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Möglichkeiten und Grenzen der Geldpolitik in der Europäischen Währungsunion (EWU) bei außenwirtschaftlichen Schocks

Seminararbeit 2001 28 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Einleitung:

Mit der Währungsunion hat sich die Europäische Union ein ambitiöses Projekt vorgenommen. Es geht um die Ausgestaltung einer möglichst verlässlichen und damit effizienzfördernden Geld- und Währungsordnung für das Europa der Zukunft. Chance und Risiko liegen hier dicht beieinander und gehören gegeneinander abgewogen. Es geht auch darum, wie die Europäische Währungsunion auf Störungen reagieren kann, die aus dem Ausland auf sie einwirken. Es wird hier von großer Bedeutung sein, ob Europa in seiner vereinten Form vor allem geldpoli-tische Instrumente hat, wenn sich auf der Angebots- oder Nachfrageseite drastische Änder-ungen aufgrund von externen Störungen ergeben. Für einige Kritiker ist dies vor allem des-halb zu bezweifeln, da durch die festen Wechselkurse nicht mehr einfach gefloatet werden kann und somit das sogenannte schockabsorbierende Mittel gegen solche außenwirtschaft-lichen Einflüsse genommen wurde. Die Fiskalpolitik bleibt national, die Geldpolitik hinge-gen wird zentral für alle Teilnehmerstaaten geregelt werden. Da müssen national bedingte Probleme hinten anstehen und dürfen nicht zum Handlungsbedarf der gemeinsamen Union werden. Schocksituationen werden von großer Bedeutung bleiben, da externe Schocks und ihre Bewältigung, Wirkungen auf sämtliche wirtschaftspolitischen Größen haben. Denken wir nur an den Nachfrageschock, der sich nach dem Fall der Berliner Mauer ergab, oder die Öl-preissteigerungen der siebziger Jahre, die als klassisches Beispiel für einen Angebotsschock gelten.

Die Seminararbeit beschäftigt sich zuallererst einmal mit der Frage was überhaupt externe Schocks sind, wie sie unterschieden werden und in welcher Art sie in der Realität auftauchen. Im zweiten Kapitel soll zuerst auf die Rahmenbedingungen zu Beginn der Europäischen Währungsunion eingegangen werden und dann auf die Probleme, die sich für die Geldpolitik ergeben, wenn sie denn eingreifen will. Im dritten Teil werde ich dann auf konkrete Schock- absorber eingehen und erläutern wie hilfreich und notwendig sie wirklich sind. Der Koopera- tionsgedanke schließt sich diesem Teilkapitel an. Im letzten Teil geht es dann um die wirk-liche Bedeutung von Schocks in der Europäischen Währungsunion und in welcher Art sie hauptsächlich auftreten.

1 Außenwirtschafliche Schocks und ihre Wirkungen in der Europäischen Währungsunion (EWU)

1.1 Definition

Von einem außenwirtschaftlichen Schock spricht man in der Ökonomie im allgemeinen dann, wenn exogene Einflussfaktoren, wie zum Beispiel ein Ölpreisanstieg, eine drastische Änderung in einem ökonomischen Modell bewirken. Es wird hierbei meist zwischen Angebots-, Nachfrage- und Finanzschocks unterschieden. Ich möchte mich bei meiner Arbeit auf die ersten beiden Arten konzentrieren, da diese in der Praxis am Häufigsten anzutreffen sind.

Eine feinere Unterscheidung erfolgt durch Symmetrie und Asymmetrie der jeweiligen Schock- arten. Dies wird in einem gesonderten Kapitel später erläutert.

1.2 Arten von Schocks

1.2.1 Angebotsschocks

Ein Angebotsschock bewirkt stets die Verschiebung der Angebotskurve in einer negativen Art und Weise (Dornbusch/Fischer, 1994, S.275ff). Nehmen wir zur Erklärung der Sachlage das gängigste Beispiel der Steigerung der Rohstoffpreise, was im Extremfall zu einem Angebots- schock führen kann. In Deutschland war im Jahre 1971 Rohöl, mit einem Anteil von 55 von Hundert am Primärverbrauch, der wichtigste Energieträger, und ist es übrigens bis heute, bei immer noch circa 40 von Hundert (Stand 1998). In Abbildung 1.1 ist der reale Ölpreis zwischen 1971 und 1992 dargestellt. Der relative Ölpreis wird hier als der Weltrohölpreis definiert. Er wird als ein Index ausgedrückt, der im ersten Quartal 1981 den höchsten je erreichten Wert von 100 annimmt. In den siebziger Jahren kam es zu zwei sogenannten Ölpreisschocks. Die Folge war eine Preis- und somit auch eine Produktionskostensteigerung auf dem Rohölmarkt. Die Folge eines starken Preisanstiegs des Rohöls ist häufig, dass die Verbraucher ihre Verbrauchsmengen zumindest kurzfristig senken, indem sie zum Beispiel weniger Auto fahren. Bei drastischen Preissteigerungen wirkt sich die Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft von Rohöl negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Der erste OPEC-Schock fand zwischen 1971 und 1974 statt und hatte eine Vervierfachung des Ölpreises und die Rezession von 1971 bis 1975 zur Folge, der zweite zwischen 1979-1980 verdoppelte den Ölpreis und zog eine Inflationsbeschleunigung nach sich. Die Inflation wurde durch geldpolitische Maßnahmen bekämpft, führte allerdings die Volkswirtschaft in eine noch tiefere Krise. Die Lage beruhigte sich erst, als der Ölpreis in den 80er Jahren (vor allem 1985 bis 1986) stark fiel. Ein erneuter, allerdings sehr viel schwächerer Anstieg erfolgte 1990, der allseits bekannte Grund war die irakische Invasion in Kuwait. Schon allein anhand dieser beiden sehr stark ausgeprägten Ölpreissteigerungen und den darauf folgenden Rezessionen wird die Erklärung und die Bedeutung von Angebotsschocks sehr deut- lich und zeigt den unbedingten Handlungsbedarf der Fiskal- bzw. der Geldpolitik auf. Was sich zur Zeit auf dem Rohölmarkt abspielt ist nicht mit den Ölpreisschocks der 70er Jahre zu vergleichen, da ganz andere Rahmenbedingungen herrschen. Der ökonomische Rahmen erweist sich heute als sehr viel günstiger. So traf der Ölpreisschock in den Jahren 1973/74 in ein inflationäres Umfeld bei konjunktureller Überhitzung, während heute eine Aufschwungphase mit niedriger Inflation vorherrscht.

Index, 1981: 1=100 (im ersten Quartal 1981 höchster je erreichter Wert von 100)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.1: Der reale Ölpreis, 1971-1992 ( Quelle: Dornbusch/Fischer, 1994)

Prof. Dr. Peter Bofinger nennt die gravierende Veränderung von Rohstoffpreisen als Haupt- ursache von Angebotsschocks (Bofinger, 2000, Abschnitt 2.5.2). Langfristig sieht er bei derartigen Schocks einen Rückgang der Produktivität und dadurch das Risiko der Steigerung der Arbeitslosenquote. Die bisherigen Szenarien werden allgemein als ungünstige Angebotsschocks bezeichnet, da externe Einflüsse sich negativ auf das Angebot im eigenen Land auswirken. Die Angebotskurve im p-Y-Diagramm (p steht für Preisniveau, y für Output) wird durch den Schock nach oben und links verschoben, da die Produktionskosten zu jedem Outputniveau höher sind. Ein ungünstiger Angebotsschock besitzt also gleich zwei Nachteile: Höhere Preise und den dadurch beeinflussten niedrigeren Output (siehe Abbildung 1.2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.2: Auswirkung eines negativen Angebotsschocks

Nun müsste die Frage aufkommen, warum nach dem ersten Ölpreisschock von 1973 seitens der Fiskal- oder der Geldpolitik nicht umgehend und hinreichend reagiert wurde. Da die Angebots- schocks zum damaligen Zeitpunkt für die Wirtschaftswissenschaftler und die Politiker noch neu waren, bot sich beiden Lagern kein hilfreiches Gegenmittel. 1975 wurde dann eine stimulierende Geld- und Fiskalpolitik betrieben, woraufhin sich die Wirtschaft schneller wieder erholte. Bisher wurde nur von einer negativen Wirkung eines Angebotsschocks gesprochen, es gibt aber auch positive Angebotsschocks. Während der ungünstige Fall kurzfristig das Bruttosozialprodukt (BSP) senkt und den Reallohn vermindert, folgt im günstigen Angebotsschockfall meist ein schnelleres Wirtschaftswachstum bei niedrigerer Inflation; so geschehen in den Jahren 1987 und 1988, ausgelöst durch eine Ölpreissenkung, also einen günstigen Ölpreisschock.

Es ist zwar schwierig allein die Ölpreissenkung für das Wachstum des Bruttosozialprodukts und die niedrige Inflation verantwortlich zu machen, aber zumindest teilweise trifft es laut Dorn- busch/Fischer zu. Dies ist aufgrund der starken Bedeutung des Ölpreises für sämtliche Wirt- schaftszweige auch leicht nachvollziehbar.

1.2.2 Nachfrageschocks

Auch hier ist es am sinnvollsten, den Schock an sich anhand eines Beispiels aus der Vergan- genheit zu erläutern. Ich habe hierzu die Wiedervereinigung Deutschlands 1989 gewählt. Es kam damals zu gravierenden Veränderungen sowohl auf dem Arbeits-, als auch auf dem Gütermarkt. Es entstand ein extremer Zuwachs bei der Güternachfrage aus Ostdeutschland nach dem Fall der Mauer. Dieser Nachfrageschub wurde durch öffentliche Transfers größtenteils finanziert und betrug in den ersten Jahren etwa 200 Mrd. DM pro Jahr. Die Wirkung auf den Westen Deutsch- lands entsprach zusätzlichen Exporten nach Ostdeutschland. Dies stimulierte die sowieso schon prosperierende Volkswirtschaft und verstärkte die konjunkturelle Hochphase. Hier kann man also eindeutig von einem positiven Nachfrageschock sprechen. In Ostdeutschland dagegen brach die Produktion geradezu zusammen und sorgte für starke Verluste auf dem Arbeitsmarkt und einem deutlichen Rückgang an gesamtwirtschaftlichem Output. Seit 1993 bewegen sich die neuen Bundesländer langsam aber stetig auf das westdeutsche Niveau zu. Ein interessantes Modell des ZEW Konjunkturreports vom Beginn des letzten Jahres untersuchte, wie sich die westdeutsche Wirtschaft entwickelt hätte, wenn der Nachfrageboom nach dem Fall der Berliner Mauer nicht so stark ausgefallen wäre (ZEW Konjunkturreport 01/2000). Sie kommen zu dem Ergebnis, gegeben die Situation der geringeren Nachfrage, dass das Brottoinlandsprodukt (BIP) in Westdeutschland gegen Ende des Jahres 1993 fast zwei Prozent niedriger als beobachtet ausgefallen wäre. Dies war nur ein Teil der Ergebnisse aus dem Modell, es würde aber zu weit gehen, das ganze Modell mit allen Ergebnissen hier anzuführen. Ein ganz aktuelles Beispiel für einen Nachfrageschock ist übrigens auch der Rinderwahnsinn. Plötzlich fällt für eine Region die Nachfrage nach einem Produkt aus und sorgt hier für wirtschaftliche Nöte. Rückgang des Bruttoinlandprodukts und meist auch Beschäftigungsprobleme sind die Folge. Nachfrageschocks treten sehr häufig in der Praxis auf und wirken sich drastisch auf die Wirtschaft aus, wie in dem obigen Beispiel gesehen. Es wird also sehr interessant sein zu sehen wie man solchen Schocks entgegenwirkt und effektive Gegenmaßnahmen einsetzt. Die Europäische Zentralbank hat folgende Einstellung gegenüber Nachfrageschocks: Die Preisstabilität soll mittelfristig gesichert werden. Das Problem ist, dass aber die Reaktion auf kurzfristige Nachfrageschwankungen unterbleibt. Es kommt zu der Gefahr einer mangelnden Zinsreagibilität. In der Praxis reagierte die EZB allerdings auch auf kurzfristige Nachfrageschocks (Beispiel: Zinssenkung vom 9.April 1999). Nachfrageschocks werden auch in der EU in Zukunft von großer Bedeutung sein. Waren Exportnachfrageschocks in der Vergangen- heit eher selten, wird diesen nun angesichts des Umbruchs in Zentral- und Osteuropa, des raschen technischen Fortschritts, der Veränderungen von Verbraucherpräferenzen usw., mehr Bedeutung zukommen.

1.3 Gründe und Bedeutungen für Asymmetrien bei Schocks für die Europäische Währungsunion und deren Messung

Neben der Frage nach relevanten Arten von Schocks in der Europäischen Währungsunion (EWU) ist zu prüfen, inwieweit die Schocks asymmetrische Wirkungen in den betroffenen Ländern hervorrufen.. Es wird also gefragt, ob sich Schocks auf alle Länder gleich auswirken oder nicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.3: Asymmetrischer Nachfrageschock

Bei der Abbildung 1.3 handelt es sich um eine Nachfrageverschiebung, bzw. einen Nachfrage- austausch zwischen den Ländern A und B. Aus Preis- oder Qualitätsgründen wird ein bestimmtes Gut oder eine Produktgruppe lieber aus dem Land B bezogen. Ein konkretes Beispiel und mögliche Lösungsansätze zu dieser asymmetrischen Situation sind in Kapitel 3.1 aufgeführt.

Weiter gibt es Schocks, die sich wegen ihrer grundsätzlichen Eigenschaften notwendigerweise asymmetrisch auswirken müssen, und Schocks, die im Prinzip alle vergleichbaren Wirtschaften auf vergleichbare Art und Weise treffen. Nur im Falle der Asymmetrie wäre es nachteilig, mit der Errichtung der Währungsunion auf länderspezifische Anpassungsmaßnahmen zugunsten einheitlicher Maßnahmen in der gesamten Währungsunion zu verzichten. Es wird grundsätzlich unterschieden zwischen asymmetrischen Schocks natürlicher Art (zum Beispiel Natur- katastrophen), oder durch Entwicklungen in Märkten (zum Beispiel Ölpreisschocks) hervor- gerufene, und Schocks, die dem politischen System entstammen. Die letzte Art ist allerdings kaum so groß, dass sie (statt Regionen) gesamte Volkswirtschaften betrifft, sondern ist auf Länderebene von großer Bedeutung, und soll über die Fiskalpolitik abgefedert werden, die in der EWU aus gutem Grund national bleiben wird. Genau dadurch werden Asymmetrien in den betroffenen Ländern reduziert oder gar nicht erst auftreten.

Der Grad der Asymmetrie der Wirkungen von Schocks hängt von der Ähnlichkeit der Außen- handels- und Wirtschaftsstrukturen der Mitgliedsländer der Währungsunion ab. Zudem gilt, je spezieller eine bestimmte Region ist, um so größer ist ihre Anfälligkeit für asymmetrische Schocks. Ein Gebiet mit hoher regionaler Spezialisierung ist als Einheitswährungsraum ungeeignet. Auf der anderen Seite ist ein Gebiet mit einer großen Vielfalt an Produkten, dass da- durch auch autark ist, sehr geeignet. In vielen Mitgliedsländern werden fast die selben Produkte importiert und exportiert. Bei einer Vielzahl von Wirtschaftszweigen führen sektorale Schocks nicht zu länderweiten Schocks. Außerdem können sich nach Gros (1996) diversifizierte Volks- wirtschaften leichter an Schocks anpassen als monostrukturierte Ökonomien. Weitere Berech- nungen von Gros kamen zu dem Ergebnis, dass Belgien, Frankreich, Deutschland, Österreich und die Niederlande, die als sogenannte Kernländer bezeichnet werden, aber auch Spanien, ähnliche Außenhandels- und Wirtschaftsstrukturen aufweisen. Ganz anders sieht das in den Ländern Portugal, Dänemark, Finnland und Griechenland aus, die sich am stärksten von den durch- schnittlichen EU-Strukturen unterscheiden (Gros, 1996). Gros ermittelt also für die um Deutsch- land herum gruppierten Kernländer ähnlichere Wirtschaftsstrukturen, als für die übrigen EU- Länder. In einer Kern-EU dürfte es nach Gros also eher selten zu asymmetrischen Schocks kommen, denen dann nicht mehr mit Abwertungen und nationalen geldpolitischen Maßnahmen begegnet werden kann. Auch Krupp/Cabos (S.174) sehen zu Beginn der Währungsunion eine Annäherung der nationalen Konjunkturzyklen seit Beginn der neunziger Jahre. Eine deutliche Diskrepanz allerdings sehen sie hier zwischen Spanien und Irland, ansonsten jedoch wird die Lage durch immer intensivere Handelsbeziehungen noch besser. Weitere Symmetrien hinsicht- lich der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen der Europäischen Währungsunion (EWU) folgen in dem dementsprechenden Kapitel. Ein weiterer Punkt wird von Bofinger aufgenommen. Innerhalb der EU kann die EZB nur auf Schocks reagieren, die den gesamten Währungsraum treffen. Somit kann die Geldpolitik nationale Schocks nicht mehr kompensieren. Was wie ein großer Nachteil aussieht, wird allerdings im Hinblick auf die Geschichte relativiert, zeigt sich doch hier, dass vor der EWU, der geldpolitische Kurs in Europa von Deutschland aus bestimmt wurde. So führte z.B. die Wiedervereinigung als expansiver Nachfrageschock in Deutschland europaweit zu einer restriktiven Geldpolitik (Bofinger, 2000)

Entscheidend für die Asymmetrie eines Schocks ist also, ob der Schock länderspezifisch ist, das heißt sich auf einen Währungsraum beschränkt, oder nicht. Die Kommission des Europa- parlaments kommt in „One Market, One Money“ (1990) zu der Feststellung, dass länderspezifische Schocks im europäischen Kontext kraft Definition asymmetrisch sein müssen (European Parliament, Workingpaper, 1999). Größere Naturkatastrophen werden als Beispiel angeführt und natürlich auch unmittelbare Auswirkungen politischer Großereignisse, wie eben die Wiedervereinigung, wobei hier die Betonung auf unmittelbar gelegt werden muss, da die Gesamtwirkung weit über die Grenzen des Landes hinaus ging.

Da diese Schocks unvorhersehbar sind, wäre es unlogisch, so die Kommission des Europapar- laments, getrennte Währungsräume zur Bekämpfung einzurichten. So müsste man in Gebieten mit hoher Erdbebengefahr einen unabhängigen Währungsraum einrichten. Weiter wird in „One Market, One Money“ argumentiert, dass sämtliche Schocks, je nach ihrer Struktur, entweder symmetrische oder asymmetrische Auswirkungen auf unterschiedliche Wirtschaften haben können, und die Vollendung des Binnenmarktes zu einer Verringerung der Asymmetrie führen kann. Gewissheit darüber gibt es aber freilich nicht. Genau wie Gros (1999) kommt die Kommission auch zu der Feststellung, dass die asymmetrische Wirkung von Schocks in der EWU deutlich zurückgehen wird, da die EWU selbst eine Verhaltensänderung bewirkt:

„...Institutionen, die sich im Verlauf der Geschichte entwickelt haben (...) sich neuen Gegeben- heiten rasch anpassen können, wenn diese für permanent erachtet werden“ (European Parliament, 1999).

Entscheidend ist nun, wie eine solche Asymmetrie nach der Feststellung gemessen wird. Die einfachste Variante liegt in der Bewertung der Wechselkursschwankungen. Folgt auf ein belie- biges Ereignis eine Paritätsänderung (Abwertung bei festen Wechselkursen), so kann die Aus- wirkung des Ereignisses als asymmetrisch bezeichnet werden. Ein schwerwiegendes Problem ist die Schwierigkeit, zu deuten, ob die Veränderung der Wechselkurses wirklich aufgrund des Er eignisses statt fand, da sich Wechselkurse aus den unterschiedlichsten Gründen ändern. Es dürfte sehr schwer sein, die Auswirkung des Ereignisses zu isolieren, um wirklich sicher zu sein. Ein weiteres Problem liegt in der Unmöglichkeit Asymmetrien innerhalb von Währungsräumen zu messen, da nur zwischen Währungsräumen gemessen werden kann. Genau dieses aber wäre bei der EWU relevant, da hier aus unabhängigen Teilgebieten eine Währungsunion geschaffen wird. So erscheint diese Messmethode nicht gerade sehr hilfreich im Falle des vereinten Europas. Eine weitere Möglichkeit liegt in der Betrachtung der Inflationsraten einzelner Währungsräume. Zwischen und innerhalb von Währungsräumen lassen sich die Auswirkungen an der unter- schiedlichen Entwicklung der Verbraucherpreise, der Lohnstückkosten oder Änderungen des Bruttoinlandsproduktes ablesen. Für Messungen innerhalb von Währungsräumen sollte im Vorfeld überprüft werden, ob vergleichbare nationale oder regionale Statistiken verfügbar sind. Eine sehr präzise statistische Grundlage bietet die Arbeitslosenquote, selbst für sogenannte Pendler-Einzugsgebiete, was eine Reihe jüngerer Studien dazu bewegt Asymmetrien anhand der Auswirkung auf die Beschäftigungslage zu definieren (European Parliament, Workingpaper, 1999). Belke und Gros (1997) weisen in einer Studie darauf hin, dass sie „...keinen stabilen und statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und externen Schocks ermitteln konnten...“ (aus: European Parliament, Workingpaper, 1999). Andere Studien weisen auf eine feste Beziehung zwischen Veränderungen des Bruttoinlandprodukts und der Änderung der Arbeitslosenquote hin. Es lässt sich abschließend sagen, dass ein Ereignis asymmetrische Auswirkungen auf die Beschäftigungslage haben kann, ohne dass dies auch für die Inflation zutreffen muss. Es erscheint jedoch sehr schwierig, statistische Daten für unterschiedliche Teil- gebiete miteinander zu vergleichen. Die Isolierung eines beliebigen Ereignisses von anderen störenden und überlagernden Ereignissen bleibt aber Hauptziel.

Details

Seiten
28
Jahr
2001
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v102948
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Note
n.b.
Schlagworte
Möglichkeiten Grenzen Geldpolitik Europäischen Währungsunion Schocks Seminar Wirtschaftspolitische Strategien

Autor

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