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Die Honigbiene. Orientierungssinn, Sprache, Bau und Fortpflanzung

Die rote Mauerbiene Osmia Rufa

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 10 Seiten

Biologie - Zoologie

Leseprobe

Bienen

Definition Biene

Während die meisten Insekten nur für sich selbst sorgen, leben die Bienen in großen Gemeinschaften, sie sind „soziale“ Insekten. Das heißt, jedes einzelne Tier arbeitet für das Wohl der Gemeinschaft.

Bienen leben im Bienenstock, der aus doppelschichtigen Waben besteht, die sich wiederum aus sechseckigen Zellen aus Wachs ( Drüsenausscheidung der Arbeiterinnen) zusammensetzen.

An der Spitze des Volkes steht die Königin, deren einzige Aufgabe es ist, Eier zu legen. Sie ist wesentlich größer als die anderen Bienen und wird von den Arbeiterinnen versorgt. Diese (10.000 - 15.000 im Winter, im Sommer bis zu 60.000 pro Bienenstock) können keine Eier legen. Sie haben die Aufgabe, die Bienenlarven zu Pflegen und Nahrung in Form von Pollen und Nektar aus Blüten zu sammeln und herbeizuschaffen, wobei die Pollen an den Härchen der Bienen hängenbleiben, in Körbchen an den Hinterbeinen transportiert und im Stock abgestreift werden. Beim Sammeln der Pollen bestäuben die Bienen zugleich die Pflanzen, was für uns noch wichtiger ist als der Bienenhonig, weil wir sonst auf viele Früchte verzichten müssten. Als Verständigungsmittel dienen den Arbeiterinnen Düfte und Bewegungen. Sie informieren ihre Stockgenossinnen durch Rund- oder Schwänzeltänze über Entfernung und Richtung einer reichen Nahrungsquelle. Die Richtung des Tanzes (nach oben oder unten) gibt die Richtung der Nahrungsquelle zum Sonnenstand an. Das Tempo des Tanzes gibt die Entfernung der Quelle an.

Der Nektar, ein flüssiges Pflanzensekret, wird von den Bienen in Honig umgewandelt.

Der dritte Bienentyp sind die größeren, gedrungenen, männlichen Bienen, die Drohnen (500-2000 Tiere pro Bienenstock), deren einzige Aufgabe es ist, mit einer neuen Bienenkönigin den Hochzeitsflug zu unternehmen. Im Herbst nach diesem Begattungsflug werden die stachellosen Drohnen von den Arbeitsbienen getötet oder aus dem Stock vertrieben. Die Arbeiterinnen besitzen einen giftigen Stachel, den sie beim Zustechen verlieren. Sie selbst sterben dabei.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Orientierungssinn der Honigbiene

Im Bienenhaus ist es stockdunkel. Und trotzdem finden sich dort bis zu 70.000 Honigbienen zurecht. Sie können gemeinsame Waben bauen, die aus sechseckigen Zellen zusammengesetzt sind. Sie nutzen die Waben als Speicher für Nektar und Pollen und für ihre Brut. Wie gelingt dieses den Insekten? Bei der Verständigung im dunklen Bienenstock sind die Insekten hauptsächlich auf ihren Tastsinn und auf ihren Geruchssinn angewiesen. Bienen tasten und riechen mit ihren beiden beweglichen Fühlern. Die letzten 8 Fühlerglieder sind nicht besetzt mit mikroskopisch kleinen Sinnesorganen, den Tastorganen und den Geruchsorganen. Durch Berührungen und Duftstoffe werden Sinneszellen gereizt, die unter einer dünnen Chitinhaut liegen. Tasten und Riechen wirken bei der Orientierung also eng zusammen. So entseht bei den Bienen vermutlich ein räumliches Bild, z.B. von den sechseckigen Wachszellen in dem finsteren Bienenstock. Wie die Bienen haben auch die anderen Insekten entsprechende Sinnesorgane in den Fühlern.

Außerhalb des Stockes orientieren sich die Bienen nicht nur mit den Fühlern, sondern auch mit den Augen. Wie alle Insekten besitzt die Honigbiene zwei aus vielen Einzelaugen zusammengesetzte Augen. Wir können diese auf der Augenoberfläche mit der Lupe als ein feines Muster von sechsecken erkennen. Solche aus Einzelaugen zusammengesetzte Augen heißen Netzaugen oder Facettenaugen. Bei der Biene setzen sie sich aus jeweils 5000 Einzelaugen zusammen. Jedes Einzelauge hat die Form einer Sechseckpyramide. Unter jedem sechseckigen Feld liegt ein stark lichtbrechender Glaskörper, an den sich die Sinneszellen anschließen. Jedes dieser Augen nimmt einen Blickpunkt wahr. Alle Bildpunkte werden über Nervenzellen zum Gehirn geleitet. Dort entsteht, wie aus Mosaiksteinchen zusammengesetzt, ein rasterförmiges Gesamtbild ähnlich einem vergrößerten Zeitungsbild.- Bienen können Farben unterscheiden und außerdem das für uns unsichtbare ultraviolette Licht der Sonne wahrnehmen. Das ultraviolette Licht durchdringt die Wolkenschicht, so dass sich die Bienen auch bei bedecktem Himmel auch nach dem Sonnenstand orientieren.

Die Sprache der Bienen

Eine der verblüffendsten Errungenschaften höherer Bienenstaaten ist die Entwicklung einer Art Sprache. Die Tanzsprache der Honigbienen ist eine der höchsten und abstraktesten Sprachleistungen des ganzen Tierreiches. Sie ermöglicht es heimkehrenden Sammelbienen, ihren Stockgenossinnen Richtung und Entfernung einer Futterquelle mitzuteilen. Je nach Situation wird einer von zwei Tänzen aufgeführt: Befindet sich die Futterquelle nur wenige Meter vom Nest entfernt, machen die Sammlerinnen einen „Rundtanz“. Dieser bedeutet: „Sucht Futter in der Nähe des Nestes! Ihr findet es, wenn ihr den Gerüchen folgt, die an mir haften.“ Über weiter entfernte Futterquellen gibt der Schwänzeltanz Auskunft. Dabei beschreiben die Sammlerinnen auf der senkrechten Wabenfläche eine gestauchte Achterfigur; der wichtigste Teil dieser „gequetschten Acht“ ist das Mittelstück zwischen den beiden Schleifen: die Schwänzelstrecke. Dieses Stück wird - wie der Name sagt - unter heftigen Schwänzelbewegungen des Hinterleibes durchlaufen. Die Richtung, in der die Schwänzelstrecke durchlaufen wird, gibt Auskunft über den Standort der Futterquelle. Schwänzeln nach oben bedeutet: „Das Futter liegt in Richtung Sonne.“ Schwänzeln nach unten heißt: „Das Futter liegt, vom Stock aus gesehen, gerade entgegengesetzt zur Sonnenrichtung.“ Entsprechendes gilt auch für alle Zwischenrichtungen: Immer bedeutet der Winkel der Schwänzelstrecke zur Vertikalen die Richtung des Futters relativ zur Sonnenrichtung.

Wer das reichlich abstrakt findet, braucht sich nicht zu genieren. Stattdessen staune er, daß die Bienen mit ihrem kubikmillimetergroßen Gehirn eine Sprache anwenden, die unserem „Zwei-Liter-Denkorgan“ solche Mühe bereitet. Aber damit ist der Informationsgehalt des Schwänzeltanzes noch nicht erschöpft; nicht nur über die Richtung, auch über die entfernung des Futters gibt er Auskunft: Je schneller die Schwänzelstrecke durchlaufen wird, desto näher beim Stock befindet sich die Futterquelle. Ein Schwarm von Nachttänzerinnen verfolgt den Tanz der heimgekehrten Sammlerin aufmerksam und ist nachher in der Lage, die mitgeteilte Futterquelle gezielt anzufliegen.

Natürlich kann eine so komplexe Symbolsprache nicht vom Himmel fallen. Auch hier muß es Vorstufen geben. Auf der Suche nach solchen Vorstufen wurde Martin Lindauer, der große Erforscher der Bienensprachen, bei der indischen Zwerghonigbiene fündig. Ihr Nest besteht nur aus einer etwa handtellergroßen Wabe, die an einem Baumast hängt. Auch die Zwerghonigbiene kennt den Schwänzeltanz. Ihr Tanzplatz ist aber nicht wie bei unserer Honigbiene eine senkrechte Wabenfläche im finsteren Stock, sondern die flache obere Abdachung der Wabe - also eine horizontale Fläche unter freiem Himmel. Entscheidend ist nun folgendes: Beim Schwänzeltanz der Zwerghonigbiene zeigt die Schwänzelstrecke direkt die Richtung der futterquelle an. Wenn man der Zwerghonigbiene zuschaut, versteht man, daß diese Schwänzelstrecke als ritualisierter Start zu einem Flug gedeutet werden muß. Die Tanzbiene teilt also ihren Stockgenossinnen mit: „Sehr her, in diese Richtung müßt ihr losfliegen, um zum Futter zu kommen.“ Erst die Umdeutung der Sonnenrichtung auf die Vertikale, wie sie unsere Honigbiene vornimmt, macht den Tanz kompliziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bienen als Baumeister

Die sechseckige Präzision der Honigbienenwaben gehört zweifellos zu den erstaunlichsten Bauleistungen im ganzen Tierreich: Auf den Hundertstel Millimeter genau wird die Wandstärke der Waben bemessen, auf das Grad genau die einzelne Wabe geneigt, so daß der Honig nicht ausläuft. Von 20.000 Bienenarten leben 85% nicht in Staaten, sondern solitär. Bei solitären Bienen baut jedes Weibchen sein eigenes Nest. Die Nester der Solitärbienen dienen nicht in erster Linie als Unterschlupf für die Bienen selbst, sondern als geschützte Aufzuchtträume für die Eier-, Larven- und Puppenstadien.

Nur wenige solitäre Bienenarten übernachten in ihren Bauten; viele schlafen unter freiem Himmel, etwa indem sie sich mit ihren Mandibeln an einem Grashalm festbeißen.

Die Vielfalt der Nestkonstruktionen ist verblüffend: Zement, Stein, Dung, Erde, Holz, Harz, Wolle, Wachs, plastikartige Polymere- mit Ausnahme der Metalle gibt es kaum ein Baumaterial, das nicht irgendwo auf der Welt von irgendeiner Bienenart verwendet wird. Auch bereits vorhandene „ Fertigelemente“ werden sinnreich umfunktioniert, so zum Beispiel Schneckenhäuser, bestehende Höhlungen im Holz, hohle Pflanzenstengel, Pflanzengallen, Laub- und sogar Blütenblätter.

Die meisten solitären Bienen nisten in der Erde. So die Mehrzahl der Arten aus den Familien der Seidenbienen (Colletidae), Sandbienen (Andrenidae), Hosen- und Sägehornbienen (Melittidae), Furchenbienen (Halictidae), und Pelzbienen (Anthoporidae). Im allgemeinen werden trockene, leichte Böden bevorzugt, die schon zeitig von der Morgensonne durchwärmt werden. Im Boden herrscht kein Platzmangel, deshalb können Bodennester großzügig angelegt werden. So dringen Furchenbienen der Art Halictus quadricintus bis zwei Meter tief in den Boden ein, typisch sind aber doch eher etwa 30 bis 50 Zentimeter tiefe Gänge. Doch ob sie nun 20 oder 200 Zentimeter tief graben, ein Problem stellt sich für alle diese Bodennister: Wie schützt man einen hochwertigen Nahrungsbrei aus Pollen und Honig gegen Pilze, Bakterien, Würmer und Milben? Je höher die Bodenfeuchtigkeit, desto mehr wuchern diese Kleinorganismen.

Aus diesem Grund bevorzugen die meisten Bienen trockene Böden. Aber das genügt nicht, denn ein gewisses Maß an Feuchtigkeit enthält fast jeder Boden.

Besonders gefährlich scheinen die Pilze zu sein. Bis zu 50 % der Brut bodennistender Bienen fällt ihnen zum Opfer. Pilzsporen werden schon mit dem Larvenfutter -also mit Nektar und Pollen- eingeschleppt, aber anfangs verhindert die hohe Zuckerkonzentration des Futters das Auswachsen der Pilzfäden. Doch gerade wegen seiner hohen Konzentration ist das Futter hygroskopisch- das heißt, es zieht Wasser an und verdünnt sich dadurch allmählich. Ist ein bestimmter Punkt überschritten, beginnen sich die eingelagerten Pilze plötzlich sehr schnell zu vermehren und überwuchern das Futter. Die fressende Larve bekommt dann Durchfall, geht ein und wird ebenfalls von den siegreichen Pilzen durchsponnen und schließlich aufgelöst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Fortpflanzung

Bienenweibchen sind es, die den größten Teil der Bestäubungsarbeit leisten, in dem sie für ihre Nachkommen Nektar und Pollen sammeln; sie sind es, die kunstvolle Nester bauen. Auch die höchsten Leistungen der Bienenwelt, die Staatengründungen und die Entwicklung der Tanzsprache, gehen auf das Konto der Weiblichkeit. Nichts gegen Frauen, aber schön ist es trotzdem, daß wir in diesem Kapitel zur Abwechslung einmal etwas von den Bienenmännern hören - auch wenn es dabei nur um ihre Frauengeschichten geht. Aber immerhin: im Sexualleben der Bienen kommt den Männchen die aktivere Rolle zu.

In den ersten Frühlingstagen kann ein aufmerksamer Beobachter an blühenden Weidenkätzchen ganze Ansammlungen von Wildbienenmännchen finden - und kaum ein Weibchen. Einige Tage später hat sich das Verhältnis umgekehrt. Die Erklärung ist einfach: bei den meisten Bienenarten schlüpfen die Männchen zuerst aus. So haben sie Zeit, sich auf das Erscheinen der Weibchen vorzubereiten, sich gewissermaßen in die Startlöcher zu begeben, denn Balz und Sex ist ihr einziger Lebenszweck.

Unter der Lupe erkennt man Bienenmännchen daran, daß ihre Fühler aus 13 Gliedern bestehen, gegenüber nur 12 bei den Weibchen. Die Männer einiger weniger Bienenarten tragen allerdings auch besser sichtbare Geschlechtsmerkmale zur Schau. So geben sich beispielsweise die männlichen Mörtelbienen an ihrem schönen braunen Pelz zu erkennen. Die Weibchen sind dunkler, fast schwarz gefärbt.

Doch nicht die Schönheit spielt im Geschlechtsleben der Bienen die Hauptrolle, sondern das Parfüm. Bei Seidenbienen und Sandbienen produzieren Männchen wie Weibchen in ihren Mandibulardrüsen stark duftende Sekrete, die von Art zu Art verschieden sind. Diese arteigenen Duftnoten dürften das Zueinanderfinden der Geschlechter erleichtern und Paarungen zwischen artfremden Partnern verhindern. Auch Hummel- und Furchenbienen-Männchen erkennen die zu ihnen passenden Weibchen am arteigenen Duft und erzeugen zudem ihre ganz eigenen, männerspezifischen Gerüchlein.

Auch nicht immer sehr höflich verläuft der Verkehr zwischen den Geschlechtern. Der schon erwähnte Bienenforscher Barrows beschreibt die Hochzeit der amerikanischen Trugbienen Perdita texana folgendermaßen: „ Wartend sitzen die Männchen auf den Blüten- und Staubblättern“. Nähert sich ein pollensammelndes Weibchen, „wird es von hinten überfallen und bestiegen. Wenn es überhaupt irgendwelche Balzhandlungen gibt, laufen sie zu schnell ab, als das man sie beobachten könnte. In der ersten Popolation hält das Männchen den weiblichen Hinterleib mit allen sechs Beinen, bis es schließlich die gefalteten Flügel und die Taille des Weibchens mit den Mandibeln zu fassen kriegt; dann löst es die mittleren und hinteren Beine und streckt sie gewöhnlich vom Körper ab. Die Spitze des männlichen Hinterleibes ist unter diejenige des Weibchens gebogen und kontrahiert zwei bis drei mal pro Sekunde.

Bei den gesellig balzenden Bienen stürzt sich mitunter ein ganzer Männchenschwarm auf ein auftauchendes Weibchen, sodaß für eine Weile nichts als ein wild strampelndes Knäuel zu sehen ist. Wirklich zum Zug kommt aber nur einer - der Schnellste.

Der Balzplatz

Der Balzplatz - wo ist das? Tatsächlich stellen die Bienenmännchen den Weibchen nicht einfach planlos nach, sondern lauern ihnen dort auf, wo sie vorbeikommen müssen. Der amerikanische Wildbienenforscher Edward M. Barrows hat bei 49 Bienengattungen untersucht, wo „man“ und „frau“ sich trifft im Lande Honigtau. Die beliebtesten Treffpunkte für einsame Herzen waren bei 41 Prozent der untersuchten Bienenarten die Blüten, die auch zum Sammeln von Nektar und Pollen aufgesucht werden. Auch wir Zweibeiner verabreden uns ja schließlich gerne in einem Restaurant, wo wir uns das Warten mit Essen und Trinken verkürzen können. Einige Bienenmännchen, wie etwa die Männchen der Trugbienen, übertreffen aber noch die schlimmsten menschlichen Wirtshaushocker: sie verlassen die „Kneipe“ zeitlebens nicht mehr. Von der Puppe bis zur Bahre lungern sie um gelbe Korbblütler herum, wo sie alles finden, was sie sich nur wünschen können, nämlich „Wein“, Weib und Unterschlupf für die Nacht - von Gesang halten sie nichts.

„Treffpunkt Blüte“ also ist Nummer eins, dicht gefolgt von „Treffpunkt Nest“ - 38 Prozent die Bienenmännchen warten dort auf ihre Partnerinnen, um sie sofort nach dem Ausschlüpfen zu begatten. Einige Bienenkavaliere, zum Beispiel die Männchen der amerikanischen Sandbiene Andrena erigeniae gehen sogar soweit, die gerade schlüpfenden Weibchen auszugraben, noch bevor diese von selbst aus der Nestöffnung kommen. „Cherchez la femme“ - die ungeduldigen Liebhaber lassen sich dabei von ihrem ausgezeichneten Geruchssinn leiten. Natürlich lohnt sich das Warten - und auch das Graben - nur von Nestern mit hoher „Weibchenkonzentration“ - also bei Arten, die entweder kolonieweise beieinander nisten oder Staaten bilden. Bei solitär lebenden Bienen werden sich die Männchen mit Vorteil an den „Treffpunkt Blüte“ halten.

Nun gibt es aber Bienenarten - 21 Prozent waren es in Barrows Untersuchung - die sich weder bei den Blüten noch in Nestnähe paaren, sondern an besonders auffälligen Orten, die von beiden Geschlechtern aufgesucht werden. Das können auffällige Landmarken wie etwa hohe Bäume oder weithin sichtbare Hügelkuppen sein. Auch die Drohnen der Honigbienen versammeln sich an solchen Orten und warten dort auf die Königinnen. Die Prachtbienenmännchen aber balzen am Rande kleiner Waldlichtungen, damit sie in der Sonne ihr blitzenden und farbfunkelndes Äußeres zur Geltung bringen können.

Die rote Mauerbiene - Osmia Rufa

Kennzeichen :

Körperlänge beim Weibchen 10-12 mm, Männchen etwas kleiner. Färbung dunkelbraun mit deutlichem grünem Metallglanz. Behaarung beim Weibchen an der stirn schwarz, am Thorax gelbgrau, auf den vorderen drei Hinterleibssegmenten hellbraun, dahinter schwarz.

Flugzeit :

Ab März bis in den Juni, die Männchen etwa zwei Wochen vor den Weibchen erscheinend.

Lebensraum :

An offenen Stellen mit Nistmöglichkeiten fast überall, in Hausgärten ebenso wie an Hohlwegen, in Kiesgruben oder an Waldrändern.

Verbreitung :

In Mitteleuropa allgemein verbreitet, eine der häufigsten Wildbienen, besonders im Siedlungsbereich.

Lebensweise :

Osmia rufa erscheint bereits im zeitigen Frühjahr und ist besonders im April und Mai eine recht auffallende Erscheinung in Gärten, an Frühblühern verschiedenster Art. Die bereits vor den Weibchen aktiven Männchen sammeln sich bevorzugt an den Nistplätzen und erwarten hier das Erscheinen der Weibchen, um sich mit ihnen zu paaren. Kurz darauf suchen die Weibchen einen geeigneten Nistplatz, nicht selten den gleichen, in dem auch die eigene Entwicklung ablief. Die Art erweist sich bei der Auswahl als ausgesprochen anpassungsfähig. Bevorzugt werden längliche Hohlräume mit etwas 0,5 - 1 cm Durchmesser, z.B. Bambusrohre, alte Käferfraßgänge im Holz oder verlassene Neströhren anderer Hautflügler in Lehmwänden. Es wurden aber auch schon Nester in völlig anders artigen Hohlräumen gefunden, wie unter Fensterrahmen, in Türschloössern oder gar in Tabakspfeiffen. Vor Beginn des Nestbaus wird der Nistraum gegebenenfalls von den Resten vorjähriger Brutzellen gereinigt. Dann baut das Weibchenkurz vor dem Ende des Nistraumes eine Rückwand und dann eine sichelförmige „Schwelle“ in Höhe der späteren Abschlusswand der Brutzelle. Als Baumaterial dient Lehm, der mit Speichel geschmeidig gemacht wird. Anschließend trägt die Biene Pollen und Nektar herbei. Nachdem die Brutzelle zur Hälfte gefüllt istlegt das Bienenweibchen ein Ei und schließt die vordere Wand mit Lehm. Für die Erbauung der Brutzelle wird ein halber bis ganzer Tag beansprucht. Das Ei ist etwa 2mm groß und der vordere Pol weist zur Nestöffnung. Etwa zehn Tage nach der Eiablage schlüpft die Larve.

Sie bleibt zunächst mit dem Hinterende im Nahrungsvorrat verankert und nimmt Nahrung auf, indem sie ihren Vorderkörper stark nach unten krümmt.Nach weiteren 1-2 Wochen löst sich die Larve von ihrem Sockel, dreht sich und liegt dann mit dem Hinterende zur Abschlusswand. Nach weiteren 2-3

Wochen beginnt sie einen Kokon zu spinnen, der einige Tage darauf als feste dunkelbraunviolette Schicht die Zelle auskleidet.

Anschließend (Ende Juli bis Anfang August) findet die Verpuppung statt. Noch vor Eintritt der kalten Jahreszeit schlüpft die nächste Bienengeneration, bleibt aber bis zum Flugbeginn im Innern des schützenden Kokons.

Aus befruchteten Eiern bilden sich Weibchen aus unbefruchteten dagegen Männchen.

Elfi Vomberg

Note: 1+

Details

Seiten
10
Jahr
2001
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104177
Note
Schlagworte
Bienen

Autor

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