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Unterrichtsentwurf zum Themenkreis Islam

Unterrichtsentwurf 2001 23 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Rahmenbedingungen des Unterrichts
Schule
Klassensituation, Alter und Entwicklungsstand

Thema der Stunde, Lehrplanbezug, Einordnen in die Unterrichtssequenz
Thema der Stunde
Lehrplanbezug
Einordnung in die Unterrichtssequenz

Fachwissenschaftliche Überlegungen
Überlegungen zum Thema Moschee
Architektur
Religionswissenschaftliche Aspekte - Gebet
Überlegungen zum Thema Tod und Jenseits
Religionspädagogische Überlegungen - Ritt in den Himmel
Religionswissenschaftliche Überlegungen - Begräbnis
Religionswissenschaftliche Überlegungen - Jüngste Gericht
Religionswissenschaftliche Überlegungen - Das Paradies

Didaktische Überlegungen
Bedeutung der Stunde für die SchülerInnen und Auswahl der Lernziele und Inhalte
Lernziel
Inhalt
Text
Dias
Diaserie zum Thema Moschee:
Diaserie zum Thema Tod und Jenseits

Überlegungen zu Unterrichtsmethoden und -Medien

Unterrichtsverlauf

Einige Eindrücke über die tatsächlich gehaltene Stunde

Literaturverzeichnis:

Rahmenbedingungen des Unterrichts

Schule

Mein Unterrichtsentwurf im Fach „evangelische Religionslehre“ ist für eine 9. Klasse des Humanistischen Wilhelmsgymnasium in München, Stadtteil Lehel, bestimmt. An dem Unterricht nehmen elf Schüler und Schülerinnen aus zwei Klassen teil. Das Ge- schlechterverhältnis ist dabei mit sechs Jungen und fünf Mädchen sehr ausgeglichen.

Die Kinder, die das Wilhelmsgymnasium besuchen kommen in erster Linie aus Akade- mikerfamilien. Schon das Umfeld der Schule, das Münchner Stadtteil Lehel, ist sehr wohlhabend. In dem Stadtteil, das an der Isar liegt, gibt es zahlreiche Museen, unter anderen das Deutsche Museum, die Maximiliansstraße als eine berühmte Einkaufs- straße und viele Rechtsanwälte und Ärzte, die dort ihre Praxen und Kanzleien unterhal- ten. Dazu kommt noch, dass das Wilhelmsgymnasium das letzte rein „Humanistische Gymnasium“ in München ist. Jeder Schüler lernt hier neben Englisch und Latein ab der 9.Jahrgangsstufe auch Alt-Griechisch. Daher ist der Ausländeranteil an der Schule weit unter dem Durchschnitt. Islamische Kinder gibt es im Wilhelmsgymnasium überhaupt nicht, wie uns die Religionslehrerin der Klasse berichtete. Der Bildungsstand der Kinder ist sehr hoch, daher kann in vielen Bereichen auf ein gutes Hintergrundwissen zurück- gegriffen werden.

Klassensituation, Alter und Entwicklungsstand

Die 11 Schülerinnen und Schüler, die an dem Fach „evangelische Religionslehre“ teilnehmen, kommen aus zwei Klassen zusammen. Daraus ergibt sich zwar eine „zusammengewürfelte“ Gruppe, allerdings besteht für die Kinder schon seit der 5. Klasse dieser Formation, daher kann davon ausgegangen werden, dass sich die Schüler und Schülerinnen untereinander sehr gut kennen.

Die Kinder sind im Schnitt zwischen 14 und 16 Jahre alt. Die meisten von ihnen, wenn nicht alle, sind im vergangenen Schuljahr konfirmiert worden. Laut Piaget1 müssten die Schülerinnen und Schüler damit fast am Ende des letzten Stadiums der Entwicklung sein. Das bedeutet, sie müssten ohne Probleme fähig sein formalen Denkoperationen folgen zu können, also vom Wirklichen zum Möglichen und vom Möglichen zum Tat- sächlichen folgern können. In der religiösen Entwicklung dürften die Schüler in einer 9. Klasse nach dem Modell von Fowler2 alle die dritte Entwicklungsstufe erreicht haben und damit einen synthetisch-konventionellen Glauben anhängen. Dieser Glaube ist noch von anderen übernommen und noch nicht eigenständig verarbeitet und daher konventionell. Außerdem setzt er sich aus bruchstückhaften Einzelteilen zusammen, die noch nicht innerlich verbunden und auf ihre Stimmigkeit geprüft sind, daher synthe- tisch. Die Kinder glauben also noch, was man glaubt. Allerdings sind die sechs Stufen Fowlers natürlich nicht ohne fließende Übergänge denkbar und daher ist es einer 9. Klasse durchaus auch schon zuzutrauen, dass schon eigenständig kritisches Denken einsetzt und manches, was man so glaubt hinterfragt werden kann. Ziel eines guten Unterrichts kann es daher durchaus sein, die Schüler genau zu einem solchen eigen- ständigen Denken herauszufordern. Für diese Herausforderung bietet sich dann natür- lich ein Unterricht über eine fremde Religion, wie der Islam, an. Der Islam ist eine Reli- gion, der die Schüler nicht angehören und in dessen Umfeld sie nicht sozialisiert sind, deren Inhalte sie also nicht als das ansehen, was man eben so glaubt.

In der Klasse sind mir folgende Schüler besonders aufgefallen: Ferdinand, Laura und Wolfgang.

Ferdinand war bis kurz vor Weihnachten ein unauffälliger Junge, der sich mal mehr und mal weniger am Unterricht beteiligte. Kurz vor Weihnachten brach er sich bei einem Un- fall in der Schule den Fuß und fehlte zwei Wochen in der Schule. Danach nahm er wie- der am Unterricht teil, musste allerdings auf Krücken gehen. Eigentlich war der Religi- onsunterricht so gestaltet, dass Ferdinand trotz seines Fehlens den Anschluss an die Klasse nicht versäumt haben dürfte. Zwar bauten die Stunden aufeinander auf, trotz- dem wurde jeweils nur wenig Vorkenntnisse erwartet. Dennoch wirkte Ferdinand nach seiner Rückkehr sehr abwesend und bekam auch beim Ausfragen durch die eigentliche Religionslehrerin eine sechs, weil er sich nicht an den Stoff der letzten Stunde erinnern konnte. Offensichtlich machte es ihm zu schaffen, das er in etlichen anderen Fächern, vor allen wohl in den Sprachen, den Anschluss verloren hatte. Nicht zu vernachlässigen war sicher auch die Tatsache, dass er bedingt durch die Krücken nicht mehr an allen Aktivitäten seiner Freunde teilnehmen konnte und zeitweise im Mittelpunkt der Auf- merksamkeit stand. Für den Unterricht war es daher wichtig, Ferdinand durch wieder- holtes Einbeziehen in den Stoff sein Selbstvertrauen zurück zu geben ohne ihn da durch noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen.

Laura, die andere Schülerin die mir besonders aufgefallen war, hatte als einzige eine dunkle, südländische Haut. Wie wir von der Religionslehrerin erfuhren war sie ein Adoptivkind. Laura wusste auch über ihre Herkunft Bescheid. Es wäre daher durchaus möglich gewesen, dass sich Laura ganz besonders für das Thema Islam interessieren könnte. Dies war aber nicht der Fall, wie sich sehr bald zeigte.

Der dritte Schüler, der mir besonders ins Auge gefallen ist, war Wolfgang. Wolfgang schien überdurchschnittlich intelligent zu sein und er schaffte es auf die eine oder ande- re Art sich in jeder Unterrichtsstunde in den Vordergrund zu spielen, sei es durch pro- vozierende oder abfällige Bemerkungen, oder durch besonders großes Wissen über den Islam. Am Anfang war uns nicht klar, warum Wolfgang so reagierte, schien das doch sonst so nicht seine Art zu sein. Erst in meiner Unterrichtseinheit fand sich des Rätsels Lösung. Beim Betrachten einer Moschee auf einem Dia erzählte Wolfgang, dass er einen Onkel in Tunesien habe, der Moslem sei. Natürlich war damit noch nicht klar, welche Rolle dieser Onkel in der Familie spielte und welche, anscheinend negati- ven, Erlebnisse Wolfgang mit diesem Onkel verband, aber zumindest war eine Erklä- rung für Wolfgangs Verhalten gefunden worden. Auch bei Wolfgang schien eine Art Knoten geplatzt zu sein und in den beiden folgenden Stunden verhielt er sich etwas un- auffälliger.

Thema der Stunde, Lehrplanbezug, Einordnen in die Unterrichtsse- quenz

Thema der Stunde

Das Thema der Stunde ist das Anschauen von Dias über den Islam. Mit diesen Bildern soll den Schülern und Schülerinnen ermöglicht werden viele Dinge über die in den letz- ten Stunden gesprochen wurde auch mal zu sehen und somit einen tieferen Eindruck von der Religion des Islam zu bekommen. Natürlich wäre es sehr viel besser, man wür- de zu diesem Zweck eine Moschee besuchen. Leider lässt der begrenzte zeitliche Rahmen einen solchen Besuch nicht zu, da die nächste Moschee mindestens 20 Minu- ten Fahrzeit entfernt gelegen ist und daher eine Unterrichtsstunde von 45 Minuten zu kurz ist.

Lehrplanbezug

Die Stunde ist eine von vierzehn Schulstunden zum Thema Islam. Der Islam ist einer von zwei Hauptunterrichtsblöcken in der 9. Jahrgangsstufe. Der andere große Block in dieser Stufe ist das Thema „Der Glaube an Jesus Christus“. Daneben gibt es noch fol- gende Themen: Formen religiöser Lebensgestaltung, Evangelische Erneuerungsbewe- gungen, Arbeit und Leistung in Schule und Beruf und Freundschaft, Liebe und Sexuali- tät3.

Da wir mit dem Thema Islam angefangen haben, haben wir uns auch für einen Weg vom Fremden zum Eigenen entschieden. Warum aber lehrt man überhaupt die anderen Weltreligionen im christlichen Religionsunterricht? „Das Gesamtziel des christlichen Re- ligionsunterricht im Themengebiet Weltreligionen besteht darin, die Schülerinnen und Schüler für eine Situation der Begegnung auszurüsten, die nicht von Vorurteilsbarrieren belastet ist, in der vielmehr ein Hören aufeinander und ein Lernen voneinander möglich werden, die zur Entgrenzung und Bereicherung der Lebenshorizonte auf den verschie- denen Seiten führen. Dies schließt ein, dass nicht nur ein besseres Verständnis der re- ligiösen und kulturellen Wurzeln des anderen, sondern auch des eigenen Glaubens gewonnen werden kann.“4 Es geht also nicht nur um ein Kennen- und Verstehen- Lernens des Islam, sondern auch um eine Konfrontation mit der eigenen Religion, die zum besseren Verständnis des eigenen Glaubens führen soll.

Einordnung in die Unterrichtssequenz

Die Stunde mit den Dias aus der Umwelt des Islams ist zwar eine eigenständige inhalt- liche Einheit in den Themengebiet Islam, trotzdem ist sie ohne die vorangegangenen Stunden zum Islam in der geplanten Weise nicht denkbar, da bei vielen Bildern Vor- kenntnisse vorausgesetzt werden. Natürlich wäre es aber auch möglich, die Dias als Einleitung zum Thema Islam zu zeigen, dann müsste die Stunde aber anders geplant und aufgebaut werden.

Die Themen der bisherigen Stunden zu der Unterrichtssequenz Islam waren: 1. Brenn- punkt Jerusalem, drei Weltreligionen treffen aufeinander; 2. Die 5 Säulen des Islam; 3. Beten im Islam; 4. Der Koran; 5. Der Prophet Mohammed; 6. Jesus und der Islam; 7. Frauen im Islam; 8. Der Fastenmonat Ramadan; 9. Der Dschihad; 10. Der Besuch eines Moslems in der Schule. Meiner Stunde sollten noch zwei weitere Stunden folgen und zwar: 1. Die Wallfahrt und 2. Verständigung mit Andersdenkenden.

Fachwissenschaftliche Überlegungen

Überlegungen zum Thema Moschee

Architektur

Das Thema der Stunde sind Dias5 mit Bildern aus der Umwelt des Islam. Die erste Einheit der Bilder zeigt Photos von Moscheen. Als erstes werden verschiedene Moscheen von außen und innen betrachtet, daher sind geschichtliche und architektonische Überlegungen zum Thema islamische Baukunst nötig.

Das Wort Moschee kommt von dem Verb, sajada, niederknien und dem Präfix mim, es ist also ein Ort, an dem man zum Gebet niederkniet. Eine Moschee muss immer groß genug sein um alle männlichen Mitglieder der Gemeinde aufnehmen zu können und sie muss nach Mekka ausgerichtet sein, da sich ein Moslem im Gebet immer Richtung Mekka wendet. Besonders auffällig an einer Moschee ist das Minarett, der Turm von dem fünf mal täglich durch den Muezzin der Ruf zum Gebet erklingt. Allerdings ist ein Minarett nicht unbedingt notwendig für eine Moschee. Zu Lebzeiten des Propheten Mo- hammed gab es noch überhaupt keine Minaretts, sondern der Gebetsruf kam vom Dach der Moschee. In manchen Ländern hat sich dieser Brauch auch noch gehalten. Die ersten Minaretts gab es wahrscheinlich erst im 9. Jahrhundert. Manche Moscheen allerdings versuchen durch eine große Anzahl von Minaretts ihren Reichtum zu signali- sieren, wie zum Beispiel die aus dem 17. Jahrhundert stammende blaue Moschee in Is- tanbul von der in der Stunde auch ein Dia gezeigt wird.

Die Architektur der verschiedenen Moscheen ist selten einheitlich. Überhaupt gibt es gar keine Bauformen die man als typisch islamisch bezeichnen könnte. Das einzige architektonische Kennzeichen des Islam sind bestimmte Dekorformen. So zum Beispiel Arabesken und monumentale Friese in arabischen Schriftzeichen.

In großen Moscheen findet man meist einen Brunnen. Dort können sich die Muslime waschen, bevor sie zum Gebet gehen. So genannte Freitagsmoscheen, also Mo- scheen, in denen das gemeinsame Freitagsgebet stattfindet, müssen eine Art Kanzel haben, den minbar. Von diesem minbar aus wird die Freitagspredigt gehalten. Diese Tradition lässt sich bis zur Zeit des Propheten Mohammeds zurück verfolgen. Dagegen ist der mihrab, die oft reich geschmückte Gebetsnische in der Qiblawand, der nach Mekka gelegenen Wand, erst seit etwa 700 ein fester Bestandteil der Moscheeausstat- tung geworden. Die mihrab soll dem Gläubigen die Richtung nach Mekka, also die Ge- betsrichtung, anzeigen.

Religionswissenschaftliche Aspekte - Gebet

Um die Dias mit dem Reinigungsbrunnen oder der 6Gebetsnische verstehen zu können, ist es nötig, noch einmal das Gelernte zum Thema Gebet in das Gedächtnis der Jugendlichen zu rufen.

Nach einer Abmachung Mohammeds mit Allah muss der Moslem fünf mal am Tag beten. Das Gebet ist dabei nicht an einen bestimmten Ort gebunden, muss also nicht in einer Moschee stattfinden.

Für das Gebet ist zu erst die Niyya, die Absicht zum Gebet wichtig. Der Moslem muss sich, bevor er das Gebet beginnt, reinigen und zwar Hände, Mund, Nase, Gesicht, Un- terarme, Ohren, Hals und Füße. Daher gibt es in den größeren Moscheen auch immer einen Gebetsbrunnen. (Auch davon gibt es ein Dia). Danach darf er, ohne Schuhe, den Gebetsraum der Moschee betreten. Dort steht er zu erst mit dem Gesicht nach Mekka (zur Gebetswand, vergleiche mit Dia) geneigt und betet die erste Sure des Islam. Da- nach wird eine weitere Sure gebetet und der Gläubige verneigt sich mit den Worten „Al- lahu akbar“, Ehre sei meinem großen Herren. Diese Verbeugung wird zwei mal wieder- holt. In der Mitte des Gebets wirft sich der Moslem auf den Boden und berührt den Bo- den mit der Stirn. Auch das Niederwerfen wird einmal wiederholt. Danach rezitiert der Beter im knienden Sitzen das Glaubensbekenntnis und bittet um den Segen, den Gott Abraham gegeben hat. Am Ende des rituellen Teils steht der Friedensgruß. Dabei wendet sich der Moslem von rechts nach links und grüßt alle Anwesenden und alle anderen Menschen, die nach Mekka beten.

In den meisten Moscheen gibt es einen Vorbeter, den Imam, der den anwesenden Moslems hilft, das Gebet im gleichen Tempo zu verrichten. Unter den Dias sind auch zwei, die einem Gläubigen beim Gebet zeigen.

Überlegungen zum Thema Tod und Jenseits

Religionspädagogische Überlegungen - Ritt in den Himmel

7 Bei der Vision einer nächtlichen Reise des Propheten Mohammeds von Mekka nach Jerusalem, soll Mohammed von Jerusalem aus weiter unter der Führung des Erzengel Gabriels auf einer Stute (oder einer Leiter, wie andere Überlieferungen sagen) in den Himmel gereist sein. Im Himmel trifft Mohammed Adam, Abraham und Ismael und er- fährt so, dass sie seine direkten Vorfahren sind. Dabei stellt er außerdem fest, dass er seinem Vorfahren Abraham sehr ähnlich sieht. Der Himmel ist in sieben Ebenen einge- teilt, wobei in der höchsten und siebten Ebene Allah wohnt. Jesus dagegen sitzt ledig- lich im zweiten Himmel. Außerdem erfährt Mohammed im Himmel, welche Strafen Menschen erwarten, die sich nicht an die Gebote Allahs halten.

Am Ende seiner Reise trifft Mohammed Allah. Mit ihm kann er nur durch einen Schleier reden, da man Gott nicht anschauen darf. Mit Allah diskutiert Mohammed über die Anzahl der Gebete die ein Moslem täglich verrichten muss. Nach langem Feilschen und auf dem Rat Mose hin einigen sich Allah und Mohammed schließlich auf fünf Gebete täglich. Mohammed nimmt diese fünf Gebete an um nicht weiter mit Gott feilschen zu müssen und weil er fünf im Angesicht der Größe Allahs für angemessen findet, obwohl Mose ihm zu einer noch geringeren Zahl geraten hatte.

Religionswissenschaftliche Überlegungen - Begräbnis

Für den Moslem ist der Tod lediglich eine Durchgangsstation8 zum Jüngsten Gericht und dem Jenseits. Das zeigt sich auch an den Bräuchen für Tod und Bestattung. Im Islam gilt es als selbstverständlich einen Sterbenden in seinen letzten Stunden nicht allein zu lassen. In Gebeten bitten die Anwesenden Allah um Vergebung für die Sünden des Sterbenden. Ist der Tod nahe wird der Sterbende mit dem Gesicht nach Mekka hingelegt. So schnell wie möglich soll der Tote nach seinem Tod rituell gewaschen werden. Dabei wird ein Mann von einem männlichen Verwandten und ein Frau von ei- ner weiblichen Verwandten gewaschen. Danach wird der Verstorbene, wie die Wallfah- rer in Mekka, in ein Leinentuch gewickelt. Vor dem Begräbnis wird das Totengebet ge- sprochen. Am Begräbnis nehmen in erster Linie Männer teil. Der Tote soll auf dem Weg zum Grab von möglichst vielen Menschen getragen werden. Im Grab liegt der Tote auf der rechten Seite mit dem Gesicht nach Mekka. Die Gräber von Muslimen sollen mög- lichst schlicht gehalten sein.

Religionswissenschaftliche Überlegungen - Jüngste Gericht

Nach dem Glauben der Moslems findet das Jüngste Gericht im Zedrontal statt. Das Jüngste Gericht entscheidet darüber, ob der Gläubige in das Paradies kommen darf oder nicht. Außer den Gläubigen, die im Dschihad gestorben sind, muss jeder Gläubige vor dem Jüngsten Gericht bestehen. Nur wer im Heiligen Krieg ums Leben kommt, darf direkt in das Paradies einziehen.

Ähnlich wie in der Bibel beschreibt auch der Koran den Jüngsten Tag als etwas, was plötzlich, wie eine kosmische Katastrophe, über die Menschen hereinbricht. Allerdings kann nach dem Glauben des Islam keiner, auch nicht die Propheten, Fürsprache für den Gläubigen beim Jüngsten Gericht geben. Lediglich als Zeugen der Anklage können die Propheten auftreten. Vergeben und verzeihen allerdings kann alleine Gott.

Religionswissenschaftliche Überlegungen - Das Paradies

Der Islam beschreibt das Paradies in sehr anschaulichen und blumigen9 Worten. Das Leben im Paradies soll voller Freude und Frieden sein und frei von Mühsal und Gehäs- sigkeiten (Sure 15,46ff.). Im Paradies sind die Menschen Gott besonders nah, sie dür- fen ihn sogar sehen und daher sind die Menschen im Paradies auch besonders glück- lich.

Natürlich gibt es auch ein Gegenstück zum Paradies, die Hölle. Allerdings glauben die meisten Moslems, dass die Hölle nicht endgültig ist. Wegen Gottes Allmacht und Barm- herzigkeit werden irgendwann die Tore der Hölle geöffnet und die Menschen dürfen ins Paradies einziehen. Damit glaubt der Islam an die Unsterblichkeit der Seele.

Didaktische Überlegungen

Bedeutung der Stunde für die SchülerInnen und Auswahl der Lernziele und Inhalte

Lernziel

Im Vordergrund der Stunde steht die Begegnung mit der islamischen Kultur. Die bisher gehörten Aspekte des Islams sollen mit Hilfe von Bildmaterial für die Schüler und Schülerinnen greifbarer werden. Nebenbei wird bisher Gelerntes wiederholt und vertieft und die Schüler haben die Möglichkeit noch einmal Fragen über den Islam zu stellen. Wenn die Kinder nach der Stunde durch die Bilder einen tieferen Eindruck vom Islam haben, dann ist das eigentliche Lernziel der Stunde erfüllt.

Um die Schüler nicht zu unterfordern wird mit den Dias zur Paradies-Thematik eine kurze Lerneinheit zu dem Thema Tod und Jenseits im Islam angeschnitten. Diese Einheit steht am Schluss der Stunde und kann je nach verbleibender Zeit länger ausfallen oder sogar ganz entfallen.

Inhalt

Text

Zur Einstimmung auf die Dias10 wird ein kurzer Text zum Thema Gebet im Islam vorgele- sen. Der Text ist ein Erfahrungsbericht eines konvertierten Moslem über das Beten. Dieser Text eignet sich besonders gut für die Motivationsphase der Stunde, da in der vorherigen Unterrichtssequenz ein konvertierter Moslem in der Klasse zu Besuch war und den Kindern so weit wie möglich Rede und Antwort stand. In dieser Fragestunde war unter anderen das Thema Gebet ein Thema über das durchaus kontroverse Dis- kussionen geführt wurden. Damit ist anzunehmen, dass die Kinder zum einen mit der Thematik rein sachlich schon vertraut sind und der Text daher nicht intensiv bespro- chen werden muss, zum anderen aber dürfte der Text dazu geeignet sein, die Auf- merksamkeit der Klasse zu gewinnen. Außerdem werden in dem Text einige Gegens- tände (wie der Reinigungsbrunnen) erwähnt, die später auf den Dias zu sehen sein werden. Damit ist der Text sehr als Einstimmung auf die Schulstunde geeignet.

Dias

Nach einer kurzen 11Überleitung werden Dias gezeigt. Die Überleitung könnte zum Beispiel folgender Maßen aussehen: In dem Text wurde vieles angesprochen, was wir Christen so gar nicht kennen, zum Beispiel der Reinigungsbrunnen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ihr schon mal in einer Moschee gewesen seit. Ich jedenfalls habe noch keine Moschee von innen gesehen. Daher zeige ich Euch jetzt ein paar Dias, damit vielleicht manches noch einmal klarer wird...

Bei den folgenden Beschreibungen sind alle, lediglich zum Verständnis des Leser dienenden Angaben kursiv gedruckt. Diese kursiv gedruckten Informationen sollen die Schüler nicht oder zumindest nicht sofort erhalten.

Diaserie zum Thema Moschee:

Dia 1: Das erste Bild zeigt die Blaue Moschee in Istanbul. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die Schüler werden gefragt, was ihnen besonders auffällt. Als Antwort ist zu erwarten, dass die sechs Minaretts ins Auge fallen. Vielleicht fallen den Schülern und Schülerinnen auch nur vier Minaretts auf, dann kann man auf die beiden unauffälligeren links im Bild verweisen.

Die blaue Moschee hat als einzige in der Türkei sechs Minaretts. Wenn eine Moschee viele Minaretts hat, dann möchte man damit zeigen, dass in der „Gemeinde“ Wohlstand vorhanden ist und man sich daher den Bau vieler Minaretts leisten kann. Minaretts sind allerdings kein notwendiger Bestandteil einer Moschee. In manchen Ländern ruft der Muezzin vom Dach der Moschee zum Gebet.

Dia 2: Das Dia zeigt ein Minarett in Nahaufnahme. Die Schüler werden gefragt, was sie auf dem Bild sehen. Die Schüler werden wahrscheinlich die Galerie des Minaretts bemerken und wahrscheinlich auch wissen, dass von dort der Muezzin zum Pflichtgebet ruft. Den Jugendlichen wird erzählt, dass der Muezzin „Allahu akbar“, Allah ist der Größte, ruft, wenn er die Gläubigen zum Gebet ruft.

Dia 3: Dieses Bild zeigt einen Reinigungsbrunnen. Die Kinder werden gefragt, ob sie sich noch erinnern, welche Körperteile der Moslem vor dem Gebet wäscht. Es sind Gesicht, Hände und Unterarme und die Füße.

Dia 4: Es zeigt mehrere Moslems bei der rituellen Reinigung vor dem Gebet. Das Bild kann nur kurz eingeblendet werden, um zu zeigen, dass es mehrere Typen von Reini- gungsbrunnen gibt. Erinnernd an die letzte Schulstunde wird gefragt, was ein Moslem macht, wenn er zum Gebet nicht in eine Moschee gehen kann. (Sich den Vorschriften nach waschen und die Jacke oder ähnliches auf den Boden legen, damit das Gebets- raum abgesteckt ist).

Dia 5: Das Photo zeigt einen Moslem auf dem Weg zum Gebet. Man kann deutlich erkennen, dass er seine Schuhe ausgezogen hat und die Kopfbedeckung anbehalten hat. So ist es im Islam Brauch.

Dia 6: Das Dia zeigt das innere einer Moschee. Deutlich ist das Koranlesepult am Fens- ter und die verzierte Wand zu erkennen. Da die Klasse in einer der ersten Stunden schon ein Koranlesepult gesehen hat, kann man fragen, was sie auf dem Bild erken- nen. Wenn die Klasse eher auf die verzierte Wand eingeht, kann man darauf hinwei- sen, warum auf der Wand keine lebende Wesen abgebildet sind (es ist im Islam verbo- ten lebendige Wesen abzubilden, weil nur Gott die schöpfende Macht über Lebewesen zu kommt).

Dia 7: Das Dia zeigt ein Podium. Ein solches Podium besitzt nur eine Moschee, in der auch Freitagsgebete stattfinden. Auf dem Podium findet beim Freitagsgebet eine Art Predigt statt. Zu den normalen Gebetszeiten gibt es keine Predigt. In größeren Moscheen wird das Gebet von einem angestellten Imam geleitet, in kleineren Moscheen übernimmt ein Gläubiger die Rolle des Imam.

Dia 8: Das Photo zeigt die Gebetsnische, Mihrab genannt, und ein Podium. Die Wände der Mihrab sind mit Koransprüchen verziert. Bei diesem Bild bietet es sich an, erst mal nichts zu erklären, sondern die Klasse zu fragen, was ihr auffällt. Da das vorherige Bild ein Podium gezeigt hat, werden die Schüler wohl zu erst das Podium nennen. Wahr- scheinlich werden den Jugendlichen aber auch die reichverzierten Wände und die Ge- betsnische auffallen. Spätestens wenn man die Schüler zum näheren hinsehen auffor- dert, werden sie, in Erinnerung an die Stunde über den Koran, sicher die arabischen Schriftzeichen wiedererkennen und darauf schließen können, das es Koransprüche sein könnten. Da die Bedeutung der Gebetsnische noch nicht näher erklärt wurde, ist es nicht sinnvoll die Kinder nicht zu lange über deren Funktion raten zu lassen. Mit dem Tipp, das es was mit der Himmelsrichtung zu tun hat, müsste die Klasse aber mühelos wissen, das die Gebetsnische die Richtung nach Mekka anzeigt.

Dia 9 + 10: Diese beiden Bilder zeigen einen Moslem beim Gebet. Die Schüler werden darauf aufmerksam gemacht, dass der Beter den Boden mit der Stirn berührt und dass das der Grund ist, warum in Moscheen Teppiche ausliegen und die Schuhe vor dem Eintreten ausgezogen werden müssen.

Dia 11 + 12 + 13: Diese drei Bilder zeigen verschiedene Moscheen und zwar die Mo- schee in Cordoba, die Sultan-Hassan Moschee in Kairo und eine kleine Moschee in ei- nem türkischen Dorf. Je nach Zeit können diese Dias auch weggelassen werden. Be- sonders interessant ist Dia 12, die Dorfmoschee. Sie zeigt deutlich, dass Moscheen nicht nur groß und prunkvoll sein können, sondern auch mühevoll aus eigener Kraft ge- baut werden können.

Diaserie zum Thema Tod und Jenseits

Das Thema Tod und Jenseits steht in meinem Stundenentwurf am Ende und wird in meiner Stunde auch nur am Rande behandelt. Leicht könnte man aber mit diesen vier Bildern eine eigene Stunde entwerfen. Mit den fachwissenschaftlichen Überlegungen, die ich auch für diese vier Bilder sehr ausführlich gehalten habe, dürfte es leicht mög- lich sein das Lernziel einer solchen Stunde zu bestimmen. Das ist an dieser Stelle aber nicht mein Ziel.

Dia 14: Es zeigt Mohammeds Ritt in den Himmel. Die Schüler werden zu erst gefragt, was sie auf dem Bild sehen. Auffällig ist, das Mohammed kein Gesicht hat. Um Mo- hammed herum sind viele Engel. Manche eindeutig in Frauengestalt. Mohammed sitzt auf einem weißen Pferd. Vielleicht erinnern die Schüler und Schülerinnen sich aus der ersten Stunde zum Thema Islam daran, dass Mohammed von Jerusalem aus in den Himmel geritten ist. Sicher wissen sie aber noch, warum Mohammed kein Gesicht hat (weil lebendige Wesen nicht dargestellt werden dürfen). Hier könnte man fragen, wo die Schüler so etwas schon mal gehört haben. Das Gesagte kann der Lehrer dann je nach Wissen der SchülerInnen ergänzen. (Altes Testament, Bilderverbot, vielleicht Geschich- te vom goldenen Kalb)

Dia 15: Dieses Photo zeigt, wie Mohammed durch das Paradies reitet. Schöne Mäd- chen reichen ihm Blumen. Ein Engel ist deutlich zu erkennen. Auch dieses Bild lädt da- zu ein, die Kinder berichten zu lassen, was sie sehen. Allerdings ist es nicht gut, diese Methode zu oft einzusetzen, um die Kinder nicht zu langweilen. Außerdem reicht die Zeit an dieser Stelle nicht für eine ausführliche Behandlung des Dias. Daher wird dieses Dia nur kurz gezeigt.

Dia 16: Das Dia zeigt das Begräbnis eines Moslems. Leider ist das Photo nicht beson- ders gut. Es wird nicht deutlich, dass es Brauch ist, dass der Verstorbene von so vielen Menschen wie möglich getragen wird. Lediglich die Tatsache, dass an einer Beerdi- gung in erster Linie Männer teilnehmen, ließe sich von der Klasse herausarbeiten.

Dia 17: Das Bild zeigt das Zedronstal in der Nähe von Jerusalem. Viele Moslems glau- ben, dass hier das Jüngste Gericht stattfindet. Jeder Mensch muss sich vor dem Jüngs- ten Gericht verantworten, so glaubt der Moslem. Hier wird entschieden, wer ins Para- dies kommt und wer in die Hölle. Die Klasse wird gefragt, ob sie sich vorstellen können, wer direkt in das Paradies kommt und nicht im Jüngsten Gericht bestehen muss. Da es bereits eine Stunde über das Thema Dschihad gegeben hat, müsste die Klasse wissen, dass die im Glaubenskampf gefallenen sind. An dieser Stelle könnte man mit der Klas- se noch über ihre eigenen Vorstellungen für ein Leben nach dem Tod und dem Para- dies reden, wenn die Zeit es zulässt oder wenn der Schwerpunkt darauf gelegt wird.

Überlegungen zu Unterrichtsmethoden und -Medien

In erster Linie werden in der Stunde Dias gezeigt. Gottfried Adam mahnt dazu bei der Betrachtung von Photos im Unterricht sich auf jeden Fall bewusst zu machen, dass die Schüler durch einen enormen Medienkonsum unbewegten Bildern gegenüber leicht das Interesse verlieren. Bei meinen Dias über den Islam kommt dazu, dass die Aufnahmen alte Aufnahmen sind und die Farben teilweise sehr schlecht rüber kommen. Bei den Bildern überwiegt leider ein leichter Orange-Ton. Eine Möglichkeit diesem Problem zu begegnen ist es, die Schüler von Anfang an darauf hinzuweisen, dass die Photos älte- ren Datums sind. Da sich die abgebildeten Gebäude und Bräuche nicht geändert ha- ben, verlieren die Dias ja nicht an Aktualität, obwohl es natürlich wünschenswert wäre, bessere Dias zu bekommen.

Trotzdem eröffnen Dias auch besondere Chancen für den Unterricht. Besonders her- vorgehoben sei hier die Methode der Fotosprache von P. Babin, A. Baptiste und C. Be- lisle12. Mit Hilfe von Photos können die Schüler eigene Erfahrungen wahrnehmen, zur Sprache bringen und eventuell einordnen. Die Schüler und Schülerinnen können mit Hilfe von Photos leichter Verbindungen zu anderen Themen herstellen und sich ihres eigenen Wissenstandes bewusst werden. Neue Fragen können auftauchen und der Lehrer hat eine Möglichkeit zu erkennen auf welchen Wissensstand die Schüler gerade sind. Durch die Kommunikation über die Bilder können die Kinder sich gegenseitig er- gänzen und auf neue Aspekte aufmerksam machen. In ihrem eigentlichen Kontext wer- den bei der Methode der Fotosprache den Jugendlichen mehrere Bilder zur Auswahl gestellt und jeder darf sich eins heraussuchen. Dies geht zwar mit Dias nicht, trotzdem lassen sich die genannten Aspekte sehr gut auch auf eine Diaserie übertragen.

Neben diesen Punkten dienen die Dias auch als Informationsmaterial. Gerade bei den Photos zum Thema Tod und Jenseits lernt die Klasse viel neues über die Glaubenswelt des Islam.

Die Arbeit mit der Diaserie über das Thema Islam hat auch den großen Vorteil der Flexibilität. Ohne Probleme kann man, wenn man einen guten Überblick über die vorhandenen Bilder hat, bei einem Photo länger verweilen und mit der Klasse diskutieren, dafür können dann andere Bilder weggelassen werden. Besonders die Sequenz über Tod und Jenseits kann bei Bedarf ausgelassen werden.

Um die Stunde möglichst abwechslungsreich zu gestalten, sollte die Methodik wechseln. Als Methoden werden in der Stunde der Lehrervortrag, das Lehrergespräch und das Schülergespräch einsetzen. Das Unterrichtsgespräch (Lehrergespräch, Schülergespräch und Diskussion) ist eine häufig angewendete und effektive „Unterrichtsmethode“.13 Der Religionsunterricht lebt von der Kommunikation: „Ein RU ohne Gespräch ist undenkbar und religionspädagogisch nicht zu verantworten.“14

Das Lehrergespräch ist die in der Praxis wohl am meist verwendete Methode. „Den Kernbereich des Lehrergesprächs macht das fragend - entwickende Gespräch aus oder besser - weil ohne Fixierung auf das Fragen: das entwickelnde Lehrergespräch. Diese Gesprächsmethode ist lehrerzentriert, d.h. charakterisiert durch eine mehr oder weniger starke Lehrerlenkung. Der Lehrer gibt durch Fragen und Impulse den Gesprächsverlauf an und ist zielgerichtet darum bemüht, die Klasse zu einem bestimmten Ergebnis hinzu- führen. [...] Interaktionen unter den Schülern bilden dabei zwar die Ausnahme, müssten aber ebenso wie kritische Fragen an den Lehrer gestattet sein, will das entwickelnde Lehrergespräch nicht zu einem monotonen Ping-Pong von Lehrerfragen und Schüler- antworten verkommen.“15

In meiner Stunde kommt das Lehrergespräch relativ häufig vor. Zum Beispiel wenn bei dem Bild von der „Blauen Moschee“ in Istanbul gefragt wird, was der Klasse auffällt. Natürlich sind theoretisch alle Antworten möglich, dennoch zielt die Frage auf die sechs Minaretts. Dieses Beispiel ließe sich jetzt durch viele andere Einleitungsfragen zu Dias fortführen. Im Prinzip aber ist jede geschlossene Frage, also eine Frage, die nur eine Antwort erwartet, eine Einleitung zum Lehrergespräch.

Im Kontrast dazu steht eine offene Frage16, also eine Frage, die noch nicht auf eine be- stimmte Antwort hinzielt, sondern mehrere Möglichkeiten in betracht zieht. Das Ge- spräch, dass aus einer solchen Frage entsteht, nennt man Schülergespräch17. Dabei sollen die Schüler und Schülerinnen untereinander über ein Thema ins Gespräch kom- men. Der Lehrer ist dabei möglichst ein gleichberechtigter Gesprächspartner, der höchstens Hilfen im Bereich der Gesprächsführung gibt. Natürlich muss das Thema ei- nes Schülergesprächs etwas sein, wozu die Schüler auch was zu sagen haben, d.h. es muss aus ihrer eigenen Erfahrungswelt kommen. In meiner Stunde ist das vor allen bei der Diasequenz über Tod und Jenseits gegeben, wenn man die Schüler an dieser Stel- le nach ihren eigenen Paradiesvorstellungen fragt. Dies ist aber nicht der einzige Punkt der Stunde an dem ein Schülergespräch möglich ist.

Der Islam gehört zwar nicht zur Erfahrungswelt der Klasse, aber durch die vorherigen Stunden müsste bei allen Kindern genug Grundwissen über dem Islam vorhanden sein, um sich kritisch mit dem Islam und der eigenen Religion auseinander setzen zu können. So könnte man im Hinblick auf die beiden Dias mit dem betenden Moslem zum Beispiel die Frage in den Raum stellen, ob wir Christen zu wenig Kontakt zu Gott im Alltag haben, weil es keine festen Gebetszeiten wie im Islam gibt.

Natürlich muss auch ein Schülergespräch vom Lehrer gut geplant sein und mögliche Gesprächsverlaufe sollte der Lehrer sich vorher skizzieren um nötigen Fall Impulse set- zen zu können, falls die Jugendlichen nicht in einen Gesprächsfluss kommen. Trotzdem kann es manchmal zu „kreativen Momenten“ in Schulstunden kommen, die ungeplante Schülergespräche erfordern, um dem Interesse der Jugendlichen gerecht zu werden.

Ebenso muss der Lehrer aber auch sensibel genug sein, um wahrzunehmen, wenn die Klasse nicht in der Stimmung ist, um sich kreativ und begeistert an einem Unterrichtsgespräch zu beteiligen.

Dazu ist eine Einstellung zum Schüler oder Schülerin nötig, „die ihm selbstständiges Denken zutraut, ihn als Partner ernst nimmt und auf ihn hört, seine Gesprächsfähigkeit als eigenes Lernziel fördern will, weil sie im Gespräch eine Form humanen Zusammen- lebens sieht“.18

Neben den Gesprächsmethoden wird in meiner Stunde noch der Lehrervortrag angewendet. Hierbei steht der Lehrer im Mittelpunkt. Er referiert über ein Thema bzw. führt die Klasse in ein neues Thema ein. Die Schüler und Schülerinnen werden dabei nicht durch Fragen einbezogen und haben lediglich die Möglichkeit durch Verständnisfragen den Verlauf des Vortrags zu beeinflussen.

Ein Lehrervortrag ist dann sinnvoll, wenn die Klasse nicht durch Fragen miteinbezogen werden kann, weil ihnen das nötige Wissen zu dem Thema fehlt. Allerdings sollte ein Lehrervortrag nicht länger als fünf maximal aber zehn Minuten dauern, da sonst die Aufmerksamkeit der Klasse nachlässt. In meine Stunde wechseln sich Lehrervortrag und Lehrergespräch ständig ab, häufig gibt es Mischformen. So zum Beispiel bei dem Eingangs schon erwähnten Dia von der „Blauen Moschee“. Neben der Frage nach den Minaretts steht ein kurzer Vortrag über die Geschichte eines Minaretts. Das gleiche gilt für die meisten anderen Bildern. Solche Mischformen findet man häufig im Schulunter- richt. Wichtig ist nur, dass dem Lehrer die Übergänge bewusst sind, sonst droht der Unterricht an Profil und Niveau zu verlieren.

Unterrichtsverlauf

Der Unterricht beginnt mit einer kurzen Begrüßung. Es wird noch einmal an die letzte Stunde erinnert, in der ein konvertierter Moslem in der Klasse zu Besuch war und unter anderen viel über das Gebet erzählt hat. Dann wird der Text19, ein Erfahrungsbericht eines konvertierten Moslem zum Thema Gebet, als Motivation auf die Dias vorgelesen. Nach einer kurzen Überleitung werden die Dias gezeigt. In der Überleitung wird das In- teresse der Klasse für die Dias geweckt, in dem darauf hingewiesen wird, dass man in den Dias vieles sieht, was bisher lediglich erwähnt wurde, so zum Beispiel der Reini- gungsbrunnen und die Gebetsecke. Text und Überleitung sollen zusammen nicht länger als 12 Minuten dauern.

Die Diaserie beginnt mit einer Sequenz über die Moschee als Ort des Gebetes. Mit ihrer Hilfe wird vieles wiederholt, was die Schüler und Schülerinnen bereits gelernt haben. Ebenso bleibt aber auch Raum für Fragen und Diskussion. Dieser Teil des Unterricht soll in etwa 20 Minuten in Anspruch nehmen.

Danach folgen vier Dias über das Thema Tod und Paradies. In diesem Teil der Stunde überwiegt der Lehrervortrag, obwohl auch Raum zur Diskussion gegeben werden kann. Für diesen Teil der Stunde sind noch gute 10 - 15 Minuten eingeplant.

Einige Eindrücke über die tatsächlich gehaltene Stunde Ich bin über den Verlauf der Stunde im großen und ganzen zufrieden. Der Unterricht hat mir Spaß gemacht und die Klasse hat gut mitgearbeitet.

Die Arbeit mit Dias fand ich prinzipiell sehr hilfreich um den Schülern und Schülerinnen einen besseren Gesamteindruck über den Islam zu vermitteln. Ich habe aber gemerkt, dass mir ein wenig das Feingefühl für das Medium Bild fehlt. An vielen Stellen hätte man noch mehr auf den Baustil und vor allen die Muster und Formen eingehen können. Mir ist dieser Aspekt in der Vorbereitung aber nicht aufgefallen, da ich selbst wohl in erster Linie auf Schrift fixiert bin. So sind mir wertvolle Impulse für die Stunde verloren gegangen.

Ebenso würde ich in Zukunft weniger Dias für eine Stunde vorbereiten, um mehr Raum für die einzelnen Bilder und die Diskussion geben zu können. In dieser speziellen Stunde würde ich die Bilder über Tod und Jenseits weglassen. Da das aber ursprünglich das geplante Thema für meine Stunde war, wollte ich es wohl schnell über die Hintertür auch noch abhandeln. Ich bin aber inzwischen davon überzeugt, dass man entweder die Bilder über die Moschee oder die vier letzten über Tod und Jenseits für eine Stunde verwenden sollte. Beide Diasequenzen ergeben gute Schulstunden. In meinem Unterrichtsentwurf habe ich versucht, dies anzudeuten.

Das Besorgen der Dias hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen und dadurch war ich in der Stunde sehr empfindlich für Störrungen. Meine Stunde war mir zu wichtig geworden. Ich Zukunft möchte ich versuchen mir bewusster zu sein, dass die Länge meiner Vorarbeit nicht einer Stunde größeres Gewicht geben sollte als einer anderen. Ich werde für mich versuchen müssen, mein persönliches Level für erlaubte Störrungen und Unruhe zu finden und mich dann daran zu halten. Alles andere führt wohl nur zu einer unnötigen Überforderung der Klasse und Frustration bei mir selbst.

Alles in allem verlief die Stunde aber sehr gut. Der intensivste Augenblick der Stunde war wohl bei dem Dia mit dem Reinigungsbrunnen erreicht. Aus irgendeinen Grund stand ewig die Frage im Raum, ob die Füße der Gläubigen nicht auf dem Weg zur Mo- schee wieder schmutzig werden. Eigentlich müsste die Klasse auf Grund ihres Alters bereits in der Lage sein „hypothetisch zu denken“. Eine solche Frage ist daher im Prin- zip nicht Alters entsprechend. Wahrscheinlich ist es daher als Zeichen besonderen Inte- resses aber auch Widerstandes zu sehen. Leider ist es mir nicht gelungen, dies aufzu- nehmen. Am besten wäre es wohl gewesen mit der Klasse über den eigentlichen tiefe- ren Sinn der Reinigungsvorschriften zu sprechen und vielleicht Parallelen im christli- chen Glauben zu finden. Ich denke da zum Beispiel an Weihwasser bei den Katholiken, oder den Brauch, den Hut in der Kirche auszuziehen, oder besonders schöne Kleidung in der Kirche zu tragen, oder die Fußwaschung im Neuen Testament, oder den fast au- tomatischen Flüsterton, wenn man eine Kirche betritt, oder vieles andere mehr. Vielleicht hätte sich an dieser Stelle Raum gefunden über Beziehungen von Menschen zu Gott zu sprechen und den Versuch mit Symbolen das auszudrücken. Natürlich müssten die Jugendliche das Symbolische an der Reinigung erkannt haben. Darum wird es nicht gegangen sein. Aber dahinter müssen sich tiefe Fragen und Zweifel ver- borgen haben, denn anders lässt sich das penetrante Nachfragen der Klasse nicht er- klären.

Ein schöner Moment der Stunde war es auch, als Wolfgang von seinem Onkel in Tunesien berichtete und damit „sein Geheimnis“ offenbarte.

Alles in allem unterrichte ich sehr gerne und ich freue mich schon sehr darauf, später eine Klasse über eine längere Zeit begleiten und kennen lernen zu dürfen. Dieses Praktikum hat mir erste Erfahrungen mit dem Schulunterricht aus Lehrerperspektive ermöglicht, ich freue mich darauf, weitere folgen zu lassen.

Literaturverzeichnis:

Allgemeines:

Lehrplan für das bayerische Gymnasium. Fachlehrplan für Evangelische Religionslehre, Gymnasialpädagogische Materialstelle der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (Hrsg.), München 1992, S. 21 - 25.

Literatur zur Religionspädagogik:

Adam, Gottfried, Arbeiten mit Fotos, Folien, Comics, in: Adam, Gottfried; Lachmann, Rainer (Hrsg.), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 1996, S. 269 - 283.

Fowler, James, Stufen des Glaubens. Die Psychologie der menschlichen Entwicklung und die Suche nach Sinn, Gütersloh 1991.

Glöckel, H., Vom Unterricht, 70, zitiert nach: Lachmann, Rainer, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, in: Adam, Gottfried; Lachmann, Rainer (Hrsg.), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 1996, 113-135.

Lachmann, Rainer, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, in: Adam, Gottfried; Lachmann, Rainer (Hrsg.), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 1996, 113-135.

Lähnemann, Johannes, Zugänge zu den Weltreligionen, in: Adam, Gottfried; Lach- mann, Rainer (Hrsg.), Religionspädagogisches Kompendium, Göttingen 1997, S.427 - 466.

Lefrancois, Guy, Piaget und die kognitive Entwicklung, in: Lefrancois, Guy, Psychologie des Lernens, Berlin 1972, S. 122-140.

Wegenast, Klaus, Fragen - Begegnen - Forschen. Lernen außerhalb des Klassenzimmers, in: Adam, Gottfried; Lachmann, Rainer (Hrsg.), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 1996, S. 81-89.

Literatur zum Thema Islam:

Barrucand, Prof. Dr., Marianne, Islamische Architektur: Formen der klassischen Mo- schee, in: Rupprecht Karls-Universität (Hrsg.), Islam- eine andere Welt, Studium Generale, Heidelberg 1998, S. 57- 72.

Ishaq, Ibn, Mohammed, das Leben des Propheten, Tübingen 1976.

Lutherischen Kirchenamt der Vereinigten Evangelischen-Lutherischen Kirche Deutschlands und vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.), Was jeder vom Islam wissen muß, Gütersloh 1990.

Text:

Hofmann, Murad, Wilfried, Der Islam als Alternative, München 1993, S.

Diareihe:

Die Dias sind in der Münchener Stadtbibliothek, Gasteig, ausgeliehen worden. Als Lite- raturangabe findet sich : Knoch Dr., Winfried, Jünger Verlag Offenbach, Frankfurt.

[...]


1 Vgl.: Lefrancois, Guy, Piaget und die kognitive Entwicklung, in: Lefrancois, Guy, Psychologie des Lernens, Berlin 1972, S. 122-140.

2 Vgl.: Fowler, James, Stufen des Glaubens. Die Psychologie der menschlichen Entwicklung und die Suche nach Sinn, Gütersloh 1991, S. 151ff.

3 Themengebiete aus: KWMBl Instanzen So.-Nr. 1 / 1992, S. 21 - 25.

4 Lähnemann, Johannes, Zugänge zu den Weltreligionen, in: Adam, Gottfried; Lachmann, Rainer (Hrsg.), Religionspädagogisches Kompendium, Göttingen 1997, S.444.

5 Vgl.: Barrucand, Prof. Dr., Marianne, Islamische Architektur: Formen der klassischen Moschee, in: Rupprecht-Karls-Universität (Hrsg.), Islam- eine andere Welt, Studium Generale, Heidelberg 1998, S. 57- 72.

6 Lutherischen Kirchenamt der Vereinigten Evangelischen-Lutherischen Kirche Deutschlands und vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.), Was jeder vom Islam wissen muß, Güters- loh 1990, S. 33-36.

7 Ishaq, Ibn, Mohammed, das Leben des Propheten, Tübingen 1976, S. 83-86.

8 Lutherischen Kirchenamt der Vereinigten Evangelischen-Lutherischen Kirche Deutschlands und vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.), Was jeder vom Islam wissen muß, S. 63- 66.

9 Lutherischen Kirchenamt der Vereinigten Evangelischen-Lutherischen Kirche Deutschlands und vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.), Was jeder vom Islam wissen muß, S. 63.

10 Hofmann, Murad Wilfried, Der Islam als Alternative, München 1993, S. 62 - 65. Der Text liegt der Arbeit als Anlage bei.

11 Die Dias sind in der Münchener Stadtbibliothek, Gasteig, ausgeliehen worden. Als Literaturangabe fin- det sich : Knoch Dr., Winfried, Jünger Verlag Offenbach, Frankfurt. Abbildungen der Dias liegen der Ar- beit als Anlage bei.

12 Vgl. nach:: Adam, Gottfried, Arbeiten mit Fotos, Folien, Comics, in: Adam, Gottfried; Lachmann, Rainer (Hrsg.), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 1996, S. 272-273.

13 Vgl.: Wegenast, Fragen - Begegnen - Forschen, S. 81ff.

14 Vgl.: Lachmann, Rainer, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, in: : Adam, Gottfried; Lach- mann, Rainer (Hrsg.), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 1996, 114.

15 Lachmann, Rainer, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, S. 124-125.

16 Als dritten Fragentypus gibt es noch die halboffene Frage. Sie lässt zwar mehrere Antworten zu, ist aber doch eher auf ein Ziel gerichtet und führt daher meist nicht über ein erweitertes Lehrergespräch hin- aus.

17 Vgl.: Lachmann, Rainer, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, S. 128-131.

18 Glöckel, H., Vom Unterricht, 70, zitiert nach: Lachmann, Rainer, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, S.115.

19 Hofmann, Murad Wilfried, Der Islam als Alternative, München 1993, S. 62-65.

Details

Seiten
23
Jahr
2001
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v103788
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
noch keine
Schlagworte
Unterrichtsentwurf Themenkreis Islam Proseminar

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Titel: Unterrichtsentwurf zum Themenkreis Islam