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Soziales Lernen

Seminararbeit 2002 12 Seiten

Sport - Sportpädagogik, Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Was bedeutet soziales Lernen allgemein?

2.Soziales Lernen im Sportunterricht

3.Grundsätze und Bestimmungen für den Schulsport (Niedersachsen)

4.Sport als Medium schulischer Sozialerziehung

5.Unterschiedliche theoretische Ansätze des sozialen Lernens im Sportunterricht
5.1.Sport als positives Modell sozialen Lebens
5.2.Soziales Lernen als kritisches Regellernen
5.3.Soziales Lernen als Erwerb der Grundqualifikationen des Rollenhandelns
5.4.Soziales Lernen als Kultivierung des „Sozialleibs“

Literaturverzeichnis

Fachdidaktische Problemstellung SoSe

Seminarleitung: XXX

Ausarbeitung: Okan ÇAĞPAR

SOZIALES LERNEN

1. Was bedeutet soziales Lernen allgemein?

Der Begriff „Soziales Lernen“ enthält eine Doppeldeutigkeit. Einerseits ist das Soziale das Objekt des Lernens: es wird soziales Verhalten gelernt. Andererseits bezieht es sich auf das Subjekt des Lernens und damit auf die Art des Lernens. Die Lernenden arbeiten zusammen, in einer Gruppe, und nicht jeder einzeln für sich. Beide Dimensionen des Sozialen Lernens hängen zusammen, aber sie sind nicht einfach gleichzusetzen. Wer von sozialem Lernen spricht, benötigt ein klares Kriterium dafür, was als sozial zu gelten hat. Wer ohne ein solches Kriterium von sozialem Lernen spricht, müsste auch die Lernprozesse als Beispiele sozialen Lernens anerkennen. Mit anderen Worten: Wenn man stillschweigend nur die „sinnvollen“ Formen sozialen Lernens zum Umfang des Begriffs hinzunehmen will, dann setzt man voraus, es sei klar und sicher zu bestimmen, was sinnvoll ist und was nicht. Es ist aber gerade das Problem, dass diese Sicherheit verloren gegangen ist. Weil es nicht leicht zu bestimmen ist, was Schüler denn in der Schule und Jugendliche allgemein von den Erwachsenen lernen sollen, denken heute viele neu über das Lernen, über Bildung und Erziehung nach. Soziales Lernen kann davon nicht unberührt bleiben. Von sozialem Lernen kann man also nur sprechen, wenn man sich zu einer ethischen Theorie und zu einer bestimmten moralischen Haltung entscheidet und bekennt. Denn nur scheinbar ist selbstverständlich, was unter dem Begriff „sozial“ zu verstehen sei. Sozial ist als Wort zunächst positiv besetzt; jeder will sozial sein und nicht unsozial. Aber sobald man näher bestimmen will, worüber man redet, entdeckt man Schwierigkeiten.[1]

2. Soziales Lernen im Sportunterricht

Warum ist das „Soziale Lernen“ für den Sportunterricht so wichtig?

Motorisches Handeln vollzieht sich im Sport sehr häufig in sozialen Zusammenhängen (z.B. Mannschaftssport). Sport findet in Prozessen statt, die auf Kooperation, Kommunikation, Miteinander und Gemeinsamkeit ausgerichtet sind und sich in Situation des Mit-, Gegen-, Für- und Nebeneinanders ereignen.

Miteinander Beispiel: In einer gleichen Mannschaft beim Fußball ein Tor zu erzielen.

Füreinander Beispiel: Im Geräteturnen Hilfestellung leisten.

Gegeneinander Beispiel: Im Wettkampf den Gegner (Mitspieler) mit fairen Mitteln zu besiegen.

Nebeneinander Beispiel: Beim Circuittraining überprüft jeder für sich seinen aktuellen konditionellen Leistungsstand.

Soziales Lernen / Handeln ist somit grundlegend für sportliches Denken / Handeln. Viele Sportarten und Übungen sind auf die Beteiligung mehrerer Schüler angewiesen, sonst kommen sie nicht zustande. Kinder lernen im Sport zu kooperieren, Fairplay, Aushandeln von Regeln, Einhalten von Regeln und mit Sieg und Niederlage umzugehen.

3. Grundsätze und Bestimmungen für den Schulsport (Niedersachsen)

Ziele[2]:

Durch Schulsport sollen drei miteinander vernetzte Kompetenzen vermittelt werden:

1. Sachkompetenz
2. Selbstkompetenz

3. Sozialkompetenz

Sozialkompetenz umfasst insbesondere die Fähigkeit zum einfühlsamen und verantwortlichen gemeinsamen Spiel- und Bewegungshandeln in Verbindung mit der Bereitschaft zum Helfen und zum Handeln auf Gegenseitigkeit. Die Förderung von Sozialkompetenz soll vor allem darauf zielen, dass Schülerinnen und Schüler

- Formen gemeinschaftlichen Handelns im Sport entwickeln und gestalten;
- soziale Verhaltensweisen wie Rücksichtnahme und Kooperation als zentrale Elemente sportlichen Miteinanders erkennen und sich aneignen;
- das eigene Handeln einfühlend auf das Handeln anderer abstimmen und andere bewegen, dies auch zu tun;
- Bereitschaft zum Helfen und zur Annahme von Hilfe entwickeln;
- unterschiedliche soziale – insbesondere geschlechtsbezogene – Verhaltensweisen erkennen und berücksichtigen;
- Verantwortlichkeit erkennen und Verantwortung übernehmen;
- Konflikte analysieren, regeln und aushalten, Kompromisse eingehen sowie Vereinbarungen akzeptieren und mittragen;
- Möglichkeiten der Mitwirkung an gesellschaftlichen Entwicklungen im Sport erkennen;

Durch gemeinschaftliches Sporttreiben die Bereitschaft entwickeln, sich mit der kulturell und sozial bedingten Verschiedenartigkeit von Menschen auseinanderzusetzen, Vorurteile abzubauen und fremde Bewegungskulturen als potentielle Bereicherung des eigenen Bewegungslebens zu verstehen.

4. Sport als Medium schulischer Sozialerziehung

Das Diskussionsthema der Sportpädagogik beinhaltet in den 90er Jahren die folgenden Schwerpunkte:

a) Die „Bildungsdebatte“. Ihr liegt die These zugrunde, dass der pragmatische Ansatz einer Sportdidaktik „mit reduzierten Ansprüchen“ den drängenden Erziehungsproblemen der Gegenwart nicht mehr gerecht wird (STIBBE 1992).
b) Die sogenannte „Instrumentalisierungsdebatte“, in der es darum geht, die Frage zu klären, ob der Sport seinen „Eigenwert“ verliert, wenn er für „extrasportive“, d.h. auch erzieherische Zwecke „instrumentalisiert“ wird (SCHALLER 1992 und BECKERS 1993).

Diese beiden Debatten werden zwar kaum in Zusammenhang geführt, jedoch unterliegt ihnen die gemeinsame Tendenz, die gegenwärtig (noch) dominierende Qualifikationsfunktion des schulischen Sportunterrichts zugunsten seines Erziehungsauftrags verändern zu wollen. In Zeiten ausgeprägter Wertepluralität und den daraus erwachsenden Problemen der Orientierungslosigkeit, Handlungsunsicherheit und Vereinzelung vor allem bei Kindern und jugendlichen, darf sich der Sportunterricht nicht länger darauf beschränken, zur „Handlungsfähigkeit im Sport“ zu qualifizieren. „Sport“, in der Bildungsinstitution „Schule“ angeboten und betrieben, steht in erster Linie in einer erzieherischen Verantwortung (BRODTMANN 1993).

[...]


[1] Aus „Thesen zum Sozialen Lernen – Tilman Bechthold-Hengelhaupt – August 1997

[2] Niedersächsisches Kultusministerium – Grundsätze und Bestimmungen für den Schulsport 1998, S. 10

Details

Seiten
12
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638166935
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10189
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Sport
Schlagworte
Soziales Lernen im Sportunterricht

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Titel: Soziales Lernen