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Die Aufenthaltsdauer von Migranten im Gastland - Eine Analyse am Beispiel der EU Osterweiterung

Diplomarbeit 2002 47 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einführung

2 Abschätzung des Migrationspotentials

3 Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Situation in den MOEL
3.1 Arbeitslosigkeit
3.2 Erwerbstätigkeit
3.3 Bruttoinlandsprodukt
3.4 Kaufkraftparitäten

4 Migration als Investition in Humankapital

5 Referenzmodell zur Migration bei Geltung der Kaufkraftparität

6 Modellierung optimaler Rückkehrzeitpunkte
6.1 Nichtgeltung von Kaufkraftparität und konstante Preise
6.2 Nichtgeltung von Kaufkraftparität,
konstante Preise, Arbeitslosigkeit
6.3 Logarithmische Nutzenfunktion
6.3.1 Innere Lösung
6.3.2 Randlösung
6.4 Logarithmische Nutzenfunktion bei Arbeitslosigkeit
6.4.1 Innere Lösung
6.4.2 Randlösung

7 Berechnung optimaler Rückkehrzeitpunkte
7.1 Migration von den MOEL in die EU
7.2 Migration von den MOEL nach Deutschland
7.3 Migration von den MOEL nach Österreich
7.4 Kritik der Berechnung optimaler Aufenthaltsdauern

8 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 3.1: Arbeitslosenquoten in den MOEL, der EU, Deutschland und Österreich

Tabelle 3.2: Erwerbstätige in den MOEL

Tabelle 3.3: Pro-Kopf-BIP in den MOEL, der EU, Deutschland und Österreich in Euro

Tabelle 3.4: Pro-Kopf-BIP in den MOEL, der EU, Deutschland und Österreich in KKS

Tabelle 3.5: Kaufkraftparitäten der EU zu den MOEL

Tabelle 3.6: Kaufkraftparitäten Deutschlands zu den MOEL

Tabelle 3.7: Kaufkraftparitäten Österreichs zu den MOEL

Tabelle 7.1: Aufenthaltsdauer bei Migration von den MOEL in die EU

Tabelle 7.2: Vergleich der Nutzenniveaus bei Nichtmigration oder permanenter Migration von Polen, Slowenien und der EU

Tabelle 7.3: Aufenthaltsdauer bei Migration von den MOEL nach Deutschland

Tabelle 7.4: Vergleich der Nutzenniveaus bei Nichtmigration oder permanenter Migration von Polen, Slowenien und Deutschland

Tabelle 7.5: Aufenthaltsdauer bei Migration von den MOEL nach Österreich

Tabelle 7.6: Vergleich der Nutzenniveaus bei Nichtmigration oder permanenter Migration von Polen, Slowenien und Österreich

1 Einführung

Die voranschreitende wirtschaftliche Integration der Europäischen Union (EU)[1] in Verbindung mit der Erweiterung der EU um neue Mitgliedsstaaten wirft die Frage auf, welche Form zukünftig zu erwartende Arbeitskräftebewegungen in Europa besitzen werden. Das besondere Augenmerk liegt hier auf den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL)[2]. In der Literatur hat dabei die Frage der Aufenthaltsdauer von Migranten in einem Aufnahmeland bisher nur wenig Beachtung gefunden. Im Zuge der Osterweiterung der EU beschäftigen sich zahlreiche Studien mit Prognosen über den Umfang der Zuwanderungsströme nach Eintreten von Niederlassungsfreiheit für Personen und Freizügigkeit für Arbeitnehmer.[3] Diese beiden Kriterien sind unabdingbare Elemente einer vollwertigen EU-Mitgliedschaft.[4]

Der Migrationsstrom im Zuge der Erweiterung wird sich auf Österreich und Deutschland, insbesondere die Grenzregionen dieser beiden Länder zu den MOEL, konzentrieren. Allein 75 Prozent der migrierten Menschen und 80 Prozent der erwerbstätigen Migranten aus den MOEL ließen sich bis 1999 in diesen beiden Ländern nieder. In Österreich machten Migranten aus den Ländern Bulgarien, Polen, Rumänien, Tschechien, Slowakei und Ungarn in 1995 1,1 Prozent, in Deutschland 0,5 Prozent der Beschäftigten aus.[5]

Die vorliegende Arbeit betrachtet dabei das Migrationspotential, das in den Staaten Mittel- und Osteuropas besteht und gibt unterschiedliche Schätzungen bezüglich der Anzahl der Migranten wieder. Sie nimmt bezug auf Befragungen migrationsbereiter Mittel- und Osteuropäer, die nach einer begrenzten Zeit der Wanderung in die EU wieder in ihr Heimatland zurückkehren wollen.

Die wirtschaftliche Situation in den MOEL stellt sich uneinheitlich zwischen den einzelnen Ländern dar. So geht die Spanne der Arbeitslosenquoten in den MOEL in 1998 von 16 Prozent in Bulgarien bis zu 6,3 Prozent in Rumänien. Diese Werte schwanken um die Arbeitslosenquote von 9,9 Prozent in der Europäischen Union (vgl. Tabelle 3.1). Besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen ist in den MOEL die Gruppe der unter 25jährigen Menschen. Zusammen mit einem höheren Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt in der EU als in den Ländern Mittel- und Osteuropas beeinflussen diese Faktoren das Wanderungs­verhalten nach Eintreten der Freizügigkeit.

Der in Kapitel 4 vorgestellte Humankapitalansatz verdeutlicht, dass Migration bei ausreichend großen Disparitäten zwischen Heimat- und Gastland statt­findet. Und zwar genau dann, wenn die Erträge aus der Wanderung für das Individuum größer sind als die wanderungsbedingten Kosten.

Darauf aufbauend wird im Folgenden die Frage aufgeworfen, ob die Remigration vom Gast- in das Heimatland eine den Nutzen des Individuums maximierende Strategie ist. Über die Wahl eines optimalen Rück­kehr­zeitpunktes für die Remigration in das Heimatland soll das Individuum seinen Nutzen maximieren. Als Einflussgröße wird dazu die Kaufkraft der im Gastland erwirtschafteten Währung im Heimatland hinzugezogen. Hier wird in der Arbeit ein Modell entwickelt, das zunächst von identischer Kaufkraft der Währungseinheiten in Gast- und Heimatland ausgeht und Lohnunterschiede zwischen Gast- und Heimatland berücksichtigt. Weiter­gehend wird ein Unter­schied in der Kaufkraft zwischen Gast- und Heimatland eingeführt, wie es auch der Situation zwischen den MOEL und den Ländern der EU entspricht (vgl. Tabellen 3.5 bis 3.7). Die Erweiterung des Modells um die individuelle Be­schäftigungs­wahr­scheinlichkeit ermöglicht eine differenziertere Be­trachtungs­weise. Durch Hinzuziehung einer spezifischen Form der Nutzen­funktion ge­lingt es, die Wirkungsweise der die Wanderung beeinflussenden Parameter auf die optimale Aufenthaltsdauer zu verdeutlichen.

Mit den theoretischen Erkenntnissen der Arbeit wird in Kapitel 7 eine Be­rechnung optimaler Rückkehrzeitpunkte für die Fälle der Migration von den MOEL in die EU, Deutschland und Österreich vorgenommen. Es lässt sich erkennen, in welchem Umfang zukünftige Wanderungen von Ost nach West temporären Charakter besitzen können und welche Migranten der Länder Mittel- und Osteuropas eher zu einer temporären Migration neigen als andere.

2 Abschätzung des Migrationspotentials

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Fall des Eisernen Vorhangs entstand in der EU Beunruhigung über einen Anstieg des Migrationsstromes von Ost nach West. Dabei wurde die Wanderung großer Menschenmassen befürchtet. Diese Wanderungswellen traten jedoch nicht ein, da die davon betroffenen möglichen Aufnahmeländer durch restriktive Einwanderungsvorschriften den Strom der Migranten auf kurzfristig Arbeitssuchende mit zeitlich begrenzten Arbeitsverträgen beschränkten.[6] Dies erfolgte nach 1993 auch bedingt durch die wirtschaftliche Rezession in Europa.[7]

Nach der Erweiterung der Europäischen Union gehen die Annahmen für ein Migrationspotential von den Ländern Mittel- und Osteuropas zu den Ländern der bestehenden Europäischen Union von 200.000[8] bis 335.000[9] Zuwanderern jährlich mit einer in der Zukunft sinkenden Tendenz aus. Insgesamt wird der Bestand von Migranten aus den MOEL in der EU im Jahre 2010 auf 2,9[10] bzw. 2,6 bis 3 Millionen, in Abhängigkeit von der Einkommensentwicklung[11], geschätzt. Bis 2015 liegen die Schätzungen bei 3,4[12] bzw. 3,2 bis 4 Millionen Migranten.[13]

Aus Befragungen von Bewohnern Osteuropas ergibt sich, dass die Wanderung von Osten nach Westen einen temporären Charakter besitzen kann. So planen 63 Prozent befragter wanderungsbereiter Menschen Auslandsaufenthalte, die nicht länger als fünf Jahre dauern sollen. 19 Prozent streben Aufenthalte an, die ein Jahr dauern, 26 Prozent können sich temporäre Migration für ein bis zwei Jahre vorstellen und 18 Prozent wiederum halten einen Zeitraum von fünf Jahren als Aufenthaltsdauer im Gastland für möglich. Gleichwohl muss eingeräumt werden, dass die Ost-West-Wanderung mit einem temporären Charakter auf kurz- bis mittelfristige Sicht in der Willenserklärung potentieller Migranten in der langen Frist in der Realität Permanenz erlangen könnte. Anzuführen sind hier die Erfahrungen mit Gastarbeitern, die ihren Aufenthalt bei der Einwanderung ursprünglich ebenfalls nur begrenzt sehen wollten.[14]

3 Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Situation in den MOEL

3.1 Arbeitslosigkeit

Der Arbeitsmarkt in den Ländern Mittel- und Osteuropas ist geprägt von meist hoher Arbeitslosigkeit (vgl. Tabelle 3.1). Von 1996 bis 1998 sanken die Arbeitslosenquoten in den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, sowie in Polen, Rumänien und Ungarn. Jedoch in Bulgarien, der Slowakei, Slowenien und Tschechien stiegen die Quoten der Arbeitslosen an. In 1998 erreichten die Arbeitslosenquoten in Bulgarien, Lettland, Litauen, Polen und der Slowakei Werte über 10 Prozent.

Auffällig wird schon bei einer Betrachtung der Arbeitslosenquoten, dass große Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten Mittel- und Osteuropas bestehen. So liegt 1998 die bulgarische Arbeitslosenquote bei 16 Prozent, dem höchsten Wert der MOEL. Hingegen in Rumänien beträgt dieser Wert im gleichen Jahr 6,3 Prozent. Mit Rumänien, Slowenien, Tschechien und Ungarn haben vier Vertreter der MOEL gar niedrigere Quoten als die Union im Durchschnitt zu verbuchen, Estland liegt mit 9,9 Prozent auf der gleichen Höhe wie die EU. Im Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland, die 1998 eine Arbeitslosenquote von 9,4 Prozent verzeichnete, schneiden die MOEL nicht deutlich anders ab als im Vergleich mit der EU. Dramatischer werden die Unterschiede mit Blick auf Österreich. Mit 4,5 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in dem Alpenstaat niedriger als in jedem Land Mittel- und Osteuropas.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3 . 1 : Arbeitslosenquoten in den MOEL, der EU, Deutschland und Österreich

Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2001 für das Ausland, Wiesbaden 2001, S. 56 und Eurostat: 100 ausgewählte Basisindikatoren aus dem Eurostat Jahrbuch 2001, o.O., o.J., S. 14 (Online verfügbar unter http://www.statistik.zh.ch/europa/jbindik01.pdf, abgerufen am 28.02.2002).

[...]


[1] Zur Europäischen Union gehören die Staaten Deutschland, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien und das Vereinigte Königreich.

[2] Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn bilden die MOEL.

[3] Die Kodifizierung der Freizügigkeit erfolgt in Artikel 39 des EG-Vertrages.

[4] Vgl. Brücker, H. / Trübswetter, P. / Weise, C.: EU-Osterweiterung: Keine massive Zuwanderung zu erwarten. In: Wochenbericht. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (Hrsg.), 67. Jahrgang (2000), S. 315.

[5] Vgl. Boeri, T. / Brücker, H.: The Impact of Eastern Enlargement on Employment and Labour Markets in the EU Member States. European Integration Consortium (Hrsg.). Berlin / Mailand 2001, S. 53.

[6] Vgl. Europäische Kommission, Generaldirektorat für Wirtschafts- und Finanzbeziehungen: The economic impact of enlargement. In: Enlargement Papers. 2001, S. 40.

[7] Vgl. Brücker / Trübswetter / Weise (2000), S. 317.

[8] Vgl. Bauer, T. K. / Zimmermann, K. F.: Assessment of Possible Migration Pressure and its Labour Market Impact Following EU Enlargement to Central and Eastern Europe. Bonn 1999, S. 33.

[9] Vgl. Boeri / Brücker (2001), S. 104.

[10] Vgl. Boeri / Brücker (2001), S. 105.

[11] Vgl. Sinn, H.-W. u. a.: EU-Erweiterung und Arbeitskräftemigration. Wege zu einer schrittweisen Annäherung der Arbeitsmärkte. München 2001, S. 22.

[12] Vgl. Boeri / Brücker (2001), S. 105.

[13] Vgl. Sinn u.a. (2001), S. 22.

[14] Vgl. Fassmann, H. / Hintermann, C.: Migrationspotential Osteuropa. Struktur und Motivation potentieller Migranten aus Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn, Wien 1997, S. 15 f.

Details

Seiten
47
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638167703
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10311
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Lehrstuhl für Theoretische Volkswirtschaftslehre I
Note
1,3
Schlagworte
EU Osterweiterung MOEL Migration Aufenthaltsdauer

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