Lade Inhalt...

Geschichte des Romans 1945-2002

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 11 Seiten

Didaktik - Deutsch - Gattungen

Leseprobe

Inhalt:

I Exilliteratur

II Trümmerliteratur
IIa Vergangenheitsbewältigung 1. Teil
IIb Zaghafte Moderne

III Westdeutsche Nachkriegsliteratur
IIIa Vergangenheitsbewältigung 2. Teil
IIIb Neue Sensibilität und Identitätssuche

IV Ostdeutsche Nachkriegsliteratur

V Ausländische deutschsprachige Nachkriegsliteratur
Va Österreichische Nachkriegsliteratur
Vb Schweizerische Nachkriegsliteratur

Datum: 29.09.2001 bis 29.10.2001

Thema:

Deutschsprachige Romane von 1945 bis 2002

Autor: Mirko Filke

Klasse: HG92

Deutschsprachige Romane, die nach Kriegsende veröffentlicht wurden fallen in die unterschiedlichen Gruppen der Exil-, Trümmer-, westdeutsche -, ostdeutsche - und ausländische deutschsprachige Literatur.

Die Exil- und Trümmerliteratur fallen in die Epoche der Moderne, die ostdeutsche ist literarisch nicht von Bedeutung und spätere deutschsprachige Romane werden der Postmoderne zu gerechnet. Da es weder für die Moderne noch für die Postmoderne eine festgelegte Definition gibt, lassen diese sich nur durch ihre Leitgedanken differenzieren. Die Moderne richtet sich an ein elitären Lesepublikum, sie hat eine moralische oder politisch-didaktisierende Intention und erhebt Anspruch auf Wahrheit, diese versucht sie via Meta-Erzählung zu übermitteln, während die Postmoderne Mittel des Populären und der Trivialliteratur aufgreift um eine breite Leserschaft zu erreichen. Postmoderne Autoren verzichten auf die totale Vernunft und Ansprüche an Moral oder Wahrheit, auch die Technik der Meta-Erzählung wird hinterfragt und abgelehnt. Die Meta-Erzählung versucht den Leser durch Nachvollziehen zum kritischem Nachdenken über das Geschriebene anzuregen, wobei dies natürlich nicht willkürlich geschieht, sondern durch die Verteilung von Sympathien gelenkt wird.

I Exilliteratur

Die älteste dieser Gruppen ist die Exilliteratur, welche erst nach Kriegsende, in beiden Teilen Deutschlands veröffentlicht wurde, aber schon vor Beginn oder während des 2. Weltkrieges verfasst worden ist. Der Grund für die ca. 1500 Exilliteraten Deutschland zu verlassen war ihre kritische Haltung gegenüber dem Dritten Reich und der daraus folgenden politischen Verfolgung dieser kritischen Intellektuellen und jüdischen Künstler durch die SS. Die Werke dieser Personen galten als „entartete Kunst“, welche beschlagnahmt und vernichtet wurden, der unrühmlicher Höhepunkt dieser Praxis war die Bücherverbrennung des 10.05.1933.

Die Exilautoren zeichnen sich durch ihre antifaschistische bis marxistische Grundhaltung und neue ästhetische Formprinzipien, wie das Lehrtheater und Parabeln aus. Durch ihre teilweise marxistische Haltung ist sie bis heute nicht unumstritten, vor Allem Brecht, der Schöpfer des epischen Theaters, sei „auf den linken Auge blind“ gewesen. Das epische Theater, sowie zeitgenössische Romane reihen die Szenen ohne dramatischen Aufbau erzählend nebeneinander. Durch die erzählende Form, sowie durch eingestreute Provokationen, versuchen die Autoren den Leser aus der passiven Haltung zu lösen und ihn zu einer kritischen Stellungnahme zu dem Geschriebenen zu bringen. Sie exerzieren dem Leser keine allgemeingültigen Lösungen vor, sondern regen ihn zu kritischem Denken anzuregen.

Als Hauptziel der Exilliteratur gilt die Information der Weltöffentlichkeit über die Machenschaften des Nationalsozialistischen Regimes und dessen Umsturz. Die markantesten Punkte dieses Zeitalters sind die Machtergreifung der NSDAP 1933, der Kriegsbeginn 1939, die Kriegswende 1942 und das Kriegsende 1945. Diese als Dichtung der verlorenen und der verbürgten Wirklichkeit bekannte Epoche reicht von 1925 bis ca. 1950.

Zu ihren berühmtesten Vertretern zählen der Autor von „Mutter Courage und ihre Kinder“ Bertolt Brecht, der Vorkriegszeitliche Exilliteratur verfasste und die Familie Mann. Klaus Mann schrieb 1936 im US-Exil „Mephisto“ und Heinrich Mann dort seine 1946 veröffentlichten Memoiren „Ein Zeitalter wird besichtigt“.

II Trümmerliteratur

Die Literatur der „verlorenen Generation“ ist geprägt von Kriegs- und Heimkehrer- literatur und der Erinnerung an den Krieg. Ihr Ursprung ist die „Stunde Null“, d.h. die Situation nach dem Kriegsende 1945, die Vertreibung und das damit verbundene Gefühl der Heimatlosigkeit, die Zerstörung vieler Deutscher Städte und der daraus resultierende Wiederaufbau, sowie die Ungewissheit über Deutschlands politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft. Ein weiteres prägendes Ereignis ist die Teilung Deutschlands und damit die Entstehung zweier Deutscher Staaten, wobei bis 1961 / 1965 eine weitgehend gemeinsame literarische Kultur herrschte. Die Epoche der Trümmerliteratur lässt sich jedoch in zwei Gruppen einteilen die

- Vergangenheitsbewältigung 1. Teil und die
- zaghafte Moderne

IIa Vergangenheitsbewältigung 1. Teil

An der literarischen Vergangenheitsbewältigung war die Gruppe 47 maßgeblich beteiligt. Die Gruppe 47 war eine lockere Vereinigung von Schriftstellern und Kritikern, die mittels jährlichem Herbsttreffen zwecks gegenseitiger Vorlesung, Kritik und Diskussion mit wechselnden Teilnehmern zu einem Kristallisationspunkt bedeutender zeitgenössischer Literaten wurde. Die Gemeinsamkeit der Mitglieder bildet die politisch-zeitkritische, antiautoritäre und moralistische Gesinnung, die ohne ideologische Verengung die Verantwortung des Schriftstellers in der Gesellschaft betont. Diese Strömung ging über die Zeit der Trümmerliteratur jedoch weit hinaus und auch die Gruppe 47 existierte bis 1967 fort. 1952 schieb Heinrich Böll in „Bekenntnis zur Trümmerliteratur“: „Die ersten schriftstellerischen Versuche unserer Generation nach 1945 hat man als Trümmerliteratur bezeichnet“.

IIb Zaghafte Moderne

Die zweite wichtige Strömung der Trümmerliteratur ist die „zaghafte Moderne“ oder der über den Krieg gerettete „Sanft-Expressionismus“. Diese waren Sinnbild für die „Generation des Vergessens“, denn das Vergessen war eine der verbreitetsten Übungen unter den Angehörigen der mittleren und älteren Generation der Autoren. Man besann sich auf das, unverbindliche und unbelastete der Klassik und floh sich ins Goethe-Jahr. Als wichtige Literaten sind hier lediglich Wilhelm Lehmann und Gertrud von Le Fort erwähnenswert.

III Westdeutsche Nachkriegsliteratur

Die rein westdeutsche Romanwelt fällt in zwei Epochen die

- Vergangenheitsbewältigung 2. Teil und ihr Aufeinandertreffen mit den Anhängern der zaghaften Moderne, sowie die
- Neue Sensibilität und Identitätssuche, die auch den Wechsel von der Moderne zur Postmoderne darstellt.

IIIa Vergangenheitsbewältigung 2. Teil

Da das politische Engagement von Schriftstellern für eine demokratische, liberale, tolerante und vor allem linke Politik, das Ausbrechen aus dem Feindbilddenken und die Aufarbeitung der Jahre 1933 bis 1945, in der BRD verstärkt bis in die Siebziger und etwas abgeschwächt bis heute fort wirkt, gelten neben den Begleitumständen der Trümmerliteratur in Westdeutschland auch das Wirtschaftswunder, die Aufhebung des Besatzungsstatuts und der Beitritt der BRD zur NATO, die Studentenbewegung von 1968 mit ihrer pazifistischen Grundhaltung, die sich in den Antivietnamkriegsdemonstrationen und der Gründung der Außerparlamentarische Opposition (APO), sowie die Frauenbewegung als prägend für die Epoche der Vergangenheitsbewältigung.

Als bekannteste Repräsentanten der Vergangenheitsbewältigung gelten u.a. die Mitglieder der Gruppe 47, wie der Nobelpreisträger Heinrich Böll mit Werken wie „Wo warst du, Adam“ von 1951 und „Ende einer Dienstfahrt“ aus dem Jahr 1961, Alfred Andersch „Sansibar oder der letzte Grund“ von 1957, der Nobelpreisträger und 1959 Verfasser von „Blechtrommel“ Günther Grass, sowie Martin Walser. Aber auch nicht Mitglieder wie der später in die DDR übergesiedelte Stephan Heym mit dem Weltbestseller „Kreuzfahrer von heute“ aus dem Jahr 1948, Friedrich Dürrenmatt mit „Der Besuch der alten Dame“ aus dem Jahr 1956 und Max Frisch mit Romanen wie „Andorra“, „Homo Faber“ oder „Mein Name sei Gantenbein“ haben dieses Zeitalter mit geprägt.

Die beiden unterschiedlichen Gruppen der Trümmerliteratur basierten auf zwei rivalisierenden Weltanschauungen zweier Generationen welche in den späten 60ern und frühen 70ern schließlich zum „Generationenkonflikt“ führten. Auf der einen Seite die jungen, kritischen und antiautoritären „Vergangenheitsbewältiger“ und auf der anderen die Konservativen, die in ihrer spießig-klassischen Weltordnung der Vaterlandstreue, der Unterwerfung der Autoritäten, des Gottesglaubens und der kleinbürgerlichen Ordnung des hart arbeitenden Mannes und der Hausfrau.

IIIb Neue Sensibilität und Identitätssuche

In den Siebzigern lässt das Interesse an den Romanen der Moderne spürbar nach, man spricht in dieser Zeit vom „Ende des Erzählens und das Ableben des Romans“, dieser hat zusätzlich durch audiovisuelle Medien, wie den Fernseher und neuerdings durch das Internet starke Konkurrenz als Bildungs- und Unterhaltungsmedium erhalten, auch das erneute Aufleben der Lyrik in den Achtzigern machten ihm das Leben schwer. Aus dieser Situation heraus wird die literarische Epoche der Postmoderne geboren, dies hat die Entpolitisierung der Kunst zur Folge, so dass das Individuum und seine Gefühle wieder im Mittelpunkt stehen.

Angesichts der Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa und den darauf folgenden Antiaufrüstungsdemos, dem RAF-Terrorismus und Bau von Atomkraftwerken und der daher wachsenden Angst vor atomarer Bedrohung sind die herausragenden Themen die Groteske (die Welt als Irrenhaus), Endzeitvisionen, sowie ökologische und atomare Bedrohung. Die wichtigsten Vertreter dieser Strömung sind der spätere Kinderbuchautor Peter Härtling mit „Eine Frau“ von 1974 und die bekannteste Kurzgeschichtenschreiberin Gabriele Wohmann durch die 1971 und 1974 erschienenen Romane „Selbstverteidigung“ und „Paulinchen war allein zu Haus“.

IV Ostdeutsche Nachkriegsliteratur

- Aufbau des Sozialismus (1949 bis 1961)
- Ankunft im Sozialismus (1961 bis 1971)
- Entfaltung sozialistischer Nationalkultur (ab 1965)
- Postrevolutionärephase

Nach der Gründung der DDR 1949 herrschte dort wie in anderen Besatzungszonen Deutschland die Trümmerliteratur vor. Die Literaturszene der SBZ profitierte durch die Rückkehr einiger Emigranten, wie Brecht oder Anna Seghers. Wichtige Ereignisse dieser Zeit sind der Aufstand in der DDR und dessen blutiger Niederschlagung 1953, der Eintritt in den Warschauer Pakt und damit die Abwendung vom Westen und die politische und militärische Abhängigkeit von der Sowjetunion 1956, die 1958 die sozialistische Kulturrevolution zur Folge hatte und 1959 in der ersten Bitterfelder Konferenz endete, wo der sogenannte „Bitterfelder Weg“ verabschiedet wurde der 1961 in Kraft trat und ein Programm für „sozialistische Nationalliteratur nach 1965“ beinhaltete. Politisch wurde die harte Gangart der DDR durch den Bau der Mauer in Berlin mehr als deutlich.

Die DDR Kultur wurde unter regider Aufsicht mit Mitteln wie Zensur, Festnahmen und Ausbürgerung durch staatliche Kulturpolitik gesteuert. Ihre Aufgabe war die Vermittlung des Sozialismus. Das Ergebnis waren der sozialistische Realismus, sowie Aufbauromane (Erzähl-Prosa) und Lobeshymnen, da diese beim Volk nur auf wenig Gegenliebe stießen, wurde der sogenannte „Bitterfelder Weg“ verabschiedet, bei dem die Entfremdung zwischen Künstler und Volk überwunden werden soll und zwar durch Proklamation des schreibenden Arbeiters, was aber scheiterte. Daher gab es 1973 mehr Spielraum für Regimekritik in der Literatur.1965 wurden zahlreiche Literaten wegen ihrer „Ideologie des bürgerlichen Skeptizismus“ getadelt, d.h. festgenommen und gefoltert. Das wichtigste Ereignis dieser Zeit war 1968 der Prager Frühling. 1984 begann dann der Zusammenbruch der DDR, der in der Öffnung der Grenzen 1989 gipfelte. Die bekanntesten Romanautoren der DDR sind Stephan Heym mit nur im Westen veröffentlichten Romanen aus den Jahren 1958, 1972 und 1979 „Fünf Tage im Juni“, „Der König David Bericht“ und „Collin“, sowie Christa Wolf mit „Der geteilte Himmel“ von 1963.

V Ausländische deutschsprachige Nachkriegsliteratur

Va Österreichische Nachkriegsliteratur

Die Österreichische Nachkriegsliteratur unterscheidet sich nur in einem Punkt deutlich von der Deutschen und zwar wurde dort nie Vergangenheitsbewältigung in dem Maß betrieben wie in Deutschland und wenn doch, dann waren die Romane hauptsächlich in der BRD erfolgreich. Dies ergibt sich aus der Sicht des 2. Weltkrieges der Österreicher, diese sind nach der gängigen Meinung nämlich unser erstes Opfer.

Die Österreichische Nachkriegsliteratur unterscheidet sich nur in einem Punkt deutlich von der Deutschen und zwar wurde dort nie Vergangenheitsbewältigung in dem Maß betrieben wie in Deutschland und wenn doch, dann waren die Romane hauptsächlich in der BRD erfolgreich. Der bekannteste Romanautor Österreichs ist Träger des „Österreichische Staatspreis für Literatur“ Heimito von Doderer mit Werken wie „Ein Mord, den jeder begeht“ aus dem Jahr 1938, der Romangroteske „Die Merowinger oder Die totale Familie“ 1962“ und seinem Hauptwerk „Die Dämonen“ das er von 1931 bis 1956 verfasste.

Der zweite sehr bedeutende Romancier ist Robert Musil durch seine von 1925 bis ’42 verfasste jedoch unvollendete Trilogie „Der Mann ohne Eigenschaften“, in der er die österreichisch-ungarische Monarchie für die Probleme der Jetztzeit verantwortlich macht.

Vb Schweizerische Nachkriegsliteratur

Der zweite sehr bedeutende Romancier ist Robert Musil durch seine von 1925 bis ’42 verfasste jedoch unvollendete Trilogie „Der Mann ohne Eigenschaften“, in der er die österreichisch-ungarische Monarchie für die Probleme der Jetztzeit verantwortlich macht.

Die Literaturszene der Schweiz ist naturgemäß sehr klein, ein weiterer Nachteil ist das schweizerische Literaten nur selten Romane verfassen, sie konzentrieren sich meist auf Lyrik, hinzukommt, das die meisten Literaten ihre Werke in französisch oder sogar englisch verfassen. Die Romanszene der Schweiz wurde und wird als Spätfolge von deutschen Emigranten beherrscht, wie z.B. Friedrich Dürrenmatt oder zeitweise Thomas Mann.

Quellen:LexiROM

Brockhaus

Fachliteratur

www.die-poesie.de

www.pausenhof.de

www.uni~karlsruhe.de

www.fundus.org

www.magic-point.org

Deutschsprachige Romane von 1945 bis 2002

Es gibt für die beiden Literaturepochen nach ‘45 keine festgelegte Definition, diese lassen daher sich nur durch ihre Leitgedanken differenzieren. Die Moderne richtet sich an ein elitären Lesepublikum, sie hat eine moralische oder politisch-didaktisierende Intention und erhebt Anspruch auf Wahrheit, diese versucht sie via Meta-Erzählung zu übermitteln, welche den Leser durch Nachvollziehen zum kritischem Nachdenken über das Geschriebene anzuregen, wobei dies natürlich nicht willkürlich geschieht, sondern durch die Verteilung von Sympathien gelenkt wird. Postmoderne verwendet hingegen Mittel des Populären und der Trivialliteratur um eine breite Leserschaft zu erreichen. Postmoderne Autoren verzichten auf die totale Vernunft und Ansprüche an Moral oder Wahrheit.

I Exilliteratur

Die älteste dieser Gruppen ist die Exilliteratur, welche erst nach Kriegsende, in beiden Teilen Deutschlands veröffentlicht wurde, aber schon vor Beginn oder während des 2. Weltkrieges verfasst worden ist. Der Grund für die ca. 1500 Exilliteraten Deutschland zu verlassen war ihre kritische Haltung gegenüber dem Dritten Reich und der daraus folgenden politischen Verfolgung. Als Hauptziel der Exilliteratur gilt die Information der Weltöffentlichkeit über die Machenschaften des Nationalsozialistischen Regimes und dessen Umsturz. Zu ihren berühmtesten Vertretern zählen der Autor von „Mutter Courage und ihre Kinder“ Bertolt Brecht, der Vorkriegszeitliche Exilliteratur verfasste und die Familie Mann. Klaus Mann schrieb 1936 im US-Exil „Mephisto“ und Heinrich Mann dort seine 1946 veröffentlichten Memoiren „Ein Zeitalter wird besichtigt“.

II Trümmerliteratur

Die Literatur der „verlorenen Generation“ ist geprägt von Kriegs- und Heimkehrerliteratur und der Erinnerung an den Krieg. Ihr Ursprung ist die „Stunde Null“, d.h. die Situation nach dem Kriegsende 1945, die Vertreibung und das damit verbundene Gefühl der Heimatlosigkeit, die Zerstörung vieler Deutscher Städte und der daraus resultierende Wiederaufbau, sowie die Ungewissheit über Deutschlands politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft.

IIa Vergangenheitsbewältigung 1. Teil

Maßgeblich beteiligt an der literarischen Vergangenheitsbewältigung war die Gruppe 47, eine lockere Vereinigung von Schriftstellern und Kritikern, deren Gemeinsamkeit bildet die politisch-zeitkritische, antiautoritäre und moralistische Gesinnung, die ohne ideologische Verengung die Verantwortung des Schriftstellers in der Gesellschaft betont.

IIb Zaghafte Moderne

Die zweite wichtige Strömung der Trümmerliteratur ist die „zaghafte Moderne“ oder der über den Krieg gerettete „Sanft-Expressionismus“. Diese waren Sinnbild für die „Generation des Vergessens“, denn das Vergessen war eine der verbreitetsten Übungen unter den Angehörigen der mittleren und älteren Generation der Autoren. Die beiden unterschiedlichen Gruppen der Trümmerliteratur basierten auf zwei rivalisierenden Weltanschauungen zweier Generationen welche in den späten 60ern und frühen 70ern schließlich zum „Generationenkonflikt“ führten.

III Westdeutsche Nachkriegsliteratur IIIa Vergangenheitsbewältigung 2. Teil

Da das politische Engagement von Schriftstellern für eine demokratische, liberale, tolerante und vor allem linke Politik bis heute fort wirkt, gelten neben den Begleitumständen der Trümmerliteratur in Westdeutschland auch das Wirtschaftswunder, die Aufhebung des Besatzungsstatuts und der Beitritt der BRD zur NATO, die Studentenbewegung von 1968 (Pazifismus - Antivietnamkriegsdemos - APO - Frauenbewegung) als prägend für die Epoche der Vergangenheitsbewältigung.

Als bekannteste Repräsentanten der Vergangenheitsbewältigung gelten u.a. die Mitglieder der Gruppe 47, wie der Nobelpreisträger Heinrich Böll mit Werken wie „Wo warst du, Adam“ von 1951 und „Ende einer Dienstfahrt“ aus dem Jahr 1961, Alfred Andersch „Sansibar oder der letzte Grund“ von 1957, der Nobelpreisträger und 1959 Verfasser von „Blechtrommel“ Günther Grass sowie Martin Walser mit der Anselm-Tristlein-Trilogie „Halbzeit“, „Das Eichhorn“ und „Der Sturz“. Aber auch nicht Mitglieder wie der später in die DDR übergesiedelte Stephan Heym mit dem Weltbestseller „Kreuzfahrer von heute“ aus dem Jahr 1948, Max Frisch mit Romanen wie „Andorra“, „Homo Faber“ oder „Mein Name sei Gantenbein“ haben dieses Zeitalter mit geprägt.

IIIb Neue Sensibilität und Identitätssuche

In den Siebzigern lässt das Interesse an den Romanen der Moderne spürbar nach, man spricht in dieser Zeit vom „Ende des Erzählens und das Ableben des Romans“, dieser hat zusätzlich durch audiovisuelle Medien starke Konkurrenz als Bildungs- und Unterhaltungsmedium. Aus dieser Situation heraus wird die literarische Epoche der Postmoderne geboren, das Individuum und seine Gefühle stehen wieder im Mittelpunkt. Die herausragenden Themen sind die Groteske (die Welt als Irrenhaus), Endzeitvisionen, sowie ökologische und atomare Bedrohung. Die wichtigsten Vertreter dieser Strömung sind der spätere Kinderbuchautor Peter Härtling mit „Eine Frau“ von 1974 und die bekannteste Kurzgeschichtenschreiberin Gabriele Wohmann durch die 1971 und 1974 erschienenen Romane „Selbstverteidigung“ und „Paulinchen war allein zu Haus“.

IV Ostdeutsche Nachkriegsliteratur

Wichtiger Background zum Verstehen der DDR-Romaszene sind der Eintritt in den Warschauer Pakt und damit die Abwendung vom Westen und die Abhängigkeit von der Sowjetunion 1956, die sozialistische Kulturrevolution, die das Programm für „sozialistische Nationalliteratur nach 1965“ zur Folge hatte und der Mauerbau 1961. Die DDR Kultur wurde mit Mitteln wie Zensur, Festnahmen und Ausbürgerung gesteuert, ihre Aufgabe war die Vermittlung des Sozialismus und ihr Ergebnis war der sozialistische Realismus sowie Aufbauromane und Lobeshymnen, die literarisch bedeutungslos sind und kaum Leser fanden. Die bekanntesten Romanautoren der DDR sind Stephan Heym mit nur im Westen veröffentlichten Romanen aus den Jahren 1958, 1972 und 1979 „Fünf Tage im Juni“, „Der König David Bericht“ und „Collin“, sowie Christa Wolf mit „Der geteilte Himmel“ von 1963.

V Ausländische deutschsprachige Nachkriegsliteratur

Die Österreichische Nachkriegsliteratur unterscheidet sich nur in einem Punkt deutlich von der Deutschen und zwar wurde dort keine Vergangenheitsbewältigung betrieben wie in Deutschland und wenn doch, dann waren die Romane hauptsächlich in der BRD erfolgreich. Der bekannteste Romanautor Österreichs ist Träger des „Österreichische Staatspreis für Literatur“ Heimito von Doderer mit Werken wie „Ein Mord, den jeder begeht“ aus dem Jahr 1938, der Romangroteske „Die Merowinger oder Die totale Familie“ 1962“ und seinem Hauptwerk „Die Dämonen“ das er von 1931 bis 1956 verfasste. Der zweite sehr bedeutende Romancier ist Robert Musil durch seine von 1925 bis ’42 verfasste jedoch unvollendete Trilogie „Der Mann ohne Eigenschaften“, in der er die österreichisch- ungarische Monarchie für die Probleme der Jetztzeit verantwortlich macht.

Aktuelle postmoderne Romane

In der Jetztzeit gibt es noch keine sich klar abzeichnenden vorherrschenden Themen, erlaubt ist was gefällt. Die augenblicklich wichtigsten Autoren sind Patrick Süsskind mit seinem Megaerfolg „Das Parfum“ von 1985, Martin Walser mit dem Werk „Ein springender Brunnen“ von 1998 und der Kriminalromanautor Bernhard Schlink „Die gordische Schleife“ und „Der Vorleser“ aus den Jahren 1988 und 1995.

I Exilliteratur

1925 bis 1950

Vertreter:

- Bertolt Brecht (Mutter Courage und ihre Kinder)
- Klaus Mann (Mephisto)

Kennzeichen:

- Antifaschistische bis marxistische Grundhaltung
- Neue ästhetische Formprinzipien:
- Lehrtheater, Parabeln, episches Theater
- Kritischen Stellungnahme des Lesers erwünscht
.. - Politisierung der Kunst (Kabarett)

II Trümmerliteratur

ab 1945

Vertreter:

- Heinrich Böll ( Wo warst du, Adam 1951)
- Wolfgang Borchert (Draußen vor der Tür 1947)

Kennzeichen:

- Kriegs- und Heimkehrerliteratur
- Vergessen der Geschehnisse
- Besinnung auf die Klassik
- Stunde Null

IIc Vergangenheitsbewältigung

Mitte 60er bis 70er

Vertreter:

- Alfred Andersch (Sansibar oder der letzte Grund 1957)
- Wolf Biermann ([DDR] Mit Marx- und Engelszungen 1968)
- Günther Grass (Blechtrommel 1959)

Kennzeichen:

- Aufarbeitung der Jahre 1933 bis 1945
- politische Engagement
- Liberalität, Toleranz & Demokratie
- 68er, APO und Pazifismus

IId Neue Sensibilität und Identitätssuche

1971 bis Mitte 80er

Vertreter:

- Peter Härtling (Eine Frau 1974)
- Botho Strauß (Trilogie des Wiedersehens 1976)

Kennzeichen:

- Entpolitisierung der Kunst
- Groteske, Endzeitvisionen
- Ökologische und atomare Bedrohung
- Aufrüstung, RAF und Kernkraftwerke

III Ostdeutsche Nachkriegsliteratur

1949 bis Mitte 70er

Vertreter:

- Wolf Biermann (Die Drahtharfe 1965 [nicht Veröffentlicht])
- Stefan Heym (Fünf Tage im Juni 1958 [nicht Veröffentlicht])
- Christa Wolf (Der geteilte Himmel 1963)

Kennzeichen:

- Zensur, Festnahmen, Berufsverbot und Ausweisung
- Vermittlung des Sozialismus
- Sozialistischer Realismus (Erzähl-Prosa) und Lobeshymnen
- Bitterfelder Weg

Details

Seiten
11
Jahr
2001
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105949
Note
10 Punkte
Schlagworte
Geschichte Romans

Autor

Zurück

Titel: Geschichte des Romans 1945-2002