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Entwicklung der Ostsee

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 7 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach

Leseprobe

Entwicklung der Ostsee

Die Ostsee entstand durch die verschiedenen nordischen Vereisungen. Zu Beginn der Quartärzeit (ca. vor 2 Mio. Jahren) kam es zu einer stetigen Klimaverschlechterung und damit zur Bildung und Ausbreitung des Inlandeises von Skandinavien nach Süden. Es herrschte ein 8°- 14°C kühleres Klima als heute, doch unterlag es vielen Schwankungen zwischen der Zeit von 115.000 Jahre bis 10.000 Jahren, deshalb kam es zu unterschiedlichen Ausdehnungen des nordischen Inlandeises.

Der letzte Vorstoß des Inlandeises gab es etwa vor 20.000 Jahren, die Weichseleiszeit. Als diese ihren Maximalstand erreichte, kam es auch zu einem relativ schnellen Abtauen des Weichseleis, doch gab es ab und zu auch wieder Vorstöße und Stillstandsphasen, die zur Entstehung von Endmoränen führten.

Die Ostsee entstand in der Abschmelzzeit dieses Inlandeises. Um auf die Entstehung dieser Phasen näher einzugehen, ist es nötig zwei Begriffe zu klären: die Isostasie und die Eustasie. Die Isostasie ist eine Art Ausgleichsbewegung einzelner Teilstücke des oberen Bereichs der Erdkruste, die durch eine schwere Belastung, z.B. das Inlandeis, herabgedrückt worden sind. Wenn diese Belastung nicht mehr vorhanden ist, kommt es zu einer Hebung, um die Ursprungshöhe wieder herzustellen.

Die Eustasie beschreibt die langfristigen Hebungen und Senkungen des Meeresspiegel durch die Veränderungen des Wasserhaushalts der Erde, z.B. durch die Eiszeiten. Die Ostsee entwickelte sich im Zusammenspiel von Isostasie, der Eustasie und dem Wasserspiegel des Süßwassers. Die Entstehung kann man in 4 Hauptphasen unterteilen, die sich hauptsächlich in der Verbindung zum Meer und ihrem Salzgehalt unterscheiden.

1. Der Baltische Eisstausee

Um ca. 13.500 Jahre BP begann das Ostseebecken, welches bereits vor der letzen Eiszeit entstanden war, eisfrei zu werden. Es entstanden Süßwasserseen in den Senken durch die Ansammlung von Schmelzwasser. Diese Seen wurden immer größer und wurden im Süden begrenzt von den Endmoränen und im Norden vom Eisrand des Inlandeises, welcher sich durch das Abschmelzen immer weiter nach Norden zurückzog. Um ca. 12.000 Jahren BP lag der Eisrand in Schweden und um ca. 10.000 BP am Nordrand des Billingen zwischen Vänernund Vätternsee und dem Gebiet um Stockholm.

In diese Süßwasserstauseen mündeten Flüsse mit großem Delta, die das allmähliche

Zusammenwachsen der Schmelzwasserseen zu einem großen Süßwasserbecken unterstützen. Ab 13.000 BP spricht man von dem Baltischen Eisstausee. Er nahm etwa die Fläche der mittleren und östlichen Ostsee, deren Grenze die Darßer Schwelle war. Er wurde noch immer größer, bis sich die Mittelschwedische Endmoräne bildete. Um 10.300 BP erreichte er den höchsten Wasserstand von etwa -13 m NN.

Der Meeresspiegel der Ozeane lag bei etwa -65 m NN, deshalb fungierten die Schwellen vor Belten und Sunden als eine Art Staudamm, die den Baltischen Eisstausee vom Ozean abschloss. Der Eisstausee hatte eine positive Wasserbilanz, da es auf der einen Seite einen starken Zufluss gab, hervorgerufen durch die Eisschmelze und die Flüsse und auf der anderen Seite das Wasser schlecht abfließen konnte aufgrund des Eisrandes und der Endmoränen. Zeitweise gab es eine Entwässerung über dem Bereich des Öresunds und des Kattegats zur Nordsee. Der Öresund lag im Bereich der isostatischen Hebung, zum Ausgleich gab es in diesem Gebieten eine verstärkte Abtragung. Um 12.000 BP wurde in diesem Bereich in etwa - 7 m NN schwer erodierbares Gestein freigelegt, dadurch konnte die Erosion, die Isostasie nicht mehr ausgleichen und der Wasserspiegel des Baltischen Eisstausees wuchs und lag um 11.500 BP bei -5 m NN und war damit höher als im Öresund ( -10 m bis -12 m NN). Damit war der Baltische Eisstausee fast vollständig vom Weltmeer isoliert und der Wasserspiegel an den südlichen Ufern wuchs an.

Der Baltische Eisstause war die meiste Zeit des Jahres vereist und durch die niedrigen Temperaturen gab es kaum eine Lebensentwicklung im See.

2. Yoldia- Meer

Als das Eis auch an der mittelschwedischen Endmoräne geschmolzen war, kam es zum Durchbruch der Baltischen Eisstausee. Die Wasserspiegel der Ostsee und des Ozeans wurden ausgeglichen. Dabei sank der Wasserspiegel der Baltischen Eisstausee um bis zu -25 m. Die Wassermassen flossen über eine Meeresbucht (im Skagerrak, Teilen des Kattegats und ein breiter Uferstreifen Westschwedens über südlichen Vänersee bis Westrand des Billingen) der nacheiszeitlichen Nordsee ab. Dadurch geriet der Baltische Eisstausee unter Salzeinfluss. Nachdem das Süßwasser ausgeflossen war, konnte das Yoldia- Meer vom Weltmeer östlich ins zentral und nordöstliche Ostseebecken eindringen, was die Überflutung großer Teile Gotlands, Ölands, Südfinnlands und Teile Estlands zur Folge hatte.

Das Yoldia- Meer war im Norden begrenzt vom Eisrand und im Süden reichte sie noch nicht bis an die heutige deutsch-polnische Küste. Die Verbindung über den Öresund war durch das plötzliche Absinken des Wasserspiegels wieder geschlossen. Deutschland, Dänemark und Schweden besaßen eine breite Landverbindung und Bornholm war Bestandteil des Festlandes. Das Wasser des Yoldia- Meeres war durch die Verbindung zum Ozean salzig in den Gebieten nahe der Meeresarme, der Umgebung Stockholms und dem Gotlandbecken. Die übrigen Gebiete hatten brackiges (schwach salziges) Wasser. Durch diese Verbindung gelangten auch marine Arten in die Ostsee. Die Leitform zu dieser Zeit war die Muschel Portlandia arctica bzw. früher Yoldia arctica, nach der auch diese Entwicklungsphase der Ostsee benannt ist. Diese Muschelart ist an Salzwasser gebunden , doch gibt es erst ab 10.000 BP Hinweise auf das Eindringen von salzhaltigen Wasser, obwohl diese Entwicklungsphase nach Jancke in die Zeit von 10.200 bis 9.500 BP einzuordnen ist.

In dieser Zeit dominierte die Isostasie Skandinaviens gegenüber dem Meeresspiegelanstieg, was zur Folge hatte, dass die neuen Verbindungen des Yoldia- Meeres über Kattegat zum Meer zunehmend flacher und das Yoldia- Meer immer mehr abgegrenzt wurde.

3. Ancylus- See ( 9.500 - 8.700 BP)

Um 9.250 BP hat das Herausheben Skandinaviens die Trennung von Ozean und dem YoldiaMeer zur Folge. Der See wurde auch nach der Leitform benannt, der Süßwasserschnecke Ancylus fluviatiles. Es entstand im Boreal, der frühen Wärmezeit um 6800 -5.500, die Durchschnittstemperatur lag etwa 2- 3 °C über den heutigen Normalwerten.

Das Inlandeis bildete keine Grenze mehr vom See und war nur noch in den nördlichen Gebirgsregionen zu finden. Durch das schnelle Abschmelzen der Eisreste und den schlechten Abflussmöglichkeiten, begann der See auszusüßen und der Wasserspiegel stieg wieder an bis auf eine Höhe von 8 m NN.

Im Norden stieg der Wasserspiegel kaum an, aufgrund der Isostasie. Im Süden gab es dagegen eine Vielzahl von Überflutungen, durch die die Küstenform erheblich verändert wurde, z.B. war Bornholm nun vom Festland getrennt. Die Grenze zwischen Wasserspiegelanstieg und - abfall lag auf etwa einer Linie vom Väner-See bis zu der südfinnischen Küste. Die Ancylus- See hatte etwa die Größe der heutigen Ostsee bis zur Darßer Schwelle und auch die Küstenformen hatten große Ähnlichkeiten mit heute. Es gab im küstennahen Bereich autonome Seen mit einer ähnlichen Flora und Fauna, z. B. zählten zu diesen Seen der Greifswalder Bodden. Die Gebiete der westlichen Ostsee waren dagegen meist Festland mit Seen und Mooren.

Da der Ancylus- See eine positive Wasserbilanz hatte bis 13 m über den damaligen Meeresspiegel, kam es zu einem immer weiteren Aufstauen des Wassers, was früher oder später zu einem Überfließen führen musste, anfangs fand das im Gebiet Mittelschwedens und dem Väner-See über Gotaälv zum Kattegatt statt.

Um ca. 9.200 BP nach Jancke muss es plötzlich eine verbesserte Verbindung zwischen See und dem Kattegatt gegeben haben, die Ursache ist nicht bekannt, denn der Wasserspiegel der Ancylus-See sank auf weniger als - 20 m NN ab. Durch diesen Abfall des Wasserspiegels wurden weite Gebiete der Ancylus- See und umgebende Seen trockengelegt. In diesen Restseen stieg der Gehalt an gelösten Mineralien und Salzen und es kam zur Ablagerung von Kalkmudden und Seekreide.

Durch die ausreichend große Verbindung zwischen der Ancylus- See und dem Kattegat wurde ein weiteres Aufstauen der See verhindert, doch konnte auch kein Salzwasser in die See gelangen.

4. Litorina- Meer (8.000- 2.000 BP)

Um die Zeit von ca. 8.000 BP war der Wasserspiegel von Ozean und Ancylus- See etwa gleich. Er betrug etwa -28 m NN. In dieser Entwicklungsphase der Ostsee überwog die Eustasie gegenüber der Isostasie, aufgrund des warmen Klima vor 5000 bis 8000 Jahre. Durch die Isostasie Skandinaviens gelangte das Ostseewasser immer weiter südwärts und durch den eustatischen Meeresspiegelanstieg konnte nun wieder eine Verbindung über die Sunde und Belte zum Weltmeer entstehen, wodurch salzhaltiges Nordseewasser östlich über Kattegat, dem Großen Belt, dem Kleinen Belt, dem Öresund und der Darßer Schwelle eindringen konnte. So entstand das Litorina- Meer bezeichnet nach der Leitform der Brackwasserschnecke Littorina littorea, die im salzig - brackigem Gewässer lebt. Zwischen 8.000 - 7.300 BP kam es zu einem schnellen Weltmeeresspiegelanstieg und somit stieg auch der Wasserspiegel des Litorina- Meeres. Der Wasserspiegel lag etwa bei - 1 m unter dem heutigen Spiegel und unterlag kaum noch großen Schwankungen. Das Meer hatte schon etwa die jetzige Größe und war sehr nahe der deutschen Ostseeküste. Im Bottnischen Meeresbusen waren Isostasie und Eustasie relativ ausgeglichen, die Überflutung war nur durch die Verbrackung des Süßwassers sichtbar. Dagegen kam es im Süden zu Überflutungen, u. a. der Schwellen der dänischen Inseln und des ehemaligen südlichen Festlandbereiches. Es entstanden eine Vielzahl von Inseln und eine stark gegliederte Küste, auf die wir später noch zusprechen kommen. Durch die Verlangsamung des Meeresspiegelanstiegs traten nun die Küstenausgleichsprozesse in den Vordergrund. Die

Eustasie wurde unregelmäßig. Sie stoppte, wurde plötzlich wieder schneller und ab ca. 4.000 Jahre BP wprde es weniger und sie verlor an Bedeutung für die Ostsee. Im Norden der dänischen Inseln dominiert die Isostasie vor der Eustasie, dadurch wurden die Verbindungen, u.a. Großer Belt und der Öresund wieder enger und flacher, was den Wasseraustausch weiter einschränkt. Diese Meeresengen bilden die natürlichen Begrenzung der Ostsee von Kattegat und Nordsee. Das Litorina- Meer besaß einen höheren Salzgehalt als die heutige Ostsee und in den letzten 4.500 Jahren kam es zum leichten Aussüßen des Meeres durch die Zufuhr von Flusswasser und die schlechte Verbindung zum Meer. Im Meer gab es zunehmend Brackwasserorganismen und zum Rückgang der marinen Fauna. Durch die leichte Aussüßung verbreitete sich die Süßwasserschnecke Limnea ovatea, nach der das Limnea- Meer benannt ist, einer der letzten Phasen der Ostsee, seit etwa 1.500 Jahre. Die Phase in der wir uns heute befinden wird als Mya-Meer betitelt, nach der Sandklaffmuschel Mya avenaria, da durch das weitere Aussüßen weiter Süßwasserarten in die Ostsee einwanderten.

Die Entwicklung der Ostsee ist keinesfalls abgeschlossen. Skandinavien hebt sich weiter auch, wenn es möglicherweise nicht mehr auf die Ausgleichsbewegung durch die Eiszeit zurückzuführen ist, sondern durch echte Tektonik. Und auch der Wasserspiegel steigt zur Zeit jährlich etwa 1 mm im Jahr. Durch die verschiedenen Hebung könnte man vielleicht die Vermutung haben, dass die Ostsee irgendwann wieder abgeschnitten vom Meer sein wird und dann wirklich eine Ost-SEE ist...

Zusammenfassung (für Schüler):

Die Entwicklung der Ostsee

- mehrfach in nordische Vereisung einbezogen ¬ durch Gletscher: Becken- und Schwellenlandschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Details

Seiten
7
Jahr
2000
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101886
Note
Schlagworte
Entwicklung Ostsee
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