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Die Ästhetik des Blutes im literarischen Motiv des Vampirs

Hausarbeit (Hauptseminar) 1998 21 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Vampire in der Literatur

III. Deutungsversuche

IV. Literaturverzeichnis
1. Werke
2. Darstellungen

I. Einleitung

Der Vampir ist eines der am häufigsten verwendeten Motive der phantastischen Literatur. Nicht erst seit Bram Stoker beschäftigen sich die Schriftsteller mit der Figur des Wiedergängers. Untote geistern in der einen oder anderen Weise seit der Antike durch die Dichtkunst. Und betrachtet man dann noch die Fülle von Filmen, in denen Blutsauger ihr Unwesen treiben1, so drängt sich einem die Frage auf: Warum? Was macht die Faszination gerade dieser phantastischen Gestalten aus, daß sie bis heute noch nichts von ihrer Attraktivität verloren haben. Und das in einer Welt, in der die Schrecken durch Kriege, Katastrophen, Serienmörder oder Kinderschänder zum Alltag gehören. Vampire und ihre Geschichten haben dennoch Hochkonjunktur. In Zeiten von immer schnelleren Computerspielen weiß doch jedes Kind etwas mit dem Begriff ‘Dracula’ anzufangen. Aber „inmitten dieser Welt realer Schrecken sollten fahle Vampire [...] eigentlich kaum mehr Grauen verbreiten. Gegen die stählerne Eleganz und kühle Brutalität moderner Kriegsmaschinen kann ein Paar blutbesudelter Eckzähne nicht in aussichtsreiche Konkurrenz treten.“2

Um die außerordentliche Popularität des Vampirs in Literatur und Film zu erläutern, mag als erstes die Erklärung genügen, daß es sich um einen uralten, tief im Volksglauben verwurzelten Mythos handelt, der schon in der Antike vorkommt. Er ist "kein von der Filmindustrie geschaffenes Billigprodukt"3. Er geht zurück auf das Phänomen des Wiedergängers, bei dem es sich um ein "identifizierbares Phantom eines Verstorbenen"4handelt. Auch sind im Vampir-Motiv die gedanklichen Voraussetzungen des HorrorGenres am klarsten ausgedrückt: die Furcht vor der Wiederkehr der Toten, die Verwandlungsmöglichkeiten des Untoten, der rituelle Tötungsakt und der Blutmythos. Zudem erhalten die starken optischen Signale wie die Fangzähne oder der lange Mantel eine ornamentale Funktion.

Das Motiv des Vampirs läßt sich in diverse Elemente aufteilen, die ich Submotive nennen möchte. Das Submotiv der Erotik ist sicher das wichtigste. Darüber hinaus kristallisieren sich die Submotive der Kirche bzw. Religion, des Todes und der Nekrophilie, der Zähne und des Bisses und das des Blutes heraus. In Anbetracht also der Fülle des Materials und der möglichen Aufteilung in diverse Submotive erscheint es mir ratsam, sich ein Submotiv, das des Blutes, herauszunehmen und es genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Blut ist schon aufgrund seiner Signalfarbe ein hervorstechendes Merkmal, und im allgemeinen Sprachgebrauch gibt es eine Reihe von metaphorischen Verwendungen des Wortes: Halsabschneider, Wucherer oder Miethaie werden ‘Blutsauger’ genannt, Erpresser lassen ihre Opfer finanziell ‘ausbluten’. Und in einer Werbekampagne vom Deutschen Roten Kreuz für das Blutspenden klingt der Slogan „Mein Blut. Für Dich.“ wie eine Liebeserklärung.

Die Wurzeln des Vampirismus und die Bedeutung des Blutes reichen bis in die Frühzeit des Menschen zurück. Man erkannte, daß ein Tier oder ein Mensch mit dem Blut auch die Lebenskraft verlor. Männer schmierten sich daraufhin mit Blut ein oder tranken es auch und gaben damit der Vorstellung Nahrung, man könne damit seine Lebenskraft erneuern.5Dem Blut wurde also schon immer heilende Wirkung zugeschrieben. Im Alten Testament finden sich in der Geschichte von David und Abischag in symbolischer Form Hinweise für den Glauben an die Kraft jungen Blutes (I Kön 1,1-4).6„Aus der Vorstellung, die Lebenskraft habe ihren Sitz im Blut, erwuchsen Vorschriften wie das Baden in Blut zur Verjüngung. Hufeland (Makrobiotik 1796) spricht vom ‘Lebensdunst frisch aufgeschnittener Tiere’.“7Und der Vampirglaube hängt eng damit zusammen. Auf der anderen Seite wurde in der christlichen Metaphorik der Genuß von Blut streng untersagt, da man im Blut den Sitz der Seele vermutete. Somit war die Grundlage des Vampirs als Widersacher der Religion geschaffen:

Jeder Mann aus dem Haus Israel oder jeder Fremde in eurer Mitte, der irgendwie Blut genießt, gegen einen solchen werde ich mein Angesicht wenden und ihn aus der Miite seines Volkes ausmerzen. Die Lebenskraft des Fleisches sitzt nämlich im Blut. Dieses Blut habe ich euch gegeben, damit ihr auf dem Altar für euer Leben die Sühne vollzieht; denn das Blut ist es, das für ein Leben sühnt. Deshalb habe ich zu den Israeliten gesagt: Niemand unter euch darf Blut genießen, auch der Fremde, der in eurer Mitte lebt, darf kein Blut genießen. [...] Denn das Leben aller Wesen aus Fleisch ist das Blut, das darin ist. Ich habe zu den Israeliten gesagt: Das Blut irgendeines Wesens dürft ihr nicht genießen; denn das Leben aller Wesen aus Fleisch ist ihr Blut. Jeder, der es genießt, soll ausgemerzt werden.“ (III Mose 17, 10-14)8

Der Glaube an Vampire findet sich in nahezu allen Kulturen der Erde. Der babylonische 'edimmu', der seinen Opfern das Blut aussaugte, die griechischen ‘Lamien’ (lat: Lemuren), vogelähnliche Wesen mit einer Schwäche für Kinderblut, der chinesische 'qiang shi', ein Dämon, der in Körper von Toten schlüpfte und Blut trank oder 'Rangda' aus Bali, durch den die Opfer sabbernd und wahnsinnig wurden, sind nur einige Beispiele.9„Allen diesen Formen des Vampir-Glaubens ist gemeinsam, daß sie zugleich von der geheimen Faszination dieser Kraftübertragung durch Zerstörung und von der Furcht, selber durch Blutverlust geschwächt zu werden, leben - eine Furcht, die in den eigentümlichen Widerwillen hineinreicht, den man gegenüber blutsaugenden Insekten empfindet.10

Einer Legende zufolge übte das Blut auf die berüchtigte ‘Blutige Gräfin’ Elisabeth Bárthory eine besondere Faszination aus. Danach soll die 1560 geborene Adlige von dem Gedanken beseelt gewesen sein, durch Baden in Blut die Schönheit ihrer Haut zu bewahren. Die von Natur aus sadistisch veranlagte Gräfin fand eines Tages heraus, als ihr Arm durch Zufall mit ein paar Tropfen Blut ihrer Kammerzofe benetzt wurde, daß ihre Haut nach dem Wegwischen der roten Flüssigkeit weicher und geschmeidiger erschien. Von diesem Tage an kannten ihre perversen Phantasien keine Grenzen mehr. Und so wurden bis zu ihrem Tode im Jahre 1614 ungefähr 650 junge Mädchen umgebracht.11 Der Vampirglaube wurde schließlich dadurch genährt, daß irgendwann die Beseitigung der sich allmählich häufenden Leichen zu einem echten Problem wurde. Die älteren Diener - jüngere waren im Laufe der Zeit Elizabeths Gier zum Opfer gefallen - warfen die ausgebluteten Leichen einfach auf die Felder, und die Bauern der Umgebung glaubten, sie seien von Vampiren ausgesaugt worden.

Natürlich versuchen Wissenschaftler unserer Tage herauszufinden, ob es vielleicht eine natürliche Erklärung für das Vampir-Mysterium gibt. Der kanadische Chemiker David Dolphin hat herausgefunden, daß der Aberglaube eventuell durch eine seltene Blutkrankheit, die Porphyrie hervorgerufen worden sein könnte. Bei dieser erblichen Krankheit entstehen durch eine Störung der Hämoglobinbildung sogenannte Porphyrine. Diese bewirken extreme Lichtempfindlichkeit - direkte Einwirkung von Sonnenlicht kann Hautmißbildungen hervorrufen. Außerdem schrumpfen Lippen und Zahnfleisch, so daß die Zähne länger und größer erscheinen. Im übrigen bewirkt die Einnahme der in Knoblauch enthaltenen Substanz Dialkyldisulfid durch Zerstörung des Bluteiweißstoffes Cytochrome p450 eine Verschlimmerung der Krankheit. Dies sind alles klassische Blutsaugermerkmale. Während heute die noch immer nicht heilbare Krankheit zumindest durch Blutfarbstoffinjektionen gelindert werden kann, war das früher natürlich nicht möglich. Dolphin vermutet also, daß die Kranken in früheren Zeiten große Mengen Blut tranken, um Linderung zu erfahren. Und wurden daher für Vampire gehalten.12

II. Vampire in der Literatur

Da es sich bei dem Vampir um kein modernes Geschöpf der Unterhaltungsindustrie des 20. Jahrhunderts handelt und auch um kein Motiv, das zuerst in der gotischen Literatur der Romantik oder bei Bram Stoker geschaffen wurde, sondern tiefe ethnologische Wurzeln hat, verwundert es auch nicht weiter, daß Untote bereits in der antiken Dichtkunst ihr Unwesen treiben.13In der ‘Odysee’ von Homer erweckt Odysseus die Bewohner des Hades zu neuem Leben, indem er sie mit dem Blut geschlachteter Schafe anlockt.14Der griechische Sophist Flavius Philostratos beschäftigte sich in seiner Geschichte ‘Die Empuse’ mit der Materie. Hier verliebt sich ein Jüngling namens Menippos in eine schöne Frau, die ihn verführt, sich aber dann als „eine der Empusen, die man Lamien und Gestalten des Grauens nennt“15, zu erkennen gibt. Hier taucht das Submotiv des Blutes in Verbindung mit der Erotik auf, in der Weise, „daß sie [...] den Menippos mit Wollust nähre, um ihn aufzuzehren. Denn sie pflegte schöne und junge Leiber zu speisen, weil ihr Blut frisch und rein war.“16

In der Neuzeit wurde das vampirische Sujet zunächst nur sehr stiefmütterlich behandelt, wohl im wesentlichen aufgrund einer neuen rationalistischen, wissenschaftlichen Weltsicht, in der für solche Elemente irrationaler Natur kein Platz war, in einer Zeit, in der man „an die unbegrenzten Möglichkeiten vernunftgelenkten Denkens“17glaubte. Allerdings hatten angebliche Vampirepidemien eine Reihe wissenschaftlicher Abhandlungen zum Thema zur Folge. So war auch das Gedicht ‘Der Vampyr’ von Heinrich August Ossenfelder von 1748, das als der erste fiktionale Text zum Vampir-Motiv in der neuen Zeit gilt, eine reine Auftragsarbeit für eine abermals wissenschaftliche Arbeit.18

Auf der Schwelle zum 19. Jahrhundert setzte wiederum ein starkes Interesse an der Figur des blutsaugenden Revenants ein. Der Vampir war glänzend geeignet, im Zuge der sogenannten ‘Schwarzen Romantik’19die Abgründe der menschlichen Natur darzustellen. Der Marquis de Sade berührt in seinem 1797 (ein Jahrhundert vor ‘Dracula’) anonym veröffentlichten Werk ‘Justine’20den Vampirismus nur am Rande - hier hat der Blutdurst keine dämonischen, sondern eher sexualpathologische Ursachen: Der Graf Germande kann nur zum Orgasmus gelangen, indem er Frauen das Blut abzapft.

Goethe schrieb 1797 seine Ballade über ‘Die Braut von Corinth’21, in der ein Jüngling nach Corinthus von Athen kommt, um ein ihm schon früh versprochenes Mädchen zu ehelichen, aber in dessen Elternhaus trifft er auf die Schwester seiner Braut (so macht diese ihn glauben), die ihm das Blut aussaugt und sich doch als das Mädchen entpuppt, das ihm einst versprochen wurde. In Zusammenhang mit dem Blut ist dieses Werk insofern von Bedeutung, als daß die Untote ob ihrer Liebe darauf bedacht ist, ihrem Bräutigam doch nicht zuviel von dem roten Saft zu nehmen. Eine solche Symphatie erheischende Darstellung des Wiedergängers findet sich auch in dem im gleichen Jahr entstandenen Gedicht ‘Hinüber wall ich ‘ von Novalis22. Hier erwartet das lyrische Ich sehnsüchtig den Tod:

O! sauge, Geliebter, Gewaltig mich an, Daß ich entschlummern Und lieben kann.

Ich fühle des Todes Verjüngende Flut, Zu Balsam und Äther Verwandelt mein Blut - (vv. 17-24)

Andere bemühten das Bild des Blutsaugens, um ihre Liebe auszudrücken. Clemens Brentano schrieb in glühender Verehrung 1802 an Karoline von Günderode:

Öfne alle Adern deines weisen Leibes, daß das heiße, schäumende Blut aus tausend wonnigen Springbrunnen sprizze, so will ich dich sehen und trinken aus den Tausend Quellen, trinken biß ich berauscht bin und deinen Tod mit jauchzender Raserei beweinen kann [...]. [Es] ist zu viel, waß ich habe, drum beiße ich mir die Adern auf, und will dir es geben, aber du hättest es thun sollen, und saugen müßen. Oefne deine Adern nicht Günterrödchen, ich will dir sie aufbeißen.23

„Ein epochemachendes Ereignis ist in der Begegnung Percy Shelleys, Mary

W. Shelleys, Lord Byrons und dessen Leibarzt William Polidori im Sommer 1816 in der Villa Diodati am Genfer See zu sehen"24, bei der Byron vorschlug, jeder der Anwesenden solle eine eigene Gespenstergeschichte erfinden. Mrs. Shelley verfaßte hierauf ihren ‘Frankenstein’25 und Lord Byron ‘ein Fragment’26. Dieses regte Polidori zu einer Novelle an, ‘Der Vampyr’27, welche später irrtümlich Byron zugeschrieben wurde. Im zweiten Cantus seiner Verserzählung ‘The Giaur. A Fragment of a Turkish Tale’28thematisiert Byron neben dem Blutdurst auch das Inszesttabu:

Zuerst, als Vampir umzugehn, Soll aus der Gruft dein Leib erstehn; Dann schleich als Scheusal in dein Haus, Und saug das Blut den Deinen aus; Um Mitternacht entströmt das Blut, Des Kinds und Weibes Lebensflut.

Doch deinem Leichnam, graß und fahl, Soll ekel werden dieses Mahl; Dein Opfer selbst, eh es verblich, Erkenn als seinen Vater dich - [...]

Es triefe dir von Zahn und Mund

Das beste Blut aus deinem Bund.

(vv. 9-36)

In der Romantik, in der der Vampir in den ‘Gothic Novels’ zu einem Standardmotiv wurde, verbindet er sich vor allen Dingen mit der Erotik, so bei Heinrich Heine in dessen kleinem Gedicht ‘Helena’29. Außerdem brauchen die Vampire das Blut zum Überleben und das Opfer geht mit ihnen eine metaphysische Verbindung ein, so bei der „gerne als lesbisch bezeichneten"30 Beziehung der Carmilla zu Laura in der Erzählung ‘Carmilla’31von Joseph Sheridan LeFanu aus dem Jahre 1872, „eines der ganz wenigen Meisterwerke dieser Gattung"32, bei dem es wie bei Goethe auch um eine weibliche Revenante geht, oder dem Verhältnis von Clarimonde und Romouald in Théophile Gautiers ‘Die liebende Tote’:

‘Ich werde nicht sterben, ich werde nicht sterben! [...] Mein Leben ist in deinem enthalten, und alles was ich bin, kommt von dir! Einige Tropfen deines edlen, reinen Blutes, kostbarer und wirksamer als alle Elixiere der Welt, haben mir das Dasein zurückgegeben.’33

Durch LeFanus Werk stark beeindruckt, denn er „'bediente sich gewisser Elemente des heimtückisch sinnlichen Stils Le Fanus'"34, schrieb dann Bram StokerdenVampirroman schlechthin, ‘Dracula’35, der 1897 veröffentlicht wurde. Stoker verband hier den Vampir-Mythos mit den puritanischen Moralvorstellungen des viktorianischen Englands. Auch legt der Roman ein starkes Gewicht wiederum auf die erotische Komponente, allerdings wohl ohne daß Stoker etwas davon ahnte. Er „war ein ernsthafter, nicht zu Scherzen und Frivolitäten aufgelegter Mann, dem vieles ein Geheimnis bleiben mußte, so auch die starke sexuelle Symbolik seines Dracula"36. Einige Erzählungen im Fahrwasser von Stokers Dracula betonten den physiologischen Aspekt des Blutdurstes, so Schuyler-Miller in ‘Über den Fluß’:

Seine Kehle war ausgedörrt, und in seinen Eingeweiden brannte der Hunger. Aber Wasser bedeutete für ihn das Ende [...] Blut hingegen, frisches, heißes, rotes Blut war Leben [...] Blut würde diesen fürchterlichen, stetig anwachsenden Durst stillen und die Kälte vertreiben.37

Im 20. Jahrhundert gab und gibt es wiederum ebenfalls eine Fülle von Werken, die sich mit dem vampirischen Sujet befassen. Wichtig hierbei vor allen Dingen ‘Gespräch mit dem Vampir’38von Anne Rice aus ihrem Zyklus ‘Chronik der Vampire’. Die Autorin schildert hier das Geschehen nicht aus der Sicht etwaiger Verfolger des oder in diesem Falle der Blutsauger, sondern aus der der Vampire selbst. „Das ergibt nicht, wie zu vermuten wäre, eine Stellungnahme für das Böse, sondern eher eine schillernde und einfühlsame Infragestellung des Konzepts des Bösen überhaupt.“39Außerdem beschreibt Rice das Saugen des Blutes als fast liturgischen Akt, in dem Opfer und Täter gleichsam verschmelzen, indem einer den Herzschlag des anderen hört:

Es ist nicht nur, daß man sich am Blut satt trinkt [...] man erfährt das Leben des anderen, und auch das Dahinschwinden dieses Lebens durch das Blut. [...] Für mich ist es immer wieder die Erinnerung an das Vergehen meines eigenen Lebens, an damals, als ich das Blut aus Lestats Adern saugte und sein und mein Herz schlagen hörte.40

III. Deutungsversuche

Um das Phänomen zu erklären, gibt es psychoanalytische, religionsgeschichtliche, soziologische und sogar medizinische Deutungsversuche. Zuallererst hat die Farbe Rot schon immer eine starke Signalwirkung gehabt. Rothaarige Frauen haben eine eigentümliche Faszination, derentwegen sie im Mittelalter als Hexen verfolgt wurden wie später auch die Vampire, die allerdings im Malleus Maleficarum der Inquisition zunächst nur eine untergeordnete Rolle spielten; rote oder rot geschminkte, volle Lippen wirken sinnlich. Jonathan Harker beschreibt seine Faszination bei der Begegnung mit den drei Gespielinnen Draculas in seinem Tagebuch:

Alle drei hatten blendend weiße Zähne, die wie Perlen zwischen den Rubinen ihrer wollüstigen Lippen hervorglänzten. [...]; ich verlangte nach ihnen, und fühlte dennoch Todesangst. Ich empfand in meinem Herzen ein wildes, brennendes Begehren, daß sie mich mit ihren roten Lippen küssen möchten. [...] Das schöne Weib kam heran und beugte sich über mich, bis ich ihren Atem fühlte. Er war süß, honigsüß [...]; dennoch roch man etwas Bitteres und Abstoßendes durch ihren Atem - wie Blut. [...]; als sie ihren Nacken beugte, leckte sie ihre Lippen wie ein Tier, so daß ich im Licht des Mondes den Speichel auf ihren Scharlachlippen, ihrer roten Zunge und ihren weißen Zähnen erglänzen sah.“41

Eine deutliche Verwendung der Farbe Rot als Symbol für das Blut findet sich im ersten Dracula-Film der englischen Produktionsfirma Hammer, DRACULA (1958) von Terence Fisher, mit Christopher Lee in der Titelrolle. Kameramann Jack Asher verwandte hier die Farben Rot und Grün, um durch diese Gegensätze die leichenhafte Blässe des Grafen besonders hervorzuheben. So hat die Farbe Rot im klassischen Horror eine zentrale Funktion übernommen, „als signalhaft sichtbare Folge der Verletzung und als deren isolierbares Symbol“42, man denke nur an die ausgiebige Verwendung von Filmblut in der opernhaften Literaturverfilmung BRAM STOKER’S DRACULA (USA 1992) von Francis Ford Coppola - sie bewirkt nicht etwa Ekel, sondern Faszination, an die gigantische rote Welle im Overlook-Hotel in SHINING (1980) von Stanley Kubrick oder an die Blutströme an den Wänden in AN G E L HEART (1986) von Alan Parker. Hier außerdem in Verbindung mit einem Geschlechtsakt.

Eine andere Erklärung findet sich sicherlich in dem Umstand, daß der Vampir im Gegensatz zu anderen mythischen Halbwesen ein ambivalentes Wesen ist, er ist erschreckend und faszinierend zugleich. „Nun hat der Mensch den verschwommenen Eindruck, daß er sein eigenes Leben nur dann endlos verlängern kann, wenn er einem anderen einen Teil von dessen Leben nimmt. Dieser Wunsch, der in ihm entsteht, erschreckt ihn, und er projiziert ihn deshalb in die Gestalt des Monsters.“43Beruhend auf der biologischen und mythischen Bedeutung des Blutes als Sitz der Seele und des Lebens - „Blut ist Leben! Blut ist Leben!“44- und der Vorstellung der Stärkung der eigenen Vitalität durch Genuß des roten Körpersaftes, kommt das Dilemma, dies nur durch die Schwächung oder gar Tötung eines anderen Wesens erreichen zu können. Sicherlich spielt auch der für abstoßend gehaltene Kannibalismus eine Rolle, „neben das Menschen- Essen tritt das Menschen-Trinken.“45.

Psychologisch gesehen ist der Vampir also ein Ausdruck menschlichen Wunschdenkens und Sicherheitsbedürfnis. Für verwerflich gehaltene Begierden werden durch eine Projektion auf eine mythische Gestalt entlastet. „Für den Menschen, der [...] sich auf diese Weise der Last der Vernunft entledigt, wird das Blut zur Essenz des Lebens. Blutvergießen heißt dann, sich lebendig, stark, einzigartig, allen anderen überlegen fühlen. Das Töten wird zum großen Rausch, zur großen Selbstbestätigung auf der äußersten archaischen Ebene.“46Aber es geht im Vampirmythos nicht um simple Gewalt als solche, obschon besonders der Film DRACULA (1958) auch stark sadistische Tendenzen zeigt, sondern vielmehr um erotische Brutalität. So wurde beispielsweise der Universal-Film DRACULA (1931) von Tod Browning mit Bela Lugosi in der Hauptrolle nicht als grausamer Horrorfilm angekündigt, sondern als „The Strangest Love Story of All“. „Der Horror-Film ist eine Möglichkeit, Archetypen erotischer Bedrängnis und erotischer Haßimpulse zu einer greifbaren Leinwand-Wirklichkeit zu bringen.“47

Und in der Eigenschaft des Wiedergängers, das Blut anderer Menschen auszusaugen, um sein Leben zu verlängern, findet eben der Wunsch nach ewigem Leben Ausdruck. Im Neuen Testament ist davon - wenngleich in symbolischer Form - die Rede:

Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn aufwecken am Letzten Tag. (Joh 6, 53- 54)48

Sigmund Freud prägte den Begriff der ‘Einverleibung’ oder ‘Inkorporation’. Dieses Phänomen spielt sich mehr oder weniger in der Phantasie ab und bezeichnet einen Vorgang, bei dem das Subjekt ein Objekt in sein Körperinneres eindringen läßt. Dieses Triebziel steht vorrangig mit der Sexualität oder der Nahrungsaufnahme in Verbindung.49Die Nahrung des Vampirs ist das Blut und wendet man die ‘Inkorporation’ auf den Vampir an, so kann man durchaus davon sprechen, daß der Vampir sich sein Opfer einverleibt. Zudem ist es ein immer wiederkehrendes Element der Vampirthematik, daß der Blutsauger nach Beendigung seines gewalttätigen Rituals jünger, stärker oder mächtiger scheint. Während bei Jonathan Harkers Ankunft ihm noch ein alter Mann von außerordentlicher Blässe entgegentrat, beschreibt ihn der junge Anwalt später anders:

Da lag der Graf, aber er sah aus, als sei seine Jugend wieder zurückgekehrt; Haar und Schnurrbart, vordem weiß, waren nun dunkel, eisengrau, die Wangen waren voller und die weiße Haut schien rosig unterlegt; der Mund war röter als je, denn auf den Lippen standen Tropfen frischen Blutes, das in den Mundwinkeln zusammenrann und von da über Kinn und Hals hinuntersickerte. Selbst die Augen lagen nicht mehr so tief, denn es schien sich neues Fleisch um sie gebildet zu haben. Es schien mir, als sei die ganze grauenvolle Kreatur mit Blut einfach durchtränkt; er lag da wie ein vollgesogener Blutegel.50

Für den Vampir ist das Saugen von Blut ferner eine Art Transfusion, eine Art der Lebensrettung, die spätestens seit der Erfindung der Aderpresse Eingang auch in die diesseitige Medizin gefunden hat. Der Verlust von Blut ist gleichbedeutend mit der Bedrohung des Lebens an sich. Darüber hinaus kann das Saugen von Blut auch als Symbol für die Art und Weise dienen, in der manche Menschen die Energie anderer zu rauben scheinen. Solche Menschen belegt man normalerweise mit dem Ausdruck ‘Schmarotzer’ oder auch ‘Blutsauger’.51

Der Biß des Vampirs hat überdies eine stark sexuelle Note, welche sicher einer der Hauptgründe für seine Faszination ist. Nach Freud ist der Biß ein sadistischer, aber auch erotischer Kuß. Der Akt des Saugens hat außerdem nach Ernest Jones seit der Kindheit eine Bedeutung, die das ganze Leben über in Form des Kusses lebendig bleibt.52Auch sucht der Vampir meist Angehörige des anderen Geschlechts auf53, und im Verlaufe des Angriffs kommen diverse Parallelen zum Sexualakt zum Tragen: die leidenschaftliche Umklammerung des Blutsaugers oder die sexuelle Erregung des Opfers.54 Das Blut wird als ein „im Unbewußten [...] sehr häufiges Äquivalent für den Samen“55angesehen. In den Attributen des Vampirs - rote Lippen, roter Mund, lange weiße Zähne - ist ein direkter Bezug zur männlichen und weiblichen Geschlechtssymbolik zu sehen. Die Zähne sind hier ein klares Phallussymbol, der Mund mit den roten Lippen bietet einen Bezug zur weiblichen Vagina. Die Blutmethaphorik weißt darüber hinaus auf das Deflorations- oder das Menstruationsblut hin.56Und wie der Mensch mit seinem Fortpflanzungstrieb an der Verbreitung und der Erhaltung der eigenen Gene interessiert ist - immer in Verbindung mit einem äußersten Lustgewinn - so ist auch dem Vampir an der Vermehrung der eigenen Art gelegen - hier in Verbindung mit der Stärkung des eigenen Körpers und natürlich auch mit Lust.

Religionswissenschaftliche Deutungen legen die Vorstellung nahe, daß der Vampir eine der vielen säkularisierten Formen des Satans ist. Er ist die Verkörperung des Antichristen, er fürchtet das Kreuz. Auch ist der Vampir in unserer heutigen Lesart eine Folge des dualistischen Christentums: Der Teufel als Spiegelbild zu Gott, die Hexe das Gegenstück zu Maria. „Mit dem Teufel teilt der Vampir dessen sprichwörtliche Angst vor dem Weihwasser, vor Hostien und dem Rosenkranz, und ein geweihter Holzpflock, dem schlafenden Vampir in die Brust gestoßen, erlöst ihn vom Fluch seiner Existenz.“57 Demnach könnte der Vampir, der ‘advocatus diaboli’ als Widerpart von Christus gesehen werden. Beide sind durch die Auferstehung gleichsam lebende Tote. „Während Christus die masochistische, altruistische Position vertritt (‘Ich geb mein Blut hin, damit ihr rein werdet’), vertritt der Vampir die sadistische, egoistische Position (‘Ich nehme euer Blut, und ihr werdet böse und unrein’).“58Außerdem ist die Bluttaufe eine Art Travestie auf die katholische Kommunion. Erst wenn der vom Vampir Gebissene auch das verdorbene Blut des Blutsaugers kostet, kann er selbst zum Vampir werden.59So ist der Verzehr des Blutes erst die Grundlage der mythischen Vereinigung. „Die Aussagen des Kommunionsgedanken finden sich, in allen Aspekten exakt in spiegelverkehrter Wiedergabe, im Vampir- Mythos wieder, und die Nähe zu ‘Schwarzen Messen’ ist noch in einer Reihe von Erzählungen virulent.“60

Dracula in A NDY W ARHOLS DRACULA (1974) von Paul Morrissey kann seinen Durst nur durch den Genuß von Jungfrauenblut stillen, anderes bekommt ihm nicht. 57Brittnacher, Hans Richard. a.a.O., S. 122. Zudem sollte im Volksglauben der Holzpflock, mit dem dem Blutsauger der Garaus gemacht werden soll, aus dem gleichen Holz wie das Kreuze Christi bestehen. Je nach Region hielt man Eschenoder Espenholz für das entsprechende Material. - Vgl. Pütz, Susanne. a.a.O., S. 17.58Meurer, Hans. a.a.O. In: Prüßmann, Karsten a.a.O., S. 22.

Der Tod ist für viele Menschen das größte Schrecknis. In vielen Kulturen wurde der Tod als Ende eliminiert und umgewandelt in einen Ritus, der nur transformiert. „Für den Primitiven wäre die Fortdauer des Lebens, die Unsterblichkeit, das Selbstverständliche. Die Vorstellung des Todes ist etwas spät und nur zögernd Rezipiertes. Sie ist ja auch bei uns noch inhaltsleer und unvollziehbar.“61

Der Vampir war zudem schon immer die Verkörperung von Ängsten vor ansteckenden Krankheiten. Im Mittelalter wurde er vor allen Dingen mit der Pest in Verbindung gebracht, eine Beziehung, die Friedrich Wilhelm Murnau in NOSFERATU . EINE SYMPHONIE DES GRAUENS (1922) thematisierte. „Schon seit jeher wollte es die Folklore, daß das selbst zum Untoten gewordene Opfer eines Nosferatu zunächst immer jene anfalle, denen er im Leben am nächsten gestanden habe. Die Pest hatte auch diese Idee bekräftigt. Wer sich um den Kranken kümmerte, und das waren in aller Regel seine engen Verwandten, steckte sich als erster an.“62Und in Zeiten von AIDS liegt die Vermutung nahe, daß der Vampir auch hier wieder eine Personifizierung des Virus ist. Die Übertragung des Virus durch das Blut und vor allen Dingen durch Geschlechtsverkehr weist eine deutige Parallele zur Blut- und Sexualthematik des Vampirs auf. „Dieser tödliche und nicht sichtbare HIV-Virus ruft bei vielen, die davon hören, eine ansteckende Furcht hervor und sogleich Angst vor den Opfern des Virus - vor der Verseuchung und durch das, was aus ihren Körpern tropft, Blut, Speichel und Sperma.“63 Von der Symbolisierung des Samens durch das Blut habe ich oben bereits gesprochen.

IV. Literaturverzeichnis

1. Werke

Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung. Freiburg/ Basel/ Wien 1980

Brentano, Clemens.Sämtliche Werke und Briefe. (Frankfurter Ausgabe). Stuttgart/ Berlin/ Köln/ Mainz 1975ff

Byron, George Gordon Lord:Doch du, Ungläub’ger. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus, a.a.O., S. 38

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Gautier, Théophile:Die liebende Tote. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus a.a.O., S. 87-125

Goethe, Johann Wolfgang:Sämtliche Werke in 40 Bdn. Hrsg. v. Karl Eibl . Frankfurt/M. 1987

Heine, Heinrich:Helena. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus, a.a.O., S. 37

LeFanu, Joseph Sheridan:Carmilla, der weibliche Vampir. Zürich 1979

Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg):Hinüber wall ich. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus a.a.O., S. 21

Philostratos, Flavius:Die Empuse. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus, a.a.O., S. 11-13

Phlegon:Die Braut von Amphipolis. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus, a.a.O., S. 7-11

Polidori, William:Der Vampyr. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus, a.a.O., S. 45- 69

Rice, Anne:Gespräch mit dem Vampir. München 1992

Sade, Donatien-Alphonse-François Marquis de:Justine oder Die Leiden der Tugend, gefolgt von Juliette oder Die Wonnen des Lasters. Nördlingen 1987

Shelley, Mary Wollstonecraft: Frankenstein oder Der neue Prometheus. München/ Wien 1970/93

Stoker, Bram: Dracula. Ein Vampirroman. München / Wien 1992

Sturm, Dieter / Völker, Klaus (Hg.):Von denen Vampiren. Dichtungen und Dokumente. Frankfurt/M. 1994

Voltaire (François-Marie Arouet):Vampire. In: Sturm, Dieter/ Völker, Klaus, a.a.O., S.483-489

2. Darstellungen

Baumann, Hans D.:Horror. Die Lust am Grauen. München 1993

Bonin, Werner F. -Lexikon der Parapsychologie, Frankfurt/ M. 1981

Brittnacher, Hans Richard: Ästhetik des Horrors. Gespenster, Vampire, Monster, Teufel und künstliche Menschen in der phantastischen Literatur. Phil. Diss. FU Berlin 1992. Frankfurt/M. 1994

Dolphin, David:Wervolves and Vampires. Non-edited abstract of a talk presented to the American Association for the Advancement of Science. Vancouver/ Can 1985.

Freud, Sigmund:Gesammelte Werke. Hrsg. v. Anna Freud, Edward Bibring und Ernst Kris. London/ Frankfurt/M. 1961

Geyrhofer, Friedrich:Horror und Herrschaft. In: Witte, Karsten (Hg.):Theorie des Kinos. Frankfurt/M. 1987, S. 55-60

Giesen, Rolf:Der phantastische Film. Zur Soziologie von Horror, Science- Fiction und Fantasy im Kino. Teil 2: Mythologie. Schondorf/Ammersee 1980

Hahn, Ronald M. / Jansen, Volker: Lexikon des Horrorfilms. Bergisch- Gladbach 1985/89

Das Guinness Buch der Rekorde 1997. Dt. Red. Corinna Fricke, Bernhard Schneidewind, Harro Schweizer. Hamburg 1996

Jung, Fernand / Weil, Claudius / Seeßlen, Georg: Der Horror-Film.

Regisseure, Stars, Autoren, Spezialisten, Themen und Filme von A-Z. München 1977

Laplanche, J. / Pontalis, J.-B.: Das Vokabular der Psychoanalyse.

Frankfurt/M. 1972

McNally, Raymond T. / Florescu, Radu: Auf Draculas Spuren. Die

Geschichte des Fürsten und der Vampire. Berlin / Frankfurt/M. 1996

Meurer, Hans: Von den Vampiren und Blutsaugern. Hintergründe zur Faszination eines Aberglaubens. In: Prüßmann, Karsten, a.a.O., S. 11-24

Praz, Mario:Liebe, Tod und Teufel. Die Schwarze Romantik. München 41994 (1970)

Prüßmann, Karsten:Die Dracula-Filme. Von Friedrich Wilhelm Murnau bis Francis Ford Coppola. München 1993

Pütz, Susanne:Vampire und ihre Opfer. Der Blutsauger als literarische Figur. Phil. Diss. Bonn 1991. Bielefeld 1992

Stresau, Norbert: Der Horror-Film. Von Dracula zum Zombie-Schocker. München 1987

Sturm, Dieter:Literarischer Bericht. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus, a.a.O., S. 534-581

Weil, Claudius / Seeßlen, Georg:Kino des Phantastischen. Eine Einführung in die Mythologie und die Geschichte des Horrorfilms. München 1976 Werner, Heinz:Draculescus Tod und Erbe. Wo blieben die Vampire? Berlin 1990

Wesensverwandlungen. Time Life Reihe „Geheimnisse des Unbekannten“. Amsterdam 1990

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1Kaum ein anderes Buch wurde in der Geschichte des Films öfter in bewegte Bilder umgesetzt als der Roman ‘Dracula’ von Bram Stoker. Zumindest im Horrorgenre ist der Karpatenfürst die am häufigsten dargestellte Figur. Es existieren bisher 161 filmische Werke, die sich um den berühmten Untoten drehen oder um solche, die zumindest auf seine Gestalt zurückgehen. Vgl. Das Guinness Buch der Rekorde 1997, Dt. Red. Corinna Fricke, Bernhard Schneidewind, Harro Schweizer. Hamburg 1996, S. 237.

2Baumann, Hans D.:Horror. Die Lust am Grauen. München 1993, S. 9.

3Meurer, Hans: Von den Vampiren und Blutsaugern. Hintergründe zur Faszination eines Aberglaubens. In: Prüßmann, Karsten: Die Dracula-Filme. Von Friedrich Wilhelm Murnau bis Francis Ford Coppola. München 1993, S. 11.

4Bonin, Werner F.:Lexikon der Parapsychologie. Frankfurt/M. 1981, S. 553.

5Vgl. McNally, Raymond T. / Florescu, Radu:Auf Draculas Spuren. Die Geschichtedes Fürsten und der Vampire. Berlin / Frankfurt/M. 1996, S. 116.

6Vgl.Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung. Freiburg/ Basel/ Wien 1980, S. 331f.

7Bonin, Werner F. a.a.O., S. 513.

8Die Bibel.a.a.O., S. 112.

9Vgl. Wesensverwandlungen. Time Life Reihe „Geheimnisse des Unbekannten“. Amsterdam 1990, S. 110f.

10Jung, Fernand / Weil, Claudius / Seeßlen, Georg: Der Horror-Film. Regisseure, Stars, Autoren, Spezialisten, Themen und Filme von A-Z. München 1977, S. 410.

11Vgl. McNally, Raymond T. / Florescu, Radu. a.a.O., S. 125ff.

12Dolphin, David: Wervolves and Vampires. Non-edited abstract of a talk presented to the American Association for the Advancement of Science. Vancouver/ Can 1985.

13Ich beschränke mich in diesem Kapitel auf die Erwähnung einiger Werke, die meiner Ansicht nach für diese Arbeit relevant sind. Zu genaueren Angaben zur Literaturgeschichte vgl. Pütz, Susanne:Vampire und ihre Opfer. Der Blutsauger als literarische Figur. Phil. Diss. Bonn 1991. Bielefeld 1992. Vgl. auch: Sturm, Dieter: Literarischer Bericht. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus (Hg.):Von denen Vampiren. Dichtungen und Dokumente. Frankfurt/M. 1994, S. 534-581. Vgl. auch: Brittnacher, Hans Richard: Ästhetik des Horrors. Gespenster, Vampire, Monster, Teufel und künstliche Menschen in der phantastischen Literatur. Phil. Diss. FU Berlin 1992. Frankfurt/M. 1994, S. 117-180

14Vgl. Sturm, Dieter: a.a.O. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus. a.a.O., S. 535.

15Philostratos, Flavius: Die Empuse. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus, a.a.O., S. 12f. 16ebd. S. 13.

17Pütz, Susanne. a.a.O., S. 24. So ironisiert Voltaire in einem Essay über Vampire diesen Volksglauben, indem er „Börsenspekulanten, Händler, Geschäftsleute“ als die wahren Blutsauger entlarvt. „Diese wahren Sauger wohnen nicht auf Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen.“ - Voltaire:Vampire. In: Sturm, Dieter/ Völker, Klaus. a.a.O., S.484.

18Vgl. Pütz, Susanne.a.a.O., S. 173.

19Vgl. Praz, Mario:Liebe, Tod und Teufel. Die Schwarze Romantik. München 41994 (1970).

20Sade, Marquis de:Justine oder Die Leiden der Tugend, gefolgt von Juliette oder DieWonnen des Lasters. Nördlingen 1987.

21Goethe, Johann Wolfgang:Die Braut von Corinth. In:J.W.G. Sämtliche Werke, 40 Bde., I. Abt., Bd. I, Gedichte. Hrsg. v. Karl Eibl, Frankfurt/M. 1987. Als Vorbild für seine Ballade gilt im allgemeinen ‘Die Braut von Amphipolis’ des antiken Dichters Phlegon.

22Novalis: Hinüber wall ich. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus a.a.O., S. 21.

23Brentano, Clemens: Brief an Karoline von Günderode(1802). In: C.B.Sämtliche Werke und Briefe. (Frankfurter Ausgabe). Stuttgart/ Berlin/ Köln/ Mainz 1975ff. Band 29, S. 444.

24Hahn, Ronald M. / Jansen, Volker: Lexikon des Horrorfilms. Bergisch Gladbach 1985/89, S. 113.

25Shelley, Mary W.: Frankenstein oder Der neue Prometheus. München/ Wien 1970/93.

26Byron, Lord:Ein Fragment. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus a.a.O., S. 39-45.

27Polidori, John William:Der Vampyr. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus a.a.O., S. 45-

69.

28Byron, Lord: Doch du, Ungläub’ger. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus. a.a..O., S. 38.

29Heine, Heinrich:Helena. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus, a.a.O., S. 37.30Prüßmann, Karsten, a.a.O., S. 50.

31Le Fanu, Joseph Sheridan -Carmilla, der weibliche Vampir, Zürich 1979.32Hahn, Ronald M./ Jansen, Volker, a.a.O., S. 114.

33Gautier, Théophile:Die liebende Tote. In: Sturm, Dieter / Völker, Klaus a.a.O., S. 119f.

34Pirie, David:Vampir-Filmkult. Gütersloh 1977. Zit. nach: Prüßmann, Karsten, a.a.O.,

S. 50.

35Stoker, Bram: Dracula. Ein Vampirroman. München / Wien 1992

36Rottensteiner, Franz: Bram Stoker. In: Körber, Joachim (Hg.): Bibliographisches Lexikon der utopischen Literatur. Meitingen 1986. Zit. nach: Prüßmann, Karsten, a.a.O., S.37.

37Schuyler-Miller, P.:Über den Fluß. In: Kluge, Manfred (Hg.):Nosferatu und andere Vampirgeschichten. München 1971. Zit. nach: Brittnacher, Hans Richard. a.a.O., S. 130f.

38Rice, Anne:Gespräch mit dem Vampir. München 1992.39Baumann, Hans D. a.a.O., S. 363.

40Rice, Anne. a.a.O., S. 38.

41Stoker, Bram. a.a.O., S. 53f.

42Baumann, Hans D. a.a.O., S. 257.

43Vax, Louis:Die Phantastik. In:Phaicon 1. Almanach der phantastischen Literatur. Frankfurt/M. 1974. Zit. nach: Jung / Weil / Seeßlen. a.a.O.1977, S. 407. 44Stoker, Bram. a.a.O., S. 195.

45Jung / Weil / Seeßlen. a.a.O., S. 407.

46Fromm, Erich: Die Seele des Menschen. Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen. Frankfurt 1981. Zit. nach: Baumann, Hans D. a.a.O., S. 307.

47Durgnat, Raymond: Sexus Eros Kino. 60 Jahre Film als Sittenspiegel. München 1968. Zit. nach: Giesen, Rolf: Der phantastische Film. Zur Soziologie von Horror, Science-Fiction und Fantasy im Kino. Teil 2: Mythologie. Schondorf/Ammersee 1980,

S. 258.

48Die Bibel. a.a.O., S. 1204.

49Vgl. Laplanche, J. / Pontalis, J.-B.:Das Vokabular der Psychoanalyse. Frankfurt/M. 1972, S. 127f.

50Stoker, Bram. a.a.O., S. 72.

51Der rumänische Diktator Nicolaj Ceaucescu wurde ob seiner blutsaugerischen Politik vom Volk ‘Draculescu’ genannt, als Anspielung auf das historische Vorbild für Stokers Figur, den rumänischen Fürsten Vlad Tepes (1431-1476). Die Bezeichnung ‘dracul’ kennzeichnet ihn als Mitglied des Drachenordens. Gleichzeitig bedeutet ‘dracole’ im Rumänischen ‘Teufel’. Vgl. Werner, Heinz:Draculescus Tod und Erbe. Wo blieben die Vampire? Berlin 1990, S. 7.

52Vgl. Meurer, Hans. a.a.O. In: Prüßmann, Karsten. a.a.O., S. 16.

53Besonders die Bisexualität von Lestat und Louis in ‘Gespräch mit dem Vampir’ von Anne Rice bietet hier eine Modifikation. Bisexuelle Tendenzen finden sich auch in ‘Carmilla’ von Joseph Sheridan LeFanu.

54Vgl. hierzu die sexuelle Erregung von Miß Lucy Westenra in BRAM STOKER’S DRACULA (1992) von Francis Ford Coppola.

55Jones, Ernest: Der Alptraum in seiner Beziehung zu gewissen Formen des mittelalterlichen Aberglaubens. Leipzig/ Wien 1912. Zit. nach: Pütz, Susanne. a.a.O., S. 22.

56Vgl. Brittnacher, Hans Richard. a.a.O., S. 143. In DRACULA (1958) von Terence Fisher ist Christopher Lee in einer Szene neben einer Burgzinne zu sehen, die unverhohlen die Formen des männlichen Geschlechtsteiles nachahmt. Udo Kier als

59Zumindest wird das so in Stokers Roman geschildert, entgegen anderer Vorstellungen, nach denen jeder, der von einem Vampir gebissen wird, sofort selbst einer wird. Die Eucharistie wird paraphrasiert, nachdem Dracula Minas Blut getrunken hat: „Du [...] bist nun mein Eigen, Fleisch von meinem Fleisch, Blut von meinem Blut“. Und dann zwingt er sie, auch sein Blut zu trinken, damit sie ein vollständiger Vampir werde. - Stoker, Bram. a.a.O., S. 398f

60Jung / Weil / Seeßlen. a.a.O., S. 410.

61Freud: Sigmund: Totem und Tabu. In: S.F. Gesammelte Werke. Hrsg. v. Anna Freud, Edward Bibring und Ernst Kris. London/ Frankfurt/M. 1961. Bd. 9, S. 82. 62Stresau, Norbert: Der Horror-Film. Von Dracula zum Zombie-Schocker. München 1987, S. 86f.

63Helman, Cecil: Körpermythen. München 1991. Zit. nach: Meurer, Hans. a.a.O. In: Prüßmann, Karsten. a.a.O., S. 22.

Details

Seiten
21
Jahr
1998
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105221
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1
Schlagworte
Blutes Motiv Vampirs Hauptseminar Gewalt Lust Dabeisein Davonkommen

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Titel: Die Ästhetik des Blutes im literarischen Motiv des Vampirs