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J. Goebbels - Sportpalast-Rede, Analyse

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 7 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Analyse der Rede Goebbels 1943 unter dem Schwerpunkt Demagogie

Nach der Schlacht von Stalingrad im Januar 1943 und der Kapitulation der deutschen Truppen bei Stalingrad droht dem nationalsozialistischen Deutschen Reich der Zusammenbruch. Nachdem die Katastrophe von Stalingrad eingetreten war, 90000 deutsche Soldaten in russische Gefangenschaft gekommen und über 140000 gefallen waren, stand der Krieg vor einer Wende zu Ungunsten der Deutschen. Anlässlich dieser hoffnungslosen Situation hielt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast eine der bedeutsamsten Reden seiner Amtszeit. Vor 14000 Menschen rief er die Forderung nach dem „totalen Krieg“ aus.

Goebbels Rede ist nicht wie es scheinen könnte eine bloße Meinungsrede. Er versucht zu überzeugen. Mit der Rede (die heute ein Musterbeispiel der politischen Demagogie ist) im Berliner Sportpalast verfolgte Goebbels mehrere Ziele: Sie sollte erstens das Stimmungstief überwinden, das nach Stalingrad in der Bevölkerung herrschte. Zweitens sollte durch die Forderung nach dem Einsatz aus „tiefsten Herzen“ eines jeden Deutschen die Bereitschaft zur "Radikalisierung" des Krieges unter dem Schlagwort "totaler Krieg" realisiert werden und drittens wollte er auch seine eigene Stellung und die des Führers durch diese Form der Propagandaleistung verbessern und somit das Vertrauen in die nationalsozialistische Führung wiederherstellen und stärken.

Die Auszüge der Rede möchte ich in zwei Teilen analysieren:

Der erste Teil [Z. 1-92] ist inhaltlich nur sehr schwer in Abschnitte zu gliedern. Alle Sinnabschnitte sind durch Floskeln und die immer wiederkehrenden appellartigen Sätzen mit einander verwoben. Goebbels nimmt im ersten Abschnitt [Z. 1-23] Bezug auf die Vorkommnisse der vergangenen drei Wochen. Die Ereignisse in Stalingrad bezeichnet er als „erschütternd“. Er charakterisiert die Opfer der Schlacht als „Helden“ und suggeriert den Zuhörern „daraus noch zusätzliche Kraft zu schöpfen“ [Z. 20f.]. Den folgenden Abschnitt [Z. 24-62] kann man inhaltlich als eine einzige Leerformel bezeichnen. Goebbels legt hier die Prinzipien und Maximen dar, durch die sich das Deutsche Volk aus der „Bedrängtheit der Situation“ [Z. 33f.] lösen könne. Darunter fallen: „Entschlossenheit“, „Mut und Kühnheit“, „zähe Verbissenheit“ und „ein ehernes Herz“. Goebbels fügt ein, dass das Volk die „volle Wahrheit“ ertrage und appelliert, den „Blick nach vorne zu lenken“ [Z. 46f.]. Die Aussage des dritten Abschnittes [Z. 63-92] ist vergleichbar mit der des 2. Abschnittes. Goebbels rechtfertigt die gegenwärtige Lage mit der Notwendigkeit des Krieges seit der Machtergreifung 1933 durch die Nationalsozialisten. Die momentanen „Gefahren und Schwierigkeiten“ seien seinen Maßstäben nach der „vollkommenen Bolschewisierung des europäischen Kontinents“ [Z. 92] vorzuziehen.

Goebbels hält seine Rede direkt vor 14000 Menschen im Sportpalast, hinzu kommen Millionen von Menschen, die diese Rede im Radio verfolgen können. Die repräsentative Funktion der Anwesenden wird im zweiten Teil der Rede noch deutlicher, dennoch unterscheidet er noch im ersten Abschnitt [Z. 1-23] in der Anrede („zu Ihnen und zum Deutschen Volk“ [Z. 3 & 22]). Emotional stellt er sich mit den Zuhörern auf die selbe Ebene, wahrscheinlich, um Volksnähe und Konformität zu signalisieren („für mich und wohl auch für Sie alle“ [Z. 10] & „für mich und für uns alle“ [Z. 23]). Die Differenzierung verschwindet im Laufe der Rede und die Konformität und Solidarität spiegelt sich deutlich in den Anreden wieder („Wir...“, „Wir Deutschen“, „...zu Ihnen allen“). Eine wichtige Funktion in der Rede übernimmt die Heroisierung der Stalingrad-Opfer („heldenhaften Kämpfer von Stalingrad“ [Z. 11] & „Helden von Stalingrad“ [Z. 21]). Was er als „Verpflichtung“ gegenüber den Helden beschreibt ist nichts weiter als ein Appell zur Rache. Indem Goebbels diesen Hintergedanken („Gedächtnis an die Helden von Stalingrad soll also auch heute...“ [Z. 21f.]) suggeriert, wird die Basis für eine frenetisch gefeierte Rede geschaffen. Die Katastrophe in Stalingrad wandelt Goebbels somit in ein fast schon sagenhaftes Geschehen um, wertet sie in eine heroische Großtat „in dieser großen Zeit“ [16f.] auf. Vielleicht kann man den ganzen Absatz als eine breit angelegte Form des Euphemismus bezeichnen.

Der folgende Abschnitt ist mit vielen Stilmitteln versehen und von mehreren Leerformeln und Parallelstellen durchzogen. Nicht nur sein geforderter Krieg und das Regime ist „total“, die Totalität findet auch Ausdruck in den Attributen die über gesamte Rede hinweg von Goebbels verwendet werden. Die Bezeichnungen „Ganzer heiliger Ernst“, die „volle Wahrheit“, „volle Offenheit“ und „das gesamte deutsche Volk“ wirken sehr extrem, sind aber ebenso wirksam, um jegliche Zweifel (gerade gegenüber der Wahrheitsbeteuerung) auszuschließen. Ähnliche Funktionen übernehmen die Superlative („tiefsten Herzen“, „härteste Folgerungen“ „höchste Tugenden“). Auffällig ist die immer wiederkehrende Dreigliedrigkeit in Goebbels Rede. Die Satzanfänge „Ich möchte...“, [Z.26], „ich glaube...“ [Z. 27] und „ich will...“ [Z. 28] stehen zusammen mit den „Totalisierungswörtern“ „allen“, „gesamte“, „ganzen“ [Z. 26, 27, 29]. Den eindringlichen, parolenartigen Charakter erhält sein Redestil durch die permanente Verwendung von Synonymen. In diesem Fall benutzt er zum Beispiel „Schläge und Unglücksfälle“ [Z. 36] oder „Schwierigkeiten und Hindernisse“ [Z. 38] als Hendiadyoin innerhalb eines Asyndetons. Der folgende Abschnitt [Z. 39-45] ist eine einzige Leerformel. Spätestens hier testet er die „Erblindung“ und „Ertaubung“ der Zuschauer. In diesem Abschnitt klingt die Sinnfrage an. Heute erkennt man anhand dieser Textstelle die aussichtslose Situation, in der sich das Regime und das deutsche Volk zu diesem Zeitpunkt befand. Die Aussage der Zeilen ist im Grunde genommen: „Frag nicht, wie alles gekommen ist, Stalingrad war nicht umsonst, warum, das wird die Zukunft zeigen!“ Immer wieder beteuert Goebbels mit „voller Offenheit“ [Z. 40], „voller Wahrheit“ [Z. 31] und mit „voller Absicht“ [Z. 47] ein „ungeschminktes Bild der Lage“ [Z. 63] zu vermitteln.

Besonders klar fordert er im folgenden Abschnitt [Z. 46-62] die Prinzipien und Einstellungen, die er von den Deutschen erwartet. In dreigliedriger Form fordert er „unverzüglich, schnell und gründlich“ [Z 48f.] zu handeln. In diesem Teil strukturiert er in drei Teile und verwendet von diesem Zeitpunkt an nicht mehr die Anrede „ihr“ sondern die Anrede „wir“ [Z. 48]. „Wir müssen“, „wir gleichen nicht“ [Z. 54] und „wir sind“ [Z. 55] bilden die Satzanfänge im Folgenden. Es kommt eine sehr bildhafte Sprache („wir gleichen nicht dem Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt“ [Z. 53f.]) zum Ausdruck. Auch hier verwendet er unter polyasyndetischer Verknüpfung viele Synonyme, diesmal aber nicht unmittelbar hintereinander. Geschickt verschachtelt er in Parataxen jeweils zwei Tugenden dreier Bedeutungen: („mutig“ und „kühn“ [Z. 55]; „fester Entschlusskraft“ und „entschlossenen Willen“ [Z. 56/58f.]; „erhobenen Haupte“ und „ehernes Herz“ [Z. 56/61].

Im Mittelpunkt des letzten Abschnittes [Z. 63-92] steht die Rechtfertigung des Krieges. Auch in diesem Fall ist aus wirkungspsychologischen Gründen das inhaltliche ZWAR [Z. 63-76] vor dem ABER [Z. 77-92]. Er gesteht ein, dass man eine „schwere militärische Belastung“ [Z. 66] erlebe. Dieser Abschnitt [Z. 63-76] ist sowohl inhaltlich als auch formal dem Abschnitt [Z. 39-45] sehr ähnlich. Hier tritt ebenfalls der Hinweis auf, später einmal über die Ursachen zu sprechen. Wie genau die von ihm genannten „Mittel und Wege“ [Z. 70] aussehen, sagt er nicht. Daher ist auch dieser Abschnitt eine Leerformel. Er versichert dem Deutschen Volk zweimal ein „ungeschminktes Bild der Lage“ [Z. 63f.] und kein „täuschendes Bild der Lage“ [Z. 73] zu vermitteln. Doch diese von ihm scheinbar gemiedene Kosmetik betreibt er spätestens im nächsten Abschnitt, dem inhaltlichen ABER, und somit der Rechtfertigung für die gegenwärtige Situation. Auch hier fällt wieder eine sich wiederholende Dreigliedrigkeit auf. Er formuliert [Z. 80-84] die hypothetische „was wäre, wenn..?“ - Frage, die rhetorisch gestellt ist, indem er drei mal durch die Konjunktionen Und & Oder verknüpft: Er fragt „ernst und eindringlich“ [Z. 81], was aus „Deutschland und Europa“ [Z. 82] geworden wäre, wenn ein „bürgerliches oder demokratisches“ [Z. 83f.] Regime an die Macht gekommen wäre. Indirekt wertet er durch diese Frage die Demokratie ab. Im folgenden Abschnitt taucht wieder drei Mal die Anrede „wir“ auf. Die „Gefahren und Schwierigkeiten“ [Z. 88], die er gleich zweimal einfügt stehen im direkten Zusammenhang mit der Entscheidung, der „Vernichtung des Reiches“ [Z. 91] vorzubeugen. Der erste Abschnitt und der letzte Abschnitt rahmen den restlichen ersten Teil der Rede ein. In beiden wird Rückbezug auf den Führer, seine Proklamation und die Vergangenheit genommen (bes. auf den 30. Januar).

Goebbels argumentiert hier aus heutiger Sicht sehr fadenscheinig. Er nennt keinen Ausweg, gesteht aber auch nicht die Ausweglosigkeit. Wenn man der „vollkommenen Bolschewisierung“ vorbeugen möchte, dann müsse man „Gefahren und Schwierigkeiten“ standhalten können.

Der zweite Teil ist der Schlussteil der Rede. Er richtet zehn Fragen an die Zuhörer, die das deutsche Volk in diesem Augenblick repräsentieren. Da diese Fragen zur ausdrücklichen Antwort aufrufen sprechen nun diese 14000 Menschen im Berliner Sportpalast stellvertretend für die Deutsche Nation. Goebbels nutzt in diesem Augenblick die Massenhysterie. Der Demagoge wendet sich an die Emotionen der Zuhörerschaft:

Die ersten fünf Fragen sind alle parallel aufgebaut. Alle fangen an mit: „Die Engländer behaupten, das deutsche Volk “. Diese Anapher ruft Eindringlichkeit hervor und zwingt zuzuhören. Die Fragen beziehen sich ausdrücklich auf den Sieg. Sie suggerieren die Notwendigkeit des „totalen Krieges“ und fragen nach dem Vertrauen zum Regime. Das deutsche Volk beteuert durch die Zustimmung auf die einzelnen Fragen 1. den Glauben an den Führer, 2. das Versprechen, den Kampf mit wilder Entschlossenheit bis zum Sieg fortzusetzen, 3. bis zu 16 Stunden täglich zu arbeiten, 4. den totalen Krieg zu wollen, 5. dem Führer bedingungslos zu Folgen. Die Masse äußert hier ein blindes Vertrauen. Zweifellos hat die Formulierung der Fragen, gerade nach den Vertrauensbekundungen dem Führer gegenüber etwas glorifizierendes an sich: „Glaubt ihr an den Führer“, „auf allen seinen Wegen zu folgen“ oder „mit heiligem Eid“. Vielleicht bilden die zehn Fragen eine Art Analogie zu den Zehn Geboten(?). Goebbels verwendet Floskeln: „Wilde Entschlossenheit“ kam in dieser Kombination schon mal im ersten Teil vor, „dick und dünn“. Die nächsten vier Fragen (6.-9.) fordern das Einverständnis, auch das letzte zu geben. Sie fordern auch den Einsatz der Frau und die Missbilligung von Deserteuren. Der Einsatz „ganzer Kraft“ wird gleich zweimal gefordert. Das deutsche Volk verspricht durch die Zustimmung 6. alles zu tun, um den Bolschewismus zu besiegen, 7. sich hinter die kämpfenden Soldaten zu stellen, 8. den Arbeitseinsatz von Frauen, um Männer für den Kampf zu entlasten und 9. die „radikalsten“ Maßnahmen zu billigen. Die zehnte Frage fordert Solidarität und Gleichbehandlung. Signalwort ist hier „gleich“, das für „hoch und niedrig“ und „arm und reich“ umgesetzt werden soll.

Alle Fragen sind ein Gemisch aus sachlicher Forderung, deren Zustimmung sich fatal auf die Deutsche Nation auswirken sollte, und emotionalem Appell. Der Demagoge stellt seine Sachfragen emotional so geschickt, dass das Volk sie nur in eine Richtung beantworten kann.

Seine zehn Fragen umrahmt er nochmals mit der repräsentativen Gehalt seiner „Meinungsumfrage“. Denn nun kann er im Namen des Deutschen Volkes sprechen und seine Forderungen und Appelle formulieren. Es folgt wieder ein Absatz der dreigliedrig ist. Dreimal steht: „wir geloben“; danach „wir verpflichten“ und „wir wollen nie..“. Gerade seine Forderung, keine „Objektivitätsduselei“ zu betreiben ist heute als höchst zynisch zu betrachten. Denn unmittelbar daneben in der Rede findet sich der Appell, dem Führer „unbedingt und blindlings“ zu vertrauen. Auch „Herz“ ist in diesem Abschnitt ein Signalwort für den emotionalen Charakter seiner Rede. Die Leidenschaft der Herzen vergleicht er bildhaft mit einem „ewig brennenden Feuer“.

Die letzten beiden Absätze sind streng strukturiert. Zuerst schreibt er, was der Führer erwarte. Auch hier taucht wieder das „Herz“ auf. Der zweifache Hinweis auf das, was dem „Lebenskampf dient“ und das, was dem „Lebenskampf schadet“ ist auch wieder eine Leerformel. Sowohl Männern als auch Frauen gibt er das Attribut „wahr“. Goebbels selbst bezeichnet den Moment mit der „Stunde der nationalen Besinnung“. Besonders am Ende seiner Rede wird der Appell nach blindem Vertrauen, was er mit der „treuen und unverbrüchlichen“ Unterordnung unter den „Dienst des Führers“ bezeichnet, deutlich. Zum Schluss formuliert er in dreigliedriger Form die Überleitung zum Hauptappell seiner Rede: „Wir sehen“ und „wir müssen“, „wir müssen nur“. Sein „darum lautet die Parole“ ist weniger eine Begründung als eine Scheinkausalität.

Dass Goebbels Rede die Massen im Sportpalast hypnotisiert hat, lässt sich heute aus Protokollen und Tagebucheinträgen entnehmen. Goebbels mobilisiert die Begeisterung der Massen und nutzt sie aus, um eine fatale Zustimmung zu erlangen. Gerade weil er sich die Medien zu Nutze machte und immer wieder auf den repräsentativen Aspekt hinwies, zog er auch die Millionen Zuhörer vor den Radiogeräten in seinen Bann. Die Folge: über 27 Mio. Soldaten fielen, über 25 Mio. Zivilisten mussten sterben.

Ich finde es erstaunlich, wie eine solche Anreihung von Leerformeln und heute zweifelhaften und unverständlichen Aussagen (die perversesten Aussagen der Rede zur Rassenpolitik waren zum Glück nicht zu analysieren) derartige Massen mobilisieren konnte. Gerade die Bemerkungen über Wahrheit, ungeschminkte Bilder, Objektivität und Ursachenforschung wirken heute mehr als zynisch. Goebbels Rede peitsche Millionen von Menschen durch parolenartige, durch viele Wiederholungen eindringlichen Stil nicht nur nationalsozialistisches Gedankengut ein, sondern er peitsche bis zur völligen „Erblindung“ des Volkes. Auch wenn er selbst von den Emotionsausbrüchen der 14000 Menschen im Berliner Sportpalast berührt war, so ist es erschreckend, mit welcher Unverfrorenheit er den Zuhörern gegenüberstand. Seine Rede ist von vornherein so aufgebaut, dass durch sie nach und nach immer mehr Emotionen freigesetzt werden konnten, so dass es für ihn fast schon ein Kinderspiel war, seine zehn Fragen zu stellen. Man könnte Goebbels als o nicht nur als brillanten (und das in einem sehr negativen Sinne) Demagogen, sondern auch als einen Motivationskünstler sondergleichen bezeichnen. Er rechnete mit der Reaktion der Zuhörer und missbrauchte diese zur Verwirklichung seines „totalen Krieges“. Dieses Wort ist übrigens sehr geschickt gewählt. „Total“ lässt weder unmittelbaren Folgen, noch langfristige Konsequenzen vermuten. Dass der Demagoge sich definitionsgemäßnicht an den Verstand wendet, kann durch diese Rede eindeutig bewiesen werden. Das Volk vertraut sich bedingungslos dem „Führer und dem Verführer“ an. Goebbels erreicht dies durch Suggestion der Konformität und Solidarität. Im Sportpalast entsteht ein Wir-Gefühl, dass sich über die Radios in alle Welt verbreitet. Die Betonung der Gemeinsamkeiten formuliert er in der gemeinsamen Vergangenheit. Ich finde es erschreckend, dass durch ihn das Wort Demokratie subtil dem Volk als etwas negatives verkauft wird. Die Demokratie als Volksherrschaft ist zwar das, was er durch die Zustimmung auf seine zehn Fragen simulieren möchte, dennoch haben die Menschen zu diesem Zeitpunkt keine andere Möglichkeit gehabt. Durch gezielte Auf- und Abwertung von Ereignissen, Verhalten und Prinzipien erreicht er eine schicksalsschwere Meinungskonformität.

Ich selbst stelle mir die Fragen: Was hätte ich am 18.2.1943 gemacht? Wie hätte ich reagiert, wenn ich unter den Menschen im Sportpalast gewesen wäre? Ich weißes nicht, und ich schließe nicht aus, dass ich wie alle anderen frenetisch applaudiert und geschrieen hätte. Aber dass eine ähnliche Form der Demagogie noch heute, nach dem 2. Weltkrieg, in einigen Staaten erfolgreich praktiziert wird lässt die Frage als berechtigt erscheinen: „Hat der Mensch nicht gelernt, oder gibt es eine Allmacht der Worte, der er sich nic ht entziehen kann?

Details

Seiten
7
Jahr
2000
Dateigröße
340 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104138
Note
14 Punkte
Schlagworte
Goebbels Sportpalast-Rede Analyse

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Titel: J. Goebbels - Sportpalast-Rede, Analyse