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Shakespeare, William - Richard III. - Inhalt und Analyse

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 3 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

William Shakespeare - Richard III.

a) Zum Autor

William Shakespeare wurde im Jahre 1564 in Straftford-upon-Avon als Sohn eines einigermaßen wohlhabenden Handschuhmachers geboren, heiratete 1582 Anne Hathaway, die von ihm ein Kind erwartete und schloßsich wahrscheinlich um das Jahr 1585 einer fahrenden Schauspielertruppe als Stückeschreiber an, mit der er nach London zog, wo er bis 1611 leben und wirken sollte, ehe 1615 in seinem Haus in Stratford starb, durch den Erfolg seiner Dramen zu Reichtum gekommen.

b) Richard III. und das Elisabethanische Drama

„Richard III.“ ist eines von Shakespeares frühen Stücke, er schrieb es entweder 1592 oder 1593, zu einer Zeit, als er noch relativ wenig Erfahrung als Dramatiker besaß. Erst viel später begann er damit, neue Akzente im Theater zu setzen; all seine Werke, die vor 1600 entstanden, sind mehr oder weniger typisch für die Elisabethanische Klassik, so auch die Historie „Richard III.“ Mit der Besinnung auf Englands Geschichte war Shakespeare z. B. vollkommen auf der Höhe seiner Zeit, wie auch mit den vielen Szenenwechseln und kleineren Episoden, in denen gelegentlich auch Bürger zu Wort kommen. Der Bruch mit der Dramentheorie von Aristoteles war gerade Merkmal des Elisabethanischen Dramas. Natürlich hat „Richard III.“ fünf Akte, die Handlung wird nach der Einleitung in typischer Weise zunächst aufgebaut und endet dann in mit dem Tod der Hauptfigur.

c) Der Stoff

Shakespeare greift in „Richard III.“ wie zuvor in Heinrich VI. Teil I-III den sogenannten Rosenkrieg auf, der von 1455-1585 zwischen den Häusern Lancaster (Wappen: Rote Rose) und York (Wappen: Weiße Rose) um den englischen Königsthron ausgetragen wurde. Alle im Drama geschilderten Ereignisse haben im Großen und Ganzen tatsächlich stattgefunden, obgleich Shakespeare den zeitlichen Ablauf den Erfordernissen eines Theaterstücks gelegentlich angepaßt und auch so manche Fakten einfach dazu erfunden hat. Seine Sicht der Geschehnisse ist aber stark geprägt von den Ansichten des mit Elisabeth in England herrschenden Hauses Tudor, welches mit dem Haus Lancaster verwandt war, so daßdas Haus York in Shakespeares Drama nicht gerade positiv dargestellt wird.

d) Die Handlung

Nach dem Sieg von Richard, Herzog von Gloucester, über das Haus Lancaster und der Ermordung des Königs Heinrich VI. und seines Sohns Edward in der Schlacht von Tewkesbury ist Edward IV. (York), der Bruder von Richard, König von England. Doch Richard, der von Geburt an verkrüppelt ist, trachtet nach dem Thron. Zu diesem Zweck läßt er den Herzog von Clarence (ein weiterer Bruder) zunächst inhaftieren und dann ermorden. Nachdem er Edwards (Lancaster) Witwe Anna noch am Sarg ihres Mannes für sich gewinnen konnte und sie geheiratet hat, stirbt der todkranke Edward IV. Der rechtmäßige Thronfolger wäre sein ältester Sohn Edward, Prince of Wales, der wiederum einen Bruder namens Richard hat. Mit Hilfe des Herzogs von Buckingham täuscht Richard den beiden Prinzen zunächst sein Wohlwollen vor und läßt sie aber, sobald sich die Gelegenheit bietet, für unehelich erklären und später töten. Nachdem er auch einige Adlige hingerichtet hat, die offen gegen ihn opponierten (darunter auch die Söhne der Witwe von Edward IV.), kann er den Thron besteigen.

Mittlerweile hat sich aber Widerstand gegen Richard gegen Frankreich formiert. Dieser wird angeführt von dem Grafen von Richmond, eines Sohns von Edward aus dem Hause Lancaster. Um seine Position zu stärken, läßt Richard nun seine Frau Anne töten und plant, seine Nichte, die Tochter seines Bruders, des verstorbenen Königs, zu heiraten. Doch diesen Plan kann er nicht mehr verwirklichen, denn der Graf von Richmond landet im Westen Englands, zumindest moralisch unterstützt durch viele englische Lords, der Frau von Richards Bruder (dem ehemaligen König Edward IV.), Richards Mutter und Margaretha, der Witwe von Heinrich VI. Auch der Herzog von Buckingham verrät Richard, wird aber dafür hingerichtet. Am Abend der entscheidenden Schlacht wird Richard von den Geistern seiner Opfer heimgesucht, er zweifelt zum ersten Mal an seinen Taten. Am kommenden Tag verliert er dann auch gegen den Grafen von Richmond (nicht zuletzt durch Verrat weiterer Adliger) und stirbt im Kampf.

Über dem ganzen Geschehen steht stets ein Fluch, den Margaretha im ersten Akt des Dramas äußert. Dieser besagt, daßRichard dem Haus York Unglück bringen wird und alle, die mit ihm paktieren, dafür bezahlen werden.

e) Charakterisierung der Hauptfiguren

König Richard, der nicht zuletzt wegen seines Redeanteils aus der großen Vielzahl der Figuren deutlich herausragt, wird von Shakespeare als durch und durch verdorbener Intrigant und Tyrann charakterisiert, der vor Lüge und Brudermord nicht zurückschreckt, wenn es um Macht geht. Richard legt dabei aber trotz eines steifen Arms und eines verkrüppelten Beines (was nicht der historischen Wahrheit entspricht) unglaubliches Charisma an den Tag, schafft er es doch z.B. mit einer unglaublichen Überzeugungskraft und großem schauspielerischen Talent, Anne noch am Sarg ihres Mannes für sich zu gewinnen. Für seine Gegner hat er oft nur Spott übrig, weißer sich diesen überlegen. Bei all seinem Tun hat er nie irgendwelche Skrupel, obwohl er sogar von seiner eigenen Mutter als „Molch“ beschimpft und verflucht (Akt IV, 4) wird, bis zu dem Zeitpunkt, als er in seinen Träumen von den Geistern seiner Opfer heimgesucht wird. Richard beginnt zu ahnen, welche Taten er begangen hat und erkennt, daßer ein Mörder ist (Akt V, 3). Doch kehrt er nicht um und bereut sein Tun, sondern schickt seine Heere durch eine sehr geschickt formulierten Rede mit dem Mut der Verzweiflung in die letzte Schlacht; er selbst kämpft dabei an vorderster Front (Akt V, 4). Das Streben nach Macht ist aber das wohl herausragendste Merkmal seiner Persönlichkeit, was durch die Tatsache deutlich wird, daßer, als er bemerkt, daßseine im Laufe der Handlung Macht schwindet, verwirrt und desorientiert scheint (Anfang Akt V). Unterstützt wird er von dem Herzog von Buckingham, der nicht viel mehr als ein Handlanger und Werkzeug Richards ist. Aus reiner Habsucht unterstützt er den Usurpator, verspricht dieser ihm doch Ländereien. Als dieser sein Versprechen aber nicht einhält, fällt er von ihm ab und wechselt das Lager. Außerdem wirkt er als „amateurhaft“1 im Vergleich zu Richard, bringt er es doch nicht fertig, die Prinzen zu töten bzw. töten zu lassen, was ihm von Richard befohlen wird. Margaretha, die Frau des getöteten Heinrich VI., taucht nur sehr selten in Shakespeares Drama auf, doch schwebt ihr Fluch stets über dem gesamten Tun Richards. Sie erbittet von Gott Vergeltung der Verbechen des Haus Yorks am Haus Lancaster, welche tatsächlich Realität wird. Alle Lords, die von Richard hingerichtet werden, erinnern sich vor ihrem Tod an die Worte der früheren Königin. Und obwohl Margaretha keineswegs mit den Frauen des Hauses York befreundet ist, unterstützt sie diese doch in ihrem Haßauf Richard. Sie ist der eigentliche Gegenpart zu Richard, feindet sie diesen doch auch stets an und beschimpft ihn, nicht der Graf von Richmond. Dieser hat seinen ersten Auftritt erst im fünften Akt und wird stets nur indirekt durch Richard als „Milchbart“ (Akt V, 2) charakterisiert. Elisabeth ist die Witwe von Edward IV. und ist neben Margaretha die wohl erbittertste Gegnerin Richards, was in Akt IV, 4 deutlich wird: Im Dialog zwischen Richard und Elisabeth liefern sich die beiden Kontrahenten gegenseitig Argumente, „stacheln“ einander auf, bis sich der Höhepunkt der Szene durch Zeilenrede ankündigt. Elisabeth ist aber bei all ihrem Handeln stets stark geprägt durch die Trauer über den Verlust ihrer Kinder und ihres Gatten. Richard läßt sogar ihren Bruder ermorden, so daßElisabeth große Wut empfindet. Sämtliche anderen Figuren sind eigentlich mehr oder weniger Nebenfiguren, obwohl viele von ihnen auch sehr deutlich gezeichnet und gut ausgestaltet sind, z.B. Lord Hastings. Dies rührt auch von der unglaublichen Dominanz Richards her, der stets im Mittelpunkt der gesamten Entwicklung der Handlung steht.

f) Sprache, Stilmittel

Der Großteil des Dramas ist im Blankvers geschrieben. Shakespeare verwendet, wie in vielen anderen Dramen auch, häufig Antithesen, hauptsächlich um die Gegensätzlichkeit der beiden Häuser darzustellen und auch zu verdeutlichen. Richard, der, wie bereits erwähnt, ein guter Redner ist, zeigt im Gebrauch von der Sprache stets sehr schlagfertig (vor allem, wenn er Margaretha antwortet) und benutzt, wie viele andere Figuren auch, viele Bilder, was laut B. Vickers2 typisch für das Elisabethanische Drama ist. Auffallend ist auch, daßkeineswegs ein einheitlich hoher Stil vorliegt, sondern z.B. Bürger deutlich weniger „gestelzt“ reden und z.B. die Mörder die Richard beauftragt, in Prosa sprechen. Shakespeare bedient sich ferner häufig der sogenannten „Dramatischen Ironie“, z.B. wenn Lord Hastings trotz seiner Erfahrungen mit Richard dessen Worten Glauben schenkt, das Publikum aber bereits weiß, daßseine Exekution schon geplant ist (Richard lügt Hastings an).

g) Monologe

Ein wichtiges Element in „Richard III.“ sind Monologe. Vor allem Richard bedient sich dieser, z.B. in der ersten Szene, mit der er und sein Machtstreben, seine Intrigen, dem Publikum vorgestellt werden und dieses in die Handlung hineingezogen wird. Richard stellt sich hier gewissermaßen selbst den Zuschauern vor. Der wichtigste Monolog in „Richard III.“ ist aber sicherlich der, in dem Richard zum ersten Mal seine Untaten einsieht. Er zeigt sich dabei verängstigt und furchtsam, es wird klar, daßer kurz vor dem tiefen Fall steht, dem Verlust seiner Macht und eventuell seinem Tod.

h) Zusammenfassende Deutung

Mit Richard zeigt Shakespeare das Idealbild eines Tyrann. Die Darstellung des Monarchen ist im Vergleich zur Realität aber sicher übertrieben, Richard III. führt in England auch sehr viele Reformen durch und war keineswegs ein allzu grausamer Herrscher, weswegen „Richard III.“ oft als „Tudor-Propaganda“ gescholten wurde und noch wird. Im Allgemeinen wird aber das Drama, wie viele andere von Shakespeares frühen Stücken, nicht unbedingt als Meisterwerk Shakespeares beurteilt. Der Dramatiker stand 1593 noch am Anfang einer Entwicklung und erprobte in Richard III. erst viele Dinge, die er später z.B. in „Hamlet“ verwandt hat, wie die rhetorische Symmetrie zwischen zwei Gegenspielern (die beiden Häuser).

Quellen:

[...]


1 Kenneth Hardacre, Notes on Richard III, Brodie House Bath, 1957

2 K. Muir und S. Schoenbaum (Hrsg.), Shakespeare - Eine Einführung, Reclam Stuttgart, 1972 Wolfgang Clemen, Shakespeares Monologe, Serie Piper München, 1985 G. Müller-Schwefe, William Shakespeare, de Gruyer New York, 1978

Details

Seiten
3
Jahr
2001
Dateigröße
332 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104559
Note
14 Punkte
Schlagworte
Shakespeare William Richard Inhalt Analyse Deutsch

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