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Die Psychoanalyse von Freud

von Monique Lange (Autor) Daniela Behr (Autor)

Ausarbeitung 2001 36 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Biographie von Siegmund Freud Frau Behr
1.1. Der Freudsche Ansatz Frau Lange
1.1.1. Die Anfänge der Psychoanalyse Frau Behr
1.1.2. Die Entstehung der psychoanalytischen Theorie am Beispiel: Fall Klaus Frau Behr

2. Psychoanalyse als Theorie Frau Lange
2.1. Die Grundannahmen der Psychoanalyse Frau Behr
2.1.1. Das Unbewusste Frau Behr
2.1.2. Der Mensch als festgelegtes Wesen Frau Behr
2.2. Das psychoanalytische Persönlichkeitsmodell Frau Lange
2.2.1. Die Dynamik der Persönlichkeit Frau Lange
2.2.2. Angst und Abwehr Frau Lange
2.2.3. Abwehrmechanismen Frau Behr
2.2.4. Psychoanalyse und Individualpsychologie - eine Gegenüberstellung Frau Lange

3. Psychoanalytische Trieblehre Frau Lange
3.1. Der Lebenstrieb Frau Lange
3.1.1. Der Todestrieb Frau Lange
3.2. Die psychoanalytische Theorie der frühkindlichen Entwicklung Frau Lange
3.3. Konsequenzen aus der Grundannahme eines vorgeburtlichen Erlebens und eines Geburtserlebens für die Theorie und Praxis der Psychoanalyse Frau Lange
3.4. Das geschichtliche Verhältnis zwischen Psychoanalyse und Sozialpädagogik Frau Lange
3.5. Einfluss der Psychoanalyse auf andere Ansätze Frau Behr

4. Die systematische Bedeutung der Psychoanalyse für die Sozialpädagogik Frau Lange
4.1. Psychoanalyse uns Experimentalpsychologie Frau Lange
4.2. Psychoanalytisch Gruppentherapie Frau Lange

5. Kritik an Freud Frau Behr

6. Was blieb von Freud? 50 Jahre danach Frau Behr

7. Zusammenfassung Frau Behr

8. Literaturverzeichnis Frau Lange/Frau Behr

Einleitung

In diesem Referat möchten wir unseren Mitkommilitonen die Freudsche Psychoanalyse näher bringen. Dieses Thema ist sehr Umfangreich, daher haben wir uns auf das Wesentliche beschränkt.

1. Biographie von Sigmund Freud

1856 Am 6. Mai wird Sigismund Schlomo Freud in Freiburg in Mähren als erster Sohn von Jacob und Amalia Freud geboren. Die Söhne Emanuel und Philipp stammen aus der ersten Ehe Jacobs.

1860 Übersiedlung nach Wien

1865 Freud tritt ins Gymnasium ein.

1872 Freud verbringt seine Ferien in Freiburg „ erste Liebe“ ( zu Gisela Fluß)

1873 Mature mit Auszeichnung, Freud verwirft den Plan, Jura zu studieren und schreibt sich an der Universität in Wien für des Fach Medizin ein.

1876 Forschungen in Triest über die Geschlechtsdrüsen der Aale.

1878 Beginn der Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem vierzehn Jahre älteren Josef Breuer

1880 Einjähriger Militärdienst. nebenher übersetzt Freud einige Essays von John Stuart Mill, Essay zur Frauenemanzipation.

1881 Promotion zum Dr. med.

1882 Verlobung mit Martha Bernays

1883 Beginn der Tätigkeit am Wiener Allgemeinen Krankenhaus; Freud beginnt sich für die medizinische Verwendung des Kokains zu interessieren.

1884 Habilitation und Ernennung zum Privatdozent. Studienreise nach Paris zu Jean- Martin Charcot

1886 Freud eröffnet eine Privatpraxis. Im September heiratet er Martha

1887 Arbeit mit Hypnose, Geburt seiner Tochter Mathilde

1889 Geburt seines Sohnes Jean- Martin

1891 Geburt seines Sohnes Oliver

1892 Geburt seines Sohnes Ernst

1893 Geburt der Tochter Sophie

1895 Geburt der Tochter Anna

1896 Freuds Vater stirbt in Oktober

1899 Im November erscheint die „ Traumdeutung“.

1901 Veröffentlichung der „ Psychopathologie des Alltagslebens“

1902 Freud wird endlich Professor.

1905 „ Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ und die „ Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ erscheinen und Bruchstück einer Hysterie- Analyse ( Fall Dora)

1909 Freud wird eingeladen, an der Clark Universität (USA) Vorträge über Psychoanalyse zu halten; „Analyse der Phobie eines fünfjährigen Jungen“ und Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose

1910 Gründung der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung( IPV); eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci

1911 Psychoanalytischer Kongress in Weimar, „ Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie“

1912 Gründung des Geheimen Komitees ( Freud, Jones, Abraham, Rank, Sachs und später Eitington)

1917 Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse

1918 Anna Freud beginnt ihre ( sechs Jahre dauernde) Analyse bei ihrem Vater; Aus der Geschichte einer infatilen Neurose

1919 Wege der psychoanalytischen Therapie; Beitrag zur Entstehung sexueller Perversion „ Das Unheimliche“; Tod der Tochter Sophie

1920 Gründung des Internationalen Psychoanalytischen Verlag; „Jenseits des Lustprinzips“

1921 „ Massenpsychologie und Ich- Analyse“

1923 Freud erkrank an Gaumenkrebs; „ Das Ich und das Es“ Eine Teufelsneurose im 17. Jahrhundert

1924 Kurzer Abriss der Psychoanalyse

1926 Hemmung, Symptom und Angst - Eine Frage der Laienanalyse

1930 Anna Freud nimmt für ihren Vater in Frankfurt am Main den Goethe- Preis entgegen; Freuds Mutter stirbt

1933 Briefwechsel mit Albert Einstein zum Thema „ Warum Krieg“; Hitler wird deutscher Reichskanzler; Freuds Bücher werden in Deutschland verbrannt

1937 „ Die endliche und die unendliche Analyse“ Konstruktionen der Analyse

1938 „ Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland, Ausreise der Familie Freuds über Paris nach London

1939 In der Nacht zum 23. September stirbt Freud in London

1.1. Der Freudsche Ansatz

Von den Beobachtungen an seinen Patienten angeregt und durch die psychologischen Massenerscheinungen des ersten Weltkriegs erschüttert, kam Freud dazu, seine Trieblehre als Wiederspiel von Selbsterhaltungs- und Sexualtrieb zu verändern. Die Erscheinungen des Sadismus (Lust am quälen anderer), des Masochismus (Lust am gequält werden), des Mordens und des Suizides wurden durch die Annahmen eines ursprünglichen, zerstörerischen, aggressiven Triebes, welcher sich auch gegen die eigene Person richten kann, sehr viel verständlicher. In der neuen Fassung der Trieblehre werden nunmehr die zerstörerischen Aggressionstriebe, den aufbauenden zum Partner hinführenden Sexualtrieb gegenübergestellt. Diese im Jahre 1920 in das psychoanalytische Modell von Menschen eingeführte Lehre von Aggressionstrieben wurde jüngst von Zoologen und vergleichenden Verhaltensforscher K. Lorenz in seinem Buch „Das sogenannte Böse“ (1964) aufgegriffen; Lorenz übertrug dabei, wohl etwas vorschnell, seine Beobachtungen am Kampfverhalten von Tieren gegenüber Artgenossen auf den Menschen. Die Aggressionstriebe der Tiere sind ein Instinktverhalten. Sie werden durch Hemmmechanismen beträchtlich eingeengt. das Aggressionsverhalten beim Menschen dagegen ist komplizierter. Der Mensch kann mit Lust quälen und mit Lust gequält werden empfinden.

Es besteht oft eine starke Vermischung von Aggressions- und Sexualtrieben und endlich kann die Aggression auch ähnlich wie die Sexualität, in der Sublimierung in den Dienst kultureller und sozial wertvoller Aufgaben gestellt werden.

Die Struktur der Persönlichkeit- ES, ICH und ÜBER-ICH

Die Gegenüberstellung von Aggressions- und Sexualtrieben, anstelle von Icherhaltungs- und Sexualtrieben erforderte nun auch einen Umbau der psychischen Steuerungssysteme im psychoanalytischen Persönlichkeitsmodell. Das gesamte seelische Verhalten und Erleben wird durch die verschiedenen Instanzen gegliedert. Freud hat in seinem „Abriss der Psychoanalyse“, den er im Jahre 1938 schrieb und der erst nach seinem Tode veröffentlicht wurde, eine anschauliche Darstellung seiner Auffassung über die Natur des Seelischen gegeben. Das Ich spielt eine bedeutungsvolle Rolle für die Entwicklung der Persönlichkeit. Somit ist die Förderung eines starken Ich ebenso Aufgabe des Erziehers wie die Bildung des Gewissen und die Vermittlung von Kulturgütern.

Zitat:“ Man darf ja bekanntlich bezweifeln, ob irgendeine psychische Bildung wirklich voller Zerstörung anheim fällt. Es ist nur die Frage der analytischen Technik, ob es gelingen wird, das Verborgene vollständig zum Vorschein zu bringen.“ (Freud 1937)

Graphik Psychisch Antriebe des Menschen aus Freudscher psychoanalytischer Sicht

1.1.1. Die Anfänge der Psychoanalyse

Die Erforschung und Behandlung der Hysterie.

Trotz der Vorherrschaft rein somatischer Vorstellungen in der Medizin waren dennoch bereits zu Freuds Studienzeiten besonders in Wien, Paris und Nancy psychogenetische Erklärungen der Geisteskrankheiten durchaus gängig.

Freud, der sich als Medizinstudent in Wien bereits frühzeitig dem mit Hypnose arbeitenden Arzt Josef Breuer ( 1842- 1925) angeschlossen hatte, ging 1885/86 zu Charcot, an die Salpetriere, das große Frauenkrankenhaus in Paris. Hysterische Zustände, besonders Tics, Lähmungen, Anästhesien, Bewusstseins- und Sprachstörungen sowie ( hysterische) Blindheit waren damals im Vergleich zu heute relativ häufige Erkrankungsformen.

Ein Beispiel: Hysterie als Modekrankheit

Am Beispiel der Hysterie lässt sich zeigen, wie stark psychische Störungen gesellschaftlichen Einflüssen unterliegen.

Der „große hysterische Anfall“ oder „ arc de cercle“, bei der eine Frau in Rückenlage sich extrem nach hinten krümmt, kam um die Jahrhundertwende häufig vor. Heute ist dieses Symptom völlig „ aus der Mode“ gekommen ( um den sozialen Bezug begrifflich zu kennzeichnen).

Zudem hatte die Hysterie diagnostisch gesehen eine Sonderstellung, da dieser Krankheitsbegriff, der ursächlich mit der Gebärmutter in Verbindung gebracht wurde ( griechisch „ hystera“ = Gebärmutter), schon Jahrhunderte früher verwendet und von anderen psychischen Störungen abgegrenzt worden war. Die anderen Störungen hingegen hatte man unter den allgemeinen Bezeichnungen wie „ Tollheit“, „ Irrsinn“ oder „ Manie“ zusammengefasst.

Jean M. Charcot ( 1825 - 1893) und sein Schüler Pierre Janet ( 1859 - 1947) erforschten systematisch die Beziehung zwischen Hysterie und Hypnose.

Janet bestätigte durch seine zahlreichen Krankengeschichten, diese hysterischen Phänomene und zwar bei Männern und Frauen.

Hier stellte sich heraus, dass eine Hysterie sich nicht selten als Folge eines schockartigen Erlebnisses eingestellt hatte. Man spricht von einem psychischen Trauma ( Verwundung), aber auch von der traumatischen Entstehung hysterischer Symptome.

Die Definition Hysterie:

Hysterie ist eine Störung, bei der neben psychischen Auffälligkeiten wie etwa Wahnvorstellungen oder Wein- und Schreikrämpfe körperliche Störungen ( zum Beispiel Zitteranfälle, heftige Magenschmerzen, Bewegungsstörungen, Lähmungen, Krämpfe) ohne nachweisbare organische Ursachen auftreten.

Die Definition Hypnose:

Hypnose ( griech. Schlaf) ist eine durch Beeinflussung herbeigeführte Bewusstseinsänderung, wobei alle bewussten Funktionen eingeengt sind und Reize der Außenwelt nur über den Kontakt mit demjenigen aufgenommen werden können, der die Hypnose durchführt = Hypnotiseur ( Vgl.Hobmair 1996, S.105).

1.1.2. Die Entstehung der psychoanalytischen Theorie am Beispiel « Fall Klaus »

Die psychoanalytische Theorie wurde um 1900 von Sigmund Freud entwickelt.

Sigmund Freud hat mit seiner Theorie über die menschlichen Psyche große Aufnahme und Verbreitung gefunden. Obwohl Freuds Lehre immer wieder kritisiert wurde und heftig umstritten ist, hat sie bis heute nicht an Aktualität verloren.

Der Fall „ Klaus“

Klaus ist acht Jahre alt.

Klaus hatte die üble Angewohnheit entwickelt, sich mit den Zähnen die inneren Wangenhäute zu zerbeißen. Er konnte vor Schmerzen nicht mehr richtig essen.

Außerdem schrie er seit zwei Jahren nachts mehrere Male im Traum laut auf und lief dann weinend durch das Haus. Er litt an einem erheblichen Blinzeltick und war bei einem beträchtlich herabgesetzten Allgemeinzustand ein bedenklich schlechter Schüler des dritten Grundschuljahres. Sein Gang war tapsig, noch wie im frühkindlichen Stadium, seine Sprechweise abrupt, zerhackt.

Sein Kopf schien in die Schultern hineingeduckt und die Augen hielt er auf den Boden gesenkt.

Die Eltern berichteten, Klaus träume von Hexen und Spinnen und überhaupt von allerlei schnappenden, beißenden Ungeheuern, die ihn verfolgten und gefangen nehmen.

Das Kind habe überhaupt eine abnorme Angst vor Spinnen, nach denen allabendlich das Zimmer abgesucht werden müsse, und die sorgfältig und mit übertriebenem Eifer beseitigt werden müsste, bevor das Kind Ruhe fände.

Die Schulschwierigkeiten sind nach Ansicht der Eltern vor allem dadurch bedingt, dass Klaus sich außerordentlich schwer entschließen könne, mit seiner Arbeit zu beginnen, dass er von einer weinerlichen Übergenauigkeit sei und vor lauter Drang zur Vollkommenheit häufig viel zu wenig zustande brächte. Im allgemeinen sei er geduldig und brav, ja er gäbe viel und gern ab, nur erschrecke er die Familie gelegentlich einmal durch wilde Wutausbrüche, vor allem gegen die ältere Schwester. Ihn könne dann ganz plötzlich aus heiterem Himmel eine bestialische Zerstörungswut befallen, die er selbst dann freilich später tränenreich bereue.

Klaus war nach Angaben seiner Eltern ein erwünschtes Kind, dessen Geburt und Säuglingszeit störungsfrei verlief. Eine wesentliche Veränderung in der Familie sei dadurch eingetreten, dass die Mutter, als Klaus sechs Monate alt war, ein Geschäft übernahm und die Großmutter zu dieser Zeit ins Haus gekommen war um seine Pflege zu übernehmen.

Sie verwandte viel Strenge, viel Mühe und viel Sorgfalt auf die Erziehung ihres Enkel. Die Sauberkeitserziehung erfolgte früh und mit viel Konsequenz. Angeblich soll das Kind mit einem Jahr und drei Monaten rein gewesen sein, was die Mutter mit den älteren Geschwistern keineswegs zustande gebracht habe. Als Züchtigungsmittel habe die Großmutter die Hundeleine und den Kellerbenutzt, in den sie das Kind einsperrte, wenn es nicht gehorchte. Mit Argusaugen wurden die Mahlzeiten überwacht und mit strengstem Essenszwang belehrt. Die Motorik des Kindes wurde aus Besorgtheit und Verantwortungsgefühl weitgehend eingeengt. Das Kind durfte nur in Begleitung der Großmutter und an ihrer Hand draußen sein, es durfte sich nicht schmutzig machen und war in seiner Kindheit von einer Mauer von Verboten, Strafen und Einengungen umstellt.

entnommen aus: Christa Meves,1987

Um das Verhalten von Klaus, insbesondere die Wirkung des Erzieherverhaltens auf seine Persönlichkeitsentwicklung erklären und um Konsequenzen für das erzieherische Verhalten aufstellen zu können, ist eine umfassende Theorie des Erlebens und Verhaltens notwendig.

Und solch eine umfassende Theorie stellt die psychoanalytische Theorie dar.

2.0. Psychoanalyse als Theorie

Psychoanalyse ist ein auf Siegmund Freud zurückgehendes Forschungsprogramm und Heilverfahren, das sich auf die hinter den psychischen Strukturen liegenden Triebkräfte menschlichen Selbstbewusstsein und Handeln und deren Wechselwirkungen mit dem sozialen Leben und Schicksal von Menschen bezieht. Die Psychoanalyse betrachtet aber Menschen nicht nur als weitgehend unbewusst bzw. schicksalhaft entstandene Resultate der Wechselwirkung von Trieben und sozialer Realität, sondern zu gleich als handelnde Subjekte, die zu Autonomie und „Ich - Stärke“ gerade dann fähig sind, wenn sie die Abhängigkeiten ihrer „Conditio humana“ zu akzeptieren Lernen. Als Verfahren der Heilung, besonders von Neurosen, hat deshalb die Psychoanalyse ein von medizinischer Behandlung grundsätzlich unterschiedenes Verständnis. Neurosen sind für sie nicht nur krankhafte Störungen, sondern zugleich Versuche (allerdings misslungene) von Menschen, die mit sich selbst, ihren Trieben und ihrer Umwelt zurechtkommen. Sie sind Versuche der Bewältigung von Leiden (vor allem von Angst), die ihrerseits Leiden verursachen. Heilung von Neurosen und anderen Störungen kann deshalb nach psychoanalytischem Verständnis(und aller ihm folgenden Therapien) kein einseitiger Behandlungsprozess sein, sondern nur ein Prozess der Selbstklärung, der wesentlich vom Patienten mitgestaltet wird. Die entscheidende Vorraussetzung, dabei als „Analytiker“ behilflich zu sein, ist, einen solchen Klärungsprozess (Lehranalyse) selbst bewältigt zu haben.

2.1. Die Grundannahmen der Psychoanalyse

2.1.1. Das Unbewusste

Wie jede umfassende Theorie, so geht auch die Psychoanalyse von bestimmten Grundannahmen aus, die das menschliche Erleben und Verhalten bestimmen.

Das Unbewusste ist der grundlegende Begriff in der psychoanalytischen Theorie. Nur ein geringer Teil der seelischen Vorgänge die im Menschen ablaufen sind bewusst.

Die meisten Vorgänge gehen unter die Oberfläche des Bewusstseins zurück und spielen sich im Vorbewusstsein und Unbewusstsein ab.

„Bewusst“ nennt man seelische Vorgänge im Menschen, die er bemerkt und zu denen sie unmittelbaren Zugang hat.

Mit „ vorbewusst“ sind alle seelischen Vorgänge gemeint, um die wir nicht spontan wissen, die jedoch aufgrund einer Bemühung dem Bewusstsein wieder relativ voll zugänglich gemacht werden können.

Seelische Vorgänge, um die wir nicht oder nicht mehr wissen, die aber immer wieder in das Bewusstsein drängen und unser Erleben und Verhalten maßgeblich bestimmen, bezeichnen wir als „ unbewusst“.

Oft bezeichnen wir Verhaltensweisen, die nach einiger Zeit nicht nur automatisch, sondern auch den jeweiligen Bedingungen angepasst ablaufen, als unbewusst.

Ein Beispiel:

Ein Autofahrer kann sich mit seinem Beifahrer unterhalten und gleichzeitig steuern, schalten, hupen und dergleichen.

Im psychoanalytischen Sinne sind jedoch solche Vorgänge nicht „ unbewusst“, denn sie sind jederzeit „ bewusstseinsfähig“.

2.1.2. Der Mensch als ein festgelegtes Wesen

Ein Kernstück in der psychoanalytischen Theorie ist die Annahme, dass der Mensch ein Wesen ist, das von verschiedenen Energien gesteuert wird.

Sigmund Freud sieht den Menschen als ein Wesen, dessen Verhalten durch die Triebe erzeugt und gesteuert wird. Wenn ein Mensch aktiv wird, geht dies immer auf einen Trieb zurück. Um diesen möglichst umfassend zu befriedigen, wird das Verhalten eines Menschen in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt. Menschliche Verhaltensweisen sind darauf gerichtet, Triebwünsche zu befriedigen und innere Spannungen zu vermeiden.

Jeder Mensch ist sich jedoch seinen seelischen Kräften und Motiven, die sein Verhalten steuern, meist nicht bewusst.

Freud geht davon aus, dass Personen die Motive, die ihr Verhalten steuern, nicht erkennen.

Sämtliche Verhaltensweisen des Menschen, egal ob sie normal, abweichend oder krankhaft erscheinen, sind durch die seelischen Prozesse bedingt und festgelegt.

Die Grundannahmen der Psychoanalyse sind folgende:

- Bestimmte seelische Vorgänge sind dem Bewusstsein verborgen ( unbewusst), wirken sich jedoch auf unser Erleben und Verhalten aus.
- Menschliches Verhalten wird durch Triebe erzeugt und gesteuert.
- Jedes Verhalten ist seelisch bedingt - festgelegt - und lässt sich nur aus der individuellen Lebensgeschichte eines Menschen erschließen.
- Die seelischen Kräfte und Motive, die das Verhalten einer Person steuern, sind dieser in der Regel nicht bewusst.

2.2. Das psychoanalytische Persönlichkeitsmodell

Sigmund Freud unterscheidet in seinem Persönlichkeitsmodell drei Persönlichkeitsinstanzen, die die Erlebens- und Verhaltensweisen des Individuums erklären: das ES, das ICH und das ÜBER-ICH. Diese drei psychischen Instanzen entwickeln sich nacheinander in der frühen Kindheit; das ES, die elementarste Schicht, ist bereits vom ersten Lebensjahr an vorhanden.

Das ES ist die Instanz der Triebe, der Wünsche und der Bedürfnisse.

Im Es gelten keine Gesetze des logischen Denkens, es kennt keine Wertung, kein Gut und Böse, keine Moral. Es hat nur zum Ziel: das blinde Streben nach Befriedigung der Triebe, Wünsche oder Bedürfnisse, die als lustvolle Entspannung erlebt wird. Das Es vertritt das Lustprinzip.

„Von den Trieben her erfüllt sich das ES mit Energie, aber es hat keine Organisation, bringt keinen Gesamtwillen auf, nur das bestreben, den Triebbedürfnissen unter Einhaltung des Lustprinzips Befriedigung zu verschaffen. Für die Vorgänge im ES gelten die logischen Denkgesetze nicht, vor allem nicht der Satz des Wiederspruchs. Gegenständliche Regungen bestehen nebeneinander, ohne einander aufzuheben oder sich voneinander abzuziehen...“ (Siegmund Freud)

Die Triebwünsche des ES richten sich immer auf ein bestimmtes Ziel und auf ein bestimmtes Objekt, das auch eine Person bzw. Personengruppe sein kann. Beim Wunsch nach Zärtlichkeit gegenüber der Freundin beispielsweise, ist das Ziel die Befriedigung der Zärtlichkeitsbedürfnisses und das Objekt die Freundin. Das Neugeborene ist zunächst nur ein ES; es strebt ausschließlich nach Triebbefriedigung und lustvoller Entspannung.

2.2.1. Die Dynamik der Persönlichkeit

Diese drei Instanzen, ES,ICH und ÜBER-ICH, stehen miteinander in einer ständigen Wechselbeziehung, in einem Mit -und Gegeneinander. Um menschliches Erleben und Verhalten erklären zu können, muss man die Dynamik der Persönlichkeit kennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das ES meldet bestimmte Wünsche oder Bedürfnisse an, die vom ÜBER-ICH bewertet werden. Das ICH versucht, zwischen ÜBER-ICH und ES zu vermitteln, und überprüft die Realität, ob Befriedigung möglich ist oder nicht. Je nach Wert- und Normvorstellung, die im ÜBER-ICH vorhanden sind, je nach der Stärke der Gefühle, die es entwickelt (Gewissensbisse, Schuldgefühle), entscheidet sich, ob das Ich die Wünsche des ES zulassen kann oder nicht. Zugelassene Ansprüche werden vom ICH gesteuert und wenn es die Realität ermöglicht, verwirklicht. Nicht zugelassene Wünsche oder Bedürfnisse müssen vom ICH abgewehrt, unbewusst gemacht, oder verdrängt werden.

Das Ich hat in diesem Zusammenspiel eine zentrale Funktion. Es kämpft gegen das ES, das ÜBER-ICH und die Forderungen der Realität. Aus diesem Kampf können sich seelische Störungen ergeben, wobei es darauf ankommt, ob es sich um ein schwaches ICH oder starkes ICH handelt.

Von einer ICH - Schwäche sprechen wir, wenn entweder einer der Beiden Instanzen oder die Realität über das ICH siegen; kann jedoch das ICH eine vernünftige und besonnene Entscheidung herbeiführen und ist es weder der Realität noch den ÜBERICH oder dem ES unterlegen, so liegt eine ICH-Stärke vor.

Die Möglichkeiten der ICH - Schwäche können sein:

- Das ES siegt über das ICH, dies ist der Fall, wenn das ÜBER-ICH zu schwach ist.
- Das ÜBER-ICH siegt über das ICH, dies ist der Fall wenn die Bedürfnisse des ES unterdrückt werden.
- Die Realität siegt über das ICH. Hier ist das ICH von den Forderungen der Realität beherrscht. Die Anpassung an die augenblicklichen Gegebenheiten ist das entscheidende. Man tut und sagt, was “in” ist, was “man” tut bzw. sagt: Diese Möglichkeiten der ICH -Schwäche können, je nachdem, um welche Verhaltensbereiche es sich handelt, bei einem Menschen gemischt vorkommen. Die Übergänge sind fließend und es gibt auch keine scharfen Abgrenzungen. (siehe Anlage)

2.2.2. Angst und Abwehr

Wünsche und Bedürfnisse, die vom Über-Ich nicht zugelassen werden, können beim Menschen verschiedene Ängste auslösen. Angst kann entstehen, wenn die Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses beispielsweise mit der Angst vor Strafe verbunden ist oder wenn der Mensch bei der Realisierung eines Wunsches Gewissensbisse bzw. Schuldgefühle erwartet.

Siegmund Freud unterscheidet dabei drei Typen von Angst:

- Die Realitätsangst, die durch wirkliche Bedrohung aus der Umwelt bedingt ist,
- die neurotische Angst, die aufgrund von Furcht vor unannehmbares Es-Impulsen entsteht, und
- die moralische Angst, die bei starken Schuldgefühlen und Gewissensbissen auftritt.

Um Angst zu vermeiden oder zu verringern, setzt das Ich Schutzmaßnahmen ein, die die Ansprüche des ES abwehren, unbewusst machen und somit drohende Konflikte vermeiden sollen. Diese werden als Abwehrmechanismen bezeichnet. (Graphik)

2.2.3. Abwehrmechanismen

Die Ich- Verteidigung bzw. Angstabwehr kann auf sehr unterschiedlicher Art und Weise erreicht werden.

Die Psychoanalyse unterscheidet folgende Abwehrmechanismen:

- Verdrängung

Die Triebwünsche, Gefühle, Bedürfnisse, Bestrebungen, Ereignis oder Erinnerungen, die der Mensch nicht wahrhaben will oder kann und die Angst auslösen, werden in das Unbewusste abgeschoben. Das Unbewusstmachen bedeutet aber nicht gleich Auslöschung.

Die verdrängten Inhalte bleiben im Unbewussten weiterbestehen und beeinflussen bzw. bestimmen das Erleben und Verhalten in einem nicht unerheblichen Maße.

- Projektion

Das sind Eigenschaften, die die eigene Person betreffen, die man aber an sich selbst nicht wahrhaben will. Sie werden anderen Personen bzw. Personengruppen oder Gegenständen zugeschrieben und dort bekämpft.

- Reaktionsbildung

Um die Verdrängung zu sichern, wird im Bewusstsein das Gegenteil des zu Verdrängenden fixiert. Die Abwehr der Angst geschieht also durch die Verkehrung ins Gegenteil.

- Verschiebung

Das sind die Wünsche und Bedürfnisse, die sich nicht am Original befriedigen können. Sie werden an einem Ersatzobjekt realisiert.

- Rationalisierung

Verpönte Wünsche und Bedürfnisse sowie unangepasste Verhaltensweisen werden verstandesmäßig mit „ vernünftigen“ Gründen gerechtfertigt, um die wahren Gründe, die man nicht wahrhaben will zu vertuschen.

- Identifikation

Die Abwehr der Angst gelingt durch die Identifizierung mit einer anderen Person ( einer starken Persönlichkeit, aggressiven Menschen, Sänger oder Schauspieler)

- Widerstand

Der Mensch wehrt sich gegen das Aufdecken verdrängter Inhalte und Vorgänge.

- Sublimierung

Die nicht zugelassenen Wünsche und Bedürfnisse werden in Leistungen umgesetzt, die sozial erwünscht und sogar hoch bewertet werden.

Die nicht zugelassenen Wünsche und Bedürfnisse werden in Leistungen umgesetzt, die sozial erwünscht und sogar hoch bewertet werden.

2.2.4. Psychoanalyse und Individualpsychologie - eine Gegenüberstellung

Graphik auf Folie

Aus psychoanalytischer Sicht sind zu Klärung eines bestimmten Ereignisses oder zur Analyse eines Fallbeispiels zwei Gesichtspunkte wichtig:

- Aussagen zur Persönlichkeitsstruktur:

Wie sieht die Persönlichkeitsstruktur aus?

Welche Abwehrmechanismen werden Eingesetzt?

- Aussagen zur Entwicklung der Libido:

Welche Bedürfnisse herrsch(t)en in der jeweiligen Phase vor?

Was ist mit diesem Bedürfnis geschehen?

Aus individualpsychologischer Sicht sind folgende Fragen relevant:

- Aussagen zu Minderwertigkeitsgefühlen:

Was geschah (geschieht) mit den kulturbedingten Minderwertigkeitsgefühl?

Was hat das Individuum aus diesen Erfahrungen gemacht?

- Aussagen zur Kompensation des Minderwertigkeitsgefühls:

Nach welcher Richtung verlaufen die Kompensationen?

Welche Ziele werden verfolgt (Lebensstil)?

- Aussagen zur Beantwortung der Sozialen Realität:

Welche „private Logik“ wurde (wird) aufgebaut?

Welche Sicherungen werden eingesetzt?

Der Eingangs geschilderte Fall „Klaus“ lässt sich sehr gut mit Hilfe der psychoanalytischen oder individuellpsychologischen Theorie nach diesem dargestellten Muster analysieren und erklären. (siehe Anlage)

3. Die psychoanalytische Trieblehre

In der Psychoanalyse wird angenommen, dass alles Verhalten durch Triebe erzeugt und auch gesteuert wird. Triebe streben nach Befriedigung, die sich auf ein bestimmtes Ziel, das Triebziel , auf ein bestimmtes Objekt, das Triebobjekt richtet und die eine Quelle, die Triebquelle, benötigt.

Bsp. Ein Säugling möchte sein Saugbedürfnis befriedigen. Die Befriedigung des Saugbedürfnisses ist das Triebziel, die Triebquelle der Mund, und das Triebobjekt kann hier möglicherweise der Schnuller sein.

Die Grundlage von Trieben ist eine psychische Energie, die sich beim Kind noch ungerichtet und völlig wahrlos entlädt. Im Laufe der Entwicklung jedoch wird diese Entladung der Energie in ganz bestimmte Bahnen gelenkt. Die Psychoanalyse geht davon aus, dass zwei Haupttriebe das Gesamt menschliche Verhalten erzeugen und steuern. Das ist der Lebenstrieb und der Todestrieb.

3.1. Der Lebenstrieb (Eros),

der Selbst- und Arterhaltung, Überleben, Weiterleben und Fortpflanzen zum Ziel hat. Die psychische Energie- und Antriebkraft wird als Libido bezeichnet, die verschiedene Phasen in der menschlichen Entwicklung durchläuft.

Die dem Lebenstrieb zugrunde liegende psychische Energie bzw., Antriebskraft, die Libido, ist auf Lustgewinn gerichtet und kann sowohl auf die eigene Person, als auch auf ein äußeres Objekt bezogen sein. Die Ausrichtung der Libido auf andere Personen und Gegenstände bezeichnet die Psychoanalyse als Objektbesetzung, im Gegensatz zur libidinösen Besetzung des eigenen Körpers oder des eigenen Ich. Die eigene Bindung des Kindes an die Mutter ist ein Beispiel für seine frühe Objektbesetzung.

3.1.1. Der Todestrieb (Thanatos),

der den Lebenstrieb entgegensteht und zum Ziel die Auflösung bzw. Zurückführung des Lebens in den anorganischen Zustand hat, somit dessen Vernichtung bedeutet. Es ist entweder in Form von Selbsthass und Selbstvernichtung nach innen, also gegen die eigene Person, oder als Aggression, Abstoßung, Hass, Vernichtungswille nach außen, also gegen andere Personen, - Gruppen und /oder deren Gegenstände, gerichtet. Aggressionen, Destruktivität oder Lust am Zerstören und Vernichten sind Äußerungsformen des Todestriebes.

Die psychoanalytische Annahme vor allem eines Todestriebes ist in der heutigen Psychologie heftig umstritten und wird auch von den meiste tiefenpsychologischen Richtungen abgelehnt.

3.2. Die psychoanalytische Theorie der frühkindlichen Entwicklung

Die Quelle der Triebenergie ist dem Menschen angeboren. Er strebt von Natur aus nach Abfuhr der Triebenergie. Diese Abfuhr der Triebenergie wird in der frühen Kindheit über bestimmte Körperteile, den Mund, After und die Genitalien, erreicht. Lustempfinden entsteht jedoch nicht nur durch das jeweilige Körperteil selbst, sondern durch alles, was mit diesem Körperteil in unmittelbarem Zusammenhang steht. So gehört zum Mund beispielsweise auch das Saugen, Schlucken und Aufnehmen von Nahrung, zum After der Ausscheidungsvorgang, das - Organ und- Produkt.

In der frühkindlichen Entwicklung dominiert nun jeweils einer dieser Körperteile. Diese Beobachtungen bracht S. Freud auf bestimmte Phasen in der Entwicklung eines Kindes, die er nach dem jeweiligen vorherrschenden Körperteil benannt hat. Die Entwicklung der Libido vollzieht sich nach einem eigengesetzlichen, genetisch verankerten Verlauf. Die Art und Weise jedoch, wie ein Mensch die einzelnen Phasen durchläuft, ist von seiner Umwelt, insbesondere von seinen Bezugspersonen und seiner Erziehung abhängig.

Die orale Phase (lat., os, oris: der Mund) im 1. Lebensjahr

Erster Lustgewinn kann durch die Mundzone und durch alles, was mit ihr unmittelbar in Zusammenhang steht, gewonnen werden. Saugen, Schlucken, Beißen, das Aufnehmen von Nahrung sowie Lutschen sind die frühesten Äußerungsformen kindlichen Luststrebens. Vorherrschend in diesem Abschnitt sind Wünsche des Einverleibens, die jedoch nicht nur über das Saugen, Schlucken und Lutschen erfolgen, sondern auch über die Sinnesorgane und über die Haut.

In dieser Phase wird die Beziehung zur Umwelt aufgebaut. Positive Erfahrungen im ersten Lebensjahr führen zu Ausbildung einer optimistischen Lebensgrundeinstellung. Die es mit sich bringt, dass das Kind aufgrund seines Vertrauens zu den Mitmenschen, der Welt und zu sich selbst den Mut aufbringt, sich entdeckend und lernend mit unbekannten Personen und Gegenständen einzulassen. Negativer Erfahrungen lassen eine pessimistische Lebensgrundeinstellung entstehen. Das Kind verschließt sich, ist misstrauisch und furchtsam und ist nicht willens, Unbekanntes zu erforschen. Dadurch wird die Gewinnung neuer Erfahrungen behindert, was zu einer Hemmung des Kindes in seinen weiteren Lernmöglichkeiten führen kann.(Bild)

Die anale Phase (lat., anus: der After) im 2,/3. Lebensjahr

Die Lust- Unlust- Erlebnisse des Kleinkindes konzentrieren sich in dieser Phase vornehmlich auf den Ausscheidungsvorgang, das - Organ und das - Produkt. Dies betrifft sowohl das Hergeben als auch das Zurückhalten der Ausscheidungsprodukte. Vorherrschend sind also Wünsche des Spielens mit Ausscheidungsorganen und - Produkten sowie des Geben und Nehmens.

Psychoanalytisch orientierte Psychologen nehmen an, dass mit der Reinlichkeitserziehung die gesamte Thematik des Hergebens und Festhaltens im übertragenen Sinne erlernt wird: Macht das Kind die Erfahrung, dass das Hergeben des Stuhls Lust bereitet, so wird es auch im späteren Leben gerne etwas hergeben und Freude an Leistung entwickeln. Anderenfalls zeigt es im späterem Leben ein überstärktes Maß an Geiz und Verweigerungstendenzen, ein Zurückhalten von Leistung oder einen mit erheblichen Ängsten besetzten Leistungszwang. Ebenso können extreme Schuldgefühle, Reinlichkeitsfanatismus und Waschzwang, Folgen einer falschen Sauberkeitsgewöhnung sein. Das Kleinkind zieht auch Lustgewinn aus den Ausscheidungsprodukten, da es nicht zwischen Ausscheidungsvorgang, -organ und -produkt unterscheidet, kann eine negative Bewertung der Ausscheidungsprodukte als Folge falsche oder übertriebene Scham- und Ekelgefühle oder gar eine Ablehnung des eigenen Körpers nach sich ziehen.

In dieser Phase wird vornehmlich das Ich in der Auseinandersetzung mit der Realität ausgebildet und damit die Beziehung zum Ich, zur eigenen Person aufgebaut. Je nach Erzieherverhalten bilden sich Selbständigkeit, Eigenwillen, Durchsetzungsvermögen oder auch Unselbständigkeit, Gefügigkeitshaltung, Konformismus und Opportunismus bzw. Herrschsucht, Aggressivität, Hartnäckigkeit, Dickköpfigkeit oder Dominanzstreben aus. (Bild)

Die phallische Phase (griech., phallos: das männliche Glied) im 4./5. Lebensjahr Lust gewinnt das Kleinkind in diesem Abschnitt vornehmlich durch Betätigung an den Genitalien. Durch das Herzeigen der eigenen Geschlechtsteile und das Betrachten der anderen sowie durch das spielen an ihren Geschlechtsteilen, kann das Kind lustvolle Befriedigung herbeiführen. Da das Genitalorgan des Knaben sichtbar ist und jenes des Mädchens nicht, kann das Kind zur Meinung kommen, das Mädchen habe das seinige verloren oder es sei ihm geraubt worden. Die Psychoanalyse spricht in diesem Zusammenhang von einer Kastrationsangst bei Jungen, der Angst davor hat, das auch ihm sein Glied abhanden kommt. Das Mädchen was seine Penislosigkeit erkennt, kann glauben dass es nur selber unvollständig und daher minderwertiger als der Junge sei. Das mit dieser Vorstellung verbundene Erlebnis der Enttäuschung bezeichnet Siegmund Freud als Penisneid, der Ursache für ein Gefühl der Unterlegenheit und Minderwertigkeit der Frau gegenüber dem Mann sein kann.

Die Triebwünsche äußern sich in der Regel im Begehren des gegengeschlechtlichen Elternteils. Aus diesem Begehren kann sich ein Konflikt ergeben, den Siegmund Freud nach der Tragödie des Sophokles Ödipus- Konflikt genannt hat.

Definition: Mit Ödipus- Konflikt wird in der Psychoanalyse die Gesamtheit aller Liebes- und Hassempfindungen, die ein Kind im 4. und 5. Lebensjahr gegenüber seinen Eltern hat, bezeichnet. In der Regel manifestiert er sich als Liebeswunsch dem andersgeschlechtlichen Elternteil gegenüber, er kann aber auch in umgekehrter Norm auftreten. (J.A. Keller/F. Novak, 1984)

Die Latenzperiode (lat., latere: verborgen sein) vom 6. bis etwa 12. Lebensjahr

Das Übernehmen der Gebote und Verbote seitens der Eltern und andere Erziehungspersonen führt in der Regel gegen Ende der phallischen Phase zur Ausbildung des ÜBER - ICH, Die Dynamik zwischen ES, ICH und ÜBER-ICH beginnt zu funktionieren, und es bilden sich Abwehrmechanismen heraus. Das Kind wird fähig, auf Lustbefriedigung zu verzichten, sie auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben oder in andere Energie, wie zum Beispiel in sachliches Interesse, Unzusetzen. Die Triebregungen treten in den Hintergrund, ihre Energie wird verlagert auf andere Bereiche und Gegenstände der Umwelt.

Die genitale Phase (lat. gens, gentis = das Geschlecht), etwa ab dem 12.Lebensjahr

Mit beginn der Vorpubertät erwacht die Sexualität unter dem Einfluss der Geschlechtshormone zu neuer Macht. Allerdings tritt sie in eine weitere Funktion, sie dient nicht nur zur Lustbefriedigung, sondern auch zur Fortpflanzung. War das Interesse des Kindes in den frühkindlichen Phasen noch mehr oder weniger selbstbezogen und das Sexualobjekt in der Familie zu suchen, so werden jetzt Sexualpartner außerhalb der Familie gewählt. Sexualität tritt in den Dienst der menschlichen Partnerschaft. Damit ist sie nicht nur eine Funktion, die man für etwas einsetzen kann - zur Lustgewinnung oder Kinderzeugung-, sondern eine wichtige Form sozialer Interaktion und Kommunikation. (Bild)

Zitat: „Wäre sie (die Sexualität) das nicht, dann könnte kein Mensch einen anderen lieben, zu ihm zärtlich sein, ihm seine Gefühle ohne Worte zeigen, zu ihm eine Beziehung gewinnen, die seine ganze Person betrifft...“ (Hans Wolfgang Wiedemann)

3.3. Konsequenzen aus der Grundannahme eines vorgeburtlichen Erlebens und eines Geburtserlebens für die Theorie und Praxis der Psychoanalyse

Die Einbeziehung der Fötalzeit und der perinatalen Zeit in die psychoanalytischen Beobachtung und Theoriebildung befreit manche Konzepte von Unklarheiten und bringt eine größere systematische Eindeutigkeit.

Das Ich-Ideal ist aus der fötalen Dual-Einheit abzuleiten, während das frühe Über-Ich seine entscheidende Prägung in den Erlebnissen der Austreibungsperiode hat. Auf diese Zusammenhänge zwischen Ich-Ideal und pränatalen Erlebniszuständen hatte Freud hingewiesen, später Rascovsky (1978) und neuerdings Chasseguet-Smirgel (1981),letztere vor allem in Anschluss an Grunberger. Die Zusammenhänge zwischen Austreibungsperiode und Über-Ich-Vorläufern wird von Freud nur indirekt benannt, indem er von archaischen, katastrophischen Erregungsgrößen als Ursache der Urverdrängung spricht. Freud meinte dass Geburtstrauma.. Durch die Forschung von Grof ist kasuistisch belegt, dass geburtstraumatische Ängste typische Charakteristika haben im Sinne von Erlebnissen des Eingeschlossensein, des Übermachtig- Bedrohtsein, des Vernichtungsgefühls, der katastrophalen Überwältigung. Umgekehrt ist die gelingende Geburt die erste große Herausforderung, Leistung, Bestätigung eigener Kraft und eines positiven Zusammenspiels, legt also die Grundlage für ein bestätigendes Über-Ich. Die geburtstraumatischen Ängste sind auch typische Angstinhalte späterer Über-Ich-Ängste. Auf diesen inneren Zusammenhang zwischen frühen Ängsten und späteren Ängsten hat in sehr systematischer Weise Freud in „Hemmung, Symptome und Angst“ (1926) hingewiesen, wo er besonders ausführlich die Ineinanderschachtelung von frühen Trennungsängsten und spätere Kastrationsangst expliziert. Die Beschreibung des Primärvorganges, den Freud als Funktionsweise des Unbewussten definiert, hat eine so weitgehende Ähnlichkeit mit dem fötalen Psychismus, dass eine Gleichsetzung wohl erlaubt ist. Im Primärvorgang strömt nach Freud psychische Energie frei ab, indem sie ohne Hindernisse von einer Vorstellung zur anderen übergeht. Freud spricht auch von halluzinatorischer Wunscherfüllung. Die erste Formulierung von Freud zum Primärvorgang machen die Verwandtschaften zum fötalen Psychismus noch deutlicher:

„Alle Leistungen des Neuronensystems sind entweder unter dem Gesichtspunkt der Primärfunktion oder der Sekundärfunktion, die durch die Not des Lebens aufgedrungen ist, zu bringen“ Es ist eben die Not des Lebens die mit der Geburt beginnt, die das primäre Ich-sich-Kreisen von Wunsch und Befriedigung durchbricht.

Unser Verhältnis zur Welt, in die wir so ungern gekommen sind, scheint es nicht mit sich zu bringen, dass wir sie nicht ohne Unterbrechung aushalten. Wir ziehen uns darum zeitweise in den vorbildlichen Zustand zurück, in die Mutterleibexistenz also...es sieht so aus, als hätte die Welt uns Erwachsene nicht ganz, nur zu Drittteilen, zu einem Drittel sind wir überhaupt noch ungeboren.“ (Freud 1917)

3.4. Das geschichtliche Verhältnis zwischen Psychoanalyse und Sozialpädagogik

Seit dem ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, als sich die psychoanalytische Praxis und fast gleichzeitig eine berufliche Sozialarbeit mit entsprechender Ausbildung erstmalig entfalteten, war die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Beiden eine Frage, an der sich die Geister schieden. Nicht die Psychoanalyse insgesamt, wohl aber immer wieder einzelne Psychoanalytiker, unter ihnen Freud selbst, stellten die Frage, ob ihr aufwendiges Verfahren nicht notgedrungen nur gehobenen Schichten zugänglich sein konnte oder ob die größere Breitenwirkungen, eine „Psychoanalyse fürs Volk“ oder gar eine „ allgemeine Neurosenprophylaxe“, etwa durch Einwirkung auf die Erziehungssysteme, möglich sei.

Solche Fragen bewegte vor allem die sogenannte „Freudsche Linke“, wozu Analytiker wie Paul Federn, Wilhelm Reich, Siegfried Bernfeld und Vertreter der Frankfurter Schule wie Horkheimer und Erich Fromm gehörten, die auf unterschiedlicher Weise der Frage nachgingen, wie der Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Struktur und psychische Verfassung von Menschen beschaffen sei, wie „Soziale Orte“(Bernfeld) Menschen prägen und wie es möglich ist, das Menschen ohne es zu wissen, an ihrer eigenen Unterdrückung mitarbeiteten. Solche Fragen wurden von der Sozialpädagogik kaum aufgegriffen, obwohl sie den Kern ihrer Sache berühren. Andererseits gab es Pädagogen wie Anne Freud, Aichhorn Meng, Redl und Zullinger, die auf die Psychoanalyse gestoßen waren. Sie verbanden damit insbesondere, in der Arbeit mit schwierigen und abweichenden Kindern und Jugendlichen, Hoffnung, ein bahnbrechendes Arbeitsinstrument gefunden zu haben, das einer strafendrepressiv und / oder biologistisch vom Modell des „Psychopathen“ denkenden Fürsorge und Jugendpsychiatrie einer Alternative entgegensetzen konnte. Vor allem in der von 1925 bis 1937 entscheidenden Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik wurden hierfür Grundlagen gelegt. Die heutige Sozialpädagogik hat auch von diesen Ansätzen nur wenige aufgenommen. Eher hat die Heil- und Sonderpädagogik und andererseits die vor allem in England von Melanie Klein, Anna Freud und D.W. Winnicott entwickelte Kindertherapie daran angeknüpft. Stärker hat in den USA die Methodenentwicklung sozialer Arbeit zu einer intensiven Aufnahme psychoanalytischer Konzepte geführt, zum Teil allerdings nur in der Gestalt von Abwandlungen wie dem „willenstherapeutischen“ Konzept des Freud - Schülers Otto Rank, der Gesprächspsychotherapie Carl Rogers und der sogenannten Transaktionsanalyse Eric Bernes. Dennoch ist die Sozialpädagogik tief von Psychoanalytischen Denkweisen geprägt worden, insbesondere dort, wo sie versuchte, klinische Kompetenzen in ihren Methoden einzubauen, und die Behandlung von „schwierigen Menschen“ und nicht nur die Bearbeitung von schwierigen Lebenslagen zu ihrem Ziel machte

3.5. Einfluss der Psychoanalyse auf andere Ansätze

Der Einfluss der Psychoanalyse findet sich in verschiedenen Ansätze der Therapie wie beispielsweise in der Körpertherapie, Personenzentrierte Therapie, Systemischen Therapien und in der Gestalttherapie wieder. Dies sind aber nur einige Therapien, wo die Psychoanalyse einen großen Einfluss hat. Diese aber ausführlich zu beschreiben ist hier in diesem Rahmen nicht möglich.

- Die Körpertherapien

Einen starken Einfluss auf die Entwicklung der sogenannten Körpertherapie hat der Psychologe Wilhelm Reich gehabt. Er lehrte, das die Libido den ganzen Körper erfüllt und nicht nur an die erogenen Zonen gebunden sei.

Wilhelm Reich vertrat die sozialistische Idee und machte einige Zeit später spektakuläre und heftige umstrittene naturwissenschaftliche Experimente. Dies geschah besonders im Zusammenhang mit der von ihm postulierten „ Orgon- Energie“.

Diese beiden Momente führten dazu, dass in einer einzigartigen Kampagne ungefähr in dem 20. Jahrhunderts (1954/56) in Amerika unter dem Vorwand ökonomisch/ gesundheitspolitischer Gründe seine ganzen Bücher verboten und seine „ OrgonAkkumulatoren“ zerstört wurden.

In Anwesenheit der Regierungsvertretern wurden die gesammelten Schriften von Wilhelm Reich verbrannt. Wilhelm Reichs Bücher wurden 21 Jahre nach Freuds Bücherverbrennung von den Nazis verbrannt.

- Die Personenzentrierte Therapie

Auch hier hatte die Psychoanalyse einen großen Einfluss und so entstand die personenzentrierte Therapie. Von Sigmund Freud über Otto Rank führte auch letztlich auch der Weg zu Carl Rogers ( 1902 - !987).

Carl Rogers ist der Begründer der „ Personenzentrierten Therapie“.

Durch die Bemühungen des Schülers Reinhard Tausch, wurde die „ Personenzentrierte Therapie“ in Deutschland unter der Bezeichnung „ Gesprächspsychotherapie“ bekannt.

Rogers war der Erste, der intensive empirische Forschungsarbeit über die Prozesse in der Psychotherapie und der notwendigen Qualitäten des Psychotherapeuten geleistet und initiiert hat.

- Die Systemische Therapien

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist ein weiterer heterogener Verband unterschiedlicher Therapieformen entstanden. Deren Gemeinsamkeit besteht darin, das nicht mehr das einzelne Individuum im Vordergrund steht, sondern die sozialen Beziehungen einschließlich der über Kommunikation und Sprache vermittelten Wirklichkeitsdefinitionen im Zentrum der Betrachtung ( Familie).Die Personen, die nach den herkömmlichen Vorstellungen zunächst als krank und therapiebedürftig angesehen werden, sind gemäß diesen Ansätzen wesentlich als die „ Indexpatienten“ zu sehen, die als Symptomträger eine unmittelbare Manifestation eines kranken Systems darstellt.

Ähnlich den humanistischen Therapieansätzen entwickelten sich auch hier fast gleichzeitig aus unterschiedlichen Perspektiven und Therapiekonzepten eine grundlegende einheitliche Sichtweise heraus, die diese gemeinsame Bezeichnung „ systemische Therapie“ rechtfertigt.

Aber zu diesem Theorieverbund zählen einige Weiterentwicklungen auf der psychoanalytischen Basis. Im deutschen Sprachraum haben sich Horst - Eberhard Richter und Helm Stierlin für die Weiterentwicklung der Psychoanalyse eingesetzt Die Sonderform der „Paartherapie“ wurde von Willi Jürg entwickelt. Hier wurden die psychoanalytischen Konzepte von Freud stärker auf die Struktur systemischer Interaktionen bezogen.

Heute orientieren sich allerdings die eigenständigen systemtherapeutischen Konzepte viel stärker an die interdisziplinären naturwissenschaftlichen Systemforschung und werden eher von philosophischen Richtungen wie Postmoderne und Narrativen Ansätzen beeinflusst.

Die Bedeutung von Postmoderne: 1. Die Stilrichtung der modernen Architektur, die gekennzeichnet ist durch eine Abwehr vom Funktionalismus und eine Hinwendung zu freiem, spielerischem Umgang mit unterschiedlichen Bauformen auch aus früheren Epochen.2. Der Moderne folgende Zeit, Zeitabschnitt nach der Moderne, für eine Teilautonomie im Kleinbereich , Offenheit für Städtebau, Kunst, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft sowie demokratisch mitgestaltende Kontrolle der Machtzentren charakteristisch sind.

- Die Gestalttherapie

Der Begründer der Gestalttherapie, Fritz Perls, entwickelte seine Theorie ebenfalls unabhängig von Sigmund Freud. Sigmund Freud gewährte Fritz Perls 1936 nur eine kühle

„ vier - Minuten - Audienz“. Der Aufsatz von Perls über die „ Oralen Widerstände“, den er am psychoanalytischen Kongress 1936 vortrug fiel praktisch durch. Dabei hatte er durchaus einen freundlichen Empfang erwartet, da er kurz zuvor in Südafrika

„ für Freud“ ein Institut für Psychoanalyse eröffnet hatte.

Diese Enttäuschung war wesentlich für Perls Abwendung von der Psychoanalyse und die Entwicklung der Gestalttherapie - er sagt selbst: „ Ich bin zutiefst dankbar dafür, dass ich mich in der Auflehnung gegen Freud so weit entwickeln konnte“.

4. Die systematisch Bedeutung der Psychoanalyse für die Sozialpädagogik

Man kann drei Ebenen unterscheiden, auf denen die Psychoanalyse Bedeutung für die Soziale Arbeit bekommen hat. Zum einen haben die psychogenetischen Entwicklungsmodelle der Psychoanalyse( z.B. die Modelle der frühkindlichen Entwicklungsphasen - oral, anal, phallisch , des sogenannten Ödipuskomplexes, der Latenzperiode und der Pubertät als zweite Phase der Sexualentwicklung ebenso wie das Strukturmodell von Es - Ich - Über-Ich) Instrumente zur Verfügung gestellt, die es der Pädagogik ermöglichten, ihre Adressaten aus ihrer lebensgeschichtlichen Entwicklung heraus zu verstehen und dabei „normale“ und nicht normale Entwicklungsprozesse unterscheiden zu können. Die Psychoanalyse lieferte dabei ihren psychogenetischen und „metapsychologischen“ ( Das heißt das Verhältnis von psychischer Struktur und biologischer Dynamik betreffenden) Modellen gleichsam eine Lehre von „Rohmaterial“ der Erziehung (Anna Freud).Das heißt sie lehrte die Entwicklungslogik von Kindheit an (und die Folgen schwieriger Kindheit im Erwachsenenleben) besser zu verstehen. Auch wenn sie der Sozialpädagogik nicht sagen konnte, was die richtigen Erziehungsmaßnahmen seien oder wie die äußeren Minimalbedingungen für eine gedeihliche Entwicklung herzustellen seien, schien sie doch als fallerschließende Hilfswissenschaft unentbehrlich.

Diese vor allem im sogenannten „case work“ (Einzelfallhilfe) entfaltete Einbettung der Psychoanalyse in der Sozialen Arbeit hat immer betont, das diese seelische Seite von der sozialen Seite ergänzt werden müsse. Trotzdem haben viele Kritiker hier eine fatale „Therapeutisierung“ Soziale Arbeit gesehen.. Die zweite Bedeutung der Psychoanalyse für die Sozialpädagogik bezieht sich weniger auf die theoretischen Modelle als auf die Methode der Erkenntnisgewinnung, welche die Psychoanalyse hervorgebracht hat, indem sie die „Auffassung des Menschen von sich selbst“ zum Angelpunkt gemacht hat. Für die Sozialpädagogik ist das relevant, sofern verzerrte Auffassungen, die die Menschen von sich selbst haben, wie sie die Psychoanalyse mit Begriffen wie Übertragung von Wiederständen bezeichnet, nicht nur neurotische Phänomene betreffen, sondern alles menschliche miteinander prägen. Auch Psychoanalytiker oder Sozialpädagogen sind nicht frei davon: Übertragung setzt Gegenübertragung immer schon voraus. Verstehen von Adressaten ist deshalb prinzipiell an Selbsterkenntnis geknüpft. Der Beitrag der Psychoanalyse zur Sozialpädagogik ist hier nicht „Lehre vom Rohmaterial“ der Erziehung, sondern

„Erziehung der Erzieher“. Vor allem in vielfältigen Formen der Supervision in „Balint

- Gruppen“ und ähnliche wird das Prinzip umgesetzt, dass vertiefte Einsicht in Adressatenprobleme nur auf dem „Umweg“ über Selbsteinsicht möglich ist:

- Abarbeiten von Vorurteilen
- Zurückstellen vorschneller Antworten
- Aufklärung eigener Verstrickungen

Man könnte Psychoanalyse als den ersten Versuch bezeichnen, die Tugend der Geduld zu einer professionellen ausgeübten Kunst zu machen. Wenig durchgesetzt hat sich in der Sozialpädagogik bisher, dass Prinzip der Einsicht durch geduldige Selbstaufklärung nicht nur die Familiengeschichtlichen , sondern auch die soziokulturellen Prägungen einbeziehen müsste.

Die dritte Bedeutung der Psychoanalyse für die Sozialpädagogik liegt auf der anthropologischen Ebene. Nicht nur Freuds persönliche Lebenshaltung, sondern auch die Einstellung der Psychoanalyse insgesamt könnte man als „humanistischen Skeptizismus“ bezeichnen. Humanistisch ist die Psychoanalyse sofern das sie die Selbstauffassung“ des einzelnen, jenseits aller gesellschaftlichen Normen, zum Ausgangspunkt nimmt und kein anderes Ziel verfolgt, als die Selbstauffassung mit der Realität zu versöhnen, ohne dabei ein Überfluss an Leiden und /oder Selbsteinschränkung in Kauf zu nehmen. Skeptisch ist die Psychoanalyse in sofern sie jeder Art von „Terror des Ideals“ prinzipiell wiedersteht. Nicht nur gegen den „Terror des Über-Ich“, sondern auch gegen den Gesundheitsfanatismus, dem Psycho-Hygiene und normales Funktionieren zu obersten Werten gerät, hält sie das „Plädoyer für eine gewisse Anormalität“ (McDougall). Dem heute verbreiteten Selbstverwirklichungsidealismus aber hält sie den Wiederspruch von Trieb und Kultur entgegen, der vielleicht zu mildern, aber nicht zu beseitigen ist. Sozialpädagogik kann von beidem profitieren:

- Sie brauche das „Gold der tendenzlosen Analyse“ (Freud)
- Die Professionalisierung der Geduld
- Sie brauchen aber auch die Skepsis gegen den Hang zur Weltverbesserung

Auch die Psychoanalyse könnte von der Sozialpädagogik profitieren, wenn sie bereit würde, deren Geschäft ernster zu nehmen: Nämlich Menschen als Handelnde im Kontext ihrer Lebensbedingungen zusehen. Ohne den doppelten Blick auf die Menschen und ihre sozialen Orte könnten übersehen werden, dass die Hilfe zur Klärung innerer Verhältnisse vorfindet oder schaffen kann, die den Wunsch unterstützen, das Menschen aufrichtiger und zugleich pfleglicher mit sich selbst und mit anderen umgehen können.

4.1. Psychoanalyse und Experimentalpsychologie

Die Psychologie hat sich unabhängig von der Schulpsychologie entwickelt und steht bis heute in einem gewissen Gegensatz zu ihr. Die psychoanalytische Theorien scheinen zwar der Reichhaltigkeit menschlicher Verhaltensweisen besser gerecht zu werden als die meisten bestehenden Theorien der experimentellen Psychologie. Es ist aber äußerst schwierig, psychoanalytische Hypothesen einer angemessenen experimentellen Überprüfung zu unterziehen. Zweifellos werden die Schwerpunkte der Forschung durch die Interessen der Gesellschaft bzw. die Interessen der einflussreichen Institutionen innerhalb der Gesellschaft bestimmt. In der modernen Industriegesellschaft stehen Leistung und Anpassung im Fordergrund, dementsprechend liegt das Schwergewicht der psychologischen Forschung auf Richtungen, wie logische Forschung auf Richtung, wie Test-, Lern oder Leistungspsychologie. Der deutsche Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich hat in diesem Zusammenhang mehrfach auf die Vernachlässigung wesentlicher Probleme der heutigen Gesellschaft hingewiesen und eine bessere Erforschung der Ursachen und der Verhütungsmöglichkeiten psychisch bedingter Krankheiten oder von Aggressionen und Krieg gefordert.

Eine der Gründe für die Ablehnung der Psychoanalyse durch Teile der offiziellen Wissenschaft ist ihr Thema: Sie weckt Emotionen, weil sie uns nahe geht, sozusagen die Unterwäsche des Bewusstseins untersucht. Freud selbst geht in der Einleitung zur Traumdeutung auf dies Schwierigkeit ein: „Die Verwendung der Träume von Patienten wurde mir durch den Umstand verwehrt, dass hier die Traumvorgänge einer unerwünschten Komplikation durch die Einmengung neurotischer Charaktere unterlagen. Mit der Mitteilung meiner eigenen Träume aber erwies sich als untrennbar verbunden, dass ich von den Intimitäten meines psychischen Lebens fremden Einblicken mehr eröffnete, als mir lieb sein konnte und als sonst einem Autor, der nicht Poet, sondern Naturforscher ist, zur Aufgabe fällt. Das war peinlich, aber unvermeidlich, ich hab mich also darein gefügt, um nicht auf die Beweisführung für meine psychologischen Ergebnisse überhaupt verzichten zu müssen. “ (Freud)

Das hermeneutische Wissenschaftsverständnis lässt uns erkennen, dass die Konzepte menschlichen Handelns notgedrungen in unserem alltagspsychologischen Vorverständnis verankert sein müssen. Ein angemessener Weg zur wissenschaftlichen Vertiefung psychoanalytischer Konzepte besteht nach diesen Überlegungen in der systemischen Verwendung sprachanalytischer und hermeneutischer Methoden, die eine Kontrolle der psychoanalytischen Intuition jenseits der Forderung nach experimenteller Exaktheit erlauben. Andererseits zeigen Psychoanalytiker wie Horst Kächerle, dass auch empirisch-experimentelle Methoden in der Psychoanalyse ein großes Gewicht erhalten können. Lange Zeit schien der von Freud eingeführte Grundsatz, wonach sich psychoanalytisch Forschung immer im Junktim von Heilen und Forschen vollzieht, für Psychoanalytiker unantastbar zu sein. Die Auseinandersetzung um die psychoanalytische Theorie ist jedoch mittlerweile längst in ein Stadium der experimentellen und empirischen Überprüfung und Argumentation eingetreten.

4.2. Psychoanalytisch Gruppentherapie

Siegmund Freud schuf 1921 die theoretischen Grundlagen der psychoanalytischen Gruppentherapie, durch die anthropologische Analyse von Gruppenprozessen in seiner Abhandlung „Massenpsychologie und Ich- Analyse“.

Seiner Meinung nach waren Gruppenprozesse nur dann verständlich, wenn man die Rolle des Führers genau untersuchte. Freuds früherer Schüler Alfred Adler beschrieb die Beziehung der Gruppe zu ihrem Leiter, als Wiederspiegelung der Klassenbeziehung zwischen Proletariat und Bourgeoisie. Von daher war die Schaffung einer Atmosphäre sozialer Gleichheit in Gruppen sein wesentliches Ziel. Michael Balint entwickelte dann aus dem gruppenpsychoanalytischen Ansatz ein Weiterbildungs- Supervisionsinstrument für angehende Psychotherapeuten, Ärzte und Angehörige anderer sozialer Berufe. (Balint-Gruppen)

5. Kritik an Sigmund Freud

Das außerordentliche umfangreiche Werk von Sigmund Freud erstreckt sich vom engen Bereich der psychopathologischer Überlegungen ( Neurosen und Krankheitslehre) über die Konzipierung eines Behandlungsmodell bis hin zur sehr allgemeinen psychologischen Aussagen.

Zu diesen gehören Werke, die bis in den ethnologischen und sozialwissenschaftlichen Bereich hineinreichen. Ferner wurde Freud vorgeworfen, dass er historische und gesellschaftliche Prozesse zu wenig beachtet habe und zum Teil einem Psychologismus verfallen sei, d. h. er habe letztlich sozio- ökonomische Verhältnisse sowie Macht - und Herrschaftsstrukturen zu sehr auf die „ Triebgeschichte“ reduziert. Dies wird allerdings von manchen Freud- Auslegern ganz anders gesehen, indem diese explizit versuchen, seine Schriften ( z.B. „ Massenpsychologie und Ich- Analyse“, 1921, oder „ Das Unbehagen an der Kultur“, 1930) wieder stärker als fruchtbare Beiträge zur Sozialwissenschaft zu reinterpretieren.

Ein weiterer Kritikpunkt zielt darauf, dass Sigmund Freud sein Wissen um den wirklich vorkommenden sexuellen Missbrauch in der Wiener Gesellschaft kaschierte und verleugnete, indem er die von Patienten berichteten Verführungs- und Inzesterlebnisse als reine „Phantasieproduktion“ interpretierte. Der Vorwurf ist, dass er letztlich durch das verleugnen die Täter schützte.

Diese Kritik ist sicher insofern berechtigt, als gerade in den letzten Jahrzehnten das große Ausmaß sexuellen Missbrauchs innerhalb von Familien deutlich geworden ist und das es plausibel ist, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts diese Rate nicht niedriger war. In wie weit allerdings der reale Kenntnisstand und Motive von Sigmund Freud „ Täterschutz“ von dieser Kritik angemessen erfasst wurde, ist kaum zu beurteilen.

6. Was blieb von Sigmund Freud? 50 Jahre danach

„ So kann ich denn, rückschauend auf das Stückwerk meiner Lebensarbeit, sagen, dass ich vielerlei Anfänge gemacht und manche Anregungen ausgeteilt habe, woraus dann in der Zukunft etwas werden soll. Ich kann selbst nicht wissen, ob es viel sein wir oder wenig.“ Sigmund Freud, 1925

Die Beurteilung, „ ob es viel sein wird oder wenig“ überließ Freud der Nachwelt. Wie viel ist 50 Jahre nach seinem Tod von den Früchten dieses überreichen Lebens geblieben?

Welcher seiner Erkenntnisse haben Freud und seine Zeit überlebt?

Es gibt heute kaum eine Disziplin des menschlichen Daseins, die ihm nicht grundlegende Veränderung verdankt. Die Spuren von Sigmund Freud finden wir in der Medizin ebenso wie in der Kunst, Religion, Erziehung, Soziologie und auch in er Philosophie.

Freuds Erkenntnis on der Bedeutung des Gesprächs, das Eindringen ins Unbewusste, hat mittlerweile nicht nur die Psychiatrie, sondern fast alle Bereiche der Medizin erobert. Man weiß heute, dass die oft allein heilsame Wahrheit im Detail liegt. Selbst jener Forscher, die Freud ablehnen, können an seiner Lehre nicht vorbeigehen. Das Unbewusste ist allgegenwärtig.

Die Psychoanalyse trat ihren Siegeszug nach dem Zweiten Weltkrieg von der USA und Großbritannien aus an und ging um die Welt. Wenn die Behandlungsmethode als solche mittlerweile auch wieder ein wenig in den Hintergrund gedrängt wurde, finde sich ihre Gründzüge in allen psychiatrischen Therapien.

Freuds Erkenntnisse gehen weit über die menschliche Psyche hinaus. Er war es, der entdeckte, dass das krankhafte Seelenleben entscheidenden Einfluss auf körperliche Leiden haben kann. So gilt Freud auch als Vater der Ganzheitsmedizin und der Psychosomatik.

Und er hat ein neues, humaneres Verhältnis zwischen Arzt und Patient geschaffen.

Künstler zählen zu den frühen Erkennern von Sigmund Freuds. In der Literatur findet das Unbewusste in Schnitzlers „ innerem Monolog“ ebenso seinen Niederschlag. Aber auch Schönbergs Musik, Picasso und Dalis Bilder sind von Freud beeinflusst. Expressionisten wie Surrealisten kehren das Innere an die Oberfläche und berufen sich dabei auf den „ Vater der Psychoanalyse“.

Fast alle Freudschüler traten den Weg in die Emigration an. Die Anwendung der Psychoanalyse war in Deutschland nach 1933, in Österreich fünf Jahre später verboten, alle Schriften vernichtet worden.

Von den 120 Mitgliedern der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung waren nur vier in Wien verblieben. Nach dem Krieg waren es dann meist wieder heimgekehrte Emigranten, die die einst blühende Geistesbewegung an die Stätte ihres Ursprungs zurückbrachten.

Anna Freud gründete gemeinsam mit Dorothy Burlingham in London eine Betreuungsstelle für Kriegswaisen und obdachlos gewordene Kinder sowie die Hamstead Child Therapy Clinic und hielt, so lange sie lebte, in aller Welt des Andenken ihres Vater hoch. Die beiden Frauen bewohnten bis zuletzt Sigmund Freuds Haus in London, in dem heute ein großes Freud- Museum mit der Originalmöblierung untergebracht ist.

Es wird von der 1968 durch Friedrich Hacker gegründeten Sigmund- Freud- Gesellschaft betreut, deren Präsident heute Harald Leupold- Löwenthal ist. Auch in seinem Geburtshaus in Pribor, dem ehemaligen Freiberg, wurde eine Gedenkstätte errichtet.

Sigmund Freuds Privatbibliothek ging in den Besitz des New York Psychiatric Institute über, das die wertvollen Bestände nach Österreichs „ Anschluss“ an HitlerDeutschland retten konnte.

Was blieb von Freud?

Stefan Zweig ging in seiner Grabrede auch auf diese Frage ein. „ Jeder von uns Menschen des 20. Jahrhunderts“, sagte der Dichter, „ wäre anders ohne ihn in seinem Denken und Verstehen, jeder von und dächte, urteilte, fühlte enger, unfreier, ungerechter ohne sein uns Vorausdenken, ohne jenen mächtigen Antrieb nach innen, den er uns gegeben.

Und wo immer wir versuchen werden, in das Labyrinth des menschlichen Herzens vorzudringen, wird sein geistiges Licht weiterhin auf unserem Weg sein. Alles, was Sigmund Freud geschaffen und vorausgedeutet als Finder und Führer, wird auch in Zukunft mit uns sein...“

7. Zusammenfassung

Die wichtigsten Aussagen der psychoanalytischen Theorie:

- Alles Verhalten wird durch den Lebens- und Todestrieb erzeugt und gesteuert. Die Grundlage von Trieben ist eine psychische Energie, die sich beim Kind noch ungerichtet und völlig wahllos entlädt, im Laufe der Entwicklung jedoch in bestimmte Bahnen gelenkt wird. Die dem Lebenstrieb zugrunde liegende psychische Energie ist die „ Libido“. Diese Quelle der Triebenergie ist angeboren. Der Mensch strebt nach Abfuhr der Triebenergie, er sucht Triebbefriedigung.

- Die Abfuhr der Triebenergie wird in der frühen Kindheit über bestimmte Körperteile, den Mund, After und die Genitalien und alles, was mit dem betreffenden Körperteil unmittelbar in Zusammenhang steht, erreicht. Im Laufe der frühkindlichen Entwicklung der Libido verläuft in bestimmten Phasen, die nach dem jeweiligen dominierenden Körperteil benannt sind:

- Orale Phase: Reduktion der Triebspannung durch Stimulation des Mundes und alles, was mit ihm in Zusammen hang steht ( Saugen, Schlucken, Beißen, Lutschen, Nahrungsaufnahme usw.).

Vorherrschend sind Wünsche des Einverleibens; in dieser Phase wird die Beziehung zur Umwelt aufgebaut ( optimistische, pessimistische Lebensgrundeinstellung).

- Anale Phase: Reduktion der Triebspannung durch Stimulation der Afterregion. Vorherrschend sind Wünsche des Spielens mit den Ausscheidungsorganen, dem - Produkt sowie des Gebens und Nehmens. In dieser Phase wird die Beziehung zum ICH, zur eigenen Person aufgebaut.

- Phallische Phase: Reproduktion der Triebspannung durch Betätigung an den Genitalien. Die geschlechtliche Andersgeartetheit kann beim Jungen eine Kastrationsangst und beim Mädchen einen Penisneid hervorrufen.

Die Triebwünsche äußern sich vor allem im Begehren des gegengeschlechtlichen Elternteils

( der Ödipuskonflikt), dessen Bedeutung in der Identifizierung mit der jeweiligen Geschlechtsrolle, keine Identifizierung mit dem eigenen Geschlecht, sexuelle Probleme oder Homosexualität sein.

- Die Entwicklung der Libido vollzieht sich nach einem gesetzlichen, genetischen Verlauf, und sie tritt nach der phallischen Phase in den Hintergrund ( Latenzperiode). Mit Beginn der Vorpubertät erwacht sie wieder zu neuer Macht, kann aber jetzt nicht mehr nur zur Lust, sondern auch zur Fortpflanzung eingesetzt werden. Zudem tritt sie in den Dienst der menschlichen Partnerschaft außerhalb der Familie und wird somit eine wichtige Form sozialer Interaktion und Kommunikation.

- Wie der Mensch diese Phasen durchläuft, ist von seiner Umwelt, insbesondere von seinen Bezugspersonen und seiner Erziehung abhängig. Bei einer angemessenen,der Realität angepassten Befriedigung der für die einzelnen Phasen charakteristischen Triebwünsche ist eine seelisch gesunde Entwicklung gegeben. Werden die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes in den jeweiligen Phasen nicht oder nur unzureichend befriedigt, so kommt es zu einer Triebfrustration, die eine Fixierung oder eine Regression bewirken, was zu einer abweichenden Persönlichkeitsentwicklung führen kann. Fixierung und Regression können auch eintreten, wenn die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes über die Maße hinaus befriedigt werden.

- Die Instanz, die das blinde Streben nach Befriedigung der Triebe, Wünsche und Bedürfnisse beinhaltet, ist das ES. Es vertritt das „ Lustprinzip“. In der Auseinandersetzung mit der Realität entsteht das ICH, welches die Instanz des bewussten Lebens und der unbewussten Auseinandersetzung mit der Realität darstellt. Es vertritt das „ Realitätsprinzip“. Das ÜBER-ICH umfasst die Wert- und Normvorstellungen und moralischen Prinzipien und führt das Verhalten und Handeln des ICH im Sinne der geltenden Moral. Es vertritt das „ Moralprinzip“.

- Ansprüche des ES, die nicht zugelassen werden können, lösen beim Menschen verschiedene Ängste aus. Um diese zu vermeiden oder zu verringern, werden Abwehrmechanismen eingesetzt, die die bedrohlichen und angstauslösenden Erlebnisinhalte abwehren, unbewusst machen sollen. Solche Abwehrmechanismen sind zum Beispiel die Verdrängung, Projektion, Reaktionsbildung, Verschiebung, Rationalisierung, Identifikation, Widerstand und Sublimierung.

- Die Entstehung von seelischen Fehlentwicklungen ist dann gegeben, wenn ein Mensch fortwährend Abwehrmechanismen einsetzt. Dies führt zur Leugnung und Verfälschung der Realität, so das es zu einem der Realität nicht angepassten Verhalten kommt, was der Ausgangspunkt für seelische Fehlentwicklung ist.

8. Literaturverzeichnis

Hrsg. Hermann Hobmair: Pädagogik. Stam-Verlag Köln- München 1992

Hrsg. Hermann Hobmair: Psychologie. Stam-Verlag Köln-München 1991

H.Legewie/W.Ehlers: Knaurs moderne Psychologie. Knaur-Verlag 1994

Pierre Daco: Psychologie für jedermann. Bechtermünz-Verlag 1999

Krech/Crutchfield: Grundlagen der Psychologie. Beltz-Verlag 1992

Hrsg. A. Schwendtke: Wörterbuch der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. 4 Auflage, Quelle und Meyer 1995

Ludwig Janus: Die Psychoanalyse der vorgeburtlichen Lebenszeit und der Geburt. 2. Auflage. Centaurus-Verlagsgesellschaft Pfaffenweiler 1990

Walter J. Schraml: Einführung in die Tiefenpsychologie. Ernst Klett Verlag Stuttgart

Schenk-Danzinger: Entwicklungspsychologie. öbv, hpt, Wien1999. 25 Auflage

http://www.jsbielicki.com

Georg, Markus: Sigmund Freud und das Geheimnis der Seele - Die Biographie 1989, Weltbild Verlag

Hobmair, Hermann ( Hrsg.): Pädagogik 1996, Stam - Verlag

Kriz, Jürgen: Grundkonzepte der Psychotherapie, 5. Auflage 2001, Beltz- Verlag

Details

Seiten
36
Jahr
2001
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v103811
Institution / Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Note
1
Schlagworte
Psychoanalyse Freud

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Titel: Die Psychoanalyse von Freud