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Hoeg, Peter - Der Plan von der Abschaffung des Dunkels (Gemeinsamkeiten Autor - Romanheld)

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 4 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Informationen zum Autor und Gemeinsamkeiten des Romans

( biographische Angaben, die für das Verständnis des Buches relevant sind)

Peter Hoeg kommt am 7. Mai 1957 als Sohn von Karen und Erik Hoeg in Kopenhagen zur Welt. Er wächst in Christianshavn, einem kleinen Ort, mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder auf.

Christianshavn ist ein Ort, welcher sich mit dem Übergang vom alten zum neuen Dänemark, ebenso wie die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Verhältnisse wandelt, nämlich von einem „richtigen Slum“ bis hin zu einem, wie Peter Hoeg es heute beschreibt, „intellektuellen Milieu“. Dennoch ist die gutbürgerliche Familie materiell abgesichert, sodass man sich darüber nicht sorgen musste.

In diesem „Slum“ ist Hoeg jedoch auch unmittelbarer Zeuge unvergesslicher Bilder, wie Kinder, die seit ihrem 3. Lebensjahr auf der Straße spielen, Kinder, welche in den Fluß fallen und ertrinken, weil keiner auf sie aufpasst, Menschen, denen man ihre Fehlernährung auf den ersten Blick ansieht und die unvermeidbaren dunklen Straßen, in denen sich Proletariertum und Prostitution vermischen. Diese Bilder müssen ihm sehr zu Herzen gegangen sein, in einer Art Kindheitsspuk, da er sie in seinem Roman „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ in direkter Verbindung mit seiner eigenen Person in die Geschichte einbaut (z.B.

Vergewaltigung, Kinder ohne Eltern à Heime). In einer knappen, treffenden Sprache beschreibt Hoeg das Unglück dieser Kinder. Er versucht mit seiner Sprache zum Wesentlichen vorzudringen. Der Schrecken und Schmerz bleibt jedoch oft zwischen den Worten stecken. Es ist unaussprechlich. Ein immer wiederkehrendes Wort ist "souverän". Das ist das Hauptanliegen der Kinder: endlich ihrer Lage, ihrem Leben jederzeit gewachsen zu sein und keinerlei Abhängigkeit mehr zu spüren.

Wie vorhin schon erwähnt, befindet sich Peter Hoeg mitten im Übergang vom „alten Dänemark“ zum neuen „Wohlfahrtsstaat“, er wächst zwischen den zwei Epochen auf und lernt dadurch zwei völlig verschiedene Welten kennen.

Da seine Eltern nur das beste für ihn wollen, besucht Peter bis zu seinem 17. Lebensjahr „Bordings Privatschule“, die noch einen Teil des alten Dänemarks darstellt, und macht hier die Erfahrung von extremer Disziplin und Kontrolle der Lehrer über die Schüler. Wesentliche Züge dieser Schule überträgt Hoeg in seinem Buch dann auch auf den Charakter von Biehls Privatschule, wo man Schläge als Bestrafung erhält und der Alltag mit großer Strenge, Disziplin und vielen Verboten bereichert war. Er klagt damit direkt die unmenschlichen Erziehungsexperimente der 70er Jahre in Dänemark an. Des Weiteren wurden vorhandene kreative Anlagen an dieser Schule absolut nicht gefördert und etwas anderes zu tun, als vorgeschrieben war, kam nicht in Frage. Innerhalb des Romans lässt sich diese Tatsache besonders im Zusammenhang mit Augusts zeichnerischem Talent erkennen, obwohl er ein sehr begabter Zeichner ist, erhält er erst einen Stern als Belohnung für sein Bild, nachdem er es mit Farbe gestaltet. Peter Hoeg kritisiert diesen Mangel an Förderung bereits als Schüler. Aber er selbst glaubt, dass man nicht wegen, sondern trotz solch schlimmer Verhältnisse kreativ wird. Als letzes herrscht an der Schule eine starke Unterdrückung der Kinder durch Erwachsene, was Peter in seinem eigenen jungen Leben sehr zu schaffen macht, und er sich allmählich auf den Weg in die Einsamkeit begibt. Zugleich verspürt er einen regelrechten Drang, sich gegen diese Unterdrückung zu wehren. Trotz dieses abschreckenden Charakters der Privatschule war Peter ein sehr rebellisch veranlagtes Kind, das sich unweigerlich gegen die Verbote auflehnte. Zum Beispiel konnte er bei einem Verbot, ein Gangsystem zu betreten nicht umhin, als gleich hineinzuklettern und es auszukundschaften oder er erfuhr, dass es verboten ist, ein Feuer zu legen, was er dann sofort in die Tat umzusetzen vermochte. Diese beiden Ereignisse sind noch einmal konkret im Buch angesprochen, sowohl das unterirdische Gangsystem, in das Peter, Katarina und August unerlaubt eindringen, um dem „Dunkel“ auf die Spur zu kommen, als auch das Feuer im Materialschuppen, aus dem sich Biehl in letzter Sekunde retten kann, welches August aber das Leben kostet.

Im Alter von 17 Jahren, wird Peter schließlich wegen Untugenden und seiner Auflehnung von der Schule geworfen, dies greift Hoeg noch mehrmals in „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ auf, denn auch Peter wird einige Male verlegt.

Peter lernt daraufhin am Gymnasium Frederiksberg weiter, wo er 1976 sein Abitur macht, gefolgt von einem Studium in Literaturwissenschaft an der Uni Kopenhagen. Der Universität wirft er aber vor, aufgrund der alleinigen Beanspruchung des Kopfes, ein physisches Ungleichgewicht hervorzurufen, was Peter durch Sport auszugleichen versucht. Hier würden Fechten oder Bergsteigen in Frage kommen, da er diese Freizeitbeschäftigungen schon seit längerem ausübte, jedoch gerät Hoeg zufällig zum Tanz, erhält gute Lehrer und entdeckt sein eigenes Talent. Da er beim Tanzen aber wiederum einen Sprachverlust erfährt, gerät er auf Umwegen zum Theater. Er spielt eine zeitlang in Schweden und besucht dann eine Theaterschule in Paris. Seinen Lebensunterhalt auch während des Studiums verdient er als Schauspieler, Tänzer, Seefahrer und Lehrer an der Volkshochschule und an der Universität Odense.

Mit 25 Jahren kamen seine außergewöhnlichen Charakterzüge noch einmal in ihm hoch, er fühlte sich in der dänischen Gesellschaft fehl am Platz, ihm graute davor, jemals in das System integriert zu werden. Dies umging er ein Jahr lang als Skipper von Segelyachten in der Karibik. Das Leben auf See verlieh ihm ein unglaubliches „Gefühl von Freiheit - dass man alles verlassen, sozusagen nackt dastehen kann, und trotzdem überlebt“, sagt Peter Hoeg in einem Interview. Die Idee zu seinem ersten Werk, „Vorstellung des 20. Jahrhunderts“ kommt ihm noch während dieser Tätigkeit als Seefahrer, Hoeg erkennt seinen Drang und Willen, zu schreiben, und entschließt sich, an Land zurückzukehren und Autor zu werden. Zurück in Dänemark schreibt er jeden Tag an seinem Buch, bis es fertig ist. 1984 macht er seinen Artium Magisterabschluss in Literaturwissenschaft, danach ist er eine zeitlang an der Volkshochschule und an der Uni Odense angestellt, kündigt aber im letzten Jahr um mehr Zeit für sein Buch beanspruchen zu können. Erst jetzt gelingt ihm der vollkommene Durchbruch zu sich selbst, gefolgt von der Erkenntnis, dass das Schreiben in ihm die totale Glückseligkeit hervorruft. Inwiefern ihn das glücklich macht, beschreibt er wie folgt: „Ich erlebte beim Schreiben eine solche Befriedigung, das war wie die Entdeckung der Erotik in der Pubertät. Als wäre ich zum ersten Mal verliebt“.

Zu Hoegs Verwunderung wird sein Debüt-Roman sofort aufgenommen und gedruckt, und rückblickend kann er dazu nur sagen: „Ich war glücklich! Es war wie ein Traum! Mehrere Monate vagabundierte ich in Afrika umher, um über den Schock hinwegzukommen“. Der Roman erscheint 1988 (und 1992 in deutscher Sprache).

Zwischenzeitlich lernt Peter seine Frau Akiniyi kennen, heiratet, und diese bringt 1990 seine

1. Tochter Awiti zur Welt. Kurz nach der Geburt des Kindes beginnt Hoeg mit dem Schreiben von „Fräulein Smillas Gespür für den Schnee“, weil er plötzlich von der Angst vor dem plötzlichen Verlust des Kindes, „dem stärksten Gefühl, das es wohl gibt“ befallen wird, aber zugleich aus materiellen Gründen, da Hoeg noch nicht bekannt und die Familie selbst für dänische Verhältnisse arm war. 1992 (1994 auf deutsch) erscheint dann „Fräulein Smillas Gespür für den Schnee“ und wird ein Riesenerfolg. Zwei Jahre später erobert „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ die Regale der Buchläden, und überall hat Hoeg für die

bewusste Verwirrung der Leser und der Medien gesorgt: Denn obwohl Peter Hoeg sich in seinem Buch ebenfalls als Peter Hoeg auftreten lässt, sind die Personen nicht identisch, es werden nur Bruchstücke der Realität in seinem Roman widergespiegelt. Peter Hoeg sorgt leidenschaftlich gerne für Chaos, sei es in seinen Büchern, sei es in seinem eigenen Leben, sei es unter den Leuten. Dazu gesteht er: „Ich liebe die Verwirrung, die die Kunst schafft, wenn sie an die Grenze der Wirklichkeit stößt”. Hoeg verwendet hier persönliche, wahre Elemente, so dass es seiner Ansicht nach „unmissverständlich wäre, den eigenen Namen [im Buch] zu verwenden“.

Ein weiterer auffälliger Aspekt ist wieder das ständige Auftauchen der eigenen Tochter in seinem Roman um die Handlung kurzzeitig zu unterbrechen und die erzählte Zeit mit der Erzählzeit zu vermischen. „Das Kind“ (Mädchen, s.S. 61) wurde im November 1990 geboren (s.S. 251) genau wie Hoegs Tochter Awiti, ihr Name wird jedoch durch das ganze Buch hindurch nicht erwähnt - sie ist und bleibt „das Kind“, genau wie die Mutter des Kindes immer nur als „die Frau“ auftaucht.

Noch im selben Jahr (1994) wird ihm der dänische Buchhandelspreis “Der goldene Lorbeer” verliehen.

Peter Hoeg sieht sich gern als eine Art Außenseiter, der den Ablauf der Dinge beobachtet und schließlich aufschreibt. „Am Rand der Gesellschaft zu existieren ist eine gute Perspektive“, findet er, und auch Peter im Buch befindet sich „auf der Grenze“ (s.S. 46), wo er sich aber wohl fühlt, denn er beschreibt die negativen Eigenschaften jener, die „innen“ sind, und die hoffnungslose Zukunft derer, die ganz außen stehen, nämlich die Unfähigkeit, sich jemals in der Gesellschaft zurechtzufinden.

Obwohl Hoeg in diesem Roman, im Gegensatz zu seinen anderen Werken, keine Frau als

Hauptfigur verwendete, kristallisiert sich wieder ein Charakter besonders heraus, nämlich der von Katarina. Hoeg gesteht: „Das Weibliche ist für den Mann unerreichbar, und man will ja immer in das, was man nicht verstehen kann, eindringen.“, als Begründung für das Auftauchen starker Frauen als (Haupt)Figuren in seinen Romanen. An einigen Stellen innerhalb des Buches wird auch verdeutlicht, dass Peter Katarina sehr oft bewundert, oder glaubt, sie könne ihn bzw. er könne sie nicht verstehen (s.S.16).

Auch kommt immer wieder zum Ausdruck, dass „die Frau“ für Peter Hoeg selbst unerreichbar ist. Alles, was er nicht schafft, kann die Frau meistern, zum Beispiel wenn das Kind schreit, kann die Frau es trösten. Wenn die Frau weg ist, weiß er nicht, was er tun soll (S. 95 f. ), „wenn die Frau dem Kind etwas vorsingt, wird man ruhig“ (S. 61). Und auch das „Kind“, ein Mädchen, wird von Hoeg oftmals sehr bewundert und nicht „an es herankommt“ (s.S. 61, 97, 251). Der „suchende Erzähler“ lernt durch August in seiner Vergangenheit und „das Kind“ in der Gegenwart, Verantwortung zu übernehmen, obwohl es ihm schwerfällt (S. 95 f.).

Der Grund, in dem Buch eine so dunkle Vergangenheit darzustellen, hat zunächst nicht direkt etwas mit Hoegs privater, wirklicher Kindheit zu tun, jedoch mit den Dingen, die er sah und erlebte, und es war, so vermutet Hoeg, eine Art Therapie , sich den bedrückenden „Spuk“ (Vergewaltigung, Schläge, im See untertauchen...) von der Seele zu schreiben, einfach in Worte zu fassen und noch einmal zu überarbeiten.

Hoeg philosophiert oft und gerne über die Zeit - stellt Fragen, auf die es keine Antworten zu geben scheint, erörtert Theorien und Ideen gegenüber Tatsachen. Im Roman sowie in der Realität macht es ihm Spaß mit der Zeit zu spielen, sie einfach zu vergessen, oder zumindest nicht immer von ihr gelenkt zu werden. In Afrika lernte er auch einiges dazu, auf der Suche nach einer Alternative zu Armbanduhr und Zeitdruck: „Dort erlebt man das Phantastische, dass es keine Zeit mehr gibt. Man spricht nicht über die Zeit. Und nach einigen Monaten hört

man auf, überhaupt an sie zu denken. Das ist ein Erlebnis voller Magie. Man spürt rein physisch, dass die Zeit ein künstliches Gebilde ist.“

Gleichzeitig mockiert er sich über die Dänen oder die Europäer allgemein, wenn er sagt „wenn ich dort bin, merke ich, dass die Zeit eine Konstruktion ist, die wir in unserer Gesellschaft unaufhörlich reproduzieren: „Ich erinnere dich daran, wir haben nur Zeit bis ... Du musst um 12 Uhr Mittag essen...“. So geht es ständig“. Für ihn gilt die Theorie: „Reichtum ist, wenn du über deine Zeit herrschst.“

Peter Hoeg selbst befindet sich auch auf beiden Zeitebenen, einmal in Afrika, wo er jährlich einige Monate mit seiner Familie verbringt. Hier leben die Menschen wie in Europa zur Zeit der vorindustriellen Revolution. Zum zweiten arbeitet und lebt er ja auch in Dänemark, was mittlerweile ein sehr fortschrittliches Land ist, welches von der Zeit „dominiert“ wird. 1996 erschien sein aktueller Roman „Die Frau und der Affe“, gefolgt von der Gründung der Lolwe - Foundation (in welche sämtliche Einkünfte von „Die Frau und der Affe“ sowie 15% der restlichen Einnahmen einfließen) zur Unterstützung von Frauen und Kindern der 3. Welt. (Unter „Lolwe“ versteht man den Horizont, wo sich am Viktoriasee Wasser und Land berühren, der Ort, wo die Götter wohnen, das Wort wird aber auch bei Hoffnung auf Erfolg verwendet).

Bleibt noch ein letzter wichtiger Punkt zu erwähnen übrig, nämlich die eigenartige Lebensweise, welche Peter Hoeg führt. Obgleich undefinierbar, könnte man es als eine Mischung aus Askese und normalem Alltag beschreiben. Hoeg bringt seine Kinder in den Kindergarten, geht einkaufen, wohnt in einer Wohnung mit Heizung und Bad. Andererseits besitzt die Familie kein Telefon, Fernseher, Fax, Radio oder Auto, und Hoeg berichtet davon, gerade alle seiner Bücher bis auf einige Exemplare verkauft zu haben, denn er liebt die Schlichtheit, er wünscht sich einen möglichst bescheidenen Haushalt, denn „man bindet sehr viel Energie an Gegenstände. Sobald man sich eine Menge gekauft hat, beginnen die Kümmernisse“.

Heute lebt Hoeg zusammen mit seiner Frau Akiniyi und seinen zwei Töchtern in Brumleby auf Osterbro. Er scheint, ein sehr glücklicher Mensch zu sein: „ Ich glaube, wenn man sehr glücklich werden möchte, so muss man sich weitgehend vom Materiellen frei machen - von Karriere, Geld und ähnlichen Dingen. Es ist für mich ein unglaublich wichtiger Gedanke, dass es in jedem einzelnen Leben möglich ist.“

Quellen:

1. Peter Hoeg - „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ à Rowohlt Taschenbuch Verlag (Auflage 186. - 195. Tausend, Februar 2000 / Originaltitel : „De Maske Egnede“ )
2. Pressemappe zu Peter Hoeg vom Carl Hanser Verlag (Stand 13. 11. 1998)
3. Focus 19 / 1997 à „Wohltat der Affenliebe“ (Rubrik: Kultur)
4. Spiegel 7 / 1994 à „Blutspuren im Schnee“, Seite 186 - 188
5. Interview mit Peter Hoeg von TV2 Denmark à übersetzt und geschrieben von John Fogde
6. Zusammenfassungen, Rezensionen, verschiedene Internetseiten (à z.B. : Peter Hoeg - http://www.inf.tu-dresden.de/~bk5/hoeg.htm, Dänemark - eine eingehende Beschreibung - http://www.um.dk/deutsch/daenemark/enzyklopaedie/index.asp )

(2276 Wörter)

Julia Fimpel

Details

Seiten
4
Jahr
2001
Dateigröße
352 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v103872
Note
15 Punkte
Schlagworte
Peter Hoeg "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels" Biographie

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