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Die philosophische Schule der Stoa

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 6 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Die Stoa: 24.11.2000

Die Stoa stellt die vielfältigste Philosophieschule der griechischen Antike dar. Anders als Platons Akademie oder auch Aristoteles` Peripatos, die recht bald nach deren Tod an Bedeutung und Niveau verloren hatte, entwickelte sich der Stoizismus beständig weiter. Demgegenüber blieb der Epikureismus an die 300 Jahre lang fast unverändert. Auch wurde die stoische Lehre von vielen verschiedenen Menschen und Denkern getragen und konzentrierte sich nicht nur, wie die drei anderen bedeutenden Schulen, hauptsächlich auf eine Person. Der Stoa war es zuzuschreiben, daß die Philosophie überhaupt erst in Rom beliebt wurde; so schöpfte z. B. Cicero seinen größten philosophischen Fundus aus der Lehre der Stoa.

Um ein bißchen Ordnung in die 500 Jahre, die diese Schule andauerte, zu bringen, teilt man sie fürgewöhnlich in drei Phasen ein:

a) die antiken Stoiker
b) die mittlere Stoa
c) die römische/ jüngere/ popularphilosophische Stoa

Bevor ich auf das stoische Denkens selbst eingehe, zähle ich die wichtigsten Vertreter der der ebengenannten Epochen auf. Der wichtigste Stoiker war gewisslich Zenon, der Gründer der Schule. Er wurde im Jahre 333 v. auf Zypern geboren, war von Natur aus häßlich, ging gebückt und war Sohn eines Händlers. Mit seiner Häßlichkeit und der oft damit einhergehenden sozialen Inkompetenz lässt sich meiner Meinung nach wohl die oft als übertrieben empfundene sittliche Strenge der ursprünglichen stoischen Lehre erklären. Denn Zenon hasste das mondäne Leben, wahrscheinlich wohl auch, da er nicht an ihm teilhatte. Er kam zur Philosophie über einen Orakelspruch - er fragte in Delphi: Was soll ich tun? und bekam die Antwort: Paare Dich mit den Toten! Dies fasste Zenon als Aufforderung auf, die alten Philosophen zu lesen.

Nach einem Schiffsbruch landete er als Dreißigjähriger in Athen und suchte sogleich einen Lehrer, den er in dem Kyniker Krates fand. Daher rührt es, daß die stoische Lehre so viele kynische Elemente enthält. Doch fand sich Zenon selbst zu wenig unverfroren, um Kyniker zu sein, so dass er 300 seine eigene Schule gründete, und zwar in der Stoa Poikile, der mit Fresken verzierten Markthalle, die der Schule dann bekanntermaßen den Namen gab. Zenon gewann alsbald großen Ruhm und viele Anhänger in aller Welt, wurde gar zum Ehrenbürger Athens, dem nach seinem Tod ein großes Denkmal auf der Agora errichtet wurde. Als Zweiundsiebzigjähriger starb er, als er vor der Stoa die Treppen hinunterfiel.

Zenons Nachfolger wurde dessen Schüler Kleanthes, ein beflissener und anscheinend ein wenig schwerfälliger Mann. Er war so arm, daß er in der Nacht arbeiten mußte, um seine Studien zu finanzieren. Gerade darum wurde er aber von seinen Mitmenschen verehrt und von seinem Lehrer Zenon geschätzt. Wie arm Kleanthes war, merkten die Athener, als einmal ein Windstoß sein Gewand fortwehte und ihn nackt hinterlies - er konnte sich nicht einmal eine Tunika leisten.

Vor seiner Berufung zum Philosophen war er Faustkämpfer gewesen, bis er über zwanzig Jahre lang an der Stoa studierte und dort sein ganzes restliches Leben verbrachte. Da er so schwer von Begriff war, wurde er oft von seinen Mitmenschen gehänselt. Er ertrug dies mit Fassung und Selbstironie. Mit über neunzig Jahren auf dem Buckel starb er. Als Leiter der Stoa wurde er beerbt von Chrysippos, einem ungemein intelligenten und humorvollen Mann. Er galt als fleissigster Mann seiner Zeit - schließlich verfasste er 705 Bücher. Unter ihm gedieh die Stoa so wie unter Zenon und gewann Ansehen fast auf der ganzen Welt. Er wird daher oft als zweiter Gründer der Stoa bezeichnet. ,,Wär nicht Chrysipp, gäb es die Stoa nicht." Mit seinem Tod, den er durch unmäßiges Lachen herbeigeführt haben soll, endet die Epoche der antiken Stoiker, im Jahre 205.

Es folgt die mittlere Stoa, getragen von den beiden Größen Panaetios und Poseidonios. Beide milderten die ursprünglich harschen Grundsätze der frühen Stoiker etwas ab und sprachen so eine noch größere Anhängerschar an. Sie werteten die Rolle Gottes im stoischen Weltbild massiv auf, so daß sich unter ihnen der Stoizismus zu einer regelrechten Religion entwickelte.

Bei beiden handelte es sich, wohl wegen ihrer vielen Reisen wegen, um besonders aufgeschlossene Menschen. Panaetios wurde 185 v. Chr. auf Rhodos geboren und lernte die Philosophie in dem Peripatos kennen, bis er sich schließlich ganz der Stoa verschrieb. Als Vierzigjähriger gelangte er nach Rom und verhalf dort der Stoa und auch der Philosophie überhaupt zu großem Ansehen. Über einen Freund, den Geschichtsschreiber Polybios, kehrte er nämlich in das Haus der Scipionen ein, eines der geistigen Zentren der damaligen römischen Kultur. Dort erlangte er großen Einfluß, denn er unterrichtete die römische Oberschicht in griechischer Philosophie und der stoischen Lehre. Er befreundete sich eng mit Scipio Africanus, mit dem er eine lange Reise in den Orient unternahm. Dort lernte Panaetios viele fremde Kulturen kennen, durch die er auf die Idee einer Umgestaltung der Stoa kam. Als Sechsundfünfzigjähriger kehrte er dann nach Athen zurückkehrte und wurde Leiter der Stoa. Die zwanzig Jahre unter seiner Leitung, die 109 v. Chr. endete, werden als Blütezeit der Stoa bezeichnet.

Sein berühmtester Schüler war Poseidonios, von dem man sagt, er sei von allen griechischen Philosophen am meisten in der Welt herumgereist. Auf diesen Reisen entwickelte er sich zu einem wahren Naturtalent. Von Meteorologie über Ethnologie, Astronomie, Psychologie, Physik und Geschichte bis hin zur Philosophie unterrichtete er später in so ziemlich jedem denkbaren Fach. Er galt als brillanter Redner und wurde deshalb zu einem Botschafter seiner Heimatinsel Rhodos gekürt. In deren Auftrag reiste er dann oft nach Rom und verhandelte dort z. B. mit Marius und Sulla. Auf seiner Heimatinsel gründete Poseidonios dann auch eine berühmte stoische Schule, die an Ruhm alsbald die athenische Schule überflügelte. Sie wurde noch zu Lebzeiten des Poseidonios u. a. von Pompeius und von Cicero besucht. 50 v. Chr. starb er.

Nun fehlt nur noch die jüngere Stoa, auch die popularphilosophische oder römische genannt. Sie fand nur auf italischem Boden statt und brachte als berühmteste Vertreter Seneca, Epiktet und Mark Aurel hervor. Sie spendete den Römern in einer von Korruption, bisweiliger Willkürherrschaft und außenpolitischer Unsicherheit gekennzeichnteten Phase ihrer Geschichte großen Trost und bot vielen einen letzten Halt.

Über Seneca brauche ich wohl nicht mehr viel zu sagen - er war hauptberuflich Politiker und nebenberuflich Philosoph, bis er sich aus Resignation aus der Politik entfernte und ganz der Schriftstellerei hingab. Zuletzt musste er sich auf Befehl seines ehemaligen Zöglings Nero selber töten. Er hat viele wertvolle Schriften hinterlassen.

Bei Epiktet handelte es ich um einen Sklaven. Er konnte jedoch auf Kosten seines Herrn studieren und wurde von diesem zu gegebener Zeit freigelassen, woraufhin Epiktet anfing, öffentlich, mit mäßigem Anklang, Reden zu halten, bis er 89 n. von Kaiser Domitian nach Nikopolis verjagt wurde. Dort gründete er eine eigene stoische Schule, die so berühmt wurde, daß Jahre später Hadrian sie besuchte. Besonders mit seinem ,,Handbüchlein der Moral" verewigte sich Epiktet.

Mit Kaiser Mark Aurel endete das stoische Denken in Europa, ja sogar das griechische überhaupt. Der Kaiser beschloss, Stoiker zu werden, als er zwölf Jahre alt war. Als erste Konsequenz verbannte er sein Bett aus dem Schlafzimmer und schlief fortan auf dem Boden. Als er vierzig Jahre alt war, wurde er Kaiser, mit dem festen Vorsatz, Gutes zu tun. Daran hinderten ihn jedoch massiv sowohl die vielen Kriege, die er besonders in Germanien führte (_Gladiator), und seine böse Frau mitsamt ihrem unmenschlichen Sohn Commodus. Beide liebte Mark Aurel jedoch innig. Im Jahre 181 starb er an der Pest. Als seine Haut anfing, Blasen zu werfen, legte er sich auf eine Bahre, deckte sich zu und wartete auf seinen Tod - er lebte die Philosophie. Seine Selbstbetrachtungen werden auch heute noch gelesen. Einige Beispiele der darin niedergeschriebenen Aphorismen: ,,Alles Begegnende begegnet gerecht!", ,,Der Bereich der Götter ist voll der Vorsehung".

Doch nun zur Philosophie selbst. Ich möchte hier die Lehre Zenons, mit einigen Modifizierungen der mittleren Stoiker versehen, wiedergeben. Der Gründer teilte seine Philosophie in drei Hauptdisziplinen, die Logik, die Physik und die Ethik, ein.

Fangen wir mit der Logik an - sie ist wohl der langweiligste und am schwersten verständliche Part des Stoizismus. Wie der Name schon sagt, befasst sich die Logik mit dem logos, der Weltvernunft, die nach Meinung der Stoiker Alles durchdringent und als göttliche Kraft die Welt erst beseelt. Auf sie gehe ich dann bei der Physik näher ein. Die Logik hilft einem nun, sich über die Gesetze und Formen klar zu werden, in denen sich dieser logos bewegt. Deswegen ist die Logik, sagt Zenon, nicht etwa ein Werkzeug der Philosophie, sondern ein selbständiger Teil von ihr, der sich von der Physik und der Ethik durch seinen Stoff und seine Zielsetzung unterscheidet. Der Stoff der Logik sind die Aussagen, das Ziel ist die Kenntnis der Beweisführung.

Logik wurde von den Stoikern in zwei Bereiche unterteilt, in die Rhetorik und die Dialektik. Unter Letzterer versteht man die Lehre von der richtigen und erfolgreichen Beweis- und Gesprächsführung. Dies hier zu erläutern, würde zu weit führen. Zenon, der seine Gedanken ja auf griechisch, und nicht in seiner Muttersprache, lehrte, empfand die Untersuchung der

Beschaffenheit der Sprache und ihrer Wirkung auf das Denken als besonders wichtig und für sich selbst als Ausländer nötig. Man kann ihn daher getrost als den Schöpfer der (abendländischen) Sprachwissenschaften bezeichnen. Außerdem hat er den Aufbau der griechischen Grammatik, wie sie noch heute gelehrt wird, geschaffen.

Kommen wir nun zur Physik. Für die Stoiker bestand die Welt, einschließlich Gottes und der Seele, aus Materie, und als das Urelement sahen sie das Feuer, wie es auch schon Heraklit tat, an. Dieses Feuer bezeichneteten die Stoiker nun als Gott oder eben als logos spermatikos, als den göttlichen Willen und als die Weltvernunft. Dieser logos sei aber eher ein Impuls zum vernünftigen und guten Handeln, als ein Gott in unserem Sinne - sozusagen das Gute im Menschen.

Die Stoiker behaupteten, es gebe nur eine einzige Welt, mit der Erde als Mittelpunkt. Die Welt sei ewig, die Erde hingegen nicht. Sie glaubten, daß es am Anfang der Zeiten nur den Gott gab, in Gestalt eines eines ewigen Feuers; allmählich kamen Luft, Wasser und Erde hinzu. Sie vermischten sich mit Gott, dem Feuer, dem eine vollkommene Vermischbarkeit mit Körpern innewohnt. So entstand die Erde und die Materie. Diese Vereinigung von Gott und Materie werde ermöglicht durch die unendliche Teilbarkeit der Körper - eine Behauptung, die im krassen Gegensatz zur Lehre Epikurs steht. Eines Tages werde unsere Welt wieder, glaubten sie, in einer großen Feuersbrunst enden.

Alle Dinge auf dieser Welt, wie der Mensch, aber auch ein Misthaufen, sind nach Meinung der Stoiker also leere Hüllen, die nur durch Gott beseelt werden. Sie nannten dies das aktive und das passive Prinzip. Jenes ist Gott, dieses die eigenschaftslose Materie. Die Seele des Menschen bestehe, als ein unabhängiger Teil des göttlichen Feuers, aus einem warmen Lufthauch, dem Pneuma. An eine Unsterblichkeit der individuellen Seele glaubten die Stoiker aber nicht. Sie schlußfolgerten, daß jede Seele nach dem Tod der Materie wieder mit dem großen Feuer verschmelze.

Gott bzw. die Vernunft durchdringt und bewirkt Alles - so begründeten die Stoiker ihren Glauben an ein festes Schicksal jedes Einzelnen. Sie behaupteten auch, daß nichts auf der Welt schlecht sein könne, da ja Alles von Gott komme. Deshalb sei jedes Schicksal im Grunde gut.

Und damit befinden wir uns auch schon auf dem Gebiet der Ethik. Für die Stoiker war Gut und Böse ein Prinzip des Geistes. Alle körperlichen Dinge seien deswegen moralisch neutral, behaupteten sie - sowohl die positiven, wie auch die negativen Dinge.

Die Stoiker teilten also Alles in gute, schlechte und indifferente Wesenheiten auf. Zu den guten zählen Intelligenz, Mäßigung, Gerechtigkeit und Mut, sprich: die Tugend. Zu den schlechten gehören indes Dummheit, Ungerechtigkeit, Zügellosigkeit und Feigheit, also das Laster. Der Mensch habe die Wahl, ob er gut oder schlecht werden wolle. Die Stoiker glaubten fest an die freie Willensbildung des Menschen.

Sowohl die guten, als auch die schlechten Wesenheiten spielen sich also nur im Innern des menschlichen Kopfes ab, als das geistige Prinzip, welches ich gerade erwähnt habe. Anders hingegen die indifferenten Wesenheiten, wie z. B. Leben und Tod, Armut und Reichtum, Gesundheit und Krankheit etc. Diese sind, wie gesagt, moralisch neutral und machen, da die Stoiker sie für unabänderbar hielten, das feste Schicksal des Menschen aus, sie bilden sozusagen den Rahmen.

Das unabänderliche Schicksal bezieht sich also nur auf die äußere Entwicklung des Menschen. Für sein Innenleben sei jedoch jeder selbst zuständig und verantwortlich, sagten die Stoiker. Hier müßte sich der Philosoph hervortun. Da sie das Umfeld als unveränderbar ansahen, kam es für die Stoiker nämlich darauf an, das Beste aus jeder Situation zu machen. Denn diese hat man selbst ja nicht zu verantworten, sie ist indifferent. Wenn einen nun Schicksalsschläge wie Tod, Armut oder Krankheit treffen, solle man diese, da man weder an ihnen schuld sei, noch sie ändern könne, gelassen und ohne Ärger hinnehmen. Denn jegliche Leidenschaft (= pathos) bezeichnete der Stoiker als vergeudete Energie. Daher wollte er die Freiheit von diesen Leidenschaften erreichen, die ,,Apathie", bei Epikur ,,Ataraxie" genannt. Daraus entwickelte sich der überaus berühmte Begriff der ,,stoischen Ruhe". Zenon sagte hierzu: ,,Leidenschaft ist eine naturwidrige seelische Erregung, die von der rechten Einsicht abgewandt ist."

Als Leidenschaft bezeichneten die Stoiker u. a. Angst, Trauer und Schmerz, aber auch Mitleid, Lust und Gier. Deswegen verpflichtete er sich zu einer vollkommenen äußeren Bedürfnislosigkeit und Unbeugsamkeit. Zenon glaubte, Geldgier, Liebe und ähnliche Leidenschaften würden den Menschen nur von seiner höchsten Pflicht, dem katekon, abhalten. Diese Pflicht ist das Streben nach Tugend.

Die mittleren Stoiker setzten vor allem hier den Hebel an. Sie milderten die strenge Pflichtenlehre Zenons bedeutend ab und gaben zu, daß jeder, um glücklich zu sein, auch eines gewissen, aber nur des nötigsten, Maßes an Geld und Liebe bedarf.

Außerdem, und damit schließe ich, soll jeder Stoiker aktiv an dem Weltgeschehen, das heißt an der Politik, mitwirken. Im Gegensatz zu Epikur forderte Zenon also den Gang in die und nicht aus der Öffentlichkeit heraus.

Details

Seiten
6
Jahr
2000
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101403
Note
14 Punkte
Schlagworte
Stoa Leistungskurs Latein

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