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Klassifizierung von Sprachen: Typologie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 23 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Sprachtypologie
1. Lexikalische Typologie
2. Gespaltene Typologie
3. Morphologische Typologie
4. Semantik in der typologischen Sprachforschung (nach Leila Behrens)

III. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

II. Einleitung

Bei der vorliegenden Arbeit geht es um die Klassifizierung von Sprachen mit dem Schwerpunkt „Typologie“. Eigentlich wollte ich mich noch enger an den Titel des Semesterplans halten, der lautet „Klassifizierung von Sprachen: Typologie vs. Genealogie“, jedoch fand ich so viel zu Typologie und kaum Literatur zur Genealogie, so dass es sich nicht im Gleichgewicht verhalten hätte. Aus diesem Grund habe ich mich hier nun dafür entschieden, einige unterschiedlichen Typologien zu nennen sowie zu erklären. Die Sprachtypologie befasst sich mit der Variation sprachlicher Strukturen. Das Ziel typologisch arbeitender Linguisten ist, diese sprachliche Vielfalt zu ordnen, bzw. Sprachen in Typen einzuteilen. An dieser Stelle muss vielleicht noch gesagt werden, dass ich keine neuen Erkenntnisse vorlege, sondern einfach einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Typologie geben werde.

Meine Hausarbeit ist so gegliedert, dass ich zuerst auf die verschiedenen Sprachtypologien eingehen werde. Darunter fallen bei mir die „Lexikalische Typologie“, die „Gespaltene Ergativität“, die „Morphologische Typologie“ sowie die „Semantik in der typologischen Sprachforschung“ (nach Leila Behrens). Abschließend findet sich in dieser Arbeit eine kurze Schlussbetrachtung und das Literaturverzeichnis.

III. Die Sprachtypologie

1. Lexikalische Typologie

Für die Interaktion zwischen Lexikon und Grammatik ist eine möglichst interessante und repräsentative Mischung an sprachlichen Eigenschaften generell relevant. Hierzu gehören z.B. der morphologische Typ einer Sprache, die Art und Weise, wie Wortklassen unterschieden werden, das Verhältnis von Flexion und Derivation, die Art von typischen und eventuell konkurrierenden Verfahren zur produktiven Erweiterung des Lexikons (Polysemie, morphologische Derivation, Klassenverschiebung usw.) und das Verhältnis solcher Verfahren untereinander.

Es gibt eine überaus verbreitete Auffassung. Sprachen unterscheiden sich entweder in ihrer lexikalischen Struktur oder in ihrem grammatischen Apparat. Diese zwei Arten von Differenzen hätten aber nichts miteinander zu tun und ließen sich unabhängig voneinander untersuchen. So weiß man, dass korrespondierende Wortfelder in verschiedenen Sprachen unterschiedlich organisiert sein können. Gut bekannte Beispiele sind das Wortfeld von Farben oder das von Verwandtschaftsbeziehungen. Es ließen sich aber beliebig andere Beispiele nennen, für die kontrastive Untersuchungen vorliegen, wie etwa das Wortfeld von Perzeptionverben oder das von Gebäuden. Es ist auch unbestritten, dass solche generellen Unterschiede in der Organisation von Wortfeldern eine Auswirkung auf die Polysemie- oder Synonymiestruktur einzelner lexikalischer Elemente hat, die in bestimmten Kontexten Übersetzungen voneinander sind. Solchen und andersartigen lexikalischen Differenzen zwischen Sprachen, die man durch die Gegenüberstellung von lexikalischen Elementen beobachten kann, haftet trotzdem immer noch etwas Zufälliges an. Der ehrwürdige Mythos von dem idiosynkratischen Charakter des Lexikons wirft also immer noch seinen Schatten auf die Typologie.[1]

Typologie als Disziplin in der Linguistik ist seit ihren Anfängen am Vergleich von grammatischen, d.h. an morphosyntaktischen Eigenschaften interessiert. Es ist gleichgültig, um welchen Untertyp es sich handelt, ob also Sprachen nach ausgewählten Struktureigenschaften bzw. nach komplexeren Konstruktionsmustern, wie das System grammatischer Relationen, in Typen eingeteilt werden, oder ob Phänomenbereiche und Konstruktionen, wie Kausativa und Relativsätze, nach ihrer Diversität klassifiziert werden. Die Aufmerksamkeit richtet sich im wesentlichen auf auffällige Merkmale des grammatischen Sprachbaus, gekoppelt mit der Idee, dass das lexikalische System, das diesen Sprachbau füllt, letztlich irrelevant sei. In der einzelsprachlich orientierten Linguistik gewann das Lexikon seit den 70er Jahren kontinuierlich an Bedeutung. Es stieg in der Gunst der linguistischen Forschung und heute wird das Lexikon mehrheitlich als ein produktives und reiches System von verschiedenartigen Subregularitäten konzipiert. Das kann auch für die typologische Forschung nicht ohne Konsequenz bleiben.

Das bedeutet, dass das Lexikon und die Grammatik eine organische Einheit bilden. Lexikalische Regularitäten haben sozusagen ihr passendes Gegenstück in der Grammatik und grammatische Regularitäten ihres im Lexikon. Es ist diese typologisch signifikante Korrespondenz oder Interaktion zwischen Lexikon und Grammatik, die den eigentlichen Untersuchungsgegenstand von Typologie ausmachen sollte.

Zum Beispiel kann man wie folgt bei einer Untersuchung vorgehen:

Zuerst startet man bei den kleinsten vergleichbaren Elementen, nämlich bei übersetzungsäquivalenten „lexikalischen Familien“ wie z.B. die Familie gold im Englischen (einschließlich gold als Massennomen und als Individualnomen, gold und golden als Adjektiv) und die Familie dahab (gold) im Arabischen (einschließlich den adjektivischen bzw. partizipialen Bildungen dahabiyy und mudahhab sowie dem Singulativ dahabaaya). Dann vergleicht man das gesamte Verwendungsspektrum dieser lexikalischen Familien, also z.B. ihre Verwendungen in topikalen, referierenden Ausdrücken, in attributiven und prädikativen Kontexten, in episodischen Texten und in generischen Aussagen usw. Man nennt dies eine „mikrostrukturelle“ Analyse, da die Hauptaufmerksamkeit hier auf die lexikalische Mikrostruktur gerichtet wird (interne Ambiguitätsstruktur, Alternationsstruktur, Variation zwischen einer Strategie der Polysemie und morphologischen und syntaktischen Strategien). Bei dieser Analysestrategie nähert man sich also ausgehend vom Lexikon über die Satzgrammatik allmählich dem Diskurs.

Der zweite strategische Weg verläuft genau umgekehrt. Hier geht man von Texten aus, die als Übersetzungen voneinander vorliegen. Ein solcher Text ist z.B. die Übersetzung von Saint-Exupérys Roman „Le petit prince“. Dieser heuristische Weg von Diskurs zu Lexikon erlaubt im Allgemeinen einen besseren Vergleich von wortfeldspezifischen Unterscheidungen, vorausgesetzt natürlich, es handelt sich um einen längeren und thematisch ausgewogenen Text. Vergleichende Textanalysen bieten außerdem eine ausgezeichnete Möglichkeit, eine ganz grundlegende Frage zwischen Diskurs und Lexikon zu untersuchen. Wie werden generische Aussagen im Vergleich zu episodischen zum Ausdruck gebracht? Lassen sich typologisch signifikante Abhängigkeiten bei der Konstruktion von generischen Phrasen nachweisen, etwa unterschiedliche lexikalisch-semantiche „splits“ innerhalb von generischen Ausdrücken oder deutliche Korrelationen zu bestimmten grammatischen Faktoren? In welchem Maße determiniert die Textstruktur den Aufbau von generischen Ausdrücken?

Bei der dritten Strategie vergleicht man die Makrostruktur von Wortschätzen in verschiedenen Sprachen. Hier geht es um die Frage, welche lexikalisch-semantischen oder grammatischen Informationen sind generell strukturell relevant für das Lexikon einer Sprache? Alternieren lexikalische Elemente systematisch zwischen semantischen Klassen und/ oder grammatischen Klassen, und wenn ja, zwischen welchen?[2]

[...]


[1] Vgl. www.uni-koeln.de

[2] Vgl. www.uni-koeln.de

Details

Seiten
23
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638168281
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10390
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Sprachwissenschaft DaF
Note
2,0
Schlagworte
Klassifizierung Sprachen Typologie Sprachenvielfalt

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