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Zensur als Mittel gegen die geistige Entfaltung in Politik, Gesellschaft und Geschichte

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 4 Seiten

Didaktik - Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

1. Die Rolle des Schriftstellers in Politik, Gesellschaft und Geschichte

Literatur ist ein Ausdruck der Gesellschaft, der Politik und der Zeit. Vor 300 Jahren gab es beispielsweise weniger Science Fiction wie heute. Das liegt 1. daran, dass die heutigen Autoren durch reale Ereignisse in der Wissenschaft beeinflusst werden können und 2., weil der Geist heute mehr Raum und Zeit hat, sich mit dieser Art Literatur zu beschäftigen.

Auch die heutigen Philosophen wollen weniger die Gesellschaft auf eine gravierende Weise ändern, sondern schreiben mehr über Technik.

Das war im 18. Jahrhundert ganz anders. Damals waren revolutionäre Kräfte überall. Philosophen, wie Rousseau, propagierten eine neue Gesellschaftsform. Kant wollte zeigen, dass der menschliche Verstand dazu da war, benutzt zu werden. Sie alle zählen in die Gruppe der Aufklärung. Und sie alle hatten auch Einfluss auf die Meinung ihrer Leser. Die Gedanken verbreiteten sich und es wurde auch eine Gefahr für die herrschende Gruppe.

Die damaligen Politiker, die ihre Position nicht aufgeben wollten, erkannten diese Gefahr. Die Zensur war geboren.

1.1. Zensur als Mittel gegen die geistige Entfaltung - ein geschichtlicher Abriss

Natürlich gab es die Zensur auch schon früher. Sie war seit jeher eng mit der Literatur verbunden. Die Zensur ist so alt wie die Literatur.

Schriftsteller, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt, die eingekerkert wurden oder in Straflagern umkamen, sind Beispiele für die Maßnahmen der Zensurbehörden.

Schon im antiken Griechenland, wo die Wiege der Demokratie liegt, war nicht jedes (geschriebene) Wort erlaubt. Zwar trat sie dort erst nur vereinzelt auf, doch gab es dort die erste bezeugte Bücherverbrennung (415 oder 411 v. Chr.) überhaupt. Sie fand in Athen auf einem Marktplatz statt, und war dem Sophisten Protagoras gewidmet, der skeptische und atheistische Schrift über Götter verfasst hatte und deswegen wegen der Asebie (Gottlosigkeit) angeklagt wurde. Letztendlich wurde er aus Griechenland verbannt.

Das Literatur auch als politisches Instrument genutzt werden kann, zeigte sich auch in China. 213 v.Chr. wurden die Bücher des Konfuzius und seiner Lehren verbrannt, um seine oppositionelle Bewegung zum Verstummen zu bringen. Dabei wurden 460 Konfuzianer lebendig begraben.

Auch das starke Rom machte vor solchen Schritten nicht halt. Vor allem in Krieg oder in Notzeiten setzte man meist die Zensur wegen religiös-politischen Themen ein.

Ovid war nur ein Opfer Kaiser Augustus, der ihn verbannte, da er mit seinem Werk "ars amatoria" gegen die sittliche Ordnung verstieß. Dies war jedoch nur ein Vorwand, da Ovid Zeuge des Ehebruchs der Enkelin Augustus gewesen war und dies den moralischen Predigten des Kaisers gänzlich widersprach

Später machte natürlich die Kirche da keine Ausnahme. Petrus Abaelard, ein führender Kopf der Scholastik, dessen kühnes Denken den Ratio und Dialektik betonte, wurde zum Häretiker erklärt. Er verliebte sich schließlich in die 20 Jahre jüngere Helosie und als diese Beziehung aufflog, wurde er verbannt. Der anschließende geheime Briefwechsel zwischen den Liebenden („Briefwechsel mit Helosia") war allein in der USA bis 1930 verboten. Abaelard wurde 1121 und 1140 der Ketzerei bezichtigt, seine Bücher vom Pabst Innozenz verbrannt und auf den katholischen Index gesetzt. Weiterhin waren damals alle reformatorischen Schriften und Bibelübersetzungen strengstens verboten.

Mit dem Einsetzen der Renaissance und der Reformation gab es eine neue Welle der Zensur. Namhafte Schriftsteller, wie Erasmus von Rotterdam, waren betroffen. Sein Werk "Lob der Torheit" (1512), wurde zunächst nur an den Universitäten von Paris, Löwen, Oxford und Cambridge verbrannt, schließlich wurde 1559 das gesamte Werk auf den katholischen Index gesetzt. Auf Martin Luther wurde 1521 das Wormser Edikt erlassen, das für alle bereits publizierten und zukünftigen Bücher galt, denen das Verbot und die Verbrennung drohten.

Auch der Judenbücherstreit wegen des Talmuds fallen in diese Epoche.

Michel Servet, der die Dreifaltigkeit Gottes und Göttlichkeit Christi in "Widerherstellung des Christentums" (1531) leugnete, wurde der Ketzerei beschuldigt und eingekerkert. Nach seiner Flucht wurde er erneut verhaftet und schließlich 1533 verbrannt.

In Spanien war man besonders gründlich was die Reinhaltung der Schriften betraf. Die Einfuhr sämtlicher Bücher in spanischer Übersetzung waren verboten. Bei Nichteinhaltung drohte die Todesstrafe oder der Einzug des Vermögens. Manuskripte mussten vor und nach Veröffentlichung zensiert werden. Auf dem Index von 1583 standen unter anderem "lateinische Werke" von. Ovid, Melanchthon, Servet, Hus, Dante...

Ab 1515 wurden auch die Bücher von Erasmus von Rotterdam verfolgt. 1612 genügte schon allein die Nennung des Namens und man musste sich vor der Inquisition verantworten. Und das alles, weil die Herrscher Angst um einen Machtverlust hatten, der mit dem Einsetzen des Ratios möglich werden konnte.

Im absolutistischen Frankreich unterlagen alle Publikation staatlicher Zensur. Ludwig XIV förderte zwar die Literatur, doch nur um ein vorteilhaftes Bild von ihm zu hinterlassen.

Der englische Philosoph Hobbes machte sich bei dem Staat und der Kirche mit seinem Werk „Leviathan“ unbeliebt, dass seine Vorstellung von einer guten Regierungsart propagierte, so dass 1668 verboten wurde.

John Miltons „State Papers“ landeten in England gleich von 1694-1948 auf dem Index, da er sich darin für den Liberalismus und die Pressefreiheit einsetzte.

John Lockes „Versuch über den menschlichen Verstand" wurden 1690 und 1700 verboten. Seine Gedanken kamen dann beinahe wörtlich in der Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wieder

In Deutschland sollte das Ziel eines jeden Autoren die Disziplinierung des Volkes sein und somit ihre Schriften die konfessionell bestimmte Versittlichung fördern. So kam es, dass die Zensur ein fester Bestandteil des Literaturbetriebes, besonders während des 30-jährigen Krieges, wurde. Politische Gedichte konnten sogar nur unter Schutz oder durch Veranlassung eines Landesherrn entstehen. In der Zeit der Aufklärung wurde eine kaiserliche Bücherkommission in Frankfurt am Main errichtet, um eine Überwachung der Zensurvorschriften gewährleisten zu. Zusätzlich gab es in den einzelnen Staaten eigene Zensurbehörden.

Um solche Institutionen zu umgehen, wurden Bücher, die in beispielsweise in Preußen nicht gedruckt werden durften, in Württemberg gedruckt. Auch ein anonymer Druck oder Selbstzensur waren solche Mittel, die zum Beispiel auch Goethe nutzte.

Lessing, der anfangs von Zensur befreit war, wurden später seine religionskritischen Schriften verboten.

Wieland war sogar fast überall verboten. Nur Sachsen-Weimar bildete da eine Ausnahme, da man dort Zensur kaum kannte und weshalb sie sich schnell zum geistigen Mittelpunkte Deutschlands entwickelte.

Mit Beginn der Französischen Revolution verstärkte sich die Angst der Fürsten vor jakobinischen Ideen und es wurden zusätzlich zur Zensur noch Polizeischikanen, Ausspähungen durch Denunzianten und Spitzel, Landesverweise, Beschlagnahmungen von Zeitschriften, körperliche Misshandlungen eingesetzt.

So wurde auch Immanuel Kant 1794 zurechtgewiesen, dass seine Philosophie herabwürdigend und entstellend ist, was bestimmte Lehren des Christentums und der Heiligen Schrift betraf und er seine Pflicht gegenüber Jugend und landesväterlichen Absichten verletzte.

In Österreich gab es ein Verbot aller Schriften, die keine katholischen Standpunkte hatten, da die zuständigen Behörden mit Jesuiten besetzt waren

Unter Kaiser Joseph II erschienen neue 1781 Grundregeln zur Bücherzensur, die wie ein "Tauwetter" für die österreichische Literatur wirkte. Die Zahl der verbotenen Bücher verringerte sich von 5000 auf 900.

Nach dessen Tod 1790 setzte jedoch wieder eine „Eiszeit“ ein.

In der Ära Napoleon und Metternich wurden nur die religiöse und politische Literatur kontrolliert, die schöne und wissenschaftliche blieb zensurfrei.

Zwar gab es auch beim Wiener Kongress eine Diskussion über die Pressefreiheit, so wurde jedoch eine rechtliche Umsetzung hinausgezögert, so dass keine Veränderungen eintraten. Auf dem Hambacher Fest wurde schließlich propagiert, dass das einzige "Mittel zur Wiedervereinigung Deutschlands im Geiste [...]allein die freie Presse sei. Dies wissen auch die Fürsten und darum bieten sie alle Kräfte auf, um dieser allmächtigen Waffe der Völker in D. den Eingang zu verwehren" (Zitat nach Georg August Wirth).i

Die Spitzelei war weit verbreitet, um zu erkunden, woran die Autoren arbeiten und was Verleger (Brockhaus, Hoffmann & Campe, Reclam...) drucken wollen.

Mit der Revolution von 1848 kam es schließlich kurzweilig zur Aufhebung der Zensur in Österreich und Preußen. In der Paulskirche wurde sogar festgelegt, dass "...Die Preßfreiheit ... unter keinen Umständen und in keiner weise durch vorbeugende Maßregeln, namentlich Censur,[...] beschränkt, suspendiert oder gar aufgehoben werden" darf.

Doch schon 1849 wurde die Vorzensur in Preußen wieder schleichend eingeführt und es kam zu einer Flucht vieler Schriftsteller

In der Weimarer Republik stand wieder die sittliche Moral im Vordergrund (gegen Taktlosigkeit über Religion, verlogene Sexualmoral, Prüderie), weshalb Autoren wie Arthur Schnitzler, Carl Einstein und Rowohlt hohe Geldstrafen zahlen mussten.

Theodor Lessing führte im "Prager Tageblatt" eine Studie über Hindenburg durch, die den Nachweis erbrachte, dass dieser für höchstes Staatsamt ungeeignet sei. Die Folge war, dass er in Hörsälen bedroht wurde, 1926 seine Lehrtätigkeit untersagt und schließlich 1933 in einem Hinterhalt im Exil durch Nazis den Tod fand.

1926 wurde das "Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften" veröffentlicht. Heinrich Mann war ein Kämpfer gegen dieses Gesetz.

Dekrete gegen Bücher wie Remarques „Im Westen nichts Neues“ wurden erlassen 1933 gab es eine Bücherverbrennung.

Carl von Ossietzky deckte in der Zeitschrift "Die Weltbühne" die geheime Aufrüstung der Reichswehr auf, weshalb er 1931 im so genannten Weltbühne-Prozess wegen "Landesverrats und Verrats militärischer Geheimnisse" zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt wurde und in ein Konzentrationslager kam. Die Übernahme des Friedensnobelpreises 1935 wurde ihm untersagt. Später starb er an Folgen der Haft tuberkulosekrank in einer Berliner Klinik.

Aus den Bibliotheken wurden Autoren verbannt, wie Tucholsky, Stefan Zweig, Brecht, Remarque, Schnitzler, Feuchtwanger, Heinrich Mann, Arnold Zweig

Mit dem "Reichskulturkammergesetz" vom 22.9.1933 setzte eine totale Kontrolle der Schriften ein.

Erst 1949 wurde im Grundgesetz festgelegt "Die Zensur findet nicht statt" (Artikel 5). Wurde dieses Grundrecht jedoch bereits 4 Jahre später am 9.6.1953 durch "Gesetzliche Bestimmungen zum Schutze der Jugend", welche die Publikation von kriegsverherrlichende, von Rassenhass geprägten Schriften verhindern sollten

Am 3.10. 1965 kam es wieder zu einer Bücherverbrennung (in Düsseldorf) durch den Evangelischer Jugendbund für entschiedenes Christentum, wo Bücher von Grass, Kästner, Albert Camus etc. in Flammen aufgingen.

1971 wurde das politische Manifest der RAF, der "Rote Kalender" beschlagnahmt

Und zwischen 1981-1988 gab es hunderte Polizeieinsätze gegen Buchhandlungen und Verlage.

In der heutigen Zeit der westlichen und demokratischen Ländern wurde die Zensur verboten. Es werden lediglich Indizierungen erteilt.

Andere Länder, die noch nicht demokratisch regiert werden und so leider häufig Diktaturen als Regierungsform haben, ist die Zensur noch heute ein gängiges Mittel um der Bevölkerung Informationen vorzuenthalten und sie auf diese Weise vielleicht auch ruhig zu stellen versuchen.

- Zitat Georg August Wirths, aus „Der Zensur zum Trotz - das gefesselte Wort und die Freiheit in Europa“ © Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 1991

„Lesen und Schreiben im 17. und 18. Jahrhundert“ hrsg. Paul Goetschel, Autor Hans Martin Gauge, © 1994 Ganter Narr Verlag Tübingen

„Warnung vor dem Schriftsteller - 3 Vorlesungen in Frankfurt“ Jurek Becker, © Suhrkamp Verlag Frankfurt a.M. 1990

"Verbotene Bücher - eine Geschichte der Zensur von Homer bis Henry Miller" Hans. J. Schütz © C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung (Oskar Beck), München 1990

„Der Zensur zum Trotz - das gefesselte Wort und die Freiheit in Europa“ © Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 1991

„Über die Kunst des Schreibens -wie Autoren unbewusste Kräfte besser nutzen“ Wilhelm Ruprecht Frieling © Frieling Verlag & Partner GmbH und Verfasser 1994 Berlin

„Geschichte der deutschen Literatur - Aufklärung, Sturm und Drang“ Theo Herold und Hildegard Wittenberg © Ernst Klett Verlage GmbH u. Co.KG, Stuttgart 1983 (Auflage 1991)

Details

Seiten
4
Jahr
2001
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105348
Note
Schlagworte
Zensur

Autor

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Titel: Zensur als Mittel gegen die geistige Entfaltung in Politik, Gesellschaft und Geschichte