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Eichendorff, Joseph von - Taugenichts - Charakteristik des Taugenichts

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 2 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Charakteristik des „Taugenichts“

Der Protagonist in Eichendorffs Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ ist Sohn eines Müllers. Im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser, das die Mutter verstorben ist. Trotz der recht ärmlichen Verhältnisse, in denen er aufwächst, kann er schreiben, lesen und rechnen (2. Kap.). Vorname, Nachname und Alter des Protagonisten werden nicht genannt. Der Vater betitelt ihn jedoch als „Taugenichts“ und schickt ihn hinaus in die Welt (1. Kap.). Von da an nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Der Taugenichts beschreibt sich selbst als „Milchbart“ mit „Flaumfedern“ auf der Oberlippe (5. Kap.). Demnach muss er also relativ jung sein. Er trägt Kleider, aus denen er herausgewachsen ist, bekommt dann aber vom Herrn Leonhard „einen ganz neuen schönen Frack und Weste“ und „einen ganz neuen Hut“ geschenkt. Die Kleider sind ihm allerdings viel zu groß, so dass alles um ihn „herumschlotterte“ (4. Kap.). Er findet selbst, die neuen Kleider stehen ihm „recht schön“ (5. Kap.). Der Herr Eckbrecht in Rom meint aber, dass sein „Frack über seine besten Jahre hinaus ist“ (8. Kap.). Daraus kann man entweder schließen, dass der Frack nicht ganz neu war, oder dass er auf der Reise abgewetzt ist. Nach dem ein Maler in Rom ihn in einer Krippenszene verewigt hat, erkennt er sein „klares Gesicht“, so dass er sich selbst gefällt. Das einzige Erkennungsmerkmal des Taugenichts ist seine Geige, die er immer mit sich trägt und auf der er zum eigenen Vergnügen (1. Kap.) oder zur Freude anderer (z.B. 3. und 8. Kap.) spielt und dazu singt.

Auf seiner Reise lernt er alle gesellschaftlichen Schichten kennen. Die „gnädige Herrschaft“ lässt den „charmanten Jungen“ am Schloss als Gärtner arbeiten und befördert ihn nach kurzer Zeit auf Grund seiner „guten Aufführung und besonderen Meriten“ zum Einnehmer, als welcher er dann ein eigenes Häuschen bewohnt (1. und 2. Kap.). Das beste Verhältnis hat er jedoch zu den Künstlern und Studenten, da sie die gleiche leichte Mentalität verkörpern wie der Taugenichts. Sie sind gesellige und gastfreundliche Zeitgenossen und wollen Erfahrungen sammeln und soviel wie möglich erleben. Sie genießen das Wandern und die Natur und sind der Kunst und der Kultur sehr aufgeschlossen. Der Taugenichts liebt die Natur, was man deutlich an seinen Beschreibungen erkennen kann. Er hält sich für einen Virtuosen (3. Kap.), möchte dann aber auf der „Heimreise“ nach Wien nicht als reiner Musikant sondern vom Beruf her als Einnehmer gelten (9. Kap.). Mit ihrer unbeschwerten, optimistischen und fröhlichen Lebensstimmung stellen die Maler, die Studenten und der Taugenichts den romantischen Menschen dar. Der Gegenpart zu dieser Lebenseinstellung wird durch den Vater des Taugenichts, den Gärtner, den Portier und den Bauern deutlich: Diese Philister oder Spießbürger sind konservativ und nur um ihre tägliche Arbeit bemüht. Ihr einziges Ziel ist materielle Sicherheit und so wirken sie dem Taugenichts gegenüber moralisierend, belehrend und skeptisch. Schon der Vater bezeichnete den Taugenichts als faul, gleicher Meinung sind der Gärtner („fauler Bengel“ - 1. Kap.) und der Bauer („Faulenzer“ - 3. Kap.). Der Portier hält ihn für „verrückt“ und „rasend“ (2. Kap.). In meinen Augen ist der Taugenichts aber nicht wirklich faul. Ein Beispiel dafür ist sein Garten vor dem Einnehmerhäuschen: Statt Gemüse züchtet er schöne Blumen für seine Angebetete, was sicherlich auch Arbeit macht. Es zeigt sich, dass er viel mehr Wert auf die schönen Dinge im Leben legt und diese auch genießt, anstatt jeden Tag der gleichen stupiden Arbeit nachzugehen, um es irgendwann einmal zu etwas Rechtem zu bringen. Allerdings spielt auch der Taugenichts kurz mit diesem Gedanken (2. Kap.), doch bevor er dies in die Tat umsetzen kann, wird er von seiner Sehnsucht schon wieder fortgerissen.

Da der Taugenichts sehr sensibel und emotional ist (Ende 1. Kap.), verfällt er oft in Selbstmitleid („... ich so arm bin und verspottet und verlassen von der Welt...“ - 1. Kap.). Er ist innerlich hin und her gerissen zwischen seiner Wanderlust und seinem Freiheitsdrang einerseits und dem Wunsch nach Geborgenheit und Harmonie auf der anderen Seite („Da kam mir die Welt auf einmal so entsetzlich weit und groß vor, und ich so ganz allein darin, dass ich aus Herzensgrunde hätte weinen mögen“ - 3. Kap.). Man könnte diese Sehnsucht zum Einen auf die zunächst noch unglückliche Liebe zu Aurelie zurückführen. Ein anderer Grund könnte tatsächlich sein Wunsch nach bürgerlicher Sesshaftigkeit sein, den er hin und wieder äußert („... jung gefreit hat niemand gereut, wer’s Glück hat, führt die Braut heim, bleibe im Lande und nähre dich tüchtig.“ - 3. Kap.; „... und fasste förmlich den Entschluss, nunmehr alles Reisen sein zu lassen, auch Geld zu sparen wie die andern, und es mit der Zeit gewiss zu etwas Großem in der Welt zu bringen.“ - 2. Kap.). Jedoch erfährt man am Schluss, als er sich Aurelies Liebe sicher ist, von seinen ganz und gar nicht sesshaften Zukunftsplänen.

Im Allgemeinen kann man den Taugenichts, wie er sich ohne Geld oder Essen immer wieder auf den Weg zu einem neuen Ziel macht, als mutig und abenteuerlustig betrachten. Jedoch glaube ich, dass dieses „Risiko“ zu dem „alternativen“ Lebensstil gehört, den der Taugenichts eingeschlagen hat. Er braucht nicht viel Geld, um sich sicher zu fühlen. Die Geschichte zeigt doch, dass er sich durch sein Leben singen und fiedeln kann. Er verlässt sich scheinbar auf die glücklichen Fügungen und Zufälle, die ihn ereilen. Überall trifft er Gleichgesinnte, die mit ihm ihr Brot teilen (der Maler, die Studenten). Er hat also keine wirkliche Existenzangst wie die Spießbürger. Vielmehr fürchtet er sich vor dem Studenten auf dem italienischen Schloss (6. Kap.) und den „Räubern“ (3. Kap.). Diese Ängstlichkeit rührt meiner Meinung nach von seiner regen Phantasie her.

Der Taugenichts ist ein romantischer, sympathischer Junge, der die Welt erkunden will und seinen Sehnsüchten folgt, der genauso wenig auf das Reden der Alten achtet wie ein Jugendlicher heute.

Details

Seiten
2
Jahr
2001
Dateigröße
327 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104943
Note
1-
Schlagworte
Eichendorff Joseph Taugenichts Charakteristik

Autor

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Titel: Eichendorff, Joseph von - Taugenichts - Charakteristik des Taugenichts