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Das lernzielorientierte Modell nach Christine Möller

von Eileen Schott (Autor) Frank Hottenrott (Autor) Robert Jahn (Autor)

Seminararbeit 2002 31 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das lernzielorientierte Modell
2.1. Geschichtlicher Hintergrund
2.2. Definitionen zum lernzielorientierten Unterricht
2.3. Die Lernplanung
2.3.1. Sammlung, Beschreibung und Ordnung von Lernzielen
2.3.1.1. Sammlung von Lernzielen
2.3.1.2. Beschreibung von Lernzielen
2.3.1.3. Lernzieloperationalisierung
2.3.1.4. Lernzieldimensionierung
2.3.1.5. Lernzielhierarchisierung
2.3.2. Entscheidung für die Lernziele
2.4. Die Lernorganisation
2.4.1. Beschreibung von Unterrichtsmethoden
2.4.2. Methodenordnung
2.4.3. Entscheidung für eine Methode
2.5. Die Lernkontrolle
2.6. Vor- und Nachteile der Lernzielorientierung

3. Die praktische Umsetzung des lernzielorientierten Modells
3.1. Vorbemerkung
3.2. Die Unterrichtsplanung
3.2.1. Erarbeitung der Lernziele
3.2.2. Planung des Unterrichtsablaufs und des Medieneinsatzes
3.2.2.1. Der Einstieg in die Stunde
3.2.2.2. Die Realisierung der Lernziele im Unterricht
3.2.2.3. Die Lernkontrollen im Unterricht
3.2.3. Der tabellarische Unterrichtsentwurf
3.3. Die Reflexion des Unterrichts

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„Am beliebtesten sind bekanntlich jene Pädagogen, welche zu Beginn der Stunde ein Thema anschneiden, gewissermaßen mit einem Thema drohen, um dann schon bald vom Weg abzuirren und durch alle Wissensgebiete zu vagabundieren.“ (Hermann Burger)

Dieses vorangestellte Szenario wird jedem aus seiner eigenen Schulzeit nur zu gut bekannt sein. Der Lehrer betritt die Klasse und beginnt mit seinem Unterricht, indem er sein Stundenziel erläutert. Dabei erklärt er, was er denn alles in der Stunde erreichen möchte, da er sonst nicht weiß, wie er den Stoff bis zum Ende des Schuljahres schaffen soll.

Danach folgt eine kurze Einführung in ein Stoffgebiet und schon die kleinste Spontaneität seitens eines Schülers, sei es eine Frage oder eine Äußerung zum Thema, führt zum Verwerfen des kompletten Unterrichtskonzeptes und die Stunde ist seinem Selbstlauf überlassen. Die Glocke zur Pause ertönt und der Lehrer steht kurz vor der Verzweiflung, weil er wieder einmal mehr nicht das erreicht hat, was er wollte.

Um den Lehrern die Möglichkeit einer vielfältigen Gestaltung einer Unterrichtsstunde und das Erreichen von selbstgestellten Zielen zu gewährleisten, wurden verschiedene Modelle und Konzepte entwickelt. Diese sollen dem Lehrer helfen, das so eben dargelegte Szenario weitestgehend zu umgehen. Das Modell, welches wir in dieser Hausarbeit darstellen möchten, ist die lernzielorientierte Didaktik nach Christine Möller. Dabei möchten wir zunächst auf die grundlegende Theorie des Modells eingehen, um anschließend unseren Unterrichtsentwurf darauf aufzubauen. Des weitern möchten wir darstellen, wie anhand des Konzeptes eine Unterrichtsstunde vorbereitet und abgehalten werden kann. Abschließend möchten wir auf die Reflektion des praktizierten Unterrichts eingehen, um zu demonstrieren, inwieweit dieses Modell in der Praxis angewendet und sinnvoll umgesetzt werden kann. Dabei sollen folgende Fragen geklärt werden: Was heißt „Lernzielorientierter Unterricht“ eigentlich? Worauf baut dieses Konzept auf? Wie kann die Umsetzung der Theorie in der Praxis erfolgen? Ist es überhaupt sinnvoll, eine Unterrichtsstunde komplett nach dem lernzielorientierten Modell aufzubauen? Welche Vorteile birgt dieses Konzept für den Lehrer aber auch für den Lernenden bzw. welche Nachteile können sich aus dem Modell ergeben?

2. Das lernzielorientierte Modell

2.1. Geschichtlicher Hintergrund

Entwickelt wurde das Modell in den 50er und 60er Jahren von Benjamin Bloom.

In den 60er und 70er Jahren wurden alle wichtigen Bücher zu diesem Konzept verfasst. In den 80er Jahren gab es dazu keine neuen Impulse. Alle Erkenntnisse, die mit diesem Modell verbunden sind, wurden vorher verfasst.

Zu Beginn der 70er Jahre hatte die lernzielorientierte Didaktik ihren Höhepunkt in Deutschland. Man kann auch sagen, sie feierte ihren „Siegeszug“ in Kultusministerien, Lehrerseminaren und Richtlinienkommissionen. Im Alltag jedoch spielte das Konzept kaum eine Rolle. Aus diesem Grund wurde es auch als „Feiertagsdidaktik“ bezeichnet. Das heißt, dass Absolventen von Universitäten und Referendare die Anwendung und Umsetzung des Modells für Prüfungen beherrschen mussten und danach wurde es ad acta gelegt und geriet in Vergessenheit.

Wichtige Vertreter des Konzeptes waren außer Benjamin Bloom auch Robert Mager und Christine Möller.

2.2. Definitionen zum lernzielorientierten Unterricht

Um ein Verständnis für dieses Konzept des Lernens entwickeln zu können, möchten wir ein paar Begrifflichkeiten näher definieren.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, was ein Curriculum ist, auf den dieses Konzept aufbaut. „Ein Curriculum – als Endprodukt eines Entwicklungsprozesses – ist ein Plan für Aufbau und Ablauf von Unterrichtseinheiten.“[1] Ein Curriculum muss demnach Aussagen über Lernziele, Lernorganisation und Lernkontrolle enthalten. Er dient Lehrern und Schülern zur optimalen Realisierung des Lernens, soll somit den Unterricht besser planbar machen und von Beliebigkeit und Zufälligkeit befreien.

Um lernzielorientierten Unterricht anwenden zu können, muss des weiteren geklärt werden, wie sich ein Lernziel definiert. Unter einem Lernziel im engeren Sinne versteht man „die sprachlich artikulierte Vorstellung von der durch Unterricht (oder andere Lehrveranstaltungen) zu bewirkenden beobachtbaren Verhaltensänderung eines Lernenden.“[2] Ein Beispiel zur Veranschaulichung wäre demnach: Ein Schüler soll lernen, ein englischsprachiges Interview von vier Minuten Dauer mit einem amerikanischen Gastschüler über dessen High School zu führen und dabei mindestens 7 der 15 neuen Vokabeln der Lektion 8 zu benutzen. Diese Form des Lernziels ist jedoch nur auf Beobachtungen ausgerichtet und daher nicht praktikabel. Hierbei muss eine weite Definition gewählt werden, wo deutlich wird, dass Lernziele immer Interpretationen und Zusammenfassungen von nur teilweise beobachtbaren Verhaltensäußerungen sind. „Ein Lernziel ist die sprachlich artikulierte Vorstellung von der durch Unterricht (oder andere Lehrveranstaltungen) zu bewirkenden gewünschten Verhaltensdisposition eines Lernenden.“[3] Ein Beispiel hierfür wäre: Ein Schüler soll lernen, am Beispiel des Kuckucks das Brutpflegeverhalten von Vögeln ohne falsche Anthropomorphisierungen ( = vermenschlichende Vorurteile) zu betrachten.

Dabei wird deutlich, dass Dispositionen nicht unmittelbar beobachtbar sind. „Mit Dispositionsangaben werden Fähigkeiten bezeichnet, Gelerntes auch in nicht eindeutig voraussehbaren Situationen „sinngemäß“ richtig zu beherrschen.“[4]

Daraus lässt sich erkennen, dass Lernziele ganz konkret beschrieben sein müssen, um den Schüler wissen zu lassen, was er können und kennen muss. Der Erfolg dieser klar formulierten Lernziele, die in einem genau beschriebenen Lernzielfindungs- und Begründungsprozess hergeleitet werden, kann durch objektive Tests ermittelt werden.

Unterricht ohne Ziele ist nicht denkbar. Allerdings ist dabei darauf zu achten, dass sich nicht nur der Lehrer Ziele setzt, sondern dass auch die Schüler Ziele für sich formulieren, die sie erreichen wollen. Wie die Umsetzung dann erfolgt, hängt von jedem Schüler selbst ab. Der eine verfolgt sein Ziel locker und ungezwungen, der andere mit vollem Elan und Ehrgeiz. Weiter muss darauf geachtet werden, dass man streng zwischen den angestrebten Zielen zum einen und zum anderen den tatsächlich eingetretenen Ergebnissen am Unterrichtsende unterscheidet. Die Ziele sind präskriptiv (vorschreibend, festlegend), die Ergebnisse jedoch deskriptiv (darstellend, beschreibend).

Mit diesen Kurzdefinitionen der wichtigen Begriffe kann man nun klären, was lernzielorientierter Unterricht eigentlich ist. „Lernzielorientierter Unterricht bezeichnet ein Konzept, bei dem durch eine möglichst transparente und präzise Festlegung der anzustrebenden Ziele und durch die empirisch kontrollierte Zuordnung von Mittel ( = Inhalten, Methoden, Medien) die zweckrationale Steuerung der Unterrichtsabläufe verbessert werden soll.“[5] Unter Bezug auf einige Grundlagen des Behaviorismus versucht die lernzielorientierte Didaktik der Unterrichtsplanung eine wissenschaftliche Grundlage zu geben. Behaviorismus bezeichnet dabei die Parallele zwischen Lernen und Verhalten von Individuen. Da Lernen nicht unmittelbar wahrnehmbar ist, stützt man sich auf diese Parallele und sagt, wo gelernt worden ist. Es ändert sich somit nicht nur im verborgenen Bereich etwas, sondern auch im beobachtbaren Verhaltensbereich.

Die lernzielorientierte Didaktik stützt sich auf vorher genannte Curricula.

Der lernzielorientierte Ansatz gliedert sich in fünf als vorausgesetzt geltende Annahmen.

„CHRISTINE MÖLLER, eine Hauptvertreterin dieser Position, schreibt:

- daß hier der Zielerstellungsprozeß in den Aufgabenbereich der Curriculumentwickler als ein zentraler Bestandteil hineingenommen wird und Ziele nicht als etwas Vorgegebenes, von irgendeiner außenstehenden Instanz oder Institution Alleinentwickeltes betrachtet werden;
- daß deshalb ein handhabbares Instrumentarium für den Zielerstellungsprozeß mit einzelnen praktikablen, erlernbaren Handlungsschritten vorgestellt wird;
- daß dabei die Betonung auf einer eindeutigen Beschreibung dieser Ziele liegt...;
- daß präzise Ziele unabdingbare, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzungen für eine effektive Methodenauswahl sind;
- und daß außerdem der Erfolg des Lernens und Lehrens bzw. des erstellten Curriculums nur anhand der Ziele wirkungsvoll überprüft werden kann.“[6]

2.3. Lernplanung

2.3.1. Sammlung, Beschreibung und Ordnung von Lernzielen

2.3.1.1. Sammlung von Lernzielen

Bei der Sammlung von Lernzielen geht man zunächst vom Lehrplan aus. Es werden alle unterschiedlichen Lernziele gesammelt, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, inwieweit diese oder jene Lernziele benötigt und umgesetzt werden. Als Quellen werden dabei Texte, Lernsysteme, Kontaktgruppen, Berufstätige, Lehrer, Schüler usw. genutzt. Man sollte sich nicht auf eine Verfahrensweise oder Quelle verlassen, sondern versuchen soviel wie möglich auszuschöpfen und zu nutzen.

Die Unterrichtsplanung beginnt also mit den Entscheidungen über die Lernziele, d.h. über vorgesehene Lernzwecke, was ein Schüler lernen soll und von welcher Qualität das Gelernte für den Schüler sein soll.

2.3.1.2. Beschreibung von Lernzielen

Die Sammlung der Lernziele erfolgt wahllos und enthält keine genauen und eindeutigen Formulierungen. Zumeist hat man zunächst nur implizite Zielvorstellung, d.h. unausgesprochene Vorstellungen. Diese müssen nun in explizite umgewandelt werden. Für den Planer bedeutet dies, dass er sich über die Ziele, die im Unterricht erreicht werden sollen, klar wird und diese exakt aufschreibt. Der zweite Schritt, der sich daraus ergibt, ist die Mitteilung dieser ausdrücklich formulierten Ziele an die direkt Betroffenen, z.b. Schüler. Darausfolgend ist die Präzisierung der Beschreibung der Lernziele nach Inhalt und Verhalten. Eine eindeutige Zielbeschreibung ist dann existent, wenn:

1. genau angegeben wird, was der Lernende tun soll (= eindeutige Endbeschreibung)
2. beschrieben ist, womit und unter welchen situativen Bedingungen er dies tun soll (= Angabe der näheren Bedingungen)
3. dargestellt ist, woran sich das richtige Verhalten des Lernenden erkennen lässt (= Angabe des Beurteilungsmaßstabes)

Sind all diese Bedingungen erfüllt, spricht man von einem „operationalisierten Lernziel“. Dies ist ein eindeutig formuliertes Ziel, auch Feinziel genannt.

2.3.1.3. Lernzieloperationalisierung

Das Kernstück des lernzielorientierten Unterrichts ist die Operationalisierung von Lernzielen, das auf das Prinzip der Überprüfung und Kontrolle aller didaktischen Vorgänge zielt.

„Lernzieloperationalisierung im weiten Sinn ist die Kleinarbeitung einer ungenauen Lernzielangabe bis hin zur sprachlich möglichst eindeutigen Angabe beobachtbarer Elemente der gewünschten neuen Verhaltensdisposition des Lernenden.“[7] Ein unklares und abstraktes Ziel soll eindeutig formuliert sein.

Wird jedoch ein bestimmtes Messverfahren für die Zielformulierung angewandt, so lässt sich das Operationalisieren noch enger fassen.

„Lernzieloperationalisierung im engeren Sinn ist die Angabe der Messoperation, mit der ein beobachtbares Element einer gewünschten Veränderung des Schülerverhaltens kontrolliert werden kann.“[8] Dies bedeutet, dass Indikatoren festgelegt werden, mit denen man die Veränderung des Verhaltens des Schülers messbar machen kann.

Nach Robert Mager, Vertreter der lernzielorientierten Didaktik, gilt ein Lernziel dann ausreichend operationalisiert, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

1. Die beobachtbaren Verhaltensweisen eines Schülers müssen beschrieben werden, die er nach dem Ablauf des Unterrichts beherrschen soll (z.b. logarithmieren).
2. Die Bedingungen müssen genannt sein, unter denen das Verhalten des Schülers kontrolliert werden sollen (z.b. Zusammenarbeit mit anderen Schülern).
3. Der Bewertungsmaßstab muss angegeben sein, nach dem entschieden wird, ob und inwieweit der Schüler das Ziel erreicht hat (z.b. Angabe der Aufgabenzahl, die aus der Gesamtmenge gelöst werden soll).

Ein konkretes Beispiel dafür wäre: Ein Schüler soll aus einer vorgegebenen Liste mit europäischen Hauptstädten mindestens fünf von neun ankreuzen können, deren Staaten Mitglied der EU sind.

Das Operationalisieren ist also eine Umformung von ungenauen zu genauen Lernzielen, jedoch kann nicht jedes Ziel so einfach umformuliert werden.

[...]


[1] GUDJONS, Herbert; WINKEL, Rainer (Hrsg.): Didaktische Theorien. Hamburg: Bergmann + Helbig, 10. Aufl., 1999, S. 75

[2] JANK, Werner; MEYER, Hilbert: Didaktische Modelle. Berlin: Cornelsen, 3. Aufl., 1994, S. 302

[3] JANK 1994, S.302

[4] JANK 1994, S.302

[5] JANK 1994, S. 299

[6] PETERßEN, W.H.: Lehrbuch Allgemeine Didaktik. München: Oldenbourg 2001, S. 193

[7] JANK 1994, S. 303

[8] JANK 1994, S. 303

Details

Seiten
31
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638167611
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10299
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Wirtschaftswissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Modell Christine Möller Didaktische Modelle Unterrichtsplanung Analyse

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