Lade Inhalt...

F. de la Motte Fougué: Undine

Seminararbeit 2000 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Kapitel 1: Charakteristik der Hauptpersonen
Undine
Bertalda
Hulbrand
Priester

Kapitel 2: Philosophie und Mythos

Kapitel 3: Frauenbild in der Romantik

Kapitel 4: Schlusswort

Anhang:

Biographie des Friedrich de la Motte Fouques

Literaturverzeichnis

Einführung:

Fouqué`s1 Werk Undine stellt einen beispielhaften Text der deutschen Romantikliteratur dar. In diesem Werk kommen für die Romantik bestimmende weltanschauliche Elemente vor. Es handelt sich zum Beispiel um Historismus, Christentum oder Naturphilosophie. In meiner Hausarbeit versuche ich, diese Elemente und deren Manifestation im Märchen Undine näher zu bringen.

Die Undine in Fouqués Kunstmärchen2 ist Vertreterin des Wassergeistvolks, die am Waldsee bei Fischern aufgewachsen ist und von dem verirrten Ritter Huldbrand geheiratet wird. Neben Undine tritt im diesem Werk noch eine weitere Frau mit dem Namen Bertalda auf, um deren Herz sich Huldbrand zuvor bemüht hatte. Nach der Heirat beschließen alle drei, in die Stadt auf die Burg des Ritters zu ziehen. Huldbrand entwickelt dort wieder verstärkte Gefühle zu Bertalda, die ursprünglich nur aus Mitleid auf die Burg mitgenommen wurde. Huldbrand bricht die Regeln, indem er Undine auf dem Wasser beleidigt, sodass sie zurück in ihr Element Wasser zurückkehren muss. Obwohl die Ehe noch gültig ist, wird sie von Huldbrand missachtet, denn nach einiger Zeit heiratet er Bertalda. Die Regeln der Wassergeister aber verlangen den Tod Huldbrand´s und das Weiterleben Undine´s als Wassergeist.

Das typische Problem des Menschseins der Romantiker stellt sich besonders in den Beziehungen zu den zwei Frauen dar: Die Aufgabe der Frauen ist die Darstellung und Symbolisierung des Verhältnisses Mensch/ Welt.

Die Figur Undine ist aus diesem Grunde vielschichtig angelegt. Das besondere an Undine ist, dass sie viele Funktionen besitzt. Man kann Undine als Verkörperung der Natur oder als Anima des Mannes sehen, dann wieder als Sinnbild der gesamten Menschheit, oder als Manifestation des romantischen Frauenbildes. ( vgl. Max, Frank Rainer (Hg.):

Undinenzauber. Geschichte und Gedichte von Nixen, Nymphen und anderen Wasserfrauen. Stuttgart 1991, S. 65) Diese Funktionen der Undine zeigen deutlich, wie große Verantwortung eine Frauengestalt im Fouqués Werk übernehmen kann.

Bertalda ist auch eine Frau, die die Verantwortung als ein Frauenbild übernehmen könnte, aber als Vertreterin einer einfachen, nicht verzauberten Frau stellt Fouqués klar, dass die Figur Bertalda nicht reichen konnte.

Die Autoren der Romantik hatten ein bestimmtes Frauenbild3, welches sich in ihren literarischen Figuren wiederspiegelt. Allerdings war es den Autoren oft nicht bewusst, wie vielschichtig sie ihre Frauenfiguren anlegten. Ein wichtiger Gesichtspunkt im Frauenbild der Romantik ist der historisch-religiöse, mit dessen Hilfe man die Romanfiguren in eine mythische Zeit zurückversetzen wollte. Die Figur der Undine als verzauberte Wasserfrau ist das Bindeglied zwischen einer heidnischen Frühzeit und der christlichen Gegenwart. Die Figur der Undine unterscheidet sich als Naturwesen vom Menschen nur dadurch, dass sie keine Seele besitzt. Dabei vermischen sich in Fouqué´s Märchen Undine, antike Mythen, heidnischer Aberglaube und christliche Werte.

Kapitel 1: Charakteristik der Hauptpersonen

Dieses Kapitel stellt die Hauptpersonen Undine, Bertalda, Huldbrand und der Priester in Fouqué´s Märchen näher vor.

„Dass die Geschichte der Genesis, ganz entgegen jeder Analogie, die Frau den Mann verführen lässt, ist bei nähererÜberlegung doch ganz in seiner Ordnung; denn diese Verführung ist gerade deshalb eine weibliche Verführung, weil Adam doch eigentlich nur durch Evas Hilfe von der Schlange verführt wird.“ [ Sören Kierkegaard ]4

Für Fouqué ist Undine ein seelenloses Naturwesen. Bei diesem Motiv greift Fouqué auf Paracelsus5 Gedanken zurück. In Liber de nymphis, sylphis, pygmeis et salamandris et decaeteris spiritibus systematisiert Paracelsus im 16. Jahrhundert die verschiedenen Elementargeister. Er stellt ein Bild einer Welt vor, wo Menschen und Elementarwesen in einer gemeinsamen Welt grenzlos zusammen leben.

Ohne Seele ist Undine das wilde Naturkind, das „sich das kindlische Wesen gar nichtabgewöhnen will [...] , im Grunde ist sie doch von ganzem Herzengut.“ [ Aus: Erzählungen der deutschen Romantik, S. 66 ]

Sie ist gut, aber unheimlich, sie geht wie eine Zauberin mit den Elementen um. Sie ist unstet und launisch. Sie ist wie die Natur. Dieser Vergleich greift auf die romantische Philosophie der Entwicklung und Beseelung zurück. Dies erklärt, warum Undine zum Höchsten aufstreben will, und dass sie der Beseelung bedürftig ist. Das Höchste ist hier der Mensch als Gattung, als beseelte Schöpfung. Undine ist wie Eva unschuldig und zugleich auch verführerisch (siehe Zitat von Sören Kierkegaard).

Als Kind6 ist sie der bessere Mensch. Durch die Gestalt als Kindfrau wird die Entwicklung zum Höheren unterstrichen, bzw. von der Natur zur Kultur und die Tatsache, daß Undine noch formbar ist. Aber für Undine bedeutet ein ewiges Bleiben als eine naturkindliche Frau eine Bedrohung. Denn, wenn sie diese Höherentwicklung nicht errreicht, bleibt sie für immer ein Kind. Deshalb besitzt sie eine sexuelle Anziehungskraft und sie kann auch jemanden gegen seinen Willen verführen. Es ist eine unheimliche Kraft, die nicht nur Undine, sondern auch Sirenen, Lureley und alle ihre Schwestern beherschen. Alle diese Kreaturen streben nach Verführung, auch wenn sie sich der Phantasie der Erzähler bedienen müssen. Ziel der Verführung ist die entscheidende Entdeckung der Kultur, bzw. des Mannes und anschließend seine Entmachtung. Die Naturfrau wird entzaubert7, in Fouqué´s Werk bedeutet dies eine Beseelung.

Unmittelbar nach der Trauung spricht Undine davon, dass sie Angst8 hat, jetzt beseelt zu werden. Die Seele nährt sich, durch die Eheschließung ist sie also noch nicht beseelt, erst durch den Vollzug der Ehe, wie sich am nächsten Morgen zeigt. Als sie ins Zimmer tritt, bleiben alle „voll Verwunderung stehen, so fremd kam ihnen die junge Frau vor, und doch so wohlbekannt. Der Priester schritt zuerst mit Vaterliebe in den leuchtenden Blicken auf sie zu, und wie er die Hand zum Segnen emporhob, sank das schöne Weib andächtig schauernd vor ihm in die Knie.“

[ Aus: Erzählungen der deutschen Romantik, S. 90 ]

Undine als Huldbrands Frau ist beseelt, domestiziert, sittsam, sesshaft, „ein Hausmütterlein,und ein zart verschämtes, jungfräuliches Wesen zugleich.“

[Erzählungen der deutschen Romantik, S. 90].

Man kann es mit einer Eigenschaft zusammenfassen - nämlich langweilig. In ihrem jetzigen Leben ist nur einzige Person Huldbrand wichtig, und deshalb fixiert sie sich sehr intensiv nur auf ihn. Für Undine beginnt ein bewusster Weg der fortstreitenden Entfremdung9. Zuerst werden ihr das Wasser, ihr Mutterelement, und seine Geister fremd, zuerst Kühleborn, ihr Beschützer aus der Geisterwelt und dann auch noch ihr Ehemann Huldbrand, ihr Beschützer in der Menschenwelt. Für Undine hat sich ihr Ziel erfüllt. Vom unwissenden, unschuldigen Naturkind wird sie zur beseelten, domestizierten und entfremdeten Kulturfigur, bevor sie wieder in ihr ursprüngliches Element zurück muss. Denn bei einer Donaufahrt zu dritt (Undine, Huldbrand und Bertalda) erfüllt sich die Sage, dass ein Wassergeist seine Seele wieder verliert, wenn sein Ehepartner ihn über dem Wasser beleidigt.

Bertalda

Wenn man sich mit dem Namen Bertalda10 auseinander setzt, stellt man fest, dass dieser Name mit dem Namen des Ritters Huldbrand die identische Übersetzung die Glänzende

haben. Ebenso stehen beide Namen als Vertretung für die Gegenwelten - Sommer, Sonne und Feuer. Dies bestätigt auch die Antwort von Huldbrand auf Undines Bitte: „Sieh nur, es ist mitDir, wie mit dem Sommer. Eben in seiner besten Herrlichkeit setzt sich der flammende und donnernde Kronen von schönen Gewitter auf,...“

[ Aus: Erzählungen der deutschen Romantik, S. 110 ]

Bertalda ist die kaltherzige Gegenspielerin Undines, obwohl sie mit Undine gut befreundet wird. Undine deckte auf, dass Bertalda die Tochter des Fischers ist. Doch Bertalda bekennt sich nicht zu ihren leiblichen Eltern, weil sie nur arme Fischerleute sind. Aufgrund dessen wird Bertalda von den Fischerleuten und ihren Pflegeeltern verstoßen. Sie entschließt sich, mit Undine und dem Ritter auf seine Burg zu ziehen. Dort entflammt wieder die Liebe von Huldbrand zu ihr und sie nutzt seine Schwäche sehr selbstverständlich, denn ihr gehörte des Ritters Herz zuerst. Sie nutzt ihren einzigen Vorteil aus, den Undine nicht hat, denn sie ist eine aus Huldbrands Welt, in der die ihm vertrauten Konventionen herrschen, in der sich Huldbrand auch sicher fühlt. Ihr ist auch bewusst, dass sie unter den Menschen zu suchen ist. Sie ist aber auch eine Frau, welche auf ihre Eitelkeit und Standesdünkel wert legt. Bertalda glaubt an die Gesellschaftsordnung ihrer Welt und kann die Wunderwelt Undines mit ihren Geisterwesen nicht akzeptieren.

Huldbrand

Huldbrand ist Fouqués Selbstbild. Unter dem Namen Ringstetten versteckt sich die deutsche Übersetzung des altfranzösischen „de la Motte“. Nicht nur die Wappenfarben Gold und Blau sind identisch, sondern auch die Namen Huldbrand und Bertalda haben eine identische Übersetzung. ( siehe Kapitel: Charakteristik der Hauptpersonen unter Bertalda, S. ) Huldbrand ist ein schwacher und labiler Mann, der zwischen zwei Frauen steht. Für Huldbrand bedeutet die Natur die schönere Welt der Wunder, die für ihn nicht verschlossen bleiben soll. Diese Welt öffnet sich mit der Begegnung mit Undine. Huldbrand kann aber die Verwandlung seiner Frau in ein menschliches Wesen nicht begreifen. Dieses Problem scheint Huldbrand zuerst nicht bedacht zu haben. Deshalb preist er sich auch „glücklicher als den griechischen Bildner Pygmalion11, welchem Frau Venus seinen schönen Stein zu Geliebten belebt habe.“

[ Aus: Erzählungen der deutschen Romantik, S. 93 ]

Für die Figur Huldbrand ist ihre Doppeldeutigkeit bezeichnend. Auf einer Seite versucht er, Undine sehr freundlich zu verstehen, aber auf der anderen Seite häufen sich seine cholerischen Temperamentsausbrüche. Er drängt immer mehr zum entgegengesetzten Pol Bertalda, bei ihr findet er Sicherheit. In Huldbrand wird das männliche Dilemma klar: Eine Frau reicht nicht, man will beides, die Ehefrau und auch noch die Geliebte. Fouqué hat dies mit diesen Worten ausgedrückt:

„wie Huldbrand Gemüt begann, sich von Undienen ab- und Bertalda zuzuwenden, wie Bertalda dem jungen Mann mit glühender Liebe immer mehr entgegenkam und er und sie die arme Ehefrau als ein fremdartiges Wesen mehr zu fürchten las zu bemitleiden scheinen, wie Undine weinte und ihre Tränen Gewissensbisse in des Ritters Herzen anregten, ohne jedochdie alte Liebe zu erwecken, so dass er ihr wohl bisweilen freundlich tat, aber ein kalter Schauer ihn bald von ihr weg und dem Menschenkinde Bertalda entgegentrieb. [ Aus: Erzählungen der deutschen Romantik, S. 106 ]

Huldbrand versucht, sich der Entfremdung in seinem Leben zu entziehen. Dieser Versuch ist aber erfolglos. Dies hängt eng damit zusammen, was Kierkegaard in seinem Zitat über Sünde behauptet. (siehe Kapitel 2: Philosophie und Mythos, S.)

Die Sünde befindet sich am Anfang der Gattung, man spricht über die Vertreibung aus dem Paradies und die Sünde beeinflusst das Leben jeden Individuums.

Die Sünde spielt in Huldbrands Leben eine wichtige Rolle, denn seine Untreue bedeutet für ihn den Tot. Huldbrand ist tot und auch die Ehe ist gescheitert. Es sei denn, man begreift Huldbrands Grab, von einer Quelle und „auf diese Art noch immer mit freundliche Armen“12 [ Aus: Erzählungen der deutschen Romantik, S. 129 ] von Undine umfasst, als ein Symbol der unendlichen, unentfremdeten Zweisamkeit. Auch deshalb spricht Undine über Huldbrands Grab als ein kaltes Hochzeitsbett.

Der Priester

Der Priester ist ein Mann Gottes. Er überlebt wie durch ein Wunder das Kentern seiner Fähre und ist im richtigen Augenblick zur Stelle, um Undine und Huldbrand zu vermählen. Er dankt seinem himmlischen Vater, dass er ihm nach seiner Rettung „auch noch zu so frommen Leuten geführt hat.“ [ Aus: Erzählungen der deutschen Romantik, S. 85 ] Es ist aber fraglich, ob das der himmlische Vater wirklich getan hat ? Man kann aber auch an dieser Stelle behaupten, dass der Wassergeist Kühleborn ihn überleben ließ, damit er seinen Schützling mit dem Ritter vermählen kann.

In der Figur Priester wird bewusst deutlich das Zusammenfügen von Christentum13 und Heidentum14 zu einem Volksglauben dargestellt.

Kapitel 2: Philosophie und Mythos

„Die Natur ist das erste oder alte Testament[...] Wir haben eineältere Offenbarung als jede geschrieben, die Natur. Diese enthält Vorbilder, die noch kein Mensch gedeutet hat, während die der geschriebenen ihre Erfüllung und Auslegung längst erhalten haben. [ Schelling ]15

Schellings Naturphilosophie behauptet, dass anorganische und organische Welt gleichermaßen Natur sind. Besonders Märchen tragen diesen Gedanke in sich. In Märchen kann man folgenden Merkwürdigkeiten begegnen: es reden Gewässer und rauschende Wälder, kahle Wände rufen, Erdgeister beleben den Boden, Metalle haben zauberhafte Wirkung, Bäume sind Riesen oder Zwerge sammeln Edelsteine in den Bergen. Schelling erweitert seine Gedanken und geht in Richtung Idealismus. Die Natur und das erkennende Subjekt haben den gleichen Grund, sind gleicher Herkunft; die Natur wird als Subjekt gedeutet. Die Natur ist durchgehend Organisation, unbewusster Geist und wesensidentisch mit dem erkennenden Geist, der sich im Menschen, der gleichzeitig das Ziel der Natur ist, manifestiert.

Sören Kierkegaard16, ein Philosoph, der von der deutschen Frühromantikgeneration stark beeinflusst war, hat sich näher mit dem Problem der Entfremdung beschäftigt.

Auch bei Kierkegaard spielt der Historismus eine wichtige Rolle. Er meint, dass der Anfang der Menschheit der gesamten Gattung eingeschrieben ist.

„Adams Sünde habe die Sünde der Gattung in die Welt gebracht, [...] kann man das mit gleichem Recht von jedem Individuum behaupten, das durch seine erste Sünde die Sündigkeit in die Welt bringt.“ [ Sören Kierkegaard ]17

Die Angst als weitere Chiffre der Entfremdung ist für Kierkegaard die Folge der Sünde.

Damit will er beweisen, dass es um ein Ausbrechen aus der Entfremdung geht. Dies kann aber nur in der Verbindung mit dem Christentum gelingen, denn Wissen allein bietet keine übersinnliche Heimat. Die spiritualistische Verbindung ist erforderlich, um den Glauben an einen höheren Sinn oder eine höhere Macht zu erzielen.

Mythos18 und das mythische Denken wird in der Romantik wiederbelebt. Das hat zur Folge, dass auch das Bild der Wasserfrauen wiederbelebt wird. Alle Wasserfrauen und ihr Lebensraum stellen die gefährlichste Seite der Natur dar. Denn die Männer, die der Verführung nicht wiederstehen können, bezahlen mit dem Leben. Trotzdem hoffen die Männer, dass sie bei Wasserfrauen das Glück erotischer Erfüllung erhalten und das sie vor allem die verlorene Harmonie wieder finden.

Kapitel 3: Frauenbild in der Romantik

Die Frau besitzt verschiedene Funktionen, die besonders typisch sind für das Zeitalter der Romantik. Die Frau kann erstens die Natur darstellen. Novalis Meinung nach, lebt die Frau im Naturzustand als eine Mittlerin zwischen Mann und Gott. Deshalb ist eine Bildung bei der Frau nicht erforderlich, denn Bildung bedeutet Entfremdung. Für die Kultur, das Wissen und die Wahrheit sind nur Männer zuständig. Die Frau dient dem Mann, bzw. Menschen oder Gattung als ein Bindeglied zum Ursprung. Dies erklärt, warum Undine gerade deshalb aus dem Wasser19, einem Naturelement, kommt. Die Frau ist vor allem in der Romantik auf das Natürliche und Mütterliche reduziert. Diese Zuordnung kann man besonders stark bei Sören Kierkegaard nachlesen:

„...kulminiert die Frau in der Fortpflanzung. Deshalb sagt die Schrift, dass ihr Verlangen nach dem Manne sein soll. Zwar hat auch der Mann ein Verlangen nach ihr, doch sein Leben kulminiert nicht in diesem Verlangen, sonst wäre es schlecht oder verloren. Dass aber dieFrau darin kulminiert, zeigt eben, dass sie sinnlicher ist.“ [ Sören Kierkegaard ]20

Dieses Zitat zeigt deutlich, wie man das Frauenbild dieser Zeit zu verstehen hat. Denn auch Kierkegaard behauptet, dass die Frau sinnlicher als der Mann ist. Die Frau sichert die Fortpflanzung und damit ist sie ganz Teil der Natur. Der Mann im Gegensatz dazu ist unsinnlich und somit der Hauptvertreter der Kultur. Diese Vorstellungen findet man nicht nur in Dichtungen, sondern sie wurden auch als Grundsteine für Theologie und Philosophie betrachtet.

Der Begriff der beseelten Frau, also einer Frau, die eine Seele besitzt, führte zu großen Zweifeln auf religiöser Seite. Für die Religion ist es fraglich, ob eine Frau überhaupt eine Seele haben kann. Als Undine eine bekommt, stellt sie fest, dass auf der Welt kein Platz für Frauen mit Seele ist, sie muss deshalb wieder ins Wasser zurück, da wo Zeit und Realität keine Bedeutung haben.

„Der Panzerung des Mannes korrespondiert die Entgrenzung der Frau. Die Frau als Meer ist der Ersatz für den Leib der Welt, auf den der Mann verzichten muss.“

[ Aus: Hydropsie des Imaginären. Mythos Undine, S. 136 ]

Die Frau ist auch als eins mit der Welt zu begreifen, wo sich die Hoffnung nach dem Ausbruch aus der Entfremdung steigert. Damit ist die romantische Hinwendung zum Historismus und Ursprung erklärt. Aber die Wirklichkeit sagt, das Ausbrechen aus der Entfremdung ist nicht möglich, und deshalb scheitern alle Figuren Fouque´s. Huldbrand bezahlt seinen Versuch mit dem Leben, die beseelte Undine muss ins Wasser zurück und Bertalda ist wieder allein.

Kapitel 4: Schlusswort

Das Wunsch nach Ausbrechen aus der Entfremdung ist ein typisches Merkmal in Fouqué´s Märchen Undine. Dies bestätigt, dass man für diesen Wunsch die romantische Hinwendung zum Historismus und zum Glauben, vor allem aber die Elemente aus Philosophie und Aberglaube benötigt, welche typisch sind für die Romanmotive in der Romantik.

Am Anfang des Märchens entwirft Fouqué die utopische Vision einer kosmischen Aussöhnung. Das Symbol Umarmung kann man zunächst als Liebesakt von zwei unterschiedlichen Welthälften betrachten. Fouqué bemüht sich in seinem Werk, Sehnsucht nach Versöhnung der Geschlechter, nach glückhafter und wechselseitiger Liebe zwischen Mann und Frau, bzw. zwischen Huldbrand und Undine, auszudrücken. Am Ende bleibt die Umarmung nur einseitig und die Ehe, die außerhalb der Zivilisation existieren konnte, scheitert.

Das Märchen Undine beinhaltet zahlreiche Kontraste. Sehr oft beobachtet man die kontrastierende Dynamik der Gegenwelten, die kontinuierlich aufeinander prallen. Im Kontrast stehen auch naturhafte Unmittelbarkeit und bürgerliche Familiensittsamkeit, elementare Unbändigkeit und höfischritterliche Etikette oder ländliche Abgeschiedenheit und Handel und Wandel in der Stadt.

Eine sehr häufige Thematik der Romantik sind Liebesgeschichten. Auch Fouqué lässt sich von der Liebe inspirieren. Aber die Liebe, die er in Undine beschreibt, ist nicht zu einem Gebrauch bestimmt. Daher spricht man auch von der großen Utopie des romantischen Zeitalters. Zu keinem Gebrauch bestimmt zu sein, das ist die Sehnsucht des Romantikers Fouqué, der dies in seinem Märchen gestatten will, aber nicht gestatten kann. Hauptsächlich an diesem Punkt lässt sich Kritik üben.

Der Kritiker Rahel Varnhagen hält Undine sogar für misslungen, denn Fouqués Figuren haben zu widersprüchliche Charaktere. Damit wollte der Kritik ausdrücken, dass es keine eindeutige moralische Wertung der Figuren in Undine gibt.

Bertalda ist auf der einen Seite die Repräsentantin des Bösen und eine intrigante Frau, aber auf der anderen Seite zeigt sie ihre Hilflosigkeit und rührende Liebe zu Huldbrand. Bertalda muss scheitern, genauso wie Undine scheitert, aufgrund ihrer Integration der Sinnlichkeit in der ehelichen Beziehung zu Huldbrand.

Auch die Figur Huldbrand trägt einige Widersprüche in sich. Huldbrands zunächst positiven und heroischen Züge als Geliebter verwandeln sich in Untreue und Huldbrand zeigt sich als liebloser Ehemann.

Varnhagen kritisiert außerdem, dass Liebe, Sittlichkeit und entgrenzte Erfahrung, die als Möglichkeit in einer Dreiecksbeziehung angelegt und an die verschiedenen Figuren geheftet sind, nicht genügend emotional verbunden werden. Im Gegenteil, sie treiben immer weiter auseinander. Mit Hilfe der Liebe wurde die Fremdartigkeit am Anfang überwunden, trotzdem entfremdet sich später Huldbrand von Undine.

Außergewöhnlich, besonders für ein Märchen, ist es, dass Fouqué die Alternative des tragischen Endes wählt. Damit wollte er unterstreichen, dass ein Versuch des Ausbrechens aus der Entfremdung auch misslingen kann und auch misslungen ist, und gerade deshalb war ein romantisches Ende in seinem Werk unmöglich.

Anhang

Biographie von Friedrich de la Motte Fouqué:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Aus: Erzählungen der deutschen Romantik. Hg. U. kommentiert von Albert Meier, Walter Schmitz, Sybille von Steinsdorff und Ernst Weber. Mit einem Nachwort von Walter Schmitz und mit Beiträgen von Friedhelm Aurnhuber und Friedrich Vollhardt. München 1998. S. 372)

Literaturverzeichnis:

Brugger, Walter (Hg.): Philosophisches Wörterbuch. Freiburg im Breisgau 1976. Comptom´s interaktives Lexikon: Infopedia 2.0 auf CD-ROM. München 1997.

Erzählungen der deutschen Romantik. Hg. u. kommentiert von Albert Meier, Walter Schmitz, Sybille von Steinsdorff und Ernst Weber. Mit einem Nachwort von Walter Schmitz und mit Beiträgen von Friedhelm Aurnhuber und Friedrich Vollhardt. München 1998.

Frenzel, Elisabeth: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. Stuttgart 1998.

Heine, Heinrich: Die romantische Schule. Stuttgart 1976

Kierkegaard, Sören: Der Begriff Angst. Kopenhagen 1844

Max, Frank Rainer (Hg.): Undinenzauber. Geschichten und Gedichte von Nixen, Nymphen und anderen Wasserfrauen. Stuttgart 1991

Neues großes Personenlexikon. Leben und Werk von über 2000 Personen aus Geschichte, Politik, Kultur, Wirtschaft, Technik und Naturwissenschaft. Augsburg 1990.

Roth, Gerlinde: Hydropsie des Imaginären. Mythos Undine. Pfaffenweiler 1996 Sandkühler (Hg.): F.W.J. Schelling. Stuttgart 1998

Schelling, F.W.J.: Über das Wesen der menschlichen Freiheit. Stuttgart 1977

Zmegac, Viktor (Hg.): Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 1 (2. Auflage). Weinheim 1994/96.

[...]


1 Friedrich de la Motte Fouqué : Einer der wichtigsten Autoren der deutschen Romantik. Seine bekanntesten Werke sind: Undine, Der Todesbund oder Zauberring. Biographie von Friedrich de la Motte Fouqué siehe im Anhang S. 12.

2 Kunstmärchen: In bewusster Anlehnung an das Volksmärchen geschaffene Erzählung; im 18. Jh. Aufkommen das durch die Märchen aus 1001 Nacht beeinflussten Feen-M.; Goethe schuf das symbol. Kunst-M.; von ihm aus führen in die neue Literatur: a) das fabulierende Kunst-M. der Romantik (z.B. Tiecks Blonder Eckbert); b) das symbol. Kunst-M. von Novalis, E.T.A. Hoffmann, W. Hauff u. A. von Chamisso (Aus: Compton´s interaktives Lexikon: Infopedia 2.0 auf CD-ROM. München 1997.)

3 Frauenbild: Näheres dazu im Kapitel 3: Frauenbild in der Romantik, S. 10. 3

4 Kierkegaard, Sören: Der Begriff Angst. Kopenhagen 1844.

5 Paracelsus, Philippus Aureolus Theophrastus : Der 1493 in Einsiedeln geborene Arzt und Naturforscher hieß eigentlich Theophrast Baombast (Baumbast) von Hohenheim nach dem schwäbischen Hohenheim, wo sein Vater als Arzt tätig war. 1515 wurde er in Ferrara Doktor der Medizin und durchwanderte danach ganz Mitteleuropa; unter anderem war er Wundarzt im Dänischen Krieg, wurde in die Salzburger Bauernunruhen hineingezogen, erwarb das Straßburger Bürgerrecht und wurde 1527 für kurze Zeit Stadtarzt und Professor in Basel, musste die Stellung jedoch bald wieder aufgeben, da seine unkonventionellen Methoden seine Standeskollegen gegen ihn aufbrachten. So musste er, oft verfolgt, sein Wanderleben fortsetzen. Paracelsus’ Methoden wiesen in die Zukunft: Er verbrannte öffentlich die Werke Galens, dessen antike Säftelehre er zugunsten einer chemischen Biologie verwarf, erkannte bisher übersehene pathologische Zusammenhänge und neue Krankheitsbilder und entwickelte mit der Entdeckung der Wirksamkeit von Mineralien zur Krankheitsbekämpfung die Grundlage der Pharmakotherapie. Paracelsus war nicht nur Naturwissenschaftler und Philosoph im heutigen Sinne, sondern betrieb auch Astrologie, Alchimie, Wahrsagerei und andere esoterische Künste. Unter seinem Einfluss machte die Alchimie jedoch den ersten Schritt zur modernen Chemie. Er starb am 24. September 1541 in Salzburg. (Aus: Neues großes Personenlexikon. Leben und Werk vonüber 2000 Personen aus Geschichte, Kultur, Wirtschaft, Technik und Naturwissenschaft. Augsburg: Weltbild Verlag GmbH 1990. S. 310)

6 Motiv Kind: Kinder sind unschuldig, sie sind nicht entfremdet und leben sorg- und arglos in ihrer Unwelt. Für Kinder sollte die Welt in Ordnung sein. Besonders in der Kindheit entwickelt sich verstärkt das Gefühl von Geborgenheit. Typisch für den Zeitraum der Kindheit ist, dass der Glauben vor dem Wissen besonders deutlich dominiert. Deshalb werden Kinder sehr oft als bessere Menschen bezeichnet, denn sie glauben und haben Vertrauen. Die Kultur sieht dies oft als ihr Defizit an. (vgl. Frenzel, Elisabeth: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. Stuttgart 1998. S. 102)

7 Entzaubert: Die Macht über die Elemente wird der Zauberin genommen und sie verliert zugleich ihre geheimnisvolle Anziehungskraft. So wie die Natur in der Menschheitsgeschichte nach alttestamentarischer Vorlage erst entzaubert und dann entmachtet wurde und wird, von Getreideanbau über Blitzableiter bis zur Entschlüsselung des Erbgutes. (Aus: Brugger, Walter (Hg.): Philosophisches Wörterbuch. Freiburg im Breisgau 1976. S. 192)

8 Motiv Angst: Näheres dazu im Kapitel 2: Philosophie und Mythos, S. 7.

9 Entfremdung: Mit Entfremdung ist der persönlich gefühlte „Riss“ im Individuum gemeint, ein Spürbarwerden der Differenz zwischen Ich und Welt. Es gibt viele Umschreibungen für diesen Begriff, z.B. Sartres „Ekel“ oder „transzendentale Obdachlosigkeit“, also ein Nichtmehr-aufgehoben-Sein in Gott oder Kierkegaards Angst als die Voraussetzung für Heideggers Begreifen des Seins als „Da-Sein“. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts arbeitet Rousseau mit dem Begriff der Entfremdung. Rousseau entwickelt die Theorie einer nichtentfremdeten Frühzeit der Menschheit und ihren Niedergang mit dem Aufstieg der Wissenschaften und Künste, d.h. der Kultur. An dieses Konzept scheinen auch die Romantiker und ihre Literatur anzuschließen, was Fouqué´s Werk Undine bestätigt hat. Problematisch ist der Übergang vom Möglichen (potentiell Beseelten) zum Wirklichen. Dem potentiell menschlichen Wesen fehlt nur noch eine Seele. Der Übergang vom möglichen zum wirklichen Menschen, die Beseelung, findet durch die Verbindung mit einem Mann in christlicher Ehe statt. Aber das menschliche Verhalten ist von der Sünde, eingeleitet durch Verführung, gefolgt von Vertreibung, beeinflusst. Dies nennt man Entfremdung. (Aus: Brugger, Walter (Hg.): Philosophisches Wörterbuch. Freiburg im Breisgau 1976. S. 189)

10 Bertalda: Für den Bertalda - Typus gab es Vorbilder aus den Ehen Fouqué´s mit seiner ersten Frau Marianne Schubaert und seiner zweiten Frau Caroline von Rochow, geb. von Briest.

11 Pygmalion: Die antike Sage vom Bildhauer Pygmalion, dem auf sein Flehen hin Venus seine schönste, geliebte Statue zum Leben erweckt und als Gemahlin zuführt (vgl. Ovid, Metamorphosen X, 243 ff.) ist ein romantisches Kennmotiv für die Schöpferkraft echter Poesie. (Aus: Erzählungen der deutschen Romantik. Hg. u. kommentiert von Albert Meier, Walter Schmitz, Sybille von Steinsdorff und Ernst Weber. Mit einem Nachwort von Walter Schmitz und mit Beiträgen von Friedhelm Vollhardt. München 1998. S. 380)

12 Das Motiv Umarmung: Näheres dazu im Kapitel 4: Schlusswort, S. 11.

13 Christentum: Auf die Bibel, insbesondere auf das Neue Testament der Bibel und die darin enthaltenen Lehren von und über Jesus Christus als Sohn Gottes gestützte Offenbarungs- und Erlösungsreligion. Das Christentum spaltete sich in vier große Gruppen: den Katholizismus (römisch-katholische Kirche), die Ostkirche, das evangelische (protestantische) Christentum und das Christentum der Sondergemeinschaften (Sekten). Alle Kirchen berufen sich auf das Glaubensbekenntnis des Konzils von Konstantinopel (381); es lehrt im Wesentlichen die Dreieinigkeit (Trinität) Gottes: Gott der Allmächtige ist Schöpfer der Welt und Retter der Menschheit. Diesen monotheistischen Glauben teilen die Christen mit den Juden und den Muslimen. Nach christlicher Vorstellung ist der Gott in dieser Welt ständig als Schöpfer am Werk und nimmt Anteil am Schicksal seiner in Sünden verstrickten Geschöpfe. (Aus: Compton´s interaktives Lexikon: Infopedia 2.0 auf CD-ROM. München1997.) Das Christentum der Romantik kann man vor allem als Positionierungsversuch bezeichnen. Dieser Positionierungsversuch ist sich der Entfremdung bewusst. Das besondere an der romantischen Positionierung ist, dass sie eine hoffnungsvolle ist, weil sie eine spirituelle Heimat geben kann. ( vgl. Zmegac, Viktor (Hg.): Geschichte der deutschen Literatur vom 18.Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 1 (2.Auflage). Weinheim 1994/96. S. 257)

14 Heidentum: Heidenglaube, Unglaube, Irrglaube, Glaubensferne, Gottferne, Vielgötterei, Götzendienst, Götzenverehrung, Atheismus. Heiden sind nach christl. Auffassung alle Nicht-Juden und Nicht-Christen. (Aus: Compton´s interaktives Lexikon: Infopedia 2.0 auf CD-ROM. München 1997.)

15 Schelling, F.W.J.: Über das Wesen der menschlichen Freiheit. Stuttgart 1977. Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph von. Der Philosoph der Romantik. Schelling, als Sohn eines Pfarrers am 27. Januar 1775 in Leonberg geboren, trat als 15jähriger in das Tübinger Stift ein und studierte zusammen mit Hölderlin und Hegel Theologie. Neben Kant wurde Fichte der Philosoph, in dessen Werk er sich vertiefte. Später brach er aber mit ihm. 1798 wurde Schelling durch Goethe als Professor nach Jena berufen, seit 1803 lehrte er in Würzburg, dann ab 1806 in München, 1820-26 in Erlangen und nach 1841 in Berlin.Schelling Naturphilosophie kreiste, wenn auch mit völlig wechselnden Ansätzen, um die Identität von Natur und Geist, wobei er begrifflich sowohl von der Natur und Geist aufsteigend als auch entgegengesetzt vorging. Alle Gegensätze, wie Subjekt-Objekt, Ideales-Reales, sah er in dieser Identität aufgehoben. In zunehmendem Maß entwickelte Schellung aus diesem Ansatz eine theistische Religionsphilosophie, die er als positive Philosophie der Offenbarung der „negativen“ Hegelschen Philosophie der Vernunft entgegenstellen wollte. Im Alter gab sich Schelling völlig mystischen Gedanken und von außen kaum noch durchschaubaren Phantasien hin. Schelling starb am 20. August 1854 in dem schweizerischen Kurort Bad Ragaz. Die Vielschichtigkeit seiner immer neuen Denkansätze machte es möglich, dass ganz verschiedene Denkrichtungen wie Lebensphilosophie, Existentialismus, ja Marxismus sich auf ihn als Ahnherrn berufen. (Aus: Neues großes Personenlexikon. Leben und Werk vonüber 2000 Personen aus Geschichte, Politik, Kultur, Wirtschaft, Technik und Naturwissenschaften. Augsburg 1990. S. 354)

16 Kierkegaard, Sören: Am 5.Mai 1813 als siebtes Kind eines wohlhabenden Kaufmanns in Kopenhagen geboren, begann 1830 ein Theologiestudium, das er 1841 mit der Promotion abschloss. Die dominierende Gestalt in Kierkegaards Seelenleben war und blieb der Vater, der den Tod seiner Frau und von fünf Kindern als Strafe Gottes empfand und dadurch in eine tiefe religiöse Verzweiflung stützte. Als sein Vater 1838 starb, hinterließ er ein Vermögen. Der Sohn versuchte nicht, es zu mehren, nicht einmal, es zu erhalten. Er bewohnte das Haus seines Vaters und führte nach außen das Leben eines reichen Nichtstuers, der ab und zu ein Buch schrieb. 1840 verlobte sich Kierkegaard mit der siebzehnjährigen Regine Olsen. Ein Jahr später löste er ohne äußeren Anlass das Verlöbnis und reiste nach Berlin, um dort weiter Studien zu betreiben. Nach einem inneren Kampf, der ihn fast vernichtet hätte, war Kierkegaard zu der Einsicht gekommen, er müsse auf Liebe und Ehe verzichten, um eine Aufgabe zu erfüllen, die ihm unter Millionen von Menschen auferlegt sei. Im Alter von 42 Jahren, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, brach er in Kopenhagen auf der Straße zusammen und starb kurz darauf (11.11.1855).Kierkegaard wandte sich gegen das offizielle Christentum seiner Zeit. Er lehrte, das Dasein sei von der einsamen ohnmächtigen Stellung des Menschen gegenüber Gott geprägt. Die Willens- und Entscheidungsfreiheit des Menschen sei die Quelle der Angst, die schließlich zur Verzweiflung führe. (Aus: Neues großes Personenlexikon. Leben und Werk vonüber 2000 Personen aus Geschichte, Politik, Kultur, Wirtschaft, Technik und Naturwissenschaften. Augsburg 1990. S. 216)

17 Kierkegaard, Sören: Der Begriff Angst. Kopenhagen 1844

18 Mythos: Die früheste in Wort gefasste Überlieferung eines Volks in Götter- Tier- und Heldensagen sowie in Weltentstehungs- und Weltuntergangsbildern. Eine reale Person oder Begebenheit kann sich durch historische Umstände und Überlieferung zu einem Mythos entwickeln, d.h. ihre eigentliche Bedeutung wird überhöht und entfernt sich weitgehend von ihrem realen Hintergrund. Ein Beispiel hierfür ist Wilhelm Tell. Mythisch: sagenhaft, urzeitlich.Mystik: Religiöses Betreben, das nicht auf das Jenseits gerichtet ist, sondern die diesseitige Vereinigung mit der Gottheit zum Ziel hat. Religionsgeschichtlich gibt es verschiedene Formen der Mystik, in China (z.B. Lehre von Tao), Indien (z.B. Upani-shaden), im Islam (Sufismus), im späteren Judentum (z.B. Kabbala) usw. Die abendländlich-christliche Mystik ist hervorgegangen aus der Verschmelzung von Christentum und Neuplatonismus; einer ihrer ersten Vertreter war Augustinus. Blütezeit der christlichen Mystik in Gotik (Gründung neuer Mönchsorden, Entfaltung der Scholastik); bedeutende Vertreter: Bernhard von Clairvaux, Mechthild von Magdeburg, Katharina von Siena; Vertreter der spekulativ- philosophischen Mystik: Meister Eckhart, Seuse u. a. Seit der Renaissance primär naturphilosophische Betrachtung (z.B. Nikolaus von Kues). Weitere Höhenpunkte der Mystik sind im Zeitalter der Gegenreformation ( Theresia von Avila, Johannes vom Kreuz u. a.) und in der Romantik ( Baader, Novalis, Görres u. a.) zu verzeichnen. (Aus: Compton´s interaktives Lexikon: Infopedia 2.0 auf CD-ROM. München 1997.)

19 Das Motiv Wasser: Das Wasser wird oft als Spiegel bezeichnet. Das Wasser wurde erschaffen, um den Anblick der Menschengesichter zu spiegeln.

20 Kierkegaard, Sören: Der Begriff Angst. Kopenhagen 1844. 10

Details

Seiten
14
Jahr
2000
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101183
Note
Schlagworte
Motte Fougué Undine Seminar Erzählungen Romantik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: F. de la Motte Fougué: Undine