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Welthandel der Entwicklungsländer

Referat (Ausarbeitung) 1998 10 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Gliederung

1. Warum Außenhandel ?

2. Merkmale des Außenhandels der Entwicklungsländer
2.1 Expansion des Welthandels, Veränderung der Waren- und Länderstruktur
2.2 Außenhandelsintensität
2.3 Konjunktur und Außenhandel
2.4 Die Stellung der Schwellenländer

3. Probleme der Ent wicklungsländer im Welthandel
3.1 Protektionismus (Handelsschranken)
3.2 Bilateralismus

4. Forderungen der Entwicklungsländer

1. Warum Außenhandel ?

Der Außenhandel ist der Hauptindikator oder Gradmesser für die Teilnahme eines Landes an der internationalen Arbeitsteilung.

Es gibt mehrere Gründe für den internationalen Warenaustausch. Inländische Verbraucher kaufen ausländische Produkte, weil sie preiswerter sind oder weil ein inländisches vergleichbares Angebot nicht vorhanden ist. Beispielsweise gehören exotische Früchte oder Gewürze in Deutschland nicht zu den einheimischen Produkten. Sie müssen importiert werden.

Produzenten bieten darüber hinaus ihre Produkte im Ausland an, wenn sie aus einem Verkauf im Ausland einen zusätzlichen Gewinn erzielen, ihre Kapazitäten besser auslasten und größere Serien auflegen können. Das sind die absoluten Vorteile des Außenhandels. Ein Land exportiert jene Güter, die es im Vergleich zum Ausland zu absolut niedrigeren Kosten herstellen kann. Demgegenüber importiert es die Güter, die im Ausland zu absolut niedrigeren Kosten produziert werden.

Die komparativen Vorteile des Außenhandels besagen im Kern, daß es für ein Land vorteilhaft ist, nicht alle Güter, die von der inländischen Bevölkerung nachgefragt werden, selbst herzustellen. Das Land sollte sich eher auf die Produktion und den Export jener Güter spezialisieren, die es zu den relativ günstigsten Bedingungen produziert. Demgegenüber sollten jene Waren importiert werden, bei denen im Inland die schlechtesten Produktionsbedingungen vorhanden sind. Die komparativen Vorteile bieten auch den rückständigsten Ländern Möglichkeiten, Nutzen aus dem Außenhandel zu ziehen.

Schließlich soll noch erwähnt werden, daß der Warenexport als Ventil für die inländische Ü berproduktion genutzt werden kann. Unter den Bedingungen einer marktbeherrschenden Stellung wird der Außenhandel vielfach als politisches Druckmittel verwendet. (Handelspolitik).

2. Merkmale des Außenhandels der Entwicklungsländer

2.1 Expansion des Welthandels, Veränderung der Waren- und Länderstruktur

Nach dem zweiten Weltkrieg erfuhr der Welthandel eine starke Expansion und eine fortschreitende Liberalisierung. Die Weltexporte wuchsen von 1950 bis zur Gegen-wart jährlich um mehr als zehn Prozent.1 Die Expansion des Welthandels lag damit weit über der Entwicklung der Weltproduktion.

In dieser Zeit schwankte der Zuwachs des Außenhandels der Entwicklungsländer extrem unter dem Einfluß von Preis- und Konjunkturschwankungen. Die Exporte der Entwicklungsländer bestehen noch immer zum überwiegenden Teil aus Rohstoffen, verarbeitete Produkte stehen erst an zweiter Stelle. Bei den Impor-ten der Entwicklungsländer verhält es sich genau umgekehrt, sie bestehen zum größeren Teil aus Industriegütern, zum kleineren aus Rohstoffen. Die Asymmetrie der Waren- oder Güterstruktur entspricht noch immer - wenn auch mit abneh-mender Tendenz - der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung aus der Kolonialzeit.

Tab. 1

Warenstruktur der Entwicklungsländer in vH 1988

Ländergruppen Rohstoff- Industriewaren-

exporte importe

Industrieländer 65,0 73,3

Entwicklungsländer 27,8 19,5

Östl. Handelsgebiet 7,2 7,2_

Quelle: nach Wagner/Kaiser, S. 107

Die Länderstruktur oder Regionalstruktur des Welthandels ist immer noch vom Übergewicht der Industrieländer gekennzeichnet. 1992 betrug ihr Anteil 72 %.1 Einen Großteil des Handels führen die Industrieländer untereinander durch. Allein im Jahre 1995 betrug der Intrahandel der EU 60 %.

Tendenziell ging der Anteil der Industrieländer allerdings ab den 70er Jahren zurück. Dieses ist der Preisentwicklung auf dem Rohölmarkt sowie den Anteilsgewinnen der Schwellenländer (s.Pkt. 2.4) zu verdanken. Der Anteil der übrigen Entwicklungsländer am Welthandel stagnierte weiterhin.

2.2 Außenhandelsintensität

Die Außenhandelsintensität kennzeichnet den Grad der Verflechtung einer Volks- wirtschaft in die internationale Arbeitsteilung (Weltmarktintegration). Eine der Hauptkennziffern der Außenhandelsintensität ist die Außenhandelsquote (vgl. Tab. 2). Sie bezeichnet das Verhältnis der Ex- bzw. Importe zum Bruttoinlandprodukt (BIP).

Tab. 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: nach Sell, S. 6

Die Hauptaussage der Tabelle 2 ist, daß die Weltmarktintegration in den zwei untersuchten Jahrzehnten in allen Ländern/Regionen angewachsen ist. Gleichwohl sind die größten Teilhaber der internationalen Arbeitsteilung die Industrieländer, weil sie eine hohe Außenhandelsintensität aufweisen. Das trifft allerdings auf die USA wegen des riesigen Binnenmarktes nicht zu. Dessenungeachtet gehören die Vereinigten Staaten neben Japan und der BRD vom absoluten Volumen her zu den drei größten Exporteuren der Welt.

Die Weltmarktintegration der Entwicklungsländer erweist sich gleichfalls als differenziert. Es zeigt sich ein Gefälle von den reichen Erdöl exportierenden Ländern über die Schwellenländer zu den ärmeren Entwicklungsländern.

2.3 Konjunktur und Außenhandel

Wie bereits angedeutet kann der Außenhandel als Ventil für konjunkturelle Schwankungen dienen. So ist es möglich, eine nationale Überproduktion durch verstärkte Exporte abzubauen.

Durch den steigenden internationalen Handel mit Gütern und Diensten wird die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit erhöht. Für Länder mit einem hohen Grad an Außenhandelsabhängigkeit steigt die „Fremdbestimmung“ des nationalen Konjunkturverlaufs, d. h. internationale Auf- und Abschwünge schlagen sich direkt in der Wirtschaft dieser Länder nieder. Die Übertragung von Konjunkturschwan- kungen erfolgt bei festen Austauschverhältnissen der Währungen (feste Wechsel- kurse) dadurch, daß bei einem konjunkturellen Anstieg Konsumenten und Produ- zenten des betreffenden Landes verstärkt Produkte auch im Ausland nachfragen. Das wirkt in den Partnerländern u. a. positiv auf die Beschäftigung. Umgekehrt können Konjunkturabschwächungen in den Partnerländern auch schädigend auf die Binnenwirtschaft einwirken.

Ein zweiter wichtiger Übertragungsmechanismus von konjunkturellen Schwankungen ist dadurch gegeben, daß inländische Kapitalanleger zunehmend auch im Ausland und ausländische Kapitalanleger zunehmend auch im Inland Kapital anlegen. Hier zeigen sich die gleichen Wirkungen wie beim Warenaus- tausch.

2.4 Die Stellung der Schwellenländer

Eine besondere Stellung unter den Entwicklungsländern nehmen gegenwärtig die Schwellenländer ein. Zu ihnen zählen Argentinien, Brasilien, Mexiko, Indien, Südkorea, Malaysia, Singapur und Taiwan. Aufgrund ihres fortgeschrittenen wirtschaftlichen Entwicklungsstadiums befinden sie sich auf der Schwelle zum Bereich der Industrieländer. Ihre Außenhandels- und Wirtschaftsdaten heben sich bereits heute kraß von der Mehrzahl der anderen Entwicklungsländer ab. Auf verschiedenen Industriesektoren entwickeln sich die Schwellenländer zu Konkurrenten der traditionellen Industrieländer.

3. Aktuelle Probleme der Entwicklungsländer im Welthandel

3.1 Protektionismus

Als Protektionismus bezeichnet man die Errichtung von Handelshindernissen. Er ist das negative Pendant zur Liberalisierung des Handels, zum Freihandel. In den ver- gangenen Jahrzehnten wurden die tarifären Hindernisse (Zölle) im Rahmen des GATT nach und nach reduziert. Im Zuge der wachsenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Industrieländer, insbesond ere der Massenarbeitslosigkeit, er- höht sich die Neigung zum Abschotten der eigenen Märkte. Damit kamen andere protektionistische Maßnahmen (als Ersatz für die gesenkten Zölle) zur Geltung, so z.B. Quotenregelungen (quantitative Einfuhrbeschränkungen). Ein Beispiel dafür ist das bestehende Welttextilabkommen (WTA), das für 50 Länder die Exportquoten regelt. Andere aktuelle Maßnahmen des Protektionismus sind:

- verschärfte Anti-Dumping-Gesetze (gegen das Eindringen in die Märkte durch Schleuderpreise) und
- staatliche Subventionen für Exporteure.

3.2 Bilateralismus

Das multilaterale GATT-Abkommen war im Sinne eines weltweiten Freihandels durch Zollabbau recht erfolgreich. Gleichwohl wird der Abbau multilateraler Handelshindernisse jedoch gestört, wenn er durch bilaterale Vereinbarungen zwischen den Industrieländern unterlaufen wird. Als Beispiel seien die Handelsabkommen zwischen der EU und den USA, sowie den europäischen Nichtmitgliedsländern, z.B. Norwegen und der Schweiz genannt.

Selbst wenn zwei Handelspartner sich exklusiv bestimmte Handelsvorteile ge- währen, schließen sie damit den Rest der Welt aus und diskriminieren ihn. Sie verstoßen damit gegen das (GATT-) Prinzip der Meistbegünstigung. Auch die sogenannten Gegengeschäfte gehören in die Kategorie des Bilateralismus. Unter Gegengeschäften versteht man Import-Export-Koppelungsgeschäfte zweier Partner, die einem dritten jeglichen Zugang in dieses Geschäft versperren.

4. Forderungen der Entwicklungsländer

Die Entwicklungsländer bilden heute die Mehrheit in der UNO. Entsprechend machen sie ihr politisches Gewicht in der Weltorganisation geltend. Ihren Forderungen nach einer Neuen Weltwirtschaftsordnung verleihen sie insbesondere auf den seit 1964 stattfindenden Welthandelskonferenzen (United Nations Conference on Trade and Development - UNCTAD) besonderen Ausdruck. Auf handelspolitischem Gebiet fordern sie basierend auf ihrer oben beschriebenen kritischen Situation u.a. folgende Veränderungen:

- Verbesserung des Zugangs zu den Märkten der Industrieländer (Verzicht der Industrieländer auf neue Handelshindernisse)
- Förderung des Industrialisierungsprozesses in den Entwicklungsländern (Zugang zu entwickelter Technologie, Stop des Braindrains, der Abwerbung hochqualifizierter Fachkräfte aus den Entwicklungsländern)
- Abbau der Schuldenberge (siehe Abschnitt zum Kapitaltransfer) Darüberhinaus gibt es eine Reihe spezieller Forderungen auf dem Rohstoffbereich, da der Rohstoffsektor immer noch der wichtigste Exportsektor der Entwicklungsländer ist. Diese Forderungen laufen vor allem auf eine Dämpfung der extremen Preisschwankungen für Rohstoffe durch internationale Rohstoffabkommen hinaus.

Quellen:

CZADA, P., u.a., 1992: Wirtschaftspolitik. 2. Aufl., Berlin.

NOHLEN, D. (Hg.), 1994: Lexikon Dritte Welt. 6. Aufl., Hamburg.

SELL, A., 1987: Tendenzen und Probleme im Welthandel.

In: Geographie heute, Heft 54, S. 4-13 WAGNER, N., KAISER, M.,1994: Ökonomie der Entwicklungsländer. 3. Aufl., Stuttgart, Jena.

WOLF, J.-H., 1995 Entwicklungspolitik - Entwicklungsländ er.

In: Geschichte und Staat, Band 308, S. 167- 237 Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, 1997 Statistische Grundzahlen der Europäischen Union. 33. Ausgabe, Luxemburg.

Punkt III: Die Entwicklungsländer im Welthande l

1. Warum Außenhandel ?

- AH ist Hauptindikator für die Teilnahme eines Landes an der intern. Arbeitsteilung.
- Kostenvorteile des AH, Krisenventil, politische Einflußnahme.

2. Merkmale des Außenhandels der Entwicklungsländer

2.1 Expansion des Welthandels, Veränderung der Waren- und Länderstruktur

- AH wächst generell schneller als BIP
- EL sind überwiegend Rohstoffexporteure und Industriewarenimporteure
- Der Welthandel wird zu ¾ von den Industrieländern bestritten, daher dominiert ihr Handel untereinander. Das tendenzielle Anwachsen der EL-Anteile ist lediglich den Ölexporteuren und Schwellenländern zu verdanken.

2.2 Außenhandelsintensität

- Kennzeichnet den Grad der Verflechtung einer Volkswirtschaft in die intern. Arbeitsteilung (Weltmarktintegration)
- Verstärkte AH-Intensität erhöht die Abhängigkeit der EL von den Industrieländern

2.3 Konjunktur und Außenhandel

- AH kann als Ventil für konjunkturelle Schwankungen dienen. Eine nationale Überproduktion kann durch verstärkte Exporte abgebaut werden.
- Erhöhte wirtschaftl. Abhängigkeit durch steigenden intern. Handel - „Fremdbestimmung“ des nationalen Konjunkturverlaufs steigt.

2.4 Die Stellung der Schwellenländer

- Sonderstellung unter den EL. Zu ihnen zähle n: Argentinien, Brasilien, Mexiko, Indien, Südkorea, Malaysia, Singapur, und Taiwan.
- Befinden sich auf der Schwelle zum Bereich der Industrieländer
- Auf versch. Industrie sektoren entwickeln sich die Schwellenländer zu Konkurrenten der traditionellen Industrieländer.

3. Aktuelle Probleme der EL im Welthandel

3.1 Protektionismus

- Protektionismus = Errichtung von Handelshindernissen
- Gegenteil von P. ist die Liberalisierung des Handels (Freihandel)
- Tarifäre Hindernisse (Zölle) wurden im Rahmen des GATT nach und nach reduziert. Gegenwärtig

schotten sich Industrieländer wegen wachsender wirtsch. Schwierigkeiten (Massenarbeitslosigkeit) immer mehr ab. Andere protekt. Maßnahmen kamen als Ersatz für gesenkte Zölle zur Geltung.

3.2 Bilateralismus

- bilaterale Handelsvereinbarungen (zwischen 2 Ländern) stören den Abbau multila teraler Handelshindernisse, weil durch exklus iv bestimmte Handelsvorteile zweier Handelspartner der Rest der Welt ausgeschlossen, bzw. diskriminiert wird.

4. Forderungen der EL

- Die EL bilden heute die Mehrheit in der UNO. Dort machen sie ihr politisches Gewicht geltend.
- Auf der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) fordern sie seit 1964 eine Neue Weltwirtschaftsordnung.

Forderungen der EL auf handelspolit. Gebiet:

-Vebesserung des Zugangs zu den Märkten der Industrieländer (Verzicht der IL auf neue Handelshindernisse)
- Förderung des Industrialisierungsprozesses in den EL (Zugang zu entw. Technologie , Stop des Braindrains, der Abwerbung hochqualifizie rter Fachkräfte aus den EL)
- spezielle Forderungen im Rohstoffbereich
- Abbau und Erlassung von Schulden, goßzügigere Entwicklungshilfe.

[...]

1 Wagner, Kaiser, S. 102

1 dies., S. 104

Details

Seiten
10
Jahr
1998
Dateigröße
349 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v103930
Note
2
Schlagworte
Welthandel Entwicklungsländer

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