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Steuerliche Teilwertabschreibungen auf Kryptowährungen im Anlagevermögen. Sind Teilwertabschreibungen auf digitale Währungen anwendbar?

Seminararbeit 2019 18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kryptowährungen
2.1 Definition von Kryptowährungen
2.2 Block-Chain-Technologie
2.3 Steuerbilanzielle Einordnung

3. Teilwertabschreibung
3.1 Begriff Teilwert
3.2 Zeitpunkt der Bewertung
3.3 Berechnung des Teilwerts
3.4 Voraussetzungen
3.5 Rechtsfolge (Bewertungsgrundsätze)

4. Wann ist das Kriterium einer voraussichtlich dauernden Wertminderung bei Kryptowährungen erfüllt?
4.1 Wann liegt eine voraussichtlich dauernde Wertminderung von Wirtschaftsgütern vor?
4.2 Übertragung der Kriterien für voraussichtlich dauernde Wertminderung von anderen Wirtschaftsgütern auf Kryptowährungen
4.3 Handlungsempfehlung

5. Thesenförmige Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der Bitcoin hat in den letzten Jahren für große mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Vor allem ist der Bitcoin in den letzten Jahren durch seinen enormen Kursanstieg, sowie die hohe Volatilität seines Wertes zu einem attraktiven Investitions- und Spekulations­objekt für Privatanleger geworden.

2008 wurde der Bitcoin als erste virtuelle Kryptowährung von Satoshi Nakamoto, vor­gestellt. Mittlerweile gibt es über 4.800 verschiedene Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von 179.448.401.377 EUR (Stand: 2.12.2019).1 Die Markpreise von Kryptowährungen sind sehr volatil, dies ist auch dadurch zu erkennen, dass am 10.11.2019 die Marktkapitalisierung noch 219.485.292.488 EUR betrug.2 3 Gut zwei Drittel dieses Marktes, der aus über 4.800 unterschiedlichen Kryptowährungen be­steht, entfällt auf den Bitcoin. Der Marktpreis für einen Bitcoin ist seit seiner Einfüh­rung im Jahr 2008, von weniger als einem Euro bis zum 2.12.2019 auf über 6.600 EUR . 3 gestiegen.

Bitcoins werden nicht nur von Privatanleger als Tauschmittel genutzt, sondern auch von Unternehmen und müssen gegebenenfalls in der Steuerbilanz ausgewiesen werden. Dabei stellt sich auch die Frage, ob steuerliche Teilwertabschreibungen auf Kryptowährungen im Anlagevermögen möglich sind.

Im Folgenden, werden zunächst die Themen Kryptowährung und Teilwertabschrei­bung genauer betrachtet. Danach folgt eine Übertragung der Kriterien für voraussicht­lich dauernden Wertminderungen bei nicht abnutzbaren Wirtschaftsgütern auf Krypto­währungen. Die Seminararbeit endet mit der Thesenzusammenfassung. In dieser Seminararbeit wird ausschließlich entgeltlich erworbene Kryptowährungen im Anlagevermögen eingegangen.

2. Kryptowährungen

2.1 Definition von Kryptowährungen

Kryptowährungen sind digitale, virtuelle Währungen.4 Die Europäische Bankenauf­sichtbehörde (EBA) definiert in einem öffentlichen Schreiben vom 4. Juni 2014 Kryptowährung wie folgt:

„VCs are defined as a digital representation of value that is neither issued by a central bank or public authority nor necessarily attached to a FC, but is used by natural or legal persons as a means of exchange and can be transferred, stored or traded electron­ically”5

Virtuelle Währungen werden weder von einer Zentralbank, noch durch eine Behörde herausgegeben und müssen nicht mit Buchgeld verbunden werden.6 Sie werden nicht als gesetzliches Zahlungsmittel angesehen, sondern dienen natürlichen oder juristi­schen Personen als Tauschmittel.7 Kryptowährungen sind in einer begrenzten Menge im Umlauf und können elektronisch übertragen, gespeichert und online über Platt­formen gehandelt.8 Kryptowährungen basieren auf der Distributed Ledger Techno­logie, sowie der Block-Chain-Technologie.9

2.2 Block-Chain-Technologie

Die Block-Chain-Technologie ist gestützt auf der Distributed Ledger Technologie und dient als dezentrales Buchungssystem zur verteilten irreversiblen Datenspeicherung und -verarbeitung von Buchungssätzen.10 Dadurch kann die Blockchain alle Transak­tionsinformationen auf einer dezentralen Datenbank speichern und ist unabhängig von dritten Instanzen.11 Des Weiteren ermöglicht die Blockchain durch das „Peer-to-peer“

Netzwerk allen Netzwerkteilnehmern einen gleichzeitigen Zugriff auf alle Informationen der Datensätze.12

Eine Blockchain besteht aus mehreren Transaktionsblöcken.13 Jeder dieser Daten­blöcke hat feste Datensätze und wird durch einen einzigartigen kryptografischen Code verifiziert.14 Dies gewährleistet die Fälschungssicherheit der Block-Chain-Techno- logie.15 Durch die Aneinanderreihung von Blöcken entsteht eine Kette (Blockchain), wobei jeder neue Block auf den vorherigen verweist.16

Die bekanntesten Kryptowährungen, die auf einer Block-Chain-Technologie basiert, ist der Bitcoin.17 Bitcoins werden online über Plattformen (originäre Börsen) im Tausch gegen staatliche Währungen gehandelt.18 Ein Beispiel für eine solche Handels­plattform ist: Bitcoin.de.19 Der Marktpreis des Bitcoins wies in den letzten Jahren eine enorme Volatilität auf.20 Bitcoins werden in virtuellen Geldbörsen (Wallets) gehal­ten.21 Jede virtuelle Geldbörse wird durch einen privaten Sicherheitsschlüssel authen­tifiziert und mit einem öffentlichen Schlüssel, vergleichbar mit einer Kontonummer, identifiziert.22

2.3 Steuerbilanzielle Einordnung

Auf Kryptowährungen im Betriebsvermögen finden die allgemeinen Bilanzierungs­und Bewertungsgrundsätzen Anwendung.23 Aus der Sicht der BaFin sind Krypto- währungen bloße Recheneinheiten gem. § 1 Abs. 11 Nr. 7 KWG und keine gesetz­lichen Zahlungsmittel.24 Nach herrschender Meinung sind Kryptowährungen immate­rielle Wirtschaftsgüter, die in der Steuerbilanz im Anlagevermögen oder Umlaufver­mögen auszuweisen sind.25 Dies ist abhängig vom Verbleiben der Dauerhaftigkeit im Betrieb.26 Eine Zuordnung zum Anlagevermögen erfolgt bei entgeltlich erworbenen Kryptowährungen, wenn sie langfristig dem Betrieb dienen sollen.27 Dementsprechend erfolgt die Zugangsbewertung mit den Anschaffungskosten gem. § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG, § 5 Abs. 1 S. 1 EStG.28 Die Anschaffungskosten bzw. der Anschaffungspreis zuzüglich Anschaffungsnebenkosten gem. § 255 Abs. 1 HGB i.V.m. § 5 Abs. 1 S. 1 EStG gleichen im Regelfall den Marktpreisen zuzüglich der Anschaffungsnebenkosten der Bitcoins.29 Der Bitcoin ist in seinem unternehmerischen Nutzen nicht limitiert und unterliegt weder einer wirtschaftlichen noch rechtlichen Ab- nutzung.30 Eine Absetzung für Abnutzung ist unzulässig.31 Kryptowährungen werden als nicht abnutzbare immaterielle Wirtschaftsgüter, mit den Anschaffungs- oder Her­stellungskosten angesetzt. Des Weiteren kann ein niedriger Teilwert vorliegen, welcher zur Abschreibung berechtigt.32

3. Teilwertabschreibung

3.1 Begriff Teilwert

Der Teilwert ist für Wirtschaftsgüter im steuerlichen Betriebsvermögen ein Bewer­tungsmaßstab zur Einzelbewertung.33

Die genaue Definition des Teilwerts ist gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 S. 3 EStG und § 10 S. 2 und S. 3 BewG zu finden. Der Teilwert ist nach dem Einkommensteuergesetz defi­niert als:

„(...) der Betrag, den ein Erwerber des ganzen Betriebs im Rahmen des Gesamtkauf­preises für das einzelne Wirtschaftsgut ansetzen würde; dabei ist davon auszugehen, dass der Erwerber den Betrieb fortführt.“

Darüber hinaus stellt der Teilwert eine Erweiterung des gemeinen Werts dar.34 Ausschlaggebend ist, dass der Wert dem einzelnen Wirtschaftsgut als Teil der wirtschaftlichen Einheit zugeordnet werden kann, wodurch sich ebenfalls der Begriff des Teilwerts erschließen lässt.35 Bei der Ermittlung des Teilwerts werden im Gegen­satz zur Ermittlung des gemeinen Werts „(...) alle Umstände, die den Preis beein­flussen berücksichtigt, wenn sie ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter bei der Veräußerung berücksichtigt haben würde.“36 Darüber hinaus ist der Teilwert durch mehrere Fiktionen gekennzeichnet, denn der Steuerpflichtige soll sich fiktiv “(...) in die Situation eines Erwerbers versetzen (Erwerberfiktion), um so den Teilwert für ein einzelnes Wirtschaftsgut über den Gesamtkaufpreis bestimmen zu können (Fik­tion der Verteilung des Gesamtkaufpreises), zudem soll vom Fortbestand des Unter­nehmens ausgegangen werden (Going-concern-Fiktion)“37

Allerdings ist die gleichzeitige Einhaltung aller Teilwertfiktionen nicht praktikabel, „letztendlich lässt sich der Teilwert nur durch Schätzung ermitteln.“38 Und „(...) kann mittels Teilwertvermutung konkretisiert werden.“39 Darüber hinaus ist der Teilwert als Verlustantizipationsmaßstab zu verstehen.40

3.2 Zeitpunkt der Bewertung

Wirtschaftsgüter sind zum Abschlussstichtag gem. § 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB i.V.m. § 5 Abs. 1 EStG einzeln zu bewerten.41 „Werterhellende Erkenntnisse, die vor dem Bilanzstichtag eingetreten sind und bis zur Aufstellung der Handelsbilanz bekannt werden, sind zu berücksichtigen, nicht jedoch Ereignisse, die nach dem Bilanzstichtag eingetreten sind.“42 Wurde keine Handelsbilanz aufgestellt, ist der Bilanzstichtag der Steuerbilanz maßgeblich.43

Eine Möglichkeit den Teilwert zu ermitteln ist die Teilwertschätzung. Der Steuer­pflichtige hat dabei einen bestimmten Ermessenspielraum.44

Dieser Ermessenspielraum ist gerechtfertigt, da eine genaue Schätzung nur durch den­jenigen erfolgen kann, welcher alle genauen Gegebenheiten, sowie Kenntnisse über den Betrieb zur Verfügung stehen hat.45 Die Rechtsprechung hat zur Hilfestellung für die Teilwertschätzung Ober- und Untergrenzen vorgegeben.46

Die Untergrenze der Teilwertschätzung stellt der Einzelveräußerungspreis dar.47 Der Einzelveräußerungspreis ist der Preis, welcher der Steuerpflichtige einzeln hätte er­zielen können (gemeiner Wert/Verkehrswert), wenn er das Wirtschaftsgut zum Stich­tag und unabhängig der Betriebszugehörigkeit verkauft hätte.48 Die endgültige Bestim­mung der Teilwertuntergrenze erfolgt durch eine Saldierung der Veräußerungskosten vom Einzelveräußerungspreis.49

[...]


1 Vgl. Coinmarketcap, https://coinmarketcap.com/de/charts/, Zugriffsdatum: 2.12.2019.

2 Vgl. Coinmarketcap, https://coinmarketcap.com/de/charts/, Zugriffsdatum: 10.11.2019.

3 Vgl. Coinmarketcap, https://coinmarketcap.com/de/charts/, Zugriffsdatum: 2.12.2019.

4 Vgl. BaFin, https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/FinTech/VirtualCurrency/virtual_currency_arti kel.html , Zugriffsdatum: 28.11.2019.

5 EBA https://eba.europa.eu/sites/default/documents/files/documents/10180/657547/81409b94-4222- 45d7-ba3b-7deb5863ab57/EBA-Op-2014- 08%20Opinion%20on%20Virtual%20Currencies.pdf?retry=1, Zugriffsdatum 28.11.2019

6 Vgl. BaFin, https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/FinTech/VirtualCurrency/virtual_currency_arti kel.html , Zugriffsdatum: 28.11.2019.

7 Vgl. BaFin, https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/FinTech/VirtualCurrency/virtual_currency_arti kel.html , Zugriffsdatum: 28.11.2019.

8 Vgl. BaFin, https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/FinTech/VirtualCurrency/virtual_currency_arti kel.html , Zugriffsdatum: 28.11.2019.

9 Vgl. Küfner, Das Krypto-Jahrzehnt, 2018, S. 18.

10 Vgl. Küfner, Das Krypto-Jahrzehnt, 2018, S. 19.

11 Vgl. Richter/Augel, FR 2017, S. 938.

12 Vgl. Behrendt/Janken, DStZ 2018, S. 343.

13 Vgl. Küfner, Das Krypto-Jahrzehnt, 2018, S. 43.

14 Vgl. Küfner, Das Krypto-Jahrzehnt, 2018, S. 43.

15 Vgl. Küfner, Das Krypto-Jahrzehnt, 2018, S. 43.

16 Vgl. Küfner, Das Krypto-Jahrzehnt, 2018, S. 44.

17 Vgl. Prinz/Ludwig, StuB 2019, S. 257.

18 Vgl. Eckert, DB 2013, S. 2108.

19 Vgl. Bitcoin.de, https://www.bitcoin.de/de, Zugriffsdatum: 28.11.2019.

20 Vgl. Behrendt/Janken, DStZ 2018, S. 343.

21 Vgl. Kirsch/Wieding, BB 2017, S. 2731.

22 Vgl. Heuel/Matthey, NWB 2018, S.1038.

23 Vgl. OFD Nordrhein-Westfalen v. 20.04.2018, NWB LAAAH-23099.

24 Vgl. Vgl. BaFin, https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/FinTech/VirtualCurrency/virtual_currency_arti kel.html , Zugriffsdatum: 28.11.2019.

25 Vgl. Heuel/Matthey, EStB 2018, S. 343.

26 Vgl. Teschke/Kraft, EStG, 2019, Rz. 61 zu § 6 EStG.

27 Vgl. Heuel/Matthey, EStB 2018, S. 343.

28 Vgl. Heuel/Matthey, EStB 2018, S. 344.

29 Vgl. Richter/Augel, FR 2017, S. 941.

30 Vgl. Richter/Augel, FR 2017, S. 942.

31 Vgl. § 6 Abs.1 Nr. 1, 2 EStG.

32 Vgl. Richter/Augel, FR 2017, S. 942.

33 Vgl. Kulosa, in: Schmidt, EStG, 2019, Rz. 7 zu § 6 EStG, S. 528.

34 Vgl. Kulosa, in: Schmidt, EStG, 2019, Rz. 232 zu § 6 EStG, S. 571.

35 Vgl. Kulosa, in: Schmidt, EStG, 2019, Rz. 232 zu § 6 EStG, S. 571.

36 BFH-Urteil vom 5.11.1981, IV R 103/79, BStBl. II 1982, S. 258.

37 Kahle/Hiller, in: Prinz/Kanzler, Bilanzsteuerrecht, 2018, S. 221.

38 Kahle/Hiller, in: Prinz/Kanzler, Bilanzsteuerrecht, 2018, S. 223.

39 Kahle/Hiller, in: Prinz/Kanzler, Bilanzsteuerrecht, 2018, S. 224.

40 Vgl. Kahle/Hiller, in: Prinz/Kanzler, Bilanzsteuerrecht, 2018, S. 223.

41 Vgl. Krudewig, Teilwertabschreibung, Jahr, 2014, S.12.

42 Teschke/Kraft, EStG, 2019, Rz. 53 zu § 6 EStG.

43 BMF v. 16.07.2014, IV C 6 - S 2171-b/09/10002, BStBl I 2014, S. 1162.

44 Vgl. Kahle/Hiller, in: Prinz/Kanzler, Bilanzsteuerrecht, 2018, S. 223.

45 Vgl. Kahle/Hiller, in: Prinz/Kanzler, Bilanzsteuerrecht, 2018, S. 223.

46 Vgl. BFH v. 05.11.1981, IV R 103/79, BStBl II 1982, S. 258.

47 Vgl. BFH v. 05.11.1981, IV R 103/79, BStBl II 1982, S. 258.

48 Vgl. BFH v. 27.11.1974, I R 250/72, BStBl II 1975, S. 306.

49 Vgl. Kahle/Hiller, in: Prinz/Kanzler, Bilanzsteuerrecht, 2018, S. 223.

Details

Seiten
18
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346411839
ISBN (Buch)
9783346411846
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Mai)
Note
2,0
Schlagworte
steuerliche teilwertabschreibungen kryptowährungen anlagevermögen sind währungen
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