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Mode 1950 -1999 - Neuer Look - Alte Inhalte

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 10 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Mode 1950-1959 -Neuer Look , Alte Inhalte

Die 50er Jahre waren das letzte große Jahrzehnt der Haute Couture.

Die Zeit für eine Wende in der war Mode gekommen, denn nach der knappen und kargen Nachkriegszeit träumte man von weichen Linien und verschwenderischer Stoffülle.

Der von Christian Dior 1947 New Look symbolisierte Optimismus und Opulenz. Daß er sich durchsetzte war ein Ausbruch unterdrückter Wünsche, bedeutete jedoch keinen Aufbruch in eine bessere Zukunft.

Der New Look betonte zwar immer noch Klassenunterschiede, trotzdem verstanden ihn die Leute als ein Versprechen auf Wohlstand, Eleganz und Lebensfreude. Er war der Auslöser für die Entstehung einer neuen Gesellschaftsschicht, der Mittelklasse.

Die Sanduhrform des New Look fand man auch in der Architektur und der Inneneinrichtung wieder. Nierentische, Tulpengläser, taillierte Vasen - alles reflektierte die skulpturalen Linien des New Look.

Christian Dior hatte den Zeitgeist erfaßt, der sich in den 50er Jahren erstmals nicht auf ein bestimmtes Land und auf eine Gesellschaftsschicht begrenzte.

Die sogenannten drei neuen K - Kaufhäuser, Kunstfasern, Konfektion - ermöglichten breiten Schichten, den Stil sowie die ganze Lebensart der Reichen und Privilegierten nachzuahmen.

Die Frau wurde in den 50er Jahren im wörtlichen wie im übertragenen Sinn wieder in ein Korsett gesteckt.

Nach dem Krieg, in dem sie ihren Mann gestanden hatte, wollte sie wieder Frau sein und gab, ohne es zu wissen, bereits Gewonnenes auf, um zurück an den Herd zu kehren. Der Mann war wieder der Herrscher und Ernährer, die Frau die Hüterin des Häuschens im Grünen mit moderner und funktionaler Einrichtung in hellen, freundlichen Farben, pflegeleicht, mit lauter technischen Helfern, die ihr Arbeit abnahmen. Und sie hatte sich morgens bis abends makellos zu präsentieren, wie es die Reichen und Schönen, wie Marilyn Monroe und Sofia Loren, in Magazinen und Filmen zeigten. Die Frau diente als Aushängeschild für den Erfolg ihres Mannes. Sie war eingeschnürt in neue Korsetts und alte Konventionen.

Man ging nicht ohne Handschuhe -diese verschwanden jedoch im Laufe der Dekade - und Hut , die Tasche mußte zu den Schuhen passen und die Accessoires zum Make-up. Außer zum Sport trug man stets hohe Absätze und Nylonstrümpfe. Dekolleté zeigte man erst am Abend. Je später am Abend um so aufwendiger die Kleidung. Die Frau der 50er durfte in den Abendstunden durchaus auffallen, aber sie entblößte sich nicht, die Dekolletés waren nie besonders tief, die Röcke nie ganz kurz und die Stoffe nie transparent.

Eine Frau mit gesellschaftlichen Verpflichtungen - an der Seite ihres Mannes - mußte sich oft bis zu sieben mal am Tag umziehen, ihre Accessoires wechseln und Make-up und Frisur anpassen.

Die Fuß- und Fingernägel waren immer gepflegt und lackiert und sogar bei der Hausarbeit trug man adrette und der Mode entsprechende Kleidung.

Der New Look und die sich daraus entwickelnden Linien zeichneten sich durch weiche, abfallende Schultern und extrem schmale Taillen aus. Zu inoffiziellen Anlässen wurden Hemdblusenkleider und Twinsets mit Perlenkette zu Faltenröcken getragen. Ansonsten war tagsüber ein tailliertes Kostüm mit einem bleistiftengen oder Petticoatgestützen weiten Rock angemessen.

Gegen Ende der Dekade kamen wieder geometrische Formen mit Anklang auf die 20er auf und die Säume rutschten bis knapp unters Knie hinauf. Diese neue Silhouette wurde „French Bean“ genannt.

Die Schuhe der Dekade waren schmal. Sie hatten eine zulaufende Spitze und zumindest einen halbhohen, meist jedoch einen sehr hohen Absatz. Dieser wurde immer schmäler bis er zum berühmt-berüchtigten Stiletto- oder “Bleistiftabsatz“ wurde. Bei Jugendlichen fanden die flachen, vorne abgerundeten Ballerinas, die Brigitte Bardot und Audrey Hepburn populär machten, großen Anklang. Damit konnte man wunderbar Rock´n´Roll tanzen.

Hüte hatten einen kleinen, flachen Kopf und eine breite Krempe. Der Hut wurde jedoch aufgrund der aufwendigen Frisuren immer kleiner bis schließlich nur noch eine Art Spange getragen wurde. Wichtig wurden Kopftücher die, vor allem beim Cabrio-fahren, vor dem Wind schützen sollten.

.Zu Garten- und Cocktailparties trug man jugendliche, farbenfrohe Cocktailkleider.

Christian Dior, der König der Couture , tat alles um das Interesse an der Mode nicht ermüden zu lassen. Während seiner 11-jährigen Schaffenszeit führte er 22 verschiedene Linien ein . Er gab den Ton an, die anderen folgten ihm freiwillig - und alle Frauen dieser Welt trugen seinen Look. Dior hatte gar nichts dagegen, kopiert zu werden, es gefiel ihm sogar.

Als Reaktion auf die tristen Kriegsjahre ist die Farbexplosion typisch für die 50er.

Die Palette der Make-up-Farben wechselte, wie die Mode, zwei mal jährlich. Propagiert wurden z.B. Kombinationen wie türkiser Lidschatten zu orangem Lippenstift, Hauptsache, der Lidschatten paßte zur neuesten Mode und zur Handtasche gefallen. Es machte nichts aus, daß viele Frauen dann so aussahen, als wären sie in den Farbtopf gefallen; jeder sollte sehen können, daß sie Make-up trugen. Für die neue Zielgruppe, den Teenagern gab es bald eine jüngere, etwas hellere und weichere Make-up-Version nach dem Vorbild von Brigitte Bardot und deren Schmollmund. Auch ihren hochangesetzten blonden Pferdeschwanz ahmten unzählige Teenager nach.

Teenager die hingegen nicht sexy, sondern ernsthaft wirken wollten, verzichteten auf Farben; ihre Haare, ihr Lidstrich und ihre Kleidung waren schwarz, die Frisur strähnig und meist mit gefranstem Pony. Die erwachsene Frau wechselte Form und Farbe ihrer Haare regelmäßig, die bevorzugte Haarfarbe blieb blond. Die Ohren blieben bei all den aufwendigen Frisuren immer frei und wurden mit dicken, runden Knöpfen oder großen goldenen Creolenringen geschmückt. Schmuck war ein absolutes Muß.

Die Jugendlichen faszinierten die tragischen Helden aus Amerika. Intellektuelle Jugendliche zeigten ihre Weltverachtung indem sie sich wie die Beatniks und die Exzentriker schwarz kleideten.

Marlon Brandos T-shirt-Auftritt in „Endstation Sehnsucht“ löste eine Welle aus, die ein Jahrzehnt später die alte Gesellschaftsordnung hinwegschwemmen sollte. Die T-shirts, schwarzen Lederjacken und Bluejeans des Marlon Brando und des James Dean wurden zu einer Uniform, die Unzufriedenheit ausdrückte.

1960-1969-Sex, Drugs & Rock´n´Roll

Bis heute gibt es gespalt ene Meinungen über die „Swinging Sixties“. Sie werden für das goldene Zeitalter neuer Freiheiten sowie für eine düstere Dekade, die Zusammenbruch von Moral, Autorität und Disziplin bedeutete gesehen. Fest steht, daß alles, was damals in Bewegung geriet bis heute gesellschaftliche, politische und kulturelle Auswirkungen hat. Diese Bewegung ging von den Jugendlichen aus und ihr Einfluß war größer als je zuvor.

Die in den 50er Jahren erstmals als Konsumenten entdeckten Teenager waren zu rebellischen Twens geworden, die alles in Frage stellten, was den Eltern heilig war und sich gegen Anpassung, Unterordnung und Selbstverleugnung wehrten. Ihre Gegenkultur war allgegenwärtig.

Die Enge der bürgerlichen Gesellschaft, die Vorschriften von Anstand und Etikette und der Leistungsdruck, den die „Wirtschaftswundergeneration“ auf ihre Kinder ausübte führten oft zu Leistungsverweigerung und Ablehnung von Familie, also auch von Ehe, Treue und die konventionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau.

Sie feierten die neue paradiesische Freiheit; man wollte sich nichts mehr vorschreiben lassen, suchte sich den Partner genauso spontan und unverkrampft aus, wie seine Kleidung, die auch kein Statussymbol mehr sein sollte. Unterstützung fand dieser Lebensstil als 1961 die Pille auf den Markt kam, die es ermöglichte, Schwangerschaften einfach und zuverlässig zu verhüten. Ohne sie wäre die sexuelle Revolution nie möglich gewesen.

Junge Unternehmer wurden Dank der noch blühenden Wirtschaft mit dem reich, was ihnen selbst gefiel - Clubs, Discos, Pornoshops, Undergroundmagazine, individuelle Kleidung, Reisen, Drogen und Rock´n´Roll.

Die Musik vereinte über alle Grenzen und alle Klassen-, Rassen- und Geschlechtsunterschiede die Jugendlichen des Westens. Nach Bill Haley und Elvis Presley waren nun die Beatles und dann die Rolling Stones, The Who und Jimi Hendrix gefragt. Deren Musik drückte aus, was nicht in Worte zu fassen war.

Eleganz war das letzte, was Jugendliche der 60er wollten, denn das war das, was ihre Mütter in den 50ern getragen hatten und worin man ganz alt aussah. Erstmals waren es die Töchter, die Trends setzten und es waren die Mütter, die ihnen oft folgten.

In den 60er Jahren fand Mode von der Straße erstmals Eingang in die Haute Couture.

Yves Saint Laurent, dem 1958 die Führung des Hauses Dior anvertraut worden war, erkannte vor allen anderen die Zeichen der Zeit. Schon 1960 zeigte er schwarze Rollkragenpullis und Lederbloussons, als gälte es Rockerbräute einzukleiden. Seine avantgardistische Kollektion führte dazu, daß Dior und Saint Laurent sich trennten und zweiterer selbständig wurde. Obwohl seine Modelle im Gegensatz zu denen wichtiger Kollegen nicht wie aus dem All aussahen, war Yves Saint Laurent der modernste Couturier dieser Zeit. Er schaute mehr auf die Straße und brachte den Zeitgeist auf den Laufsteg. Er belebte die Unisex-Mode durch den Smoking für Frauen, nahm Popund Op-art und auch die orientalisch beeinflußte Hippie-Mode auf.

Der neue, aus London stammende, kindliche Mini bedeutete eine Sensation. Im Gegensatz zu den Frauen aus den 50ern mit Atombusen und Stilettoabsätzen, sah man nun lauter „Lolitas“ mit großen Augen und langen, dünnen Beinen im Transparentlook, der ihre wenig entwickelten Brüste kaum verhüllte.

Anfang der 60er löste die Mini-Königin Mary Quant mit ihrem sogenannten „Fünf-Punkte-Haarschnitt“ eine große Nachahmungswelle aus. Der Beatles-Pilzkopf war das Vorbild zu diesem asymmetrischen Schnitt, bei dem die Haare von der Mitte des Oberkopfes spitz auf fünf Punkte zulief. Sowohl diese Betonung bzw. Vortäuschung einer runden, ausladenden Kopfform als auch die durch Make-up vergrößerten Augen trugen zu einem sehr kindlichen Aussehen bei. Der Idealtyp des Jahrzehnts zeigte keine weiblichen Attribute, sondern war ein mageres, kindlich wirkendes Nymphchen.

Strick-Strumpfhosen, flache Stiefel und No-Bra-Büstenhalter lösten Mieder, Strapse und Stilettos der 50er ab und auch das Make-up sollte natürlicher wirken - wie zarte Babyhaut. Auf die Lippen kam nur etwas Gloss, der sie wie feuchte Kindermünder aussehen ließ. Bei den Augen jedoch griff man tief in den Farbtopf. Verwendet wurden verschiedenfarbige Lidschatten, dunkle Lidstriche, viel Mascara und falsche Wimpern.

Blumen, vor allem Margeriten und Gänseblümchen, die auch als Modeschmuck getragen wurden, standen für Jugend und Natürlichkeit. Plastik für Accessoires unterstrich die optimistische Zukunftsgläubigkeit und die Raumfahrteuphorie - 1961 flog der erste Mensch in den Weltraum und 1969 betraten Neil Armstrong und E.A.

Aldrin als erste Menschen den Mond. Auch die beim Make-up und für Kleidung verwendeten Farben erinnerten an das Weltall: weiß und silber verliehen Schwerelosigkeit bis hinunter zu den flachen Stiefeln.

Das saubere Erscheinungsbild - gezirkelte Haarschnitte, geometrische Kleiderformen, die Pop- und Op-art-Muster, die lichten Farben - wurde von Twiggy am besten repräsentiert. Sie war die Inkarnation dieses neuen Idols, die ultimative 60er Jahre-Lolita und das erste Mannequin, das zum Massenidol avancierte. Jean Shrimpton, das nächste minderjährige Model, löste mit ihren langen, glatten Haaren die nächste Frisurenmode aus. Auch hier war wieder der volle - oder toupierte - Oberkopf wichtig.

Als Zeichen für eine neue Natürlichkeit setzten nun die Hippies ihre wildwuchernden Mähnen falschen Haaren entgegen. Zu Beginn der Dekade ließen sich Mädchen und Burschen aufgrund des gleichen Kurzhaarschnittes oft schwer unterscheiden und später sorgten wiederum lange Locken und Strähnen für den Unisex-Look. Nun trug man echte Blumen als Symbol für die Forderung nach Frieden, natürliche Stoffe und authentische Kleidung. „Zurück zur Natur!“ hieß es in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts. Statt Pagenkopf, Mini, Nylons und Lacklederstiefel ging man dann barfuß oder mit Sandalen, in wallenden Gewändern, mit unbeschnittener Haarpracht. Man trug Jeans und andere Baumwollkleidung, enorme Glockenhosen, bestickte Lammfelljacken, Lederaccessoires, indische Schals und T-shirts mit Batikmustern.

Obwohl wahre Hippies es bevorzugten, auf Flohmärkten nach authentischer Kleidung zu suchen, wurde ihre Mode bald auch in den vornehmsten Boutiquen vermarktet und die Industrie kopierte den Charme abgeschabter Samtgewänder. Die Haute Couture übernahm die Vorliebe der Blumenkinder für nackte Haut und schlug 1968 durchsichtige Blusen und nichts darunter vor.

Gegen Ende der Dekade herrschte die totale Freiheit: Es gab Mini und Maxi, Hosen und Röcke, futuristische, folkloristische und psychedelische Muster. Auch die Klassenunterschiede in der Mode waren nun verwischt.

1970-1979- Antifashion, aber bitte mit Schlag

Der Jugendkult der jungen Idealisten der 60er Jahre blieb in der Tat lebendig, doch die Jugendlichen, die ihn ins Leben gerufen hatten wurden leider älter. Die nachrückende Jugend litt unter Arbeitslosigkeit, Inflation und Langeweile. Jugend bedeutete nicht mehr automatisch Optimismus und Idealismus.

Jetzt setzten sich die Umwälzungen der 60er auf breiter Ebene fort: sexuelle Befreiung, Wehrdienstverweigerung, Drogenexperimente, Einforderung der Frauenrechte

1972/73 kam es nach dem Vietnam-Krieg und einer Ölkrise zum Dollarverfall und zur wirtschaftlichen Krise. Die Jugend war nicht mehr optimistisch, sondern zynisch. Die 70er gelten nicht umsonst als die Dekade des schlechten Geschmacks. Alles wurde ausprobiert, vermischt, verworfen und wieder aufbereitet: Plateausohlen, Hot-Pants, Schlaghosen, Polyesterhemden, Disco-Glitter, Retro-Kitsch und No-Future-Punk.

Die Mittelklasse erwärmte sich für die Vorlieben der Hippies und trug zunehmend natürliche Materialien. Eine sanftere Palette, weichere Musterungen und kleine Drucke lösten die „lauten“ psychedelischen Muster und Farben ab. In der „Beige-Phase“ (ab 1973) kombinierte man neutrale Farben wie Khaki, Sand, Taupe, Oliv oder Ziegelrot miteinander. Die Mode hatte keine strikten Regeln mehr, jeder suchte selbst aus, was zu ihm paßte. Sich aus Einzelteilen die Garderobe zusammenzustellen ist ein Erbe der Hippies, die damit Individualität demonstrierten.

Das Schlüsselwort der 70er war Antifashion. Von Billig-Baumwoll-Gewändern bis Haute Couture war alles erlaubt, es durfte jedoch nicht nach einem normalen Look aussehen. Dies machte die Entscheidung, was man zu was anziehen sollte schwer. Im Zweifelsfall griff man meist zur Jeans, die zur Uniform der Nonkonformisten geworden war. Die blauen Hosen wurden überall und von jedem getragen und solange sie nicht bestickt und geflickt waren, wie in den 60er Jahren, durfte man jetzt damit sogar zur Uni und ins Büro.

Viele der Jeansträger/innen sahen aus , als ob sie ihre Kleidung kaum wechseln würden; so demonstrierte man am einfachsten, daß man sich nichts aus Mode machte. Die Unisex-Welle führte nicht zur angestrebten Gleichberechtigung, sondern zur Gleichmacherei: Er und sie sahen genauso trist und trostlos aus.

Glam-Rock brachte wieder Farbe ins Spiel der Geschlechter und revolutionäres Potential in die Mode. Vor allem David Bowie trat mit ausgefeiltem Make-up und schillernder Eleganz gegen die allgemeine Schlampigkeit und für ein ästhetisches Auftreten ein. Er machte deutlich, daß Unisex nicht unbedingt heißen müsse, daß Frauen farblos würden - es könne auch heißen, daß Männer Farbe bekennen.

Die aus Ghettos stammenden, afroamerikanische Funkmusiker und in der Folge auch viele ihrer Fans trugen Rüschenhemden, enge Seidenjerseyhosen, schwarze Rollis, Ledermäntel und, wie auch die Glam-Rocker, bis zu sechs Zentimeter hohe Plateausohlen; die Absätze konnten gar fünfzehn Zentimeter hoch sein Patchwork aus verschiedenem Schlangenleder war ein beliebtes Material unter Funkern. Die Plateausohlen und weit ausgestellte Hosenbeine lenkten die Blicke am langen Bein entlang nach oben, dorthin wo der Seidenjersey knalleng den Körper umspannte. Dieser augenfällige Sex-Appeal inspirierte Designer dazu, auch den verblaßten Jeans neues Leben einzuhauchen: Der grobe Denim wurde zu modischen Hüft-, Schlag-, Röhren-, Karotten- oder Bundfaltenhosen verarbeitet und man scheute sich nicht vor Aufschlag und Bügelfalte. Mit einer breiten Farbpalette war die Verfremdung komplett. So wurden aus den klassischen Arbeiterjeans richtige Lifestyle-Jeans. Der gammelige Protestlook hatte sich also zu einer Erfolgsuniform entwickelt, mit der auch Frauen am Arbeitsplatz ihre Ernsthaftigkeit demonstrierten - vor allem, wenn sie wie die Männer den korrekten Blazer dazu trugen.

Auch Ralph Laurens Kostüme für Annie Hall und Diane Keaton wurden zum Vorbild für Millionen. Hinter weißen Hemden, weiten Hosen, geräumigen Blazern und Hüten versteckte so manche Frau Figur und fehlende Selbstsicherheit. Furore machte auch das kniebedeckende dunkle Seidenkleid, das mit Blazer, berufstätigen Frauen von Büro bis zum Abendempfang gut kleidete. Im Gegensatz zu den oft superengen Hosen waren die Hemdblusen, die Frauen gerne halbgeöffnet dazu trugen, weit.

Den „natürlichen Look“ adaptierten in den 70ern hauptsächlich berufstätige Frauen, die so taten, als sei ihnen ihr Aussehen nicht so wichtig wie ihr Beruf. Um ihren männlichen Chefs und Kollegen trotzdem einen angenehmen Anblick zu bieten und sich so ihren Job zu sichern, zeigten sie sich stets gepflegt. Der Körper hatte zu wirken als wäre er von Natur aus sportlich und sexy - und ganzjährig gebräunt. Wenn sie nicht naturgegeben war, wurde eine überschlanke Figur hart erarbeitet, gesunde Ernährung war ein Muß und mit Schlankheitsprodukten und den neuen Anti-Falten-Cremes wurden Bombenumsätze erzielt.

Der Trend zu allem Natürlichen brachte auch die Akzeptanz des Afro-Looks. Viele weiße Frauen versuchten den Afro-Look mit Dauerwellen nachzuahmen, was des öfteren danebenging.

Exzesse leistete man sich in den 70er Jahren nur am Abend, dann aber um so heftiger.

In der Disco erholten sich von korrekter Karrierekleidung Gelangweilte vom guten Geschmack. Zur Schau gestellt wurden kreischbunte Polyesterhemden, Bodystockings aus Lycra, Haltertops zu Hot-Pants aus silbernem Lurex, alte Spitzenhemdchen, Glitzerjeans, Cocktailkleider aus den Fifties, Omas bodenlange, brave Blumengewänder, nackte Haut oder moderne Abendroben mit Schlitzen.

Für den Gang in die Discos und Clubs, wie z.B. das kultige „Studio 54“ in New York, griffen auch Frauen, die tagsüber nur Wasser an ihre Haut zu lassen schienen, tief in den Farbtopf.

Dort war nämlich Glanz, Glitter und Künstlichkeit angesagt - dünne Augenbrauen, bunte, schillernde Lidschatten, dunkelrote bis schwarze Lippen und ein durch Silber-, Gold- und Neonpartikeln irisierender Teint.

Eine weiter Option war die Eleganz der 30er, die in den 70ern ein Revival erlebte.

Die Punks aber steckten ihre rasierten, tätowierten und gepiercten Körper in alles, was häßlich war: Müllsäcke, zerrissenes Gewand, schwarzes Fetisch-Leder, Leopardenmuster und Armeekleidung. Sie waren in ihrer gezielten Geschmacklosigkeit der etwas älteren Discogeneration ähnlich, handelten jedoch im Gegensatz zu dieser, die in lässiger Abgeklärtheit das Häßliche und Lächerliche amüsant und charmant fand, in bitterer Provokation.

Sie entdeckten „NO-Future“, ersetzten „Love & Peace“ durch „Sex & Violence“, alles Natürliche durch Künstlichkeit, Baumwolle durch Plastik. Sie kombinierten nur, was nicht zusammenpaßte, verwendeten Tampons und Sicherheitsnadeln als Schmuck und trugen unter ihren Lederjacken mit Totenköpfen heiße Spitzenwäsche aus dem Nuttenladen. Die Punks stellten am provokativsten alle Schönheitsideale in Frage.

1980-1989-Dressed for success

In den 80ern war es endlich wieder hip, reich und gut gekleidet zu sein und sich nicht für Politik zu interessieren.

Nachdem R. Reagan Präsident der U.S.A. und M. Thatcher Premierministerin in England wurde, stand fest, daß der Westen wieder konservativ geworden war.

In der Mode fing alles harmlos an. Die wilde Punkzeit etablierte sich zwar und Edel-Punk wurde sogar am Laufsteg gezeigt, doch in England, der Heimat des Punks, schwelgten die meisten vorerst im Romantikfieber. Typisch dafür waren die Samtoutfits mit Rüschenhemden und Fantasy-Anzüge wie Prince sie trug. Und durch Prinzessin Diana, deren Brautkleid millionenfach kopiert wurde, wurde eheliche Treue wieder salonfähig. Die romantische Stimmung sollte jedoch nicht lange andauern. Die nun erwachsen gewordenen geburtenstarken Jahrgänge der 60er wollten vor allem Geld verdienen - viel, schnell und ohne Rücksicht auf andere. Unter dem Motto „Work hard, play hard“ wurde dieses Geld aber genausoschnell wieder ausgegeben.

Das Schlagwort in den 80ern hieß „Dressed for success“.

Yuppies waren möglichst ledig und kinderlos und machten als Börsenmakler, Anwälte oder in der Medienbranche Karriere. Männliche Yuppies trugen den sogenannten Powe rlook: Zweireihige Anzüge von Armani oder Hugo Boss mit extrem ausgeformten Schulterpölstern symbolisierten Ehrgeiz und Ellbogenmentalität. Obwohl Schulterpölster das Maskuline unterstrichen, sorgten Modemacher wie Armani gleichzeitig auch dafür, daß die Männermode insgesamt femininer wurde. Männer trugen nun weiche, fließende Stoffe, schmale Lederkrawatten und bunte Schuhe. Die Fernsehserie „Miami Vice“ zeigte übrigens alles auf, was für die 80er so typisch ist:

Sonne, Strand, Popmusik, Cocktails, Designeranzüge, Ray-Ban-Brillen, Machotum...

Der weibliche Yuppie trug unter Tags ein stark tailliertes Kostüm mit ebenfalls extremen Schulterpolstern, kurzem, engen Rock und Bluse. Außerdem wurde auch der Hosenanzug zur Standard-Arbeitsbekleidung weiblicher leitenden Angestellten. Die Schulterpolster sollten Autorität und Macht ausstrahlen und Emanzipationsbestrebungen in die Tat umsetzen.

Berufstätige Frauen benutzten tagsüber weiterhin nur natürlich wirkendes Make-up in transparenten Tönen. Dunkler Teint und künstliche Bräune waren nun ohnehin nicht mehr gefragt, da man nun wußte, daß Sonne und Solarium nur alt machten.

Die Abendmode stand farblich ganz im Gegensatz zum dezenten Bürodreß, die Schultern waren aber auch hier sehr betont. Die Kleider hatten Ballonröcke und Puffärmel und waren aus glänzenden Farben - schillernde Roben, mit denen sich Karrierefrauen nachts ins Abenteuer stürzten.

Yuppies waren eher materiell orientiert, man erholte sich beim Shopping und hatte lieber schnelle Affären als zeitaufwendige Beziehungen. Madonnas passende Hymne der 80er lautete: „I am a material girl and I am living in a material world“.

Das Fitneßfieber stieg weiterhin. Im Zuge dieser Welle wurde das Material Lycra populär. In den 80ern war es für eine Frau durchaus möglich in Leggings und Body auf die Straße zu gehen. Durch Bodybuilding und Aerobic versuchten Frauen - abgesehen von der Brust, die durchaus wieder üppig sein durfte - maskulinere Formen zu erreichen. Aber auch die Männliche Identität wandelte sich in den 80ern, wie es Stars wie Prince, Michael Jackson und Boy George verdeutlichen. Die Welt der Eitelkeiten wurde nicht mehr nur von Frauen dominiert.

Neben den reichen Yuppies, prägte auch wieder die Jugendkultur die Modewelt der 80er, diesmal die Jugendkultur der Schwarzen. Der Slogan „Black is beautiful“ bezog sich im unpolitischen 80er-Jahrzehnt hauptsächlich auf Mode und Musik der Schwarzen. Hip-Hop, Rap und House Music von schwarzen Bands wie Grandmaster Flash, Run DMC und Public Enemy gaben in der Musikszene der Eighties den Ton an. Diese „Street Sounds“ und die dazu passende „Street Fashion“ entwickelten sich in den Discos der 70er Jahre. Hinzu kam ein neuer Tanzstil, das Breakdancing, für den man bequeme Kleidung benötigt: Sportswear und Turnschuhe von Reebok, Nike oder Adidas - ganz im Sinne des in dieser Dekade so starken Markenfetischismus. 1985 sangen Run DMC „My Adidas and me..“ und retteten so die Sportfirma Adidas, die davor kurz vor dem Ruin gestanden hatte.

Die Obsession des Tanzens und des Sports mit den dazugehörende Stars verband in den 80ern Musik und Mode so eng wie nie zuvor.

Zum Homeboy-Style der Burschen aus den schwarzen Ghettos gehörten Baggy Pants, Turnschuhe, Baseballkappen und dazu große Ketten, z.B. mit Mercedes-Stern. Für dieses Outfit begeisterte sich bald auch die weiße Jugend, die sogar noch versuchte, das Original zu übertreffen.

House- und Acid-Künstler trugen wieder Anzüge á la Miami Vice oder fluoreszierende Tops, bedruckt mit afrikanischen Mustern und Lycra-Sportswear.

Nach der offiziellen Einstufung von Aids als Epidemie 1985, dem Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 und den immer häufiger werdenden Nachrichten über das täglich größer werdende Ozonloch wurde langsam ein neues Umweltbewußtsein entwickelt, das sich auch auf die Mode auswirkte. Gegen Ende der Dekade protestierten Supermodels wie Naomi Campbell, Cindy Crawford und Kim Basinger gegen Pelzmode und auch in anderen Bereichen waren wieder Impulse zu erkennen, sich nicht mehr ausschließlich um sich selbst zu kümmern. Das Ende des Yuppiekults stand fest, als 1987 die Börse zusammenbrach.

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Auflösung der Sowjetunion schienen am Ende des Jahrzehnts alle Türen offen zu stehen.

1990-1999-Minimalistisch in die Zukunft ?

Die 90er Jahre waren eher eine Beruhigungsphase, in der auf tiefgreifende Veränderungen mit einiger Zurückhaltung reagiert wurde. Durch den Computer wurden der gesamte Lebensrhytmus und die Arbeitswelt verändert und beschleunigt. Zum Konsum als Freizeitsport kam abermals eine neue Sinnsuche und wieder einmal wurde die ewige Jugend zum obersten Ziel.

In Folge des Zusammenbruchs des Kommunismus im Osten waren die 90er eine Periode der Grenzenlosigkeit und - hauptsächlich von Amerika ausgehend - eine Dekade des Liberalismus, in der die Börse, Hollywood und Fast - Food -Tempeln großen Einfluß auf die Kulturen hatten, ein Jahrzehnt der Globalisierung.

Gleichzeitig mit der Sehnsucht nach Sicherheit, Wahrheit und neuen Werten stieg auch das Bedürfnis nach Entertainment.

Schön langsam kam in Europa aber die Ahnung auf, daß der Hemmungslosigkeit der goldenen 80er nun mehr Bedacht folgen würde. Ähnlich wie in den 20ern gab es auch in den 90ern sinkenden Konsum Rekordarbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen.

In der Mode begannen sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern zurückhaltend gestylte „Basics“ durchzusetzen. Diese waren schick, schlicht, gesellschaftlich in Ordnung und - ganz im Sinne der Zeit - zweckmäßig, unauffällig und nicht protzig.

Basics drückten sich in klassisch geschnittenen Blazern, Hosenanzügen, schmalen Röcken und Rollkragenpullis aus, die bald das Angebot in den Geschäften beherrschten. Auf den Laufstegen gab man den einfachen Formen noch mit hochwertigen Naturfaserstoffen einen luxuriösen Touch.

Neben den Minimalisten gab es auch in den 90ern vor allem unter Jugendlichen wieder eine Gruppe, die eher den Ideen der Hippies oder der Anti-Mode folgten. Hier war wieder Second-Hand-Mode und Individualismus gefragt. Abermals erlangte dieser Stil auch Eingang in die Haute Couture.

Zum zeitgeistigen Motto „less is more“ passend entwickelte sich in den frühen 90ern ein naturfarbener Öko-Look, der aber schnell in eine ganze Serie von Reprisen überging: Sowie in der Mode wie auch in der Musik führte die Suche nach Halt in die Vergangenheit, genauer in die 60er und 70er Jahre. Man sah wieder Schlaghosen, Fransen und stilisierte Margeriten. Man trug wieder Jackie Kennedy - Kleider, 60er- Geometrics- Muster und Psychedelics. Mystische Symbole kamen ebenfalls als Zeichen der Sinnsuche auf.

Auch die von Sport und Musik inspirierte Street - Mode genoß viel Zuwendung, Turnschuhe erfreuten sich hoher Beliebtheit. Neue Stoffe versprachen Komfort und Freiheit: sie waren bügelfrei, mikrobenfrei, atmungs- oder thermoaktiv oder UV-Strahlen - resistent.

Nach der Liberalisierung der Telekommunikation 1993/94 gab es immer mehr Internet - Surfer, die Wirklichkeit wurde virtuell. Lara Croft, der virtuelle Star des Computerspiel - Bestsellers Tomb Raider, ausgestattet mit bauchfreiem T-Shirt, knappen Shorts, Rucksack, Para-Boots - farblich an den Military - Look erinnernd - wurde sogar Vorbild vieler weiblicher „Kids“.

Das Leben wurde in den 90er Jahren durch unzählige Kabelprogramme, Handys, E-Mails und digitale Vernetzung von Personen und Arbeitsstätten ganz schön beschleunigt. Der Informationsfluß vom Laufsteg an die Kopierer, von Läden an Modefabrikanten und umgekehrt wurde zu einem entscheidenden Faktor in der Mode. Es kam dazu, daß sich preisgünstige Streetwear und teure Designermode in ihrem Stil immer mehr ähnelten; die Mode wurde immer einheitlicher. Der Stil der Basics ging als Minimalismus in die Modegeschichte ein. Die modisch führende Ästhetik bestand über Jahre aus schlichter Eleganz in Schwarz oder Grau. Modische Reduziertheit verbannte oft sogar Accessoires.

In dieser Hochzeit des Minimalismus kam die Pariser Couture-Szene etwas zu kurz. Sie hielt die Amerikaner für schuld daran, daß es nur noch uniforme „Marketing-Mode“ gab. Außerdem bekam Paris gegen Ende der Dekade auch Kokurrenz aus Italien.

Die Sehnsucht nach Jugend, Leistungsfähigkeit, Fitneß und Schönheit wurde in der westlichen Gesellschaft wieder einmal zur Massenbewegung. Der Wunsch nach dem perfekten, jugendlichen Körper drückte sich in Wonderbras, Push-ups und Shape-ups aus, die Po und Busen lifteten und Bäuche platt drückten. Und sogar erwachsene Frauen folgten gegen Ende der 90er dem „Girlie-Look“. Dieser setzte sich aus pokurzen Satin-Minis, knappen Tops, Kleingeblümtem, eventuell Kniestrümpfen und Erstkommunion-Schuhen zusammen.

Protziger Luxus galt in den 90ern keineswegs als „politically correct“, paradoxerweise fanden Luxusmarken trotzdem immer mehr Verbreitung. Luxus wurde sozusagen demokratisch.

Die Minimalistin der 90er schmückte sich mit Brillen, Schuhen und Nylontaschen renommierter Labels, soweit es das Portemonnaie zuließ. Man schätzte Luxus, der aber nicht unbedingt etikettiert sein mußte. Aber auch en masse und in niedrigerer Qualität wurden Basics angeboten ,die allgemein auch gerne getragen wurden.

Expressionistischer wurde die Minimalmode der 90er am Abend.. Man zeigte viel Haut, verführte mit Hautengem oder mit Transparenz, Glanz, Pailletten, Federn und Pelz.

Kurz vor Anbruch des neuen Jahrtausends zeigte sich in der Mode noch keine rechte Millenniums - Stimmung: Die meisten fanden Minimalismus weiterhin schön. Mehr Farbe, wie z.B. shocking Pink, die Modefarbe 1999, signalisierten aber neue Lust auf Extravaganz.

Die Männer distanzierten sich vom beengendem Anzug und gegen Ende der Dekade kam auch in der Männermode mehr Farbe ins Spiel und im Sommer 1999 wurden auf Messen sogar Röcke für den Herrn zum absoluten Renner.

Vor allem jugendliche Liebhaber bestimmter Musikrichtungen begeis terten sich wieder für Plateausohlen, diesmal in etwas sportlicherer Ausführung, wie sie von der Firma Buffalo marktführend angeboten wurden und Glockenhosen, am liebsten in Knallblau.

Details

Seiten
10
Jahr
2001
Dateigröße
361 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v102676
Note
1
Schlagworte
Mode Neuer Look Alte Inhalte

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