Lade Inhalt...

Brecht, Bertolt, Das Leben des Galilei - Wie zeigt Brecht Galileis Konfliktbewältigung zwischen Dogmatik und Innovation #

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 7 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis: Seitenzahlen:

1. Einleitung

2. Wer hat Galilei in seinen Bestrebungen unterstützt oder ihm geholfen? (Innovation)
2.1. Freunde
2.1.1. Andrea
2.1.2. Sagredo
2.2. Vertreter des Volke
2.2.1. Vanni

3. Galilei

4. Wer hat ihn daran gehindert, deine Forschungen weiter zu führen? (Dogmatik)
4.1. Die Kirche
4.1.1. Kardinal Bellarmin
4.1.2. Kardinal Barberini

5. Schlusswort

6. Literaturangabe

1. Einleitung:

Um das Thema überhaupt verstehen und behandeln zu können, möchte ich zuerst kurz den geschichtlichen Hintergrund klären. Galilei ist Wissenschaftler und lebte im 16./17. Jahrhundert. Er versuchte durch seine Forschungen das heliozentrische Weltbild zu beweisen. Doch er gerät in einen Konflikt mit der Kirche.

In der folgenden Arbeit soll gezeigt werden, wie in den Augen Brechts, Galilei den Konflikt zwischen Dogmatik und Innovation meistert. Inwiefern er sich schuldig macht. Denn Galilei ist ein Gläubiger. Doch sobald er sich für die Kirche (Dogmatik) entscheidet, macht er sich schuldig gegenüber der Wissenschaft (Innovation), die durch die Kirche im eigentlichen Sinn verhindert wird.

Verantwortlich für seine innere Zerrissenheit sind die Personen, die ihn unterstützen seine Forschungen weiterzuführen, und die Personen die ihn daran hindern.

2.Wer hat Galilei in seinen Bestrebungen unterstützt oder ihm geholfen? (Innovation)

2.1. Freunde:

2.1.1. Andrea, der Sohn der Haushälterin Galileis:

Andrea ist sicher die wichtigste Figur, die Galilei in seiner Arbeit unterstützt. Galilei ist Andreas grösstes Vorbild und Andrea wiederum ist Galileos liebster Schüler. Er vertraut Galilei blind und ist sehr wissensbegierig. Obwohl er manchmal misstrauisch gegenüber den Äusserungen seines „Meisters“ steht, hat Galilei immer ein bildlich dargestelltes Beispiel, welches Andrea jeden Zweifels befreit. Er ist sozusagen die treibende Kraft für Galilei. Er ist Jung und unerfahren, aber genau das, ist der springende Punkt. Natürlich ist es für Galilei praktisch ein unbeschriebenes Blatt mit seinem Wissen zu füllen. Auch ist es Galilei äusserst wichtig, dass Andrea immer alles versteht und sofort dazugezogen wird, wenn etwas neues herausgefunden oder entdeckt wurde. Galilei: Ich will ihm etwas zeigen, was ihn freuen wird. Er soll etwas sehen, was noch kein Mensch gesehen hat, seit die Erde besteht, ausser uns.“1 Aber es ist nicht nur Andreas „praktischer“ Aspekt, der Galilei in seinen wissenschaftlichen Bestrebungen unterstützt. Die Freundschaft wächst immer mehr. Galilei entwickelt eine fast väterliche Beziehung zu Andrea. Galilei weiss, dass ein grosses Potential in Andrea steckt. Es entsteht eine tiefe Bindung zwischen ihnen. Deshalb ist Andrea auch so enttäuscht, als Galilei widerrief. Er war davon überzeugt, dass Galilei auch nicht widerrufen werde, wenn er die Folterinstrumente sieht. Andrea: „... Und selbst wenn sie es ihm antun, wird er nicht widerrufen.“2

Die Freundschaft zwischen Galilei und Andrea ist sehr stark, deshalb ist Andrea auch sehr enttäuscht, als Galilei alles leugnet. Er der selbst immer gesagt hat: „Wer die Wahrheit nicht weiss, der ist bloss ein Dummkopf. Aber wer sie weiss und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.“3

Andrea besucht Galileo nie, als dieser, nach seinem Widerruf von der Inquisition aufs Land geschickt wird. Doch auf seinem Weg nach Holland, wo er wissenschaftlich tätig sein möchte, geht er noch kurz zu Galilei. Er berichtet ihm, dass sein Widerruf der neuen Wissenschaft überall geschadet und der Kirche und Obrigkeit genutzt habe. Doch Galilei zeigt ihm die „Discorsi“4 Andrea ist begeistert. Galilei erklärt Andrea seine List, die darin bestand, dass er nur durch seinen Widerruf die Möglichkeit erhalten hat, sein Werk zu beenden. Andrea hilft ihm und überschreitet mit dem Buch die Grenze und macht es möglich, dass sich das kopernikanische (heliozentrische) Weltbild verbreitet.

2.1.2. Sagredo, sein bester Freund, ebenfalls Wissenschaftler:

Sagredo ist der ruhende Punkt in der ganzen Geschichte. Er ist Realist und ist mit Galilei nicht immer einer Meinung. Er sorgt dafür, dass Galilei seine damals ketzerischen Entdeckungen nicht sofort ihn die ganze Welt hinausschreit. Er ist sehr nachdenklich und beschützt Galilei dadurch vor einem sicheren und frühzeitigen Tod. Denn Galileis Aussagen sind ähnlich wie die des Giordano Bruno, der vor weniger als zehn Jahren wegen Ketzerei verbrannt wurde. Sagredo warnt Galilei „... wie der Verbrannte gesagt hat.“5 Er macht Galilei klar, dass seine Ansichten vor allem bei der Kirche und der heiligen Inquisition keinen Anklang finden würden. Galilei glaubt an die Vernunft der Menschen. Sagredo hingegen versucht ihm begreiflich zu machen, dass die Vernunft nicht vorhanden ist. Sagredo: „...Zeige ihnen einen roten Kometenschweif, jage ihnen eine dumpfe Angst ein und sie werden aus ihren Häusern laufen und sich die Beine brechen. Aber sage ihnen einen vernünftigen Satz und beweise ihn mit sieben Gründen, und sie werden dich auslachen.“6

Sagredo hat Galilei immer als Vorbild gesehen. Er hat ihn „... immer als einen schlauen Mann gesehen...“7

Nun beabsichtigt Galilei, an den florentinischen Hof zu gehen. Doch Sagredo ratet ihm ab, da dort „... die Mönche herrschen.“8. Sagredo weiss, dass er seine Arbeit dort weiterführen wird und fürchtet, seinen besten Freund an die Inquisition zu verlieren.

Er wird als herzlicher, ruhiger Mensch dargestellt. Meines Erachtens, ist er der Gegenpol zu Galilei. Er ist ebenfalls Wissenschaftler, dem heliozentrischen Weltbild nicht abgeneigt aber im Gegensatz zu Galilei, der am Anfang sehr euphorisch wirkt, sehr besonnen.

2.2. Vertreter des Volkes

2.2.1. Vanni, der Eisengiesser:

Vanni verkörpert den Vertreter einer Gruppe, die Galilei ansprechen will: das normale Volk. Für Vanni ist Galilei der Mann, der für die Freiheit kämpft, neue Dinge zu lehren. Richtig hat Vanni die Bedeutung der neuen physikalischen Entdeckungen für sein Gewerbe erkannt. Er sagt auch zu Galilei, dass er besser wieder nach Venedig zurückgehen soll, da er dort sicherer sei und bietet ihm seine Kutsche an. Galilei aber will nicht als Flüchtling gehen. Doch Vanni zeigt ihm, dass doch ein Interesse des Volkes besteht, seine Wissenschaft zu kennen. Denn das Volk hat die Unterdrückung durch die Kirche satt. Darum hat Galilei natürlich auch bessere Möglichkeiten, seine Lehre zu verbreiten.

3. Galilei

Die Analyse einer solchen Gestalt wird niemals erschöpfend sein können. Hier kommt es nur darauf, an einige hauptsächliche Seiten herauszuarbeiten und einzelne Züge in der Fülle anderer sichtbar zu machen. Es soll nun auf die Konfliktbewältigung eingegangen werden. Wie bereits erwähnt, sind die Gründe für die Zerrissenheit Galileo’s die Menschen, die ihn unterstützen einerseits und die Leute, die ihn in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hemmen andererseits. Galilei steht also zwischen zwei Fronten.

Galilei ist höchst intelligent und weiss, dass die Wissenschaft noch lange nicht beendet ist. Durch einen neuen Privatschüler aus Holland, Ludovico Marsili, kommt er zu einer sehr wichtigen Erfindung: das Fernrohr. Galileo überreicht es der Republik Venedig als seine neue Erfindung. Er lügt, damit er seine Rechnungen bezahlen kann. Mit diesem Fernrohr will er nun beweisen, dass die Erde sich um die Sonne dreht. Durch Andrea wird er immer mehr angetrieben, seine Forschungen weiter zu führen und auch zu veröffentlichen. Doch Sagredo hält ihn zurück. Galilei kann oder will Sagredos Bedenken aber nicht verstehen. Starrköpfig geht er nach Florenz, wo seine Entdeckungen bei der Gelehrtenwelt auf Unglauben stossen. Nun ist Galilei in der defensiven Position. Er muss sich verteidigen. Man macht sich über ihn lustig. Doch er gibt nicht auf. Vor allem nicht, nachdem Pater Christopher Clavius, der Hauptastronom des päpstlichen Kollegiums in Rom seine Entdeckung als richtig bezeichnete. Galilei ist glücklich. Doch er erfährt von Kardinal Bellarmin, dass die Inquisition die kopernikanische Lehre auf den Index gesetzt hat. Was nun? Die Kirche würde ihn am liebsten verbrennen, aber er will forschen, um weitere Beweise zu finden. Im Gespräch mit dem kleinen Mönch sagt dieser, dass Galilei doch lieber schweigen soll. Der kleine Mönch: "Es sind die allerhöchsten Beweggründe, die uns schweigen machen müssen, es ist der Seelenfrieden Unglücklicher!“9 Galilei fühlt sich jedoch verpflichtet, das Volk nicht weiter in diesem Unwissen zu lassen. Er hat das Gefühl, dass es den Menschen dann besser gehen würde. Doch Galilei schweigt acht Jahre lang. Obwohl er selbst sagte: “ Würde ich mich zum Schweigen bereit finden, wären es zweifellos recht niedrige Beweggründe…“10. Er war also doch zu feige. Aber dann, durch die Thronbesteigung eines neuen Papstes, Berberini, der selbst Wissenschaftler ist, ist Galilei ermutigt, seine Forschungen auf dem verbotenen Feld wieder aufzunehmen. Seine Schüler unterstützen ihn erneut bei seinen Forschungen. Im Volk findet seine neue Lehre Anklang, doch die Inquisition beordert ihn nach Rom. Er ist schwach und widerruft seine Aussagen. Seine Schüler sind empört und können es nicht glauben. Galilei schliesst sich aus der Reihe der Wissenschaftler aus. Er wird ins Exil geschickt. Heimlich schreibt er an seinem Werk „Discorsi“ weiter und übergibt es Andrea, damit es sich verbreitet.

4. Wer hat ihn daran gehindert, seine Forschungen weiter zu führen? (Dogmatik)

4.1. Die Kirche

Die Kirche vertritt das kopernikanische Weltbild. Die Erde ist somit im Zentrum des Universums und der Mensch steht im Mittelpunkt der Welt. Die Kirche sagt, dass alle Lebensvorgänge einem höheren Plan eingeordnet sind. Der Grund, warum sie so auf diesem Weltbild beharren, ist das Volk. Sie sagen, dass sie dem Volk somit den Seelenfrieden bringen. Die römische Kirche kann es sich nicht erlauben weiter an Macht zu verlieren, denn Das Volk lehnt sich schon gegen die Kirche auf. Grundsätzlich ist sie nicht gegen die Wissenschaft, solange die Wissenschaft der heiligen Schrift nicht widerspricht.

4.1.1. Kardinal Bellarmin

Im Gespräch mit Galilei beruft er sich immer wieder auf die Schrift. Er ist ein sehr starker Vertreter der Kirche. Er ist derjenige, der Galilei davor warnt, seine Ansichten öffentlich Preis zu geben. Bellarmin:“ …dass die Lehre des Kopernikus…töricht, absurd und ketzerisch im Glauben ist. Ich habe den Auftrag, sie zu ermahnen, diese Meinung aufzugeben.“11

Die Wissenschaft betrachtet er als „…Tochter der Kirche…“12, aber natürlich nur, wenn sie die Religion nicht anzweifelt oder beschmutzt. Er verkörpert den tiefsten Schlag den Galilei erlebt. Durch ihn, wird Galilei klar, dass er besser schweigen sollte.

4.1.2. Kardinal Barberini (später Papst Urban VIII)

Er bedauert ebenfalls einmal, etwas Astronomie gelesen zu haben und bezeichnet diese als Krätze. Er benützt die Bibel als Schöngeisterei. Mit Sprüchen Salomons versucht er, Galilei zu beeindrucken und zu zeigen, dass er besser schweigen sollte. Dieser kontert jedoch mit weiteren Sprüchen Salomons die für ihn sprechen.

Sein kirchliches Amt ist eigentlich eine Maske. Er versteckt sich hinter der Unschuld: „Worauf er sich wieder in ein Lamm verwandelt.“13

Als Papst erlaubt er Galilei sein Buch, jedoch unter der Bedingung, „…dass das letzte Wort nicht die Wissenschaft, sondern der Glaube hat.“14 Er beschränkt also Galilei in seinen Ansichten. Jedoch ist er, der eigentliche Grund und Antrieb für Galilei seine Arbeit über die Sonnenflecken weiter zu führen. Für den Weitergang der Geschichte braucht es Barberini. Ohne ihn hätte Galilei eventuell für immer geschwiegen.

5. Schlusswort

Brecht zeigt die Höhepunkte der Konfliktbewältigung, als Galilei zum Schweigen verurteilt wurde und als dieser widerrief.

Bis es zum ersten Höhepunkt kommt, ist Galilei innovativ. Er forscht und zeigt seine Entdeckungen der Öffentlichkeit. Doch die Kirche versetzt ihm den Schlag. Er entscheidet sich zu schweigen. Denn im ganzen Stück verlässt er den Schoss der Kirche nie. Bis kurz vor dem zweiten Höhepunkt. Er wagt es, sich gegen die Kirche zu stellen. Doch anscheinend hat er den Mut nicht, die Wahrheit zu wiederholen und widerruft. Für seine Schüler wie auch für die Leser eine feige Aktion und unbegreiflich. Man glaubt, er habe sich nun endgültig der Kirche unterworfen(Dogmatik). Doch Brecht lässt Galilei nicht als Feigling erscheinen. In Wirklichkeit hat Galilei richtig reagiert. Denn nur durch seinen Widerruf konnte er weiterleben und sich seinen Forschungen wieder im Geheimen widmen(Innovation). Nur so konnte er sein Werk beenden und es mit Hilfe Andreas verbreiten. Meines Erachtens, hat Brechts Galilei den ganzen Verlauf vorher schon genau im Kopf. Er wusste über seine späteren Möglichkeiten bescheid. Er machte einen ersten Versuch, der jedoch scheiterte, ihn aber nicht daran hinderte, sein Werk zu beenden. Wenn er widerrufen hätte, wäre er ein sinnloses Opfer gewesen.

Was für Brecht typisch ist und sich sehr gut in Galilei widerspiegelt, ist die Dialektik. Die Fragestellung selbst, zeigt die Dialektik bei Galilei. Er ist Gläubiger, aber auch Wissenschaftler. Zwei Ebenen die sich zu dieser Zeit, vielleicht auch heute, kaum vereinen lassen.

6. Literaturangabe:

Autor: Bertolt Brecht Titel: Leben des Galilei Verlag: Suhrkamp

[...]


1 S.35/ Es geht um die Jupitermonde, die Galileo mit Hilfe des Fernrohrs entdeckt hat.

2 S.110/ Andrea ist überzeugt von der Standhaftigkeit von Galileo

3 S.110/ Andrea rezitiert Galileo

4 wissenschaftliches Buch Galileis über die Sonnenflecken, welche beweisen, dass die Erde um die Sonne kreist.

5 S.33

6 S.34/ Es geht um die Vernunft der Menschen

7 S.33

8 in Venedig, wo sich Galileo im Moment befindet ist er noch sicher, weil dort die Inquisition nichts zu sagen hat aber in Florenz kann man ihn angreifen.

9 S.77/ mit „Unglücklichen“ ist das Volk gemeint

10 S.77/ im Gespräch mit dem kleinen Mönch

11 S.69

12 S.70

13 S.70

14 S.108

Details

Seiten
7
Jahr
2001
Dateigröße
342 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100837
Note
Schlagworte
Brecht Bertolt Leben Galilei Galileis Konfliktbewältigung Dogmatik Innovation

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Brecht, Bertolt, Das Leben des Galilei - Wie zeigt Brecht Galileis Konfliktbewältigung zwischen Dogmatik und Innovation #