Lade Inhalt...

Der Aufstieg des Ultramontanismus bis zum ersten vatikanischen Konzil

Seminararbeit 2003 14 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3. Der ultramontane Vorstoß in Frankreich
3.1 Joseph Marie de Maistre
3.2 Felicite Robert de Lamennais

4. Die Anfänge der Entwicklung in Deutschland
4.1 Die katholischen Kreise

5. Das Fortschreiten des Ultramontanismus
5.1 Frankreich
5.2 Deutschland und Österreich

6. Der Sieg des Ultramontanismus im Pontifikat Pius IX.(1846-1878)
6.1 Der Weg zum Konzil

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die entscheidene Wende zum Ultramontanismus geschah von 1820-1850. Sie ist als Gegenreaktion auf die Säkularisation von 1803 zu interpretieren. Als Hauptmerkmal kann man jedoch die französische Revolution bestimmen, die zum Sturz der politisch-gesellschaftlichen Ordnung führte. Dies führte zwar vorübergehend zur Auslieferung der Kirche an die Regierung, auf lange Zeit aber erreichte es eine Festigung Roms, dem nun keine innerkirchlichen Einflußbereiche mehr gegenüberstanden. Da die kirchliche Einheit zerfallen war, blieb nur das Papsttum als einzige Obrigkeit, die einen Neuaufbau der Kirche vollbringen konnte.

Hauptträger der ultramontanen Bewegung waren in Frankreich de Maistre und Lamennais, in Deutschland war es vor allen der Mainzer Kreis, sowie Görres und auch Philipps, die ich in dieser Ausarbeitung auch vorstellen werde.

Desweiteren habe ich meine Arbeit chronologisch strukturiert, um die Entwicklung von dem Anfängen bis zum Höhepunkt des Ultramontanismus verständlicher darzustellen.

2. Begriffsklärung

Ultramontanismus: „Ultramontan“ zunächst im geographischen Sinne gebrauchte Bezeichnung /jenseits der Alpen), kam als negativ geprägte Richtungsbezeichnung zuerst z.Zt. von Johann Nikolaus von Hontheim(1763) für die Vertreter der römisch-päpstlichen Ekklesiologie auf und setzte sich im 19. Jahrhundert als Negativbegriff bei liberalen Kaholiken besonders in Deutschland (Ignaz von Döllinger, Franz Xaver Kraus) durch, seit Ende des 19.Jahrhunderts bis in die Zeit des Nationalsozialismus auch generell für die Katholiken (im Sinn von undeutsch, national unzuverlässig)[1].

3. Der ultramontane Vorstoß in Frankreich

In den Jahren der Revolution und der Zeit des Kaiserreiches war der französische Klerus, seiner Sonderrechte und der Unterstützung durch die Monarchie beraubt, zur Erkenntnis gekommen, das die beste Politik für ihn künftig in einen engen Anschluß an das Haupt der Kirche bestehe. Ebenso der Versuch, den Klerus in die Staatlichkeit einzugliedern, wie auch die Bemühungen zur Zeit des Konzils von 1811 eine Nationalkirche zu errichten, rief Mißstimmung hervor.

3.1 Joseph Marie de Maistre

Das ultramontane Wiedererwachen zeigte sich bald mit ansteigenden Einfluß. Nach der von den Jesuiten geförderten Verbreitung französischer Übersetzungen der Werke italienischer Ultramontanisten war die erste bemerkenswerte Demonstration dieses Wiedererwachens die Veröffentlichung des Buches „Du Pape“[2] von Joseph de Maistre[3] im Jahr 1819[4].

Schatz sagte hierzu, das De Maistre die Unfehlbarkeit des Papstes aus den Studierstuben der Theologen unter die Laien gebracht habe, durch ihn wurde sie schlagartig sogar für die politische und gesellschaftliche Ordnung außerordentlich brisant. Das Papsttum und die Unfehlbarkeit bedeuteten für de Maistre eine neue Sicherheit und Halt in einer Welt, die nach dem Wiener Kongreß durch die Revolution und die napoleonischen Kriege, in große Instabilität gefallen war.

Hierzu zitiere ich aus einem Brief von de Maistre an Graf von Blacas der die damalige Stimmung treffend wiedergibt:

Das Christentum beruht vollständig auf dem Papst, so daß man als Prinzip der politisch-gesellschaftlichen Ordnung, welcher Frankreich durch providentielle[5] Fügung berufen ist vorzustehen, diese Beweiskette aufstellen kann: keine öffentliche Moral und kein nationaler Charakter ohne Religion, keine europäische Religion ohne das Christentum, kein Christentum ohne Katholizismus, keinen Katholizismus ohne Papst, keinen Papst ohne die ihm zukommende Souveränität“[6].

Unfehlbarkeit bedeutete für de Maistre die Beendigung der Kritik und der ständigen Zweifel am Papsttum, da es ansonsten zur Auflösung der gesellschaftlichen Ordnung führt. Die Unfehlbarkeitsdiskussion war eine typische Erscheinung der Neuzeit.

Die altchristlichen Konzilien beschäftigten sich mit dem Grundgedanken, das in der Tradition und dem überlieferten Glauben sich Christus selbst im Heiligen Geist weitergibt und die Träger des Lehramtes sich durch diesen Strom der göttlichen Wahrheit getragen fühlten. Nun war es anders, das Lehramt sollte über den überlieferten Glauben entscheiden, daher muß die Instanz, die entscheidet, auch eindeutig bestimmt sein.

De Maistre hatte auf viele Autoren bis zum 1. Vatikanum einen prägenden Einfluß, insbesondere was die Unfehlbarkeitsdebatte betraf, jedoch gelang es ihm nicht Politiker und Klerus nachhaltig zu beeinflussen[7]. Der eigentlichen Durchbruch der ultramontanen Bewegung in Frankreich war das Werk des Felicite de Lamennais[8].

[...]


[1] Nach Michael Buchberger u. Walter Kaspar, Art. Ultramontanismus in: LThK (10) 2001, Sp.1670-1671.

[2] Übersetzt heißt dies: Vom Papst.

[3] Joseph Marie de Maistre, Diplomat und Staatsphilosoph, 1753-1821.

[4] Vgl. Prof. Dr. Roger Aubert, Die ultramontane Offensive in Frankreich in: Hubert Jedin (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Freiburg im Breisgau 1985, S.132-133.

[5] veraltet für: Vorsehung, von der Vorsehung bestimmt.

[6] Zitiert aus: Klaus Schatz, Der päpstliche Primat, Würzburg 1990, S.179.

[7] a.a.O., S.180.

[8] 1782-1854.

Details

Seiten
14
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638167796
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10321
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Kath. Theologie
Note
2
Schlagworte
ultramontanismus säkularisation

Autor

Zurück

Titel: Der Aufstieg des Ultramontanismus bis zum ersten vatikanischen Konzil