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Jugend und Drogen

Hausarbeit 2000 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

1. EINLEITUNG:

Das Drogenproblem wird immer größer, das Angebot immer umfangreicher und dadurch immer undurchschaubarer, Politik und Gesellschaft immer hilfloser und die Konsumenten immer jünger. An dieser Stelle taucht die Frage auf, welcher ich in dieser Arbeit nachgehen möchte: Warum sind ausgerechnet Jugendliche so interessiert an Erfahrungen mit Drogen? Und warum reagiert die heutige Jugend so positiv auf das Angebot an den so genannten ´schnellen Drogen´, den synthetischen Drogen, genannt auch Designerdrogen oder Partydrogen? Legale Drogen wie Alkohol oder Zigaretten möchte ich in meiner Arbeit weitgehend außer Acht lassen .

Zur einer allgemeingültigen, altersmäßigen Angabe für die Übergangsphase ´Jugend´ - das Ende der Kindheit und der Beginn des Erwachsenseins - wurden keine Eindeutigen Angaben gemacht, häufig wurden rechtliche, soziale oder biologische Merkmale bzw. Fixpunkte herangezogen. Z.B. das Ende der Hauptschule, die Konfirmation, der Beginn der biologischen Reife, die Erreichung der Volljährigkeit, die Eheschließung, die ökonomische Unabhängigkeit und das Verlassen des Elternhauses etc.1 Aufgrund dessen möchte ich die Jugend als eine Gruppe 13 - 25-jähriger zusammenfassen.

Jugend wird häufig nur als Funktion für die Gesellschaft gesehen, als Generation, die den sozialen Wandel beschleunigt. Sie gilt als Entwicklungsphase mit spezifischen Problemen, als ein Lebensalter, das krisenhaft verläuft, für die Jugendlichen als auch für die Erwachsenen.

Jugend ist eine Phase im Lebenslauf, in der sich die meisten Vorgänge in einer Person in Veränderung befinden. „Merkmale wie Um- und Aufbruchstimmung, Wechselbad der Gefühle, Aufbegehren und Identitätssuche, Ängste, Sehnsüchte und Selbstzweifel“2 kennzeichnen sie.

„Demgegenüber zeichnet sich dieselbe Altersstufe durch Wagemut, Experimentierfreude, Protestmentalität und Tatendrang aus.“3

Allerdings fällt leider auf, „daß heute sehr viele verallgemeinernde, abwertende Begriffe zur Charakterisierung der gegenwärtigen Situation von Jugendlichen herangezogen werden. Sie werden mit Bezeichnungen wie ´Postponed Generation´ (Verschobene Generation), ´13th Generation´, ´New lost Generation´ (Neue verlorene Generation), ´Nowhere Generation´(Nirgendwo Generation) oder am häufigsten ´Generation X´ belegt.4

2. DROGEN

2.1. Haschisch

Haschisch gilt als so genannte Entspannungsdroge.

Nach dem rauchen eines Joints kann es zu Freudlosigkeit, Antriebsarmut, Müdigkeit und langer Weile kommen. Der Konsument reagiert auf Reize aus der Umwelt gleichgültig und gelassen. Außerdem kommt es zu Orientierungsstörungen und einem erhöhtem Appetit.5

2.2. Speed

„Speed ist stimulierend: Es produziert, in kleinsten Dosen, Euphorie, erlöst von Müdigkeit, unterdrückt den Appetit und reduziert das Schlafbedürfnis auf fast Null. Der Konsument fühlt sich freudig aufgeregt, ein nachgerade überwältigendes Gefühl von Wohlergehen und geistiger Klarheit beherrscht ihn.“6

2.3. Kokain

Kokain bewirkt einen relativ milden, angenehmen Rausch, für ca. 20 bis 60 Minuten wird ein Gefühl der Euphorie, besonderer Konzentration und Messerscharfen Intelligenz vermittelt, dadurch steigert sich das Selbstbewußtsein des Konsumenten. Eine weitere Wirkungen ist, daß Kokain den Appetit dämmt.7 Was hauptsächlich bei den weiblichen Konsumenten als Vorteil und weiterer Pluspunkt zählt. Außerdem hat Kokain den Ruf ein ganz besonderes Aphrodisakium zu sein.8

2.4. XTC (Ecstasy)

Es heißt „Ungerechtfertigte Unzufriedenheit, Ängste und Sorgen würden durch die Einnahme von XTC gewissermaßen ausradiert; für die gerechtfertigten Sorgen verleihe XTC seinen Konsumenten Kraft und Kreativität, um an die Lösung dieses Problems zu gehen (...) Sexuelle Hemmungen und Verspannungen, wie auch alle anderen Blockaden, an denen ein Mensch irgend leiden kann, würden sehr bald aufgehoben“.9

2.5. LSD

Ist eine Psychodroge, keine Leistungsdroge.

Sie kann zu Sinnestäuschungen, Halluzinationen, Verlust des Gefühls für Zeit und Raum sowie zu Selbst- und Fremdgefährdung führen.

Die Einnahme von LSD-Präperaten bringt lange und intensive Tripepisoden mit sich.10

2.6. Drogenpolitik

„Es ist mit Sicherheit kein Zufall, daß nach jeder Anti-

Drogen-Kampagne der Mißbrauch von Drogen zunahm, als sei die Kampagne ein werbeträger für Drogenkonsum gewesen. Die Drogenpolitik hat den unverzeilichen Fehler begangen, zwischen gefährlichen und ungefährlichen Drogen nicht zu unterscheiden, Haschisch und Heroin über einen Kamm zu scheren, als ob es kleine Kinder zu täuschen gelte. Aber Menschen und vor gersde auch Jugendliche haben ein Gespür für Unehrlichkeiten dieser Art - und fühlen sich schnell hinters Licht geführt. Hätte die Drogenpolitik seit jeher mit realen, authentischen Informationen, mit Tatsachen gearbeitet, so wären die Berater heute glaubwürdiger, die Meinung respektierter und das Drobenproblem insgesamt erheblich kleiner (...) zu jener Zeit, als die Anti- Marihuana und Anti-LSD-Kampagnen liefen, lösten Sätze wie ´Speed kills´ bestenfalls noch Gelächter aus. Und schlimmer noch: Manch ein Grass-raucher oder LSD-Schlucker wurde durch die Illegalisierung erst auf Speed aufmerksam: ´Was Vater Staat verbietet törnt immer ganz gut an´.

Reduziert man die obige Warnung auf den Klartext, so bleibt die Proposition: ´Harte Drogen sind so überwältigend, daß wir noch nicht einmal davon probieren können´. Und dieser Satz schillert jene Mischung aus Angst und Neugier, die uns sofort ergreift, wenn es um Drogen geht.“11

3. Jugend

3.1 Identitätsbildung

Bei Jugendlichen treten emotionale und kognitive Entwicklungen in ein neues Stadium. Dessen besondere Eigenschaft ist, daß der Jugendliche nun weder sich noch seine Umwelt als selbstverständlich hinnimmt. Der Jugendliche muß lernen, daß er seine Beziehungen zu anderen aber auch zu sich selbst als bewußten und teilweise auch problematischen Akt von Regulierungen jeglicher Art akzeptieren muß. Dieser Prozeß wird Identitätsbildung genannt.

Viele Jugendlichen haben das BedürfnidBewußtseinserweiternd` zu wirken.

3.2. Ablösung vom Elternhaus

Während ein Kind sich weitgehend an den Urteilen und Normen der Eltern bzw. anderer vergleichbaren Bezugspersonen orientiert und auch danach handelt, beginnt der Jugendliche einen Ablösungsprozeß von der Familie einzuleiten. Dieser Vorgang ist meist schmerzhaft und kann kaum ohne Krisen ablaufen.

Der Jugendliche beginnt in dem Stadium seiner Entwicklung, sich sehr an andere Personen, außerhalb der Familie zu binden. Z.B. Freunde, Lehrer ... Dadurch kann er sich mit einem größeren Kreis von Altersgenossen, anderen Erwachsenen und potentiellen Sexualpartnern identifizieren.12 Dieser Orientierungs- und Ablösungsprozeß ist ohne Zweifel mit einer Reihen von Dramen und seelischen Belastungen verbunden. Der Jugendliche muß Sympathieverlust fürchten und empfindet Einsamkeiten, die er vorher nicht kannte.13 In dieser Phase kommt es nicht selten vor, daß Jugendliche zu Drogen greifen, welche das Selbstwertgefühl steigern sollen und die ganzen Probleme mit ihrer Umwelt scheinbar lindern. Auf diese Weise betäubt, können sie sich in ihre eigene Welt zurückziehen und müssen sich nicht mehr mit den anderen Sorgen befassen.

3.3. Gruppenzwang

Die heutige Jugend sieht ihre Umwelt aufgrund eines sehr hohen Informationsstandes immer kritischer. Autoritäten jeder Art werden zunehmend in Frage gestellt. „Dieser nachzuweisende Geltungsverlust hat die Jugend in eine früher nie gekannte Freiheit gesetzt. Deshalb muß der Jugendliche heute mehr Energie aufwenden, um sich in der Gesellschaft orientieren und seinen Standort finden zu können (...) der Freiheitsspielraum, der durch den Abbau von Autoritäten entstanden ist, wird durch den Gruppenanpassungszwang alsbald wieder mehr oder weniger eingeschränkt.“14 Entscheidender Bezugspunkt für Jugendliche sind nun Gleichaltrige. Unter ihnen suchen sie nach Bestätigung und neuen Erfahrungen, sie sind neuer Orientierungspunkt. Hier wird Abenteuer Rivalität, Wettkampf und Erotik ausgelebt.15 Außerdem wird hier erprobt, einen eigenen Lebensstil auszuleben und mit diesem Erfolg zu haben. Dementsprechend stark sind die Jugendlichen daran interessiert, in diesen Gruppen als tatsächlich gleichberechtigt anerkannt und integriert zu sein und möglichst hohes Ansehen zu genießen. Die Normen, die dem Jugendlichen solche Anerkennung verschaffen, sind natürlich vom Charakter der jeweiligen Gruppe abhängig; in vielen Fällen aber umfaßt sie die Erwartung in irgendeiner Weise Drogen zu konsumieren. Häufig ist diese Erwartung auch als eine Art Eintrittsvoraussetzung zu einer bestimmten Gruppe anzusehen.

3.3.1. Anerkennung in der Gruppe durch Statusgüter

Der Besitz bestimmter Statusgüter ( z.B. Markenkleidung, Stereoanlage...) kann in den Jugendgruppen schnell Anerkennung verschaffen. Da aber nicht alle Jugendlichen die Möglichkeiten haben zu solchen Besitzen zu kommen versuchen sie eventuell durch das Mitbringen von Drogen eine ähnliche Anerkennung zu erlangen zumal Drogen wie z.B. Haschisch auf dem Markt recht günstig zu erhalten sind.

3.3.2. Anerkennung in der Gruppe durch dem Entsprechen von Idealvorstellungen

Während der Jugendphase erlangt der Mensch seine endgültige körperliche Reife.16 dies geht einher mit zahlreichen Veränderungen am eigenen Körper. Daraus folgt, daß der Jugendliche sich immer wieder mit einer Veränderung seines eigenen Abbildes befassen muß. Nicht selten führt dies zu einer extremen Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, zumal sich alle Jugendlichen verschieden schnell entwickeln und somit ständig verglichen wird. Hauptsächlich Mädchen neigen in dieser Phase dazu, sich Idole zum Vorbild zu nehmen. Sie wollen genauso schlank sein wie die Supermodells in den Medien und eifern diesem Ideal bis hin zur Bulemie oder Magersucht nach und sind dennoch unzufrieden mit sich selbst.

Eine Nebenwirkung von Kokain ist, Daß es den Appetit dämmt, der Hunger wird abgetötet und eine übernatürliche Euphorie und Selbstzufriedenheit entsteht, die Mädchen haben eine Möglichkeit zur Gewichtskontrolle und fühlen sich gleichzeitig gut mit sich selbst und ihrem Körper.17

3.4. Abgrenzung von der Erwachsenenwelt/Protesthaltung

Jugendliche brauchen einen Widerstand, an dem sie sich reiben können. Die Jugend hat weder Macht noch Geld, sie hat lediglich das Medium der Provokation oder selbstgefährdender Aggression.

In abgeschwächtem Maße ist dies schon die eigene so genannte ´Jugendsprache´ welche sich von der, der Erwachsenen unterscheidet. In größerem Maße wird diesem Phänomen auch die Schüler- und Studentenbewegung in den 60er Jahren zugeordnet.

Allerdings sind solche Verhaltensweisen weder klar noch dauerhaft, die Jugendlichen brauchen ständig etwas neues um zu provozieren und diese Provockationen müssen immer härter und extremer ausfallen, je toleranter die Erwachsenen darauf reagieren.18

Z.B. haben sich vor einigen Jahren die Leute nach einem Punker mit einer Stecknadel im Ohr pikiert umgedreht, sich darüber aufgeregt und somit genau so reagiert, wie dieser Jugendliche es erwartet hat. Heute sieht man sowohl Jung als auch Alt auf der Straße, gepierced an allen erdenklichen Körperteilen und kaum einer stört sich in dem Maß daran, wie es noch vor einigen Jahren der Fall gewesen wäre. Selbstverständlich, daß die Jugendlichen sich etwas neues ausdenken müssen, denn scheinbar ist es eine typische Aufgabe des Jugendalters, Grenzen und traditionelle Verhaltensweisen zu überschreiten um die gewünschte Provokation zu erreichen.

Dies kann heute durch Drogenkonsum und der damit verbundenen neuen jugendlichen Drogenkultur geschehen.

Die Erziehung durch Eltern und Lehrer will rechtliche und soziale Normen vermitteln, unter anderem auch über Drogenkonsum. Dies kann nur funktionieren, wenn die Jugendlichen ein positives Verhältnis zu solchen Autoritätspersonen haben. Jugendliche haben jedoch häufig ein gestörtes Verhältnis zu Autoritätspersonen jeglicher Art, so werden vermittelte Normen oft abgeschwächt oder aufgrund von Mißtrauen oder Protesthaltung sogar umgekehrt. Protestverhalten kann also zum Wandel von Normen führen.

Hier kann die Gefahr liegen, daß es zum Drogenmißbrauch kommt, dieses mal nicht zur Realitätsflucht, sondern zur gewünschten Entfremdung und dem demonstrativen Verstoß gegen Normen.

3.5. Unabhängigkeit

Die aufputschenden Drogen sind besonders populär für Leute, die in mehreren Jobs oder bis spät in die Nacht arbeiten, und häufig sind dies Jugendliche, denn sie nehmen zusätzlich zur Ausbildung oder Schule noch weitere Nebenjobs an um ihre Freizeit möglichst unabhängig von der finanziellen Unterstützung der Eltern planen zu können und um sich Dinge leisten zu können die mit einem normalen Azubigehalt oder Taschengeld nicht möglich wären. Anfangs werden die Drogen genommen um die Leistungsfähigkeit zu verbessern, und länger arbeiten zu können ohne Müdigkeitserscheinungen zu bekommen. Dies ist eine sehr starke Motivation in den heutigen ökonomisch schwierigen Zeiten.

Da die Extraarbeit die Menschen für ihre Freizeit nach der Arbeit zu müde macht, nehmen viele oft auch danach noch Drogen wie z.B. Kokain um genügend Energie zu entwickeln, sich zu vergnügen.

Die Wendeltreppe weist abwärts, denn wenn die Drogen in jemandes Leben so integriert werden, entwickelt sich schnell unbemerkt der Weg in den Mißbrauch, der Konsument beginnt schnell zu glauben, daß er nur noch mit der Droge funktioniert.19

3.6. Arbeitslosigkeit

Die Jugendlichen heute leben in einer Gegenwart, die sich so rasend wie nie weiterentwickelt, Arbeit, Ausbildung und die Struktur des Alltags wird mitbestimmt durch immer neue Technologien und Weiterentwicklungen. Dadurch entsteht zwangsläufig ein Gefühl der Verunsicherung. Jugendliche sehen einer Zukunft entgegen, welche weitgehend düster und vor allem unberechenbar ist. Spielregeln verändern sich laufend. In Folge dessen sind die Jugendlichen gezwungen, sich an eine permanent wandelnde, kriesengeschüttelte Welt anzupassen. Diese ist geprägt durch Informations- und Computertechnologien und zugleich durch eine instabile globale Ökonomie.20

Angesichts der Massenarbeitslosigkeit zeigt sich, daß Ausbildung in der heutigen Gesellschaft auch Selektion bedeutet. Nicht alle können in der Ausbildung erfolgreich sein, denn gute Leistungen gewinnen ihre Bedeutung letztlich nur im Vergleich mit weniger guten Leistungen. Es handelt sich also schon bei der Ausbildung um einen Wettbewerb, aus dem auch Verlierer hervor gehe. Es bleibt die Unsicherheit, ob das angestrebte Ziel erreicht werden kann, dies schafft emotionalen Streß.

Kommt es tatsächlich zu einem Versagen, kann zu diesem emotionalem Streß auch noch ein Konflikt mit den Eltern entstehen, welcher zu einer Distanz zwischen Jugendlichem und seinen Eltern führen kann, was wieder zusätzlich Streß mit sich bringt.

Drogen können als Mittel individueller Entspannung oder auch Flucht vor unangenehmen Gefühlen wie Streß, dienen. Entspannung durch Drogen zu suchen kann eine naheliegende Reaktion sein, die nicht immer unproduktiv sein muß. Nicht immer lassen sich alle Probleme sofort lösen, und ein gelegentlicher Spannungsabbau durch Drogen (in diesem Fall bevorzugt Alkohol) ist unter Erwachsenen durchaus ein akzeptiertes Verhalten.

Aber emotionale Spannungen sind bei Jugendlichen besonders häufig. Darüber hinaus haben Jugendliche noch wenig Erfahrungen im Umgang mit Rauschmitteln. So besteht die Gefahr, daß der Drogenkonsum zur Entspannung zu einem Dauerhaften Verhalten wird, das zur Abhängigkeit führt.

3.7. Freizeit

Früher war die Arbeit oft Lebensinhalt und Quelle persönlichen Glücks. Diese Einstellung hat jedoch für die meisten Jugendlichen seine Überzeugungskraft und Verbindlichkeit verloren. Darum wird die Frage nach den Formen des Glücks und der Daseinserfüllung immer häufiger auf die Freizeit bezogen. Die Industriegesellschaft schafft es heute nicht, für die Jugend eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu finden.

In der Freizeit, wenn Arbeitsdruck und Leistungszwang zeitweilig nachlassen, tritt bei einem Teil der Jugendlichen das Gefühl der Sinnlosigkeit auf.21

Aus dieser Resignation heraus neigen viele Jugendliche dazu, Dinge auszuprobieren, die ihnen als schädlich bekannt sind bzw. die ihnen einen eventuellen neuen Lebensreiz versprechen und greifen zu Drogen.

3.8. Sexualität

„Jugendliche sehen gesellschaftliche Normen nicht mehr automatisch als verpflichtend an, weshalb als logische Konsequenz auch eine größere Unbefangenheit gegenüber der Sexualität zu erkennen ist.

Ein wachsender Teil der Jugend wehrt sich gar nicht mehr gegen die traditionellen Tabus, sondern ignoriert sie einfach.22

Dadurch erweitert sich automatisch das Spektrum sexueller Möglichkeiten. Nun müssen sich die Jugendlichen von heute aber auch mit den Problemen auseinandersetzen, mit denen sich auch die Jugend vorhergehender Generationen auseinandersetzen mußten.

Sexualität war für Jugendliche schon immer ein äußerst brisantes Thema, da die eigene Sexualität zu diesem Zeitpunkt entdeckt wird, ist der Jugendliche häufig unzufrieden oder unsicher bezüglich seiner eigenen ´Normalität´, möchte sich aber dennoch mit Altersgleichen austauschen .Heute muß sich der Jugendliche sofort allen erdenklichen Sexualmöglichkeiten gegenüber tolerant zeigen, da dies in einem gewissem Maße von der Jugend erwartet wird. Dieser Kontrast hat oft erhebliche Unsicherheit zur Folge. Die normalen Versagängste bei einem Jungen und die normalen Ängste und Unsicherheiten bei einem Mädchen scheinen plötzlich nicht mehr ernst genug zu sein, sie wirken geradezu lächerlich, im Vergleich damit, was schon allein in den Medien an sexuelle Problemen und Perversionen gezeigt und verharmlost wird.

Was liegt für einen solchen verunsicherten Jugendlichen näher, als eine Droge wie Kokain auszuprobieren, wenn er folgendes davon gehört hat:

„Kokain steht in dem Ruf ein ganz besonderes Aphrodisakium zu sein, seine Mythologie ist reich an sexuellen Superlativen; es wird sogar die `Sexdroge` genannt. Man glaubt, daß es sexuelle Begierden weckt oder verstärkt, daß dadurch Impotenz und Frigidität geheilt werden können, daß es die sexuelle Ausdauer erhöht und die Erektion des Mannes verlängern kann“23

4. Der Technokult

Die Technoszene hat stilbildende Innovationen in Musik, Mode und Design hervorgebracht, an denen zahlreiche Jugendliche partizipieren. An erster Stelle steht für den Jugendliche immer noch die Musik, gefolgt von der Mode.24 Durch das Zusammenspiel solcher Einflüsse entsteht letztendlich eine neue Kultur, die so genannte Club Culture.

„Club culture meint jugendliche Szenen, die in Tanz-Clubs, sowie in deren Ablegern der 80er- Den Raves- einen funktionierenden sozialen Mittelpunkt gefunden haben. Club Cultures sind eng mit einem spezifischem Ort verbunden, in dem sowohl ständig neue Sounds und Stile entstehen, als auch regelmäßig Höhepunkte und Exzesse der Jugendkultur gefeiert werden.“25

In diesem Umfeld werden Mode, Tempo und Bewegung vereinigt. Im Zuge der immer schnelllebiger werdenden Zeit hat sich auch die Organisationsstrucktur von Jugendveranstaltungen entwickelt. Entstanden sind die so genannten Raves. Eine Rave ist eine Musikveranstaltung an Orten, an denen normalerweise kein Musikveranstaltungen stattfinden. Z.B in legal gemieteten oder illegal besetzten Hallen, Rohbauten oder Kellern, aber auch unter freiem Himmel z.b im Wald, in Steinbrüchen. auf Wiesen... Eine solche Rave kann über ein ganzes Wochenende gehen, im Mittelpunkt steht die Präsentation eines bestimmtem Musikprogrammes durch mehrere DJ´s.

Sie wählen nicht nur geeignete Tonträger aus, sondern manipulieren das musikalische Material mit technischen Hilfsmitteln, nach ihren klangästhetischen Vorstellungen. „Die Raves scheinen spontan organisiert zu sein, doch tatsächlich stützt sie sich auf eine sorgfältig gepflegte, netzartige Informationsstruktur (...) Hauptkommunikationsmittel sind Handys, denn sie sind von der Polizei nicht zu orten, wenn sie versuchen, den Veranstaltungsort des gerade vorbereitetem Raves auszumachen.

Es ist eine Art Spiel, das mit Geschwindigkeit zu tun hat und mit dem Auftauchen bzw Verschwinden von großen Menschenmengen, die sich treffen und sofort danach wieder auseinander gehen“26

Dadurch wird automatisch die Überwachung durch Medien und Polizei übergangen, Razzien können nicht organisiert werden und mitgebrachte Drogen, nicht in diesem maße eingezogen werden, wie es bei einer angekündigten, langfristig bekannten Veranstaltung der Fall wäre.

Beruhigend ist einzig und allein, daß bei solchen Veranstaltungen nicht viel Alkohol getrunken wird und die eingenommenen Drogen meist nicht zu Aggressionen führen, so daß es seltenst zu gewalttätigen Übergriffen kommt. Liebe, Spaß und gemeinsames feiern wird in diesen Kreisen sehr hoch geschrieben.

Ein Beispiel dafür ist, daß die mittlerweile schon legal und langfristig organisierte ´Loveparade´ jedes Jahr unter einem friedlichen Motto wie z.B. ´let the sunshine in your heart´ steht.

Problematisch ist allerdings, daß die bevorzugten Drogen wie Extasy oder Speed bei solchen, langwierigen Veranstaltungen schon beinahe ein ´Muß´ sind, da die Anwesenden sich einem gnadenlosen Entweder-Oder stellen müssen: Entweder abfahren oder in der Ecke stehen. Da entscheidet sich ein Großteil der Partygäste eben für grenzenloses Durchhaltevermögen, schmeißt eine Pille ein, zieht etwas Speed und tanzt über zwei Tage und Nächte hinweg.

Die Bedrohung heißt Alltag, und der möchte jeder so lange wie möglich ausweichen.27

5. Ende:

Die Jugend der Gegenwart ist jene Generation der Weltgeschichte, die die bislang beste Ausbildung vorzuweisen hat. Es ist die technisch versierteste, vielseitigste und multikulturellste Generation überhaupt. (Vor diesem Hintergrund erscheinen die Verallgemeinerungen über den besorgniserregenden Zustand der Jugend zumindest fragwürdig)(jugendkultur S. 71).

Die allgemeine Stimmung zeichnet sich durch Verunsicherung, Vieldeutigkeit und Pessimismus aus. Die Jugendlichen heute sind die erste Generation, die die Grundstimmung der ihnen zugeordneten Theorien tatsächlich ausleben: Chaos, Unbestimmtheit, Simulation und Hyperrealität sind nicht nur Begriffe, denen Jugendliche in Seminaren begegnen. Diese Kräfte bestimmen die Struktur ihrer Erfahrungen und sind außerdem noch geprägt von Unternehmensschrumpfungen, schwindenden Berufsaussichten, ökonomischer Rezession, einem gigantischen Informations- und Medienangebot, den Bedingungen einer, von Computern geleiteten Gesellschaft, Verbrechen, Gewalt, Identitätskrisen und einer unberechenbaren Zukunft.

Der Gebrauch von schnellen Drogen wie XTC, Kokain oder Speed vermag es unter Umständen manchem Jugendlichen leichter zu machen sich in diese schnelle Welt zu integrieren und ihn in die Lage zu versetzen, sich in einer immer rascher verändernden Umwelt zurecht zu finden und so die eigene Zukunft, Kultur und soziale Welt mit zu gestalten. Sind es vielleicht diese teilweise teuren Drogen mit ihren flüchtigen, kurzlebigen, oberflächlichen Rauschzuständen, die sie bei der Jugend heute so beliebt machen? „Vielleicht braucht eine flüchtige, kurzlebige, oberflächliche Zeit ein Medikament, ein Betäubungsmittel, das die Schnelligkeit, Kurzlebigkeit und Oberflächlichkeit erträglich macht.“28 Schade, daß solche Mittel für einige Menschen nötig sind, darum sollte man immer bedenken unter welchen Umständen ein Mensch zu Drogen greift, bevor man zu schnell und leichtfertig über ihn urteilt.

In meiner Arbeit denke ich, verschiedenartigste Motivationen dargelegt zu haben, die den Griff zur Droge bei Jugendlichen natürlich nicht rechtfertigen, ihn aber wenigstens erklären. Angefangen von Unsicherheiten, Persönlichkeitsmängeln, Beeinflußbarkeit und dem Bedürfnis nach Anerkennung über die Verwendung nur so zum Spaß, bis hin zum Drogenkonsum um mit der immer schnellebigeren Zeit Schritt halten und sie verarbeiten zu können.

Einen Allgemeingültigen Lösungsvorschlag zu machen ist aufgrund der vielfältigen Motivationsmotiven kaum möglich, meine Hoffnung ist nur, daß es diese und auch weitere Generationen von Jugendlichen, nicht noch zusätzlich zu den normalen pubertären Problemen von einigen Erwachsenen Steine in den Weg gelegt bekommen. Außerdem ist es meiner Meinung nach wichtig, die Vertrauenswürdigkeit von Drogenberatern wieder aufzubauen und für Jugendliche mehr Anlaufstellen einzurichten in welche sie sich flüchten können, wenn ihnen ihre ganze Umwelt Zuhause, im Job oder in der Schule über den Kopf wächst und wo sie fachliche Beratung kostenlos erhalten können.

Am wichtigsten fände ich es allerdings, wenn man es Gesellschaftspolitisch schaffen könnte die Zukunftsaussichten für Jugendliche so zu gestalten, daß sie die Jugend motiviert nicht mehr den Standpunkt des schnellen und kurzem rauschartigen Lebensstils zu vertreten und zu leben.

[...]


1 vgl. Korte/Schäfer 1993 S. 13

2 Kluge 1998 S. 13

3 Kluge, 1998, S. 13

4 Bollmann, 1997, S. 72 bzw. Kellner, Douglas, „Jugend im Abenteuer Postmoderne“, „jugendkultur, Stile, Szenen und Identitäten vor der jahrtausendwende“, Bollmann, S. 70-78.

5 Fachlexikon der sozialen Arbeit, 1997, S.230f

6 Sahihi, 1989, S. 82

7 vgl. Shihi, 1989, S. 37

8 vgl Stone, Fromme, Kagan, 1990, S. 44

9 Sahihi, 1989 S. 85

10 vgl Fachlexikon der sozialen Arbeit, 1997, S. 228f

11 Sahihi, 1989, S. 13, 28, 72

12 vgl Richter, 1979, S. 12ff bzw. Baacke, Dieter, „Krisen und Probleme des Jugendalters, Erfahrungen mit Jugendlichen heute“, „Die überflüssige Generation“, Richter, von S. 10-33.

13 vgl Wehlinger, 1973, S. 150

14 Whlinger, 1973, S. 150

15 vgl Richter, 1979, S. 14 bzw. Baacke, Dieter, „Krisen und Probleme des Jugendalters, Erfahrungen mit Jugendlichen heute“, „Die überflüssige Ggeneration“, Richter, von S. 10-33.

16 vgl Kluge, 1998, S. 13f

17 vgl Stone, Fromme, Kagan, 1990, S. 46f

18 vgl. Richter, 1979 S. 30f bzw. Baacke, Dieter, „Krisen und Probleme des Jugendalters, Erfahrungen mit Jugendlichen heute“, „Die überflüssige Generation“, Richter, S.10-33.

19 vgl Stone, Fromme, Kagan, 1990, S. 43f

20 vgl. Bollmann, 1997, S. 70 bzw. SPoKK, „Fast Forward“, „Jugend Kultur, Stile, Szenen und identitäten vor der Jahrtausendwende“, S. 10-12.

21 vgl. Wehling, 1973, S. 151f

22 vgl. Wehling, 1973, S. 152

23 Stone, Fromme, Kagan, 1990, S. 44

24 vgl. Bollmann, 1997, S. 12 bzw. Meuler, Christiph, „Pop und Bricolage - einmal Untergrund und zurück: Kleine Bewegungslehre der Popmusik“, „Jugend Kultur, Stile, Szenen und Identitäten vor der Jahrtausendwende“, S.32- 39

25 Bollmann, 1997, S. 16

26 e.b.d.

27 vgl. Bollmann, 1997, S. 33

28 Sahihi, 1989, S. 36

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Seiten
19
Jahr
2000
Dateigröße
358 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101265
Note
1,4
Schlagworte
Jugend Drogen

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