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Grün, Max von der - Die Vorstadtkrokodile

Hausarbeit 2001 10 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsangabe:

1.) Einleitung

2.) Biographie des Autors

3.) Inhalt des Buches

4.) Die Intention des Autors

5.) Zu den Personen im Buch und deren Umfeld
5a.) Die „Gastarbeiterproblematik“ im Buch
5b.) Arbeiterbewegung
5c.)Erwachsenenbild
5d.)Von der Grüns Erziehungsbild

6.) Literarische Strukturen
6a.) Aufbau und Merkmale des Buches

7.) Stellungnahme

1. Einleitung:

Kritisiert man Lesebuchkonzeptionen der Vergangenheit und Gegenwart, gilt es auch, Alternativen aufzugreifen. Eine andere Möglichkeit des Angebotes für den Deutschunterricht wäre die Arbeit mit Ganzschriften, welche viele Vorteile mit sich bringt.

Durch die Arbeit mit einer Ganzschrift kann man möglicherweise den Unterricht abwechslungsreich gestalten und den Schülern den Umgang mit Literatur näherbringen.

Als es im Seminar „Literaturunterricht und Kritik des Lesebuches“ darum geht, ein Thema für ein Referat zu wählen, wird mir das Kinderbuch „Vorstadtkrokodile“, von Max von der Grün, wessen literarisches Thema „Realismus“ lautet empfohlen, womit ich mich intensiv beschäftigt habe.

2. Biographie des Autors:

Max von der Grün wurde am 25.05.1926 in Bayreuth geboren und wuchs während der Nazizeit auf. Als Max von der Grün zwölf Jahre alt war, wurde sein Vater, ein Zeuge Jehovahs verhaftet und wurde zwischen 1939 und 1945 in einem Konzentrationslager in Flossenbürg wegen seines religiösen Glaubens inhaftiert.

Max von der Grün absolvierte eine kaufmännische Lehre.

Von 1943 bis 1944 war von der Grün Soldat und geriet 1944 in amerikanische Gefangenschaft, wo er bis 1948 blieb.

Als Kriegsgefangener war er zuerst in Frankreich und Schottland, dann in Louisiana und New Mexico, schließlich wieder in Frankreich.

Nach dem Krieg und der Gefangenschaft arbeitete er von 1948 bis 1963 als Bauarbeiter, dann als Bergarbeiter, Hauer und, nach einem schweren Unfall als Grubenlokführer. 1955 fing er zu schreiben an und lebt seit 1963 als freier Schriftsteller in Dortmund. Seine Bücher spielen zum größten Teil im Ruhrgebiet. Er ist Mitglied des PEN (Schriftstellerverband) und nahm an der Gründung (1961) der Gruppe 61 teil, deren Ziel „künstlerische Auseinandersetzung mit der industriellen Arbeitswelt“ war. Max von der Grün hat sehr viele Erfahrungen im Leben gemacht, hat viel Leid, Elend und Unterdrückung erlebt. Er hat viele verschiedene Tätigkeiten ausgeübt und hat dabei viele Menschen kennengelernt.

„Vorstadtkrokodile “ ist in den siebziger Jahren entstanden und ist als ein gelungenes Werk zu bezeichnen, da von der Grün bereits Erfahrungen mit dem Schreiben hatte. Für seine Werke hat er viele verschiedene Literaturauszeichnungen bekommen. Veröffentlichungen: „Irrlicht und Feuer“, „Flächenbrand“, Friedrich und Friederike“ und

„Vorstadtkrokodile“.

3. Inhalt des Buches:

Das Krokodil ist das Erkennungszeichen der Bande. Zu den Kindern, die sich die Krokodile nennen, gehören acht Jungen und ein Mädchen. Das ist Maria, Olafs Schwester, und da sind Olaf, Peter, Willi, Otto, Theo, Frank, Rudolf und Hannes. Später kommt noch Kurt dazu, da querschnittsgelähmt, in einem Rollstuhl sitzt. Sie leben in Dortmund und sind zwischen neun und dreizehn Jahre alt.

Bis auf Kurt kennen sich alle vom Kindergarten her. Am liebsten spielen sie auf dem verlassenen Ziegeleigelände, dort haben sie auch ihr „Geheimquartier“. Dort ist „Betreten verboten“, und sie fühlen sich unbeobachtet und sicher.

Zu dieser Zeit wird fast täglich in nördlichen Vororten nachts in Läden eingebrochen.

Gestohlen werden vor allem Wein und Schnaps, Kofferradios, Fernsehgeräte, Zigaretten aber auch Geld.

Die Kinder beschließen, da die Polizei in ihren Ermittlungen gegen die Bande keine Fortschritte macht, selbst die Täter zu entlarven. Kurt, der zuerst von den Krokodilern als neues Bandenmitglied abgelehnt wird, da er körperlich eingeschränkt ist, weil er querschnittsgelähmt ist und ihn einem Rollstuhl sitzt, gibt den anderen Kindern erste Hinweise auf die Identität der Diebe.

Da er manchmal nachts nicht schlafen kann, weil er „körperlich nicht so müde wird wie andere Jungen, die den ganzen Tag herumlaufen können, weil er immer sitzen muß und herum geschoben wird“ hat er von seinem Kinderzimmerfenster aus mit einem Fernglas beim Supermarkt gegenüber etwas beobachtet.

Er erzählt Hannes, dass die Diebe alle drei Mopeds fahren, die hinter dem Sitz einen hohen Bügel haben, an denen farbige Bänder flattern. Am nächsten Tag suchen die Kinder ihre Stadt nach den besagten Mopeds ab, erkennen aber bald das aussichtslose an diesem Unterfangen. Da kommt ihnen der Zufall zu Hilfe. Als sich die Krokodiler wieder einmal in dem Ziegeleigelände treffen, lüftet Kurt ungewollt das Versteck der Bande, in dem sich die ganzen gestohlenen Gegenstände befinden.

Nachdem sich der erste Schreck über diese Entdeckung gelegt hat, legen sich die Kinder auf die Lauer, um die Diebe zu stellen.

Diese kommen auch, um ihr Versteck leer zu räumen und es stellt sich heraus, dass Franks älterer Bruder, Egon, einer der Diebe ist, was die Krokodiler sehr bestürzt. Sie wissen nicht, was sie machen sollen und dann ist es Kurt, der mit seiner mutigen Handlung die Täter stellt. Er rollt mit seinem Rollstuhl und mit Pfeil und Bogen „bewaffnet“ auf den Hof des Ziegeleigeländes und als ihn die Diebe entdecken und Kurt angreifen wollen, schießt er einem von ihnen mit dem Pfeil ins Bein. Jedoch wird Kurt von den Beiden anderen überwältigt und samt Rollstuhl vor eine Wand gestoßen. Doch da kommen die restlichen Krokodiler aus ihrem Versteck um Kurt zu helfen und die Diebe flüchten.

Jetzt überlegen die Kinder, ob sie die Diebe anzeigen sollen, Franks Bruder zuliebe lassen sie aber zunächst davon ab und nennen der Polizei nur das Versteck. Doch dieses Verhalten danken ihnen die Diebe nicht und so entschließen sich die Krokodiler später doch, die Namen zu nennen. Sie erhalten die Belohnung, die zur Lösung des Falles ausgesetzt war und kaufen Kurt davon ein Spezial-Fahrrad, dass er sich schon sehr lange gewünscht hat.

4. Die Intention des Autors

Die Intention des Autors ist die Integration von Behinderten in unsere Gesellschaft. Max von der Grün hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, Solidarität und Würde. Da sein Sohn Frank, dem er das Buch gewidmet hat, selbst auch im Rollstuhl sitzt, kennt er die Schwierigkeiten, die eine Behinderung mit sich bringt , ganz genau.

„Weil ich selbst einen Sohn habe, der im Rollstuhl gefahren werde muss, habe ich diese Geschichte von den Krokodilern geschrieben. Auch mein Sohn muss oft warten, bis Nachbarjungen kommen und ihn abholen, zum Fußballplatz mitnehmen oder zum Minigolfplatz. Es ist schwer für einen Jungen, nicht einfach mit anderen Jungen weglaufen zu können, immer warten zu müssen, bis ihm einer hilft. Und wen ihr in eurer Nachbarschaft einen Jungen oder ein Mädchen seht, die behindert sind, denkt daran, dass es jeden treffen kann, seid freundlich zu ihnen, versucht zu helfen. Oft ist schon viel geholfen, wenn ihr freundliche Worte findet, denn Worte können verletzen-oder helfen“.

Max von der Grün

(Vorwort,S.5)

Menschen, die anders sind und von den gesellschaftlichen Vorstellungen abweichen, fallen in unserer Gesellschaft auf, oft werden viele Vorurteile geschmiedet.

Der pädagogische Hintergrund diese Buches ist, dass Kinder von klein auf lernen sollen, andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Jeder soll das Recht auf Respekt haben, Achtung und Gleichbehandlung.

Jedem Individuum soll eine Chancengleichheit gegeben werden, um die Persönlichkeit entfalten zu können.

5. Zu den Personen im Buch und deren Umfeld

Die Krokodiler nehmen den 11-Jährigen Kurt erst widerwillig in ihre Gruppe auf, da er behindert ist und nicht zu der Gruppe paßt, weil er nicht wie sie Fahrrad fahren kann und im allgemeinen körperlich eingeschränkt ist. Kurt entspricht nicht den Erwartungen der Gruppe. Hannes ist derjenige, der es schafft Kurt zu integrieren, er übernimmt die Vermittlungsfunktion. Um überhaupt zu den Krokodilern gehören zu können müssen alle Neuankömmlinge erst einmal eine gefährliche Mutprobe bestehen, da es bei Kurt, wegen seiner Behinderung nicht möglich ist , nehmen ihn die Krokodiler letztendlich als Ehrenmitglied auf. Für die anderen ist es zunächst ein Problem mit der Behinderung von Kurt umzugehen. Sie wissen nicht, wie sie den Rollstuhl schieben müssen und wenn Kurt mal ein Bedürfnis hat zu helfen. Im Verlauf lernen alle Mitglieder etwas im Umgang mit der Behinderung und erkennen, dass sein Handicap nichts ausmacht und nichts an seiner Person ändert.

Sie lernen durch Kurt sehr viel dazu und akzeptieren ihn im Verlauf des Buches als volles Bandenmitglied. Sie beschützen ihn und wehren sich gegen Menschen, die Kurt diskriminieren oder beleidigen. Das Solidaritätsgefühl der Gruppe wird immer stärker. Kurt zeichnet sich durch Mut, Gutmütigkeit, Ehrlichkeit, und Hilfsbereitschaft aus. Deswegen wird er zum Helden in dieser Geschichte. Hier löst von der Grün sich von häufig suggerierten Klischees und macht seinen Lesern Mut, zu sich selbst zu stehen.

Hannes ist zehn Jahre alt und ein weiteres Mitglied der Bande. Er ist auch derjenige, der mit Kurt als erster Freundschaft schließt. Er wird von den anderen Kindern „Milchstraße“ genannt, weil er eine sehr helle Haut hat. Wie alle Mitglieder stammt er aus einer Arbeiterfamilie. Sein Vater arbeitet als Schleifer in einer Fabrik, seine Mutter ist Schneiderin und arbeitet zu Hause. Er hat ein sehr gutes Verhältnis zu seinen Eltern und hat keine Geschwister.

Olaf ist Marias Bruder und mit seinen vierzehn Jahren der Anführer der Krokodile. Durch ihn ist auch Maria Mitglied der Krokodile geworden. Olaf ist der typische große Bruder, sehr rechthaberisch, überlegen, mutig und aggressiv. Alle Bandenmitglieder sind ihm unterlegen und führen all seine Anweisungen aus. Doch dieses ändert sich nachdem Kurt Bandenmitglied wird. Maria ist dreizehn Jahre alt und das einzige Mädchen in der Bande. Sie ist sehr vernünftig und aufgeweckt. Außerdem ist sie sehr hilfsbereit und die einzige, die gegen ihren Bruder ankommt. Sie hilft Hannes Kurt in die Gruppe zu integrieren. Maria ist ein sehr wichtiges Mitglied für die Gruppe. Weitere Mitglieder sind Peter, der Schwarzhaarige, der immer in der Nase bohrt, der Willi mit den langen blonden Haaren, der immer an den Fingernägeln kaut, den sie alle Kaninchen nennen. Außerdem ist er ein sehr guter Schwimmer und hat schon bei den Stadtmeisterschaften drei Preise gewonnen. Otto ist auch dabei, der kann Handstand auf dem Fahrrad und der rothaarige Theo, der immer seine kleine Schwester spazieren fahren muss. Ein weiteres Mitglied ist Frank, der Affe genannt wird, weil er so gut klettern kann. Er ist der kleine Bruder von Egon ,der einer der Diebe ist. Rudolf ist auch ein Krokodiler und besitzt ein tolles französisches Fahrrad.

Die Wohngegend, in der die Freunde leben, ist in Viertel unterteilt, z.B. Italienerviertel.

Die meisten Menschen, die dort leben kennen sich sehr gut. Die Kinder stammen alle aus Arbeiterfamilien und führen ein Leben in einfachen Verhältnissen. Die Bandenmitglieder verbringen viel Zeit miteinander, haben tolle Fahrräder, sind im Schwimmverein und der Förster hat auch nichts dagegen, dass sie im Wald eine Hütte gebaut haben. Bevor Kurt zu den Krokodilern kam, war er sehr einsam ,da er kaum Freunde hatte. Seit er ein Krokodiler ist hat er viel mehr Spaß am Leben und genießt die Zeit mit seinen neuen Freunden. Auch für die anderen ist das neue Mitglied eine Bereicherung, denn durch ihn lernen die Kinder viel für das Leben. Die Kinder entwickeln im Verlauf der Geschichte ein starkes Solidaritätsgefühl, wie noch nie zuvor

5a. Die „Gastarbeiterproblematik“ im Buch

Während des Verlaufes der Geschichte gibt es Begegnungen mit dem kulturell Fremden. Da das Buch in den siebziger Jahren entstanden ist und um die Zeit sehr viele Gastarbeiter aus unterschiedlichen Ländern wie z.B. aus Italien, Türkei oder Jugoslawien in die BRD als Gastarbeiter einwanderten, war dieses Thema „Gastarbeiter“ sehr aktuell und kompliziert, weil viele Deutsche Vorurteile gegen diese Menschen hatten und immer noch haben. Die Gegend in der die Kinder leben ist in Viertel unterteilt, z.B. das Italienerviertel. Dort leben Gastarbeiter mit ihren Familien unter sich und haben wenig Kontakt zu Deutschen. Ganz zu Anfang der Geschichte treffen die Krokodiler auf Italienerkinder, die im Wald spielen und verscheuchen sie aus ihrem Revier. Einige Krokodiler sind nicht besonders Ausländerfreundlich und können die fremden Kinder nicht ausstehen. Sie wollen die Kinder, die eine andere Sprache sprechen nicht in ihrer Gegend sehen. Frank reagiert besonders abweisend auf sie, weil er es zu Hause von seinem Vater und seinem Bruder negative Äußerungen gegen ausländische Arbeitnehmer aufnimmt und die dann in der Gruppe verbreitet.

Als die Kinder fast vor ihrer Hütte waren, rannte Frank mit Indiandergeheul auf sie zu, warf mit Tannenzapfen und kleinen Steinen nach ihnen und schrie hinter ihnen her: „Schert euch weg, ihr Spaghettifresser!“

Es waren Italienerkinder. Sie waren so erschrocken, dass sie vor lauter Angst das Weite suchten, nur ein kleiner Knirps, der seine Schuhe verloren hatte, kehrte noch einmal um, um sie aufzulesen. Frank trat ihm dabei in den Hintern. Der Kleine schrie wie verrückt, da ließ Frank von ihm ab.

Die anderen Krokodiler waren inzwischen dazugekommen. Olaf stand breitbeinig wie ein Cowboy mitten auf dem Weg und lachte hinter den Kindern her.

Doch seit Kurts Integration in die Gruppe bauen die Kinder nach und nach ihre Vorurteile gegen diese „fremden“ Kinder ab, weil sie erkennen, dass alle Menschen gleich sind und fair behandelt werden müssen. Als man die Italienerkinder des Diebstahls beschuldigt setzen sich die Kinder der Gruppe für die fremden ein und wollen nicht, dass sie zu unrecht bestraft werden. Die Krokodil Bande kennt die wahren Diebe und wollen Gerechtigkeit. Der Grund, warum Max von der Grün sich auch um die„Gastarbeiterproblematik“ in der Literatur kümmert ist die Bewußtmachung sozial extremer Situationen und die Weckung von Anteilnahme. Der Autor beschäftigt sich hier mit einem weiteren Problem der sozialen Integration, wie es in der Realität sehr oft der Fall ist. Menschen, die anders sind als die Mehrheit werden in unserer Gesellschaft oft diskriminiert und unterdrückt. Ausländer oder Behinderte haben es besonders schwer sich in eine Gesellschaft zu integrieren. Wenn man an die Biographie des Autors denkt, kann man davon ausgehen, dass er viel Zeit mit ausländischen Mitbürgern verbracht hat und ihm dieses Thema vertraut ist. Als er zwischen 1948 und 1963 als Bauarbeiter, Bergarbeiter, Hauer und Grubenlokführer arbeitete, hat er sicherlich viel mit ausländischen Arbeitnehmern zu tun gehabt, da die damaligen Gastarbeiter häufig in diesen Bereichen beschäftigt waren.

5b. Arbeiterbewegung

Die Kinder leben mit ihren Familien in einfachen Verhältnissen. Das Finanzielle Budget ist begrenzt. Keiner in der Siedlung kann große Luftsprünge machen und sich ein Leben in Luxus leisten. Sie sind froh darüber, dass sie Arbeit haben und davon leben können. Hannes Vater befürchtet, dass er seine Arbeit verliert und nicht mehr für die Familie sorgen kann. Auch bei den anderen Familien gibt es finanzielle Probleme. Kurts Eltern z.B. würden so gerne ihrem Sohn das Spezial- Fahrrad für Behinderte kaufen, doch dieser Wunsch kann nicht erfüllt werden, weil das Fahrrad zu teuer ist und sie es sich nicht leisten können. Am Ende jedoch kriegt Kurt das Spezial- Fahrrad, was er sich so sehr gewünscht hat, damit er endlich zusammen mit seinen Freunden Ausflüge machen und durch die Straßen flitzen kann. Die Kinder sind inzwischen so gut befreundet, dass sie mit der Belohnung das Fahrrad für Kurt kaufen, obwohl sie sehr gerne etwas für sich selber gekauft hätten mit dem Geld. Doch sie gönnen es ihrem Freund und machen ihm eine Freude.

Die Kinder werden zu Hause mit den finanziellen Problemen der Erwachsenen konfrontiert und machen sich ebenfalls sorgen.

„Was arbeitet denn dein Vater?“, fragte Hannes.

„Der ist bei der Müllabfuhr“, antwortete Kurt.

„Und deiner?“-„Meiner ist Schleifer in der

Maschinenfabrik. Meine Mutter war ein halbes

Jahr krank, ist an den Krampfadern operiert worden. Jetzt geht es ihr schon wieder besser.“

„Mein Vater kann keine Überstunden mehr machen, und jetzt verdient er auch nicht mehr so viel“, sagte Hannes.

„Meiner braucht da keine Angst zu haben, weil es doch immer Müll gibt“, antwortete Kurt.

„Aber das Geld brauchen wir immer auf den letzten

Pfennig,was glaubst du, was meine Eltern immer ausgeben

müssen meinetwegen, zahlt doch nicht alles die Krankenkasse“.

Es ist sehr schade, dass Kinder bereits im frühen Alter mit solchen Problemen der Erwachsenen belastet werden und ihre Kindheit nicht unbelastet ausleben können.

Doch andererseits lernen sie sehr früh mit derartigen Sorgen umzugehen und dazu zu stehen, so wie es in der realen Welt ein alltägliches Problem ist.

Vielleicht ist es für sie ein Ansporn fleißiger in der Schule zu sein und eine höhere Bildung zu genießen als die Eltern und somit einen besser bezahlten Beruf zu erlernen. Auch hier verarbeitet Max von der Grün seine Eindrücke und Erlebnisse, die er in seiner eigenen Laufbahn gemacht hat. Er kennt das Leben als Arbeiter sehr genau und hat schon sehr viele Berufe ausgeübt.

Anscheinend hat es ihn so sehr geprägt, dass er 1961 Mitgründer der Gruppe 61 war, deren Ziel die künstlerische Auseinandersetzung mit der industriellen Arbeitswelt war. Der Autor behandelt in diesem Buch unterschiedliche Themen, die der Realität vollkommen entsprechen.

5c. Erwachsenenbild

Die Gruppe der Erwachsenen läßt sich in zwei Gruppen unterteilen: kinderfreundliche, zum Beispiel Hannes Eltern oder die Eltern von Kurt, und kinderfeindliche. Zu letzterer Gruppe gehören etwa diejenigen, wie zum Beispiel Franks Vater und der Besitzer vom Minigolfplatz, der den armen Kurt nicht auf den Rasen lassen will, weil er mit seinem Rollstuhl den Rasen kaputt macht, aber auch die drei Diebe, die gewalttätig gegenüber den Kindern werden. Die Welt der Erwachsenen wird als stressig, sorgenvoll und gemein beschrieben. Die Kinder schlagen die Erwachsenen mit ihren eigenen Waffen, nämlich mit den gemeinen und ungerechten Aktionen, mit denen sie Kinder unterdrücken und zum Schweigen zwingen wollen.

Somit ist ganz klar das Kind das beherrschende Element.

5d. Von der Grüns Erziehungsbild

Max von der Grün geht von einem Gedanken aus, den viele Erwachsene zu selten reflektieren. Kind- Sein ist nicht leicht. Kinder haben Sorgen und Nöte, die manchem banal, irrelevant und trivial erscheinen mögen, doch sie können durch sie sehr belastet sein. Niemand sollte sich einbilden, das Ausmaß des Kummers eines anderen beurteilen zu können. Jedes Kind hat nach Ansicht des Autors ein Recht auf Respekt, Achtung und Gleichbehandlung.

Das läßt sich unter anderem durch ihr großes Anliegen begründen, Kinder zu Gewaltlosigkeit zu erziehen. Daraus resultiert natürlich, dass man auch nicht mit Gewalt begegnen darf. Kinder sollen Verantwortung übernehmen, aber nur für Verantwortbares.

6. Literarische Strukturen

Die Geschichte wird aus der Sicht eines auktorialen Erzählers geschildert. Das Figurenarsenal ist begrenzt. Die Nebenfiguren treten in regelmäßigen Abständen auf und sind dem Leser/ der Leserin bekannt, wie die Diebe oder die Italienerkinder.

Diese Punkte führen dazu, dass der Leser/ die Leserin einen guten Überblick hat.

Die Geschichte beginnt mit einer Einleitung, der ein Ereignis folgt, das eine Bedrohung demonstriert. Maria greift in Form einer Großtat ein und am Ende steht der Schlußeffekt.

Von der Grün verwendet bestimmte Handlungsstrukturen und Situationen, die immer wieder auftreten, sich wiederholen. So zum Beispiel die tiefgreifende Entwicklung der Kinder oder das wachsende Solidaritätsgefühl der Gruppe.

6a. Aufbau und Merkmale des Buches

Das Buch ist 1978 im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen und beinhaltet einen gemäßigten Umfang von 154 Seiten. Es ist sehr kindgerecht aufgebaut, sehr spannend und abenteuerreich gestaltet. Die Sprache und Syntax sind auf die Zielgruppe abgestimmt. Das Buch ist für Kinder ab neun Jahren geeignet, was ich für empfehlenswert halte. Das Buch kann auch Erwachsenen eine Freude machen.

7. Stellungnahme

Zunächst einmal hat es mir sehr viel Freude gemacht, mich mit den Vorstadtkrokodilen und Max von der Grün zu beschäftigen.

Sein Buch bietet über den bloßen Unterhaltungscharakter eine Menge mehr und eignen sich deshalb gut für den Unterricht. Man könnte das Buch situationsspezifisch behandeln, aus denen die Schüler/innen einiges lernen können. So zum Beispiel über fairen Umgang miteinander, Freundschaft, Mut, Gerechtigkeit etc.

Ein großer Vorteil, den Ganzschriften bieten ist es, die Leselust der Kinder zu fördern.

Ist im Lesebuch eine Erzählung gelesen und besprochen worden, schlägt man das Buch zu und denkt selten weiter darüber nach. Geschweige denn, dass man als Schüler/in auf die Idee käme,das Buch in der Freizeit in die Hand zu nehmen.

Details

Seiten
10
Jahr
2001
Dateigröße
352 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v102774
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Schlagworte
Grün Vorstadtkrokodile Literaturunterricht Kritik Lesebuches

Autor

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