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Goethe, Johann Wolfgang von - Faust I - Szenenbesprechung

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 2 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Szenenbesprechung zu Faust 1

Inhalte "Garten" und "Gartenhäuschen"

Faust und Mephistopheles besuchen Margarete und die Nachbarin Marthe in deren Garten und spazieren umher; Faust hält Margaretes Arm, Mephistopheles den von Marthe und sie unterhalten sich untereinander.

Margarete kann nicht verstehen, warum sich Faust als Mann von Welt so für sie interessiert, da sie doch nichts Besonderes ist und die Familie nichts zu bieten hat. Sie erzählt, dass der Vater gestorben ist und ein kleines Vermögen hinterlassen hat. Desweiteren hat sie einen Bruder, der Soldat ist und sie hatte auch eine kleine Schwester. Um die hat sie sich gekümmert wie eine Tochter, da die Mutter lange krank im Kindbett lag, bis die Schwester starb.

Da pflückt Margarete eine Blume und zupft die Blätter ab. Das Blumenorakel endet bei "Er liebt mich" und Faust ergreift ihre Hände, da es so ist. Margarete läuft weg.

Marthe versucht mehr über Mephistopheles zu erfahren und fragt ihn aus, ob er nicht Familie oder zumindest eine Geliebte hat. In jungen Jahren mag er viel geschäftlich unterwegs sein, aber er braucht doch irgendwann einen Hort, wo er geliebt wird. Mephistopheles weicht aber mit seinen Aussagen aus und deutet nur an, dass Marthe recht hat.

Diese Szene geht direkt in die nächste, "ein Gartenhäuschen", über. Margarete ist in ein Gartenhäuschen geflüchtet und Faust folgt ihr, worauf sie sich küssen. Da platzt Mephistopheles herein, da es Zeit ist, sich zu verabschieden.

Kommentar zu "Garten"

Diese Szene ist vergleichbar mit der "Opera buffa" (komische Oper), in der zwei Duette sich abwechseln und sich schließlich dialogisch entgegenkommen. Goethe hat diese Kunst, mit den Figuren zu spielen, vom Singspiel übernommen, wodurch er den Inhalt auflockert. Originell läßt er zwei unterschiedliche Pärchen wie auf einer Drehscheibe im Wechselspiel auftreten.

Faust und Margarete schweben auf Wolke Sieben und sind sich einig, während Marthe vergeblich versucht, ein ernstes Gespräch mit Mephistopheles aufzubauen. Sie ist an diesem viel umhergekommenen Mann interessiert, der sie aber mit seinen nichtssagenden Antworten einem Politiker gleich eher verspottet.

Interpretation von "Ein Gartenhäuschen"

Hier kommt es zur ersten Intimität zwischen dem frischverliebten Pärchen, die jedoch sofort durch Mephistopheles gestört wird. Faust ist sehr wütend, da er nur von seinem Verlangen gelenkt wird. Der Teufel ist wie ein schlechtes Gewissen, dass ihn bremst, da das tugendhafte Gretchen durch dieses Verhältnis ins Unglück gestürzt wird.

Inhalt von "Wald und Höhle"

Faust hat sich am Abend in eine einsame Höhle im Wald zurückgezogen, wo er seinen Gedanken nachgeht und die Natur betrachtet. Mephistopheles spürt ihn auf und verspottet Faust, dass er in einer feuchten Höhle herumsitzt, wo er doch so viel erleben kann. Er soll Gretchen besuchen, da sie schon ganz krank vor Sehnsucht und Liebeskummer ist. Faust ist zuerst verärgert, ihm gibt es so viel Kraft, er fühlt sich der Erde verbunden und nur der Teufel kann das natürlich nicht verstehen.

Faust ist bewußt, dass er Gretchens Glück schadet, wenn sie sich mit ihm abgibt, da sie so verschieden sind; sie unschuldig und rein und er ein Verdammter. Doch das Schicksal hat bereits seinen Lauf begonnen, mögen sie beide zugrunde gehen.

Interpretation von "Wald und Höhle"

Diese Szene ist das Gegenstück zu der vorhergegangenen "Garten"- Szene. Sie symbolisiert Glück und Liebe, aber in "Wald und Höhle" hat sich Faust zurückgezogen, da er einem Gefühlschaos unterliegt. Er ist vor den Verwicklungen mit Gretchen geflohen, da er nicht weiß, ob er sie verführen soll oder nun in Ruhe lassen.

Das Aufbauprinzip fällt aus der Reihe, es enthält sowohl Diastole als auch Systole. Die Diastole, was ausatmen oder Ausbreitung heißt im Sinne von mit sich selbst und seinem leben im Reinen sein, findet sich hier gleich zu Beginn der Szene (Vers 3217ff): Faust hat sich beruhigt, zu sich selbst gefunden., denn der Wald steht symbolisch für Ruhe, die Höhle für Geborgenheit. Er ruft den Erdgeist an und dankt für alles, was er erhalten hat, erleben durfte. Faust ist nun völlig überwältigt von der Natur, er fühlt sich mit der Erde verbunden (Vers 3220: "Natur zum Königreich", 3223f: "...in ihre tiefe Brust, wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.") Wenn er den Sturm brausen hört, die Fichte stürzen, spürt er die Kraft der Natur und empfindet Erfüllung. Darauf folgt die Systole (Einschränkung, Zusammenziehung, Vers 3240f ): Der glückliche Moment der Erfüllung geht vorbei, Faust ist wieder angespannt, zerrissen. Seit der Teufel in Fausts "Brust ein wildes Feuer" (3247) entfacht hat, kann er doch nicht mehr glücklich werden; Vers 3249f: "So tauml ich von Begierde zu Genuß, und im Genuß verschmacht ich nach Begierde." Mephistopheles erscheint und verstärkt Fausts depressionsartige Stimmung und verhöhnt ihn, wo er doch die ganze Welt haben kann, dass er seine alten

Gewohnheiten wiederaufnimmt, wo Mephistopheles ihm doch aus dem langweiligen Leben herausgeholfen hat. Der Teufel fordert Faust auf zu leben und wieder zu Gretchen zu gehen, die ihn sehr vermißt. Faust hat schließlich verlangt, dass Mephistopheles ihn diese Frau gewinnen läßt, er hat angefangen, ihr den Kopf zu verdrehen; ist der Fluß der Leidenschaft etwa wieder versiegt? Faust wird wütend auf Mephistopheles und schimpft ihn Schlange und Verführer; er kann nicht zu Gretchen, weil er sie verdirbt, und doch kann er sie nicht einfach vergessen. Der Teufel bohrt weiter im Gewissenskonflikt und bekräftigt Faust zu Gretchen zu gehen, weil er dort hingehört. Der wankt und entschließt sich dann, das Schicksal laufen zu lassen und will zu Gretchen gehen, ob er ihr Leben aus der Bahn wirft oder nicht; Vers 3263ff: "Was geschehen mag, mag's gleich geschehen! Mag ihr Geschick auf mich zusammenstürzen und sie mit mir zugrunde gehen!"

Details

Seiten
2
Jahr
2000
Dateigröße
326 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101985
Note
Schlagworte
Goethe Johann Wolfgang Faust Szenenbesprechung

Autor

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Titel: Goethe, Johann Wolfgang von - Faust I - Szenenbesprechung