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Remarque, Erich Maria - Im Westen nichts Neues

Facharbeit (Schule) 2001 14 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Erich Maria Remarque

3 Der Roman „Im Westen nichts Neues“ Inhaltsübersicht

4 Videovergleich
4.1 Produktionsdaten
4.2 Inhalte
4.3 Szenenvergleich

5 Auswertung

Bild aus CD-Rom „Encarta Enzyclopädie 2000“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Vorwort

Als ich in der Geschichtsklausur das im Anhang beigefügte Arbeitsblatt in meinen Händen hielt, gingen mir nicht nur die Gedanken für die folgenden 90 Minuten durch den Kopf. Nein! Ich wußte, dass ich genau zu diesem Auszug noch ein ganzes Buch zu lesen hatte, um die nachstehende Belegarbeit wachsen zu lassen. Aber es war ein sehr mulmiges Gefühl, denn das, was ich hier las, war nicht das, was ich mir von diesem Buch erwartet hatte. Beispielsweise beeinflußt von den Worten Ernst Tollers, hatte ich mich nicht für irgendein Buch der Weltliteratur entschieden, sondern für ein angeblich ganz besonderes:

„Dieses Buch sollte in Millionen Exemplaren verbreitet, übersetzt, in den Schulen gelesen, von allen den Krieg bekämpfenden Gruppen gekauft und verschenkt werden. Es sagt mehr über das Volk und seinen Anteil am Krieg aus als dickleibige historische Wälzer und Statistiken.“

Genau diese Szene aus der Geschichtsklausur war es jedoch, die mir bei meinem kürzlich gestellten Kriegsdienstverweigerungsantrag als Beispielszene diente. Nicht, weil sie die erste Szene war, die ich aus diesem Buch kannte, sondern weil sie den inhaltlich stärksten Ausdruck hat, den ein Krieger von sich geben kann um die Sinnlosigkeit eines Krieges zu beschreiben.

Denn als ich mich an das Buch „herangewagt“ hatte, bekam ich einen richtigen Drang, nicht einfach nach einem Kapitel eine Pause zu machen. Ich wollte wissen, wie es weitergeht, was mit Paul und seinen Kameraden passiert. Ich habe noch nie ein Buch in vergleichbarem Maße gelesen, wie Erich Maria Remarques Bestseller. Ich mußte mich nicht quälen, mich in die Lage der Hauptfigur hineinzuversetzen. Er hat mein Alter, ist auf eine gewisse Weise beeinflussbar, doch er fühlt sich mit seinen Freunden stark und sucht auch die Ruhe in der Kunst. Er lernt und begreift sehr schnell, weiß sich auszudrücken und wird durch das Ereignis Krieg zum Mann. Ich habe zwar keinen Krieg erlebt, aber ich habe andere Dinge erlebt, durch die ich gereift bin und ich habe die ausdrucksstarken Verfilmungen „All Quiet on the Western Front“ gesehen.

Dass ich in den folgenden Seiten auch auf die beiden Verfilmungen eingehen werde, hat nicht zuletzt nach den aktuellen Ereignissen seit dem 11.September 2001 noch mehr an Bedeutung gewonnen. Es gibt also die beiden Filme, die den I. Weltkrieg bildlich nachvollziehen lassen. Es gibt einen relativ aktuellen Kriegsbericht über den II. Weltkrieg durch das Filmwerk „Der Soldat James Ryan“. Ich hatte also drei Kriegsfilme in kurzer Aufeinanderfolge gesehen, die auf teilweise brutalste Weise nicht den Anschein einer Beschönigung von Grausamkeit zeigen. Und dann sieht man in Fernsehbildern erneut, nur in grausamer Aktualität und Realität von Terroranschlägen der Neuzeit, von Toten und Trauernden. Im I. Weltkrieg beklagte man den Verlust von einer Millionen Menschen, im II. waren es nach neuesten Schätzungen mindestens 25 Millionen Tote. Somit sehe ich den Sinn einer Antikriegspropaganda, die dieser Roman im höchsten Maße ist, für besonders notwendig, denn wenn eine Steigerung der Technik auch eine Steigerung der Ausmaße bedeutet, darf es zu keinem möglichen III. Weltkrieg kommen!

Aus wahrem Interesse an dem Roman und den daraus hervor gegangenen Schriften und Verfilmungen und als Anhaltspunkt für folgende Jahrgänge möchte ich in den nächsten Seiten Erich Maria Remarque und Paul Bäumer vorstellen, sowie vergleichend auf den Roman und die beiden Verfilmungen eingehen.

Christian Kohnert

Bild aus dem Internet unter http://www.libri.de/cgi-bin/WebObjects/Lissy?adtraction=0H0H0H21

2 Erich Maria

Remarque

-stark gekürzte Biographie-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der spätere Autor des Weltbestsellers Im Westen nichts Neues wurde am 22. Juni 1898 in Osnabrück als Erich Paul Remark geboren. Seine Eltern Peter Franz Remark und Anna Maria Remark, geb. Stallknecht beglücken ihn zwei Jahre später mit einer Schwester, Erna Remark. Sein älterer Bruder Theodor Arthur Remark (geb. 1896) stirbt bereits im fünften Lebensjahr. Zwei Jahre darauf bekommt die Familie jedoch erneut Nachwuchs. Mit Elfriede Remark hat E.M. nun die zweite Schwester.

Mit sechs Jahren besucht er für vier Jahre die Domschule in Osnabrück, der sich weitere vier Jahre in der Johannisschule anschließen. Dieser Ausbildung schließt er eine dreijährige Katholische Präparandie (dreiklassige Vorstufe zum katholischen Lehrerbildungsseminar für Volksschullehrer) an. Daraufhin absolviert er ein Katholisches Königliches Schullehrerseminar.

Am 21. November 1916 wird der 18-jährige Remark zur Armee einberufen. Er ist Ersatzrekrut beim Ersatzbatallion. Seine militärische Ausbildung erhält er in der Caprivi-Kaserne in Osnabrück und in Celle. Im Juni des Jahres 1917 wird Remark an die Westfront zur 2. Kompanie Feld-Rekruten-Depot der 2. Gardereserve Division in Hem-Lenglet verlegt und kommt kurz darauf zum Schanztrupp Bethe, 2. Kompanie Reserve Infanterie-Regiment 15. Am 31.Juli wird er durch Granatsplitter am linken Bein, rechten Arm und am Hals verwundet. Bereits im August wird er aus dem Feldlazarett in ein Duisburger Krankenhaus überführt, wo er einen Posten in der Schreibstube erhält. Im folgenden Monat stirbt seine Mutter in Osnabrück. Im November beginnt Remark mit der Arbeit an einem Roman über den Krieg. Ein Jahr später wird er aus dem Duisburger Lazarett entlassen und nach Osnabrück zum I. Ersatzbataillon im Infanterie-Regiment 78 überstellt. Mit der Novemberrevolution und dem Ende des Krieges wurde Remark in Duisburg das EK I verliehen und durch den Arbeiter- und Soldatenrat Osnabrück bestätigt. Zur Entlassung aus der Armee im Januar 1919 verzichtete er auf Orden und Ehrenzeichen.

Nun setzte er die Ausbildung zum katholischen Volksschullehrer fort und bestand in der Mitte des Jahres die Lehramtsprüfung für Volksschulen. Fortan arbeitete er im Schuldienst, den er jedoch schon Ende des Jahres 1920 quittiert und sich mit Gelegenheitsjobs in Osnabrück als Kaufmännischer Angestellter, Buchhalter, Grabsteinverkäufer, Klavierlehrer, Organist sein Geld verdient. Als er im Frühjahr 1921 für die Zeitschrift Echo Continental der Continental-Gummiwerke in Hannover zu schreiben beginnt, taucht erstmals der Name Erich Maria Remarque auf. Nach vier erfolgreichen Jahren bei dieser Zeitschrift, wird er Redakteur bei Sport im Bild. Das Blatt für die gute Gesellschaft in Berlin.

Im Oktober 1925 heiratete er zum ersten Mal Ilse Jutta Zambona, mit der er später aus der katholischen Kirche austritt. Zwei Jahre darauf beginnt Remarque mit der Arbeit an Im Westen nichts Neues. Der Ablehnung des Romans durch den S. Fischer Verlag ergibt sich ein Jahr später ein Vertragsabschluss mit dem Ullstein-Konzern. Aufgrund des Vorabdrucks von Im Westen nichts Neues in der Vossischen Zeitung ist eine fristlose Kündigung bei Sport im Bild die Konsequenz. Am 29.Januar 1929 folgt die Buchausgabe durch den Propyläen-Verlag. Nach einigen weiteren Erzählungen über den Ersten Weltkrieg hat All Quiet on the Western Front am 29.April 1930 Premiere in Los Angeles. Mitte November sieht Remarque erstmals die Verfilmung und am 4.Dezember findet in Berlin die deutsche Premiere statt, die massive Störungen durch die Nationalsozialisten unter der Leitung von Joseph Goebbels hinnehmen muss. Eine Woche darauf wird Im Westen nichts Neues durch die Filmoberprüfstelle Berlin verboten. Zu der Berliner Protestveranstaltung der Deutschen Liga für Menschenrechte: „Remarque und die Wirklichkeit“ beteiligt er sich mit einer schriftlichen Stellungnahme gegen das Film-Verbot von Im Westen nichts Neues.

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/RemarqueErichMaria

Durch den Warschauer Jura-Professor Sigismond Cybichowski wird Remarque 1931 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Wegen Verdachts auf Verlegung des ständigen Wohnsitzes in die Niederlande und Devisenvergehens wird sein Bankguthaben beschlagnahmt. Seit 1932 hat er seinen ständigen Wohnsitz in Porto Ronco mit Ilse Jutta Zambona, mit der er aber bereits seit zwei Jahren in Scheidung lebt. Nach einem Strafbefehl wegen Devisenvergehens durch das Amtsgericht Berlin-Mitte zahlt Remarque eine Geldstrafe in Höhe von RM 33.000,-. Trotzdem gewährt er Emigranten aus Deutschland Unterschlupf in Porto Ronco. Am 10.Mai 1933 findet die öffentliche Verbrennung der Bücher Remarques in Berlin statt: „Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, für Erziehung des Volkes im Geiste der Wahrhaftigkeit!“ Im selben Jahr wird auch sein Roman Im Westen nichts Neues durch die Gestapo beschlagnahmt. Nach vergangenen zwei Jahren sucht der Staatssekretär Körner Remarque in Porto Ronco auf und bittet ihn um eine Rückkehr nach Deutschland, was er jedoch ablehnt und Reisen nach Salzburg, Venedig sowie Paris antritt, wo er an einem Exil-Schriftstellerkongress teilnimmt. In seinem 40.Lebensjahr heiratet Remarque erneut Ilse Jutta Zambona, mit der er gemeinsam seit einem halben Jahr den Pass der Republik Panama besitzt und später aus dem Deutschen Reich ausgebürgert wird. Ab 1940 sind sie gemeinsam in Mexiko-City wegen einer Aufenthaltsgenehmigung für die USA. Im letzten Monat des Jahres 1943 wird seine jüngere Schwester vom Volksgerichtshof wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee durch das Beil enthauptet.

Im folgenden Jahr beginnt er mit der Arbeit an Practical Educational Work in Germany after the War („Praktische Erziehungsarbeit in Deutschland nach dem Krieg“), einer Denkschrift für den amerikanischen Geheimdienst OSS über die Möglichkeiten und Methoden der politischen Erziehung der Deutschen nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“. Im siebenten Jahr ihres Exilaufenthaltes, erwerben Remarque und seine Frau die amerikanische Staatsbürgerschaft und nach weiteren zwei Jahren kehrt er nach Europa zurück. Er reist von Le Havre über Paris, Basel und Zürich nach Porto Ronco, wo er sich mit seinem Vater trifft. In den folgenden Jahren erkrankt Remarque schwer an der Ménièrschen Krankheit (Ohrerkrankung), woraufhin er therapiert wird sowie Selbstanalysen stellt. Mitte des Jahres 1952 besucht er, nach über zwanzig Jahren zum ersten Mal wieder in seiner Geburtsstadt, seinen Vater und seine Schwester. Traurigerweise wird Remarque wenig später Leberdiabetes diagnostiziert und zwei Jahre darauf stirbt auch noch sein Vater.

Nachdem erneut drei Jahre vergangen sind, lassen sich Remarque und Ilse Jutta Zambona erneut scheiden und er heiratet Paulette Goddard, mit der er bereits seit sieben Jahren eine enge Beziehung führt und mit der er seinen Lebensabend verbringen wird. Sieben Jahre verheiratet, reisen sie nach Mailand, wo er nach Herzanfall, Ischämie und Thrombose einen mehrwöchigen Klinikaufenthalt über sich ergehen lassen muss. 1967 erhält Remarque das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, muss jedoch zwei erneute Herzanfälle überstehen. Zu seinem 70.Geburtstag wird er korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und erhält die Ehrenbürgerschaft der Gemeinden Ronco und Ascona. Außerdem wird nach seiner jüngeren Schwester in der Stadt Osnabrück eine Straße benannt.

Am 25.September 1970 stirbt Erich Maria Remarque mit 72 Jahren in der Clinica Sant' Agnese in Locarno an Aortenaneurisma.

Ein Jahr nach seinem Tod wird der „Erich-Maria-Remarque-Ring“ durch den Rat der Stadt Osnabrück beschlossen. Fünf Jahre nach Remarque stirbt auch Ilse Jutta Zambona. Weitere zwei Jahre darauf übergibt Paulette Goddard den schriftlichen Nachlaß und die Bibliothek Remarques der New York University. Im achten Jahr nach seinem Tod stirbt auch seine zweite Schwester Erna. Am 14.November 1979 hat die zweite Verfilmung seines Bestsellers Im Westen nichts Neues Premiere. Weitere zehn Jahre später wird das Erich Maria Remarque-Archiv in der Universitätsbibliothek Osnabrück als gemeinsame Einrichtung der Stadt und der Universität Osnabrück eröffnet. Als 1990 auch Paulette Goddard in Porto Ronco stirbt, ist Alleinerbe die New York University, vertreten durch den „Estate of the Late Paulette Goddard-Remarque“. Im selben Jahr wird erstmalig der Erich Maria Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück vergeben. Sotheby’s versteigert 1995 das Manuskript von Im Westen nichts Neues, welches durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung für das Erich Maria Remarque-Archiv ersteigert wird. Im folgenden Jahr wird das „Remarque-Institute“ zur Förderung der wissenschaftlichen Kontakte zwischen Europa und den USA an der New York University gegründet. 1998 wird das Erich Maria Remarque-Friedenszentrums (Remarque-Ausstellung und Erich Maria Remarque-Archiv) in Osnabrück eröff net.

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/RemarqueErichMaria

3 Der Roman „Im Westen nichts Neues“ Inhaltsübersicht

Der um fast die Hälfte geschrumpften 2.Kompanie wird nach zwei Wochen eine Verschnaufpause gegönnt. Nach einem ergiebigen Schlaf und vor der doppelten Ration Mittag wird Paul Bäumer und sein näheres Umfeld vorgestellt. An seiner Seite Kropp, Müller und Leer, Pauls Schulkameraden sowie Tjaden, Haie Westhus und Detering. Nicht zu vergessen natürlich Stanislaus Katczinsky (Kat), das Haupt der Gruppe. Nach dem kräftigen Mittagsmahl, beim Skat auf der Latrine kommt ein weiterer Schulkamerad ins Spiel: Kemmerich hat einen Oberschenkeldurchschuß und liegt auf einer Krankenstation. Sie beschließen ihn nachmittags zu besuchen.

Als Kropp einen Brief vom ehemaligen Klassenlehrer Kantorek hervorholt, wird erzählt, wie dieser die Klasse beeinflusste: „Kantorek hielt uns in den Turnstunden so lange Vorträge, bis unsere Klasse unter seiner Führung geschlossen zum Bezirkskommando zog und sich meldete. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er uns durch seine Brillengläser anfunkelte und mit ergriffener Stimme fragte: »Ihr geht doch mit, Kameraden?«“(S.17) Einer, der nicht mit wollte, war Josef Behm. Gruppenzwang und der Zwang der Gesellschaft schufen seinen Tod, denn er war einer der ersten, die fielen.

Die Einsicht kam bald: „Das erste Trommelfeuer zeigte uns unseren Irrtum, und unter ihm stürzte die Weltanschauung zusammen, die sie uns gelehrt hatten. -- Während sie noch schrieben und redeten, sahen wir Lazarette und Sterbende...Wir wurden darum keine Meuterer, keine Deserteure, keine Feiglinge - alle diese Ausdrücke waren ihn ja so leicht zur Hand -, wir liebten unsere Heimat genauso wie sie, und wir gingen bei jedem Angriff mutig vor;- aber wir unterschieden jetzt, wir hatten mit einem Male sehen gelernt. Und wir sahen, daß nichts von ihrer Welt übrig blieb...“(S.18/19)

Im Brief schreibt Kantorek, sie wären die eiserne Jugend und sie lachen ärgerlich.- „Ja, so denken sie, so denken sie, die hunderttausend Kantoreks! Eiserne Jugend. Jugend!...Wir sind alte Leute.“(S.22) Beim Besuch Kemmerichs im Feldlazarett muß sich Paul an die Worte dessen Mutter erinnern. Er sollte auf Franz aufpassen und nun liegt er mit einem amputierten Bein da. Franz Kemmerich stirbt wenig später.(S.31)

Was die Jugend ausmacht, das Unbeschwerte, die Selbstfindung zwischen Eltern und eigenem Leben können sie nicht mehr ausleben: „Wir haben den Sinn für andere Zusammenhänge verloren, weil sie künstlich sind.“(S.24) Auf die älteren Soldaten wartet ein Leben, sie selbst kennen nur die Schule.

Und schon zehn Wochen militärische Grundausbildung reichten, um zehn Jahre Schulzeit vergessen zu machen. Ihr Ausbilder war der schärfste Schinder des Kasernenhofes, Unteroffizier Himmelstoß, den alle nur als Briefträger kannten. Das trieb er ihnen aber aus und drillte sie auf das Schärfste. Und obgleich sie ihn hassten, mussten sie froh über seine Art sein: „Wir wurden hart, misstrauisch, mitleidlos, rachsüchtig, roh...Wir zerbrachen nicht, wir paßten uns an...Das Wichtigste aber war, dass in uns ein festes, praktisches Zusammengehörigkeitsgefühl erwachte, das sich im Felde dann zum Besten steigerte, was der Krieg hervorbrachte: zur Kameradschaft!“(S.27/28)

Die arg dezimierte 2.Kompanie bekommt Ersatz, der teilweise noch jünger ist als sie selbst. Kat besorgt Essen, er findet immer irgendwas, egal wie ausgeräumt die Gegend auch ist: „Das ist Kat. Wenn in einem Jahr in einer Gegend nur eine Stunde lang etwas Eßbares aufzutreiben wäre, so würde er genau in dieser Stunde, wie von einer Erleuchtung getrieben...hinausgehen...und es finden.“(S.36)

Die jungen Soldaten nehmen ihre Gespräche über den Kasernendrill wieder auf, als Tjaden aufgeregt erscheint: „Strahlend buchstabiert er: »Himmelstoß ist unterwegs nach hier. Er kommt an die Front.«“(S.39) Tjaden hat die Erziehungsmethoden von Himmelstoß besonders zu spüren bekommen. In der Summe hassten sie Himmelstoß und rächten alles am letzten Abend, bevor sie an die Front gingen. Sie lauerten ihm auf und überfielen ihn als er angeheitert aus seiner Stammkneipe kam. „Dieser Abend war der Grund, daß wir am nächsten Morgen einiger- maßen gefaßt abfuhren. Ein wehender Vollbart bezeichnete uns deshalb ganz gerührt als Heldenjugend.“ (S.42)

Auf dem Weg zum Schanzen, beginnt die englische Artillerie deutsche Stellungen zu beschießen. Nach getaner Arbeit setzen Schüsse ein, Paul wird von einem Granatsplitter erwischt und wenig später folgt ein Gasangriff. Durch strömenden Regen fahren die Soldaten auf Lastwagen zurück ins Lager.

Die Soldaten sind nicht mehr an der Front und plagen sich mit Läusen. Sie stellen Hypothesen über ein Kriegsende auf. Tjaden liefert sich ein Wortduell mit dem an die Front degradierten Himmelstoß. „Himmelstoß stürmt davon: »Sie kommen vors Kriegsgericht!«“(S.64) An die Gedanken nach dem Krieg zurückversetzt, zählen sie ihre Klasse durch: „...von zwanzig sind sieben tot, vier verwundet, einer in der Irrenanstalt...“(S.65) Scherzhaft zitieren sie schulische Redensarten und Fragestellungen ihres Klassenlehrers Kantorek, worauf Kropp zusammenfassend sagt: „»Wie kann man das ernst nehmen, wenn man hier draußen gewesen ist. «“(S.66) Verzweifelt und aussichtslos blicken sie ihrer Zukunft „nach dem Krieg“ entgegen. Der Krieg habe sie für alles verdorben, sie seien keine Jugend mehr, sie hätten keine Ziele mehr, sie glauben nur an den Krieg.

http://www-pluto.informatik.uni-oldenburg.de/~gymwhs/fach/de/im_west/arbeit1.htm

Amüsierende Szenen folgen jedoch sofort, wenn Himmelstoß aufs Korn genommen wird: „»Sehen Sie mal dorthin...Da waren wir gestern. Fünf Tote, acht Verwundete. Dabei war es eigentlich ein Spaß. Wenn Sie nächstens mit `rausgehen, werden die Mannschaften, bevor sie sterben, erst vor Sie hintreten, die Knochen zusammenreißen und zackig fragen: Bitte wegtreten zu dürfen! Bitte abkratzen zu dürfen! Auf Leute wie Sie haben wir hier gerade gewartet.«“(S.68/69) Später besuchen Paul und Kat, die sich beim gemeinsamen Abendmahl wie Brüder fühlen, die für drei bzw. einen Tag arretierten Freunde Tjaden und Kropp.

Die 2.Kompanie kommt zwei Tage früher als sonst an die Front. Auf dem Weg passieren sie aufgereihte Särge über die sie „unbehagliche Witze“(S.74) machen. Sie hören deutlich, wie sich die englische Artillerie verstärkt. In Gedanken verdeutlicht Paul, wie der Zufall für die Soldaten über Leben oder Tod entscheidet. Die Rattenplage ist auch nicht förderlich, sie mindert die Essensvorräte der Soldaten. Wenig später werden sie jedoch mit gutem Essen und Rum überschüttet. Kat weiß aber, daß das nichts Gutes zu bedeuten hat. Nach einigen Tagen ist es dann auch soweit und sie liegen unter massiven Beschuss. Das Essen wird knapp und sie „kauen jeden Happen dreimal so lange.“(S.79) Die jungen Rekruten aus der 2.Kompanie sind der Lage nicht mehr gewachsen und drehen durch. Die Artillerie setzt aus und der Nahkampf beginnt. „Aus uns sind Tiere geworden. Wir kämpfen nicht, wir verteidigen uns vor der Vernichtung...wir können zerstören und töten, um uns zu retten und zu rächen.“(S.83) Und sie hassen den Krieg aber sie haben keine Wahl.(S.84/85)

Es ist ruhiger geworden und Paul hat Wachdienst. Wie in jeder ruhigen Minute gehen ihm viele Gedanken durch den Kopf; er glaubt, sie seien verloren.(S.89/90) Es sind viele Tote zu beklagen, vor allem die jungen, unerfahrenen Rekruten fallen. Die 2.Kompanie bekommt Ersatz und es sind noch jüngere Leute. Paul bemitleidet sie. Bei einem Bodenangriff duckt sich Paul im selben Unterstand wie Himmelstoß. Beim Hinauslaufen will der sich drücken und wird von Paul zurechtgestutzt. Es bewirkt nichts, erst die Worte eines vorübereilenden Leutnants helfen. In ihrer Freizeit schulen sie die jungen Rekruten in grundlegenden Sachen. Beim nächsten Angriff sterben wieder viele Soldaten, diesmal ist Haie Westhus unter ihnen. Aus der 2.Kompanie sind nach einem viertel Jahr von einhundertfünfzig nur noch zweiunddreißig Soldaten am Leben.

Sie werden zurückgenommen und können sich etwas ausruhen. Paul hat Zeit, sich den Tod seiner Schulkameraden vor Augen zu führen. Himmelstoß, der den Küchenbullen vertritt, bietet ihnen die Freundschaft an. Sie akzeptieren, Himmelstoß hat sich durch den Krieg positiv verändert.

Mit einem Plakat werden Kropp, Leer und Paul an die Liebe erinnert, später machen sie Bekanntschaft mit französischen Frauen. Es wird keine Liebe, aber sie haben ihren Spaß.

Paul bekommt Heimaturlaub. Zu Hause wird er herzlich empfangen, aber er sagt seiner Mutter nicht die Wahrheit über den Krieg, da sie schwer krank ist. Gespräche mit Männern aus der Stadt machen ihn wütend. Andere sind unterdessen eingezogen worden, wie sein Lehrer Kantorek, der von Mittelstaedt schikaniert wird. Nach dem Besuch bei Kemmerichs Mutter, bereut Paul, auf Urlaub gefahren zu sein.

Der einfache Dienst im Heidelager lässt Paul wieder Zeit in Gedanken zu versinken. Gerührt von dem Elend der russischen Kriegsgefangenen, nimmt er sich derer an. Es gibt keinen Grund für den Krieg! Am letzten Tag bekommt er Besuch von seinem Vater und seiner Schwester, die von der schwerkranken Mutter berichten.

Wieder im Kriegsgebiet sucht Paul seine Kameraden. Er fühlt sich ihnen gegenüber schuldig. Sie bekommen neue Kleidung, „der Kaiser kommt zur Besichtigung“ und „verteilt Eiserne Kreuze“.(S.138) Sie versuchen erneut Hypothesen aufzustellen, ob und wie der Krieg hätte verhindert werden können. Für einen Patrouillengang meldet Paul sich freiwillig. Er verliert den Anschluss an die Gruppe und ein Angriff der Franzosen deutet sich an. Er liegt „gekrümmt in einem großen Trichter“(S.146) und beim Rückzug der Truppen „fällt ein Körper zu mir in den Trichter...liegt auf mir...ich stoße rasend zu...“(S.147) Unter ständigen Schuldgefühlen und tausenden Gedanken Pauls, stirbt der Franzose langsam und qualvoll.(S.148-154) Kat und Kropp bringen Paul zurück. Als er ihnen von dem Vorfall erzählt, helfen sie ihm die letzten Tage zu verarbeiten. Töten gehöre zum Krieg dazu.

Nachdem sie gute drei Wochen ein Dorf bewachen „dürfen“, in dem es mehr Proviant gibt, als sie vertragen können, werden Paul und Kropp beim Evakuieren eines anderen Dorfes verwundet. Paul sieht schreckliches Leid in einem katholischen Hospital in Köln und Albert wurde das Bein amputiert. Beim Erholungsurlaub will seine Mutter Paul nicht mehr gehen lassen und sie ist noch schwächer geworden, aber er fährt wieder ins Feld.

Ein halbes Jahr wird jetzt dargestellt. „...Ruhr, Grippe, Typhus - Würgen, Verbrennen, Tod. Graben, Lazarett, Massengrab - mehr Möglichkeiten gibt es nicht.“(S.190) Im Winter 1917 kommt Paul wieder an die Front und bis zum Sommer 1918 flieht der verwirrte Bauer Detering und es sterben der Kompanieführer Bertinck, Leer und schließlich sein „Frontbruder“ Kat. Seinen Tod verkraftet er nicht und bricht zusammen.

„Es ist Herbst.“ (S.196), also kurz vor Kriegsende und Paul ist der letzte, der aus seiner Klasse in der 2.Kompanie übrig ist. Er hat Gas geschluckt und ist krank geschrieben. „Jeder spricht von Frieden und Waffenstillstand.“ Paul freut sich jedoch nicht, nach Hause zu kommen. Er ist müde und ausgebrannt.

Er fällt schließlich im Oktober 1918 und man sah, „daß er sich nicht lange gequält haben konnte... als wäre er beinahe zufrieden damit, daß es so gekommen war.“(S.197). Der Heeresbericht beschränkte sich an diesem Tag lediglich auf den Satz, „im Westen sei nichts Neues zu melden.“

4 Videovergleich

4.1 Produktionsdaten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.2 Inhalte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Szenenvergleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der obige Szenenvergleich scheint auf den ersten Blick schon ziemlich aussagekräftig. Dem möchte ich auch nicht widersprechen, aber im Folgenden möchte ich auf Vor- und Nachteile beider Filme eingehen. Bei der Numerierung dieser gehe ich lediglich vom Erscheinungsjahr aus.

Der erste Film ist in wahrer Zeitfolge der Geschehnisse aufgebaut. Für jeden, der das Buch nicht kennt oder gelesen hat, ist er leichter zu verstehen. Der zweite hält sich jedoch mehr an das Buch von Erich Maria Remarque und bietet durch die Personenvorstellung zu Beginn einen besseren Überblick von Anfang an. Weiterhin spricht Paul Bäumer, gespielt von Richard Thomas, nicht nur in der wörtlichen Rede, sondern er ist gleichzeitig Erzähler. Wenn man das Buch nun aber gelesen hat, wartet man bei dem Darsteller Lew Ayres öfter auf den Ausspruch seiner Gedanken.

Unabhängig von den Machern der beiden filmischen Umsetzungen, hat man sich bei der Übersetzung dieser in die deutsche Sprache in der ersten Fassung einen Vorteil erarbeitet. Durch die verschiedenen Dialekte, beispielsweise bei Kat und Tjaden, wirkt die Verfilmung aufgelockert und ist so für den Zuschauer leichter zugänglich. Aussprüche von Kat sind mir oft mit diesem Dialekt im Ohr geblieben. Bei der reinen Darstellung der beiden Hauptakteure sehe ich jedoch keinen Unterschied.

Die erste, wichtige Szene in beiden Versionen ist die Ansprache des Lehrers Kantorek. So hielt er den Schülern um den Klassenprimus Paul Bäumer eigentlich im Sportunterricht Vorträge, bis sie geschlossen und natürlich freiwillig zum Bezirkskommando gingen und sich einziehen ließen. In beiden Interpretationen ist Kantorek ein kleiner glatzköpfiger Mann mit Bart und Brille. In zwei verschiedenen Darstellungen beschönigt er den Krieg für Kaiser, Gott und Vaterland. Im der ersten sagt er sogar, es sei schön, für das Vaterland zu sterben. Bald sei der Krieg vorbei und es werde sicherlich keine großen Verluste geben. Versucht er das im Film von Regisseur Lewis Milestone mit eindringlicher Mimik, so stellt Delbert Mann ihn freundschaftlich und mit sanfter Stimme dar. Weiterhin versucht dieser durch ein Einzelgespräch mit Paul auf die gesamte Klasse zu wirken.

Weil also nicht wirklich verdeutlicht wird, welchen direkten Einfluss Kantorek auf die ganze Klasse ausübt, ist der erste Streifen meiner Meinung nach besser gelungen als der zweite.

Das Schinden durch den Reservisten, Unteroffizier Himmelstoß, soll die nächste Szene sein, mit der ich die beiden Verfilmungen vergleichen möchte. Im ersten Film schließt sie sich dem Handlungsverlauf an, im zweiten sind es Gedanken zurück. So müssen sich die jungen Rekruten im Gleichschritt und im Liegen durch Dreck und Matsch durcharbeiten. Im ersten Filmwerk ist erneut die Art des Himmelstoß überzeugender, außerdem sollen sie ein Lied singen und als das zu leise ist, bekommen sie eine Extraeinheit. Im zweiten ist meines Erachtens die Kulisse nicht so gut. Bäumer und Behm werden gesondert „misshandelt“ und man kann deutlich sehen, dass den Jugendlichen die Helme noch viel zu groß sind.

Kaum ein Unterschied, aber die erste Verfilmung sieht sich besser an.

Sie lässt so auch die nächste Szene besser nachvollziehen, in der einen Tag vor Kriegsantritt Himmelstoß von seinen Schützlingen aus Rache überfallen wird. Sie hassten ihn und das sollte er zu spüren bekommen, aber ohne diese Ausbildung wären sie an der Front verloren gewesen. Für diese Nacht, als ihr Ausbilder aus der Kneipe getaumelt kommt, denken sie jedoch nur an seine Schikanen der letzten Wochen. Der Akt an sich geht nicht sehr lange, aber besser ausgenutzt ist es meiner Ansicht nach erneut in der Verfilmung von 1930. Himmelstoß läuft im Dunkeln durch einen Wald und lacht hämisch. Außerdem wiederholt er seine Befehle. Die Wut der jungen Männer scheint erneut zu steigen und sie lassen ihn über ein Seil stolpern und verpassen ihm mehrere Hiebe Prügel auf seinen Hintern.

In der neueren Version ist es ähnlich dargestellt, nur die Intensität und Wirkung kommt nicht an den Vorgänger heran.

Nach erst kurzer Kriegszeit hat es den Schulkameraden Kemmerich erwischt. Er hat einen Oberschenkel- durchschuss und wird in einem Feldlazarett untergebracht. Zeitlich ist es die nächste wichtige Szene, in der Verfilmung von 1979 und im Buch ist es jedoch bereits eher aufgeführt worden. Ab jetzt passiert alles aktuell und es sind nicht mehr nur Erinnerungen Pauls. Beide filmischen Umsetzungen sind ähnlich, die Freunde besuchen das überfüllte Lazarett. Paul redet Franz gut zu und nimmt ihm nie die Hoffnung seiner Zukunft als Förster. Nach einer anfänglichen Ablehnung, überlässt dieser seine Stiefel seinem Schulkameraden Müller, der in der zweiten Fassung eindringlicher und in der ersten freundlicher dargestellt wird. Der Arzt kann Franz Kemmerich nicht mehr helfen und Paul bringt tief berührt Müller die Stiefel.

Meinem Ermessen nach kann man hier keinem Werk den Vorzug geben, sie stellen fast gleich die Tatsache des Todes Kemmerichs und das Aussehen eines Massenlazaretts dar.

Trotz der nicht minderbedeutenden Tatsachen des Filmes, kommt jedem Betrachter ein Lächeln über die Lippen, wenn der „Schinder“, Unteroffizier Himmelstoß, an die Front kommt. Wunderbar inszeniert lockert die Szene etwas den rauhen und schweren Kriegsalltag für die Soldaten und den Zuschauer auf. Himmelstoß kommt also als Zugführer einer jungen Kompanie. In der zweiten Interpretation ist Kat gerade dabei den jungen Rekruten einige Dinge zu erklären, worauf einer von ihnen erklärt, dass es Himmelstoß mit dem Sohn eines hohen Regierungsbeamten auf dem Schlammacker übertrieben habe und deshalb an die Front müsse. Die ehemaligen Rekruten um Paul Bäumer können es kaum erwarten, ihren Schinder wiederzusehen. Himmelstoß lässt sich aber von den bösen Sprüchen nicht beirren, er bleibt ernst und wendet sich seinen Rekruten zu, denen er Befehle gibt, die sie paradieren. In dem Filmwerk von 1930 wird der Unteroffizier aber schamlos ausgelacht und man hat Spaß beim Zuschauen. Paul erteilt ihm eine Lektion „wie sie im Buche steht“ und dem ehemaligen Postboten schläft das Gesicht ein.

Wegen der Schärfe gegen Himmelstoß bekommt die erste Verfilmung eine bessere Einschätzung von mir. Die bereits im Vorwort angesprochene Szene, in der Paul erstmals einen Menschen tötet, soll Inhalt des nächsten Vergleiches der beiden Videos sein. Über mehrere Tage hindurch dauert das langsame Sterben des französischen Buchdruckers Duval, dessen Tod in Paul tiefe Nachdenklichkeit und Schuldgefühle auslöst. In der ersten Fassung fragt Paul ihn, ob er ihm helfen kann und der Franzose fragt nach „boire“, etwas zu trinken, was Paul ihm aus einer Pfütze gibt. Als der Franzose röchelt, schreit Paul ihn an und einen Moment später redet er ihm gut zu. In beiden Filmen redet Bäumer auch nach dem Tod seines „Kameraden“ noch mit ihm. Im zweiten wäscht er nach dem zweifachen Stich das Messer und seine Hände in einer Pfütze vom Blut ab, ist erst sehr zögerlich, schaut Duval nur an und hält sich die Ohren zu. Paul will erneut zustechen, doch sein Gemüt schlägt um und er versucht, die Schmerzen des Franzosen zu lindern. Der ist aber zu kraftlos und stirbt, woraufhin Paul auch einige Tränen verliert.

Auf ähnliche Weise ist die Szene in beiden Umsetzungen gut dargestellt, wobei die neuere aufgrund der Farbe einen leicht besseren Eindruck auf mich macht.

Bild aus dem Internet unter http://www.dem.de/entertainment/kino/102/102040.html

Der Szene, der am meisten Spielzeit zur Verfügung gestellt wurde, ist der Heimaturlaub Pauls. Beide Filmwerke beschränken sich lediglich auf eine Heimkehr an seinen ehemaligen Wohnort und fassen Erholungsurlaub von der Krankheit und normal genehmigten Urlaub zusammen. In den etwa fünfzehn Minuten wird in beiden Fassungen die Ankunft Pauls in der Wohnung dargestellt. Außerdem das „Gespräch“ am Stammtisch des Vaters, der Disput zwischen Bäumer und seinem ehemaligen Klassenlehrer sowie die Unterhaltung mit der Mutter in der letzten Nacht vor seiner Abreise. Dabei hält sich die erste Verfilmung mehr an den Text, den Erich Maria Remarque geschrieben hat. Mit zurückhaltendem Gang betritt er sein Geburtshaus in der zweiten Version mit voller Montur und seine Schwester empfängt ihn freudig. Er weint und verlangt ein Taschentuch. Am Bett seiner Mutter versucht er alles zu überspielen, schaut man ihm jedoch genau ins Gesicht, sind seine gequälten Lügen der Mutter gegenüber deutlich erkennbar. Die Szene wechselt über zum Stammtisch und die Herrschaften sind sich sicher, der Krieg wäre bald vorbei, wenn man „den Franzmann ordentlich verkloppt“ und sich an die Tipps von ihnen hält. Als sie Pauls Meinung vollkommen ignorieren hat Paul in beiden Filmen einen leeren Blick und verlässt in der `30er Interpretation sogar die Kneipe. In der nächsten Szene sehe ich die eindeutig besseren Karten in der ersten filmischen Umsetzung, denn Lew Ayres lässt den verblüfften Kantorek ziemlich alt vor seiner Klasse aussehen, die dem vorher freudig gelauscht hat. Paul scheint zwar nun als „Feigling“ dazustehen, aber er hält eine tolle Ansprache, wonach es nicht süß und ehrenvoll ist, für das Vaterland zu sterben. „Der Tod für das Vaterland“ sei dagegen dreckig und furchtbar. Unter dem Entschluss, vorzeitig seinen Heimatort zu verlassen, verlässt er das Klassenzimmer. Seine besorgte Mutter sitzt nun an seinem Bett und Paul versucht beruhigend auf sie einzuwirken und ihre Sorgen zu entkräften. Er habe keine Angst und werde versuchen, einen ungefährlicheren Job zu bekommen. In der ersten Fassung schaut er sich nun noch Zeichnungen von damals an, die fröhliche Gesichter und eine schöne Natur zeigen, sowie Zeichnungen, die im Krieg entstanden sind und traurig aussehen. Er schreibt sogar noch einen Abschiedsbrief, den er aber gleich wieder zerreißt.

Vor allem aufgrund der Szene im Klassenzimmer und der besseren Übereinstimmung mit den Worten Remarques bekommt der erste Film eine bessere Einschätzung.

Die beiden letzten Szenen folgen unmittelbar aufeinander. Mit dem Tod von Stanislaus Katczinsky, einem verlässlichen Freund, Bruder oder sogar Vater Pauls, stirbt auch in ihm der Geist ums Überleben. In der ersten Version treffen sich Paul und Kat nach dem Heimaturlaub wieder und als ein Flugzeug über die beiden hinweg fliegt, erwischt es Kat am Schienbein. Paul trägt ihn zum Arzt, aber eine erneute Bombe aus dem Flieger erwischt seinen engsten Kameraden am Hals und Pauls Mühe war umsonst. Stille Musik setzt ein und Paul zieht sich zurück. Er sieht einen Schmetterling und möchte nach diesem greifen. Als er sich dabei ungedeckt in die Schussbahn eines französischen Scharfschützen begibt, ist Paul Bäumer ohne Chance.

Die zweite Umsetzung stellt sich wie folgt dar: Beim Essen holen werden Kat und Paul von französischen Stellungen beschossen und Kat wird anscheinend von einem Splitter erwischt. Paul beginnt ihn zu tragen, aber muss zweimal pausieren. Sie rauchen noch gemeinsam eine Zigarette und Paul erzählt dem mit Schmerzen kämpfenden Kat einige aufmunternde Episoden, die dieser aber nicht richtig wahrnimmt. Der Arzt im Lazarett kann dann ebenfalls nur noch seinen Tod feststellen.

Paul schreibt noch einen Brief an Albert und schaut nach den Rekruten im Graben. Auf Granateneinschläge im Hintergrund setzt Vogelzwitschern ein. Paul zeichnet hastig und mit großen Augen diesen Vogel, erhebt sich und sein ungedeckter Kopf dient als Ziel für einen französischen Soldaten.

Auch hier verdient die Interpretation aus dem Jahr 1930 eine bessere Beurteilung von mir, da es im Großen und Ganzen die Gegebenheiten besser zeigt, als es in der von 1979 der Fall ist.

Zusammenfassend denke ich, sind beide Filmwerke auf ihre Art und Weise gut dargestellt und verständlich für das Publikum. Bei einer mehrfachen Betrachtung muss man aber der Verfilmung des Regisseurs Lewis Milestone den Vorzug geben. Schaut man sich in zeitlicher Reihenfolge beide Streifen an, wirkt der aus dem Jahr 1979 wie nachgesprochen. Man weiß, was die Schauspieler im der ersten Fassung sagen und wie der Wortlaut aus dem Roman ist und erwartet ähnliche Aussprüche auch in der neueren und wird dabei enttäuscht. Keinen wirklichen Nachteil stellt das Schwarz-Weiß-Material, denn es ist die starke Inszenierung, die den Ausschlag gibt. Nach Schulnoten eine 1- für die ältere, eine 3+ für die neuere Version.

Bild aus dem Internet unter http://www.dem.de/entertainment/kino/102/102040.html englischer Filmausschnitt von 1930 unter http://german.imdb.com/Trailers?0020629

5 Auswertung

Der Roman oder besser Bericht Im Westen nichts Neues ist in 12 Kapitel geteilt und erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren, wobei detaillierte Angaben über Zeitraum des Einsatzes und der Schlachten fehlen. Der I.Weltkrieg an sich dauerte von Juni 1914 bis November 1918.

Im Westen nichts Neues erzählt prägnant und in unbemäntelter Sprache das Leben des gewöhnlichen Soldaten. Es wird nichts beschönigt und niemand möchte als Held dargestellt werden. Der Krieg wird nicht bewertet, sondern nur in seiner natürlichen Grausamkeit gezeigt.

„Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein.

Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde - auch wenn sie den Granaten entkam.“

„Ich habe keine Lehre zu verkünden. Ich habe nur erzählen wollen, was ich und meine Kameraden erlebten, wie unsere Lebensideale zerschmettert wurden von einer Wirklichkeit, für die sie nicht eingerichtet waren.“ (E. M. Remarque im Interview der Kölnischen Zeitung)

Der Autor betont, dass sein Buch keinen scheinbaren Romancharakter besitzt, sondern auf die wertungsfreie Tatsachendarstellung Wert legt. Somit soll sein Buch wertenden Aussagen ferngehalten werden und damit ein möglichst breites Publikum ansprechen und anregen.

Das ist Erich Maria Remarque auch im größten Maße gelungen. Das Buch hat mich in meinen Urlaubstagen so mitgerissen, dass ich es bereits nach einer Woche durchgelesen hatte, was mir sonst bei keinem Buch passiert. So hatte ich es bereits vor Beginn der Belegarbeit zweimal gelesen.

Die Verfilmungen dagegen, lagen einige Wochen nur neben dem Videorecorder. Als ich mich dann doch eines Abends vor die „Flimmerkiste“ setzte und erstmal den älteren Film sehen wollte, weil ich dachte, dann könne es ja nur noch besser werden, war ich bereits nach diesen 140 Minuten zufrieden. Es war genau so, wie ich mir eine Interpretation des Romans vorgestellt hatte. Ab und zu vermisste ich die Gedankenaussprüche, aber dieses Filmwerk war wundervoll inszeniert. Die neuere Version war nun in Farbe und etwas deutlicher wurden die grausamen Ausmaße.

Es war schwer beide Fassungen stets kritisch zu betrachten, denn sie sind im größten Maße eine Huldigung an den Autor des Buches und natürlich an den Frieden und die Jugend.

Es ist jetzt Ende Oktober 2001, vor 83 Jahren starb Paul Bäumer als eigentlich Jugendlicher und Schüler, aber abkommandiert zu einem Soldaten und Mörder. Wenn ich einen Wunsch habe, dann ist es mit Sicherheit der, dass ich nie, in welchem Ausmaß auch immer, in eine ähnliche Situation kommen muss, wie sie die Titelfigur durchlebt hat.

Die aktuellen Angriffe amerikanischer und britischer Truppen auf Afghanistan sind auch schon fast Alltag in den Berichterstattungen der Nachrichten. Neulich sind die ersten Soldaten gefallen und der amerikanische Präsident, George W. Bush, hatte lediglich zu äußern, die Soldaten seien für eine sinnvolle Sache gestorben. Immerhin hat er sich noch geäußert, wer weiß ob die Nachrichten nicht bald zu berichten haben: „Nichts Neues bei den Bombardements.“

Christian Kohnert

zur Textbearbeitung und -interpretation:

Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues, 4.Auflage 2000. Kiepenheuer & Witsch, Köln.

Abitur 2001 - Deutsch Leistungskurs Gymnasium Sachsen, 6.ergänzte Auflage 2000. STARK, Freising. Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues, 2.überarbeitete Auflage 2000. Beyer Verlag, Hollfeld.

Details

Seiten
14
Jahr
2001
Dateigröße
878 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105079
Note
14
Schlagworte
Remarque Erich Maria Westen Neues Belegarbeit

Autor

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Titel: Remarque, Erich Maria - Im Westen nichts Neues