Lade Inhalt...

Alkohol - Gefahr für den Körper

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 7 Seiten

Chemie - Lebensmittelchemie

Leseprobe

1. Wirkungen des Alkohols:

Das Ethanol verteilt sich im gesamten Körperwasser. Somit beträgt das Verteilungsvolumen für Männer ca. 68% des Körpergewichtes und für Frauen ca. 55% des Körpergewichtes. Äthanol bewirkt eine verstärkte Magen-Darm-Durchblutung und eine vermehrte Sekretion von Salzsäure und Verdauungsenzymen. Diese Wirkung nutzt man einerseits als Magenbitter bei fetter, schwerverdaulicher Nahrung und zum anderen als Aperitif, der einem das Gefühl des "leeren Magens" gibt und zu einer größeren Restaurantbestellung führt.

Bei Herz- und Kreislauf wird die periphere Durchblutung angeregt, dadurch ist die Haut gerötet und warm, was als positive Wirkung empfunden wird, wenn man friert, allerdings wird durch die vermehrte Hautdurchblutung natürlich auch vermehrt Wärme abgegeben. Dies führt bei einem betrunkenen Alkoholiker im Winter zur vermehrten Gefahr des Erfrierens. Die chronische Gefäßerweiterung kann an den Akren (Nase, Finger, Zehen) zu einer dauerhaften Aussackung der Gefäße führen und so z.B. zur bekannten Schnapsnase. In den Atemwegen kommt es zu einer Verstärkung der Atmung. Dies zeigt sich zum einen im vermehrten Japsen der Betrunkenen und zu lautem Schnarchen in betrunkenem Schlaf. Im praefinalen Stadium der Alkoholvergiftung setzt allerdings eine zentrale Atemlähmung ein. In der Niere fördert der Alkohol zum einen den Grundumsatz der Nierentubuli und zum anderen selektiv die Nierendurchblutung, dies führt zu einer verstärkten Diurese (Harnbildung), was den verstärkten Harndrang erklärt. Trotz dieser Nieren anregenden Wirkung ist die Bierempfehlung beim Nierensteinpatienten unter dem Aspekt des Alkoholismus nicht unumstritten. Beim Mann kommt es durch den Alkohol zu einer Steigerung der Libido (sexuelles Verlangen), aber zu einer verminderten Errektionsfähigkeit. In der Leber kommt es durch die Entgiftungsfunktion zum Teil zur Überlastung des Leberstoffwechsels und durch die hohe Alkoholkonzentration auch zur toxischen Zellschädigung. Dies führt anfangs zur Leberzellverfettung, später dann zur Fettleber-Hepatitis und in der Folge durch Zerstörung der Läppchenstruktur der Leber zur Leberzirrhose. Die Folgen der Leberzirrhose bestehen dann im Ausfall der Leber als wichtigste Körperdrüse, und zwar sowohl für die Blutbildung (Transportproteine, Gerinnungsfaktoren, Energiestoffwechsel) und für die Verdauung (Gallensäuren) und Ausscheidung von Giftstoffen. Aufgrund dieses Ausfalles kommt es zur Ascites (Bauchwassersucht) und zur langsamen Vergiftung des Körpers mit Stoffwechselschrott bis hin zum Leberkoma. Am Magen-Darm-Trakt kommt es durch die dauerhafte Alkoholwirkung zu chronischen Entzündungen (Gastritis und Enteritis), was wiederum die normale Nahrungsverwertung einschränkt. Der wichtigste Angriffspunkt ist das zentrale Nervensystem. Im ZNS kommt es je nach Alkoholdosis zu verschiedenen Wirkungen. In geringen Dosen werden eher hemmende Zentren des ZNS gehemmt, dadurch kommt es zur psychischen Auflockerung, zur Fröhlichkeit, Redseligkeit und auch zur Selbstüberschätzung. Diese Wirkungen, die schon bei geringen Alkoholdosen auftreten, sind ja manchmal ganz nett, aber unter dem Aspekt einer psychischen Krankheit oder des Straßenverkehrs schon gefährlich. Körperlich sichtbare Folgen dieser "Enthemmung" sind auch schon erste Gangstörungen bei 0,3 o/oo oder eine Einschränkung des Gesichtsfeldes bei 0,4 o/oo. In höheren Alkoholdosen kommt es zur Hemmung von erregenden Zentren des ZNS, wodurch es zu Koordinationsstörungen, Sprachstörungen, zur Verlängerung der Reaktionszeit, zu Störungen in der optischen und akustischen Wahrnehmung (Rausch) kommt. In diesem Rauschzustand sinkt die Muskelleistung und man findet eine fatale Diskrepanz zwischen der eigenen Einschätzung der Leistungsfähigkeit und der Realität. Bei 1,4 o/oo liegt ein kräftiger Rauschzustand vor, bei 2,0 o/oo ist das Bewußtsein stark eingetrübt und hier fehlt dann auch meist das Erinnerungsvermögen. Bei 4,0 bis 5,0 o/oo liegt die tödliche Grenzkonzentration, die beim "normalen Menschen" über die Atemdepression und das Koma zum Tode führt. Der "trainierte" Alkoholiker kann durch die Gewöhnung des ZNS sehr viel höhere Promillewerte vertragen, wobei das Gehirn den hohen Alkoholwert scheinbar nicht wahrnimmt, aber die anderen Organe wie Leber, Nieren und Gefäße natürlich erheblich vergiftet werden. Das Gehirn gewöhnt sich an die dauerhafte Blockade der erregenden Zentren, so daß der Alkoholkranke im nüchternen Zustand häufig über Koordinationsstörungen (Zittern), Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein, Konzentrationsstörungen oder Schlaflosigkeit leidet.

2. Resorption des Alkohols:

Alkohol wird im gesamten Magen-Darm-Trakt, beginnend von der Mundschleimhaut, sehr gut resorbiert (aufgenommen), wobei über die Mundschleimhaut am schnellsten hohe Blutwerte erreicht werden, da der Alkohol hier die Leber umgeht. Die Alkoholresorption wird durch warmen Alkohol (Glühwein, Punsch, Grog, Irisch Coffea etc.), durch Zuckerzusatz (Likör, Bowle) und durch Kohlensäure (Sekt) wegen der verstärkten Magen-Darm-Durchblutung beschleunigt. Dem hingegen vermindern Nahrungsaufnahme, besonders Fette und Proteine, die Geschwindigkeit der Alkoholresorption, wobei die endgültige Aufnahme die gleiche bleibt, nur sie geschieht langsamer. Der Alkohol wird nach seiner Resorption über das Fortaderblut zur Leber transportiert und dort verstoffwechselt. In der Leber wird der Alkohol durch das Enzym Alkoholdehydrogenase zu Acetaldehyd abgebaut (CH3-CHO). Diesen Acetaldehyd kennen alle Trinker, denn er ist der Stoff, der den Kater macht. Acetaldehyd wird dann durch die Acetaldehyddehydrogenase weiter abgebaut zu Acetat (CH3-COOH) bzw. Essigsäure. Die Essigsäure wird dann im ganzen Körper dem Energiestoffwechsel zugeführt und über den Zitratzyklus und die Atmungskette zu Kohlendioxyd (CO2) und Wasser oxidiert. Hierbei entsteht Energie (ATP). Falls sich der Körper keinen ATP-Bedarf hat, kann die Essigsäure auch in die Lipogenese eingeschleust werden bzw. als Fett gelagert werden. In der Bundesrepublik decken Personen über 15 Jahre im Durchschnitt 8% ihrer gesamten Energiezufuhr durch alkoholische Getränke. Der Alkoholabbau durch die Alkoholhydrogenase ist mengenmäßig durch die Anzahl der vorhandenen Enzyme begrenzt, und zwar wird pro 10 kg Körpergewicht in einer Stunde 1 g Alkohol abgebaut. Die Enzymdichte der Alkoholdehydrogenase kann auch durch fortgesetztes "Training" nicht erhöht werden, so daß die Gewöhnung des Alkoholikers an große Alkoholdosen eine reine Gewöhnung des zentralen Nervensystems ist. Das bedeutet, der Alkoholiker, der zehnmal soviel trinken kann, hat auch die zehnfache Giftdosis im Körper. Die als Zusatzstoffe schon erwähnten Fuselöle werden übrigens auch über die Alkoholdehydrogenase abgebaut und verlangsamen somit die Alkoholentgiftung. Der Acetaldehydabbau (Katerstoff) wird übrigens durch Zucker gehemmt, wodurch der Kater durch Bowle oder ähnliche Getränke verstärkt wird. Ca. 5% des aufgenommenen Alkohols werden über Urin, Schweiß und Ausatemluft ausgeschieden. Die gleichbleibende Abbaurate des Alkohols durch die Leberenzyme ist übrigens die Grundlage für die Promilleberechnung durch die Polizei zur Feststellung der Alkoholkonzentration bei Unfällen.

3. Stadien der Alkoholwirkung

1. Stadium wohliger Enthemmung ( weniger als 1,0 Promille; bis 50 ml Alkohol )

Wärmegefühl

Zwanglosigkeit

Fröhlichkeit

Rededrang

gesteigertes Selbstwertgefühl

Selbstüberschätzung

Verlangsamung der Reaktionen und Bewegungsabläufe

2. Rauschstadium ( 1,0-2,0 Promille; 50-100 ml Alkohol )

Gleichgewichtsstörungen

Störungen der Bewegungsabläufe

Sprachstörungen

Enthemmung

Verlust der Selbstkontrolle

3. Betäubungsstadium ( 2,0-3,0 Promille; 100-200 ml Alkohol )

Vollrausch

Verwirrtheit

Gedächtnisstörungen

Bewußtseinstrübung

Erbrechen

Ermüdung

Muskelerschlaffung

Atmungsschwierigkeiten

4. Lähmungsstadium ( 3,0-5,0 Promille; mehr als 200 ml Alkohol )

tiefe Lähmung

flache Atmung Unterkühlung

übergehend in Koma mit Reflexlosigkeit

5. bei weiterem Fortschreiten tritt Atemlähmung ein

4. Abhängigkeit

Alkohol macht bei Dauerkonsum seelisch und körperlich abhängig. Bei Jugendlichen geschieht dies sehr rasch, da sich ihr Körper noch im Wachstum befindet. Es wurde wissenschaftlich bewiesen, dass je jünger der Trinker ist, desto schneller kann er der Alkoholsucht verfallen. Beim Absetzen der Droge treten Entzugserscheinungen auf, die sich nach dem Grad der Abhängigkeit richten: Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Zittern, Schweissausbrüche, Angst und Verwirrtheit.

Es wird zwischen 5 Typen Trinker unterschieden:

Der Normaltrinker, dazu zählen die sogenanten Erleichterungstrinker. Sie trinken Alkohol wenn sie mit Problemen nicht fertig werden und um Sorgen hinunterzuspülen. Körperlich sind sie jedoch vom Alkohol nicht Abhängig. Die Gelegenheitstrinker trinken ein paar Gläschen, weil es die andern auch tun. Sie trinken häufig Alkohol und dies in grossen Mengen. Das unter Umständen zu organischen Schäden führen kann. Sie sind aber weder körperlich noch seelisch abhängig. Die Gewohnheitstrinker dagegen sind vom Alkohol abhängig. Sie trinken immer nur so viel, dass sie sich gut fühlen. Trinken sie aber einmal nicht, so bekommen sie Entzugserscheinungen wie Händezittern, allgemeine körperliche Unruhe und Depressionen treten auf. Der süchtige Alkoholiker hat keine Selbstkontrolle mehr. Er nimmt sich fest vor, nur ein Glas trinken und säuft dann buchstäblich bis zum Umfallen. Der Süchtige ist vollkommen vom Alkohol abhängig und ein schwerkranker Mensch. Dir fünfte Gruppe schliesslich sind Quartalstrinker. Sie leben lange Zeit, manchmal bis mehrere Monate vollkommen ohne Alkohol. Dann verlieren sie aber plötzlich die Kontrolle über ihr Trinkverhalten, was sich manchmal schon über Tage vorher durch Reizbarkeit und auffällige Unruhe ankündigt. Dann trinken sie Alkohol in Riesenmengen und leben oft tagelang im Rausch, bis wieder eine trockene Periode eintritt.

5. Schädigungsbereiche im menschlichen Körper

1.leichte Herzschäden
2.schwere Leberschäden (Fettleber, Leberverhärtung und Leberschrumpfung)
3.Schädigung der Bauchspeicheldrüse
4.Arterienverkalkung
5.Gelenkschäden
6.bleibende Gehirnschäden
7.Magenschleimhautentzündung
8.Nierenschrumpfen
9.Impotenz
10.Zittern der Hände
11.Nervenentzündungen

Alkoholfolgeerkrankungen:

Alkohol, in größeren Mengen genossen, kann fast alle Organsysteme schädigen. Dennoch muß ausdrücklich betont werden, daß nur ein kleiner Prozentsatz der Alkoholiker von solchen Schädigungen betroffen wird. Man kann also - und das ist sehr wichtig zu wissen - durchaus als alkoholkrank angesehen werden, wenn man keine der nachstehend beschriebenen Erkrankungen aufweist.

Die wichtigsten Folgeerkrankungen sind:

Schädigungen der Leber:

Da der Abbau des Alkohols immer in der Leber geschieht, gilt diese damit als Hauptangriffspunkt des Alkohols. Schon geringe Mengen können Veränderungen im Zellaufbau der Leber verursachen, die sich aber wieder zurückbilden. Bei einem Genuß von mehr als 60 g Alkohol täglich (ca. 2 l Bier oder 3/4 l Wein oder 5 große Schnäpse) ist mit schweren Schäden zu rechnen.

Die Leberschädigungen zeigen sich zunächst meist in der Verfettung der Leberzellen (Fettleber), bei gleichzeitiger Vergrößerung des Organs. Infolge der Verfettung nimmt dann die Funktionsfähgikeit der Leber ab, die für den Körper absolut lebenswichtig ist. Bei rechtzeitiger Diagnosestellung und Alkoholabstinenz ist eine Rückbildung der Leberverfettung zu erwaren.

Wesentlich schwerer wiegt die Schädigung bei der alkoholisch bedingten Leberentzündung (Hepatitis).

Dabei kommt es zu entzündlichen Veränderungen am Lebergewebe. Die Hepatitis geht vielfach einer mit Krankheitserscheinungen wie Verdauungsstörungen und Gelbsucht. Sie ist besonders deswegen gefährlich, weil sie zur Leberschrumpfung (Zirrhose) führen kann. Bei dieser Krankheit, die chronisch über Jahre verläuft und auch bei ständiger Abstinenz weiter fortschreiten kann, wird das Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt, das die Funktion des Organs nicht zu erfüllen vermag. Im späteren Verlauf der Zirrhose kommt es u.a. zu Bauchwassersucht (Ascites) und Ausweitung der Blutgefäße an der Speiseröhre (Oesophagus-Varizen), die zu lebensgefährlichen Blutungen führen können.

Magenschleimhautentzündung (Gastritis):

Durch langandauernden Konsum von besonders hochprozentigem Alkohol kann es zu einer Schädigung der Magenschleimhaut, der Gastritis, kommen. Diese äußert sich in Übelkeit, Magenschmerzen und Erbrechen. Die Gastritis kann sogar zu Magenblutungen mit Bluterbrechen führen. Eine weitere Folge der Gastritis ist auch häufig die verminderte Bildung des Intrinsic-Faktors und die dadurch schlechte Resorption von Vitamin B 12, was als Folgeerkrankung zur pernitiösen Anämie mit Müdigkeit, Schlappheit, Konzentrationsstörungen, Blässe, rotlackierter Zunge, wachsgelber Haut, Parästhesien (Ameisenlaufen) und anderen neurologischen Ausfällen führt.

Speiseröhre: Bei einer schweren Leberentzündung steigt der Druck in den Adern des Verdauungstraktes. Die Blutgefässe, die sich dort befinden, wo die Speiseröhre in den Magen mündet, erweitern sich und werden dünnwandig. Es kommt dann leicht zu Blutungen, die sehr stark sein können.

Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis):

Etwa ein Viertel bis die Hälfte aller an dieser Krankheit leidenden Menschen sind Alkoholkranke.

Pankreatitis entsteht durch die Entzündung der Drüsengänge und der spezifischen Zellen. Sie äußert sich in sehr heftigen Oberbauchschmerzen, die mit Verdauungsstörungen und Durchfällen verbunden sind. Bei der Pankreatitis kann sowohl der exokrine Teil betroffen sein, was zu massiven Verdauungsstörungen führt, als auch der endokrine Teil, was zum Diabetes mellitus führen kann.

Herzmuskelerkrankungen:

Eine Herzmuskelschädiung drückt sich in Herzklopfen, Atemnot sowie Schwellungen vorwiegend in den Beinen als Folgen der Rechtsherzinsuffizienz aus. Die Ödemneigung des Patienten wird zudem natürlich durch den Mangel an Plasmaproteinen (Leberzirrhose) verstärkt.

Nervenentzündung (Polyneuritis / Polyneuropathie):

Einige Alkoholkranke sind von dieser Krankheit befallen. Die Polyneuropathie ist eine Funktionsstörung peripherer Nerven, wobei zunächst die sensiblen Anteile mehrerer Nerven gereizt sind. Dies zeigt sich in Taubheitsgefühl und schmerzhaften Mißempfindungen an den Gliedmaßen, wobei die Beine besonders betroffen sind. später können noch Lähmungen der Muskulatur hinzukommen, so daß das Geh- und Stehvermögen schwer gestört wird. Die nervlichen Degenerationserscheinungen können sowohl direkt durch den Alkohol bedingt sein als auch durch den alkoholabhängigen Mangel an Vitamin B1, B2, B6 und B12.

Alkohol-Epilepsie:

Bei einigen Kranken entwickelt sich im Laufe der Jahre ein Krampfleiden. Nach Entzug des Alkohols kommt es in Begleitung der Entzugserscheinungen zu Krampfanfällen unterschiedlicher Art, vom kleinsten "Wie-abwesend-wirken" (Absencen) über kleine Anfälle (Petit mal) bis hin zum großen Krampfanfall (Grand mal), in dessen Verlauf der Kranke zu Boden fällt und heftige Zuckungen, manchmal verbunden mit Zungenbiß, Einnässen und Einkoten, aufweist. Wird kein Alkohol mehr getrunken, treten diese Anfälle in der Regel nicht mehr auf.

Hirnschädigungen:

Die Folgen der Hirnschädigung sind oft erst relativ spät zu erkennen. Alkoholiker bekommen z.B. im Gegensatz zu vielen Nichtalkoholikern viel häufiger eine Hirnschrumpfung, d.h. Hirnsubstanzverlust des Groß- als auch des Kleinhirns mit Schrumpfung und Entartung von Nervenzellen, die Muskelkrämpfe, Muskelschwäche und Gangunsicherheiten verursachen, erleiden. In selteneren Fällen, besonders nach Alkoholdelir und bei unzureichender vitaminarmer Ernährung, können die Störungen des Gedächtnisses und der Orientierung sehr erheblich sein und jahrelang bestehen bleiben. Die Kranken verkennen dann ihre derzeitige Umgebung und leben in einer anderen Welt, die sich meist auf Situationen aus früheren Phasen ihres Lebens bezieht. Als Korsakow-Syndrom ist dieses Krankheitsbild bekannt. Da diese Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbst zu besorgen, müssen sie häufig in Pflegeheimen oder psychiatrischen Anstalten betreut werden.

Lunge: Chronische Bronchitis und Lungenentzündung sind unter Trinkern üblich. Auch Tuberkulose ist eine häufige Komplikation, die man auf schlechte Ernährung und auf erhöhte Anfälligkeit für Lungeninfektionen zurückführt. Eine Studie ergab, dass mindestens 50 % aller Tuberkulosekranken Alkoholiker waren.

6. Alkohol in der Schwangerschaft

Alkohol ist die häufigste bekannte Substanz, die Fehlbildungen in der Schwangerschaft verursacht. Vor 20 Jahren wurde erstmals vermutet, daß Alkoholismus in der Schwangerschaft zu einer spezifischen Kombination von Fehlbildungen, dem sogenannten "fetalen Alkoholsyndrom", führen kann. Die betroffenen Kinder sind sowohl körperlich als auch geistig-intellektuell und in ihrer sozialen Reifung beeinträchtigt. In Deutschland werden jährlich etwa 2000 Kinder mit dieser Kombination von Fehlbildungen geboren, nicht gerechnet die gering ausgeprägten Formen einer Alkoholschädigung, die sich z.B. nur als Konzentrationsstörungen bemerkbar machen.

-Wie wirkt sich Alkohol schädigend auf das Kind aus?

Alkohol (genauer gesagt: Ethanol bzw. Ehylalkohol) wird nach dem Trinken rasch aus Magen und Darm ins Blut aufgenommen.

Maximale Konzentrationen werden im Blut 1-2 Stunden nach dem Trinken erreicht.

Zu 90% wird Äthanol in der Leber verstoffwechselt, wobei als Stoffwechselprodukt unter anderem Acetaldehyd entsteht.

Sowohl Äthanol als auch Acetaldehyd gelangen über den Mutterkuchen in das ungeborene Kind und führen zu einer Schädigung der kindlichen Zellen und Organe.

-Welche Mengen Alkohol sind in der Schwangerschaft bedenklich?

Bislang ist ungeklärt, ob gelegentlicher Alkoholgenuß in der Schwangerschaft völlig ungefährlich für die Entwicklung des Kindes ist. Das Vorkommen einer spezifischen Kombination von kindlichen Fehlbildungen und Auffälligkeiten, das sogenannte "fetale Alkoholsyndrom" wurde jedoch bisher nur bei alkoholkranken Müttern beschrieben, also bei Frauen, die regelmäßig größere Mengen von Alkohol tranken. Insbesondere das regelmäßige Trinken von Alkohol ist also gefährlich.

Es bringen jedoch nicht alle alkoholabhängigen Mütter Kinder mit einer ausgeprägten Schädigung zur Welt. Das Risiko für das Kind steigt mit zunehmender Dauer und zunehmendem Schweregrad der Alkoholkrankheit (=Alkoholismus) der Mutter. In der chronischen Phase des Alkoholismus sind über 40% der Nachkommen meist schwer geschädigt.

Zwischen der täglich getrunkenen Menge Alkohol und dem Schweregrad der Schädigung des Kindes kann man jedoch keine feste Beziehung festlegen. Wenig trinkende Mütter haben zum Teil schwer geschädigte Kinder geboren, andererseits gab es viel und exzessiv trinkende Mütter, die kaum oder nur leicht geschädigte Kinder zur Welt brachten. Offensichtlich gibt es hier, wie auch für andere Folgen des Alkoholismus (z.B. die Leberzirrhose), unterschiedliche Empfindlichkeit für die Folgen des Alkohols. Tendenziell läßt sich aber natürlich schon sagen, daß exzessives Trinken gefährlicher ist als weniger starkes. Da man - wie gesagt - keinen Grenzwert festlegen kann, unter dem Alkohol sicher nicht schädigend wirkt, sollte man möglichst während der Schwangerschaft darauf verzichten. Besonders gefährlich ist jedoch das regelmäßige Trinken von Alkohol, dabei sollte man auch an alkoholhaltige "Stärkungsmittel" und Medikamente denken.

Wozu kann Alkohol in der Schwangerschaft beim Kind führen?

-Wirkung auf Gehirn und geistige Entwicklung:

Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft ist eine der häufigsten Ursachen für eine Verzögerung der geistigen Entwicklung bei Kindern. Kinder von alkoholkranken Müttern zeigen im Durchschnitt eine schwächere Leistung in Intelligenztests. Fast 90% der Kinder mit einem Alkoholschaden s ind minderbegabt, die meisten von ihnen besuchen eine Schule für Lern- oder Geistigbehinderte. Sie sind im allgemeinen auch weniger aufmerksam und zappeliger als andere Kinder. Die letztere Beobachtung macht man auch bei Kindern von Müttern mit einem mittelgradigen, sozial noch nicht als Alkoholismus eingestuften Trinkverhalten.

Schwer alkoholgeschädigte Kinder können bereits bei Geburt einen zu kleinen Kopf haben. Der Kopf bleibt aber häufig erst später in seiner Größenentwicklung zurück. Solche Kinder sind häufig in ihrer geistigen Entwicklung zurückgeblieben, auffällig übererregbar und -aktiv und zeigen Muskelschwäche und unkoordinierte Bewegungen. Nicht selten entwickeln sie ein Krampfleiden.

-Wirkung auf die übrigen Organe:

Als sogenanntes fetales Alkoholsyndrom bezeichnet man eine spezifische Kombination von Fehlbildungen und Entwicklungsauffälligkeiten bei Kindern alkoholkranker Mütter. Dazu werden zum einen die bereits oben erwähnten Auffälligkeiten des Kopfwachstums und der geistigen Entwicklung gezählt. Zum anderen können folgende Auffälligkeiten auftreten:

- Minderwuchs, niedriges Gewicht, wenig Unterhautfettgewebe.
- Auffälligkeiten im Gesichtsbereich, z.B. Falte am Augeninnenrand, hängende Augenlider, verkürzter
- Nasenrücken, schmales Lippenrot, Gaumenspalte, fliehendes Kinn.
- Auffälligkeiten an Armen und Beinen, z.B. Verkürzung des Kleinfingers, auffällige Handfurchen.
- Fehlbildungen innerer Organe, z.B. Herzfehler, Auffälligkeiten des Genitales und der Harnwege.

Einzelne solcher Auffälligkeiten findet man jedoch auch bei nicht alkoholgeschädigten Kindern.

Nicht alle genannten Auffälligkeiten kommen bei allen Kindern mit fetalem Alkoholsyndrom gleichzeitig vor. Nur eine Kombination verschiedener dieser Auffälligkeiten zusammen mit dem Alkoholkonsum der Mutter lassen die Diagnose "fetales Alkoholsyndrom" zu. Je nach Menge der Auffälligkeiten unterscheidet man drei verschiedene Schweregrade, wobei Kinder mit dem Schweregrad I eventuell nur Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten zeigen können, während Kinder mit dem Schweregrad III schon äußerlich durch die typischen Gesichtsfehlbildungen auffallen und in ihrer Intelligenz in der Regel stark eingeschränkt sind.

7. Alkohol im Straßenverkehr

Man schätzt, dass der Autofahrer unter normalen Umständen auf einer Fahrstrecke von einem Kilometer 15 nennenswerte Entscheidungen trifft. Hinzu kommt, dass man nicht viel Zeit hat, sich zu entscheiden — oft nur den Bruchteil einer Sekunde. Das Fahren erfordert also eine ausgezeichnete Koordination zwischen Entscheiden und Handeln. Der Genuss von Alkohol macht das Fahren äusserst gefährlich, weil durch den Alkohol die Fahrtüchtigkeit wesentlich beeinträchtigt wird. Beim Fahren werden schätzungsweise 85 bis 90 Prozent aller Informationen mit den Augen aufgenommen. Das Sehvermögen wird durch ein ausgeklügeltes System von Muskeln unterstützt, die die Augen bewegen und sie auf verschiedene Entfernungen einstellen. Durch Alkohol werden diese Muskelbewegungen verlangsamt, und folglich verschlechtert sich das Sehvermögen in verschiedener Hinsicht. So mindert Alkohol zum Beispiel die Fähigkeit des Auges, den Lichteinfall auf die Netzhaut zu regulieren. Das ist hauptsächlich in der Dunkelheit kritisch, weil es unter Alkoholeinfluss länger dauert, bis sich das Auge von dem blendenden Licht entgegenkommender Fahrzeuge erholt hat. Nach dem Genuss von Alkohol ist auch das periphere Sehvermögen eingeschränkt — die Fähigkeit, seitlich etwas wahrzunehmen, wenn man geradeaus blickt. Das ist insbesondere dann gefährlich, wenn man nach dem Genuss von Alkohol mit hohem Tempo fährt. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h das Gesichtsfeld des Fahrers um 25 % eingeengt ist. Bei einem Tempo von 70 km/h ist sein Gesichtsfeld um 50 % eingeengt. Und bei über 100 Stundenkilometern gleicht sein Gesichtsfeld buchstäblich einem Tunnel."

Auch kann jemandes Fähigkeit, Entfernungen abzuschätzen, beeinträchtigt werden.

Wenn man eine Verkehrssituation erfasst hat, muss man beurteilen oder entscheiden, was zu tun ist. Auch in einer solchen Situation ist Alkohol im Blut lebensgefährlich, weil mit steigendem Blutalkoholgehalt das Selbstvertrauen des Fahrers oft zunimmt. Im Stadium von 0,4 bis 0,6 Promille wird sich jemand höchstwahrscheinlich für wachsamer und fahrtüchtiger als normal halten, obwohl er langsamer reagiert und sich sein Urteilsvermögen sowie seine Fähigkeit, Gefahrensituationen zu meistern, verschlechtert haben. Während also seine Fahrtüchtigkeit in Wirklichkeit abnimmt, ist er davon überzeugt, dass sie zunimmt. Dass das Sehvermögen des alkoholisierten Fahrers gestört ist und er riskant fährt, wäre schon gefährlich genug. Zu der Problematik gehört jedoch ferner, dass Alkohol auch die Reaktionszeit verlängert. Dadurch kann es den Bruchteil einer Sekunde länger dauern, bis er seinen Fuss vom Gas nimmt und auf die Bremse tritt. Wenn man in einem Zeitraum von einer Stunde zwei 3dl-Dosen Bier getrunken hat, verlängert sich die Reaktionszeit um zwei fünftel Sekunden. Das scheint nicht gerade viel zu sein. In zwei fünftel Sekunden legt ein Fahrzeug, das 90 km/h fährt, jedoch zusätzlich 10 Meter zurück. Das könnte genau den Unterschied zwischen einem Fast- Zusammenstoß und einem tödlichen Unfall ausmachen.

Es ist nicht so, dass erst bei den strafbaren 0.8 Promille etwas passieren kann. Auch schon 0.2 Promille können sich negativ auf das Fahrverhalten auswirken.

0,2 - 0,5 Promille

Bewegliche Lichtquellen werden nicht mehr korrekt wahrgenommen, Probleme bei der Raumeinschätzung. Der Mut zum Risiko steigt.

Folgen: Schwierigkeiten beim Einschätzen der Entfernung entgegenkommender Fahrzeuge, riskantes Fahren (z.B. gewagtes Überholen, zu dichtes Auffahren)

0,5 - 0,8 Promille

Falsche Entfernungswahrnehmung. Nachlassen der Anpassungsfähigkeit der Augen an wechselnde Lichtverhältnisse. Rotlichtempfindlichkeit der Augen läßt nach. Erhebliche Verminderung der Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit. Gleichgewichtsstörungen.

Folgen: Kurvenbeginn wird z.B. in größerer Entfernung gesehen (Gefahr überhöhter Geschwindigkeit). Rote Ampeln, Brems - und Schlussleuchten werden schlechter wahrgenommen. Probleme bei der Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse (z.B. von Fern- auf Abblendlicht). Erheblich verlängerte Anhaltwege. Zweiradfahrer können ihre Spur nicht mehr halten.

0,8 - 1,2 Promille

Beginn der Euphorie, Enthemmung. Überschätzung der eigenen Fahrfähigkeiten. Blickfeldverengung (Tunnelblick). Verstärkte Störung der Hell-/Dunkel-Reaktion des Auges. Starke Verschlechterung der Wahrnehmung von Gegenständen und der Schätzung der Raumtiefe, Gleichgewichtsstörungen.

Folgen: Wesentlich riskantere Fahrweise. Sehstörungen nach Blendung oder nach Wechsel von Fern- und Abblendlicht. Zu spätes Erkennen von Fussgängern, Radfahrern und parkierten Autos. Falsches Einschätzen seitlicher Räume (Streifen von Fahrzeugen im Vorbeifahren).

1,2 - 2,4 Promille

Beginn der absoluten Fahruntüchtigkeit. Weitere starke Abnahme des Raumsehvermögens und der Anpassungsfähigkeit der Augen an wechselndem Licht. Erhebliche Minderung von Aufmerksamkeit und Konzentration.

Starke Euphorie und Enthemmung, maßlose Selbstüberschätzung. Stark verzögerte und gestörte Reaktion. Mittlere bis schwere Gleichgewichtsstörungen.

Folgen: Äußerst riskante Fahrweise, große Orientierungsprobleme, Fehlbedienungen (z.B. Gas statt Bremse).

8. Promilleberechnung

Eine Blutalkohol-Konzentration von 0.8 Promille bedeutet, dass ein Liter Körperflüssigkeit 0.8 Gramm Alkohol enhält.

Es gibt für die Berechnung zwar eine Formel, jedoch stellt diese nur einen Annäherungswert dar. In Wirklichkeit hängt der Alkoholgehalt im Blut von einer ganzen Reihe Faktoren ab wie:

von der Art und Menge des Getränks

vom Körpergewicht, Geschlecht und Körperbau

von der Geschwindigkeit des Alkoholabbaus

vom Trinkverlauf, das heißt, in welchem Zeitraum man den Alkohol zu sich genommen hat.

Details

Seiten
7
Jahr
2000
Dateigröße
350 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101378
Note
1
Schlagworte
Alkohol Gefahr Körper

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Alkohol - Gefahr für den Körper