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Aufgaben des Sports für die Gesundheit, das Sozial - und Freizeitverhalten

Facharbeit (Schule) 2001 34 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Sport und Gesellschaft
1.1 Sportgeschichte
1.2 Phänomen Sport heute
1.3 Sportbereiche

2.0 Motorische Fähigkeiten
2.1 Konditionelle Fähigkeiten
2.2 Koordinative Fähigkeiten

3.0 Die Aufgaben des Sports für die Gesundheit
3.1 Folgen bei Bewegungsmangel
3.1.1 Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen
3.1.2 Entstehung und Ursachen von Übergewicht
3.2 Die Gefahren durch Übergewicht für den Körper
3.3 Möglichkeiten und Maßnahmen durch den Sport
3.4 Empfehlenswerte Sportarten

4.0 Die Aufgaben des Sports für das Sozialverhalten
4.1 Soziale Verhaltensweisen
4.2 Persönlichkeitsentwicklung
4.2.1 Wirkungen des Sports auf die Persönlichkeitsentwicklung
4.3 Aggressivität im Sport als Beispiel sozialer Verhaltensweisen

5.0 Die Aufgaben des Sports für das Freizeitverhalten
5.1 Freizeit / Freizeitsport
5.2 Die Aufgaben des Sports für eine sinnvolle Freizeitgestaltung

6.0 Schlußfolgerungen

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Anlage

1.0 Sport und Gesellschaft

Wir definieren Sport als die Pflege der körperlichen Fähigkeiten und verdeutlichen damit zugleich, das Sport und Gesellschaft schon immer eine gegenseitige Einflußnahme und Wirkung aufeinander ausgeübt haben.

Jede gesellschaftliche Entwicklung zeigt auch die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft auf und stellt den unmittelbaren Zusammenhang der gemeinsamen Stärkung her.

Der Grad des Sports ist immer Ausdruck auch der Größe der Entwicklungsstufe einer Gesellschaft. Jede sich breit entwickelnde Gesellschaft wird die Grundlagen für eine allgemein zugängliche sportliche Betätigung ihrer Gestalter schaffen. Sport wird zu den „sozialen Universalien“ gezählt, weil er in allen Gesellschaftsformen vorkommt und anerkannt ist.

Bezeichnenderweise wird Sport heute manchmal als „heilige Kuh“ der Gesellschaft bezeichnet. Dies läßt sich auch daran erklären, daß der Sport die Menschen von heute, so in seinen Bann schlägt, und zwar mehr als er jemals zuvor es getan hat. Sport gehört heute zu den einträglichsten Geschäftsfeldern unserer Gesellschaft und ist gleichzeitig gesellschaftliche Institution und Organisation.

Sport ist aber auch ein globales Weltphänomen und Weltkultur zugleich.

Er ist die Sprache, die alle Völkergruppen, ob Asiaten, Amerikaner, Afrikaner oder Europäer verstehen und verbindet.

Die vorliegende Facharbeit erläutert neben der sportlichen Geschichte und deren gesellschaftlichen Bedingungen, die Einflußnahme des Sports auf das soziale Verhalten der Menschen, deren Gesundheit und ihrer gesellschaftlichen Stellung.

1.1 Sportgeschichte

Sportgeschichte ist einerseits spezielle Geschichte und andererseits ein Theoriefeld der Sportwissenschaft. Sie befaßt sich mit der Darstellung und der Entwicklung des Sports.

In jedem Sozialsystem werden bestimmte Normen festgestellt, die im weitesten Sinne alle Verpflichtungen (Gebote, Verbote, Regeln) dieser Gesellschaft beinhalten. Um zu verdeutlichen, wie unterschiedlich die Verflechtungen zwischen den Normen verschiedener Sozialsysteme und dem Sport ist, muß man auf die Geschichte des Sports zurückgreifen.

Dabei unterscheidet man sowohl formale Grundnormen (das gesellschaftliche Gemeinwohl), als auch Normen engeren Sinnes (Sitte, Brauch, Rituale), die durch Herrschaft gestützt werden müssen.

Die folgenden Geschichtsepochen zeigen die gesellschaftliche Entwicklung und die sich daraus ableitende Entstehung des Sports.

Die Kretisch- mykenische Epoche (1600 - 1200 v. Chr.)

- erste Nachweise für Sport in der Geschichte der Menschheit
- Bezeichnung für Sport damals: Leibeserziehung
- Leibeserziehung war sozial führenden Gesellschaftsschichten vorbehalten
- sportliche Wettkämpfe im Rahmen von Veranstaltungen, z. Bsp. Hochzeiten
- in Verbindung mit diesen Kämpfen: Olympia als Kultstätte

Das Archaische Zeitalter (800 - 500 v. Chr.)

- hoher Stellenwert des agonalen (wettkampforientierten) Sports

➔ Formen der Ausübung stammen zum Großteil noch aus der mykenischen Tradition

- Wettkämpfe zu Ehren der Götter

- in Olympia finden in 4-jährigen Zyklen bei Zeusfesten heilige Spiele statt (seit 776 v. Chr.)

Das Zeitalter der Klassik (500 - 300 v. Chr.)

- erste Systeme für die Leibeserziehung, Bildungsstätten (Palästra, Gymnasion) werden errichtet
- der Gymnastik werden gesundheitliche Funktionen zugewiesen

Die Hellenistische Epoche (336 - 30 v. Chr.)

- Bildungswesen erhält eine große Bedeutung
- wichtige Rolle für Leibeserziehung im Schulwesen
- agonale Gymnastik verliert an Bedeutung ➔ wird zur Angelegenheit von Berufssportlern (Athleten)
- kultische Spiele werden zu reinen Schaukämpfen
- Entstehung der Lehre von einer gesunden Lebensführung (Diätetik)
- Entwicklung einer gesundheitsorientierten Gymnastik

Das frühe Römertum (500 - 200 v. Chr.)

- Erziehung wird dem Militärdienst unterworfen
- körperliche Ertüchtigung spielt dabei eine überragende Rolle (einfach und zweckorientiert, Vermittlung von Härte, Ausdauer, Kraft usw.)
- Formen der körperlichen Ertüchtigung sind u.a. Laufen, Schwimmen, Fechten
- ein Wettkampfwesen entwickelte sich nicht

Die hellenistisch- römische Epoche (200 v. Chr. - 500 n. Chr.)

- aufgrund geschichtlicher Entwicklungen kommt es zur Konfrontation der altrömischen Leibeserziehung mit dem hellenistischen Sport
- gesundheitsorientierte hellenistische Gymnastik wird zu einem wichtigen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens
- Christentum wird 380 n. Chr. zur Staatsreligion
- es entwickelt sich eine leibfeindliche Einstellung

Das frühe Mittelalter (500 - 1000)

- Zeit des Übergangs
- Ausbildung eines spezifischen, mittelalterlichen Sports
- in der Wanderzeit (ca. 200 - 500) wurde Sport ein Mittel der aristokratischen Selbstdarstellung (Jagd, Wettkampf)
- keine Weiterentwicklung der schulischen Leibeserziehung

Das Hohe Mittelalter (1000 - 1300)

- tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen
- Entstehung des Ritterstandes, körperliche Ertüchtigung spielt eine wichtige Rolle, aufgrund der militärischen Funktion dieses Standes
- sportliche Höhepunkte sind die ritterlichen Turniere

Das späte Mittelalter, Humanismus und Absolutismus (1300 - 1800)

- wirtschaftlicher Aufschwung verändert die Gesellschaft
- in der bürgerlichen Gesellschaft entstehen spezielle Formen des Sports
- Entstehung von festen Bauten für Sport, z. Bsp. Fechthäuser
- es entwickeln sich Sportvereinigungen
- Zeit des Umbruchs, Neuorientierung des Sports während des Humanismus
- es entsteht wieder die schulische Leibeserziehung (jedoch keine einheitliche Entwicklung, beschränkt sich auf das Leben außerhalb der Schule)
- Differenzierung und Ausweitung des spätmittelalterlichen Sports (Reiten, Tanz, Spiele u.a.)
- Sport wird an Gymnasien und Universitäten als Freizeitaktivität gefördert und teils geduldet
- von sportgeschichtlicher Bedeutung gewinnen Ritterakademien aufgrund ihrer Ausbildung

Die Aufklärungszeit (1600 - 1800)

- geistig - kulturelle Reformbewegung des aufsteigenden Bürgertums haben Auswirkungen auf Erziehung des Menschen
- Reformbewegung der Philanthropen, entwickeln ein System der körperlichen Bildung (Gymnastik), was quantitativ und qualitativ anspruchsvoll ist
- leiten somit die moderne Leibeserziehung ein (Guth Muths)
- „Philanthropen gelten als die Begründer einer planmäßigen schulischen Leibeserziehung“ (1)

Idealismus und nationale Bewegung (1780 - 1815)

- Entstehung eines neuen, idealistischen Menschenbildes
- Entwicklung eines neuen Bildungsideals
- Sport, besonders Gymnastik spielt eine wichtige Rolle in den Konzepten der Bildungsziele, z. Bsp. von J. H. Pestalozzi
- unter dem Einfluß der französischen Revolution und der Fremdherrschaft in Deutschland kommt es zu einer Bildungsreform
- Erscheinungen dieser Reform sind u.a. das Jahn’sche Turnen (F. L. Jahn)
- Turnen als Form einer nationalen und volkstümlichen Leibeserziehung

Das Turnen im politischen Spannungsfeld des 19. Jahrhunderts

- europäische Staatenwelt wird neu geordnet (1814/15)
- Verwicklung der Turnerschaft in politischen Konflikte
- 1820 - 1842 Turnsperre
- Leibeserziehung der Jugend wird in die Schule integriert
- das Turnen in seinem Wesen gewinnt immer mehr an Bedeutung (z. Bsp. Turnvereine)
- erstes Auftreten der neuen Form der Leibesübungen „Sport“ in England
- Merkmale des Sports sind Konkurrenz-, Leistungs-, Rekordprinzip
- um die Wende des 18. und 19. Jh. beginnt die Ausbildung eines charakteristischen Erscheinungsbild des Sports in Form von Meisterschaften, Regelwerken usw.
- Mitte des 19. Jh. „Versportlichung“, „Versportung“
- in den 80-ern und 90-ern Durchbruch auch in Deutschland
- Frauen werden jetzt gleich von Anfang an mit einbezogen, Turner leisten dagegen Widerstand

Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

- industrielle Revolution in allen europäischen Ländern
- Veränderungen im gesellschaftlichem Leben ➔ neues Leibverständnis, Jugendbewegung sowie Reformpädagogik
- Leibeskultur orientiert sich neu
- Entstehung des modernen Olympiagedanken (de Coubertin)
- 1894 wird das IOC gegründet
- ab 1896 finden aller vier Jahre Olympiaden statt (erste in Athen)

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen

!! bezogen auf Deutschland !!

- Weimarer Republik bringt neue geistige Situation, welche die Leibeskultur beeinflußt (Sport wird Massenbewegung, politische Teilhabe durch Sport, besonders Turnvereine)

- 1933 Machtergreifung Hitlers

➔ Neuorganisation des Sports, Sport in den Dienst der nationalsozialistischen Rassenideologie (politische Leibeserziehung)

- es werden kampf- und gemeinschaftsorientierte Sportarten bevorzugt

Gesellschaft und Sport nach 1945

- Deutschland wird in 4 Besatzungszonen aufgeteilt
- im Spannungsfeld zwischen der USA und Sowjetunion entstehen 1949 zwei von einander unabhängige deutsche Staaten (BRD, DDR)
- Entstehung von zwei selbständigen Sportorganisationen
- im Rahmen des westdeutschen Wirtschaftsaufschwungs schafft der bundesdeutsche Sport den Aufstieg (leistungsorientiert, Konkurrenzdenken)
- 50-er Jahre werden zum Zeitalter des Leistungssport
- Sport wird zur Massenbewegung (Deutsches Turn - und Sportfest)
- Entstehung eines Systems des modernen Hochleistungssports in der DDR
- Entstehung der Sportwissenschaft (DHfK)

1.2 Phänomen Sport heute

Sport ist zu einem Leitwert der Gesellschaft, einem gesellschaftlichen Phänomen und einer Massenbewegung geworden.

In seiner geschichtlichen Entwicklung kann man erkennen, daß man heute den Überblick über die Vielfalt der Sportarten verlieren kann. Durch technischen Erfindergeist und die nie auszuschöpfende Phantasie der Menschen sind zu den traditionellen Sportarten wie Laufen, Springen, Werfen, Rudern oder Fechten, neue Trendsportarten wie Snowboarden, Inline - Skating oder Skysurfing dazugekommen. Zudem hat der Sport heute in Bereiche des täglichen Lebens Einzug gehalten, so daß man sich ein Leben ohne Sport kaum vorstellen kann.

Der Sport gilt heute auch als einer der größten und wichtigsten Wirtschaftszweige. Viele sportliche Großveranstaltungen wie Olympische Spiele, Welt - und Europameisterschaften oder Formel 1 werden heute mit großem Werbeaufwand und Medienpräsenz vermarktet. Dabei muß man aber auch unterscheiden, daß sich in der heutigen Zeit auch nur Sportarten wie Fußball oder eben die Formel 1 gewinnbringend vermarkten lassen. TV - ungeeignete Sportarten wie Schach, Tischtennis oder Reiten lassen sich deshalb nur schwer populär machen. In vereinzelten Fällen können „ Idole “, wie Boris Becker oder Martin Schmitt mit ihrer Sportart einen Boom auslösen, was dann die Werbemacher und die Fernsehsender auf den Plan ruft.

Unternehmen wie die Kirch - Gruppe geben Milliarden von Mark aus, um sich die Fernsehrechte der Bundesliga oder der Übertragung der Formel 1 - Rennen zu sichern.

RTL hat z. Bsp. mit Schmitt und Co. dem Skispringen zu neuer Popularität verholfen.

Irgendwann wird es dazu kommen, daß wir für Sportereignisse wie die Olympischen Spiele oder Fußballweltmeisterschaften bezahlen müssen, um diese im Fernsehen erleben zu können. Zudem werden heute viele Sportler mit ihren eigenen Werbe - und Ausrüsterverträgen ausgestattet, so daß sie schon in jungen Jahren in finanzieller Hinsicht für ihr restliches Leben ausgesorgt haben.

Sport findet aber heute auch in Bereichen der Politik (sportliche Entscheidungen am „ Grünen Tisch “) und der Medizin Anklang.

Die Medizin trägt stark dazu bei, daß viele Verletzungen wie Kreuzbandrisse, Meniskusschäden oder andere Schäden schnell geheilt werden. Aber gerade durch die Medizin bekommt auch der Sport seine dunklen Seiten. Heute befinden wir uns in einem Zeitalter, indem ein neuer Dopingfall oder Drogen im Sport an der Tagesordnung steht. Durch das Streben nach neuen Rekorden in Verbindung mit enormen Erfolgsdruck greifen viele Sportler zu Doping und bringen damit ihren Sport in Verruf.

Gerade bei den Olympischen Spielen, bei denen der Sport zu Frieden aufruft und die einzelnen Völker verbindet, ist es wichtig, daß es „ sauberen “ Sport gibt. Ich bin der festen Meinung, daß der Sport auch weiterhin großen Einfluß auf unser Leben haben wird und die Weiterentwicklung des Sport, in Sachen neue Sportarten oder wirtschaftliche Hintergründe, nicht aufzuhalten ist.

1.3 Sportbereiche

Heute wird der Sport in vier markante Bereiche gegliedert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im weiteren möchte ich auf den Breitensport/Volkssport sowie Leistungssport näher eingehen.

Breitensport/Volkssport:

- die Suche nach Freude, Geselligkeit, Gesundheit, Kommunikation steht im Vordergrund
- Ausdehnung auf alle Leistungs- und Altersstufen
- Gruppen werden unabhängig von Geschlecht, Alter und Leistung aufgeteilt
- wöchentliches Üben/Spielen
- allgemeine Betreuung durch Vereine (z. Bsp. Betriebssportvereine)
- soziale Kommunikation und Interaktion, Solidarität
- Erweiterung bzw. Erhöhung der Lebensqualität
- geringe finanzielle Kosten

Leistungssport:

- das Streben nach Höchstleistungen, Rekorden sowie nach Geldverdienst, Anerkennung, Ruhm steht im Vordergrund
- sportartspezifische Differenzierung in Alter, Geschlecht, Leistung
- das Betreiben ist auf ein bestimmtes Lebensalter beschränkt
- Talentsuche und - Förderung
- täglich, mehrere Stunden Training, es erfolgt planmäßig, ist auf ein Ziel gerichtet sowie zweckmäßig und ökonomisch
- Führung durch Trainer (meist Unterordnung)
- eine andere Lebensweise ist erforderlich, sie muß leistungsfördernd sein
- Entstehung von Konkurrenz, Rivalität
- es werden Trainingsgruppen gebildet
- soziale Interaktion, Kommunikation
- hohe finanzielle Kosten

2.0 Motorische Fähigkeiten

Bereits die Frühgeschichte der Menschheit läßt die grundlegende Bedeutung der Motorik für die psychisch - geistige, sittlich - moralische und ästhetisch - kulturelle Entwicklung der Menschheit erkennen.

Als der werdende Mensch die Fähigkeit erwarb, sich mit Hilfe der Sprache und des Denkens selbst Zwecke zu setzen, d.h. das Ziel seiner Tätigkeit vorauszunehmen, bedeutete dies den Beginn einer stets zunehmenden „Vergeistigung“ seiner Arbeitsbewegungen und die „Vermenschlichung“ seines gesamten motorischen Verhaltens.

Das heißt nichts anderes, das der Mensch mit zunehmender Entwicklung seiner Gangart bis zum aufrechten Gehen, gleichzeitig motorische Fähigkeiten seiner körperlichen Betätigung in Abhängigkeit der Erweiterung seines Bewußtseins und seines Wahrnehmungsfeldes entwickelt hat.

Somit läßt sich auch die menschliche Motorik in ihrer spezifischen Eigenart als ein Produkt der Arbeit bezeichnen.

Alle Bewegungsformen und Rhythmen prägt der Mensch im Prozeß der Arbeit. Daraus leitet sich aber auch, ausgehend der gesellschaftlichen Entwicklung der Produktivkräfte und der dabei sich vollziehenden Verdrängung oder völligen Ablösung der körperlichen Arbeit, die Notwendigkeit des Ausgleiches der motorischen Inanspruchnahme des Körpers ab.

Die jetzt anzutreffende, teilweise nur noch als „Miniaturbewegungen“ zu bezeichnende körperliche Betätigung, bedeutet vielfach nur noch eine geringe physische Belastung des Körpers. Vielmehr trifft man heute auf eine stärkere geistige Konzentration und denkende Mitarbeit.

Durch den zunehmenden Bewegungsmangel und die motorisch einseitige Beanspruchung ergeben sich Nachwirkungen über den funktionell - organischen und biologisch - gesundheitlichen Bereich hinaus auf die Entwicklung der motorischen und geistigen Fähigkeiten und Eigenschaften.

Dieser Tendenz kann man nur durch eine ausgeglichene sportliche Betätigung in der Freizeit entgegenwirken. Hierbei steht der Mensch für sich selbst, eigentlich aber auch für die Gesellschaft in der Verantwortung.

2.1 Konditionelle Fähigkeiten

Im Berufs und Alltagsleben, im künstlerischen Schaffen und besonders im Sport benötigt der Mensch bei seiner momentanen Tätigkeit eine entsprechende Kondition. Für diese und andere Wirkungsbereiche ist Kondition somit eine Voraussetzung, um gesteckte Ziele zu erreichen.

Kondition:

„Unter Kondition im Sport verstehen wir allgemein die zusammengefaßte Summe der körperlichen Fähigkeiten wie Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, FlexibilitÄt und ihre Realisierung durch Bewegungsfertigkeiten/- techniken und durch Persönlichkeitseigenschaften (z. Bsp. Motivation, Wille)“ (2)

Kraft:

„Die Kraft im Sport ist die Fähigkeit des Nerv- Muskelsystems durch Innervationsund Stoffwechselprozesse mit Muskelkontraktionen Widerstände zu überwinden, ihnen entgegenzuwirken bzw. sie zu halten“ (3)

In der heutigen Trainingswissenschaft und Trainingspraxis werden die unterschiedlichen Erscheinungsformen der Muskeltätigkeit (bei sportlichen Bewegungen) zu den Begriffen: Maximalkraft, Schnellkraft, Kraftausdauer und Reaktivkraft zusammengefaßt.

Schnelligkeit:

„Schnelligkeit bei sportlichen Bewegungen ist die Fähigkeit auf einen Reiz bzw. auf ein Signal hin schnellstmöglich zu reagieren und/oder Bewegungen bei geringen Widerständen mit höchster Geschwindigkeit durchzuführen“ (7) man bezieht sich hier auf:

- den Bewegungsbeginn nach einem Signal (= Reaktionszeit, Reaktionsschnelligkeit)
- Einzelbewegungen, z. Bsp. Wurf, Sprung
- fortlaufende gleichförmige Bewegungen
- Bewegungshandlungen bzw. -kombinationen, z. Bsp. Spielaktionen

Aus wissenschaftlicher Sicht (Physik) läßt sich Geschwindigkeit (= Schnelligkeit) messen. Man berechnet sie, indem Weg pro Zeit ins Verhältnis gesetzt wird. ➔ Geschwindigkeit = Weg/Zeit (v= s/t)

Bei den heutigen Begriffserklärungen zu der Thematik „Schnelligkeitsfähigkeiten“ wird in elementare und komplexe Schnelligkeitsfähigkeiten unterschieden. Dazu kommt noch eine gesonderte Form der Schnelligkeit, die Reaktionsschnelligkeit.

Ausdauer:

Ausdauer ist eine unerläßliche Voraussetzung für viele Sportarten. Für Ausdauersportarten bzw. -disziplinen wie z. Bsp. Schwimmen, Marathonlauf ist es eine notwendige Ergänzung der übrigen leistungsbestimmenden Fähigkeiten.

Ich definiere Ausdauer als die Ermüdungswiderstandsfähigkeit bei lang andauernden Belastungen.

In der heutigen Sportwissenschaft und Sportpraxis unterscheidet man eine Vielzahl von Erscheinungsformen der Ausdauer. Im Groben wird Ausdauer in allgemeine (grundlegende) sowie spezielle Ausdauer eingeteilt.

Flexibilität:

Flexibilität ist die Fähigkeit, Bewegungen mit einer großen bzw. optimalen Schwingungsweite in bestimmten Gelenken auszuführen.

Für Flexibilität wird auch der Begriff Beweglichkeit verwendet.

Die Flexibilität setzt sich aus den Komponenten der Gelenkigkeit (betrifft den passiven Bewegungsapparat wie Knochen, Sehnen) und der Dehnfähigkeit (betrifft den aktiven Bewegungsapparat wie Muskeln, Bänder) zusammen. In der Praxis wird noch zwischen allgemeiner, spezieller, aktiver, passiver und leistungsbestimmend und -begrenzend wirkender Flexibilität unterschieden.

Die Beweglichkeit ist für die motorisch - konditionellen Fähigkeiten sowie für die motorisch - koordinativen Fähigkeiten gleich bedeutsam anzusehen.

2.2 Koordinative Fähigkeiten

Neben den konditionellen Fähigkeiten (Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit, Flexibilität) gibt es noch Fähigkeiten die sich auf die Prozesse der Bewegungssteuerung beziehen. Diese sind die koordinativen Fähigkeiten.

Definition:

„Eine Klasse motorischer Fähigkeiten, die vorrangig durch die Prozesse der Steuerung und Regelung der Bewegungsfähigkeiten bedingt ist. Sie stellen weitestgehend verfestigte und generalisierte Verlaufsqualitäten dieser Prozesse dar und sind Leistungsvoraussetzungen zur Bewältigung dominant koordinativer Anforderungen.“ (4)

Bei den koordinativen Fähigkeiten unterscheidet man 7 grundlegende Fähigkeiten. Dabei muss beachtet werden, das diese folgenden in einem Beziehungsgefüge in der jeweiligen Bewegung/Sportart gesehen werden müssen. (also nicht einzeln voneinander!) Häufig ist eine Verbindung zu den konditionellen Fähigkeiten nicht auszuschließen.

Differenzierungsfähigkeit:

Fähigkeit, eine hohe Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen zu erreichen. Diese Feinabstimmung kommt in hoher Bewegungsgenauigkeit und effektivem Einsatz von Bewegungen zum Ausdruck.

Differenzierungsvermögen benötigt z. Bsp. ein Fußballspieler bei der Feinabstimmung der Ballbehandlung.

Die Differenzierungsfähigkeit ist vielgestaltig und muß als wesentliche Voraussetzung für sportliche Höchstleistungen gesehen werden.

Kopplungsfähigkeit:

Unter Kopplungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, Teilkörperbewegungen die auf ein bestimmtes Handlungsziel (➔ Gesamtkörperbewegung) gerichtet sind, zeitlich, räumlich, zweckmäßig sowie dynamisch aufeinander abzustimmen. Beim Schwimmen ist es erforderlich, daß die Bein- , Arm- und Rumpfbewegungen gekoppelt werden.

In Sportarten, wie Geräteturnen und Gymnastik, ist dies eine grundlegende Voraussetzung, um die komplizierten Koordinationsaufgaben zu bewältigen.

Reaktionsfähigkeit:

Wird definiert als eine Fähigkeit, motorisch zweckmäßige Aktionen (gestartet durch Signale) schnell einzuleiten und auszuführen. Dabei können die Signale auf akustischem (u.a. der Startschuß beim 100 Meterlauf), taktilem, optischen (z. Bsp. Absprungmarkierungen) oder kinästhetischem Weg übertragen werden. Die Reaktionsfähigkeit ist eine sehr umfassende Fähigkeit des Menschen, weil sie auch für das Alltagsleben (im Beruf, im Straßenverkehr) von großer Bedeutung ist.

Orientierungsfähigkeit:

Ist die Fähigkeit, die „zur Bestimmung und zielangepaßten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum und Zeit bezogen auf ein definiertes Aktionsfeld, wie Spielfeld, Boxring und/oder ein sich bewegendes Objekt, z. Bsp. Ball, Gegner, Partner“ (5)

Gleichgewichtsfähigkeit:

Unter Gleichgewichtsfähigkeit versteht man die Fähigkeit: 1. den kompletten Körper im Gleichgewichtszustand zu halten oder 2. während und nach Körperverlagerungen diesen Zustand beizubehalten oder wiederherzustellen. Im weiteren unterscheidet man noch zwischen statischer und dynamischer Gleichgewichtsfähigkeit. Die dynamische Gleichgewichtsfähigkeit bekommt in Sportarten wie Skispringen, bei denen der Sportler oft schnellere und größere Lageveränderungen ausführen muß, eine besondere Bedeutung. Beim Skispringen speziell, besteht die Schwierigkeit darin, nach dem Sprung sicher zu stehen bzw. zu landen.

Umstellungsfähigkeit:

Unter Umstellungsfähigkeit verstehe ich 1. die Fähigkeit, während des Vollzuges einer Handlung das Handlungsprogramm neuen Gegebenheiten (hervorgerufen durch situative Veränderungen) anzupassen und motorisch umzusetzen und 2. ein völlig neues und Situationsangepaßtes Handlungsprogramm zu starten. Beim Cross - Lauf ist es nötig, sich auf Geländewechsel umstellen zu können. Die Umstellungsfähigkeit ist besonders mit der Orientierungs- und Reaktionsfähigkeit in Verbindung zu sehen.

Rhythmisierungsfähigkeit:

Ist die Fähigkeit einen Rhythmus, der von außen vorgegeben wird, zu erfassen, motorisch umzusetzen, sowie den „verinnerlichten Rhythmus einer Bewegung in die eigene Bewegungstätigkeit zu realisieren“ (6) Dadurch ist für alle Sportarten die Rhytmisierungsfähigkeit eine koordinative Leistungsvoraussetzung.

Beim Hürdenlauf z. Bsp., ist es wichtig den sogenannten „3-Schritt-Rhythmus“ zu erfassen und motorisch umzusetzen.

3.0 Aufgaben des Sports für die Gesundheit

Die Gesundheit ist des Menschen wichtigstes Gut und bedarf damit einer besonderen Beachtung. Gesund zu sein hat heute nicht nur mehr persönlichen Hintergrund, Gesundheit ist schon soziale Verpflichtung gegenüber anderen. Jedes Jahr wird mehr Geld zur Behandlung von Krankheiten oder Verletzungen von Patienten selbst, sowie von Versicherungen ausgegeben, als was der Sport als Institution vom Staat gefördert wird.

Zu den Hauptaufgaben des Sports gehört die Gesunderhaltung und Stärkung des menschlichen Körpers. Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gefäßverkalkungen kann sportliche Aktivität zwar nicht verhindern, jedoch kann sie das Risiko für das Auftreten derartiger Schädigungen verringern. Sportverletzungen muss man hier ausklammern, da sie erst in Verbindung mit Sport in Erscheinung treten. Aussagen wie : „Treibe Sport oder bleibe gesund “ oder „ Sport ist Mord und Breitensport ist Massenmord “ werden oft als Kritik am Sport geäußert. Um den Körper gesund und fit zu halten, ist es wichtig sportliche Aktivität in richtigem Maße und auch angepaßter Ausführung zu vollziehen. Das heißt, um die Gesunderhaltung des Körpers effektiv zu gestalten, sollte die sportliche Bewegung an Komponenten wie Alter, körperliche Verfassung oder Willenskraft der Person gebunden sein. Stark fordernde Bewegungen wie z. Bsp. Klettern, Marathon laufen, Boxen oder Rennfahren sind nicht für jede Altersgruppe bzw. Geschlechtsgruppe gleich geeignet.

Bei der Ausführung der Sportart sollte darauf geachtet werden, daß sie Spaß macht und den Körper in gewissem Maße belasten sollte, ohne ihn jedoch zu überlasten und damit zu körperlichen Schädigungen bis hin zum Tod führen kann. Viele sportliche Bewegungen werden heutzutage zur Rehabilitation nach Verletzungen oder schweren Krankheiten genutzt, um die „alte“ Belastungsstärke wieder zu erreichen.

3.1 Folgen bei Bewegungsmangel

3.1.1 Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen

- zu wenig Bewegung in der Kindheit
- Kinder verbringen mehr Zeit vor dem Computer und Fernseher
- Sport wird wenig in der Freizeit betrieben
- Schulsport wird unzureichend im Lehrplan bedacht; einmal pro Woche zwei Stunden sind zu wenig
- unbeliebte Sportarten wie Geräteturnen, Bodenturnen lassen die Lust am Schulsport schnell verlieren

➔ hier müßten spielerische Tätigkeiten angeboten werden, die den Spaß am Sport erkennen lassen

- falsche Ernährung der Kinder, keine richtige „Aufklärung“ über Ernährungsweisen

3.1.2 Entstehung und Ursachen von Übergewicht

Zum Übergewicht kommt es, wenn das Kind bzw. der Jugendliche über einen längeren Zeitraum mehr Energie, über Nahrung aufnimmt, als benötigt bzw. verbraucht wird.

Diese überschüssige Nahrungsenergie wird dann vom Organismus in körpereigenes Fett umgewandelt und im Fettgewebe der Unterhaut gespeichert. Bei lang anhaltender und starker Überernährung bilden sich sogenannte „Rettungsringe“ oder „Speckfalten“.

Dabei muss beachtet werden, das es schon ausreicht, wenn die Person über längere Dauer ein paar 100 Kalorien täglich mehr zu sich nimmt, als üblich. Wenn durch die Energieaufnahme, durch Essen und Trinken, der Energieverbrauch für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen für Wachstum, Bewegung, Sport sowie Spiel gedeckt wird, bleibt das Körpergewicht im konstanten Zustand.

3.2 Die Gefahren durch Übergewicht für den Körper

Gefahren durch Übergewicht bestehen besonders für den Körper Heranwachsender.

Da sie sich zunächst in der Aufbau- bzw. Entwicklungsphase befinden, hat der Körper noch nicht seine volle Stabilität erreicht. Schon ein 15 - 20 prozentiges Übergewicht ist eine gewaltige zusätzliche (Mehr-) Belastung für den Bewegungs- und Halteapparat. Zusätzlich wird dadurch die Schnelligkeit und Beweglichkeit der Betroffenen beeinträchtigt. Aufgrund dieses schwer zu beherrschenden Gewichts sind sie zusätzlich einer erhöhten Verletzungs- und Unfallgefahr ausgesetzt. Zudem werden schon früh häufig Schäden an Wirbelsäule, Sehnen oder Gelenken festgestellt.

Durch die ständige Belastung werden natürlich auch die inneren Organe stark beansprucht. Bereits im frühen Alter sind Schäden an Herz, Leber oder Gefäßen festzustellen. Folge von diesen Schäden sind Stoffwechselstörungen wie z. Bsp. erhöhte Cholesterin- oder Blutzuckerwerte und Bluthochdruck.

Eine weitere negative Erscheinung durch Übergewicht bei Heranwachsenden ist die fehlende Bereitschaft sich zu bewegen. Für sie ist es wesentlich anstrengender zu springen und zu laufen, als für andere Kinder die schlank sind. Sie haben weniger Lust an der Bewegung und am nötigen Ausgleichsport.

Dadurch nehmen sich die Kinder eine wichtige Möglichkeit ihren Körper fit zu machen und somit gegen ihr Übergewicht aktiv anzukämpfen. Schäden die durch Übergewicht entstehen und in jungen Jahren unentdeckt bleiben, wirken sich später im Erwachsenenalter aus. Diese zeigen sich besonders in den Hüft- und Kniegelenken oder in der verstärkten Gefäßverkalkung (➔ Arterioskleroserisiko)

3.3 Möglichkeiten und Maßnahmen durch den Sport

In körperlicher Ruhe „verbrennt“ der Mensch zum Erhalt der Körperfunktionen und Körperwärme Energie. Somit reduziert der Mensch sein Gewicht, indem er weniger Kalorien pro Tag aufnimmt, als es seinem individuellen Gebrauch entspricht. Der Kalorienbedarf kann durch Bewegung stark gesteigert werden. Dauer und Intensität der Belastung sowie die bewegte Muskelmasse sind entscheidend für das Maß der verbrauchten Energie (angegeben in Kilokalorien).

Daher wird beim Laufen mehr Energie verbrannt als beim normalen Gehen sowie bei längeren Belastungen, als bei kürzeren. Um jetzt durch Sport bzw. Bewegung Gewicht zu verlieren, muß sich der Übergewichtige pro Woche mehrere Stunden bewegen. Ausdauersportarten wie Jogging, Radfahren, Schwimmen oder Wandern sind diesbezüglich sehr zu empfehlen. Hierbei muss beachtet werden, das für einen hohen Energieverbrauch beachtliches geleistet werden muß.

Ein Jugendlicher mit einem Gewicht von 70 kg müßte 9 km pro Stunde laufen, um ca. 600 Kalorien zu verbrauchen. Übergewichtige und auch Ungeübte können schon nach geringer Anstrengung außer Atem bzw. ins Schwitzen kommen.

3.4 Empfehlenswerte Sportarten

Ausgehend davon, das ein Übergewicht von 30 % und mehr die Möglichkeiten der Bewegung erheblich einschränkt, ist nicht jede Sportart für Betroffene geeignet. Daher ist es wichtig eine alltägliche Tätigkeit wie Einkaufen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erledigen.

Entscheidend ist außerdem, was die Person aufgrund ihres Übergewichts noch leisten kann.

Sportarten wie Tanzen, Wandern, Faustball, Jogging, Radfahren, Schwimmen oder Wandern bei denen das Körpergewicht keine große Rolle spielt, müssen hier eingesetzt werden. Die übergewichtigen Kinder und Jugendlichen sollten zunächst auch nur den Sport betreiben, der ihnen Spaß macht. Auch sollten sie sich Sportvereinen und Selbsthilfegruppen anschließen.

4.0 Die Aufgaben des Sports für das Sozialverhalten

4.1 Soziale Verhaltensweisen

Die Aufgaben des Sports für das Sozialverhalten bestehen darin soziale (humane) Verhaltensweisen zu entwickeln, zu fördern und zu festigen. Durch den Sport werden zum größten Teil positive Verhaltensweisen entwickelt bzw. hervorgebracht.

Kameradschaft, Teamgeist, Kooperation, Gemeinschaftsgefühl, Rücksichtnahme, Toleranz, „Fair Play“ wirken sich darüber auch auf das Leben neben dem Sport, also in der Partnerschaft, im Beruf, im Alltag und im sozialen Dasein aus.

Eine weitere Aufgabe des Sports für das soziale Verhalten ist, negative Verhaltensweisen wie Frust, Aggressionen und Menschenverachtung zu unterdrücken, sie abzubauen und in positive umzuwandeln.

Beim Erlernen sozialer Verhaltensweisen durch den Sport kommt dem Schulsport besonders große Bedeutung zu.

Durch den Schulsport erkennen und akzeptieren die Schülerinnen und Schüler das sportliche Leistungen sich an Normen orientieren und auf unterschiedlichen Anforderungsebenen erbracht werden.

Das geschieht vor allem in Hinblick auf die bestehenden unterschiedlichen Voraussetzungen (z. Bsp. Alter, körperliche und geistige Verfassung) in einer Gruppe.

Mit diesen Gegebenheiten sollen die Schülerinnen und Schüler personenbezogen, sensibel und sachgerecht umgehen. Zudem erleben und reflektieren sie konkurrenzorientierte und kooperierende Aktionsformen als soziale Verhaltensweisen im Sport. Somit ist Schulsport, als erste Vermittlung von sozialen Verhaltensweisen unverzichtbar.

4.2 Persönlichkeitsentwicklung

4.2.1 Wirkungen des Sports auf die Persönlichkeitsentwicklung

n Erlernen von regelgerechtem Verhalten

Der Sport besitzt relativ eindeutige Regeln, es ist festgelegt welches Verhalten belohnt bzw. bestraft wird. Viele Normen, Werte und Regeln können nur abstrakt erfahren und erlernt werden. Im Sport werden diese dadurch gelernt, indem sie praktiziert werden. So können also Kinder und Jugendliche die Bedeutungen und Wirkungen von Normen kennenlernen und später „umsetzen“.

- Frustration zu tolerieren

Aus rein rechnerischen Tatsachen kann nicht jeder Sportler den gewünschten Erfolg haben, es ist also immer so, das zum Schluß einzelne gewinnen und andere akzeptieren müssen, gescheitert zu sein. Hier ist es wichtig, ein fairer Spieler und somit ein guter Verlierer zu sein. Diese Enttäuschungssituation kann sich durchaus positiv auswirken, denn sie verbessern die Fähigkeit, Niederlagen „einstecken“ zu können, was im außersportlichen Leben gelegentlich auch von Bedeutung sein kann.

- Entwicklung von Demokratieverständnis

Durch die Mitgliedschaft in einem Sportverein kann ein überwiegend positives Demokratieverständnis vermittelt werden. Der Sportler erfährt etwas darüber, wie man sich demokratisch verhält und kann dies später selbst praktizieren. Zudem lernen die Mitglieder Organisationsfähigkeiten wie z. Bsp. Veranstaltungen organisieren, Reden halten, Sitzungen leiten.

Allerdings muß festgestellt werden, das vor allem für Jugendliche die Möglichkeiten der Mitarbeit in Vereinen eingeschränkt sind.

Zusammenfassend kann gesagt werden, das der Sport an sich einen positiven Einfluß auf die Entwicklung der Persönlichkeit eines Menschen hat.

4.3 Aggressivität im Sport als Beispiel sozialer Verhaltensweisen

Ziel des Sporttreibens ist es, einen Wettstreit regelgerecht und fair zu betreiben. Das dies nicht immer gelingen kann, weiß jeder der selbst Sport aktiv betreibt. Aufgrund des vorherrschenden Dominanzstrebens kommt es vermehrt zu Entscheidungen, die zum einem zu wenig sozial verträglich sind, zum anderen den jeweiligen Regeln nicht entsprechen und somit Konflikte heraufbeschwören. Betroffene Personen reagieren nicht selten mit aggressiven Handlungen. Vor allem zeigt sich das bei Sportlern mit wenig Erfahrung bei der Bewältigung von Konfliktsituationen (häufig bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Sportanfängern).

Definition : Aggression

Im Sport werden schon häufig solche Handlungen als aggressiv bezeichnet, die ein zielstrebiges Angreifen des Gegners beinhalten. Aggressiv muss aber nicht unfair sein, denn Handlungen sind unterschiedlich zu bewerten, je nachdem, in welchem Rahmen sie stattfinden. Das Festhalten und Stoßen beim Ringen haben eine andere Bedeutung als im Handballspiel. Das gilt z. Bsp. auch für den sogenannten „BodyCheck“ beim Fußball im Vergleich zum American Football.

Sportpsychologen gehen von einer engeren Definition aus, die den Aspekt der Schädigung beinhaltet.

Somit ist eine Handlung im Sport „als aggressiv zu bezeichnen, wenn eine Person in Abweichung von sportlichen Normen mit dieser Handlung intendiert, einer anderen Person, Schaden im Sinne einer ‘personalen Schädigung’ zuzufügen, wobei diese Schädigung in Form von körperlicher (oder psychischer) Verletzung und Schmerz erfolgen kann.“ (6)

Formen der Aggression:

Hauptsächlich kann man zwei wichtige Formen der aggressiven Handlung nennen.

Explizite Aggression: (explizit = deutlich, ausdrücklich)

Darunter versteht man ein Verhalten, das keine Behinderung des Gegners mehr darstellt, sondern darin der Zweck besteht, die Person zu schädigen (personale Schädigung).

Solche Handlungen können innerhalb wie außerhalb, z. Bsp. nach einem Spiel, des sportlichen Wettkampfes stattfinden.

Instrumentelle Aggression:

Hierbei wird die aggressive Handlung zum Zweck der Leistungsverbesserung eingesetzt und die Schädigung des Gegners in Kauf genommen.

Derartige Aggression ist das zentrale Problem des Sports, weil wie beim Fußball das Hineingrätschen, das sogenannte taktische Foul von Trainer, Mitspieler und vom Zuschauer oft gefordert wird.

Aggressionen können auch in verbaler oder körperlicher Form auftreten.

- verbal zeigt sie sich u.a. in Fluchen, Drohungen, abfälligen Bemerkungen gegen Gegenspieler oder Schiedsrichter - körperliche Aggression drückt sich vor allen Dingen in Gesten und Gebärden (Drohen mit dem Schläger oder der Faust aus.

5.0 Die Aufgaben des Sports für das Freizeitverhalten

5.1 Freizeit / Freizeitsport

Definition: Freizeit

Freizeit ist jener Zeitraum, der am Ende übrig bleibt, wenn von der Gesamtstundenzahl des Tages die Arbeitszeit sowie die Regenerationszeit (Essen und Schlafen) abgezogen wird. Diese verbliebene Zeit ist allerdings noch mal zu unterteilen in gebundene und ungebundene Zeit.

Die gebundene Freizeit wird als Zeit definiert in der Arbeitshandlungen wie Einkäufe, häuslichen Tätigkeiten vollzogen werden.

Die ungebundene Freizeit ist folglich die Zeit, die frei verfügbar ist und im eigentlichen Sinn so verstanden werden soll.

Aufgrund der Industrialisierung und Änderung der Produktionsweise ist heutzutage mehr freie Zeit vorhanden, als jemals zuvor in der Geschichte.

Freizeit ist ein widersprüchliches Phänomen, Problem und Geschenk, Gefahr und Chance in einem. Bei vielen Menschen wird die Bedeutung der Freizeit der Arbeit gleichgestellt, in Ausnahmefällen sogar auch höher eingestuft. Die Erwartungen der Menschen beziehen sich darauf, die monotone Arbeit durch eine unterschiedlich und sinnvoll gestaltete Freizeit auszugleichen. Arbeit und Freizeit sind daher in ihrer Einwirkung aufeinander nicht voneinander zu trennen.

Neben der Arbeit, als Einflußfaktor im Freizeitverhalten des Menschen gibt es noch eine Vielzahl von zusätzlichen Faktoren. Zu diesen gehören unter anderem das Geschlecht, das Alter, die Berufsgruppe und der Wohnort.

Definition : Freizeitsport

- die Suche nach Freude, Spaß, Ausgleich, Erholung, Gesundheit stehen im Vordergrund
- erfolgt überwiegend im privaten Rahmen
- es wird sich den bestehenden Bedingungen situativ angepaßt
- für Kinder, Jugendliche, Familien, Behinderte, Infarktpatienten, Senioren, Erwachsene
- gelegentliches Üben/Spielen als Inhalt, vor allem aber erlebnisbetont
- meist Selbstorganisation
- soziale Interaktion, Kommunikation
- Erhöhung bzw. Erweiterung der Lebensqualität
- finanzielle Kosten abhängig von Sportart (im Vergleich Schach - Snowboarding)

5.2 Die Aufgaben des Sports für eine sinnvolle Freizeitgestaltung

Die Aufgaben des Sports für das Freizeitverhalten der Menschen besteht darin, das der Mensch mit dem Sport seine Freizeit sinnvoll gestaltet. Dies kann er tun, indem er Bedürfnissen wie

- die Befriedigung des Bewegungsmangels
- der Wunsch nach Erhaltung der Gesundheit
- die Suche nach Geselligkeit
- Finden eines Ausgleichs zur Ausbildung/Beruf gleichermaßen nachgeht.

- Befriedigung des Bewegungsmangels:

Von Geburt an hat der Mensch den Drang sich zu bewegen.

Dies wird deutlich, indem es dem Kleinkind nur schwer gelingt, längere Zeit still sitzen zu bleiben. Der erwachsene Mensch hat das „ruhig sein“ zur Perfektion gebracht, denn von früh an wird der Drang nach Bewegung des Kindes in der Familie, in der Schule, sowie später im Beruf eingeschränkt.

Somit ist eine Aufgabe des Sports, besonders des Freizeitsports diesen Bewegungsdrang zu befriedigen.

Der heutige Freizeitsport und die damit entstandene Industrie bieten für jedermann ein vielfältiges Angebot von Aktivitäten an. Besonders beliebte (Freizeit-) Sportarten sind u.a. Mountainbiking, Aerobic, Ski- Langlauf, Schwimmen, Fahrradfahren usw.

- Wunsch nach Erhaltung der Gesundheit:

Hier wirkt die Angst vor dem Krankwerden. Für jeden ist es wichtig, das durch Bewegungsmangel hervorgerufene Mißbefinden zu beseitigen.

Mit zunehmenden Alter und somit erhöhter Anfälligkeit für Krankheiten und Beschwerden verstärkt sich das Motiv durch Sport in der Freizeit gesund zu bleiben. Hauptaufgabe des Sports ist die Gesunderhaltung des menschlichen Körpers, Stärkung der Abwehrkräfte und Unterstützung des Abwehrsystems. Der Sport soll Beschwerden vermeiden, nicht erhöhen. Hierbei müssen Möglichkeiten gefunden werden, die den Bewegungsmangel so gering wie möglich halten und der Mensch fit und agil bleibt.

Möglichkeiten: Kieser - Training, Rückenschule, Fitneßstudio, aktuelles Angebot: AOK „Pfundskur“

- Suche nach Geselligkeit:

Für viele Menschen ist das Zusammensein während des Sporttreibens sowie danach ein wichtiger Faktor beim Freizeitsport. Der Wunsch nach Geselligkeit besteht bei allen Altersgruppen, vom Jugendalter bis zu den Senioren. Besonders für Ältere, weil es für sie gerade die einzige Möglichkeit ist, aus der Vereinsamung zu kommen oder gar nicht erst hineinzugeraten.

Freizeitsport gibt zudem Anlaß neue Sozialkontakte zu finden oder sich an Gemeinschaften (im Verein, Sportgruppen) anzuschließen.

- Ausgleich zu Ausbildung/Beruf:

Sport soll als Ausgleich zu Arbeit/Ausbildung gesehen und Bedürfnisse wie Erholung können nur in der Freizeit befriedigt werden. Durch Sport können Belastungen des Körper während der Arbeit oder Streß abgebaut und somit ein körperliches und seelisches Gleichgewicht geschaffen werden. Spaziergänge in der Natur oder Radfahren tragen zu diesen Ausgleich bei.

6.0 Schlußfolgerungen

Ausgehend der dargestellten Verflechtungen von Sport, Gesundheit, Sozial- und Freizeitverhalten läßt sich ableiten, welche Bedeutung die frühzeitige Einflußnahme der Eltern, Erzieher und Lehrer auf die körperliche Betätigung der Kinder hat. Kinder sollten schon früh mit dem Sporttreiben anfangen.

Eine Möglichkeit neben dem Sportunterricht ist der Freizeitsport, in dem das Kind seinen eigenen persönlichen Interessen nachgehen kann.

Es ist empfehlenswert, sich einem Verein anzuschließen. Somit wird ein Teil der Freizeit sinnvoll genutzt und dem Heranwachsenden werden Eigenschaften wie Toleranz, Teamgeist, Fairneß, Gemeinschaftsgefühl vermittelt. Damit können negative Verhaltensweisen wie Aggression, Frust, Menschenverachtung unterdrückt und positive gefestigt werden.

Dem Schulsport kommt eine besondere Bedeutung zuteil, da er die erste Instanz ist, die dem Sporttreibenden die positiven Wirkungen auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit vermittelt.

Im Lehrplan wird der Schulsport nur unzureichend, mit 2 Stunden pro Woche, bedacht. Zudem lassen Sportarten wie Boden - und Geräteturnen den Spass am

Unterricht vergehen, auch wenn sie hervorragend geeignet sind für die Schulung der Kondition, Koordination. Es müssen andere, aktuellere Spielsportarten gefunden werden, die den Kindern im Unterricht neben der Anstrengung auch Spielfreude vermitteln.

Darüber hinaus sollte den Kindern bewußt gemacht werden, daß es lohnt, sich in der Freizeit sportlich zu betätigen, und sie sich somit auch eine Möglichkeit schaffen, sozialen Kontakt mit anderen Sporttreibenden zu finden.

Schulsport muss vermehrt Anreize geben, auch außerhalb der Schule regelmäßig aktiv Sport zu treiben. Unterrichtssport ist kein notwendiges Übel.

Wie oft hört oder liest man, „Wir müssen die Kinder von der Straße holen“, „Keine Macht den Drogen“ oder „Wir machen Kinder stark gegen Drogen und Gewalt“, dies sind herausragende Aktivitäten der Sportvereine. Diese Anfänge müssen kontinuierlich ausgebaut und ein fester Bestandteil der gesellschaftlichen Entwicklung werden. Sport trägt dazu bei, daß das Risiko der „traditionellen“ Krankheiten wie Herzinfarkt, Gefäßverkalkungen zu mindestens reduziert werden kann.

Jeder sollte auch nur den Sport betreiben, der ihm Spaß macht und den Körper nicht übermäßig belastet, denn Sport ist nur gesund, solange er richtig und maßvoll betrieben wird. Er fördert eine sinnvolle Freizeitgestaltung und stärkt soziales Verhalten unterhalb der Sportler bzw. in der Gesellschaft.

Literaturverzeichnis:

Bohus, J. „Sportgeschichte, Gesellschaft & Sport von Mykene bis heute“ München, 1986

Grosser, M. ; Starischka, S. ; Zimmermann, E. ; Zintl, F.

„Konditionstraining, Theorie und Praxis aller Sportarten“ München, 1993

Heinemadrung in die Soziologie des Sports“ Schorndorf, 1998

Meinel, K. ; Schnabel, G.

„Bewegungslehre - Sportmotorik: Abriß einer Theorie der sportlichen Motorik unter pädagogischem Aspekt“

Berlin, 1998

Rost, R. „Sport und Gesundheit“

Berlin, Heidelberg 1994

Röthig, P. ; Größing, S.

„Kursbuch 4, Sport und Gesellschaft“ Wiesbaden, 1995

www.klinikschoensicht.de

www.netschool.de

www.sportunterricht.de

Quellenverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eidesstattliche Erklärung

Die vorliegende Arbeit wurde von mir selbständig und nur unter Verwendung der angegebenen Hilfsmittel angefertigt.

Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten oder unveröffentlichten Schriften entnommen sind, habe ich als solche gekennzeichnet.

Details

Seiten
34
Jahr
2001
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101262
Note
sehr gut
Schlagworte
Aufgaben Sports Gesundheit Sozial Freizeitverhalten

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Titel: Aufgaben des Sports für die Gesundheit, das Sozial - und Freizeitverhalten