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Tieck, Ludwig - Der gestiefelte Kater

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 5 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Ludwig Tieck : Der gestiefelte Kater

Ein Kindermährchen in drey Akten

Mit Zwischenspielen, einem Prologe und Epiloge

„Magst du dem Geflüster zuhören, und wie der Wind durch die Eichen fährt und es herabkommt, und hier in der Einsamkeit Deiner Geschäfte, Deiner Wohnung auf einige Zeit vergessen: so sei mit mir.

Ich will es übernehmen, Dein Führer zu seyn durch ein Land, wo Poesie und romantische liebenswürdige Albernheit zusammen wohnen.“

Ausschnitt aus der Vorrede zu der Sammlung „Volksmährchen“, die Tieck 1797 veröffentlichte.

In dieser Sammlung gibt es zwei verschiedene Arten von Märchen:

1. Volksmärchen, die Seit langer Zeit (dem Mittelalter) in den Erzählungen des einfachen Volkes existieren.
2. Kunstmärchen, die vom Autor frei erfunden sind, und deshalb meist raffinierter und kunstvoller komponiert sind, weil er seiner Phantasie freien Lauf lassen kann, da er an keinen vorgegebenen Stoff gebunden war.

Tieck leitete mit dieser Märchensammlung die romantische Dichtung ein, die nach neuen Stoffen und Kunstformen suchte, um sich bewusst von der Klassik abzusetzen.

Die Dichter der Romantik wollten sich von den alten Formen lösen, und ein neues, freieres Zeitalter beginnen.

Novalis nannte die Romantik die Parallelbildung zur Klassik:

- Vorbild der Klassik ist die glanzvolle Zeit der Antike,
- Die Dichtung orientiert sich an den klassischen Motiven und ist in eine klare Form gebunden
- Vorbild der Romantik ist das geheimnisvolle, dunkle Mittelalter

So entdeckten die Dichter die phantastischen, geheimnisvollen Erzählungen des einfachen Volkes wieder.

Z.B. in Volksliedern, Sagen und Märchen.

Diese handelten meist von magischen Gestalten, wie Hexen, Geistern und Feen, und waren deshalb der ideale Stoff für die romantischen Dichter, die eine Vorliebe für das außergewöhnliche, geheimnisvolle und groteske hatten. Diese Geschichten wurden nach eigenen Vorstellungen in verschiedenster Weise umgearbeitet und beliebig verändert und ergänzt.

Ein Beispiel für ein solches romantisches Märchen ist „der gestiefelte Kater“, das Ludwig Tieck, 1797 zum ersten mal als Drama in der Sammlung „Volksmährchen“ herausbrachte.

Der Stoff wurde der Erzählung „ le chat botté“ von Charles Perrault entnommen.

Der volle Titel ist „Der Gestiefelte Kater- Ein Kindermährchen in drey Akten mit Zwischenspielen, einem Prologe und Epiloge“.

Bei einer der zwei Einzelausgaben, die im gleichen Jahr erschienen fügte der Verleger noch einige scherzhafte Bemerkungen hinzu.

1812 erschien eine zweite, erweiterte Fassung im Band Phantasus.

Das Stück wurde, wie es für Tieck charakteristisch ist fast in einer Nacht geschrieben.

Die Uraufführung war am 20. April 1844 auf Veranlassung des Kaisers Friedrich Wilhelm IV im Königlichen Schauspielhaus in Berlin.

1.Inhalt:

Das Drama ist sozusagen als Stück im Stück konzipiert.

Die Handlung ist ein missglückender Theaterabend, bei dem eine fiktive Theatergruppe versucht, das Stück „Der gestiefelte Kater“ vor einem fiktiven Publikum aufzuführen.

Der Inhalt des im Drama aufgeführten Stücks ist im wesentlichen der gleiche wie in dem 15 Jahre später herausgegebenen, bekannten Märchen der Brüder Grimm.

Gottlieb, der jüngste von drei Bauernsöhnen erbt nach dem Tod des Vaters den scheinbar kleinsten Teil des sowieso schon geringen Erbes: den Kater Hinze. Auf den ersten Blick scheint es Gottlieb, dass er damit am schlechtesten dran sei, aber Hinze fängt plötzlich zu seinem Erstaunen an, zu sprechen und bittet Gottlieb, ihm ein paar Stiefel anfertigen zu lassen.

Auf diese Weise , verspricht er, werde er Gottlieb zu Glück und Reichtum verhelfen.

Mit diesen Stiefeln, die Gottlieb von seinem letzten Geld gekauft hat, gelingt es Hinze, sich am Hof des Königs als ein Diener des erfundenen Grafen von Carabas auszugeben.

In dessen Namen schenkt er dem launischen König, der Kaninchenbraten über alles liebt immer wieder Kaninchen.

Da der König gerade einen geeigneten Ehemann für seine Tochter, die schon etliche Kandidaten abgewiesen hat sucht, will er bald den Grafen von Carabas kennen lernen, der laut Hinze der Herrscher des Nachbarlandes ist. Der wirkliche Herrscher des Nachbarlandes ist nicht, wie in der Vorlage von Perrault ein Zauberer, sondern eine merkwürdige Gestalt, die von seinen Untertanen Popanz genannt wird, aber eigentlich das personifizierte Gesetz ist. Dieses Gesetz kann sich willkürlich in alle möglichen Tiergestalten verwandeln und ist ein sehr unbarmherziger Herrscher.

Als der König ankündigt ins Nachbarland zu reisen, um den Grafen von Carabas zu besuchen, bringt Hinze bringt den Popanz durch eine List dazu, sich in eine Maus zu verwandeln und frisst so das Gesetz.

Dem König setzt er nun Gottlieb als Grafen von Carabas und Herrscher dieses Landes vor. Dieser ist begeistert und gibt ihm seine Tochter zur Frau.

Die Aufführung dieses Märchens gelingt aber nicht so, wie es sich der erfundene Dichter dieses Stücks wohl erhofft hat.

Schon im Prolog, also bevor die Vorführung überhaupt erst angefangen hat steht das Publikum dem Stück skeptisch gegenüber.

Ein Stück mit dem Untertitel „ein Kindermärchen“ kann unmöglich geeignet für ein aufgeklärtes, gebildetes Publikum sein.

Der junge Dichter bringt die Theaterbesucher jedoch dazu, sich das Stück erst einmal anzusehen.

Das hält die Leute aber nicht davon ab, auch während der Aufführung immer wieder Zwischenrufe zu machen, weil ihnen die teilweise sehr unwahrscheinlichen Vorgänge auf der Bühne keinen festen Standpunkt bieten. Beispiel: Leseprobe

Nachdem sich diese Unwahrscheinlichkeiten häufen und noch dazu auf der Bühne einiges schief geht, schafft es der Dichter nicht mehr alleine, das tobende Publikum zu beruhigen.

Deshalb schiebt er den Besänftiger vor, der zuvor in der Aufführung den König bei einem Wutanfall beruhigen musste, weil sein Kaninchenbraten angebrannt war.

Der Besänftiger improvisiert nun ein Ballett mit diversen Tieren, die plötzlich erscheinen und einem Chor aller Schauspieler.

Dies ist ganz im Sinne der Zuschauer, die viel lieber ein konventionelles Stück sehen wollen und zu der Zeit war es üblich, Elemente der Oper in Theaterstücke einzuarbeiten.

Die Freude des Publikums wird aber schon wieder zunichte gemacht, als sich zu Beginn des dritten Akts der Vorhang zu früh hebt, und ein Gespräch des Dichters mit dem Maschinisten des Theaters beobachtet werden kann. Der Dichter will ihn dazu überreden, alle möglichen Theatermaschinen einzusetzen, um das Publikum bei Laune zu halten.

Hier muss Hanswurst, der Hofnarr des Königs dem verwirrten Publikum erklären, dass das Gesehene nicht zu dem Stück gehört. Dieser nutzt die Gelegenheit sich über den Dichter und die Kargheit seiner Rolle zu beklagen. Den einzigen Beifall erntet am Ende der Aufführung die Kulisse von Mozarts Zauberflöte, die schon mehrmals vom Publikum gewünscht wurde. Im Epilog tritt der Dichter noch einmal vor das befremdete Publikum, wird aber laut Regieanweisung „aus dem Parterre mit verdorbenen Birnen und Äpfeln und zusammengerolltem Papier“ beworfen, bis er sich endgültig zurückzieht und so das Stück endet.

2. Absicht

Der gestiefelte Kater ist eine zu der Zeit hochaktuelle Satire.

Die einzelnen Personen fallen dabei ständig aus ihrer Rolle, um alle genretypischen Erwartungen des Publikums zu zerstören. Es herrscht ein ständiges Wechselspiel zwischen den verschiedenen Spielparteien (Publikum und Schauspieler).

Besonders gut sieht man die Verzahnung der Spielebenen in der Figur des Dichters, der gelegentlich zum direkten Sprachrohr Tiecks wird, wenn er z.B. im Prolog sein Stück ankündigt oder im Epilog versucht zu erklären, dass sein Stück das Publikum eigentlich „in die entferntesten Empfindungen Ihrer Kinderjahre“ zurückversetzen sollte.

Dann wieder verfällt der Dichter sogar seiner eigenen Illusion, indem er sich selbst in die von ihm geschaffene Märchenwelt verirrt.

LESEPROBE

Tiecks Ziel war es, auf die Missstände in Gesellschaft und Theater hinzuweisen.

Durch eine Reihe von Anspielungen und Zitaten übt er Kritik an Missständen in Gesellschaft und Theater

- Hinweise auf die Überbewertung der Dekoration im Theater in mehreren Anspielungen auf die Zauberflöte (Zuschauern ist das Bühnenbild wichtiger als das Stück selber
- Aus der damals aktuellen Trivialliteratur, die das Publikum immer wieder erwähnt ➔ Kritik an der Borniertheit der auf Bildung pochenden Bürger, die sich aber nur auf die modernen Rührstücke bezieht
- Auf die französische Revolution
- Auf die Kleinstaaterei, z.b. weiß der König nicht, woher das Brot kommt, und seine Launen richten sich danach, was er zu essen bekommen hat, wovon dann auch das Schicksal der Untertanen abhängt LESEPROBE
- Willkür und Bestechlichkeit des Gesetzes, das in der Figur des Popanz verkörpert wird, der sich in unterschiedliche Gestalten verwandeln kann

Das Stück ist in einem scherzhaften, leichten Ton gehalten und die scharfe Kritik ist mit viel Wortwitz und Wortspielen gemildert, und dadurch entschärft, dass Tieck keinen festen Standpunkt bezieht, sondern abwechselnd mal das Publikum, mal den Dichter oder einen der Schauspieler für sich sprechen lässt.

3. Wirkung

Im Theater wurde „der gestiefelte Kater“ nach der Uraufführung 1844 nur dreimal wiederholt, bevor es abgesetzt wurde, weil sich das Publikum ( laut Tieck) so verhielt, „wie es... in der Posse gezeigt worden“ ist. Als Komödie jedoch hat das Stück nicht nur in der Romantik, sondern bis ins

19. Jahrhundert seine Wirkung:

- Nachfahren des gestiefelten Katers sind z.B. E.T.A. Hoffmanns Kater Murr oder Scheffels Hidigeigei.
- Außerdem wurden auch viele spätere Dramen, wie Brentanos „Gustav Wasa“ , Grabbes „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ oder Platens „Romantischer Ödipus“ von Tiecks Komödie stark beeinflusst.

Kurzbiographie

- Wurde am 31. Mai 1773 in Berlin als Sohn eines Seilermeisters geboren
- Besuch des Gymnasiums in Berlin, erhielt dort eine ausgezeichnete Förderung, weil sein Talent den Lehrern schon früh auffiel
- Ab 1792 Studium der Theologie, Philosophie und Literatur in Halle, Göttingen und Erlangen
- 1794 Abbruch des Studiums, um als freier Schriftsteller bei dem Berliner Verleger Friedrich Nicolai zu arbeiten
- Das war die fruchtbarste Zeit in Tiecks Leben, auch wenn viele der hier entstandenen Werke eher zur Trivialliteratur zu zählen sind
- 1799 schloss er sich dem Jenaer Kreis der Frühromantiker an, zu dem die Brüder Schlegel, Schelling, Novalis und Brentano gehörten
- Ab 1804 machte er unterschiedliche Reisen, u.a. nach Prag, England und Frankreich
- Bis er 1825 wieder einen festen Wohnsitz in Dresden hatte und dort als Dramaturg am Hoftheater arbeitete
- 1842 wurde er von Friedrich Wilhelm IV, der damals viele Literaten und Künstler an seinen Hof ziehen wollte nach Berlin gerufen
- Tieck starb am 28.April 1853 in Berlin

Details

Seiten
5
Jahr
2001
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105427
Note
13 Punkte
Schlagworte
Tieck Ludwig Kater

Autor

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Titel: Tieck, Ludwig - Der gestiefelte Kater