß heute erheblich mehr junge Menschen studieren als noch in den 70er Jahren, gepaart mit der Erfordernis, für Ausbildungs- oder Studienplatz auch den Wohnort zu wechseln, sorgen dafür, daß mehr eigene Hausstände gegründet werden, von denen die überwiegende Mehrheit zunächst als Alleinhaushalte geführt werden. Dazu kommen veränderte Heiratsgewohnheiten: Das durchschnittliche Heiratsalter ist von 23,0 (Frauen) bzw. 25,6 (Männer) in 1970 auf 27,7 bzw. 30,1 Jahre in 1996

gestiegen. [7]

2.3. Singles unter den Aspekten Bildung, Beruf, Einkommen und Wohnsituation

Längere Ausbildungszeiten – oft eben auch ein Studium – lassen schon erahnen, daß Singles im Schnitt über eine höheres Bildungsniveau, höherwertige Berufe und damit auch ein höheres Einkommen verfügen als ihre gleichaltrigen nicht allein lebenden Pendants. Das macht sich insbesondere bei den weiblichen Singles bemerkbar. Während von den nicht allein lebenden Frauen die meisten auf das Einkommen Ihrer Partner angewiesen sind, müssen sich Single-Frauen selbst ernähren. In einer Untersuchung, die sich zwar nur mit den Singles zwischen 30 und 40 Jahren beschäftigt, wurde festgestellt, daß nur etwa 35 % der in einer Partnerschaft lebenden Frauen eigene Einkommensquellen angaben, aber mehr als 80 % der alleinlebenden Frauen. Bei den Männern sieht es da schon anders aus: Offensichtlich löst der Druck, eine Familie ernähren zu müssen, eine etwas andere Haltung aus: Die Zahl der männlichen Singles, die von Leistungen des Sozialsystems (Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, HLU) leben, liegt mit 22 % deutlich höher als die der nicht alleinlebenden mit 4 %, aber auch höher als die der weiblichen Singles (11 %) [8]

[...]

[1] Vgl.: Stefan Hradil: Auf dem Weg zur „Single-Gesellschaft“, in:Uta Gerhardt u.a.( Hrsg), Familie der Zukunft, Opladen 1995, S. 191

[2] Vgl.: Stefan Hradil: Auf dem Weg zur „Single-Gesellschaft“, in:Uta Gerhardt u.a.( Hrsg), Familie der Zukunft, Opladen 1995, S. 192

[3] Quelle: Mikrozensus des Jahres 1990 in: Jürgen Dorbritz, Die demographische Bedeutung des Familienstandes, Forschungsbericht im Auftrag des BMFS, Stuttgart 1995, Abb. 8, S 62

[4] Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, in: „Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik“, herausgegeben vom BMFS, 5. Aufl., Bonn,1999, Tab. 27, S 67

[5] Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, in: „Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik“, herausgegeben vom BMFS, 5. Aufl., Bonn,1999, Tab. 27, S 67

[6] Quelle Mikrozensus des Jahres 1990 in: Jürgen Dorbritz, Die demographische Bedeutung des Familienstandes, Forschungsbericht im Auftrag des BMFS, Stuttgart 1995, Tab. 18, S 64

[7] Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, in: „Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik“, herausgegeben vom BMFS, 5. Aufl., Bonn,1999, Tab. 33, S 83

[8] Quelle: Ronald Bachmann: Singles,. Europäische Hochschulschriften, Reihe XXII, Bd.235, Frankfurt/M. u. a. O., Abb.II-9, S. 62

Details

Seiten
14
Jahr
2001
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100634
Note
sehr gut
Schlagworte
Alternativen Familie Problematik Akzeptanz Singulisierung

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