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Max Born und der Springer-Verlag

Hausarbeit 2001 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Max Born und der Springer-Verlag

1. Einleitung

Eine der wichtigsten Phasen in der Geschichte des Springer-Verlags, der heute zu den welt- weit größten und renommiertesten Verlagen für wissenschaftliche Literatur zählt, war die Zeit um den Ersten Weltkrieg. Hier wurden Entwicklungen begonnen und weiterverfolgt, die den Verlag mit Sitz in Berlin bereits in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts zum Marktfüh- rer in Deutschland machten. Eng verbunden ist diese Entwicklung mit dem Namen Ferdinand Springers. Springer, der 1907 gemeinsam mit seinem Vetter Julius die Leitung des Verlags übernahm, konnte mit seiner verlegerischen Strategie gegenüber der Konkurrenz bestehen, sie sogar überflügeln. Im Folgenden möchte ich sein Konzept kurz vorstellen und die Umsetzung genauer untersuchen. Die Konzentration liegt hierbei auf den Fachbereichen Physik und Ma- thematik sowie der Zusammenarbeit mit dem Physiker Max Born. Diese soll exemplarisch sowohl für Springers wirtschaftliche Strategie als auch für sein Verhalten gegenüber den Au- toren dargestellt werden. Berücksichtigt wird dabei auch die Situation und der Standpunkt des Autors.

Das Verhalten Springers gegenüber Born ist für eine solche Untersuchung prädestiniert, da es durch einen ausführlichen Briefwechsel sehr gut dokumentiert wird. Er bildet zusammen mit der Studie von Frank Holl „Produktion und Distribution wissenschaftlicher Literatur. Der Physiker Max Born und sein Verleger Ferdinand Springer 1913-1970“ die Basis dieser Ar- beit. Infolge der Fülle des Materials werde ich mich allerdings auf den Zeitraum 1913 - 1921 beschränken.

Die betreffenden Schriftstücke des Briefwechsels befinden sich im Springer-Archiv in Heidelberg. Für meine Arbeit habe ich die Originale nicht eingesehen. Der untersuchte Zeitraum ist jedoch in der von mir benutzten Literatur lückenlos dokumentiert. Beim Zitieren gebe ich sowohl das Originalschriftstück, als auch die von mir verwendete Quelle an.

2. Ferdinand Springers verlegerisches Konzept

In einem Memorandum vom 5. August 1927 zum Thema „Notgemeinschaft und wissen- schaftlicher Verlag“ stellte Springer dar, wie er neue wissenschaftliche Fachbereiche für sei- nen Verlag erschließt. Zunächst führe sich der Verleger am besten durch ein Werk von wis- senschaftlicher Bedeutung ein, dem nur ein begrenzter Abnehmerkreis beschieden sein konn- te1. Dies solle zu Anerkennung in den Fachkreisen führen, deren Mitglieder somit im betref- fenden Verlag einen potentiellen Ort für eigene Veröffentlichungen sähen. Der nächste Schritt wäre dann die Gründung oder Übernahme einer wissenschaftlichen Zeitschrift des entspre- chenden Fachgebiets, die als Brücke zu den Autoren und als Anzeigenforum dienen solle.

Auch könne sich der Verleger so profilieren, indem er durch verständnisvolles und ent- gegenkommendes Verhalten gegenüber berechtigten Wünschen der Autoren [ zeige ] , dass er Verständnis für die Sache hatte und nicht kleinlich war.2 So gewönne der Verlag an Einfluß und Bedeutung, und das Zuschußgeschäft, das die Zeitschrift zunächst darstelle, würde sich auszahlen.

Die finanzielle Opfer- und Risikobereitschaft, die ein Verleger so zunächst aufbringen muß, war für Springer die Grundvoraussetzung für Erfolg. Dementsprechend setzte er sich in sei- nem Memorandum auch gegen eine Subventionierung der wissenschaftlichen Zeitschriften durch die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft ein. Damit plädierte Springer für marktwirtschaftliche Regeln innerhalb des Systems des wissenschaftlichen Buchhandels. Für ihn waren verlegerische Entscheidungsfreiheit und finanzielle Unabhängigkeit von wissenschaftlichen Institutionen von gr öß ter Bedeutung3 , meint dazu Frank Holl. Weitere Grundsätze im verlegerischen Konzept Springers formulierte er 1952 in seinem „Lebensbericht“. So solle der Verleger die Balance zwischen wissenschaftlichem Idealismus und finanziellem Gewinn einhalten:

Er muß die richtige Mitte finden zwischen den Forderungen, die die [ ... ] Wissenschaft an ihn stellt, und der Notwendigkeit, seinen Betrieb wirtschaftlich gesund zu halten.4 Auch sei es sehr wichtig, den Kontakt zum wissenschaftlichen Nachwuchs zu pflegen, um auch zukünftig Neues und Innovatives veröffentlichen zu können. Zudem legte Springer sehr viel Wert auf ein gutes und persönliches Verhältnis zu seinen Autoren. Dadurch konnten Ver-handlungen auf kurzem Wege getätigt und eventuelle Probleme schnell beseitigt werden. Wie Springer seine verlegerischen Grundsätze und Konzepte in der Realität umsetzte, soll nun anhand der Zusammenarbeit mit Max Born genauer untersucht werden.

3. Die ersten Kontakte zwischen Max Born und Ferdinand Springer

3.1. Die Gründung der Zeitschrift „Naturwissenschaften“

In seinem „Lebensbericht“ äußerte Springer: [ ... ] das meiste, was in späteren Jahren von mir geschaffen werden konnte, hat seinen Ursprung in der Zeit vor 1914.5 Dies traf auch auf die Bereiche Physik und Mathematik zu, obwohl diese, als Ferdinand Springer die Leitung des Verlags übernahm, eher ein Schattendasein führten. Springers Vater und Vorgänger Ferdi- nand d.Ä., der ebenso wie später sein Sohn für das Medizin- und Naturwissenschaftspro- gramm des Verlags zuständig war, plante zwar den Ausbau der bisher vernachlässigten Berei- che Physik und Mathematik. Er konnte aber keine namhaften Wissenschaftler als Autoren für seinen Verlag gewinnen, da diese bei der arrivierteren Konkurrenz (z.B. Teubner, Vieweg) veröffentlichten.

Ferdinand Springer junior versuchte nun, Kontakte zu jüngeren Physikern und Mathematikern aufzunehmen. Als wichtigstes Mittel diente ihm dazu die Zeitschrift „Naturwissenschaften“ und deren Herausgeber Arnold Berliner.

Berliner, bis 1912 Direktor der AEG-Glühlampenfabrik, wandte sich am 6. Mai 1912 mit dem Anliegen an Springer, eine Zeitschrift in der Tradition der englischen „Nature“ herauszubrin- gen. Diese sollte in einer Zeit der zunehmenden Spezialisierung der Naturwissenschaften ei- nen Gesamtüberblick vermitteln und jeden naturwissenschaftlich Tätigen (als Forscher oder als Lehrer)über das orientieren, was ihn auß erhalb seines eigenen Faches interessiert6 . Springer war von der Sache sehr angetan, zumal sich Berliner auch als wissenschaftlicher Autor im Bereich Physik einen Namen gemacht hatte. Schon am 3. Januar 1913 erschien die erste Ausgabe der „Naturwissenschaften“, Arnold Berliner fungierte als Herausgeber. Die rasche Einführung und der Erfolg der Zeitschrift wurden dadurch gefördert, daß der Vieweg- Verlag seine ähnlich aufgebaute „Naturwissenschaftliche Rundschau“ 1912 einstellte und Springer gegen eine Abfindung von 10.000 Mark deren 1170 Abonnenten übernehmen konn- te. Mit seiner investitionsfreudigen Verlagspolitik legte Springer somit einen Grundstein für den weiteren Erfolg. Er besaß nun mit dieser Zeitschrift eine für ihn so wichtige erste Brücke zu potentiellen Autoren, zumal er stark von Berliners Kontakten zu namhaften und auch zu jungen, aufstrebenden Wissenschaftlern profitieren konnte. Zur letzeren Gruppe zählte Max Born.

3.2. Das erste Zusammentreffen 1913

Max Born war zu jener Zeit Privatdozent in Göttingen, das sich zu einem wissenschaftlichen Zentrum in den Fächern Mathematik und Physik entwickelte. Born kannte Arnold Berliner, der Springer auf den von ihm geschätzten jungen Wissenschaftler aufmerksam machte. Für Springer war dies eine gute Gelegenheit, die für einen Ausbau des Mathematik- und Physik- programms so wichtigen Kontakte nach Göttingen zu knüpfen. Im Mai 1913 kam es dann zu einem ersten Treffen zwischen Born und Springer in Göttingen, bei dem mögliche Ergänzun- gen des physikalischen Verlagsprogramms erörtert wurden, u.a. wurde so über die Notwen- digkeit eines Lehrbuchs der theoretischen Physik gesprochen. Max Born, ein Kenner der Re- lativitätstheorie Einsteins erwähnte seinerseits gegenüber Springer, daß er an einem Buch zu diesem Thema arbeite, worauf Springer eine Veröffentlichung in den den „Naturwissenschaf- ten“ beigegebenen Monographiensammlungen in Aussicht stellte. Springer lag sehr viel dar- an, Born an seinen Verlag zu binden, deshalb sollten für Born auch die Honorarbedingungen seinerzeit möglichst günstig7 ausfallen. Springer sah in ihm von Anfang an nicht nur einen potentiellen Autor seines Verlags, sondern auch eine Informationsquelle, die ihm bei der Analyse des Marktes für physikalische und mathematische Literatur hilfreich sein konnte.8 Außerdem erahnte Springer wohl auch die spätere Sprengkraft von Einsteins Theorien und prognostizierte deshalb dem Buch Borns hohe Verkaufszahlen.

3.3. Der Beginn der Zusammenarbeit

Springer wollte die Verbindung zu Born auf keinen Fall abreißen lassen. So nutzte er kurze Zeit nach dem Treffen in Göttingen das Erscheinen eines Lehrbuchs der theoretischen Physik bei Teubner, um Born am 20. Juni 1913 schriftlich zu kontaktieren und dessen Meinung dar- über einzuholen. Da er sich mit einem speziellen Anliegen an Born wendete, umging er den Anschein, allzu aufdringlich um einen Autor zu werben. Springer ermöglichte so außerdem einen Dialog, der eine Intensivierung des Kontakts bedeutete und beteiligte Born so schon indirekt an seinem Vorhaben, selbst ein Lehrbuch der theoretischen Physik zu veröffentli- chen. So bat er auch wieder um Borns Meinung, als er den Physiker Heinrich Konen zur Er- stellung einen solchen Lehrbuchs gewonnen hatte. In seiner Antwort vom 30. Oktober 1913 bezweifelte Born zwar seine Kompetenz zur Beurteilung Konens, stellte seine Meinung, die durchaus positiv ausfiel, dennoch ausführlich dar. Es war für ihn wohl auch eine gewisse Eh- re, derart von Springer als Berater umworben und in die Verlagsplanung mit einbezogen zu werden. Springer gelang es somit, bei Born das Interesse für den Verlag, sogar ein gewisses Verantwortungsgefühl zu wecken. Dementsprechend fühlte sich Born auch gegenüber Sprin- ger bezüglich der eigenen Veröffentlichungen verpflichtet, wie man ebenfalls aus dem Schreiben entnehmen kann:

Mein Gewissen Ihnen gegenüber wird immer schlechter. Jetzt habe ich wieder neue Arbeiten vor und komme gar nicht dazu, die Bücher [ ... ] , die ich Ihnen versprochen hatte, anzufangen.9

In der Folge gab Born Springer die verbindliche Zusage, sein Werk über die Relativitätstheo- rie sowie ein weiteres über Thermodynamik im Springer-Verlag zu veröffentlichen. Zudem erschienen 1913 noch vier Aufsätze von Max Born in den „Naturwissenschaften“. Springer erreichte so, was er wollte. Er besaß nun mit Max Born einen guten Kontakt nach Göttingen und hatte mit dessen und Konens Zusage Veröffentlichungen in Planung, die analog zu seiner Strategie (siehe Kapitel 2) durchaus den Anforderungen von „Einführungswerken“ gerecht, diese im Falle des Lehrbuchs mit seinem erweiterten Abnehmerkreis sogar übertreffen wür- den.

So war denn Springers Besuch in Göttingen [ ... ] der erste Schritt zu einer engen, für beide Seiten auß erordentlich fruchtbaren Autor-Verleger-Beziehung.10 Die Basis für den Ausbau des Physikprogramms war geschaffen. Dieser, sowie die ersten Buchveröffentlichungen Borns im Springer-Verlag sollten sich allerdings verzögern. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die positive Entwicklung zunächst unterbrochen.

4. Projekte während des Ersten Weltkriegs

4.1. Max Born

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914 bedeutete für die Buchproduktion, besonders für die wissenschaftliche, einen starken Einbruch. Es mangelte kriegsbedingt an Material und Arbeitskräften, die Studentenzahlen gingen zurück, viele Wissenschaftler und Verleger waren in die Kriegsmaschinerie eingespannt. Davon war natürlich auch der Sprin- ger-Verlag betroffen.

1915 wurden gerade noch 108 Titel produziert. Das war etwa ein Drittel des Vorjahrs (290) [ ... ] . Bei Springer wirkte sich naturgem äß auch aus, daß die beiden leitenden Köpfe des Verlages an der Front waren.11 So mußte der Verlag, notgedrungen wieder geleitet von Julius’ Vater Fritz Springer, sein Programm stark reduzieren. An einen Ausbau der Aktivitäten in den Bereichen Physik und Mathematik war also zunächst nicht zu denken.

Max Born indessen wurde krankheitsbedingt zunächst nicht eingezogen und widmete sich, da die meisten Studenten ebenfalls an der Waffe gebraucht waren, verstärkt der Forschung. Es entstand so eine Abhandlung über die Dynamik der Kristallgitter. Aufgrund der vor dem Krieg aufgebauten Bindung zum Springer-Verlag wäre es unter normalen Umständen wohl zu einer dortigen Veröffentlichung des Werkes gekommen. Allerdings waren Born wohl die Probleme des Springer-Verlags bekannt, eine Veröffentlichung schien in absehbarer Zeit nicht möglich. Da ihm nun an einem raschen Erscheinen des Buchs gelegen war, wendete er sich an den Verlag Teubner in Leipzig, der zu dieser Zeit als einziger neue Werke aus den Bereichen Mathematik und Physik verlegte. „Dynamik der Kristallgitter“ erschien 1915 als Heft 4 der Reihe „Fortschritte der mathematischen Wissenschaften in Monographien“. Ob- wohl diese Reihe hoch angesehen war, fiel Borns Gehalt sehr gering aus, die Hälfte mußte er sich in Form von Büchern des Verlags auszahlen lassen. Allerdings paßte sich Teubner auch nur den schlechten Absatzbedingungen des Marktes an, die eine bessere Honorierung schwer zuließen. Es ist müßig darüber zu spekulieren, wie sich Ferdinand Springer in dieser Situation gegenüber Max Born verhalten hätte. Born entwickelte jedenfalls aus dem für ihn so unvor- teilhaften, rein geschäftlichen Autor-Verleger-Verhältnis ein großes Mißtrauen gegenüber dem Verlegerstand, wie er auch in einem Brief vom 8. Januar 1920 an Ferdinand Springer bekennt:

Ich muß gestehen, daß meine Erfahrungen mit einem anderen Verlagshause (in Leipzig) nicht dazu angetan sind, [ ... ] Vertrauen herzustellen; so hat mir dieses Haus zugemutet, das an sich sehr niedrige Bogenhonorar für ein wissenschaftliches Werk in Büchern desselben Verlags (bis etwa zur Hälfte des Betrags) anzunehmen. Da es sich dabei um eine der ersten Firmen handelt, kann ich nicht annehmen, daß es sich um einen Ausnahmefall handelt. Es wäre Sache des Verlegers, solchen Ausbeutungsversuchen entgegenzutreten und dadurch das Vertrauen der Autoren in die korrekte Geschäftsführung der Verlagsgeschäfte herzustellen.12

Daß es Springer bei seiner späteren Zusammenarbeit mit Born gelang, gemäß seinen Grund- sätzen eine solche Vertrauensbasis zu schaffen, ist sicherlich ein großer Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Denn für Teubner war in diesem Falle Max Born als Autor schon verloren.

4.2. Ferdinand Springer

Im Krieg verwundet und vom Militärdienst befreit, kehrte Ferdinand Springer bereits 1915 nach Berlin zurück und konnte sich wieder um den Verlag kümmern. Während die Konkur- renz auf ein baldiges Kriegsende hoffte und die Buchproduktion bis dahin stark reduzierte, zeichnete sich Springer ein weiteres Mal durch Risikobereitschaft und Investitionsfreude aus. Er versuchte, den geplanten Ausbau des Verlagsprogramms so gut als möglich fortzusetzen.

Schon 1916 nahm die Produktion wieder zu,übrigens gegenläufig zur allgemeinen Produkti- onsentwicklung beim deutschen Verlag insgesamt.13 Auch Springer setzte hierbei auf die Nachkriegszeit, insbesondere auf steigende Studentenzahlen. Zu diesem Zweck nahm er am 21. März wieder Kontakt zu Heinrich Konen auf, dessen geplantes Lehrbuch der theoreti- schen Physik einen finanziellen Erfolg und auch einiges an Renommee versprach. Allerdings konnte Konen das Buch trotz gegenteiliger Zusagen nie fertigstellen.

Springer konzentrierte sich aber nicht nur auf das lukrativ erscheinende Verlegen von Lehr- büchern, auch gegenüber ambitionierteren Projekten war er durchaus aufgeschlossen. So kam auch die überaus fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Göttinger Mathematiker Richard Cou- rant zustande. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatte Springer mit dem Mathematikprofessor Leon Lichtenstein, ebenfalls aus Göttingen, ein komplettes mathematisches Programm mit zwölf Themenbereichen14 geplant, welches dann allerdings nicht mehr verwirklicht werden konnte. Auch Courant sollte an diesem Projekt als Autor beteiligt werden, ein Kontakt zwi- schen ihm und Springer bestand also. Courant plante nun eine mathematische Monographien- reihe, die er gerne beim damaligen Marktführer Teubner untergebracht hätte. Teubner hatte jedoch mittlerweile sein mathematisches Verlagsprogramm wegen der schlechten Absatz- möglichkeiten weitgehend eingefroren, für neue Projekte wurden somit keine finanziellen Mittel mehr bereitgestellt. Also wandte sich Courant im September 1917 an Springer, der Courants Pläne begeistert aufnahm, paßten sie doch perfekt zur geplanten Programmerweite- rung. Im November 1918 wurde der Verlagsvertrag für die von Courant ab 1921 herausgege- bene Monographienreihe „Grundlehren der mathematischen Wissenschaften in Einzeldarstel- lungen“ unterzeichnet. Aber damit war Springers verlegerische Offensive im Bereich Mathe- matik noch nicht beendet. In Zusammenarbeit mit Lichtenstein reifte ab 1917 der Plan einer mathematischen Zeitschrift, die den angesehenen „Mathematischen Annalen“ des Teubner- Verlages Konkurrenz machen sollte. Schon Anfang 1918 erschien die erste Ausgabe der „Ma- thematischen Zeitschrift“ bei Springer, Lichtenstein wurde geschäftsführender Redakteur.

Über die Projekte zum Ausbau des Mathematikprogramms nahm auch die Zusammenarbeit zwischen Springer und Max Born einen neuen Anfang. Der persönliche Kontakt zwischen beiden dürfte wohl auch während der Kriegsjahre nicht abgebrochen sein, da Born ab 1915 zunächst als außerordentlicher Professor, später gezwungenermaßen in der militärischen For- schung in Berlin arbeitete. Daß durch die mehrfachen Bekanntschaften, Freundschaften und gleichgelagerten Interessen der Kontakt zwischen Born und Springer aufrechterhalten, even- tuell sogar vertieft wurde, ist wahrscheinlich.15 Einer dieser gemeinsamen Bekannten war Richard Courant, mit dem Born zusammen zur Schule gegangen war und der Born in seine Arbeit an den „Grundlehren der mathematischen Wissenschaften in Einzeldarstellungen“ als Mitherausgeber einbezog. Max Born wurde so durch Umwege wieder in die Verlagsarbeit Springers integriert, eine intensive Zusammenarbeit sollte folgen.

5. Max Borns erste Buchveröffentlichungen im Springer-Verlag

5.1. Die Situation nach dem Ersten Weltkrieg

Auch nach dem Ersten Weltkrieg war die Situation für den Buchhandel alles andere als gut. Die fortschreitende Inflation bereitete den Verlagen große Probleme. Zwar wurden die Buch- preise erhöht, um sie dem sinkenden Geldwert anzupassen, jedoch in einem vergleichsweise geringen Umfang. Die Nachfrage bezüglich wissenschaftlicher Literatur war in der entbeh- rungsreichen Nachkriegszeit einfach zu gering, selbst wissenschaftliche Einrichtungen taten sich wegen stagnierender Etats mit dem Ergänzen ihrer Bibliotheken schwer. Da die Herstel- lungskosten der Bücher schneller stiegen als die Buchpreise, mußten die Verlage äußerst vor- sichtig kalkulieren. Sie verlegten hauptsächlich Schul- und Ausbildungsliteratur, deren Ren- tabilität durch schnell steigende Schüler- und Studentenzahlen gewährleistet war. Im Bereich der wissenschaftlichen Fachliteratur blieb es bei Neuauflagen renommierter Werke. In neue Projekte wurde nicht investiert, der durch den Krieg ausgedünnte Autorenstamm somit auch nicht wieder aufgefüllt.

Auch in dieser Phase war es wiederum nur der Springer-Verlag, der mit Engagement und Ri- sikobereitschaft die wissenschaftliche Fachliteratur weiter förderte. So wurde auch der Aus- bau des Physik- und Mathematikprogramms vorangetrieben. Springers Einsatz, seine wirt- schaftlichen Möglichkeiten und guten Honorarbedingungen führten dazu, daß viele bekannte Wissenschaftler, die vormals ihre Werke bei Springers Konkurrenz veröffentlicht hatten, sich nun an Springer wandten. So schrieb Springer am 18. November 1919 an Courant:

Zur Zeit weiss ich mich vor dem Ansturm an mathematischen Angeboten kaum zu retten, - kaum ein Tag vergeht ohne Angebot. Meistens handelt es sich um Un- ternehmungen, die [ ... ] bei Teubner erschienen oder von diesem wenigstens vertraglichübernommen waren. [ ... ] Es ist schwer, hier eine Stellung einzunehmen, die bei aller Rück- sicht auf die ideelle Seite doch auch den materiellen Gesichtspunkt nicht ausser acht lässt.16

Mit Sicherheit wurde Springers finanzielle Opferbereitschaft für den Dienst an der Wissen- schaft stark gefordert. Jedoch verstand sich Springer auch darauf, die sich ihm bietenden wirt- schaftlichen Möglichkeiten optimal zu nutzen. Nach der „Verkaufsordnung für Auslandsliefe- rungen“ des Börsenvereins vom 14. Januar 1920 mußten die Verlage ihre Buchexporte mit hohen Auslandszuschlägen belegen, um einen Ausverkauf des deutschen Buchmarktes zu verhindern. Springer nutzte nun eine Ausnahmeregelung, die es ihm erlaubte, die Berechnung der exportierten Ware in einer fremden Währung durchzuführen. Damit blieben die Auslands- preise stabil und glichen die relativ sinkenden Inlanderlöse wenigstens zum Teil wieder aus. [ ... ] Unter bestimmten Umständen war wohl auch eine Gutschrift auf ein ausländisches Konto möglich.17

5.2. Die erneute Kontaktaufnahme zwischen Born und Springer 1919/20

1919 hatte die Royal Society in England die Allgemeine Relativitätstheorie Albert Einsteins experimentell verifiziert und am 6. November offiziell bestätigt. Das führte zu einem neu er- wachten Interesse an den Thesen Einsteins, das auch über die Grenzen der Fachwelt hin- ausging. Max Born, der seit Anfang dieses Jahres den Lehrstuhl für theoretische Physik in Frankfurt/Main innehatte, machte sich dies zunutze, indem er in Frankfurt drei allgemeinver- ständliche Vorlesungen über die Relativitätstheorie hielt, für deren Besuch er ein kleines Ein- trittsgeld erhob. Die Einnahmen ließ er dann seinem Institut zukommen, das die finanzielle Unterstützung in der schwierigen wirtschaftlichen Situation dringend benötigte. Born faßte diese Vorträge zu einem Buch zusammen und realisierte damit seinen seit 1913 gehegten Plan einer größeren Veröffentlichung zu diesem Thema (siehe Kapitel 3.2.). Er bot sein Werk der Vereinigung wissenschaftlicher Verleger Walter de Gruyter & Co. in Berlin an. De Gruyter verlegte mittlerweile die seit 1889 bestehende „Sammlung Göschen“, die, sehr bekannt und populärwissenschaftlich ausgerichtet, Born als idealer Veröffentlichungsort er- schien. Die Verhandlungen scheiterten jedoch daran, daß Born den im Verlagsvertrag wie üblich verankerten Konkurrenzparagraphen nicht akzeptierte, der es dem Autor verbot, ein ähnliches Buch einem anderen Verlag anzubieten. Dies geschah auf Anraten Arnold Berli- ners, den Born als Berater während seinen Verhandlungen mit de Gruyter hinzugezogen hatte. Berliner war hierbei wiederum selbst einer Anweisung Springers gefolgt, wie Springer in ei- nem späteren Brief an Max Born zugibt:

Ich habe Ihnen vor Wochen auf dem Umwegüber Herrn Dr. Berliner selbst emp- fohlen, den Konkurrenzparagraphen für Ihr für die Sammlung Göschen geplantes popu- läres Buch nicht zu unterschreiben, da es nicht in ihrem Interesse liegen konnte, mit Rücksicht auf ein Buch für das grosse Publikum sich irgendwie mit Ihren rein wissenschaftlichen Veröffentlichungen festzulegen.18

Springer hatte aber keineswegs nur das Wohl Borns im Sinn, sondern durchaus auch sein ei- genes. Mit der subtilen Torpedierung der Verlagsverhandlungen konnte er sich selbst wieder hinsichtlich einer Veröffentlichung ins Spiel bringen, denn Borns Buch versprach aufgrund des bereits erwähnten großen öffentlichen Interesses an der Relativitätstheorie ein Erfolg zu werden.

Das Buch über die Relativitätstheorie war nicht die einzige Veröffentlichung, die Born in dieser Zeit plante. Er hatte die drei Aufsätze „Vom mechanischen Äther zur elektrischen Ma- terie“, „Das Atom“ und „Die Brücke zwischen Chemie und Physik“ verfaßt, die 1919 und 1920 in den „Naturwissenschaften“ erscheinen sollten. Er bat Arnold Berliner, mit dem er in regem Briefkontakt stand, Springer die Aufsätze zur Veröffentlichung in Buchform anzubie- ten. Berliner trat daraufhin mit Borns Gesuch an Springer heran und informierte diesen gleichzeitig über das Hauptdiskussionsthema ihres Briefwechsels: Born hatte sich über die schlechten Honorarbedingungen wissenschaftlicher Autoren ausgelassen, wobei seine schlechten Erfahrungen mit Teubner eine gewichtige Rolle spielten. Springer schaltete sich am 5. Januar 1920 nun in die Diskussion ein und nutzte so die Gelegenheit, um mit Born wie- der direkt in Kontakt zu treten und ihm seine guten Honorarbedingungen näherzubringen. Springer setzte hierbei auf eine Beteiligung des Autors am Reingewinn oder auf einen 15prozentigen Anteil am Ladenpreis jedes verkauften Exemplars (im Gegensatz zum damals gängigen Bogenhonorar). Das würde für den Autor zwar ein höheres Risiko und größere Ab- hängigkeit vom Verlag, aber auch höhere Einnahmen und eine bessere Anpassung an die wirtschaftliche Situation bedeuten. Springer machte allerdings deutlich, daß bei einem sol- chem Übereinkommen das Verhältnis zwischen wissenschaftlichem Autor und Verleger [ ... ] ein Vertrauensverhältnis sein [ muß ] .19 Im Bewußtsein seines bislang guten Verhältnisses zu Born ist die anschließende Bemerkung, daß der Autor [ ... ] sich eben einen Verlag aussuchen [ muß ] , zu dem er das erforderliche Vertrauen in jeder Hinsicht besitzt20 , ein weiterer Schritt zu einer möglichen Zusammenarbeit. Diese wird auch gleich in Borns Antwortschreiben vom 8. Januar 1920 forciert, indem er die Honorarbedingungen für die über Berliner angebotenen drei Aufsätze anhand von Springers Angeboten konkretisiert. Die Verhandlung der zu klärenden Details konnten beginnen, die überdies so zur Zufriedenheit Borns abliefen, daß er in ihrem Verlauf auch das Buch über die Relativitätstheorie, das sogenannte ‘Einsteinbuch’ Springer zur Veröffentlichung anbot.

5.3. Die Vertragsverhandlungen

Die sich entwickelnden Vertragsverhandlungen zwischen Springer und Born verliefen zäh, aber durchaus in entspannter Atmosphäre. Springer favorisierte bei der Honorierung eine Gewinnbeteiligung von 50 Prozent am Reingewinn gegenüber einem prozentualen Anteil am Ladenpreis eines jeden verkauften Exemplars. Born entschied sich aber für letztere Honorie- rungsform, da ihm diese klarer als die Hälfte des Reingewinns21 erschien. Das ist in gewisser Weise nachvollziehbar, da die Abrechnung bei der Gewinnbeteiligung am Reingewinn das Vertrauen in die korrekte Buchführung des Verlegers voraus [ setzt ] 22 . Denn hierbei wird der gesamte Verkaufserlös mit den Herstellungskosten, in die der Autor natürlich keinen Einblick hat, verrechnet. Born präsentiert sich als sehr mißtrauischer und vorsichtiger Verhandlungs- partner, der trotz des bestehenden guten Verhältnisses zu Springer die für ihn kontrollierba- rere Honorierungsform wählte. Springer hatte die Gewinnbeteiligung am Reingewinn auch deshalb vorgeschlagen, um die Valutaaufschläge für Exporte besser verrechnen zu können. Beim prozentualen Anteil am Ladenpreis belief sich die Beteiligung an Auslandsaufschlägen für gewöhnlich auf 15 Prozent, so auch im Vertragsentwurf, den Springer Born am 4. Februar 1920 zusandte. Das erschien nun Born zu wenig, und er forderte in seinem Brief vom 18. Fe- bruar einen um das zwei- bis dreifache höheren Prozentsatz. Dies stellte Springer vor erhebli- che Schwierigkeiten, vor allen Dingen deswegen, weil ich heute noch keine Klarheit darüber habe, inwieweit die Valutaaufschlägeüberhaupt ungeschmälert dem Verleger zufallen und wie ich sie rein technisch werde verbuchen können.23 Dennoch versuchte Springer so weit als möglich auf das Anliegen seines Autors einzugehen. Er antwortete Born am 21. Februar: Ich mache Ihnen daher den Vorschlag, dass ich Ihrem Zusatz zu § 524 noch das Wort ‘ mindestens ’ einfüge und dass ich dann später sehe, was sich tun l äß t.25

Auch in einem weiteren Diskussionspunkt gab Springer Borns Forderungen nach. Wie üblich war in Springers Verlagsentwurf auch der sogenannte ‘Konkurrenzparagraph’ enthalten. Diesen sah Born als vollkommen überflüssig an. In seinem Brief an Springer vom 10. Februar nahm er dazu folgendermaßen Stellung:

Auch hier ist die Vertrauensfrage Hauptsache. Solange Sie die Firma leiten, liegt für mich kein Grund vor Ihren Verlag zu schädigen; sollte dieser aber eine andere, weni- ger groß zügige und vornehme Leitung bekommen, so brauche ich mich doch nicht an ihn fesseln zu lasse. Ich bitte Sie sehr, von dem § 626, der nur das Vertrauen schädigt, abzusehen.27

Zudem erwähnte er, daß ihm Arnold Berliner seinerzeit angeraten hatte, in den Vertragsver- handlungen mit deGruyter den betreffenden Paragraphen eben nicht zu akzeptieren (siehe 5.2.). Springer antwortete daraufhin am 13. Februar, dass in diesem Falle die Verhältnisse doch etwas anders lagen, als zwischen uns, [ ... ] dass gelegentlich gemachte Erfahrungen es mir grundsätzlich richtig erscheinen lassen, diesen Paragraphen in meinen Verträgen zu belassen.28 Dennoch erklärte er Born im gleichen Brief, daß er bereit sei, den Paragraphen zu streichen, weil ich Ihnen volles Vertrauen entgegenbringe.29

Springer demonstrierte damit, daß auch er das von ihm während der Honorardiskussion (siehe 5.2.) proklamierte Vertrauensverhältnis zwischen Autor und Verleger als Basis der Zusam- menarbeit anerkennt. Dies, Springers unaufdringliche Art die Verhandlungen zu leiten, die guten Honorare30 mit großzügigen Vorauszahlungen31 und sein offenes Ohr für die Belange der Autoren waren maßgeblich für das Zustandekommen des Verlagsvertrages über die Ver- öffentlichungen der beiden Bücher, den Born am 27. Februar, Springer am 3. März 1920 un- terzeichnete. Born konnte nahezu alle Forderungen durchsetzen. Nach seinen Erfahrungen mit Teubner hätte er wohl Einschränkungen nicht hingenommen, vor allem da er sich selbst sah als Kämpfer für eine wirtschaftlich schwer bedrängte Gruppe geistiger Arbeiter32, der darauf drängen müsse, daß die Verträge mit den Verlegern für die Autoren möglichst günstig ausfal- len.33

5.4. Zusammenfassung und Folgen der Verhandlungen

Die ersten Buchveröffentlichungen Max Borns im Springer-Verlag sollten für beide Seiten ein Erfolg werden. Maßgeblich am Zustandekommen der umfangreichen Zusammenarbeit war das Verhandlungsgeschick Ferdinand Springers. Born, dessen Briefe [ ... ] ein durch die Erfahrungen mit Teubner geschärftes Interesse des Autors an der Präzisierung finanzieller und rechtlicher Details [ verraten ] 34 , erwies sich als schwieriger Verhandlungspartner, für den Springer viel Verständnis und Fingerspitzengefühl aufbringen mußte. Geschickt lancierte er die anvisierte Zusammenarbeit mit Born. Er verhinderte dessen Einigung mit deGruyter über die Veröffentlichung des ‘Einsteinbuches’ und stellte, an der Honorardiskussion zwischen Born und Berliner beteiligt, seinen Verlag in ein sehr vorteilhaftes Licht. Vor allem die starke Gewichtung des Vertrauensverhältnisses zwischen Autor und Verleger war für den durch sei- ne schlechten Erfahrungen sehr mißtrauisch gewordenen Born ein entscheidender Punkt. Springer beging außerdem den in seinem verlegerischen Konzept verankerten Spagat zwi- schen wissenschaftlichem Idealismus und finanziellem Gewinn (siehe Kapitel 2). Zum einen ermöglichte er es Max Born, in einer wirtschaftlich schwierigen Phase seine Bücher zu sehr guten Honorarbedingungen zu veröffentlichen, zum anderen hatte er natürlich auch den wei- teren Ausbau des Physikprogramms im Kopf. Hierbei versprach vor allem das ‘Einsteinbuch’, das den Titel „Die Relativitätstheorie Einsteins und ihre physikalischen Grundlagen“ erhielt , ein großer Schritt in die richtige Richtung zu werden. Durch das zum Veröffentlichungszeit- punkt große Interesse an der Relativitätstheorie konnte Springer sowohl einen guten Absatz, sowie ein hohes Maß an Reputation erwarten. Mir erscheint es somit sehr wahrscheinlich, daß Springer in den Vertragsverhandlungen über die von Born zunächst angebotenen drei Aufsät- ze, die dann in Buchform unter dem Titel „Der Aufbau der Materie“ erschienen, auch deshalb so viel Entgegenkommen zeigte, um Born zur Veröffentlichung des ‘Einsteinbuches’ im Springer-Verlag zu bewegen.

„Die Relativitätstheorie Einsteins und ihre physikalischen Grundlagen“ erschien am 24. Sep- tember 1920 und war tatsächlich sehr erfolgreich. Es zeigt sich, daß Borns Buch den Vorteil hatte, nicht nur - wie zahlreiche andere Publikationen auch - kurz nach der experimentellen Bestätigung der Allgemeinen Relativitätstheorie auf den Markt zu kommen, sondern daß es von den renommierten Publikationen die neueste war.35 Die erste Auflage von 2000 Exem- plaren verkaufte sich so gut, daß Springer schon am 13. Dezember 1920 bei Born wegen der Manuskripte für eine zweite, überarbeitete Auflage anfragte. Die nötige Überarbeitung konnte Born, der eine Anstellung als Direktor des physikalischen Instituts in Göttingen angenommen hatte und mitten im Umzug steckte, erst im nächsten Frühjahr angehen. Die zweite Auflage des Werks mit erneut 2000 Exemplaren erschien so erst im August 1921 und war im Dezem- ber schon wieder nahezu ausverkauft. Im Juli 1922 kam die dritte Auflage mit verdoppelter Stückzahl heraus, die sich aber wegen der noch schlechter gewordenen wirtschaftlichen Si- tuation und dem gesunkenen Interesse an der Relativitätstheorie nur noch schleppend ver- kaufte. Da auch der Absatz von „Der Aufbau der Materie“, erschienen am 3. Juli 1920 mit 2000 Exemplaren recht positiv verlief (im April 1922 erschien eine zweite Auflage mit ver- doppelter Stückzahl), erwies sich die Zusammenarbeit mit Springer auch für Max Born als sehr einträglich. So hatte er 1920/1921 einen jährlichen Zusatzverdienst durch Buchhonorare von durchschnittlich M. 12.780.-. Bei einem angenommenen Monatsgehalt von M. 3.500,- würde dies ein zusätzliches Einkommen von 3,65 Monatsgehältern bedeuten. In der finanziell angespannten Inflationszeit, von der besonders auch wissenschaftliche Einrichtungen betrof- fen waren, ein höchst willkommener und dringend benötigter Geldsegen.

6. Die Expansion des Springer-Verlags auf dem Zeitschriftenmarkt

6.1. Die Übernahme der „Mathematischen Annalen“

Springer ging in der wirtschaftlich schwierigen Zeit von 1918-1923 äußerst offensiv auf dem Zeitschriftenmarkt zu Werke. Zog sich die Konkurrenz zurück, wartete ab, so verdoppelte Springer die Zahl seiner Zeitschriften in der betreffenden Zeit. Er konnte zwei Verlage (J.F. Bergmann und Hirschwald) mit insgesamt 22 Titeln erwerben, dazu kamen 18 Zeitschriften, die von anderen Verlagen übernommen wurden und 12 Neugründungen.36 Viele der Zeitschriften befanden sich in einer sehr ungünstigen Situation. Mit stark reduzier- tem Abonnentenstamm, zum Teil sogar eingestellt, war von Seiten Springers ein erheblicher Aufwand nötig, um die Zeitschriften wieder zu etablieren. Der Springer-Verlag war jedoch der einzige, der die nötige wirtschaftliche Kraft und das Engagement besaß, kränkelnde Zeit- schriften fortzusetzen, ja sogar auszubauen. Dies führte natürlich dazu, daß viele Herausgeber einen Wechsel zu Springer forcierten, so auch jene der „Mathematischen Annalen“.

Seit Anfang 1918 verlegte Springer bereits eine eigene mathematische Fachzeitschrift, die „Mathematische Zeitschrift“, die sich in der Ausstattung an den bei Teubner erscheinenden „Mathematischen Annalen“ orientierte. Diese waren 1868 von Alfred Clebsch und Carl Neu- mann gegründet worden und hatten sich im Lauf der Zeit zum angesehensten mathematischen Periodikum entwickelt.

Nun beeindruckte der Springer-Verlag die Fachwelt damit, daß seine „Mathematische Zeit- schrift“ gleich ein hohes Publikationstempo vorlegte, bereits im November 1919 erschien der vierte Band. Im Gegensatz dazu machte Teubner im letzten Heft von Band 79 der „Mathema- tischen Annalen“ deutlich, daß er die Weiterführung der Zeitschrift wegen unverhältnismäßig gestiegener Herstellungskosten und der sinkenden Zahl der ausländischen Abonnenten nicht mehr gewährleisten könne.37 Daraufhin setzten die Herausgeber der „Mathematischen Anna- len“, die natürlich stellvertretend für ihre Autoren an einer regelmäßigen und schnellen Veröf- fentlichung der Beiträge interessiert waren, Teubner unter Druck: Er solle einen bestimmten Jahresumfang von einem Band à 36 Bogen garantieren. Zur gleichen Zeit nahmen sie Kontakt zu Ferdinand Springer auf, der, sollte er den Zuschlag für die weitere Veröffentlichung der „Mathematischen Annalen“ erhalten, sogar einen jährlichen Umfang von 60 bis 80 Bogen in Aussicht stellte. Als nun Teubner die von ihm geforderten 36 Bogen nicht garantieren konnte oder wollte, war die Entscheidung für die Herausgeber Felix Klein, David Hilbert und Otto Blumenthal klar. Ab dem ersten Heft des 81. Bandes, welches am 20. Oktober 1920 erschien, gab der Springer-Verlag die „Mathematischen Annalen“ heraus. Obwohl der Umfang wäh- rend der Inflation nur bei 50 Bogen jährlich lag, hatte Springer mit seiner von ihm für das Verlegertum als so wichtig vorausgesetzten finanziellen Opfer- und Risikobereitschaft (s. Kapitel 2) Herausgeber und Redakteure der „Mathematischen Annalen“ mehr als zufrieden gestellt. So bekam Springer zum Erscheinen des 25. Bandes der mathematischen Zeitschriften im Springer-Verlag am 17. Juli 1923 von deren Mitarbeitern ein Dankesschreiben überreicht, in dem genau diese Eigenschaften Springers als für die Mathematik in Deutschland essentiell hochgelobt wurden:

Wenn nicht ihre opferbereite Unternehmungslust und Ihre umsichtige Energie sich der Sache der mathematischen Wissenschaft angenommen hätte, so würde heute die Mathematik in Deutschland nicht mehr lebensfähig sein.38

6.2. Die Übernahme der „Zeitschrift für Physik“

Die „Zeitschrift für Physik“ ging aus den seit 1898 bestehenden „Verhandlungen der Deut- schen Physikalischen Gesellschaft“ hervor. Die „Verhandlungen“, für Mitglieder der Gesell- schaft kostenlos, enthielten zunächst lediglich Sitzungsberichte, später mehr und mehr Auf- sätze und erschienen in Kommission bei Vieweg. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Anzahl der zu veröffentlichenden Aufsätze und Vorträge stark anstieg, sah sich die Deutsche Physi- kalische Gesellschaft nicht mehr in der Lage, die Kosten selbst zu tragen. Man plante, die „Verhandlungen“ wieder auf Sitzungsberichte und Nachrichten zu reduzieren und ergänzend die Aufsätze in einer eigenen Zeitschrift zu veröffentlichen, dann allerdings nicht mehr ko- stenlos für die Mitglieder. Zu diesem Zweck bildete sich eine Kommission, zu der u.a. Albert Einstein und Karl Scheel, Sekretär der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und Herausge- ber der „Verhandlungen“ gehörten, die mit Vieweg in Kontakt trat. Dieser erklärte sich zur Veröffentlichung des nun „Zeitschrift für Physik“ genannten Periodikums bereit, obwohl da- mit für ihn ein gehöriges finanzielles Risiko verbunden war. Denn bereits im Vorfeld der ers- ten Ausgabe war die Akzeptanz der Zeitschrift beim Großteil der Physiker nicht gewährleis- tet. Es gab Diskussionen über Namen und Notwendigkeit der Zeitschrift, viele Mitglieder der Deutschen Physikalischen Gesellschaft lehnten es ab, zusätzlich zu ihrem Mitgliedsbeitrag auch noch Geld für die Zeitschrift zu investieren, und letztlich war die Konkurrenz mit den angesehenen „Annalen der Physik“ sowie der bei Hirzel in Leipzig erscheinenden „Physikali- schen Zeitschrift“ sehr groß. Der Vorstand der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ver- suchte deshalb, eine Zusammenlegung der „Zeitschrift für Physik“ mit der „Physikalischen Zeitschrift“ zu erreichen. Als diese scheiterte erschien schließlich Anfang 1920 die erste Aus- gabe der „Zeitschrift für Physik“ als Ergänzung zu den „Verhandlungen“ bei Vieweg.

Trotz anhaltender Skepsis und Diskussion im Lager der Physiker startete die Zeitschrift rela- tiv erfolgreich. Sie erreichte zwar nicht die Verkaufszahlen des Marktführers „Annalen der Physik“, konnte aber die „Physikalische Zeitschrift“ klar hinter sich lassen39. Trotzdem ver- kaufte Vieweg die Rechte der „Zeitschrift für Physik“ am 5. April 1921 an den Springer- Verlag, der sich dies stattliche 95.000 Mark kosten ließ. Vieweg traute wohl der Rentabilität seiner Publikation nicht, das großzügige Angebot Springers tat dann sein Übriges. Auf dem Titelblatt der Zeitschrift befanden sich zwar noch die Namen beider Verlage, Vieweg war aber nur noch für den Druck zuständig, während Springer schon längst die finanzielle und geschäftliche Herrschaft [ ... ] ü bernommen hatte40 , Herausgeber blieb Karl Scheel.

Springer war es endlich gelungen, in den Bereichen Physik und Mathematik die für die Er- oberung neuer Marktsegmente so wichtigen Zeitschriften zu verlegen. Bereits 1913 hatte er Born gebeten, sich bei den Göttinger Professoren umzuhören, ob Interesse an der Gründung einer Zeitschrift für physikalische Mathematik bestehe41. Da dies zunächst nicht ausreichend der Fall war, legte Springer seine Pläne zunächst auf Eis und konnte sie schließlich in den Jahren 1920/21 dann doch in die Tat umsetzen und seine verlegerischen Tätigkeiten in den angesprochenen Bereichen weiter ausdehnen. Er besaß mit der „Mathematischen Zeitschrift“, den „Mathematischen Annalen“ sowie der „Zeitschrift für Physik“ nun endlich die in seinem verlegerischen Konzept verankerte so wichtige Brücke zu den Autoren [ ... ] und gleichzeitig ein Mittel, um seine Buchliteratur auf diesem Gebiet anzuzeigen und zu verbreiten42 . Außer- dem konnte Springer gerade durch die Übernahme der „Zeitschrift für Physik“ viele neue wertvolle Kontakte knüpfen, vor allem über Karl Scheel, der später von Springer mit der Herausgabe des Großprojekts „Handbuch der Physik“ in 24 Bänden betraut wurde. Und auch der Kontakt zu Max Born und der Garde aufstrebender Physiker aus Göttingen sollte sich weiter intensivieren.

Als 1920 die erste Ausgabe der „Zeitschrift für Physik“ erschien, fungierte Born schon seit einigen Jahren als Mitherausgeber der „Physikalischen Zeitschrift“. Dennoch war er gegen- über dieser neuen Publikation sehr positiv eingestellt, da sich so trotz widriger wirtschaftli- cher Bedingungen der Markt pluralistischer gestalten und die Konkurrenz das Geschäft bele- ben konnte. Nachdem allerdings die „Physikalische Zeitschrift“ immer mehr in die politisch rechte und antisemitische Richtung abdriftete, legte Born, selbst Jude, 1923 seine Mitheraus- geberschaft nieder. Dies führte zur weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit mit Springer, da Born nun seine frei gewordenen Kapazitäten in dessen „Zeitschrift für Physik“ investierte. Göttingen entwickelte sich zum internationalen Zentrum der modernen Physik und da Born auch viele Aufsätze seiner Schüler an die „Zeitschrift für Physik“ weitervermittelte, wurde diese für Springer [ ... ] der zentrale Knotenpunkt im Kontaktnetz der Physiker. Über diese Brücke zwischen Göttingen und dem Verlag gewann Springer zahlreiche Autoren und Born war dabei eine wichtige Mittlerinstanz.43

7. Die Folgen von Springers verlegerischer Offensive 1920/21

In der unmittelbaren Nachkriegszeit, besonders in den Jahren 1920 und 1921, hatte der Sprin- ger-Verlag das Fundament für seine Marktführerschaft in der Folgezeit gelegt, auch in den noch vor dem Ersten Weltkrieg im Verlagsprogramm unterrepräsentierten Bereichen Mathe- matik und Physik. So konnte man schon 1922, also noch mitten in der Inflationszeit, mit 396 Titeln die Produktion des letzten Vorkriegsjahres 1913 (379 Titel) übertreffen. Währenddes- sen war die Konkurrenz aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen zur Reduzie- rung der Produktion auf mindestens 60 Prozent des Vorkriegsstandes gezwungen44. Die fi- nanziellen Voraussetzungen erreichte Springer, indem er, wie bereits erwähnt (vgl. Kapitel 5.1.), die Möglichkeiten des Exporthandels während der Inflation optimal ausnutzte. Er glich die Einbußen im Inlandsverkauf durch die Kaufkraft des Auslands aus und erzielte zudem mit seinem zum Teil auf ausländischen Konten deponierten Devisenguthaben, das er von Zeit zu Zeit in Mark umtauschte, zusätzliche Gewinne. Selbst noch auf dem Höhepunkt der Inflation im Sommer 1923, als der Großteil der Verlage die Einstellung der gesamten Produktion be- schlossen oder sogar schon durchgeführt hatte, versicherte Ferdinand Springer Max Born in einem Brief vom 30. August 1923:

Ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir auch jetzt noch durchhalten müssen, solange es irgend geht, und daß durch das Sinken der Mark unsere Exportfähigkeit immer wieder hergestellt wird.45

Springer sicherte sich in der Inflationszeit durch seine Strategie der Expansion die Vor- machtstellung auf dem Markt. Zudem gelang es ihm durch die Offensive auf dem Zeitschriftenmarkt, der von den anderen Verlagen stark vernachlässigt worden und auch für Springer ein Defizitgeschäft war, ein weitverzweigtes Netz an Kontakten zu schaffen. Springer selbst meint zu seinem Vorgehen:

Es war grundfalsch, während der Inflation die Hände in den Schoß zu legen und den Dienst an der Wissenschaft einzustellen. Als dann die Mark neu konstituiert war, zeigte es sich, daß unsere Firma einen Vorsprung gewonnen hatte, den die anderen kaum wieder aufholen konnten.46

8. Ergebnisse

Durch ihren Einsatz in der Zeit um den Ersten Weltkrieg gelang es den Brüdern Ferdinand und Julius Springer ihren Verlag als Marktführer in Deutschland zu etablieren. Das dies auch auf die Bereiche Mathematik und Physik zutraf, die vor dem Krieg im Verlagsprogramm unterrepräsentiert waren, ist um so bemerkenswerter. Ferdinand Springer hielt sich bei deren Ausbau sehr genau an sein verlegerisches Konzept. So kam eine sehr wichtige Rolle den Zeitschriften zu, die trotz möglicher Unrentabilität zur Bildung und Intensivierung neuer Kontakte unersetzbar waren. Dementsprechend nutzte Springer dann auch Arnold Berliner und dessen „Naturwissenschaften“, um Verbindungen mit jungen, aufstrebenden Physikern und Mathematikern aufzubauen, darunter auch Max Born. Hierbei kam ihm sein Talent zugute, das Potential junger Wissenschaftler gut einschätzen zu können:

Die für seine verlegerische Tätigkeit wichtigste, schon in frühen Jahren nachweisbare Fähigkeit Ferdinand Springers war wohl die, den Wert von Persönlichkeiten zu er- kennen. Die meisten seiner Autoren, die später zur Berühmtheit gelangten, sind schon im Anfang ihrer wissenschaftlichen Laufbahn mit ihm in Verbindung getreten. Er hat bei der Auswahl seiner Autoren nie nach Titel und Würden gefragt und oft ganz junge, noch wenig bekannte Wissenschaftler mit groß en Aufgaben betraut. [ ... ] Bei den mei- sten ist daraus nach kurzer Zeit auch eine enge persönliche Beziehung entstanden.47

Den Kontakt zu Born versuchte Springer gleich zu einer Zusammenarbeit auszudehnen. Ge- rade das von Born geplante Buch über Einsteins Relativitätstheorie schien Springer sehr ge- eignet, um seinen Verlag, wiederum analog zu seiner Strategie, auf dem Markt für physikali- sche Fachliteratur einzuführen. Dies wurde zunächst durch den Ausbruch des Ersten Welt- kriegs verhindert. Doch da Springer im Gegensatz zur Konkurrenz während und nach dem Krieg Risikobereitschaft und Investitionsfreude zeigte, zudem die Fachliteratur weiter för- derte, während andere Verlage diese zugunsten von Schul- und Ausbildungsliteratur stark ein- schränkten, gelangen ihm schon 1920/21 die wichtigen Veröffentlichungen in den auszubau- enden Bereichen Mathematik (Courant) und Physik (Born). Durch seine gleichzeitig erfolgte Offensive auf dem wenig ertragreichen Zeitschriftenmarkt gelangte Springer schließlich in den Besitz von Fachzeitschriften der betreffenden wissenschaftlichen Gebiete. Das dadurch entstehende weitläufige Kontaktnetz, sowie das Renommee der Veröffentlichungen und der gute Ruf, den sich Springer durch seine entgegenkommende und großzügige Zusammenarbeit mit den Autoren erworben hatte, führten dann schließlich zur Marktführerschaft auf dem wissenschaftlichen Buchmarkt eben auch in den Bereichen Physik und Mathematik

Das verständnisvolle und entgegenkommende Verhalten gegenüber den Autoren zählte Springer zu seinen verlegerischen Prinzipien. Gerade der geschickte Umgang mit dem äußerst mißtrauischen Max Born hatte sich sehr ausgezahlt. Nicht nur durch dessen Veröffentlichungen und seiner Mitarbeit bei verschiedenen Zeitschriften des Springer-Verlags, sondern auch durch seine Funktion als wichtiger Berater und Kontaktmann nach Göttingen, das sich trotz aller Schwierigkeiten der Nachkriegszeit zum Knotenpunkt des mathematischen und physikalischen Diskurses48 entwickelt hatte.

Für Springer war der direkte und gute Kontakt zu seinen Autoren sehr wichtig. Er konnte sich so ein Netz von Beratern für die einzelnen Fachbereiche aufbauen. Neben Born gehörten zum Beraterstab weitere Autoren und Herausgeber, zu denen Springer ein gutes persönliches Verhältnis besaß, wie beispielsweise Arnold Berliner oder Richard Courant, der sich zum Hauptberater in mathematischen und physikalischen Dingen49 entwickelte.

In wieweit Springers freundschaftliches Verhältnis zu vielen seiner Autoren echter Sympathie entsprang und inwiefern es eher aus Kalkül, als Mittel zum Zweck bestand, läßt sich schwer beurteilen. Jedenfalls profitierten die Autoren von seiner entgegenkommenden Art und Groß- zügigkeit. Selbst in schwierigen Phasen bot er ihnen ein Forum für Veröffentlichungen und gestaltete die Verträge so, daß die geschäftliche Verbindung auch für die Autoren ein lukrati- ves Geschäft darstellte.

So großzügig und verständnisvoll sich Springer gegenüber seinen Autoren zeigte, so hart und rücksichtslos verhielt er sich zur Konkurrenz. Erwähnt sei hier noch einmal seine geschickte Einflußnahme auf Max Born bezüglich der Veröffentlichung des ‘Einsteinbuchs’ (vgl. Kapitel 5.4.). Rigoros setzte er sich so auch in dem eingangs erwähnten Memorandum zum Thema Notgemeinschaft und wissenschaftlicher Verlag für marktwirtschaftliche Regeln im Buchhandel und gegen eine Subventionierung zahlreicher Fachzeitschriften durch die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft ein. Er sah in der Opferbereitschaft des Verlegers eine Art Berufsethos, auch waren für ihn verlegerische Entscheidungsfreiheit und finanzielle Unabhängigkeit von gr öß ter Bedeutung50 , und schließlich kam er gerade durch sein verlegerisches Konzept mit den Gesetzen des freien Marktes besser zurecht als seine Konkurrenz, wie der Erfolg des Springer-Verlags eindrucksvoll bestätigt.

[...]


1 Ferdinand Springer: Notgemeinschaft und wissenschaftlicher Verlag. Memorandum vom 5. August 1927. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.128.

2 ebd.

3 Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.128.

4 Springer: Lebensbericht (1952), S.14; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.47.

5 Springer: Lebensbericht (1952); zit.n.: Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.161.

6 Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.192.

7 Springer über Born, Aktennotiz, Mai 1913. Springer-Archiv; zit.n.: Davidis: Wissenschaft und Buchhandel (1985), S.63.

8 Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.53.

9 Born an Springer, 30. Oktober 1913. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.55.

10 Davidis: Wissenschaft und Buchhandel (1985), S.63.

11 Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.227.

12 Born an Springer, 10. Februar 1920. Springer-Archiv; zit.n.: Davidis: Wissenschaft und Buchhandel (1985), S.64.

13 Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.228.

14 Vgl. Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.230.

15 Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.59.

16 Springer an Courant, 18. November 1919. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.64.

17 Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.238.

18 Springer an Born, 13. Februar 1920. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.221.

19 Springer an Born, 5. Januar 1920. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.217.

20 Ebd.

21 Born an Springer, 18. Februar 1920. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.221.

22 Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S. 75.

23 Springer an Born, 21. Februar 1920. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.221.

24 In diesem Paragraphen war die 15prozentige Beteiligung an den Valutaaufschlägen festgelegt.

25 Springer an Born, 21. Februar 1920. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.221.

26 Der Paragraph 6 lautet: Herr Professor Born verpflichtet sich, ohne Genehmigung der Verlagsbuchhandlung aus seinen beiden Werken weder grösseren Auszug zu machen, noch einähnliches Werk, das obigen Werken Konkurrenz machen könnte, in einem anderen Verlage erscheinen zu lassen (zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 45 (1996), S.81.).

27 Born an Springer, 10. Februar 1920. Springer-Verlag; zit.n.: Davidis: Wissenschaft und Buchhandel (1985),

S. 64.

28 Springer an Born, 13. Februar 1920. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.221

29 Ebd.

30 Eine Gewinnbeteiligung von 15 % des Ladenpreises ist sehr beachtlich. So bot beispielsweise Vieweg für gewöhnlich höchstens eine Gewinnbeteiligung von 10 % an, und selbst der Akademische Schutzverein empfahl eine Beteiligung von 10 bis 15 % nur bei schon eingeführten Werken mit geringem Risiko.

31 Die Akontozahlungen beliefen sich auf 5% des Ladenpreises von 1500 Exemplaren beider Bücher bei einer Startauflage von jeweils 2000 Exemplaren.

32 Born an Springer, 10. Februar 1920. Springer-Archiv; zit.n.: Davidis: Wissenschaft und Buchhandel (1985), S.64f.

33 Ebd. S.65.

34 Davidis: Wissenschaft und Buchhandel (1985), S.63.

35 Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.87.

36 Vgl. Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.251.

37 Vgl. Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.261.

38 Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.262.

39 Vgl. Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.132.

40 Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.130.

41 Vgl. Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.53f.

42 Ferdinand Springer: Notgemeinschaft und wissenschaftlicher Verlag. Memorandum vom 5. August 1927. Springer-Archiv; zit.n.: Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.128.

43 Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.134.

44 Vgl. Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.242f.

45 Springer an Born, 30. August 1923. Springer-Archiv; zit.n.: Sarkowski: Sehr geehrter Herr! (1982), S.12.

46 Springer: Lebensbericht (1952); zit.n.: Sarkowski: Springer-Verlag (1992), S.243.

47 Schwiegk: Zum 70. Geburtstag von Ferdinand Springer am 29. August 1951 (1951), S.293.

48 Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.62.

49 Springer an Courant, 21. Oktober 1921. Springer-Archiv; zit.n.: Sarkowski: Sehr geehrter Herr! (1982), S.15.

50 Holl: Max Born und der Springer-Verlag (1996), S.128.

Details

Seiten
15
Jahr
2001
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105754
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
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Schlagworte
Born Springer-Verlag

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Titel: Max Born und der Springer-Verlag