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Der mit dem Wolf tanzt

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 3 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Philosophie von Naturvölkern

(Annäherung an die der nordamerikanischen Indianer)

Michael Blake, „Der mit dem Wolf tanzt“ (S.91, Z.29 - S.92, Z.23 und S.95, Z.12 - S.96, Z.28)

MICHAEL BLAKE lässt in seinem Roman „DER MIT DEM WOLF TANZT“ seinen Helden, den amerikanischen Soldaten Lieutenant John Dunbar, der eine schwerverletzte Frau (Die-sich-mit-der-Faust-behauptet), die er vor dem Freitod gerettet hat, in seinen Armen trägt, auf ein „Indianerlager“ zureiten (S.91), und der Autor schildert die Eindrücke, welche der Weiße bei diesem „Anblick“ hat (S.91 f.)

1. Referieren Sie die Wahrnehmungen dieses Menschen beim Anblick einer „ursprüngliche[n], völlig unberührte[n] Kultur“ (S.92), und fassen Sie die Wirkungen dieses Erlebnisses auf ihn prägnant zusammen!

Beim Anblick des Indianerlagers fühlt sich Lieutenant Dunbar wie gelähmt, er kann sich nicht mehr weiter bewegen, sondern muss anhalten. Er weiß, dass dieses Bild ihm nur für einen „Augenblick“ erscheint, und er dann nie wieder (S.92, Z.17/18) die Möglichkeit haben wird, etwas Vergleichbares zu erleben. Deshalb versucht er, alles in sich aufzunehmen (S.91, Z.33). Einerseits wirkt das Indianerlager auf ihn „einladend und friedlich“ (S.91, Z.35), so dass er bei dessen Anblick beruhigt wird, andererseits fühlt er sich aber auch überwältigt von dessen Größe (S.91, Z.37/38; S.92, Z.11) und Zeitlosigkeit (S.92, Z.7). Deshalb ist er von den fröhlichen Stimmen, die das Lager menschlich erscheinen lassen, „überrascht“ (S.92, Z.3/4). Außerdem fühlt er sich auf der einen Seite ausgeschlossen, was dadurch deutlich wird, dass ihm alles wie ein „Bild“ oder „Gemälde“ (S.92, Z.7/8) erscheint, auf der anderen Seite fühlt er sich aber dazugehörig, was er in den Zeilen 10 und 18 auf der Seite 92 ausdrückt. Diese gegensätzlichen Gefühle bringen ihn dazu, sich nicht mehr als das zu fühlen, was er vorher einmal war (S.92, Z. 19/20), sondern er wird zu etwas Undefinierbarem, das er „Geist“ nennt, und kann so Raum und Zeit verlassen (S.92, Z.19/20). Dadurch erfährt er ein „Gefühl der Ewigkeit“, welches ihn sehr zufrieden macht, denn es war der „Kern seiner Sehnsucht (S.92, Z.13).

2. Erläutern Sie im einzelnen folgende Aussagen (S.91 f.) als Elemente einer philosophischen Verwandlung. Führen sie einige Motive, Einsichten, Erfahrungen oder Erlebnisse der Zentralfigur auf, welche diese weltanschauliche Neugeburt vorbereiten und ermöglichen.

a) „... beobachten ... konnte er das nicht“, und er war „fasziniert von dem Bild, das sich ihm bot wie ein lebendes Gemälde“. (S.92)

Lieutenant Dunbar hat sich dahingehend verändert, dass er es akzeptiert, etwas nicht verstehen und für sich erklären zu können, sondern es einfach nur zu sehen und darüber zu staunen. Früher hat er Dinge genau beobachtet, sie nachzuvollziehen versucht und dann sein Verhalten (eventuell) begründet geändert. Jetzt handelt er nach seinem Gefühl, hier nach dem Glücksgefühl, weil er erkannt hat, dass sich ihm in dieser neuen Welt immer wieder überwältigende Dinge bieten, deren Schönheit ihn zufriedener macht als die Erforschung ihrer Gründe.

b) „Ohne es zu wissen, hatte er sich danach gesehnt, dies hier zu sehen.“

Dunbar ist offenbar nicht seiner Berechnung, Überlegung und seinem Wissen gefolgt, sondern etwas anderem, vielleicht einem inneren Drang. Er hört also auf sein

Gefühl und ist überzeugt, dass dieses ihm den richtigen Weg zeigen wird. So erkennt er auch jetzt, dass er durch dieses Gefühl genau dahin gelangt ist, wo er sein wollte, und erfährt das, was ihn glücklich macht.

c) „In diesen Sekunden wurde er Teil von etwas so Großem, dass er aufhörte, Lieutenant oder Mensch oder auch nur ein Körper mit funktionierenden Teilen zu sein.

In diesem Augenblick war er ein Geist, der in der zeitlosen Weite des Universums schwebte.

In diesen kostbaren paar Sekunden erfuhr er das Gefühl von Ewigkeit.“

Während Lieutenant Dunbar bis zu diesem Augenblick immer Einzelkämpfer gewesen ist, geht er nun in „etwas so Großem“ auf. Er fühlt sich dazugehörig und löst sich deshalb in diesem Großen auf. Er definiert sich nun nicht mehr durch die Dinge, die ihn vorher zu dem gemacht haben, was er war (Lieutenant, Mensch, Körper mit funktionierenden Teilen), sondern ist damit zufrieden, ein Teil zu sein, ohne genau zu wissen wovon, und was für ein Teil er ist. Dadurch, dass er nun an nichts mehr gebunden ist, ist er frei von allem und kann sich somit in Zeit und Raum nach seinem Wunsch bewegen. Er bewegt sich aber ohne Ziel und versucht nicht irgendetwas zu erreichen, sondern „schwebt“ wie ein „Geist“ und ist somit nach seinen früheren Maßstäben unwirklich und sinnlos. Aber gerade das Gefühl, kein Ziel zu verfolgen und deshalb völlig ungebunden zu sein, lässt ihm diesen Augenblick ewig erscheinen.

3. Bei der Annäherung des Weißen an die Kultur dieses Naturvolkes entsteht das „Gefühl ..., ein Eindringling zu sein“ (S.93), und dieses bewirkt in seinem Inneren einige Konsequenzen (S.95 f.). Erläutern Sie diese Erfahrungen „einer persönlichen Krise“ (S.95), und entscheiden Sie philosophisch-kritisch, ob diese seelischen Reaktionen positiven oder negativen Charakter haben.

a) Er „spürte, dass er den Mut verlor ... Er würde sie nie verstehen.“

Lieutenant Dunbar erkennt, dass er sich selbst getäuscht hat, als er sich wie ein Teil der Gruppe fühlte. Er muss für sich selbst eingestehen, dass er einen Fehler gemacht hat, indem er seine Erwartungen zu hoch gesetzt hat. Dies ist für ihn eine sehr schwierige Erfahrung, da er sonst immer sehr überzeugt von sich gewesen ist. Deshalb bemitleidet er sich selbst (S.95, Z.27). Aus diesem Grund verlässt ihn der Mut und nicht, weil er von den Indianern abgewiesen wurde. Hätte er gleich mit einer solchen Möglichkeit gerechnet, dann wäre dieses Erlebnis für ihn nicht zu einem Problem geworden. So aber gibt er auf, weil er meint, versagt zu haben. Er glaubt, die Indianer niemals verstehen zu können, hat sich aber auch noch nicht die Mühe gemacht, dies zu tun, sondern ist naiv und egozentrisch davon ausgegangen, dass sie genau wie er sein würden.

Aus diesem Grund denke ich, dass es für ihn eine positive Erfahrung sein kann, wenn er diese Chance dazu nutzt, sich über seine Gefühle und die Indianer Gedanken zu machen. Nur so kann er erkennen, dass die Indianer nach anderen Maßstäben handeln, diese verstehen und dann auf die Indianer entsprechend eingehen. Dieses würde es ihm ermöglichen, doch noch ein Teil der Gruppe zu werden.

b) „Wie einsam fühlte er sich jetzt.“

Lieutenant Dunbar fühlt sich einsam, weil er erkennt, dass er die Indianer nicht versteht, diese sich aber gegenseitig sehr wohl. Nur er ist unverstanden. Dadurch sind seine Probleme für niemanden nachvollziehbar und so ist auch keine Hilfe zu erwarten. Er ist also vollkommen auf sich gestellt.

Wiederum denke ich, dass dieses Gefühl Dunbars zu einer positiven Erfahrung verwertet werden kann, denn er wird nun, wenn er stark genug ist, versuchen, der Einsamkeit zu entfliehen. Da die Indianer die einzigen anderen Menschen in seinem Umfeld sind, muss er sich bemühen, auf diese zuzugehen.

c) Er erkannt, dass „er ein Nichts war.“

Dunbar fühlt sich deshalb so nichtig, weil er erkennt, dass er einen Fehler gemacht und die Indianer falsch eingeschätzt hat. Er denkt, dass er als Einzelperson im Gegensatz zu der großen Gruppe der Indianer keinen Wert hat und dass alles, was er tut, falsch ist.

Diese Gefühl der Nichtigkeit ist meiner Meinung nach als negativ zu bewerten, da es Dunbar daran hindern könnte, neue Versuche zu starten und somit bei den Indianern aufgenommen zu werden. Denn wenn er glaubt, nichts wert zu sein, kann dieses leicht dazu führen, dass er aufgibt.

d) „Er nahm nichts außer der Leere in sich wahr ...“ (S.96)

Lieutenant Dunbar fühlt sich leer, weil er alle seine Gedanken und Wünsche auf die Indianer gerichtet und von ihnen abhängig gemacht hat. Da seine Erwartungen nun enttäuscht worden sind, scheint es ihm, als ob ihm alles genommen wurde, was für ihn Bedeutung hatte. Er hat nun jegliche Orientierung verloren und weiß nicht mehr, woran er sich halten soll.

Ich denke, dass die Leere, die er spürt, durchaus positiven Charakter hat, da er sie nun mit neuen, realistischen Erwartungen und Maßstäben füllen kann.

e) „Er ließ sein Herz frei bluten ...“

Dadurch, dass er seine Gefühle herauslässt, kann der Schmerz verschwinden; er kann sich so von den falschen Erwartungen befreien und hat wieder Platz für Neues. So kann er eine Leere in sich erzeugen, die mit den für ihn richtigen Dingen gefüllt werden kann (siehe d).

Details

Seiten
3
Jahr
2000
Dateigröße
327 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101178
Note
13 Punkte
Schlagworte
Veränderung Dunbars Wahrnehmens

Autor

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Titel: Der mit dem Wolf tanzt