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Quellenvergleich der Imperialismustheorien von Lenin; Wehlers und Schöllingen

Referat / Aufsatz (Schule) 1999 11 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Quellenvergleich der Imperialismustheorien von Lenin; Wehlers und Schöllingen

Erst mal ist festzustellen, dass es sich bei Lenins Theorie um eine Primärquelle handelt, und bei Wehlers und Schönlingen Sekundärquellen vorliegen, in die wir durch eine kleine Erklärung jeweils eingeführt werden. Diese wiederum wurden zu verschiedenen Zeiten geschrieben und lenken jeweils ihr Augenmerk auf bestimmte Punkte, die besonders wichtig erscheinen, wobei in jede auf den Imperialismus anspielt. Uns liegen hier also drei theoretische Ansätze zur Erklärung des Imperialismus vor, in denen der jeweilige Verfasser seine eigene Meinung äußert.

Die Theorie Lenins bezieht sich zum Beispiel eher auf die Analyse des Kapitalismus als auf den Imperialismus selbst. Man kann also sagen, dass in dieser von ihm 1917 geschriebenen Theorie, der Imperialismus eher als Teilgebiet des Kapitalismus zu sehen ist. Besonders kennzeichnend für dieses Schriftstück ist der Aufbau. Eine eindeutige Zweiteilung, die Darstellung des Unterschiedes von 1917 zu 1920. So tauen im erstem Teil Schlüsselwörter wie Kapitalexport und -import, als auch Monopol in Lenins Theorie auf. Diese deuten seine politisch sozialdemokratische, antikapitalistische Einstellung an. Diese Schlagworte sind eben Worte die auch im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Marxismus stehen, wofür wiederum Lenin stand.

Die politisch-staatsbezogene Erklärung von Schöllgen 1991 bezieht eine Primärquelle, die Definition, mit ein. Diese nutzt er beginnend als Bezugnahme, um darauf seine Erläuterungen aufzubauen. Das macht weder Lenin noch Wehlers so (nur indirekt). Allerdings sind Zitate auch immer ein Zeichen von Kompetenz und Bildung. Dieses Zitat, "die klassische Definition von H. Friedjung" (1919 aus dessen Werk "Das Zeitalter des Imperialismus") benenne, laut Schöllgen, treffend die wichtigsten Merkmale des Imperialismus. Nachahmend stellt er diese Definition (wie der ursprüngliche Verfasser in seinem Werk) an den Anfang seines Textes.

Dennoch ist festzustellen, dass in allen drei Quellen eine Art Definition auftaucht, obgleich diese einerseits eigene oder andererseits zitierte sind. Lenins Definition ist in fünf Punkte aufgeteilt, die besagen, dass Kapital- und Prokutionskonzentration eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht haben, dass diese Monopole schaffen, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen. Als zweiten Punkt führt er die Verschmelzung des Bank- mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf jener Basis als Merkmal des Imperialismus an. Dass der Kapitalexport, zum Unterschied zum Warenexport, eine wichtige Bedeutung erhält und sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände bilden, die die Welt unter sich teilen, sind für ihn ebenfalls entschiedene Elemente. An den Schluss setzt er dann, dass die territoriale Aufteilung der Erde unter den kapitalistischen Großmächten, beendet sein muss. Wehlers macht in seiner Definition Industrialisierung und technischen Fortschritt (nach der weltwirtschaftlichen Krisenphase 1873) für industrie-, und die agrarwirtschaftliche Wachstumsproblematikverschärfung, verantwortlich, begründet die Entstehung des Imperialismus mit der Not einen Ausweg finden zu müssen. Für diesen käme wiederum nur die ökonomische Expansion nach Außen in Frage. Diese betitelt Lenin als Kapital- und Produktionskonzentration bis zur Monopolentstehung, und Schöllgen in seiner Definition als Drang der Machthaber nach Erlangung von Anteilen an der Weltherrschaft durch überseeischen Besitz, bei der dieser Drang aber zu klarem Bewusstsein geworden sei. Diese Richtschnur des Handelns beschreibt Lenin als die Teilung Welt unter den Großmächten, die im Prinzip das gleich Ziel verfolgt, nämlich Machterlangung durch überseeischen Besitz. Den Termini "überseeisch", nutzt auch Wehlers in seiner Quelle. So gibt auch Wehlers eine eigene kurze Definition, die er wie Schöllgen am Anfang des Textes stellt, um darauf seine Argumentation aufzubauen. Wehlers und Lenin bilden ihre eigenen Definitionen, während Schöllgen eine nutzt, die genau zu dieser Zeit geschrieben wurde. Das wiederum ist aber auch nur Mittel zum Zweck (historische Festmachung). Lenin setzt seine Definition auch als einziger fast an das Ende seines Textes, beginnt also erst mit der Erklärung logischer Zusammenhänge, die ihn dann zu seiner Definition führen, um zum Schluss eine Zusammenfassung zu geben. Dieses Schema kommt den Lesern in sofern zu gute, als dass sie argumentativ zu dem Hauptpunkt geführt werden. Ob sie letztlich wie Lenin, der seinen Text anscheinen für eine breite Leserschaft geschrieben hat (einfacher Aufbau und nicht allzu schwer verständlich), der Meinung sind, dass "der Imperialismus der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe ist, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausbildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist", bleibt offen. (Zeile 66- 71)

Wehlers Definition sagt aus, dass man den Sozialimperialismus, dem ökonomische Expansion impliziert, knapp definieren kann. Die Industrialisierung und der technische Fortschritt hätten in der weltwirtschaftlichen Krisenphase nach 1873 zuerst die industrie-, dann auch die agrarwirtschaftliche Wachstumsproblematik ungeheuer verschärft. Als Kennzeichen empfindet er auch die Versuche der Mitlebenden Auswege aus ihrer bedrängten Lage zu suchen. Da laut Wehlers eine Möglichkeit die ökonomische Expansion über nationalen Grenzen hinweg, also der Waren- und Kapitalexport zu bieten schien, setzt er das auch als ein Merkmal ein. Er baut seine Theorie voll und ganz auf die bedrängte ökonomische Lage auf und versucht regelrecht eine Rechtfertigung für den Imperialismus zu geben.

Schöllgen wiederum sieht die Situation etwas anders. Er ist der Meinung, dass ein Motiv für das Ausgreifen an der Peripherie Europas entscheiden mitverantwortlich ist, dass in den voraus gegangenen Epochen imperialistischer Expansion kaum eine Bedeutung besessen hatte. Dieses Motiv ist und war der Prestigemoment. Diesen schreibt er dem allgemein empfundenem Bedürfnis nach weltmachtpolitischer Gleichberechtigung in der außereuropäischen Welt und in Europa selbst zu. Da die Quelle 1985 geschrieben wurde, entsteht in dieser wohl fast allen zugänglichen politisch-staatsbezogenen Erklärung (einfach zu verstehen und leicht geschrieben) der Eindruck, einer Zusammenfassung. Da zu dieser Zeit eine Skepsis gegenüber Theorien mit dem Anspruch einer umfassenden Erklärung des Imperialismus zu herrschen schien, hebt Schöllgen in einer verbreiteten historischen Epochendarstellung nur Merkmale hervor.

Alle drei Quellen sind argumentativ aufgebaut, dass schließ jeweils auch eine Definition ein. Allerdings liegt das Augenmerk auch jeweils auf einen anderen bestimmten Punkt. Lenin baut seine Theorie auf Kapitalproduktion, -export und -konzentration, sowie Monopolen, Rohstoffen und Konkurrenzbegriff auf, während Schöllgen den Prestigemoment nutzt.

Wirtschaftliche Gründe, die dazu führten, dass sich die europäischen Mächte verstärkt um den Erwerb von Kolonien bzw., wo dieser nicht möglich war oder nicht opportun erschien, um die Sicherung von Einflusssphären bemühten, stehen für ihn auch im Zentrum des Imperialismus, sind jedoch zweitrangig.

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Details

Seiten
11
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783640018178
Dateigröße
348 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v103439
Note
15 Punkte
Schlagworte
Imperialismustheorien

Autor

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