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Die U.S.-Intervention in Vietnam zur Zeit der Johnson-Administration

Facharbeit (Schule) 2001 15 Seiten

Amerikanistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Im Folgenden befasse ich mich mit den Methoden der Johnson-Administration (1963 - 1969) im Vietnam-Konflikt. Dies geschieht mit Hilfe von Präsident Johnsons (gekürzter) Rede „Peace Without Conquest ” an der Johns-Hopkins-University vom 6. 4. 1965.

Dabei werde ich eindeutig belegen, dass die angeführten Gründe nur Floskeln waren, um die brutalen und gegen geltendes Völkerrecht verstoßenden Methoden zu rechtfertigen und die 25 wahren Ziele der imperialistischen Supermacht zu verschleiern. Genau diese Ziele werde ich herausarbeiten und zeigen, dass sie nichts mit dem Kampf für ein freies Süd-Vietnam zu tun hatten.

1.1 Bevor ich mit der Rede von Johnson befasse, werde ich kurz die Hintergründe klären, welche die Weltmacht USA überhaupt in diesen Krieg geführt haben.

Am 21. Dezember 1898 kündigen die Vereinigten Staaten die Errichtung einer amerikanischen Militärregierung auf den Philippinen an. Der Rebellenführer Aguinaldo und seine Verbündeten weigerten sich jedoch, die Herrschaft der Vereinigten Staaten anzuerkennen. Bewaffnete Auseinandersetzungen beginnen am 4. Februar in Manila. Die Unruhen werden sehr schnell von US-Truppen 10 beendet, und im November 1899 verlegen sich die Filipinos auf den Guerrillakrieg. Aguinaldo wird am 23. März 1901 gefangen genommen und muss sich verpflichten, den Kampf einzustellen. Über ein Jahr lang kommt es immer wieder zu sporadischen Kampfhandlungen.

Der Konflikt in Vietnam beginnt 1946, als die damalige Kolonialmacht Frankreich der Demokratischen Republik Vietnam nicht den vereinbarten Status eines freien Staates zugesteht, sondern die Rekolonialisierung anstrebt. Am 7. Mai 1954 müssen sich das französische Expeditionskorps der, durch die Volksrepublik China unterstützten, Befreiungsbewegung Vietminh geschlagen geben.

In Folge der Genfer Indochinakonferenz 1954 wird Vietnam vorläufig am 17.

Breitengrad getrennt, die Franzosen ziehen ihre Truppen ab und die USA werden zur Garantiemacht für das demokratische Süd-Vietnam ernannt. Die für 1956 angesetzten Wahlen, die über das weitere Schicksal eines vereinten Vietnams entscheiden sollen, werden von der amerikanisch unterstützten Militärdiktatur 25 unter Ngo Dinh Diem verhindert, um eine Machtergreifung von kommunistischen Kräften zu unterbinden. In Folge dieser Entwicklung kommt es ab 1957 zu Guerillaaktionen des südvietnamesischen Vietcong.

Präsident Kennedy sieht sich 1960 veranlasst militärische Berater zu entsenden. Ihre Aufgabe besteht darin, die südvietnamesischen Truppen im Kampf gegen 30 Guerillaeinheiten auszubilden. Zum Schutz dieser Berater folgen dann auch aktive Truppen.

Im 17. Mai 1964 beginnen die USA mit Luftangriffen gegen Laos, nachdem das falsche Gerücht über die Eroberung der laotischen Stadt Tha Thom durch Pathet Loa aufgetreten ist.1

Zur Eskalation kommt es im August 1964. Nach mehreren Geheimoperationen 5 der Amerikaner gegen Nord-Vietnam, kommt es am 02. und 04. August zu nordvietnamesischen Angriffen auf zwei US-Zerstörer im Golf von Tonking, deren nähere Umstände nie geklärt werden konnten. Am 07. August erhält Präsident Johnson vom amerikanische Kongress durch die „Tonking Golf Resolution“ die Vollmacht, alle notwendigen Schritte zur Abwehr von Angriffen auf US-Streitkräfte zu ergreifen.

Am 27. Januar unterzeichnen die Vertreter der USA, Süd-Vietnams, Nord-Vietnams und der Provisorischen Revolutionsregierung Süd-Vietnams ein Abkommen zur Beendigung des Krieges und zur Wiederherstellung des Friedens in Vietnam. Der Waffenstillstand tritt offiziell am 28. Januar 1973 in Kraft.

Bis Ende März haben die USA alle Truppen aus Vietnam abgezogen.

Am 30. April wird Saigon von nordvietnamesischen Truppen eingenommen, und am selben Tag kapitulierte Süd-Vietnam gegenüber der Provisorischen Revolutionsregierung der FNL.2

Am 6. 4. 1965 hielt Präsident Johnson an der Johns-Hopkins-University die Rede „Peace Without Conquest ”3, in der er darlegt, warum er ein politisches Eingreifen der USA im Krieg zwischen Nord- und Süd-Vietnam für unausweichlich hält. Diese Rede folgte der schon oben genannten „Tonking Golf Resolution“ und den darauf folgenden Bombardierungen von Zielen in Nord-Vietnam, Laos und Kambodscha. Dieser Schritt 25 stellte für die amerikanische Öffentlichkeit einen Schock dar, da man davon ausging, dass man in Vietnam, wie es Präsident Johnson pünktlich zur Wahl versprochen hatte, nicht aktiv eingreifen würde. Dieser Irrglaube lag zum größten Teil darin begründet, dass die Regierung geheime Militäreinsätze in Nord-Vietnam und auch die schon im Mai 1964 - also lange vor der Resolution - begonnenen Luftangriffe auf Laos verschwiegen hatte. Dies 30 geschah, um Johnsons Bestreben zu dienen, die Existenz Süd-Vietnams mit minimalem amerikanischen Engagement zu sichern. Daher wusste die amerikanische Öffentlichkeit nichts von der Entführung wichtiger nordvietnamesischer Bürger und auch nichts von Sabotageakten durch südvietnamesische Truppen in Nord-Vietnam.4 Doch nun kämpften erneut Amerikaner in einem fremden Land, für ein fremdes Volk und um die Kommunisten zu stoppen. Johnson hatte zwar den Kongress durch den Tonking Zwischenfall umstimmen können - bis dahin hatte er seine Resolution noch nicht eingereicht, da er wusste: „(...) we 5 haven`t got any Congress that will go with us (...)“(Johnson am 04. März 1964)5 - doch dies galt noch lange nicht für die breite Öffentlichkeit, die wie schon in den Kriegen zuvor ihren Unmut mit öffentlichen Demonstrationen zum Ausdruck brachte.

So stand Johnson nun vor der schweren Aufgabe, dass er seinem Volk diesen Krieg, der weitab der Heimat in Asien geführt wurde, erklären musste. Erschwerend kam hinzu, dass bis 10 dahin die wahren Ausmaße des amerikanischen Engagements geleugnet worden waren.6

Johnson beginnt seine Rede mit den Worten.

„Tonight Americans and Asians are dying for a world where each people may choose its own path to change. This is the principle for which our ancestors fought in the valleys of Pennsylvania (..) (and) our sons fight tonight in the jungles of Vietnam.“.

Dieser Satz appelliert eindeutig an die Verpflichtung der Amerikaner, anderen Staaten bei 20 ihrem Kampf um Freiheit - hier den eigenen Weg zu wählen - zur Seite zu stehen, doch er entspricht nicht ganz den Tatsachen. Natürlich starben in Vietnam Amerikaner und Asiaten, doch die Frage ist wofür starben sie? Nach der Genfer Indochinakonferenz 1954 waren alle Weichen gestellt. Franzosen und Vietminh zogen sich zurück, die USA sicherte den Status von Süd-Vietnam und 1956 hätte die geplante Volksabstimmung den Vietnamesen die 25 Möglichkeit gegeben, über ihr Schicksal zu entscheiden. Sie hätten entscheiden können, ob das vereinte Vietnam demokratisch oder kommunistisch regiert werden sollte. Leider lag genau hier das Problem. Die USA konnten ein kommunistisches Vietnam nicht akzeptieren. Das gaben sie auch offen zu. Ihre Domino-Theorie ging davon aus, dass wie beim Domino, wo nur ein einziger Stein alle anderen zu Fall bringen kann, auch nur ein einziger 30 kommunistischer Umsturz, den Umsturz von weiteren angrenzende Ländern zur Folge hat.7 Sie befürchteten also, dass die Kommunisten Indochina übernehmen könnten und damit einen wichtigen Markt und Rohstofflieferanten für die USA und insbesondere für Japan unter ihre Kontrolle brächten. Besonders die Rolle von Japan schätzten die USA sehr hoch ein. Man war davon überzeugt, dass ohne ein prowestliches Japan eine wirksame Eindämmung des asiatischen Kommunismus nicht möglich sei und Japan entweder ein offenes Südostasien ausbeutete oder gezwungen wäre, sich wieder seinen traditionellen Märkten in China 5 zuzuwenden. Diese Alternative bestand natürlich nicht, da die USA das kommunistische China isolieren wollten.8

So blieb der Weltmacht, die eigentlich gar nicht aktiv eingreifen wollte, um das gespannte Verhältnis zu China und der UdSSR nicht noch weiter anzuheizen, keine andere Wahl, als den Vietnamesen dieser Wahl abzunehmen. Sie unterstützen den prowestlich eingestellten Ngo 10 Dinh Diem, der aber als Demokrat und Katholik nur eine Minderheit (die Mehrheit in Vietnam waren Buddhisten) hinter sich hatte, und konnten so eine Volksabstimmung verhindern. Dass Diem als Reaktion auf Widerstand und Guerillaaktionen ein militärisches Regime errichtete, schien ihnen egal zu sein.

In diesem Zusammenhang wirkt die Anspielung auf den amerikanischen Bürgerkrieg, die natürlich an die glorreiche Geschichte erinnern und somit an die Verpflichtungen der Amerikaner appellieren soll, beinahe sarkastisch; haben doch die Nordstaaten für die Freiheit der schwarzen Sklaven gekämpft und deren Recht frei zu entscheiden, so kämpfen nun junge Männer, weil man den Vietnamesen genau dieses Recht nicht zugestehen will.

Im weiteren erklärt er „We have no territory there, nor do we seek any. (…)We fight because we must fight if we are to live in a world where every country can shape its own destiny. And only in such a world will our own freedom be finally secure. “.

Gerade das ist so nicht korrekt. Für die USA war Süd-Vietnam ein optimaler demokratischer Vorposten im Einzugsbereich des kommunistischen Chinas. Außerdem kann Johnson kaum eine frei entscheidende Welt meinen, da diese sich auch für den kommunistischen Weg entscheiden könnte. Er kann also nur eine nicht kommunistische Welt meinen, die sich den 30 USA unterordnet, damit sie in Frieden leben kann. Denn solange auch nur ein Land dazu bereit ist, sich dem Kapitalismus zu wiedersetzen, solange können ihm andere folgen und das gilt es zu verhindern. Für mich ein klares Indiz für den amerikanischen Imperialismus. Ein Imperialismus, der nicht mehr darauf abzielt Kolonien zu gründen, sondern dessen Ziel darin besteht andere Länder von den USA anhängig zu machen und somit unauffällig unter deren Kontrolle zu bringen, um dann von dort aus ihre Interessen durchzusetzen.

Nun versucht Johnson zu rechtfertigen, warum die USA mit militärischen Mitteln eingreifen müssen.

„This kind of world will never be built by bombs or bullets. Yet the infirmities of man are such that force must often precede reason, and the waste of war, the works of peace. (…)”.

Historisch betrachtet ist diese Aussage eine Lüge, denn die USA haben genau das versucht.

Sie versuchten die vietnamesischen Bauern mit Bomben und Granaten davon abzuhalten den Kommunisten zu folgen. Der Krieg in Vietnam war letztendlich ein Krieg, den die Mehrheit des vietnamesischen Volkes gegen das Diem-Regime in Süd-Vietnam und deren Helfer aus dem Ausland führten, also ein Volkskrieg. Daher hatten die USA nur eine Wahl, denn einen 15 Volkskrieg kann man nur gewinnen, wenn man das Volk vernichtet.9 Und wie schon auf den Philippinnen begannen die USA damit das revolutionäre Potenzial (also das Streben zum Kommunismus) in der Bevölkerung zu eliminieren.10 So konnte man auch zugleich den Vietcong seiner Unterstützung berauben, die er in der ländlichen Bevölkerung, in der er eine festetablierte Größe war, fand.11 Denn beide Ziele hatten denselben Weg - die Urbanisierung 20 der Landbevölkerung. Man vernichtete einfach die Lebensgrundlagen der Bauern, um sie so in die Städte zu treiben,12 und wo das nicht gelang, dort griffen schon seit 1959 die amerikanischen Zwangsumsiedlungen, die dafür sorgten, dass die Bevölkerung auf gesichertem Territorium unter Kontrolle zu halten war.13 Also war die Vernichtung von Dörfern und die hohe Zahl an zivilen Verlusten nicht nur tragischer Nebeneffekt, sondern 25 vielmehr fester Bestandteil der amerikanischen Strategie in Vietnam.14 Dafür spricht auch, dass von der militärischen Führung Felder und Dörfer explizit zur Vernichtung freigegeben wurden.15 Befanden sich die Bauern erst einmal in den Städten, dann erstickte die Volksrevolution, da der Vietcong seinen Einfluss verlor, fast von alleine und nebenbei vergrößerte es den Markt für Luxusgüter, was eine gängige Begleiterscheinung der Urbanisierung ist.

Doch die Frage ist, ob man damit die Methoden, die zum Einsatz kamen wirklich rechtfertigen kann? Denn die Kriegsführung der amerikanischen Truppen war alles andere als 5 korrekt. Natürlich muss man anführen, dass die Amerikaner keinen leichten Stand hatten und ein Guerillakrieg eine schmutzige Angelegenheit ist, doch wenn man einen Krieg so rechtfertigt, wie es Johnson tut, dann muss man sich auch an geltendes Völkerrecht halten. Und selbst wenn dieses keine genauen Bestimmungen für den Luftkrieg enthielt, der sich hauptsächlich gegen wirtschaftliche und soziale Einrichtungen gerichtet hat, so gab es klare 10 Vorschriften für die Landstreitkräfte, die in ihrem Dschungelkampf nur selten Gefangene machten. Waren doch Bemerkungen wie „Ein toter Vietnamese ist immer ein Vietcong“ an der Tagesordnung und auch die - vom Militär zwar dementierten - Gerüchte von Bodycount Quoten (Quoten für den Abschuss von Vietcong), hielten sich beständig. So erstaunt es auch nicht, dass Massaker wie 1968 in My Lai, wo amerikanische Truppen 504 Dorfbewohner 15 niedermetzelten unter denen sich auch Kinder und Babys befanden, kein Einzelfall gewesen sein sollen. In Loas sollen Soldaten der Special Forces des öfteren Missionen dieser Art ausgeführt haben und wie der Veteran Ron Ridenhour klarstellte, war „My Lai (...) kein Abweichen vom Kurs, sondern ein Einhalten des Kurses.“. Beides, Luft- und Landkrieg, erinnern in erschreckender Weise an die Kriegsführung der Nazis im Zweiten Weltkrieg. 20 Des weiteren erklärt die Haager Landkriegsordnung vom 18. Oktober 1907 das Ablassen von Giftgast für verbotswidrig, was die Amerikaner aber nicht davon abhalten konnte mit chemischen Entlaubungsmittel zu arbeiten, die bis dahin noch nicht getestet worden waren (wie sich später herausstelle waren die Auswirkungen auf das menschliche Erbgut verheerend) und sogar den weltweit geächtete Giftgaskampfstoff Sarin einzusetzen.16 25 War Laos 1964 Testfeld für die Bombardierung Nord-Vietnams, dann war Nord-Vietnam Testfeld für die neuen Spielereien der Militärs, wie zum Beispiel elektronische Ortungssysteme und Infrarotdetektoren, die Teil eines unglaublichen Netzwerkes waren um die Untergrundregierung des Vietcong mit Hilfe von elektronischer Datenverarbeitung zu bezwingen.17

So wurde niemals vor Vietnam eine gewaltigere Kriegsmaschinerie gegen ein Gebiet dieser Größe eingesetzt.

Auf die Behauptung Johnsons „The first reality is that North Vietnam has attacked the independent nation of South Vietnam. Its object is total conquest.“

werde ich nicht näher eingehen, da ich schon im Vorhergegangenem18 klar aufgezeigt habe dass die USA diesen Konflikt billigend in Kauf genommen haben, um ihre Interessen durchzusetzen. Diese Interessen werde ich nun noch einmal genauer untersuchen. 10 Es gab es den bekannten globalen Gesichtspunkt dieses Konfliktes in bezug auf die Bedrohung der freien Welt durch den Kommunismus. Süd-Vietnam war für die USA ein wichtiger Außenposten im Einzugsbereich der Volksrepublik China, dessen Verlust die Einbuße von Macht im asiatischen Raum bedeutet hätte, bis hin zum Verlust von Japan, das nicht länger hätte prowestlich bleiben können.19 So wurde beobachtet, dass die 15 amerikanischen Militärbasen und Nachschubeinrichtungen viel größer waren, als es zur Versorgung der Streitkräfte notwendig gewesen wäre. Sie wuchsen über den eigentlichen Kriegszweck hinaus und wurden zu Machtkomplexen, mit denen die amerikanische Regierung ihren Einfluss auch nach Ende des Krieges hätte behaupten können.20 Johnson stellt noch mal besonders heraus „(…) Over this war - and all Asia - is another reality: the deepening shadow Communist China. The rulers in Hanoi are urged on by Peking.”.

Also wollte man den alten Feind davon abhalten, noch mehr Territorium zu erbeuten, indem 25 er die Volksrevolution antreibt, die das Land dann letztlich ihm in die Hände gespielt hätte.21 Dies war der offensichtlichste Grund für das Eingreifen der USA und hat auch dazu geführt, das man Laos und Kambodscha bombardierte und letzteres sogar mit Truppen besetzte. Auf Laos fielen über zwei Millionen Tonnen Bomben, was mehr ist als im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten auf Deutschland abgeworfen wurde,22 und das alles nicht nur ohne 30 Kriegserklärung, sondern nur um die von China unterhaltende, nicht genauer zu lokalisierende Transportroute, den HoChi Minh-Pfad zu zerstören. Der HoChi Minh-Pfad wurde zum Heiligen Gral der amerikanischen Militärs und auch Johnsons betont dessen Bedeutung, weil „(...) trained men and supplies, orders and arms, flow in a constant stream from north to south. This support is the heartbeat of the war.“.

Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass diese Bombardements zwar Tausenden von Zivilisten das Leben kostete, aber der Pfad selbst im besten Fall für einige Tage ausfiel.23

Hier erkennt man dann auch, dass sich der Vietnamkrieg für die USA zur Prestigefrage - besonders natürlich für Präsident Johnson, der mit einer Niederlage das Versagen seiner Politik in Vietnam zugegeben hätte - entwickelte, was ein weiterer Grund für das zum Teil 10 verbissene Durchhalten war. So wurde von einer Brücke in Nord-Vietnam berichtet, die vom 1965 bis zum Ende der regulären Bombardierungen (31.03.1968) täglich angegriffen worden war, wobei 99 amerikanische Düsenjäger verloren gingen.24

Das Eingreifen der US-Air Force war so oder so umstritten, da Experten einer Bombardierung des Nordens keine hohen Erfolgsaussichten bescheinigten25 und ein wichtiger Faktor für das 15 Mobilmachen der Luftstreitkräfte, deren Budgetprobleme waren, die sich so leicht lösen ließen.26 Außerdem ließ sich mit dieser Ablenkung an einem Nebenschauplatz von den amerikanischen Aktionen im Süden ablenken, mit denen sie die Militärregierung zu schützen versuchten. So blieb auch die Bombardierung Süd-Vietnams der Öffentlichkeit in den USA verborgen.27

Der letzte, aber wichtigste Grund für die U.S.-Intervention ist der wirtschaftliche, der aber nicht einfach damit abzuhandeln ist dass man sagt, Asien war ein wichtiger Markt und Rohstofflieferant. Die USA hatten schon im Zweiten Weltkrieg gemerkt, dass Krieg zwar große Ausgaben für Kriegsmaschinerie mit sich bringt, doch die daraus resultierende erhöhte Nachfrage das Land in eine unglaubliche Periode der Prosperität führen kann, mit der man 25 sogar die Depression überwinden konnte. So treibt man die eigene Wirtschaft an und diese wiederum finanziert die exorbitanten Ausgaben des Rüstungswettstreits mit der UdSSR. Letztlich ist es dann genau dieses Wettrüsten im Zuge des kalten Krieges, das ein psychologisches Klima schafft, welches es möglich macht, dass das Volk öffentlichen Subventionen für die Industrie zustimmt, die dann die riesige Kriegsmaschinerie aufrechterhält.28 So konnten die USA nur in ihrer damaligen militärischen Form bestehen, indem sie laufend neue Vorwände lieferten, mit denen sie das Wettrüsten begründen konnten. Zu beachten ist, dass im Fall von Vietnam dieses Vorgehen nicht von Erfolg gekrönt war. Die Ausgaben für den Krieg - es kostete es eine halbe Million, einen Vietcongsoldaten zu töten 5 (alle Kosten zusammengerechnet) - haben den Gewinn für die Wirtschaft bei weitem überstiegen.29

Natürlich wusste Johnson von all dem noch nichts als er sagte, dass „ (...) I intend to keep that promise (Süd-Vietnams Unabhängigkeit verteidigen). To dishonor that pledge to abandon this small and brave nation to its enemies and to the terror or that must follow would be unforgivable wrong (…)”,

Hätte er die Entwicklung vorhersehen können, wäre wahrscheinlich das Engagement der USA in Vietnam auf einem Minimum verblieben und es wäre nie zur Eskalation gekommen. 15

Abschließend kann man also sagen, dass die aufgeführten Punkte in Johnsons Rede, das Eingreifen der USA in Vietnam nicht rechtfertigen können. Die Amerikaner drängten mit aller Gewalt in diesen Konflikt hinein, ohne wirklich zu wissen, wie sie ihre Pläne 20 verwirklichen sollten. Anscheinend schienen die Vorteile dieses Konfliktes so verlockend zu sein, dass man alle Nachteile gerne übersah. Es war ihnen zwar bewusst, dass sie Süd- Vietnam demokratisch halten mussten, doch es existierte keine Lösung für den Widerstand aus Nord-Vietnam und China. Weder hatte man die Stärke des Nordens richtig eingeschätzt, der auf seine in Genf festgelegten Rechte beharrte und bereit war diese auch militärisch 25 durchzusetzen, noch hatte man bedacht, dass eine U.S.-Intervention gegen den Kommunismus die Volksrepublik China in den Konflikt mit hineinziehen könnte, was mit großer Wahrscheinlichkeit in einem weiteren Weltkrieg gegipfelt wäre, der diesmal wahrscheinlich schnell nukleare Ausmaße angenommen hätte.

Das Versagen der amerikanischen Strategie wird in der Tet-Offensive im Januar 1968 deutlich. Gab Johnson noch kurz zuvor bekannt, der Feind könne in Vietnam nicht gewinnen,30 so bewies der Vietcong in seiner Großoffensive ganz klar, dass das nicht hieß, die Amerikaner könnten gewinnen.

Die USA haben Süd-Vietnam in einen Krieg geführt, den sie nicht gewinnen konnten, aber um jeden Preis gewinnen wollten. Dabei möchte ich nicht mal gänzlich abstreiten, dass Gründe, wie Johnson sie nannte, eine Rolle spielten, aber „die Amerikaner neigen, wie die meisten ihrer Vorgänger bei imperialistischen Unternehmungen, immer dazu, ihre 5 Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder (...) als Wohltätigkeit anzusehen“,31 doch die anderen Gründe für diesen Krieg32 waren durch alles andere als Wohltätigkeit bestimmt. Wo früher im Imperialismus die Kolonien standen, dort stehen heute für die USA militärische Machtzentren, und zu was wollte man Süd-Vietnam sonst machen? Wären die Motive der Amerikaner solch ehrenhafter, moralischer Natur gewesen, wie sie 10 Johnson anführte und sie die Öffentlichkeit natürlich gerne glauben wollte, wäre es bestimmt nicht so gekommen wie es gekommen ist. Denn als nichts mehr ging, die wirtschaftlichen Vorteile buchstäblich im Dschungel von Vietnam verbrannten, als in der Heimat die Demonstranten so laut brüllten, dass dem Präsidenten empfohlen wurde ein ausreichend großes Kontingent an Truppen im Land zu halten, um Ausschreitungen entgegen zu wirken,33 15 da ließ man die Süd-Vietnamesen allein zurück und sah zu, wie die nordvietnamesischen Truppen über sie herfielen.

Also mussten für die fragwürdige Außenpolitik der USA über zwei Millionen Vietnamesen sterben, drei Millionen wurden verwundet, Hunderttausende von Kindern als Waisen zurückgelassen und etwa zwölf Millionen Menschen verloren dafür ihre Heimat.

Zurück blieb ein Land dessen Wirtschaft und Infrastruktur durch Flächenbombardements zerstört, und dessen Ökosystem durch den großflächigen Einsatz von Napalm und Entlaubungsmitteln zum Teil irreparable beschädigt wurde. Dem gegenüber stehen auf Seiten der Amerikaner 57 000 Gefallene und etwa 153 000 Verwundete.34

So schließe ich mit den Worten:

„Wenn die Vereinigten Staaten auch so groß und stark wie ein Elefant (sind), werden sie doch vom Gehirn eines Kretins gelenkt. (...)

Da ist wohl die Tragödie, nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern für die ganze Welt.“.35

1) MS Encarta 99
2) Indochina und die amerikanische Krise - Im Krieg mit Asien I Noam Chomsky, Suhrkamp Taschenbuch, Erste Auflage 1972
3) Lyndon B. Johnson, "Peace Without Conquest," Address at Johns Hopkins University, April 6, 1965, Department of State Bulletin, April 26, 1965. (Seite nicht mehr verfügbar, siehe Anhang auf Diskette)
4) Peace Without Conquest in der deutschen Übersetzung (http://wissen.de/)
5) Die bittere Erfahrung vom totalen Krieg

15 Karl von den Driesch, 19.03.1999

(http://www.junge-freiheit.de/archiv99/129aa25.htm)

6) Der Vietnamkrieg von Nicolai Wirtz

(http://www.geschi.de/artikel/vietnamk.shtml) 20

7) Asche eines Dominosteins von Konrad Ege, 21.04.2000

(http://www.freitag.de/2000/17/00170801.htm)

25 8) Schlaglichter der Weltgeschichte

Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1992

a) Lyndon B. Johnson, "Peace Without Conquest," Address at Johns Hopkins University, April 6, 1965, Department of State Bulletin, April 26, 1965.

(Seite nicht mehr verfügbar)

b) Peace Without Conquest in der deutschen Übersetzung (http://wissen.de/)

c) Die bittere Erfahrung vom totalen Krieg

10 Karl von den Driesch, 19.03.1999

(http://www.junge-freiheit.de/archiv99/129aa25.htm)

d) Der Vietnamkrieg von Nicolai Wirtz, 2000 (http://www.geschi.de/artikel/vietnamk.shtml) 15

e) Asche eines Dominosteins von Konrad Ege, 21.04.2000 (http://www.freitag.de/2000/17/00170801.htm)

6.

20 Hiermit erkläre ich, dass ich diese Arbeit selbständig angefertigt habe.

Solingen, den _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

Thomas Meuter

Nachdem ich mein Thema auf Grund von Interesse für dieses Gebiet der Geschichte ausgewählt hatte, begann ich mit der Suche nach entsprechenden Quellen.

Diese Quellen - insbesondere „Im Krieg mit Asien I“ - bearbeitete ich in den folgenden Wochen und überlegte mir während dieser Zeit auch, wie ich die Arbeit strukturieren 30 wollte. Anfang Februar hatte ich dann eine erste Gliederung ausgearbeitet.

Am 03.03.01 schrieb ich die Einleitung inklusive des historischen Hintergrundes.

Die Punkte 2.1 - 3. folgten am 04.03.01.

Während der folgenden Woche war ich mit der Korrektur dieser ersten Niederschrift beschäftigt.

Am 09.03.01 stellte ich einige Punkte um und korrigierte einen Fehler in der Argumentation

5 von Punkt 2.3

Die Fußnoten und die Punkte 4. - 7. folgten dann am 10.03.01. Damit war meine Bearbeitung des Themas abgeschlossen.

[...]


1 Franz Schurmann nach: Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 63

2 alle Punkte: MS Encarta 99

3 siehe Anhang auf Diskette

4 Der Vietnamkrieg, Nicolai Wirtz, 2000

5 siehe Fußnote 4

6 siehe Fußnote 4

7 MS Encarta 99

8 Präsident Eisenhower zwischen 1950 und 1954 nach: Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 44

9 Professor Samuel Huntington, 1968 Vorsitzender des Komitees für Vietnam-Studien nach: Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 107

10 siehe Fußnote 9, Seite 68, Seite 138

11 siehe Fußnote 9, Seite 70 f,

12 siehe Fußnote 9, Seite 68, Seite 106

13 New York Times vom 15.11.1969 nach :Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 126

14 Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 106

15 Die bittere Erfahrung vom totalen Krieg, Karl von den Driesch, 19.03.1999

16 alle genannten Verstöße wurden von Karl von den Driesch in „Die bittere Erfahrung vom totalen Krieg“ deutlich ausgeführt (siehe Anhang auf Diskette)

17 New York Times vom 01.10.1969 nach: Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 112

18 siehe S.5 Z.27 ff

19 Präsident Eisenhower zwischen 1950 und 1954 nach: Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 44

20 New York Times vom 27.081965 nach: Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 108

21 Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 36

22 Die bittere Erfahrung vom totalen Krieg, Karl von den Driesch, 19.03.1999

23 siehe Fußnote 21

24 Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 94

25 Adam Yarmolinsky, Chefbeauftragter für internationale Sicherheitsfragen nach: Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 104

26 Sir Robert Thompson, Berater der US-Armee in Süd-Vietnam nach: Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 104

27 Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 119

28 Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 31 f

29 Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 93

30 MS Encarta 99

31 Noam Chomsky, 1970 in: Im Krieg mit Asien I, Noam Chomsky, 1972, Seite 91

32 siehe S.9 Z.10 ff

33 Asche eines Dominosteins von Konrad Ege, 21.04.2000

34 MS Encarta 99

35 Professors Ly Chanh Trung in einem Brief an die südvietnamesische Zeitschrift Ting Sang

Details

Seiten
15
Jahr
2001
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101192
Note
1
Schlagworte
Vietnam Zeit Johnson-Administration

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