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Ecstasy - Droge und Medizin?

Hausarbeit 1997 17 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

ECSTASY - DROGE UND MEDIZIN?

0 VORWORT

1 WAS IST ECSTASY

2 GESCHICHTE VON ECSTASY

3 WIRKUNG VON ECSTASY
3.1 PHARMAKOLOGISCHE WIRKUNG
3.2 PSYCHISCHE AUSWIRKUNGEN
3.3 KÖRPERLICHE AUSWIRKUNGEN
3.4 NEBEN- UND FOLGEWIRKUNGEN
3.5 NACHWIRKUNGEN

4 RISIKEN UND RISIKOMINIMIERUNG DES ECSTASYKONSUMS
4.1 AKUTE TOXITITÄT
4.2 CHRONISCHE TOXITITÄT
4.3 TÖDLICHE WIRKUNG
4.4 RISIKOMINIMIERUNG

5 ABHÄNGIGKEITSPOTENTIAL
5.1 KÖRPERLICH
5.2 PSYCHISCH

6 ECTASY IN DER DROGENKULTUR
6.1 ECSTASY UND TECHNO
6.2 FUNKTION VON DROGEN
6.3 AUSMAß UND VERBREITUNG
6.4 ZUR ILLEGALITÄT VON ECSTASY

7 ECSTASY IN DER THERAPIE
7.1 VERSCHIEDENE ANWENDUNGSBEREICHE
7.2 PSYCHOTHERAPIE IN DER SCHWEIZ
7.2.1 Sitzungsablauf einer Psychotherapie mit Ecstasy 13
7.2.2 Auswertung14

8 NACHWORT

9 LITERATURLISTE

0 Vorwort

Ecstasy als Droge und Medikament? Der eine Teil der Frage, Ecstasy als Droge, läßt sich sehr schnell beantworten. Gerade in den letzten Jahren hat die Popularität und der Konsum von Ecstasy als sogenannte „Partydroge“ vorallem von Jugendlichen ein hohes Ausmaß erreicht. Nach neuesten Schätzungen haben 1 Million junge Menschen in Deutschland Erfahrung mit Ecstasykonsum. (Quelle: Arbeitskreis Sucht, Mainz 1997) Die Frage, ob Ecstasy auch als Medikament in therapeutischer Absicht einen Nutzen bringt, war für mich etwas schwieriger zu beantworten.

Während meines Praktikums in einer Drogenberatungsstelle und in meinem Bekanntenkreis habe ich aber ebenso Leute kennengelernt, die Ecstasy nicht zum Party feiern benutzen, sondern einen therapeutischen Nutzen für sich und/oder ihren Partner erfahren haben wollten. Sie sehen Ecstasy als Medikament an.

Ebenso werden viele Medikamente, die auf legale Weise mit dem Segen der Pharmaindustrie verfügbar sind, mißbräuchlich eingenommen, aber nicht als Drogen nach den gesetzlichen Richtlinien eingestuft. Es erschien für mich deshalb interessant zu erfahren, ob eine Droge vielleicht den umgekehrten Effekt haben kann: von mißbräuchlicher Anwendung als Droge zum Medikament mit therapeutischen Nutzen. Denn die größte Popularität erfährt Ecstasy im Gebrauch als Droge nicht als Medizin.

Ich unternahm deshalb den Versuch, ausgehend von der Geschichte, Wirkungsweise und dem Risikopotential, die beiden Aspekte Droge und Medizin gegenüberzustellen und eine Abgrenzung vorzunehmen.

1 Was ist Ecstasy

Die Droge Ecstasy, die auch unter anderen Markennamen wie „XTC“ oder einfach nur „E“ bekannt ist, bezeichnet ursprünglich die reine Substanz mit der chemischen Formel 3,4- Methylen-Dioxy-Methyl-Amphetamin oder abgekürzt MDMA. Es handelt sich um ein Aphetaminderivat, welches voll synthetisch in Chemielaboren hergestellt wird. Durch die Synthetisierung im Labor lassen sich sehr leicht andere, in Struktur und Wirkung ähnliche Substanzen, Derivate bestimmter Stoffe oder Mischungen herstellen, die ebenfalls unter der Bezeichnung Ecstasy verkauft werden. Ich will daher im folgenden von MDMA sprechen, wenn im engeren Sinne die reine chemische Substanz gemeint ist und von Ecstasy, wenn es sich um die „Partydroge“1handelt. Ecstasy meint den Markennamen, unter dem nicht nur das reine MDMA gehandelt wird, sondern auch dessen chemisch verwandten Stoffe wie MDA oder MDE, sowie Mischformen mit teilweise großen Verunreinigungen. (vgl. Ecstasy- Projekt)

2 Geschichte von Ecstasy

Erfunden als Appetitzügler und patentiert wurde MDMA bereits 1914 von dem deutschen Pharmakonzern Merk. Aufgrund der merkwürdigen Nebenwirkungen wurde das Präparat allerdings nie vermarktet. In den USA wurde es in den 50er Jahren vom Militär erfolglos als Wahrheitsdroge getestet. Anschließend geriet MDMA für längere Zeit in Vergessenheit.

In den 70er Jahren wurde MDMA von dem Wissenschaftler Alexander Shulgin als therapeutisches Hilfsmittel entdeckt und daraufhin von verschiedenen Psychiatern auch in Europa in der Psychotherapie eingesetzt. Dies soll aber in Kapitel 6 näher beleuchtet werden.

Der erste Nachweis für den Gebrauch als Droge findet sich in den späteren 60er Jahren. Ecstasy wurde dort wegen seiner Effekte von wenigen Hippies im kleinen Ausmaß getestet. Erst im Zeitraum von 1975 bis 1985 verbreitete sich der Bekanntheitsgrad von Ecstasy als Yuppiedroge. 1985 wurde MDMA von der UNO-Betäubungsmittelkommission als Droge deklariert und 1 Jahr später in Deutschland durch die Aufnahme ins Betäubungsmittelgesetzes (BtmG) verboten. Ab diesem Zeitpunkt ist Ecstasy illegal und nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich.

In den 90er Jahren stieg durch die wachsende Popularität der Techno- und Diskoszene auch der Konsum von Ecstasy. Immer mehr junge Menschen fanden gefallen an dieser Droge, die es ihnen erlaubte, nächtelang zu tanzen.

3 Wirkung von Ecstasy

3.1 Pharmakologische Wirkung

MDMA wird zumeist in Form von verschiedenfarbigen Tabletten und Pillen angeboten und oral eingenommen. Nach 20 bis 60 Minuten setzt die spürbare Wirkung ein, welche von ver- schiedenen Faktoren abhängig ist. (eingenommenen Dosis, persönliche Konstitution, Stimmung etc.). Die Wirkungsdauer liegt zwischen 4 und 6 Stunden. Die durchschnittliche Dosis einer Ecstasy-Tablette enthält etwa 100 - 130 mg reines MDMA2. (vgl. Schroers A., S. 5)

Laut Saunders wird das eingenommene MDMA im Magen verdaut. Zwei Drittel der Substanz wird unverändert über die Nieren ausgeschieden und nur ein kleiner Teil erreicht über den Blutkreislauf das Gehirn. Die Aufnahme und Verarbeitung der Substanz hängt von der indivi- duellen Konstitution des menschlichen Organismus ab und ist von Person zu Person verschie- den.

MDMA besitzt neben anregenden, energetisierenden Effekten auf das Nerven- und HerzKreislaufsystem auch eine leicht halluzinogene, also eine sinnestäuschende und bewußseinverändernde Wirkung, die emotional öffnend, wohltuend und entspannend sein kann. Die einzigartige Verbindung dieser beiden Effekte,amphetaminartig und psychoaktiv,macht die besondere Attraktivität von MDMA aus.

Die aufputschende, amphetaminartige Wirkung läßt sich durch die Dopaminausschüttung erklären, welche durch die Einnahme erfolgt. MDMA als psychoaktive Substanz, stört das Gleichgewicht der Neurotransmitter des zentralen Nervensystems. Die sog. Neurotransmitter wiederum nehmen Einfluß auf Motorik, Sprache, Gefühl, Empfindung und Wahrnehmung. (vgl. Fromberg E.)

MDMA ist dabei weder den Halluzinogen, noch den Amphetaminen direkt zuzuordnen, da sie weder die volle Potenz der einen, noch der anderen Gruppe erreicht. In der Literatur wird dabei häufig der Vorschlag gemacht, MDMA einer eigenen Gruppe zuzuordnen:Entaktogen. Der Begriff bedeutet “die innere Berührung hervorbringen“ und geht dabei auf den Kontaktaspekt von MDMA ein, der im nächsten Kapitel beschrieben wird. (vgl. Amendt, G.)

3.2 Psychische Auswirkungen

Reines MDMA führt kurz nach der Einnahme bei gelegentlichem Gebrauch zu einem kribbligen und prickelnden Gefühl im ganzen Körper. Die psychische Auswirkung hängt immer von der eigenen seelischen und körperliche Verfassung, als auch vom erlebten Umfeld ab, in dem die Wirkung erfolgt.

Der Zustand wird von den Usern als wach und angeregt beschrieben. Die bewußtseinsverändernde Wirkung ist verantwortlich für eine größere Offenheit und Ungehemmtheit, es stellt sich ein Gefühl von Wärme und Verliebtheit ein. Darüber hinaus wird das Erleben intensiviert, sorgenfrei und entspannt. Es besteht ein hohes Bedürfnis nach Gesellschaft und eine hohe Kommunikationsbereitschaft, wobei in Gesprächen sehr schnell ein Gefühl von Vertrautheit und Intimität erreicht wird. Unter Intimität ist hier nicht eine Bereitschaft zum Sex zu verstehen, sondern das Bedürfnis nach zärtlichen Körperkontakten.

Thomasius spricht dabei u. a. von einer

- allgemeinen Stimulierung und Euphorisierung intensiver Gefühle zu anderen Menschen

- erhöhten Kommunikationsbereitschaft und gesteigertes Kontaktbedürfnis

- Steigerung des Selbstwertgefühls und Selbstbewußtseins

- Reduzierung der Unterscheidungsfähigkeit zwischen der eigenen Person und der Umwelt, zwischen Selbst und Nichtselbst

Dieses Erleben geht einher mit geistiger Klarheit. Der Ecstasy-Rausch ermöglicht es deshalb, das eigene Innenleben zu beobachten und mittelbar zu reflektieren.

3.3 Körperliche Auswirkungen

Auf der Ebene der körperlichen Symptome zeigen sich nach Fromberg folgende Effekte:

- Erhöhung des Blutdrucks, der Körpertemperatur und des Pulses

- Erweiterung der Pupillen

Es können auftreten

- Übelkeit mit oder ohne Übergeben

- Mundtrockenheit

- Verkrampfung der Kiefermuskulatur (Bedürfnis ständig Kaubewegungen ausführen zu müssen)

- Koordinationsschwierigkeiten in der Motorik

3.4 Neben- und Folgewirkungen

MDMA bewirkt nach neueren Forschungsergebnisse (vgl. Fromberg u.a.) offensichtlich die Ausschüttung des körpereigenen Stoffes Serotonin im Gehirn. Serotonin ist an der Steuerung von Stimmungen und Gefühlen beteiligt. Bereits durch den einmaligen Konsum kann der Serotoninspiegel abnehmen, der sich langsam wieder über einen Zeitraum von Tagen und Wochen normalisiert. Ungeklärt ist, ob der Dauergebrauch eine unwiderrufliche Störung der körpereigenen Serotoninproduktion nach sich zieht. Ein niedriger Serotonin-Spiegel spielt bei der Enstehung von Depressionen eine Rolle. Wird aufgrund eines dauerhaften MDMA- Gebrauchs das vorhandene Serotinin-Reservoir aufgebraucht, muß der Körper erst wieder durch eine Konsumpause die Gelegenheit erhalten, sich zu regeneriern.

3.5 Nachwirkungen

Die Nachwirkungen ähneln denen eines „Katers“, wie er auch durch die Einnahmen anderer Drogen, z.B. Alkohol entsteht. Dabei können folgende Symptome auftauchen, meist aber nur bei exzessiven Konsum, gestreckten Pillen oder in Verbindung mit anderen Drogen:

- Zustände extremer Erschöpfung

- Müdigkeit

- Vergeßlichkeit

- Depressionen

- Motivationslosigkeit

- Unkonzentriertheit

- Appetitverlust

- Angstzustände

- Schlafstörungen

- Schmerzen in der Nierengegend

Alle Nachwirkungen sind meist nur an dem darauffolgenden Tag spürbar und klingen nach einer relativ kurzen Zeit wieder ab. Dies hängt allerdings, wie oben schon erwähnt, von der Dosis sowie der Konsistenz der Pillen ab.

4 Risiken und Risikominimierung des Ecstasykonsums

In diesem Kapitel möchte ich der unbestreitbaren Tatsache nachgehen, daß der Gebrauch einer Droge immer mit bestimmten Risiken verbunden ist. Besonders die Presse läßt keinen Zweifel daran, wie gefährlich Ecstasy ist. So z.B. im FOCUS 5/94: „Russisches Roulette. Selbstmorde. Unfalltote, Vergiftungen - die schicke Party-Droge und ihre tragischen Folgen.“ Was an diesen Meldungen wahr ist oder falsch, möchte ich nun im folgenden aufzeigen. Meist fehlt in diesen Presseberichten die Objektivität.

Das größte Risiko, welches beim Konsum von Ecstasy eingegangen wird, besteht darin, daß unter diesem Namen alle möglichen Substanzen verkauft werden. Dies liegt an der Illegalität der Droge, so daß beim Kauf kein Qualitätsnachweis möglich ist, wie beim Kauf von Medikamenten durch den Beipackzettel. Auf den Drogenmarkt werden in unterschiedlichen Dosisanteilen Pillen mit reinem MDMA ebenso wie mit MDE oder MDA angeboten3. Teilweise werden diese noch mit Koffein oder Paracetamol gestreckt oder als „Placebos“ ohne psychoaktiven Wirkstoffanteil unter die Konsumenten gebracht.

D.h. es besteht zum einen kein Nachweis, welche Substanzen in einer Pille enthalten sind, noch wieviel. „Mund auf und gucken was passiert!“ ist deshalb das gängige Motto beim Konsum. Durch bestimmte Verhaltensweisen läßt sich das Risiko minimieren, aber nie ausschließen, so daß auch der einmalige Gebrauch der Substanz gefährliche Auswirken haben kann4. Im folgenden möchte ich auf die in der Literatur hingewiesen Risiken beim Konsum eingehen. Zunächst möchte ich eine Unterscheidung in akute, chronische und tödliche Folgen vornehmen, um anschließend einige Hinweise zu geben, wie beim Gebrauch die Risiken reduziert werden können.

4.1 Akute Toxitität

Akute Toxitität sind sofortige Vergiftungserscheinungen, die nach einer einmaligen Einnahme von Ecstasy eintreten können. Neben den Reaktionen auf verhältnismäßige leichte Vergiftungen infolge des MDMA-Gebrauchs, auf die unter Punkt 3 hingewiesen wurde, wie z.B. Gereitzheit, Herzklopfen, Bluthochdruck oder Schwitzen, wird in der medizinschen Literatur (vgl. u.a. Fromberg E.) auf folgende ernsthafte Vergiftungskomplexe hingewiesen:

- starke Erhöhung der Körpertemperatur, Muskelschwäche-, schmerzen, Gefäßverstopfung, akutes Nierenversagen

- Lebervergiftung

- Herzstörungen

- Lungenstörungen

- psychiatrische Komplikationen wie toxische Psychosen oder Panikreaktionen (vgl. Schroers A.)

All diese Vergiftungserscheinungen können auftreten, betrifft aber, wenn man die große Zahl der Ecstasy-KonsumentenInnen betrachtet, nur einen sehr geringen Teil der UserInnen. Das Risiko ist abhängig von individuellen Merkmalen und den Bedingungen bei der Einnahme. Es ist zu beachten:

- Herrscht eine Überempfindlichkeit gegenüber MDMA?

- Sind Organe vorgeschädigt?

- Gibt es bestimmte Vorerkrankungen?

- Wurden anderen Substanzen eingenommen? (Mischgebrauch)

4.2 Chronische Toxitität

Erkenntnisse zu Vergiftungserscheinungen infolge langanhaltenden und exzesiven MDMAGebrauchs resultieren zum einen aus Tierversuchen5, als auch durch Beobachtungen von Menschen, die über einen längeren Zeitraum hochdosiert MDMA, aber auch andere Drogen, wie Kokain oder Speed konsumierten, so daß ich auch hier keine genauen Erkenntnisse gewonnen werden konnten.(vgl. Fromberg E.)

Bei länger andauerndem, exzessivem Konsum tritt eine starke Gewöhung des Körpers an die Wirkungssubstanz ein. Der/die KonsumentIn ist deshalb versucht, die Dosis zu erhöhen, um z.B. den zuvor bei einer genommen Pille erzielten Effekt zu erreichen. Durch die Gewöhung kommt es nicht zu akuten Vergiftungserscheinungen, wird aber für Personen gefährlich, die eine bestehende, verborgene Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine Schädigung der Atemwege haben.

Nach Thomasius können anhaltendende psychische Folgeerkrankungen in Zusammenhang mit MDMA-Konsum auftreten. Dazu gehören atypische Psychosen mit Affektverflachung, Kontak- und Denkstörungen sowie paranoide Psychosen mit chronifizierten, depressiven Syndromen, Panikstörungen, Depersonalisationssyndrome und unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten. Meist bilden sich die Folgeerkrankungen aber wieder zurück.

Es gibt keine überzeugenden Studien, ob nach einem chronischen Konsum irreversible Hirn- schädigungen wie z.B. bei Alkohol auftreten. Es wird nur angenommen, daß dies eintritt. In der Literatur wird immer daraufhingewiesen, daß esmöglicherweisezu Schädigungen des Gehirns kommen kann, oder daß neurotoxische Schäden nicht ausgeschlossen werden können. Wie unter Punkt 3.4. erwähnt, ändert sich der Serotinhaushalt, es fehlt aber ein definitiver Nachweis, ob durch MDMA eine Schädigung eintritt. Neurotoxische Schädigungen können zumindest beim „normalen“ Ecstasygebrauch als sehr gering eingestuft werden. Allerdings beeinträchtig der regelmäßige Gebrauch von Ecstasy, gepaart mit einem anstrengenden Lebenswandel das Immunsystem des Körpers: die KonsumentenInnen sind sehr viel anfälliger gegenüber Erkältungen und Infektionen. (vgl. Kauert G.)

4.3 Tödliche Wirkung

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes starben im Zeitraum 1995/96 38 Personen an den Folgen des Ecstasykonsums. Bei Betrachtung der Todesfälle lassen sich hierbei verschiedene Faktoren erkennen:

1. Versehentliche oder absichtliche Überdosierung, z.B. „Wettessen“ von Tabletten im Sinne einer Mutrpobe oder Einahme hoch dosierter Pillen in Kombination mit anderen Drogen.

2. Herzkreislaufkomplikationen, akutes Leberversagen, Nierenversagen im Zusammenhang mit Austrocknung des Körpers, da der Konsum von Ecstasy zu einer Dehydrierung führt und nicht für ausreichend Flüssigkeit gesorgt wurde.

3. Unfälle im Drogenrausch, z.B. Verkehrsunfälle (vgl. Kauert G.)

Angesichts der Konsumverbreitung erscheint die Zahl der Todesfälle eher gering, zeigt aber, daß der Gebrauch von Ecstasy durchaus tödlich enden kann und nicht verharmlost werden sollte.

4.4 Risikominimierung

Aus toxikologischer Sicht läßt sich keine Empfehlung für einen risikolosen Gebrauch geben, so daß in der Literatur oftmals nur die Abstinenz von Ecstasy der beste Schutz ist. (vgl. Kauert G. u.a.) Allerdings hat sich in den letzten Jahren gezeigt, daß trotzt verstärkten Polizeieinsatz und Präventionsmaßnahmen à la „Keine Macht den Drogen“ die Zahl der KonsumentenInnen nicht zurückgegangen ist, sondern vergrößert hat, was ich unter Punkt 6 aber noch genauer Beleuchten möchte.

Im Rahmen der Safer House- Kampagne in den Niederlanden versuchte man durch gezielte Prävention und Forschung den KonsumentenInnen im Umgang mit Ecstasy alle bisher gemachten Erfahrungen und Komplikationen mitzuteilen, und dabei weder übertriebene noch verharmlosende Argumente zu präsentieren. Ähnliche Projekte in Deutschland, wie z.B. Eve&Rave in Berlin oder das Ecstasy-Projekt in Hamburg, zielen darauf ab, zu informieren, welches Risiko eingegangen wird und in wieweit die Risiken minimiert werden können. In der Praxis von Drogenberatungsstellen fallen solche Maßnahmen unter das Stichwort „Harm Reduction“. Folgende Postkarte soll über die Risikominimierung aufklären:

5 Abhängigkeitspotential

Da es sich bei Ecstasy um eine Droge handelt, ist es unumgänglich, auf das Sucht- und Abhängigkeitspotential einzugehen. Nach Schneider ist jemand abhängig von einem Sucht- mittel, „der die Einnahme des Suchtmittels nicht beenden kann, ohne daß unangenehme Zu- stände körperlicher oder seelischer Art auftreten, oder der doch immer wieder so viel von dem Suchtmittel zu sich nimmt, daß dieses ihn selbst oder andere schädigt.“ (Schneider R., S. )

Ausgehend von dieser Definition wird im folgenden von einer körperlichen und einer psychischen Abhängigkeit unterschieden

5.1 körperlich

„Körperliche Abhängigkeit ist gekennzeichnet durch Entzugserscheinungen mit körperlichen und psychischen Symptomen nach dem Absetzen der Droge.“ (Schroers A. S. 35)

Körperlich macht Ecstasy nicht abhängig. Es führt nicht zu Entzugserscheinungen und nicht zu einem zwanghaften Mißbrauchsmuster, wie das z.B. bei Heroin der Fall ist.

Der Körper bildet aber eine Toleranzbildung sowohl in Hinblick auf die aufputschende sowie den psychoaktiven Effekt, so daß sich der Körper an den Stoff gewöhnt und immer größere Dosen eingenommen werden müssen, um den gleichen Effekt zu erhalten. Dies macht allerdings keinen Sinn, da die psychoaktive Wirkung immer weiter abnimmt, bis sie ganz verschwunden ist. Es bleibt nur die aufputschende Wirkung übrig, so daß der/die KonsumentIn genauso gut Amphetamine zu sich nehmen kann. (vgl. Ecstasy-Projekt)

5.2 psychisch

„Psychische Abhängigkeit ist gekennzeichnet als „unwiderstehliche Verlangen“ nach dauerhafter oder periodischer Einnahme einer Droge, um ein Lustgefühl zu erzeugen oder Mißbehagen zu bereiten.“ (Schroers A., S.35)

Was in dieser Aussage „unwiderstehliches Verlangen“ darstellt, bleibt der Interpretation der jeweiligen Betrachters überlassen. Ausgehend von dieser Definition kann aber durchaus eine psychische Abhängigkeit bei exzessiven Ecstasy-Konsum eintreten. Viele UserInnen fallen nach einem anstrengenden Partywochenende am Anfang der Woche bei regelmäßigen Konsum ohne ausreichende Pausen erstmals in ein Loch. Vielen gelingt es dabei nicht mehr, ihre Freizeit ohne Drogen zu genießen. Sie können nicht mehr ausgehen und feiern ohne das Glücksgefühl einer Pille. Diese KonsumentenInnen laufen Gefahr, sich in diese Richtung psychisch abhängig zu machen.

6 Ectasy in der Drogenkultur

Ecstasy wird in unserer heutigen Gesellschaft meistens mit der Technobewegung in Verbindung gebracht. Erst mit dem Beginn des Phänomens der Technokultur in den 90er´ Jahren verbreitete sich der Konsum von Ecstasy in Deutschland im Zuge dieser neuen Jugendbewegung rasant, ausgehend von der Rave-Bewegung in England Mitte der 80er` Jahre. In einer Arbeit über Ecstasy ist es deshalb unbedingt notwendig, auf die Verbindung von Ecstasy und Techno einzugehen. Drogenkultur und Jugendkultur

6.1 Ecstasy und Techno

Techno ist ein bedeutendes Phänomen der Jugendkultur der 90er´ Jahre geworden. Es ist nicht mehr nur ein Musikstil allein, sondern ebenso ein Lebensstil, mit dem sich viele junge Men- schen identifizieren. 1997 feierten über 1 Million Menschen im Berliner Tiergarten die „Love-Parade“ und machten sie zu einen medialen Ereignis. Die TeilnehmerInnen auf den Straßen tanzten, DJs (Diskjockeys) kümmerten sich um die musikalische Begleitung.

Das Motto war „Let the sunshine in your heart“ und spiegelt die Lebensphilosophie vieler Raver6wieder: Spaß und Genuß stehen im Vordergrund, Peace and Love, sowie eine Gemein- schaft, die gemeinsam Techno als Musik- und Lebensstil konsumiert, zeigen, daß im Gegensatz zur Rebellion der Hippies in den 60er´ Jahren, welche die Gesellschaft verändern wollten, die neue Jugendbewegung unpolitisch, auf Konsum ausgerichtet und in die Gesellschaft integriert ist. Allein die Tatsache, daß sich die Werbung intensiv um diese begehrte Zielgruppe junger Menschen kümmert, um ihre Bedürfnisse zu stillen, zeigt, daß Techno nicht verändern will, sondern genießen und konsumieren. Dazu gehören auch Drogen.

Ich möchte nun im weiteren Verlauf nicht auf die Geschichte des Techno eingehen, sondern aufzeigen, warum gerade Ecstasy die ideale Droge für viele AnhängerInnen von Techno ist. Technomusik ist elektronische Musik, die durch den Beat lebt. Für Außenstehende erscheint die Musik monoton. Gerade diese Eintönigkeit ist aber die Grundlage, um in einen anderen Zustand zu kommen: Trance und Ekstase. Es gibt verschieden Arten wie Goa, Ambiente, Hard-Trance, Jungle, Drum&Bass oder Gabber-House, die sich v.a. durch den Rhythmus unterscheiden, der durch die Anzahl der Anschläge pro Minute (=bpm) definiert wird.

Das Tanzen auf Raves ist dabei berührungsfrei und geprägt vom Umfeld. Licht und Dekoration spielen dabei eine entscheidende Rolle, um in den Zustand der Trance oder Ekstase zu verfallen. Ecstasy steigert dabei das Empfinden für die Verbindung von Umfeld und Musik. Der Beat wird durch die extreme Lautstärke für den KonsumentenIn von Ecstasy spürbar und erlebt. Er/sie wird eins mit der Musik, das Schlagen der Bässe dringt in den Körper ein, steigert sich bis zum Höhepunkt.

Die Veranstaltungen gehen bis zum frühen Morgen, manchmal das ganze Wochenende. Ohne aufputschende Drogun wie Ecstasy oder Amphetamine scheint es für viele unmöglich, die ganze Nacht durchzutanzen. Sie wollen in einen Zustand der Ekstase verfallen, um zusammen mit anderen Menschen zu feiern und Spaß zu haben. Techno gibt ihnen das Gefühl, einer Gemeinschaft anzugehören, in der oberflächlich gesehen alle gleich sind. Häufige Gesprächsthemen sind dabei: „Auf was bist du drauf?“ oder „Welche Pille hast du genommen?“. Es gibt einen großen Sprachschatz für den Konsum von Pillen: Pillen einwerfen, sich etwas reinpfeifen, oder reinklinken.

Für manche endet ein Rave mit dem sogenannten „Absturz“, bedingt durch zuviel Drogen und dem Umfeld. In der Drogentheorie wird dieses Bedingungsgefüge der Drogenwirkung als Wechselwirkung von

- Drug (Dosierung),

- set (subjektive Einstellung zu Drogen) und

- setting (Umfeld, in dem die Droge konsumiert wird)

bezeichnet. (vgl. A. Schroers)

Die Funktion von Drogen für Jugendliche und insbesondere Ecstasy möchte ich im folgenden nun ausführlicher darstellen.

6.2 Funktion von Drogen

U. Brickwedde und J. Kloman beschrieben im Rahmen der Drogenkonferenz 1995 des Landes Rheinland-Pfalz „Was erfüllen Drogen für Jugendlichen?“

(1) Jugendliche wollen Spaß haben. Insbesondere durch die wahrnehmungsverändernde Wirkung der Drogen wird auf Partys sowohl Musik, Optik und die Selbstwahrnehmung beim Tanzen intensiver erlebt. Es kann dabei sinnlich und körperlich ein Glücksgefühl erfahren werden.

(2) Der Konsum von Drogen kann für Jugendliche auch ein Mittel sein, um belastenden Streßsituationen im Alltag bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben besser aushalten zu können. Drogen lenken von Problemen ab.

(3) Jugendliche befinden sich in ihrer Entwicklung auf dem Weg der Selbstfindung, auf der Suche nach dem eigenen ICH. Drogen steigern dabei die Erlebnisqualität, sowohl auf Parties als auch im Freundeskreis. Für manche Jugendliche leisten Drogen eine spirituelle Erfahrung hinsichtlich der Sinnsuche. Sie bitten einen Rückzug in die Innerlichkeit.

(4) Durch den Drogengebrauch kann das jugendliche Bedürfnisse nach einem besonderen Lebensstil und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Subkultur ausgedrückt werden. Techno bietet dabei die Möglichkeit, aus sich herauszugehen und Teil einer eigenen Kultur zu sein.

Dies sind meiner Meinung nach die wichtigsten Punkte hinsichtlich der Funktion von Ecstasy im Zusammenhang mit den Bedürfnissen von Jugendlichen. Weitere Punkte sind sicherlich die Abgrenzung von der Erwachsenenwelt sowie das Streben nach Unabhängigkeit, welches durch Drogen kompensiert wird.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Jugendalter wie kein anderer Abschnitt des menschlichen Lebens mit Neugierde, Experimentierfreudigkeit und riskanten Verhaltensweisen in Verbindung zu bringen ist. Gerade der Konsum von sogenannten Partydrogen, zu denen, wie unter Punkt 1 schon erwähnt, neben Ecstasy auch Kokain, Amphetamine und LSD gehören, scheinen in den 90er` Jahren für viele Jugendliche attraktiv zu sein. Wieviele Jugendliche tatsächlich Drogen konsumieren, erscheint mit dabei eine wichtige Frage, die ich im nächsten Kapitel zu beantworten versuche.

6.3 Ausmaßund Verbreitung

Nach einer Studie der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 1995 ist davon auszugehen, daß etwa 15 - 20 % aller jungen Menschen Erfahrungen mit illegalen Drogen gemacht haben. Der Erstkontakt findet dabei im Jugendalter statt.

Innerhalb der Technoszene liegt die Prävalenzrate (Erfahrungswert) mit illegalen Drogen wesentlich höher. Nach einer Studie der BZgA aus dem Jahre 1997 haben 69% des jugend- lichen Technopublikums Erfahrung mit Cannabis, 49% mit Ecstasy, 44% mit Amphetaminen, 37% mit Halluzinogenen und 31% mit Kokain, liegt also wesentlich höher als im altersent- sprechenden Bevölkerungsdurchschnitt. Im Rahmen der Studie wurden 1674 Jugendliche und junge Erwachsene (bis 27 Jahren) aus der Technoszene durch einen Fragebogen zu ihrem Konsumverhalten befragt.

Dabei ist auffallend, daß nicht ,wie so oft vermutet, Ecstasy die am häufigsten konsumierte Droge ist, sondern Cannabis. Dies liegt daran, daß fast alle UserInnen von Ecstasy Cannabis zum ausklingen des Rausches benutzen. Etwa ein Drittel der Ecstasy-Konsumenten gibt an, die Substanz regelmäßig, d.h. öfters wie 1 mal im Monat, zu konsumieren. Viele nehmen Ecstasy oder Amphetamine im Mischgebrauch, was ein hohes Risiko mit sich bringt, wie unter Punkt 4 schon erwähnt.

Diese Zahlen zeigen, daß fast die Hälfte aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Technobereich über Erfahrungen mit Ecstasy verfügen. Die These Ecstasy gleich Techno trifft aber trotzdem nicht zu, da viele nach dem einmaligen Gebrauch kein Ecstasy mehr zu sich nehmen Es zeigt, daß viele Personen auch ohne Drogen in der Technoszene involviert sind und es für sie kein Problem darstellt, abstinent zu sein.

Für 5% der Befragten stellt ihr Drogenkonsum ein Problem dar, für den Rest bleibt es beim gelegentlichen Gebrauch, einmaligen Konsum oder abstinenten Feiern.

6.4 Zur Illegalität von Ecstasy

Da MDMA in Deutschland (siehe auch Kapitel 1) seit 1986 illegal und nur noch auf den Schwarzmarkt erhältlich ist, hat sich ein großer Markt für Pillen entwickelt: Dealer verkaufen zum Teil in Diskos ihre Ware, wobei immer mehr schlechtes Ecstasy mit großen Verunrei- nigungen auftaucht. Das Bundeskriminalamt (BKA) stellte laut Focus 7/1998 im Jahre 1997 insgesamt 718 673 Ecstasypillen sicher, wobei die Zahlen seit Jahren ansteigen. Als Droge beschäftigt Ecstasy mittlerweile ein Heer von Dealern, Produzenten, Staatsanwälten und Polizisten.

Für den/die KonsumentenIn bedeutet das verstärkten Druck beim Kauf von Ecstasy durch die Polizei und meist schlechte Qualität, da viele Dealer schnell und billig Geld verdienen wollen. Trotz dieser 2 Punkte, verstärkter Druck und schlechtere Qualität, steigen die Zahlen der Erstkonsumenten laut BKA jedes Jahr kontinuierlich um 5 - 10%. Verstärkte Aufklärung und Prävention sowie Maßnahmen wie die Safer-House-Kampagnen, in deren Konzept auch das Testen von Pillen miteinbezogen ist, erscheinen mir deshalb der bessere Weg, um EcstasyuserInnen zu erreichen und zu helfen. Nicht verstärkte Repression, sondern mehr Prävention sollte das staatliche Motto beim Umgang mit Ecstasy sein.

7 Ecstasy in der Therapie

Ecstasy wird aber auch in Deutschland nicht nur von RavernInnen konsumiert und als Party- droge verwendet: Einige Personen setzen es zu therapeutischen Zwecken und zur Selbster- fahrung ein - selbst nach dessen Verbot. So schätzt Nicolas Saunders die Wirkung von MDMA nicht als Modedroge, sondern als eine Substanz, die in geeignetem Setting gezielte therapeutische Arbeit ermögliche: „Man kann sich leichter mit Problemen auseinandersetzen, denn Ecstasy bringt einen direkter als andere Substanzen in Kontakt mit den Gefühlen.“ (vgl. Saunders, N., S. 319)

Auch viele PsychotherapeutenInnen traf das Verbot von MDMA, da es für sie bis 1986 ein Hilfsmittel in ihrer therapeutischen Arbeit darstellte. Ein Psychotherapeut erklärte, er hätte gute Erfahrungen in seiner Arbeit damit gemacht. Es sei für ihn kein Allheilmittel, bei der Behandlung von Ängsten und Depression zeigten sich aber einige Erfolge. Für eine Anwendung brauche es eine gezielte Vorbereitung mit Meditation oder Körperarbeit sowie Vertrauen und spirituelle Einordnungskraft. Erst die Verteufelung von MDMA macht es so populär und interessant, daß die Gesellschaft nun darunter leidet. (vgl. Saunders, N.)

Diese beiden Aussagen bewegten mich zu der Frage, welche Formen der Therapie mit Ecstasy möglich sind und welche wirklich sinnvoll erscheinen. Von der fundierten, wissenschaftlichen Anwendung bis zu spirituellen Sitzungen, wie es beispielsweise die Baghwan-Sekte und New-Age-Anhänger in den 80er Jahren praktizierten, zeigen, daß es verschiedene Arten der Anwendung gibt, die nicht immer als Therapie bezeichnet werden können und deshalb mit Vorsicht zu betrachten sind. Welche Formen der Anwendung und Therapie gibt es nun?

7.1 Verschiedene Anwendungsbereiche

Folgende Ausführungen basieren auf den Darstellungen von Nicolas Saunders und sollen einen Überblick über die Möglichkeiten geben, die MDMA bietet, ohne zu werten, ob diese sinnvoll erscheinen:

- Psychotherapie: Laut einer Umfrage unter 17 MDMA-TherapeutenInnen waren diese durchgehend mit dem therapeutischen Potential der Droge zufrieden. Die Droge half ihren PatientInnen offener zu sein und ehrlicher mit sich und anderen umzugehen.

- Laientherapie: Die Sitzung wird von einer nicht-professionellen Person geleitet, welche die Fähigkeit besitzen muß, sich in andere Menschen hineinzuversetzen (Empathie). Wichtig ist hierbei, daß vorher einige Regeln über den Verlauf vereinbart werden, z.B. kein sexueller Kontakt, geschützter Rahmen, Thema bestimmen, zuhören statt interpretieren.

- Selbsttherapie: MDMA wird dabei ohne therapeutische Hilfe allein genommen. Für die Person ist dabei wichtig, gegenüber sich selbst ehrlich zu sein. Positiv: Es findet dabei häufig eine Selbstreflexion statt.

- Beziehungsarbeit: Bei Beziehungen, die sich in einer Krise befinden, kann MDMA neue Möglichkeiten der Kommunikation eröffnen. Es wird berichtet, daß oftmals die Beziehung geklärt, aber nicht alle Erwartungen erfüllt werden, z.B. eine glücklichere sexuelle Beziehung mit seiner Partnerin zu erreichen.

- Entspannungsarbeit: Einige vielbeschäftigte Personen berichten, daß der Gebrauch von MDMA für sie eine Art „Kurzferien“ darstellt. Sie nehmen es am Wochenende und können sich so in kürzester Zeit entspannen. Für sie stellt sich ein erholsamer Effekt ein, um für den darauffolgenden Arbeitsalltag wieder fit zu sein.

- Kreativarbeit: MDMA wird, zumeist in sehr geringer Dosierung, als Hilfe für künstlerischen Ausdruck verwendet, etwa beim Malen, Schreiben oder Musik machen. Es helfe dabei, Blockierungen zu überwinden und neue Perspektiven zu schaffen.

- Meditationsübung: In Zusammenhang mit verschiedenen Meditationsformen wie Yoga oder Tai Chi und der Einnahmen von MDMA wird von einer positiven Wahrnehmung des eigenen Körpers berichtet. Die Energie des Organismus wird besser fühlbar gemacht.

- Schmerzmittel: 1993 wurde in den USA ein Versuch mit MDMA als Schmerzmittel bei Krebskranken im Endstadium durchgeführt. Die Personen konnten dabei den Schmerz besser ertragen. Die Substanz hatte dabei einen ähnlichen Effekt wie Morphium, verminderte auch die Ängste, einschließlich die vor dem Tode.

Saunders beschreibt noch weitere Anwendungsgebiete, in denen MDMA nicht als Droge, sondern als Therapeutikum eingesetzt werden kann, die mir aber unwichtig erschienen.

Nicht alle oben erwähnten Punkte erfüllen die Voraussetzungen für eine Therapie und dürfen als solche auch nicht verstanden werden. Es erschien mir aber wichtig, z.B. auf die kommunikative Seite von MDMA in der Beziehungsarbeit einzugehen, da ich selbst Paare kennengelernt habe, die durch den Gebrauch einige Defizite lösen konnten.

Nach diesem Überblick möchte ich den Punkt der Psychotherapie anhand eines Projektes in der Schweiz näher beleuchten.

7.2 Psychotherapie in der Schweiz

Mitte der 80er Jahre gründeten einigen TherapeutenInnen die Schweizer Ärztegesellschaft für psycholytische Therapie (SÄPT) und begannen, mit MDMA zu arbeiten nach dem der Psychotherapeut Samuel Widmer über die Wirkung dieser Droge aus den USA gehört hatte. Psycholytisch bedeutet Anwendung von Drogen in der Therapie. Nachdem MDMA auch in der Schweiz verboten wurde, erhielten aufgrund der Richtlinien des Schweizer Betäubungsmittelgesetzes, welches verbotene Substanzen unter gewissen Voraussetzungen für Forschung und Medizin erlaubte, 4 TherapeutenInnen die Bewilligung, weiter mit MDMA zu arbeiten. Sie mußten sich allerdings an strenge Richtlinien halten. Die Droge durfte z.B. nur bei früheren KlientInnen zum Abschluß ihrer vor dem Verbot begonnen Therapie eingesetzt werden. Das ganze Projekt war bis Ende 1993 befristet.

(vgl. Saunders, N.)

7.2.1 Sitzungsablauf einer Psychotherapie mit Ecstasy

Es folgt nun eine Darstellung einer Sitzung, die auf einem Interview mit der Schweizer Psychotherapeutin Dr. Marianne Bloch basiert. Sie arbeitete von 1989 bis 1993 mit MDMA in Gruppentherapie und mit Einzelpersonen. (vgl. Saunders, N.)

Personenkreis:

Sie verabreichte die Droge bei 20 PatientenInnen mit einer starken Körperpanzerung, die trotz anderer Behandlungsmethoden nicht mit ihren Gefühlen klarkamen. Es handelte sich dabei vorzugsweise um Frauen mit Bulimie, die, wie sich nachher herausstellte, an traumatischen Erinnerungen in ihrer Kindheit litten sowie um einige depressive und narzißtischen PatientenInnen. Ausgenommen sind auf jeden Fall Borderline-Persönlichkeiten. Alle PatientenInnen befanden sich schon länger bei ihr in Behandlung, ohne MDMA bekommen zu haben.

Voraussetzungen:

Es wurden zuvor in Einzelgesprächen die Persönlichkeitsstruktur und die Familiengeschiche der Versuchsperson auf psychiatrische Krankheiten hin untersucht, um auszuschließen, daß durch die Verabreichung von MDMA eine Psychose entstehen kann. Es bleibt aber immer ein Restrisiko. Eine intensive psychotherapeutische Beziehung ist die Grundvoraussetzung für den späteren MDMA-Gebrauch.

Dosierung:

Je nach Körpergewicht wurde eine einzige Dosis von 100 - 125 mg verabreicht, wobei sie selbst nichts nahm.

Vorbereitungsphase::

Nachdem zuvor in einer Einzelsitzung mit der Therapeutin die Angst vor MDMA genommen wurde, fanden 4 mal im Jahr Gruppensitzungen am Wochenende mit den PatientenInnen statt. Das Treffen begann um 8.00 Uhr. Die Gruppe saß in einem Kreis und tauschten sich zuerst durch Gespräche aus, um eine intime Atmosphäre entstehen zu lassen und die Erwartungen von der Sitzungen zu klären. Die Personen kannten sich dabei schon vorher von anderen Gruppensitzungen. Es folgte eine Meditations- und Atemübung, ähnlich einer Zen-Meditation mit Entspannungsmusik.

Gruppenphase:

Nach der Vorbereitungsphase wird MDMA eingenommen. Nachdem die Wirkung nach einer halben Stunde eingesetzt hatte, begann die Therapeutin, jedem einzelnen zu fragen, wie er sich fühle und zu ermuntern, mit anderen Personen in Kontakt zu treten. Will sich jemand einen anderen nähern, muß er oder sie diesen um Erlaubnis fragen. Meist bleiben die PatientenInnen aber allein auf ihren Platz, um ihre Gefühle zu verarbeiten oder die Therapeutin fordert sie auf, sich wieder hinzusetzen. Dies hängt von der Gruppenenergie ab. Das wesentliche Element bei der Gruppensitzung ist dabei nicht die Kommunikation, sondern die Körperarbeit. Den Körper öffnen und ihn wahrnehmen, sich bewußt werden, sich fühlen, die Angst vor Nähe zu verlieren sind dabei die Effekte, die sich mit Hilfe von MDMA erreichen lassen.

7.2.2 Auswertung

Die Auswertung beruht auf einer Katamnesestudie, einer Nachbeobachtung der 140 Patienten, die von den 4 TherpeutenInnen betreut wurden. Die KlientenInnen mußten nachträglich einen detaillierten Fragebogen beantworten, in dem sowohl auf die soziale, private und berufliche Situation als auch auf das psychische Wohlbefinden eingegangen wurde:

- Wie hat sich der/die PatientIn vor der Therapie gefühlt?

- Welche Probleme motivierten sie zu Therapie?

- Was erlebten sie während der Therapie?

- Welche Eindrücke hatten sie?

- Was hat ihnen die Therapie gebracht?

Das Therapieresultat war, daß sich bei 90% der Befragten eine leichte oder gute Verbesserung ihrer Befindlichkeit eingestellt hatte. Selbst schlechte Erfahrungen während der Therapie hätten keinen Einfluß auf das Gesamtergebnis. Die sozialen Verhältnisse blieben stabil, aus subjektiver Sicht der PatientenInnen ist die Therapie durchführbar und nutzbringend. Objektiv waren nach Beendigung weniger Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken notwendig als vorher. (vgl. Saunder, N.)

Abbau von Ängsten sowie eine Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen waren die Haupterfolge, die sich aber auch mit anderen Methoden erreichen lassen Laut dieser Studie spricht MDMA v.a. bei zwei Diagnosen besonders gut an:

- die depressive Neurose

- die narzißtische Persönlichkeitsstörung

Um den Erfolg der Therapie zu bewerten, reicht diese Studie nicht aus. Sie wurde einmal nachträglich erstellt und nicht begleitend und läßt keinen Vergleich zu, ob die Therapieerfolge vielleicht nicht auch ohne MDMA hätten erreicht werden können . Es zeigt sich aber, daß in der Praxis viele Psychotherapeuten von der positiven Wirkung überzeugt sind und gerne weiter damit arbeiten würden. Dies lassen aber die gesetzlichen Richtlinien seit 1993 nicht mehr zu, so daß keinen weiteren Studien erstellte werden können, z.B. eine Vergleichsstudie Therapie mit MDMA - Therapie ohne MDMA. Hier besteht dringend Handlungsbedarf.

8 Nachwort

Durch diese Hausarbeit wurde mir bewußt, daß Ecstasy sowohl auf Parties als Droge konsumiert wird, aber ebenso, wie der Modellversuch in der Schweiz zeigt, von TherapeutenInnen eingesetzt wird, um Menschen zu helfen. Es zeigte sich, daß besonders in der Technoszene Ecstasy als Modedroge fungiert. Leider steckt die wissenschaftliche Forschung teilweise noch in den Kinderschuhen. Über Langzeitfolgen des Konsums gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Es fehlen auch weitergehende Studien über Therapieformen mit MDMA. Besonders in Deutschland gibt es fast keine wissenschaftlichen Arbeiten darüber. Dies liegt natürlich an den politischen Richtlinien, die sich ändern müßten. Die Ansätze in der Schweiz haben aber meiner Meinung nach gezeigt, daß MDMA durchaus positive Auswirkungen auf besitzt, die für die Therapie eingesetzt werden könnten. Leider fehlen dabei noch weitergehende Kenntnisse in diesem Bereich.

9 Literaturliste

Schroers A.: Ecstasy - ein Ratgeber zur Droge MDMA, Münster 1996

Saunders N.:E for Ecstasy, Zürich 1994

Fromberg, E.: How XTC works, Manuskript, Utrecht o. J. Ecstasy Project; Internet-Seite www.ecstasy.de

Rabes M. und Harm W.: XTC und XXL. Wirkungen, Risiken, Vorbeugungsmöglichkeiten und Jugendkultur, Reinbek b.Hamburg 1997

Amendt G. und Walder P.: Ecstasy & Co. Alles über Partydrogen, Reinbek b. Hamburg 1997 Gottschling C. u.a.: Ecstasy. Wie gefährlich ist die „Glückspille“?, in: Focus 24/1996

Kauert, G.: Toxikologische Aspekte des Ecstasykonsums bei jungen Menschen, in: Ministerium für Kultur, Jugend, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz: Drogenkonferenz 1995. Mainz 1996

Tossmann, H.P.: Drogenkonsum Jugendlicher in der Techno-Party-Szene, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln 1997

Schneider, R.: Die Suchtfibel, 1983

[...]


1Partydrogen sind solche Mittel, die in Diskotheken und auf Technoparties als Aufputschmittel, d.h. Substanzen mit stimulierender Wirkung wie Speed, Ecstasy, Kokain, oder Halluzinogene wie LSD, konsumiert werden. Zwar werden auch Alkohol und Cannabis auf Parties konsumiert, aber nicht den Partydrogen zugeordnet. (vgl. Ecstasy-Projekt)

2Diese Werte wurden durch Untersuchungsergebnisse aus Holland im Rahmen der Safer-House-Kampagne sowie durch vereinzelte nicht legale Untersuchungen in Deutschland, v.a. durch Eve & Rave in Berlin sowie von Drogenberatungsstellen in Hannover ermittelt.

3Siehe auch unter 1.

4Siehe auch unter 4.4

5Es wurde dabei meist eine sehr hohe Dosis verabreicht, so daß die Übertragung auf den menschlichen Organismus sehr fraglich ist.

6Rave = Technopartie Raver = Teilnehmer einer Technopartie

Details

Seiten
17
Jahr
1997
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105695
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,3
Schlagworte
Ecstasy Droge Medizin

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Titel: Ecstasy - Droge und Medizin?