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Sozialismus, Kommunismus und die Russische Oktoberrevolution 1917

Facharbeit (Schule) 1999 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen / Vorraussetzungen
2.1. Massenelend als Folge der industriellen Revolution in Europa
2.2. Die sozialistische Idee - die kommunistische Theorie

3. Das politische Erwachen Rußlands und die Ursachen der revolutionären Stimmung vor 1917
3.1 Das Entstehen erster revolutionärer Kräfte in Rußland im ausgehenden 19. Jahrhun- dert
3.2. Der Beginn des Marxismus in Rußland
3.2.1 Andere politische Richtungen in Rußland zur Jahrhundertwende
3.2.2. Lenin - Organisator und Führer der Bolschewiki
3.3. Die Revolution von 1905

4. Das revolutionäre Jahr 1917
4.1 Die bürgerliche Februarrevolution
4.2. Die Periode der Doppelherrschaft
4.3. Die Oktoberrevolution

5. Die Folgen und Auswirkungen der großen sozialistischen Revolution
5.1. Die neue Regierung und der Bürgerkrieg
5.2. Folgen des Kommunismus bzw. des Versuches einen solchen zu errichten

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

8. Bemerkungen

1. Einleitung

Über siebzig Jahre herrschten sogenannte Kommunisten über Rußland und die Sow- jetunion und über vierzig Jahre über Osteuropa. Dabei haben sie in weltverbesseri- scher Manier ein System geschaffen, das sich alsbald als ebenso reaktionär erwies, wie das alte Zarentum, das es zu beseitigen galt. Mit Partei- und Staatsbürokratie, Geheimdienst und Armee stützte man die Illusion, die Menschen von Tyrannei und Ausbeutung befreit zu haben und ihnen Gerechtigkeit und Freiheit gebracht zu ha- ben. Doch die zentralistische, zum Teil auch wieder autokrate, diktatorische und rückständige Führung/ Regierung, hatte eher die Errungenschaften der demokrati- schen Republik verspielt, anstatt die so oft ausgerufenen Prinzipien Friede, Land und Brot zu verwirklichen. Es gab Kriege (Die Opfer des Kommunismus belaufen sich weltweit auf Zahlen in Milliardenhöhen), das Land gehörte zwar dem Volk, brachte dem aber nichts, da Abgaben für den Staatsapparat an längst vergangene Zeiten des Feudalismus erinnerten und die Befriedigung des Existenzminimums konnte eben- sowenig garantiert werden. Wollte man noch bis 1980 einen höheren Lebensstan- dard erreichen als die USA, so mußte man sich 1990 als gescheitert, gedemütigt er- klären. Der Sozialismus, der eigentlich nichts anderes war, als ein „staatsmonopolis- tischer Kapitalismus“, glänzte vielmehr durch Gleichschaltung der Massen, Berau- bung der Individuellen Selbstverwirklichungschancen und Polizeigewalt, die das strauchelnde System zusammenzuhalten suchte. Der Sozialismus hat den weltwei- ten Wettlauf verloren.

Das russische Volk war schon seit eh und je geprägt von einem Drang nach Freiheit, aber ebenso verfiel es nicht selten dem Ehrgefühl, der Treue (z.B. zum Zaren), und den dogmatischen Parolen, der geschickten pseudokommunistischen Partei.

Diese Arbeit soll einen Gesamtüberblick über die Geschehnisse der russischen revo- lutionären Vergangenheit liefern. Über den Feudalismus und der bürgerlichen Revo- lution soll der große sozialistische Versuch geschildert werden, eine bessere Welt zu erschaffen. Es soll eingegangen werden auf die Begriffe des Sozialismus und Kom- munismus, die vor Mark und Lenin gleichbedeutend verwendet wurden. Die Entste- hung dieser politischer, revolutionärer Strömungen und die Motivation und Anlässe dazu. In der Vorbetrachtung wird auch darauf eingegangen welche negativen Wir- kungen der Kapitalismus geschaffen hat und warum die Notwendigkeit der Errichtung einer besseren Gesellschaftsform gegeben war. Die Entwicklung der marxistisch- leninistischen Ideologie soll neben der Darstellung der revolutionären Umstände 1905 wie 1917 nicht aus den Augen gelassen werden. Die Meinungs- und Parteige- schichte ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung. Am Ende soll die Di- vergenz zwischen Theorie und Praxis erkenntlich gemacht werden.

Die Motivation eine solche geschichtliche Arbeit zu konzipieren, lag in dem weitver- breiteten Mißverständnis, das das was dort in Rußland bzw. der SU existierte wahr- lich der Kommunismus war. Es war lediglich die von Marx beschriebene Übergangs- phase zum Kommunismus. Das Kranke war eben nur, daß diese Übergangsphase wohl nie enden sollte. Das lag zum einen an der Angst von Außen, worauf man ein starkes Militärregime errichtete und zum anderen den daraus resultierenden Fakt, der schlechten ökonomischen Politik.

In der zugrundeliegenden Arbeit, wird jedoch auf detaillierte Biographien von den gr0ßen Theoretikern Marx, Engels und Lenin aber auch von anderen politischen Denkern verzichtet. Denn diese Arbeit soll mehr im Zusammenhang mit den russi- schen Hintergründen belegt werden als mit dem Leben eines Ideenträgers, wobei diesem auf keinen Fall Verdienste in der sozialistischen Sache aberkannt werden sollen. Da es mehrere Möglichkeiten der historischen Betrachtung dieses wohl auch für die Welt bedeutendes Ereignis gibt, kann auch nicht garantiert werden, alle Mei- nungen, Auslegungen und Positionen zu vertreten. Der Aufbau garantiert auch keine Chronologie, denn sich überschneidende wichtige Ereignisse sind durchaus häufig. (weitere wichtige Bemerkungen siehe unter 8.)

„Die historischen Resultate, die sich die Menschen von der Oktoberrevolution erhoff- ten, haben sich nicht eingestellt.“ (Gorbatschow) 2. Theoretische Grundlagen / Voraussetzungen

2.1. Massenelend als Folge der industriellen Revolution

Mit den Problemen, die mit der industriellen Revolution entstanden1 waren, trat der Wille zur Veränderung der bestehenden Gesellschaftsstrukturen in sozialer Hinsicht zunehmend in Erscheinung. Als Fortführung der Ziele der Französischen Revolution, unter den Aspekten der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit postulierte man wider dem Liberalismus und dem Konservativismus, den Sozialismus. Nach dem „Zusam- menbruch“ der unter Obhut von Adel und Krone stehenden feudalen Agrargesell- schaft, vollzog sich im Industriezeitalter eine enorme gesellschaftliche Veränderung. Der Liberalismus, dessen Hauptstützen die Prinzipien der Freiheit, (Rechts)- Gleich- heit und Privateigentum waren, sollte die individuelle Entfaltung zur Folge haben. In ökonomischer Sicht sollte nach Adam Smith so „die Summe der vernünftig betriebe- nen Einzelinteressen“2 unter Einwirkung von Wettbewerb und Konkurrenz als Leis- tungsförderer, zu allgemeinem Wohlstand verhelfen. Ohne staatlichen Eingriff sollte sich die Wirtschaft durch Angebot und Nachfrage selbständig regulieren. Der Staat stellte lediglich die Rahmenbedingungen nach liberalem Prinzip. Während dieser Phase der „Transformation der Feudal- in die frühkapitalistische Gesellschaft“3 ließ eine besitzende bürgerliche Klasse (Bourgeoisie) mit Hilfe der Arbeitskraft ihrer in ihren Unternehmen angestellten Beschäftigten, zur Mehrung ihres Kapitals, für sich einen Mehrwert produzieren. Der Lohnarbeiter verkauft seine Arbeitskraft an den Un- ternehmer und wird dafür durch den Lohn bezahlt. Dieser jedoch ist weitaus geringer als den Wert, den der Arbeiter mit seiner Arbeitskraft erwirtschaftet hat. So arbeitet er nach Marx in zwei Teilen: dem der notwendigen Arbeit, in dem er den Wert seines Lohnes erarbeitet und in dem Teil, in dem er den Mehrwert produziert. Nur so ist die Beschäftigung von Arbeitern für den Unternehmer rentabel. Der Kapitalist erlangt so eine enorme Machstellung, die er zum weiteren Mißbrauch der Arbeiter und zur Spal- tung der Gesellschaft in Klassen benutzt. Denn der Kapitalismus schafft durchaus ein so hohes Sozialprodukt, daß ein „Massenwohlstand“ möglich wäre, aber nicht statt- findet. Vielmehr werden die Mehrwerte als Folge des Konkurrenzkampfes zwischen den Unternehmen, zu Investitionszwecken verwendet. Das ist für den Unternehmer wichtig, damit er wettbewerbsfähig bleiben kann. Doch das führt zu einer Überpro- duktion, der wegen der Mindestlöhne der Arbeiter, keine entsprechend ausreichende Kaufkraft gegenübersteht. Die Folge ist, daß die Arbeiter zunehmend verelenden, die Kapitalisten bankrott gehen und die Massen arbeitslos werden. Einige wenige Kapi- taleigentümer zentralisieren so allein in ihren Händen die gesamte Produktion. In diesem Moment besitzen einige wenige eine Monopolstellung und so natürlich exor- bitante Macht. Sie können fusionieren, also schwächere Unternehmen „schlucken“, die Preise diktieren und die Arbeiter noch mehr ausbeuten. So geht also die Macht im Frühkapitalismus aus den Händen des feudalistischen Großgrundbesitzers, Adels und Monarchen direkt in die Hände der Kapitalisten. Und übersehbar steht also nun wenigen wohlhabenden Kapitalisten eine große Zahl von verarmten Proletariern ge- genüber. Wegen der Bevölkerungsexplosion und der zunehmend einsetzenden Landflucht, wegen dem Überangebot an Arbeitskräften, gerade durch zunehmende Arbeitslosigkeit, sanken die Löhne auf ein Minimum. Die Absicherung einer minima- len Existenzgrundlage mußte so zusätzlich von Kindern und Frauen gesichert wer- den. Arbeitszeiten von bis zu 15 Stunden pro Tag, sowie Arbeit am Sonntag und während der Nacht waren normal. Die Wohnverhältnisse waren geprägt von Miets- kasernen, in denen mehrere Menschen pro Zimmer leben mußten. Die Lebenserwar- tung sank drastisch, nicht zuletzt deshalb, weil die Arbeitsverhältnisse unzureichend in den Sicherheitsvorkehrungen waren und so körperliche, wie psychische Schäden nicht auszuschließen waren. So drängte das soziale Gewissen immer mehr in den Vordergrund.

2.2. Die sozialistische Idee - die kommunistische Theorie

Der Sozialismus, der das Wohl der Gemeinschaft stärker betont, als der hauptsäch- lich die individuellen Interessen in den Mittelpunkt stellende Liberalismus und Kapita- lismus, artikulierte in all seinen Erscheinungsformen ähnliche Ziele. Hauptsächlich galt es die „negativen Auswüchse“, die der Kapitalismus im Zuge der industriellen Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts und Beginn des 19. Jahrhunderts brachte, zu beseitigen. Vordergründig wollte man Arbeitslosigkeit beseitigen, um so das Elend einzudämmen. Der Sozialismus sah deshalb grundlegende Veränderungen in der Eigentumsordnung vor. Produktionsmittel und Produktionsgrundlagen sollten voll- ständig oder teilweise in gemeinschaftlichen bzw. staatlichen Besitz übergehen oder zumindest unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Das bedingt jedoch eine gesell- schaftliche Veränderung der Herrschaftsstrukturen. Bleibt also die Herrschaftsord- nung bestehen, so tritt der hauptsächlich von der Arbeiterschaft in großen Städten getragene Sozialismus in gemäßigter Form für andere, den Lebensstandard der Ar- beiter verbessernde, Ziele ein. Das sah eine Veränderung der Wirtschafts- und Ar- beitsordnung vor. Arbeitslosigkeit sollte verhindert, die Ausbeutung der Arbeiter (be- sonders Kinder und Frauen) beseitigt und die Wohnverhältnisse verbessert werden. Die sozialistische Idee in all ihren Ausprägungen wird von Leszek Kolakowski zu- sammengefaßt: „Der gemeinsame Aspekt der sozialistischen Idee, die unter dem gekoppelten Einfluß der Französischen Revolution und der industriellen Revolution entstanden ist, besteht in der Überzeugung, daß die unkontrollierte Konzentration der Reichtümer und die Konkurrenz unweigerlich zu steigender Armut und Krisen führen, und daß dieses System durch ein anderes ersetzt werden muß, in dem die Organisa- tion von Produktion und Austausch Elend und Ausbeutung beseitigt und zu einer neuen Güterverteilung führt, die mit den Grundsätzen der Gleichheit übereinstimmt: Sei es zu einem völligen Ausgleich des Eigentums, sei es zu einer Güterverteilung nach dem Prinzip ,jedem nach seiner Arbeit’ oder in weiserer Perspektive ,jedem nach seinen Bedürfnissen’“4

Die ersten sozialistischen Formen kann man schon zu Zeiten der antiken Griechen ausfindig machen. So entwarf der griechische Philosoph Platon5, ein Schüler Aristo- teles’6, 350 Jahre vor Christus eine erste Utopie, in der jeder Anteil an den nötigen für das Leben wichtigen Mitteln hat und eine gleichmäßige Verteilung des Besitzes stattfinden sollte. Damit sollte der Mensch von der Versuchung befreit werden, sich dem Erwerbsstreben und dem Kommerz hinzugeben. Sicherlich wurden dabei nach zu der Zeit üblichen Ansichten, einige Menschengruppen ausgelassen - gerade auch deswegen, weil sie nicht als Bürger bzw. vollwertige Menschen betrachtet wurden. So z.B. die über 40 % der Bevölkerung ausmachende Gruppe der Sklaven, sowie Frauen, Kinder Platon ging davon aus, daß soziale Gerechtigkeit nur erreicht wer- den könne, durch Harmonie zwischen den Ständen7, die am besten durch die Herr- schaft der Besten, er meinte die Philosophen, gewährleistet werden könne.

Die Zeit der Aufklärung, im 18. Jahrhundert, tat Weiteres, um die sozialistischen Strebungen maßgeblich zu beeinflussen. Der französisch-schweizerische Philosoph und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) war einer der zentralen Per- sönlichkeiten der Aufklärung. Er stand für die individuelle Freiheit, gegen den Absolu- tismus und ging davon aus, daß das Wesen des Menschen von Natur aus gut sei und erst durch die Zivilisation verdorben wurde. Rousseau, als Verteidiger des Ge- meinwillens gegenüber dem absolutistischen Staat und Kirche bildete die theoreti- schen Grundlagen für die Französische Revolution. Die Theorien des Philosophen Rousseau wirkten besonders auf Immanuel Kant. Dieser prägte ebenso wie andere Vertreter der Aufklärung (Descartes, Hobbes, Montesquieu, Voltaire...) den Begriff der Freiheit im Zusammenhang mit der Gesellschaft und der Gerechtigkeit. Die Idee vom sich brüderlich verhaltenden Menschen wurde jedoch meist von bürgerlichen, also gut situierten, Personen formuliert, die sich „gegenüber den handarbeitenden Klassen schämten“8 Die Vernunft galt als das Maß und sollte den Menschen leiten. „Jeder solle sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen bedienen; Freiheit sei ein ursprüngliches, jedem Menschen zustehendes Recht, welches allerdings in den Rechten anderer seine natürlichen Grenzen finden müsse.“9 So beeinflußte die Aufklärung, die selber unter dem Einfluß der Antike stand, den Frühsozialismus.

Der Frühsozialismus, der sich sowohl an der Antike als auch an aufklärerischen Ge- danken und Theorien orientierte, wurde von Marx und Engels in ihrem Manifest als „utopischer Sozialismus“ benannt. Utopie, nach einem Buch von Thomas Morus (1478-1535) mit dem Titel „Utopia“, in dem das Privateigentum negiert wurde und so „Organisationsprinzipien einer gesellschaftlichen Ordnung“10 beschrieben wurden, ist in unser Begriffsverständnis meist als unrealistisch und undurchführbar eingegangen. Utopie, in reinem Wortsinn „Nicht-Ort“, beschreibt lediglich einen Ort, der hier und jetzt nicht ist, jedoch wird nicht gesagt, daß dieser Ort nicht existieren kann. Theorien von Denkern und Philosophen wurden so also als Utopien bezeichnet, um auszusa- gen, „das ist nicht möglich“. War es (ist es) in üblichem dementsprechenden Um- stand in der Denkweise Herrschender oder Nichtdenkender vielleicht auch.

Der utopische Sozialismus entwarf Pläne für die Umgestaltung der Gesellschaft. Vertreter neben Thomas Morus sind Thomas Campanella („Sonnenstaat“, 1602), im 18. Jahrhundert Mably, Melet und Morelly und im 19. Jahrhundert Claude Henri de Rouvroy, Graf von Saint-Simon, Charles Fourier und Robert Owen.

Claude Henri de Rouvroy Graf von Saint-Simon (1760-1825), französischer Sozial- philosoph, der an dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilnahm, verbalisierte während der Revolution und der Restauration in Frankreich zum Ende des 18. Jahr- hunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts Ideen zur Neuordnung der Gesell- schaft und begründet den religiös fundierten Sozialismus. Für ihn war die „classe in- dustrielle“ die produktive, den Wohlstand und Arbeit schaffende Klasse und die ei- gentliche Stütze der Gesellschaft. Dem gegenübergestellt kritisierte er die „unproduk- tive, parasitäre Aristokratie und Geistlichkeit“. Nebenher stellte er die Betriebsleiter als die eigentlichen Arbeiter dar und strebte eine „Diktatur der Fähigen“ an. Neben dem Frühsozialismus der Saint-Simonisten beeinflußte er ebenso Karl Marx, der jedoch den Klassengegensatz in Kapital und Proletariat sah.

Charles Fourier (1772-1837), ebenfalls Sozialphilosoph und Vertreter des utopischen Sozialismus, versuchte über Experimente eine von ihm entwickelte Utopie umzuset- zen. Danach sollte der Staat in „Phalantères“ (Genossenschaften) aufgeteilt werden. In diesen leben auf ca. 400 Hektar Land etwa 300 Familien (bzw. ca. 1620 Personen) in einer großen Lebensgemeinschaft, in der jeder eine seinen Fähigkeiten entspre- chende Arbeit zugeteilt bekommt. Durch harmonisches Zusammenspiel werden Kon- ventionen und Zwänge, die in bürgerlichen Gesellschaften den Menschen hindern ein „freies“ Leben zu führen, überflüssig. Privatbesitz wurde nicht abgeschafft, aber Arm und Reich wurden so „vermischt“, daß sichtbare soziale Unterschiede verschwinden. Durch die Gesamteinkünfte der Genossenschaft konnte das Überleben eines jeden Einzelnen gesichert werden. Obwohl sein Projekt, das um 1832 tatsächlich versucht wurde, nach Ansicht vieler scheiterte, übte der dennoch großen Einfluß auf spätere Genossenschaftsbewegungen aus.

Robert Owen (1771-1858) ein Sozialreformer und erfolgreicher Unternehmer ver- suchte seine sozialpolitischen Ideen in seinen Mustersiedlungen umzusetzen. Er ver- bot Kinderarbeit, trat für einen Zehneinhalb-Stunden-Arbeitstag ein und regte so erste Arbeitsschutzgesetze in Großbritannien an. Nach Ansicht, daß des Menschen Charakter von dessen Umwelt beeinflußt ist (vgl. Rousseau), ging er davon aus, daß wenn man die wirtschaftliche und soziale Lage der Arbeiter verbessern würde, ihre Motivation zur Arbeit verbessert werde. Davon versprach er sich eine erhöhte Pro- duktion und davon wiederum erhöhte Gewinne. Owen richtete ein vorbildliches Schulsystem ein, war für höhere Löhne und Arbeitslosen-Genossenschaften. Wenn- gleich ein Projekt in den USA scheiterte, brachte ihm sein Erfolg in New Lanark (Schottland) viel Anerkennung. Ebenfalls war Owen an der Gründung der ersten Ge- werkschaft in Großbritannien 1833 beteiligt

Als deutschen Vertreter des utopischen Sozialismus kann man den Sohn eines Handwerkers, Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) nennen. Neben Hegel und Kant zählte er zu den Vertretern des deutschen Idealismus und bekleidete ein Rektoramt an der Berliner Universität. 1810 entwarf der später als „Frühleninist“ bezeichnete Philosoph und Erzieher seine Idee vom „geschlossenen Handelsstaat“. Dieser sah „Planwirtschaft mit Preisfestsetzungen vor, Vollbeschäftigung mit sozialen Garantien und strenge Autokratie“11. Ob jedoch der Aspekt der Freiheit großen Stellenwert bei- gemessen bekam in Fichtes Entwurf ist fraglich, denn: „Zu reisen hat aus einem ge- schlossenen Handelsstaat nur der Gelehrte und der höhere Künstler: der müßigen Zerstreuungssucht soll es nicht länger erlaubt werden, ihre Langeweile durch alle Länder herumzutragen.“12 Wohin das geführt hat zeigt uns die neuere Geschichte, doch selbst Zeitgenossen sahen die „Sozialdemokratischen Zukunftsbilder“ voraus: „ ... Die Grenzpatrouillen sind angewiesen, gegen Flüchtlinge von der Schußwaffe rücksichtslos Gebrauch zu machen“13 Fichte war ebenso der Ansicht, daß der Mensch aus reinem Pflichtbewußtsein dazu bewegt werde, seine Pflicht (gegenüber der Gesellschaft) zu tun. Seine Gedanken übten Einfluß (positiven wie negativen) auf Karl Marx, Lasalle und Proudhon aus.

Tatsächlich strebten schon die utopischen Sozialisten nach einer besseren Gesell- schaft, in der das Privateigentum aufgehoben wurde und die soziale Lage der Men- schen sowie die Verhältnisse der Menschen zueinander verbessert werden sollte. Lenin sagte später über den utopischen Sozialismus, daß er es nicht verstand, „das Wesen der Lohnsklaverei im Kapitalismus zu erklären, nicht, die Gesetze seiner Entwicklung aufzudecken, nicht, jene gesellschaftliche Kraft zu finden, die Fähig ist, Schöpfer der neuen Gesellschaft zu werden“14. Doch gerade das würde Karl Marx mit seinem wissenschaftlichen Sozialismus in den folgenden Jahren bereiten.

Pierre Joseph Proudhon (1809-1865) war französischer Schriftsteller und politischer Theoretiker und galt als Vater des modernen Anarchismus. Er verwarf die Ansichten der utopischen Sozialisten, insbesondere die von Saint-Simon und Fourier. Für ihn war jegliche Form der Regierung überflüssig, wenn das moralische Verantwortungs- gefühl soweit entwickelt sei, daß sich jeder nach seinem Gewissen regieren könne. Er lehnte Gewalt um den Menschen Systeme aufzuzwingen ab. Den Kommunismus von Karl Marx lehnte er wie Bakunin15 nach anfänglicher Sympathie strikt ab. Obwohl das „Endziel“ des Anarchismus dem des Kommunismus gleicht, nämlich, daß kein Mensch über einen anderen herrsche, konnten Anarchisten nicht mit der „Gangart“ auf dem Weg dorthin übereinkommen. Deshalb standen beide Richtungen im Ge- gensatz zueinander. Marx veröffentlichte eine Polemik gegen Anarchisten gerichtet mit dem Titel „Das Elend der Philosophie“ (1848).

Für Marx der den wissenschaftlichen Sozialismus, auch bekannt unter moderner Kommunismus oder Marxismus, zusammen mit seinem Freund Friedrich Engels begründete stand fest, daß es ohne Staat nicht geht, zumindest für eine Übergangszeit. Marx bezog sich sowohl auf die Theorien eines Rousseau und Hegel, genauso wie auf die der utopischen Sozialisten und Erkenntnissen der Volkswirtschaftslehre eines Adam Smith. Er hatte ebenso wie die utopischen Sozialisten die Vision einer Gesellschaft, in der menschliches Zusammenleben ohne Gewalt, Geld, Privateigentum und Unterordnung von Menschen unter andere Menschen möglich werde, jedoch begründete er den Weg dorthin wissenschaftlich.

Die Begriffe Sozialismus und Kommunismus wurden bis Marx gleichbedeutend ne- beneinander verwendet. So kann man also einen utopischen Sozialisten ebenso zu den Frühkommunisten als auch zu den Frühsozalisten zählen. Der moderne Kom- munismus unterscheidet jedoch: Der Sozialismus sei die Entwicklungsphase der kommunistischen Gesellschaftsformation, die direkt nach der proletarischen Revolu- tion folgen sollte. Das ist diese Übergangsphase, in der noch ein Staat existiert. Das alte Staatssystem gilt als beseitigt. Der Staat jedoch bleibt nur als Machtinstrument mit dem Polizeiapparat den neuen Machthabern gegen kontrarevolutionäre Kräfte und um die Bourgeoisie zu entmachten erhalten. „Wir brauchen einen Staat. Doch wir brauchen nicht einen Staat, wie ihn die Bourgeoisie [...] geschaffen hat. [...] Wir brauchen einen Staat, aber nicht einen solchen Staat, wie ihn die Bourgeoisie braucht, in dem die Machtorgane in Gestalt der Polizei, der Armee, der Bürokratie (der Beamtenschaft) vom Volke getrennt sind und dem Volke entgegengestellt wer- den. [...] Das Proletariat aber muß [...] diese fertige Staatsmaschinerie, um mit den Worten Marx zu sprechen, ,zerschlagen‘ und sie durch eine neue ersetzen, in der Polizei, Armee und Bürokratie mit dem bis auf den letzten Mann bewaffnetn Volke eins sind.“16 Man spricht von der „Diktatur des Proletariats“ (Herrschaft einer Mehr- heit über eine Minderheit). Die „Macht“ befindet sich in den Händen einer proletari- schen Partei, also der Arbeiterklasse, der Intelligenz, Genossenschaften der Bauern und anderen Werktätigen. Das Privateigentum (verantwortlich für die Ungerechtigkei- ten ➔ siehe 1.1.) wird nach der Revolution in gemeinschaftliches und genossen- schaftliches Eigentum umgewandelt. Ausbeutung der Arbeiter und Unterdrückung seien beseitigt. In der sozialistischen Phase wird es noch eine Entlohnung der Ar- beitsleistung geben. Die materiellen Bedürfnisse aller Menschen werden durch die von Kameradschaft und Zusammenarbeit geprägte Erhöhung der Produktivkraft be- friedigt. Es gilt das Verteilungsprinzip: jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Leistungen.

In der zweiten Phase, dem Kommunismus, werden alle Personen egalitär betrachtet und sämtliche Klassenunterschiede verschwinden. Die Produktionsmittel, die ohne- hin schon seit der Revolution Kollektiveigentum waren, stehen allen Menschen zur Verfügung. Der Staat als Machtinstrument stirbt ab und verliert seine leitende Funkti- on. Er unterliegt einem Funktionswandel und hat nun nur noch Verwaltungsfunktion. Nun stellt sich der angestrebte Naturzustand - das Paradies noch auf Erden -, in dem alle das gleiche Recht auf alles haben her. Die Produktion soll unendlich sein, so daß man nun nach dem Verteilungsprinzip leben kann: jeder nach seinen Fähig- keiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.

Marx, der wohl nie eine Fabrik von Innen gesehen hat, aus guten Verhältnissen stammt und sich parasitär von Engels hat aushalten lassen, veröffentlichte 1848 zu- sammen mit Friedrich Engels „das Manifest der kommunistischen Partei“. „Das Re- sultat war - empirisch noch ungeprüft- zu drei Vierteln kritische Wissenschaft, im üb- rigen Polemik, attraktiv für Dreiviertel-Gebildete und unverständlich für seinen Adres- saten, das Proletariat.“17 Er redete davon das die Geschichte, die Abfolge von Klas- senkämpfen zwischen der arbeitenden, produzierenden und besitzlosen Klassen ei- nerseits und der nichtarbeitenden, nichtproduzierenden, jedoch aber besitzenden Klassen andererseits sei. So hätte also das Proletariat nichts zu verlieren „als ihre Ketten“. Marx ging davon aus, daß die Revolution weltweit, international stattfinden müsse, da sich auch der Kapitalismus in Konzernen und Kartellen international ent- wickelt und etabliert hat, erst Lenin und Stalin träumten von der Verwirklichung des territorialen Nationalkommunismus.

3. Das politische Erwachen Rußlands und die Ursachen der revolutionären Stimmung vor 1917

3.1. Das Entstehen erster revolutionärer Kräfte in Rußland im ausgehenden 19. Jahrhundert

Unter der autokratischen und repressiven zaristischen Herrschaft hatte Rußland bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts leiden müssen. Der Leidensweg war gezeichnet von Unterdrückung, schonungsloser Ausbeutung und schwierigen sozialen, wie wirt- schaftlichen Bedingungen. So hatten schon seit „eh und je“ die russischen Zaren mit revolutionären Umständen zu kämpfen gehabt. Denn das russische Volk trägt schon immer den Drang nach Gleichheit aller und Anarchie zusammen mit Aufruhrwillen in sich, so daß der „Geschichtsmechanik der Klassenkämpfe“18 und der Ideologie von Marx und Engels nur nebensächlichen Charakter beizuzollen ist: „Von der Aufklärung her rührte das erste Wehen freiheitlicher Ideen. Nun ist es der europäische Freiheits- gedanke, der an die ersten Ansätze anknüpft und neben den anarchisch-dumpfen Freiheitsdrang des Volkes tritt“19. Das Paradebeispiel der russischen Gemeinschaft ist wohl die bäuerliche Dorfgemeinschaft - MIR -, die die Urzelle der sozialistischen Gesellschaft darstellte. Sie sollte das Fundament der Revolution sein, die möglichst gleich von dem Feudalismus in den Sozialismus enden sollte. Man wollte also eine bürgerliche Revolution nach westeuropäischem Vorbild auslassen und direkt eine sozialistische Revolution vollziehen.

Die Reformära (1856-1874) unter Zar Alexander II. (Reg. 1855-1881), zur Stärkung der Autokratie, (allerdings nicht zum Bewilligen der Mitwirkung des Volkes an politi- schen Entscheidungen,) war wenig erfolgreich, weder für Monarch noch für das Volk. Zwar wurde die Leibeigenschaft 1861 (endlich) abgeschafft, jedoch brachte das kei- ne wesentliche Besserung für die Bauern. Durch den Erhalt des MIR-Systems wurde eine selbständige wirtschaftliche Entwicklung des Bauerntums gehemmt. Denn das Land, das Gemeinbesitz war, wurde periodisch an die Gemeinschaftsmitglieder ver- teilt. Das unzureichende Land, das die Bauern erhielten, mußten sie innerhalb von 49 Jahren abzahlen. Demzufolge hatten sie eine hohe Last zu tragen, die ihnen so nur ein knappes Auskommen ermöglichte. Blieben jedoch Ernten aus, grenzte das fast an eine Katastrophe. Die Armut der Bauern war also nicht beseitigt und der landbe- sitzende Adel hatte nicht an Einfluß verloren. Dazu kam ein Bevölkerungsüberschuß und die Landflucht der Bauern zu Beginn, der in Rußland spät einsetzenden indus- triellen Revolution. Der Bildungsrückstand, die rückständige Gesellschaftsstruktur, die gescheiterte Agrarreform, des als Agrarstaat verbliebenen Rußlands, und die In- vestitionstätigkeit des Adels im Ausland, das der heimischen Wirtschaft schadete, versetzte Rußland am Ende des 19. Jahrhunderts in den Standard eines 3.-Welt- Landes. Um 1890 versprach man sich industriellen Aufschwung durch Export land- wirtschaftlicher Produkte und ausländischen und staatlichen Investitionen für die rus- sische Schwerindustrie und den Eisenbahnbau. Westliche Technik drang vor, kapita- listische Wirtschaftsformen etablierten sich und ließen eine bis dahin in Rußland nicht vorhandene Klasse - die Bourgeoisie - entstehen. Das wirtschaftliche und geistige Leben konnte sich so sprunghaft entwickeln. Doch durch das Überangebot an Ar- beitskräften vom Land in den Städten und an den wenigen Industriestandpunkten, sanken Löhne und es entstand eine andere neue gesellschaftliche Klasse - das Pro- letariat, das binnen kürzester Zeit verelendet war.

Einer der wenigen Fortschritte der inneren Reformen, die so bedeutend und sogleich umstritten waren, war die lokale Selbstverwaltung der Städte, aber sämtliche Forderungen nach politischer Freiheit, zu der Zeit überwiegend aus dem liberalen Bürgertum aber auch aus den Reihen des Adels, wurden nicht erfüllt.

Ein weiteres Problem, das sich aufdrängte, war der Fakt, daß Rußland ein Vielvölkerstaat war und unter russischer Führung die Vereinigung aller Slawen beabsichtigte. Die unterjochten Völker, darunter Polen, Ukrainer, Weißrussen, Letten, Finnen und auch Baltendeutsche, wollten sich mit den russischen Absichten nicht abfinden und lehnten diesen schein-panslawistischen20 Weg ab. Doch auch Religion spielte eine nicht unbeachtliche Rolle. Gegen das orthodoxe Christentum der Russen, Ukrainer und Weißrussen standen z.B. die Katholiken Polens, die Protestanten aus dem Baltikum, die Muslime Zentralasiens und die Juden. Alle Anhänger dieser verschiedenen religiösen Strömungen wollten, daß ihre Religion gleichberechtigt neben der von der Mehrheit getragenen orthodoxischen Kirche besteht.

Das russische Zarentum, das eine der reaktionärsten Monarchien Europas darstellte, schaffte es durch Weltfremdheit und Unfähigkeit das russische (und auch das nicht- russische)Volk zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach und nach in Unzufriedenheit zu stimmen. Daraufhin bildeten sich zahlreiche revolutionäre Bewegungen, teils aufklä- rend, teils mit Propaganda und teils im Untergrund und auf terroristischer Ebne. Aus der russischen Intelligencija entwickelte sich in den sechziger Jahren des 19. Jahr- hunderts eine sozialpolitische Vereinigung, die die Fortentwicklung der bäuerlichen Tradition, insbesondere die gesellschaftsprägende Mir, als Ziel hatte und so eine neue, nichtkapitalistische Gesellschaft aufzubauen versuchte. Diese Bewegung nannte sich Narodkiki, was grob übersetzt etwa „Freunde des Volkes“ meint. Später sollte diesen Bewegung Ausgangspunkt für die Sozialrävolutionäre des folgenden Jahrhunderts sein. Neben den Narodniki existierten auch andere Bewegungen. So die der sogenannten „Westler“, die nach westeuropäischem Vorbild die Umsetzung einer liberalen und sozialen Gesellschaft suchten. Man sollte also westliche Technik und auch politische Ideologie übernehmen. Die Nihilisten lehnten alles ab, wollten alle bestehenden Gesellschaftsformen aufheben und einen neuen Staat gründen. Gänzlich auf einen Staat und jegliche Art von Autorität verzichten wollten die Anar- chisten. Sie strebten an die kirchliche und staatliche Autorität zu zerstören, um so eine bessere Zukunft erreichen zu können. Michail Bakunin, der stark durch Prou- hons Anarchismus beeinflußt war wollte ebenso wie die anderen Vereinigungen den Staat revolutionär stürzen: „Aus einem Meer von Flammen und Blut wird sich in Mos- kau hoch und wunderbar der Stern der Revolution erheben und Leitstern zum Glück der gesamten Menschheit werden.“21 So wie die Narodniki verhoften sich auch die Anarchisten einen Aufruhr der Bauern in Rußland (die Ideenträger waren meist Emig- ranten und leiteten ihre Aktionen und Agitationen vom Ausland). Doch die Bauern waren die falsche Zielgruppe. Die Anarchisten und Narodniki „scheiterten“, da die Bauern den Gebildeten aus althergebrachter Gewohnheit mißtrauten und die Liebe zu ihrem Monarchen und den von der Geistlichkeit geförderten Glauben an die Auto- kratie des Zaren nicht überwinden wollten. Terroristische Vereinigungen wollten mit Attentaten auf Zar Alexander II. 1881 Signale setzen. Doch wegen ihrer radikalen Gangart und ihrem überwiegenden Haß gegen die oberen Stände, der fast stärker ausgeprägt war, als der gegen die Regierung, wobei das Ideal der Freiheit außer Acht geriet und man das Prinzip der Gleichheit favorisierte, fanden auch diese Grup- pierungen wenig Anklang beim Volk.

Peter Tkacev stellte eine Theorie des Umsturzes in den siebziger Jahren auf. Er war entgegen Bakunin der Meinung, daß man den Staat als Machtapparat nicht zer- schlagen sollte. Vielmehr sollte man durch einen Staatsstreich und Verschwörung diesen erobern und zu den revolutionären Zwecken gebrauchen. Um die Gesell- schaft umzuformen gesteht er durchaus ein, wäre eine Ausübung von Zwang nötig. Man sollte einen straffen zentralistischen Machtapparat aufbauen, um so das Ziel der Revolution zu verwirklichen. Massenorganisationen der Arbeiter lehnte Tkacev ab, da es zu dieser Zeit auch nicht abzusehen war, daß dem erst entstehenden Proletariat später eine tragende Rolle zukommt. Die Revolution sollte von einer kleinen Elite getragen werden: Ein Staatsstreich von den Revolutionären von Oben und ein Volksaufstand der Bauern von Unten sollte das zaristische Regime stürzen. „‘Gewiß ist unser Volk sehr ungebildet’, schrieb Tkacev, ‘aber es ist von den Prinzipien des Gemeinschaftseigentums durchdrungen. Es ist sozusagen kommunistisch aus In- stinkt, aus Tradition.’ Das russische Volk stehe daher, meinte er, dem Sozialismus viel näher als die Völker das Westens“22 In Rußland standen die Bedingungen für eine Veränderung also besonders gut, gerade weil es kein nennenswertes Bürgertum gab und der Kapitalismus noch in den Kinderschuhen steckte.

Einen gewaltlosen Wandel strebt die sozialistische Opposition um den Marxisten Ge- orgij V. Plechanow an. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Rußlands, die seit 1898 bestand, wollte dies aus dem Untergrund und dem Ausland besorgen. Nachdem der Zar Alexander II. 1881 einem Attentat zum Opfer gefallen war, kurz bevor der vom Zaren akzeptierte Verfassungsentwurf (= Konstitution wobei nur bera- tende Volksvertretung existiert) proklamiert werden sollte, setzte mit Zar Alexander III. eine reaktionäre Periode ein, die jegliche Reformversuche erstickte. Auch sämtli- che revolutionären Bewegungen schienen von der Bildfläche zu verschwinden. „In Wirklichkeit schwelte sie im Verborgenen weiter fort, um alsbald im marxistischen Gewande neu zu erscheinen.“23

3.2. Der Beginn des Marxismus in Rußland

Da die russische Dorfgemeinde im Zuge der kapitalistischen Entwicklung mit kapita- listisch betriebenen Gutshöfen nicht konkurrenzfähig bleiben konnte, weil sie den Anforderungen an einen modernen Wirtschaftsbetrieb auf dem Agrarsektor nicht ge- wachsen war und so zunehmend zerfiel, wandte man sich von der Mir ab. Ein neues Zentrum des revolutionären Geschehens machte nun das Arbeiterproletariat aus (um 1994 betrug die Zahl der Fabrikarbeiter um die drei Millionen Menschen). Gregorij Valentinovic Plechanov (1856-1918), der als Begründer der marxistischen Bewegung in Rußland galt, vollzog als erster diesen Schritt. Er war mit den Ideen eines Marx durchaus vertraut und gründete 1883 in Genf die erste marxistische Partei Rußlands, die mit dem Namen „Befreiung der Arbeit“ bezeichnet wurde. Plechanov war Redner von hohem Niveau, doch erreichte er keinen unmittelbaren Kontakt zur arbeitenden Klasse. Er war kein Agitator, aber dennoch half er dem Marxismus, sich in Rußland zu etablieren. 1882, also kurz vor der Gründung der marxistische Partei, erschien das Manifest von Marx und Engels in russischer Sprache. Es sollte auch hier sozu- sagen als Programmschrift dienen. Plechanov stellte in seinen Werken und in der Zeitschrift der Partei, den Glauben an die russische Dorfgemeinschaft und das diese den Wandel besorgen könne, in Frage. Für ihn erschien es als Utopie, mit Hilfe der „dumpf-konservatieven“ Bauernschaft den sozialistischen Gesellschaftswandel unter Auslassen des kapitalistischen Stadiums zu vollbringen. Das Bauerntum als revoluti- onäre Kraft hatte sich aufgelöst. Die Bauern, die nicht ins Proletariat übergingen, da sie auf dem Lande ihre Existenz nicht gesichert sahen und so Lohnarbeiter in den Industriezentren wurden, hatten Glück und wurden Großbauern und verkörperten nun die Bourgeoisie. So kann man also sagen, daß die Klasse der Bauern von den neuen Klassen aufgesogen wurde. Plechanov sprach also das Industrieproletariat an und zudem sollte dieses sich mit der liberalen Bourgeoisie zu einer Interessenge- meinschaft verbünden. Denn nur beide zusammen könnten das bestehende Regime stürzen. Als erstes strebe man eine bürgerliche Revolution an, die das Proletariat zu unterstützen habe, um in erster Linie bürgerliche Freiheit zu erringen. Danach könne der Kampf um die sozialistische Revolution beginnen. Als erster weicht Plechanov also von den Thesen der bisherigen sozialistischen Strömungen in Rußland (Narod- niki) ab und versucht es nach westlichem Vorbild erst eine bürgerliche Revolution zu erringen. Da der Kapitalismus in Rußland sich nicht voll entwickeln könne, wie in den westlichen Industrieländern, könne so leichter, nun abweichend von westlichen Vor- gehensweisen, eine sozialistische Gesellschaftsform errichtet werden. Die Russen sollten ihren eigenen Weg gehen sagte V. P. Voroncov in seinem Buch von 1882. Er meinte, daß der Kapitalismus in Rußland auf ewig ein fremder Gast bliebe und die Struktur der Gesellschaft nicht beeinflussen könne. Die Gründe darin machte er zum einen an der innerwirtschaftlichen Lage aus, wo eine zu geringe Kaufkraft eine Ver- mehrung des Warenabsatzes verhinderte. Zum anderen war jedoch die russische Außenwritschaft auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig mit den „alten“ Industrie- mächten.

Diese Ansichten von Voronkov entwickelten N. Daniel’son und S. Jusakov weiter und waren der Meinung lediglich westliche Technik übernehmen zu können ohne dabei die Klassenverhältnisse zu importieren. Die russische Gemeinschaftsform wollte man ohne sich vom Kapitalismus beeinflussen zu lassen, in „evolutionärer Weise“ fortentwickeln. Doch die Marxisten zielten auf eine Revolution, „an einer langsamen Evolution der sozialökonomischen Verhältnisse war ihnen nichts gelegen.“

Plechanovs Partei, 1898 die Russische Sozialdemokratische Arbeiterpartei (RSDAP), spaltete sich auf dem 2. Parteitag in Brüssel und London 1903 in einen mehrheitli- chen radikalen Flügel (Bolschewiki) und in einen gemäßigten Flügel (Menschewiki), der in der Minderheit war. Beide standen von dort an in scharfem Gegensatz zuein- ander.

3.2.1. Andere politische Richtungen in Rußland zur Jahrhundertwende

Wie die sozialistischen Parteien beherrschten Vertreter aus der Intelligenija, eine ra- dikal-demokratische gebildete Schicht, auch die Parteien des Liberalismus in Ruß- land. Sein Tätigkeitsfeld fand der Liberalismus in den örtlichen und landschaftlichen Selbstverwaltungsorganen. Er strebte, entgegen den sozialistischen Parteien, eine Veränderung auf legal-reformerischen Wegen an. Doch später zeigte sich, daß diese politische Richtung nicht vielversprechend war. Es gab weder ein nennenswertes Bürgertum noch „eine machtvolle, politisch aktive Unternehmerschicht als eigenstän- dige Kraft.“24 Die Liberalen fanden keinen Zuspruch, da sie sich zwischen radikalen und gemäßigten positionierten und so zwischen den Stühlen saßen. Hinzukam das in Rußland demokratische und rechtsstaatliche Institutionen nicht ausreichend abgesi- chert waren. !905 gründeten Liberale die Konstitutionell-demokratische Partei (auch: Partei der Volksfreiheit), die nach der Wahl zur ersten Duma etwa 40 Prozent der Stimmen bekam, konnte sich aber längerfristig nicht als „Befreiungsbewegung“ be- haupten.

Als bedeutungslos galten zahlreiche Rechtsparteien, die sowohl nationalistisch und antisemitisch als auch monarchistisch und antidemokratisch waren.

3.2.2. Lenin - Organisator und Führer der Bolschewiki

1892 setzte die Industrialisierung ein, wobei Rußlands finanzielle Lage verbessert werden konnte. Man forcierte den Getreideexport, beendete den Zollkrieg mit Deutschland und schloß Handelsverträge. Ausländisches Kapital strömte ins Land und ermöglichte eine intensivere Förderung der Bodenschätze. Die Kohleproduktion stieg um das neunfache, die Gewinnung von Roheisen stieg von 23 auf 176 Millionen Pud (1Pud = 16 kg), die Erdölförderung stieg um das sechsundvierzigfache von 13 auf 600 Millionen Pud und die Schwer- und Textilindustrie konnte ebenfalls rapiden Aufschwung verzeichnen. Daneben entstanden Werften und Hafenanlagen und das Eisenbahnnetz wurde erweitert. Doch die sozialen Verhältnisse waren keineswegs verbessert worden. Das Industrieproletariat wurde nach wie vor ausgebeutet. Kinder ab 6 Jahren und Frauen mußten nun wieder arbeiten, da das Schutzgesetz aufgehoben wurde. Der Arbeitstag lag bei 11 ½ Stunden pro Tag.

Vladimir Iljic Uljanov (1870-1924), mit politischem Decknamen später Lenin genannt, bildete mit der Gründung des „Kampfbund für die Befreiung der Arbeiterklasse“ (gegr. 1894/95) die Basis für den Marxismus in Rußland. Die Voraussetzungen für die Agitation der marxistischen Ideen waren mit der ruckartigen Industrialisierung gegeben und Lenin erwies sich als genau der richtige Typ, eine tragende Rolle im destruktiven Kampf zu übernehmen. Er war entgegen Plechanov nicht mehr nur gu- ter Redner sondern er fand auch Nähe zum Volk und war somit eine der wichtigsten oder gar die wichtigste Person für das spätere revolutionäre Geschehen. Man sprach ihm unbeugsame Willenskraft und überragende, wenn auch einseitige, Intelligenz zu. Doch er vernachlässigte die seelischen Bedürfnisse des Individuums und ordnete Gegenwartsprobleme unter „das Kalkül der Zukunftsplanung“. Für die Erreichung seiner politischen Ziele war er, der „souveräne Menschenverachter“, geprägt von ri- goroser Skrupellosigkeit. Politisch distanzierte er sich von den utopischen Sozialisten und lehnte seine Ideologie nach Kontakt mit Plechanov zunehmend dem Marxismus an. Zwar achtete er den 14 Jahre älteren Plechanov, doch Anzeichen von späteren Meinungsverschiedenheiten waren schon bei dem ersten Treffen der beiden in Genf 1895 zu erkennen. Jedoch die Narodniki, da waren sie sich einig, lehnten sie beide ab. Die Narodniki verhinderten seiner Meinung nach mit ihren Ansichten die Ausbrei- tung des Marxismus in Rußland, da sie sich romantischen Illusionen hingaben, „statt den volkswirtschaftlichen Realitäten Rechnung zu tragen“25. Sie waren also mehr Idealisten als Realisten und Lenin rechnete in dem Werk „Was sind die Freunde des Volkes“ mit ihren (angeblich) kleinbürgerlichen Ansichten ab. Rhetorik und Dialektik (später Dogma und Gewalt) waren Lenins größte Waffe im Kampf gegen Andersden- kende - er beschimpfte auch seine politischen Gegner gerne mal mit Ausdrücken, die nicht ganz seinem sonstigen Niveau entsprachen.

Der aus gutem Haus stammende Rechtsanwalt Lenin sprach erstmalig in Rußland den Gedanken aus, daß Arbeiter und Bauern gemeinsam die Autokratie stürzen müßten, dabei sollte der Bourgeoisie jegliche staatliche Macht entrissen werden. Damit entfernte er sich von den Ansichten Plechanovs, der die Bauern ja als rück- ständiges, revolutionshemmendes, ja gar kontrarevolutionäres Element bezeichnete und der Überzeugung war, daß das Proletariat mit der liberalen Bourgeoisie paktie- ren sollte.

Wegen politischer Agitation verhaftete man ihn 1895 und schickte ihn in die Verban- nung nach Sibirien, wo er ausreichend Zeit hatte seine Studien durchzuführen. Auch seine spätere Weggefährtin Nadeschda Krupskaja lernte er in dieser Zeit kennen. 1899 erschien sein berühmtestes Werk: „Die Entwicklung des Kapitalismus in Ruß- land“, in dem er feststellte, daß Rußland alle einst von Marx geschilderten Anzeichen des Kapitalismus darlege und in Rußland so schon voll entwickelt sei. Da aber das Bauerntum immer noch 80% der Bevölkerung ausmachte und der industrielle Sektor nur wenig entwickelt war, mußte man die soziale Lage der ländlichen Regionen in Zukunft besonders beachten, um die gesamte soziale Entwicklung Rußlands ein- schätzen zu können. Lenin berechnete, daß man einen proletarischen Aufstand mit einem Bauernkrieg kombinieren könne, um so vereint, Proletariat und Bauerntum, zur Revolution zu kommen. Eine Führungsrolle sollte dabei das Industrieproletariat übernehmen, das neben ökonomischen und sozialen auch politische Forderungen stellen sollte.

Die Partei, die solche Ziele fordern sollte, bestand nach Lenins Dafürhalten aus einer Gemeinschaft eingeschworener Berufsrevolutionäre, die abgetrennt von der Arbeiterklasse, geschult und diszipliniert eine qualifizierte Eliteavantgarde darstellten. Diese solle sich nach der Revolution der bestehenden Staatsmacht bedienen, womit sich Lenin angelehnt an Theorien Tkacev`s, sich von den Ansichten der Anarchisten als auch von denen Marx` entfernte. Denn letzterer hatte den vorübergehenden Charakter des absterbenden Staates viel stärker betont als Lenin.

Nachdem sich mehrere sozialdemokratische Gruppen 1898 zu der „Russischen So- zialdemokratischen (Arbeiter-)Partei“ zusammengeschlossen haben, erklärte Lenin 1899 seinen Beitritt zu dieser. 1900 wurde er aus der Verbannung entlassen und e- migrierte nach Westeuropa, da ihm politische Agitation unter den Zensurverhältnis- sen unmöglich erschien. So gab er zusammen mit Plechanov eine Zeitung mit dem Titel „Iskra“ (Der Funke) heraus. In seinem Buch „Was tun“ (1902) gab er seine An- schauungen über das Wesen und die Ziele der Partei preis. Er forderte eine straffe Kaderparteiorganisation, die ein „starkes leitendes Zentrum darstellte, und eine A- vantgarde für die Arbeiterklasse bedeutete. Er stieß mit seinen radikalen und unge- duldigen Anschauungen auf den Widerspruch seiner Redaktionskollegen der Iskra, unter ihnen auch Plechanov.

Anfang des 20. Jahrhunderts folgte auf die Hochkonjunktur der letzten Jahre eine Depression. Die Folge waren Stillegungen von Betrieben und Anstieg der Arbeitslo- senzahlen. Es folgten Streiks gegen die niedrigen Löhne und die schlechten Arbeits- bedingungen, die nicht selten in blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei ende- ten. Auch die Bauern hatten aufgrund von Mißernten mit ihren hohen Verschuldun- gen zu kämpfen.

Auf einem Parteitag in London im Jahre 1903 sollte ein Entwurf eines Parteipro- gramms, das ein Minimal- und ein Maximalprogramm enthielt. Das Maximalpro- gramm gab die Endziele der Partei, nämlich die große sozialistische Revolution und die Errichtung einer Diktatur des Proletariats. Das andere Programm gab die näher- liegenden Ziele der Partei an. Da war die Einführung des Achtstundentages, Rück- übertragung des Bodens an die Bauern sowie der Sturz des Zarismus und die Errich- tung einer demokratischen Republik, die eine Übergangsphase zur Diktatur des Pro- letariats darstellen sollte. Errungenschaften wie demokratisches Wahlrecht, Presse- und Wortfreiheit und die Unantastbarkeit der Person, würden, das gab Plechanov zu, für die Sache der Revolution aufgehoben werden können. Daneben diskutierte man ob der Partei als geschlossene Avantgarde der Arbeiterklasse nur eine Elite zugrun- delag oder ob sie sich als Massenpartei geben sollte und jeder Arbeiter sich als Mit- glied der Partei betrachten könnte. Der letztere wesentlich liberalere Standpunkt konnte sich mit Argumenten von z.B. Leo Trotzki durchsetzen. Eine entscheidendere Konfliktfrage war die der nationalen Gliederung der Partei. Lenin lehnte jegliche föde- rative Strukturierung der Partei ab, da dies eine Schwächung der Schlagkraft der ge- samten Partei zur Folge hätte. Mit seiner Ansicht konnte er sich durchsetzen, wor- aufhin sieben Delegierte aus Protest die Sitzung verließen. Dies hatte eine Mehrheit für die Anhänger Lenins zur Folge. Daher stammt nun auch der Begriff der Bolsche- wiki und Menschewiki26. Die Menschewisten überließen den Mehrheitlern sämtliche Ämter bei der Wahl zum Zentralkomitee der Partei, womit eine Spaltung vollzogen war. Es gab keine einheitliche sozialdemokratische Partei.

In der Folgezeit wurde die Zeitschrift Iskra mehr und mehr zu einem Organ der Men- schewiki, nicht zuletzt durch das Ausscheiden Lenins. Plechanov geriet stärker in Gegensatz zu Lenin, da er sich extremer an den Doktrin eines Marx festhielt. Man sagte ihm nach, daß er mehr ein Mann der Feder als der Tat sei und durch seine lange Emigration die Realität in Rußland aus den Augen verloren hätte. Das Auseinandergehen der Gruppen beurteilten viele Zeitgenossen als hinderlich und die Meinungsverschiedenheiten empfanden sie als belanglos. Doch Lenin förder- te die Spaltung zunehmend mit seinen Schriften. Einen Tadler fand Lenin in Leo Trotzki, der Lenins Zentralismus und seine straffe Parteibürokratie kritisch zu beurtei- len wußte. Er sah voraus, daß an die Stelle der Partei am Ende ein Diktator stehen würde. Das letzte Kapitel seiner Schrift „Unsere politischen Aufgaben“ trug den pro- vokativen Titel „Die Diktatur über das Proletariat“. Damit zeigte Trotzki, der später vom Gegner Lenins zu eine seiner wichtigsten Stützen avancierte, mit visionärem Geschick die „antidemokratische Keimzelle in Lenins Auffassung vom Sozialismus“27. Später distanzierte auch er sich von seinen einstigen Einsichten.

3.3. Die Revolution von 1905

Zar Nikolaus II., der seit 1894 Zar war, zettelte 1904, in der Hoffnung seine Autokra- tie zu stärken, den Russisch-Japanischen-Krieg an. Man dachte, wenn man äußere Erfolge vorweisen könne, würde man die wachsende Opposition in Rußland besänf- tigen können und an dem Absolutismus festhalten, der zu der Zeit im Rest von Euro- pa schon beseitigt war. Die Folge dieses Krieges war nicht die erhoffte Einigung des Landes, denn der am Bund der Autokratie und Orthodoxie festhaltende Zar, glaubte an eine übersinnliche Macht zwischen Zar und Volk, sondern durch steigende Mili- tärausgaben und die wirtschaftliche Krise bis 1903 bürdete man der armen Bevölke- rung eine zusätzliche Last zu ihrem ohnehin schon subtilen existentiellen Dilemmas auf. Doch als der Krieg verloren wurde mußte sich der letzte Zar Rußlands einer äu- ßerst schwierigen Situation stellen. Am 9. Januar 1905 bat ein Demonstrationszug Petresburger Arbeiter vor dem Winterpalais den Zaren in altrussischer Manier den Zaren um Aufmerksamkeit für das harte Los der Fabrikarbeiter. „Herrscher! Wir [...] sind zu Dir, Herrscher, gekommen, um Wahrheit und Schutz zu suchen.“28 Das Volk wollte zusammen mit dem Zaren das Land regieren, und daß er die unerträgliche Last der Armut und des Beamtentums von ihnen nehme. Hier waren also Forderun- gen nach demokratischen Zugeständnissen und einer konstitutionellen Monarchie. Die Demonstration geführt von dem Priester Gapon, war eine friedlich gesinnte De- monstration, die in die Geschichte als Bittprozession einging. Auf die Arbeiter, die Zarenbilder und Ikonen mit sich trugen, schossen Truppen des Zaren. Es gab min- destens 40 Tote und mehrere Verletzte. „Blutsonntag“ wird dieser Tag auch genannt, der nun in weiten Teilen Rußlands Unruhen und Streiks zur Folge hatte. Die Regie- rung verlor die Kontrolle über die revolutionäre Bewegung und machte letztendlich Zugeständnisse in Hinsicht auf das Verfassungsproblem. 1906 wurde eine Verfas- sung mit einem Parlament (Reichsduma) gewährt. Der Zar, der noch den Traum ei- nes Reiches nach traditionellen Gegebenheiten träumte, stellte nun bürgerliche Frei- heit in Aussicht. Die Duma sollte im Sinne der Gewaltenteilung mit legislativen Be- fugnissen ausgestattet sein und so zeichnete sich ein Weg zu einer konstitutionellen Monarchie in Rußland ab.

Doch es gab Zweifel an der Aufrichtigkeit der Zugeständnisse. Nicht zuletzt dadurch, daß der Zar sich ein Eingriffsrecht in die Belange des Parlaments beschaffte, die Duma nie wirklich ihre legislativen Aufgaben uneingeschränkt wahrnehmen konnte und der Zar das ursprünglich freie, allgemeine Wahlrecht in ein Zensuswahlrecht umwandelte, was eine Mehrheit der Rechtsparteien29 in der Duma bedeutete. Doch auch diese gingen nicht immer mit dem Zaren konform. So schien die parlamentari- sche Vertretung durch mehrmalige Auflösung und die Eingeschränktheit als lächer- lich. Man sprach von einem „Scheinkonstitutionalismus“, den der Zar wohl geschaf- fen hatte, um seine Macht zu erhalten und „der Meute zu geben, was sie bedarf“. Jedoch die politischen Kräfte waren nur vorübergehend gebändigt. Als Rußland 1914 an dem 1. Weltkrieg teilnahm, für den es übrigens mehr als unvorbereitet war und eine Schlacht nach der anderen verlor, regte sich erneut eine revolutionäre Stim- mung (nun auch unter den Soldaten), die ihren Höhepunkt im Jahre 1917 finden soll- te.

4. Das revolutionäre Jahr 1917

4.1. Die bürgerliche Februarrevolution

Nach den verlorenen Schlachten im 1. Weltkrieg und den Folgen, die dieser Krieg mit sich brachte, war der Niedergang des Zarentums schon abzusehen. Anfang 1914 waren alle Parteien außer einer Minderheit der Sozialdemokraten für den Eintritt Rußlands in den Krieg. Doch das wirtschaftlich rückständige Land konnte einen Krieg gegen das übermächtige Deutschland weder überstehen noch gewinnen. Es fehlte der Industrie an jeglicher Kapazität um ausreichend Waffen, Munition, Ausrüstung und Versorgungsgüter für die Millionen Soldaten, die an der Front verweilten, bereit- zustellen. Ab 1915 kam gerade wegen des noch zu gering entwickelten Eisenbahn- netzes besonders in den Städten zu Versorgungsengpässen sowie zu einer extre- men Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen. Durch die Sprunghaft ansteigenden Kriegskosten wurde das Geld entwertet, die Löhne sanken unter das Existenzminimum, und immer mehr Bauern und Arbeiter wurden an die Front ge- schickt. Daraus entwickelte sich erneut eine revolutionäre Stimmung, die sich in Streiks und Demonstrationen bemerkbar machte.

Angesichts der prikären Lage schloß sich die Mehrheit der Duma, mit Ausnahme ei- niger radikaler Rechter und Linker, zu einem interfraktionellen, „progressiven Block“ zusammen und forderte wegen der wachsenden Unzufriedenheit und der Versor- gungslage politische Reformen. Doch man kam zu keinem zwingenden Ergebnissen und wollte ebenso nicht mit dem autokraten Zarenregime brechen. Der Zar ignorierte indes die Warnungen und Forderungen und übernahm den Oberbefehl über die Ar- mee. Das hatte nun keine Erfolge dieser zur Folge, jedoch war der Zar weg vom poli- tischen Machtzentrum. So übernahm die Zarin Alexandra Fjodorowna eine inoffizielle Herrschaft. Unter Einfluß des Bauernmönches Rasputin setzte sie Minister ab und ernannte sie neu. Als eine Gruppe von Aristokraten Rasputin im Dezember ermorde- ten, erhoffte man sich vom Zaren einen Kurswechsel in seiner Politik. Aber dieser blieb hart und begünstigte gerade die Anhänger Rasputins am Hof.

Seit Januar 1917 fand in Petrograd30 eine Welle von Hungerdemonstrationen und Streiks statt, die nicht mehr zu enden schien. Am 8. März (23. Februar) zeichnete sich der vorläufige Höhepunkt revolutionärer Bestrebungen ab: Frauen mehrerer Be- triebe rufen zum Streik auf und Zehntausende demonstrieren nun gegen Hunger, Krieg und den Zaren. Die Demonstrationen weiteten sich zu Massenumzügen aus an denen bis zu 200 000 (mehr als die Hälfte des Petrograder Proletariats) Menschen teilnahmen Man forderte Frieden, Brot, höhere Löhne und endlich eine neue Regie- rung. Am 10. März kommt es in der Stadt zu Generalstreiks, Parolen wie „Nieder mit dem Krieg“ oder „Schluß mit der Autokratie“ wurden nun hörbar. Der Zar wußte sich nur zu Helfen mit einem Mittel, das er bereits 1905 angewendet hat. Doch die Kosa- ken, die er mobilisieren ließ, blieben neutral oder verbrüderten sich gar mit den Auf- ständischen.

Am 11. März erhielten zaristische Truppen den Befehl, den Aufstand niederzuschla- gen. Die Soldaten die in der Stadt stationiert waren bestanden zum größten Teil aus Rekruten und älteren Familienvätern, die den Krieg als sinnlos erachteten. Sie wei- gerten sich auf die Demonstrierenden zu schießen und liefen zu ihnen über. Mit die- ser Militärrevolte war die Revolution besiegelt. Es war die wirkliche Revolution, denn sie lag der im Oktober als unverzichtbare Basis zugrunde. Die Reaktion des Zaren war die Duma aufzulösen, womit er nichts wirkungsvolles getan hat, um speziell sei- ne Position zu stärken. Es war seine Dummheit und Unfähigkeit, die ihn selbst „unwil- lentlich zum größten Sponsor“ der Revolution machte. Am 12. März setzten Abge- ordnete der Duma ein Provisorisches Komitee zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung ein. Die Revolution setzte sich nun in der Hauptstadt durch, die Autokratie war beseitigt und die Revolution fand ein siegreiches Ende. Die Regierung um den Zaren erkannte ihre Machtlosigkeit und trat geschlossen zurück.

4.2. Die Periode der Doppelherrschaft

Etwa zeitgleich mit dem Provisorischen Komitee bildete sich auf Veranlassung der Menschewiki dein Provisorisches Exekutivkomitee des Arbeiterdeputiertenrates und am 13. März wurde in Petrograd ein Arbeiter- und Soldatenrat, der Petrograder Sow- jet, gewählt. In Absprache mit den Sowjets bildete das Provisorische Komitee eine Provisorische Regierung, aus der sich Vertreter der Räte raushielten. Alle potentiel- len Monarchen verzichteten auf den Thron: am 15. März Nikolaus II. für sich und sei- nen Sohn Alexander und am 16. der als nächstes in Frage kommende Bruder Niko- laus`. In den Städten wählten die Arbeiter Arbeiterräte auf dem Land und an der Front wählten Bauern und Soldaten Bauern- und Soldatenräte. Der Adel und das Bürgertum war von diesen Wahlen ausgeschlossen. Sie hatten ihre Vertretung in dem Provisorischen Komitee der Duma, das hauptsächlich aus bürgerlich-liberalen Politikern und Rechtsparteien bestand. Die Räte, auf russisch Sowjets genannt, ü- bernahmen legislative Aufgaben eines Parlaments und exekutive Aufgaben mit Hilfe der Exekutivkomitees. Die Zeit der Doppelherrschaft hat begonnen, da nun zwei Machtapparate nebeneinander fungierten. Doch welcher war der Stärkere? Das Ziel der Arbeiter, Bauern und Soldaten in den Räten war hauptsächlich ein schnelles Kriegsende zu finden. Doch darüber hinaus wollte man die „Verkollektivierung“ der Aufgaben in Fabriken und Betrieben: Arbeiter sollten selbst über den Kauf von Roh- stoffen, den Ablauf der Produktionsvorgänge und den Verkauf der Produkte bestim- men. Zudem sollte die Arbeitszeit in den Fabriken verkürzt werden. Die Bauern soll- ten Land von den Grundherrn erhalten, ohne dafür Entschädigung zu zahlen. Die Räte hätten durchaus leicht die Macht ergreifen können, die ihnen durch die Wahlen der Mehrheit der Bevölkerung zustand, doch wegen der Uneinigkeit in den eigenen Reihen und Angst vor der Verantwortung entzog man sich der Verantwortung. Die Menschewiki waren nach der Lehre Marx` gegen eine frühzeitige sozialistische Um- gestaltung, denn nach ihrer Meinung müßte das rückständige Rußland die Industria- lisierung erst mit Hilfe der Bourgeoisie und dem Bürgertum bewerkstelligen, damit schließlich die Bauern zu Industriearbeitern geworden seien. Dadurch sollte sich der Klassengegensatz zwischen der reicher werdenden Gruppe und der ausgebeuteten ärmeren Gruppe verschärfen, um so den Nährboden für eine Revolution zu schaffen.

Deshalb arbeiteten die Räte, die zu der Zeit meist von den Menschewisten bestimmt waren, vorerst mit den bürgerlich-liberalen Politikern zusammen.

Die Provisorische Regierung setzte sich aus den gleichen Vertretern zusammen, die 1915 den „Progressiven Block“ gebildet hatten. Eine Ausnahme als einiger Vertreter des gemäßigten Sozialismus bildete der Sozialrevolutionär und Justizminister Ke- renskij. Die Regierung, die von den Sowjets, dem OK des Heeres und der Marine, für souverän erklärt wurde, war anfänglich gar beliebt im Volk. Sie schafften Verände- rungen wie die Auflösung der zaristische Partei, garantierte Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit und hob jegliche Diskriminierung von Minderheiten auf. Jedoch da die Regierung keine Vertretung der Massen war, schien sie ebenso lächerlich wie verheißungsvoll. Sie hatte keine echte Macht, denn das Militär, die Eisenbahn, die Post ... befanden sich in der Hand bzw. unter dem Einfluß der Sowjets. „Tatsache ist einfach, daß die Provisorische Regierung nur solange besteht, wie es der Sowjet zu- läßt.“31 Eine wesentliche Aufgabe der Provisorischen Regierung bestand darin, die Wahlen zu einer konstituierenden Versammlung vorzubereiten. Die vorläufige Regie- rung konnte die grundlegenden Reformen, die gefordert wurden (z.B. Enteignung des adligen Grundbesitzes), nicht durchführen, da man diese Entscheidungsbefugnis nur der konstituierenden Versammlung zusprach. Doch die Wahl wurde hinausgezögert, da die liberalen Vertreter befürchteten, daß die Sozialisten sowieso die Macht erhal- ten wurden. Sie planten, die Macht zu sichern indem sie den Krieg fortsetzten. Was dem Zaren den Sturz eingebracht hat, wollte nun eine Regierung ohne Einfluß auf das Militär erreichen. Der Krieg war beschlossen: Rußland sollte sich bis zum Sieg an dem Krieg beteiligen. Dafür bekam Rußland fremdes Staatsgebiet am Bosborus zugesichert. Der Petrograder Sowjet empfand das als imperialistisch und lehnte die- se Pläne ab. Schließlich einigte man sich die Annexionspläne zu verwerfen und ohne das kriegsmüde Volk dabei zu berücksichtigen, den Krieg weiterzuführen. Die Regie- rung kümmerte sich also hauptsächlich mit der Kriegführung. Dringende Aufgaben die zu lösen waren wollten man der künftigen konstituierenden Versammlung über- lassen. So änderte sich nichts an der schlechten Versorgungslage, dem Tief der Wirtschaft, der Ordnung und (Arbeits-)Bedingungen in den Betrieben und man führte weder die längst überfällige Agrarreform durch, noch achtete man auf das Erstarken der konterrevolutionären Kräfte. Deshalb glaubten Arbeiter und Bauern, daß nun nur noch die Sowjets in der Lage wären, all die Probleme zu lösen. Bis Lenin am 16. Ap- ril aus dem Exil zurückkehrte, war die Politik der Sowjets, ein Schritt bei Schritt mit der Provisorischen Regierung. Doch Lenin forderte in seinen Aprilthesen: die soforti- ge Machtübernahme der Sowjets, sofortige Beendigung des Krieges, der Sturz des Kapitals, die Enteignung des adligen Grundbesitzes, die Übernahme der Produkti- onsmittel in die Hände der Arbeiter und keine Zusammenarbeit mit der Provisori- schen Regierung. Erst nach einiger Zeit schaffte es Lenin die Bolschewiki, die im- merhin noch eine Minderheit waren, hinter sich zu bringen. „Friede, Land, Brot“ und „Alle Macht den Sowjets“ waren die Parolen der Bolschewisten. Im Mai fand Lenin einen weiteren Gefährten, der später von großer Bedeutung für ihn sein sollte: Leo Trotzki kehrte aus dem Exil in den USA zurück und schloß sich nach kurzem zögern Lenins Politik und den Bolschewisten an. Am 18.Mai des Jahres gliederten sich Ver- treter der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre in die Regierung ein. Kerenskij wurde jetzt Kriegsminister und befahl am 29. Juni die Brussilow-Offensive, die in ei- nem Desaster endete und zudem eine fast komplette Auflösung der Armee zu Folge hatte. Die Disziplin sank oder war gar nicht mehr vorhanden und die Soldaten verlie- ßen die Front. Zum einen, wegen dem Krieg zum anderen wollten sie in der Heimat etwas Land abbekommen, denn Lenin versprach sofortigen Frieden und das ganze Land unter den Bauern aufzuteilen. Somit fanden die Bolschewiki neue Anhänger aus der bisherigen Armee. Die Soldaten traten zu den Bauern und Arbeitern, deren Forderungen im Inneren des Landes aufgrund des Krieges weiterhin ignoriert und nicht erfüllt wurden. Um die Aufregung zu besänftigen, organisierte der Sowjet De- monstrationen, auf denen jedoch nun verhäuft bolschewistische Parolen zu hören waren. Am 17. Juli fand ein bewaffneter Aufstand gegen die Regierung statt, der den Bolschewisten angerechnet wurde. Es wurde am Taurischen Palais (Sitz des Sow- jets) von dem Petrograder Sowjet gefordert, endlich die Macht zu übernehmen. Die Bolschewiki übernahmen die Führung für die Demonstrationen, doch als Kerenskij drohte den Aufstand mit Gewalt niederzuschlagen, beendeten die Bolschewiki diese. Lenin wurde ein Putschversuch angehängt - er konnte gerade noch als Frau verklei- det nach Finnland fliehen - und die Publikationen der Bolschewiki wurden verboten. Andere Führer, wie Totzki, wurden verhaftet. Der Juliputsch hatte aber auch Auswir- kungen auf die Regierung: die Koalitionsregierung zerbrach und der Ministerpräsi- dent Lwow trat zurück, da er die von den Sozialisten zugesagte Agrarreformen ab- lehnte. Neuer Ministerpräsident wurde Kerenskij. Ab dem 29. Juli (10. August) be- stand eine neue Koalitionsregierung, die nun fast ausschließlich aus Menschewiki und Sozialrevolutionären bestand. Jedoch auch diese Regierung setze den Krieg fort und an den sozialen Verhältnissen änderte sich schier gar nichts. Nach wie vor wa- ren Reformen der konstituierenden Versammlung reserviert, deren Wahl immer noch nicht stattgefunden hat. Die Streiks wuchsen in der Folgezeit und die Bolschewiki gewannen immer mehr an Einfluß. Von der einstigen Minderheit haben sie sich zu einer ernstzunehmenden politischen Größe entwickelt. Ein Versuch angesichts der prikären Lage, eine Militärdiktatur zu errichten, war das Anliegen des Oberbefehlsha- ber des Heeres Kornilow. Doch die Eisenbahn, die unter Einfluß der Bolschewisten stand weigerte sich Kornilows Truppen in die Hauptstadt zu transportieren. Und nach und nach desertierten seine Soldaten auf den Fußmarsch in Richtung Petrograd, so daß sich seine Armee noch auflöste bevor er das Ziel erreicht hat. Die Arbeiter waren nun bewaffnet und organisiert um die Stadt zu verteidigen. Die Bolschewisten erlang- ten zum ersten Mal die Mehrheit im Sowjet und Trotzki, der aus dem Gefängnis ent- lassen wurde, war neuer Präsident dessen. Da nun auch noch das Vertrauen in die Regierung endgültig fort war, traten Minister zurück und ein fünfköpfiges Direktorium übernahm die Regierun, bis zum 26. September (8. Oktober), wo eine neue Regie- rung gebildet wurde weiterhin unter Kerenskij).

Am 9. (22.) Oktober wollte Kerenskij die Petrograder Garnison an die Front verlegen, um sie aus dem revolutionären Schwerpunkt zu entfernen. Doch die Garnison widersetzte sich. Daraufhin bildete man am 16. (29.) Oktober das sogenannte Revolutionäre Militärkomitee, das unter Trotzki und den Bolschewisten zur „revolutionären Verteidigung“ der Hauptstadt dienen sollte. So war der Sturz der Regierung vorprogrammiert. Sie nun nicht nur das Vertrauen im Volk verloren sondern jegliche Druckmittel unfreiwillig aus der Hand gegeben.

4.3. Die Oktoberrevolution

Die Zeit drängte, denn Lenin wußte allzu gut, daß er und seine Partei bei den Wahlen zur konstituierenden Versammlung keine Mehrheit erlangen können. Er sah die Not- wendigkeit eines Aufstands bereits Ende September. Die Partei lehnte erst solche Pläne ab doch am 10. (23.) Oktober, als sie auch die Mehrheit im Petrograder Sowjet erlangte, wurde der bewaffnete Aufstand und die Machtübernahme zum Programm. Am 12. (25.) Oktober hatte man ein Revolutionäres Militärkomitee gebildet, das ei- gentlich Schutz vor Konterrevolutionären und der deutschen Armee als Hauptaufga- be, nun aber eine zentrale Funktion während des Umsturzes hatte. Über den Allrussischen Sowjetkongress am 24. Oktober (6. November) versuchten die Bolschewiki die Macht der Regierung zu entreißen. Sie forderten, daß die Räte die Regierungsgewalt sofort übernähmen. Der Aufstand begann. Unter der Führung Trotzkis, besetzten die Revolutionäre, darunter übergelaufene Militäreinheiten, wichtige Positionen in der Hauptstadt. In der folgenden Nacht besetzten bewaffnete Arbeiter, Soldaten und Matrosen das Winterpalais (Sitz der Provisorischen Regierung) und verhafteten die Regierung. Kerenskij konnte fliehen.

Im Sowjetkongreß mußten sich die Bolschewisten dem Vorwurf erwehren, eine Verschwörung gegen den Kongreß geplant und durchgeführt zu haben. Die Sozialrevolutionäre und Menschewisten forderten von den Bolschewisten mit ihnen die Macht zu teilen. Doch die Bolschewisten und die linken Sozialrevolutionäre erkannten den Staatsstreich umgehend an und verweigerten den anderen Vertretern ihren Anspruch auf Machtbeteiligung. Daraufhin verließen diese den Kongreß, womit nun die Bolschewisten eine Mehrheit in dem wohl bemerkt demokratisch gewählten Kongreß besaßen. Damit erhielten sie also ganz legitim die Macht.

Am Morgen nach der weitestgehend unblutig verlaufenen Revolution (25. Oktober bzw. 7. November), gab der Kongreß bekannt nun die Regierungsgewalt an sich zu nehmen. Trotzki gab bekannt: „Die Provisorische Regierung ist abgesetzt [...] das Revolutionäre Militärkomitee [...] (hat) die Staatsgewalt übernommen“32 und Lenin sagte: „Wir gehen jetzt zum Aufbau der sozialistischen Ordnung über.“33 Das Hauptaugenmerk der gesamten Revolution richtete sich vornehmlich auf die Hauptstadt und wurde auch dort entschieden. Nun ging man an die Großen Aufgaben: Frieden, Grund und Boden und die Bildung einer neuen Regierung.

5. Die Folgen und Auswirkungen der großen sozialistischen Revolution

5.1. Die neue Regierung und der Bürgerkrieg

Die neue Regierung beschloß, daß das Recht auf privaten Grundbesitz als aufgeho- ben gilt. Nur dem solle das Land gehören, der es auch mit seinen Händen bestellt. Das Land wurde unter den Landarbeitern je nach Arbeit und Verbrauch und den loka- len Gegebenheiten aufgeteilt. Die Beschäftigung von Lohnarbeitern auf dem Land war ab jetzt verboten. In Sachen Krieg forderte der Kongreß einen sofortigen Waf- fenstillstand und Frieden ohne die Annexionen. Aufgrund dieser Veränderungen fand der Sowjetkongreß weitestgehend Zustimmung unter der Bevölkerung. Der Kongreß sollte nun die Rolle der Gesetzgebenden Versammlung übernehmen. Für die Exeku- tive, also die Ausübung der Beschlüsse des Kongresses, bildete sich der „Rat der Volkskommissare“ dessen Vorsitzender Lenin war. Er war somit auch Regierungs- chef. In der Folgezeit wurden Banken und Industrie verstaatlicht und die Produkti- onsmittel gingen in die Hände der Arbeiter über.

Die frei gewählte konstituierende Versammlung (25. November bzw. 8. Dezember) war in der Mehrheit geprägt von Sozialrevolutionären (53%) - nicht von Bolschewis- ten (25%) und das hatte Lenin so ja erahnt. Doch diese Verfassungsgebende Ver- sammlung bestand nicht lange: Lenin war der Ansicht, daß seine Prinzipien zur Um- gestaltung Rußlands nur gegen den Willen der anderen revolutionären Parteien durchgesetzt werden konnte. Und das mit Gewalt. Der Rat der Volkskommissare hinderte die Verfassungsgebende Versammlung am Zusammentreten und löste sie alsbald auf. Das bedeutete jetzt die alleinige Macht für die „Arbeiter- und Bauernregierung der russischen Räte“.

Am 7. Dezember 1917 gründete man die Tscheka. Das war eine Kommission zur Bekämpfung konterrevolutionärer Umtriebe, aber vielmehr eine Sicherheitspolizei mit unbeschränkter Macht. Alle nichtbolschewistischen Kräfte sollten so verfolgt, unterdrückt oder gar hingerichtet werden. Der Terror hat begonnen.

Seit Oktober 1917 befand sich das russische Vielvölkerreich in der Auflösung: Die Völker des Kaukasus die Finnen und die Esten erklärten sich noch 1917 für unabhängig; 1918 folgten die Ukrainer, Georgier, Weißrussen

Um endgültigen Frieden zu schaffen, ging die Regierung am 3. März 1918 den Frie- den von Brest-Litowsk ein Für Rußland bedeutete deieser Vertrag empfindliche Ge- bietsverluste, die nicht zuletzt auch Einfluß auf die Wirtschaft haben sollten. Darauf- hin regten sich auch bald Gegenrevolutionäre Kräfte, so daß bald ein Bürgerkrieg (1918-1920) begann. Kornilow sammelte starke Streitkräfte um sich - die weiße Ar- mee. Die Ententemächte intervenierten in Rußland. Den Gegenrevolutionären Kräf- ten fehlten jedoch einheitliche Zielsetzung und Koordination der militärischen Aktio- nen, so daß sie nacheinander von der Roten Armee unter Trotzki geschlagen wur- den.

5.2. Folgen des Kommunismus bzw. des Versuches einen solchen zu errichten

Es war keine Revolution die in Vergleich zu der Französischen Revolution gut hundert Jahre zuvor zu setzen wäre. Sie ist ohne großes Blutvergießen ohne revolutionäres Tamtam von statten gegangen. Und im Grunde genommen war die Oktoberrevolution nicht die wahre Revolution - das war dann schon eher die im Februar des Jahres 1917. Es war lediglich eine geschickt initiierte Machtergreifung. Diese war möglich da ein überaus intelligenter Mann die Chancenlosigkeit seiner Partei im demokratischen Prozeß erkannt hat und den Moment der Unruhe genutzt hat um mit seiner Anhängerschaft den bewaffneten Aufstand zu besorgen.

Aber es war auch eine besondere Revolution, denn sie war Vorbild für zahlreiche andere kommunistische Revolutionen, sei es freiwillig (Vietnam) oder unfreiwillig (Af- ghanistan). Sie brachte einen ersten dauerhaften sozialistischen Staat hervor, je- doch im gleichen Zuge schuf sie zwei verfeindete Lager. Der Kalte Krieg hatte be- gonnen. Raketen richteten sich fast ein ganzes Jahrhundert gegen den verfeindeten Kapitalisten und auf der anderen Seite sah das nicht anders aus. Krisen waren in der Folgezeit vorprogrammiert (Kubakrise) und ließen nicht selten einen dritten Weltkrieg erahnen. Warschauer Pakt und NATO standen sich bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts gegenüber.

Doch es wäre falsch von Kommunismus zu reden und dabei den prérevolutionären Staat, der sich so schleichend totalitär entwickelt hat, zu meinen. Der Kommunismus im Sinne seiner Zielsetzung wurde so niemals erreicht. In keinem Land der Erde. So wäre es doch blasphemisch zu sagen der Kommunismus sei gescheitert. Der Ver- such seiner Anwendung im Experiment, das das größte Land der Erde als Versuchs- objekt hatte, ist lediglich gescheitert. Und das lag nicht zuletzt an der Machtgier der Herrschenden. Denn die Phase der Diktatur des Proletariats, oder besser nach dem frühen Leo Trotzki: „Diktatur über das Proletariat“, wurde niemals überwunden. Und so ist vielleicht doch ein Fehler in der Ideologie auszumachen, die wohlmöglich nur den idealistischen Menschen gemeint hat. Bakunin redete von der Korruption, der sich die hingeben, die die Macht haben.

Der Begriff Herrscher oder Regierungschef darf im kommunistischen Zusammenhang schon gar nicht erwähnt werden, denn als Ziel gilt immerhin Leben ohne Herrschaft von Menschen über andere Menschen.

Nun mag der moderne oder überzeugte Kommunist sagen, der Versuch scheiterte da er nicht wie von Marx gewollt international, sondern nach Lenin und Stalin auf na- tionalem Territorium begrenzt versucht wurde. Denn die erwarteten Revolutionen in den anderen Länder blieben entgegen den Erwartungen aus. Doch der autokrate Stalin tat alles seinen sozialistischen Staat zu erhalten. Ihm ist zu verdanken, daß Rußland mit dem Westen wettrüstete und so zur Weltmacht aufstieg. Aber er verstand es auch seiner Bevölkerung vorzuschreiben, wie man kommunistisch zu denken hat und die, die das eben nicht nach seiner Denkweise taten, landeten als- bald im Gulak. So steht im „Schwarzbuch des Kommunismus“ dieser hätte an die 50 Millionen Menschenleben gekostet (ohne die Kriegsopfer) - das sind mehr als der 2. Weltkrieg forderte. In China sind es vielleicht so viele, wie die BRD Einwohner hat. Im Fazit kann man sagen, daß das Projekt als gescheitert zu betrachten ist und weil der Ruf des Kommunismus mit dieser Form der Auslegung der Praxis, besudelt wur- de, ist dieser von vornherein abzulehnen.

6. Anhang

7. Platons 3-Stände-Theorie: Platons bedeutendstes politisches Werk, die Politeia, beschäftigt sich mit dem Problem der Gerechtigkeit und der Idee der Gerechtig- keit entsprechenden Staatsverfassung.Platon zufolge setzt sich der ideale Staat aus drei Ständen zusammen. Für die wirtschaftliche Struktur des Staates ist der Stand der Gewerbetreibenden zuständig. Die Sicherheit des Volkes wird von dem Stand der Krieger gewährleistet und die politische Leitung von den Philo- sophen oder weisen Königen gebildet. Der Stand eines Individuums wird durch seine Erziehung bestimmt. Ziel der Erziehung ist die Weisheit. Diese zu errei- chen ist freilich nicht jedem bestimmt. Tatsächlich ist Platons ideales Erzie- hungssystem so aufgebaut, dass es hauptsächlich auf die Ausbildung von Phi- losophen oder Königen ausgerichtet ist.Platon baut seine Standeseinteilung im idealen Staat auf die traditionellen griechischen Tugenden auf. Mäßigung ist die einzigartige Tugend der Gewerbetreibenden, Tapferkeit die typische Tugend des Kriegerstandes und Weisheit charakteristisch für die Herrscherklasse. Die Gerechtigkeit als vierte Tugend entspricht der Gesellschaft als Ganzem. In dem gerechten Staat nimmt jeder einzelne Stand seine Aufgabe wahr, ohne dabei die Tätigkeit der anderen Stände zu beeinträchtigen.Die menschliche Seele ist nach der Auffassung Platons dreigeteilt, und zwar in die Vernunft, den Willen und die Begierden. Der gerechte Mensch kontrolliert die Begierden durch die Vernunft, mit Unterstützung des Willens. Diese Dreiteilung steht offensichtlich in Analogie zu dem Dreiständeaufbau des Staates, in welchem der erleuchtete Philosoph oder König die restliche Gesellschaft mit Unterstützung der Krieger regiert.

15. Michil Bakunin: Bakunin, Michail Aleksandrowitsch (1814-1876), russischer Re- volutionär und Anarchist, geboren in Prjamuchino in der Nähe von Moskau. Ba- kunin entstammte einer altadligen Familie und schlug zunächst eine Militärlauf- bahn ein. Er war Offizier der kaiserlichen Garde, schied dann aber unter dem Einfluss der radikalen Moskauer „Westler“ aus dem Dienst aus und lebte ab 1841 in Dresden und Paris, wo er 1844 Karl Marx und Pierre Joseph Proudhon kennen lernte, und in der Schweiz; 1848/49 engagierte er sich in den Revolutio- nen in Paris und in Deutschland. Wegen seiner Beteiligung am Dresdner Auf- stand im Mai 1849 wurde Bakunin in Sachsen zum Tode verurteilt, vor der Voll- streckung des Urteils jedoch nach Russland ausgeliefert. In Russland wurde er dann zunächst in der Peter-und-Pauls-Festung in Sankt Petersburg in Einzelhaft festgehalten; hier schrieb er seine revolutionär-anarchistischen Theorien nieder und sandte sie 1857 als Bittschrift an Zar Alexander I. Daraufhin wurde er in Abmilderung seiner Strafe nach Sibirien verbannt. 1861 konnte er fliehen und gelangte über Japan und die USA nach London. Seither widmete sich Bakunin beinahe ausschließlich der Verbreitung seines anarchistischen Gedankengutes in ganz Europa. 1863 organisierte er den polnischen Aufstand mit; außerdem rief er in Russland anarchistische Bewegungen ins Leben, die in der Folge meh- rere Attentate auf hochrangige russische Politiker und Militärs durchführten. Ab 1864 nahm Bakunin an der Ersten Internationale teil, wurde aber zusammen mit seinen Anhängern 1872 wegen seiner zunehmenden Parteinahme für den A- narchismus und nach seinem Bruch mit Marx ausgeschlossen. In den siebziger Jahren lebte er u. a. in Italien, wo er ebenfalls eine anarchistische Organisation, die spätere Alianza della Rivoluzione Sociale, gründete.Grundlage der anarchis- tischen Theorie Bakunins war die uneingeschränkte Freiheit des Individuums. Ziel war die Errichtung einer klassenlosen, auf dem Individuum gegründeten Gesellschaft, in der jegliche staatliche Autorität überflüssig wäre und in der alle Produktionsmittel in Allgemeineigentum überführt werden sollten. Erreicht wer- den sollte dieses Ziel auf dem Wege der Revolution.

20. Panslawismus, der zunächst für die slawische Sprachgemeinschaft geprägte Begriff wurde nach 1830 für eine politisch-kulturelle Doktrin gebräuchlich, die den Zusammenschluss der verschiedenen slawischen Völker Osteuropas for- derte. Auf dem Slawenkongress in Prag 1848 wurden die Vormachtansprüche Russlands, das die Bewegung für die eigene Großmachtpolitik auszunutzen suchte, zurückgewiesen und die Stärkung der kleineren slawischen Völker ge- fordert. Nachdem 1863 der polnische Aufstand niedergeschlagen worden war, blieb Polen dem zweiten Slawenkongress, der 1867 in Moskau stattfand, fern. In Russland wurde der Panslawismus, der dort insbesondere im Vorfeld des Russisch-Türkischen Krieges 1876/77 viele Anhänger gefunden hatte, in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts von einem „Panrussismus“ abgelöst. Nach der russischen Revolution von 1905 kam es zu einem Widererstarken des Panslawismus, 1908 fand in Prag ein weiterer Kongress statt. Vor und während des 1. Weltkrieges waren panslawistische Ideen in Tschechien und insbesonde- re Serbien wirksam, wo ein großserbisches Reich propagiert wurde. Die zum Teil erbitterte Feindschaft einzelner slawischer Völker untereinander ließ den Panslawismus in der Folge jedoch weitgehend bedeutungslos werden, auch wenn er in der Form der „Slawischen Solidarität“ gegen Hitler-Deutschland kurzzeitig wieder auflebte. Die wohl in absehbarer Zeit unüberbrückbaren Ge- gensätze der slawischen Völker auf dem Balkan sind nicht zuletzt durch den Bosnisch-Kroatisch-Serbischen Krieg 1991 bis 1995 überdeutlich geworden 30. St. Petersburg vor dem Krieg, dann Petrograd, nach Lenins Tod Leningrad, und nun nach dem Ende der SU wieder St. Petersburg

7. Literaturverzeichnis

1. Bertelsmann Lexiko Disc, Bertelsmann Lexikon Verlag, Version 3.0, Gütersloh, München, 1995
2. Compact Wörterbuch, Fremdwörterbuch, Compact Verlag, München, 1994
3. Das Manifest der Kommunistischen Partei, unbekannt da Booklet zerstört
4. Duden
5. Encarta 98 Enzyklopädie, Microsoft
6. Georg von Rauch, Die Geschichte der Sowjetunion, Alfred Kröner Verlag, Stutt- gart, 8. Auflage, 1990
7. Geschichtbuch, Band 4, Die Menschen und ihre Geschichte in Darstellungen und Dokumenten, Cornelsen Verlag, Berlin, 1. Auflage, 1990
8. Geschichte in Übersichten, Wissensspeicher für den Unterricht, Volk und Wissen Verlag, Bnerlin, 4. Auflage, 1988
9. Grundwissen Geschichte, Ernst Klett Schulbuch-Verlag GmbH, Stuttgart, 1. Auf- lage, 1994
10. Horst Stowasser, Leben ohne Chef und Staat - Träume und Wirklichkeit der A- narchisten, Karin Kramer Verlag, Berlin, 2. Auflage, 1997
11. Informationen zur politischen Bildung, 235, Die Sowjetunion 1917-1953, 2. Quar- tal 1992, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, Mai 1992
12. J. Stalin über Lenin, Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau, 1946
13. Kleines Lexikon A-Z, VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig, 2. Auflage, 1960
14. Lebendige Vergangenheit 4, Ernst Klett Schulbuch-Verlag, Stuttgart, 1. Auflage, 1990
15. Marx Engels Lenin - Über den Sozialismus, Dietz Verlag, Berlin, 1989
16. Spiegel Spezial, Die Katastrophe des Kommunismus - Von Marx bis Gorbat- schow, Nr. 4/1991, Spiegel Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG, Dezember 1991
17. W.I.Lenin - Über die Pariser Kommune, Ein Sammelband Bücherei des Marxis- mus - Leninismus, Band 34, Dietz Verlag, 2. Auflage, 1952
18. Weltgeschichte, Band 10 und Band 12, Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Gü- tersloh, 1996

8. Bemerkungen

1. Es ist Möglich, daß aufgrund der verschiedenen Kalender, die in Rußland und Europa bis 1917 verwendet wurden, fehlerhafte Datumsangaben auftreten
2. Auf biographische Angaben zu den einzelnen Vertretern einer Ideologie oder ei- ner Epoche wird weitestgehend verzichtet
3. Aufgrund der aus verschiedener Zeit (DDR vs. BRD) stammender Literatur, sollte eine gewisse Objektivität erreicht worden sein; es wird jedoch kein Anspruch dar- auf erhoben und einzelne parteiische Elemente sind nicht von der Hand zu wei- sen
4. Auf ein extra Quellenverzeichnis wird verzichtet, da Fußnoten am Ende der Seite eine einfachere Einordnung der Quelle ermöglichen
5. Die zusätzlichen Informationen im Anhang sind zu 100% aus der Encarta 98 En- zyklopädie übernommen
6. Für weitere Übereinstimmungen von Wortlauten: hier fehlt nicht etwa der Quel- lennachweis, sondern die Übereinstimmung ist ungewollt, unbewußt oder die Quelle ist unbekannt
7. Aufgrund mangelnder Zeit wurde das letzte Kapitel durchaus kurzgefaßt, das ist mir auch durchaus bewußt, dennoch sind wohl die wichtigsten Sachverhalte er- wähnt
8. Mit dieser Arbeit soll auf keinen Fall die Position der Kommunisten bezogen wer- den und auch keine spießbürgerlich, pseudoliberalen Ansichten vertreten werden
9. Hiermit erkläre ich, die vorliegende Arbeit selbständig und nur mit der angegebe- nen Literatur angefertigt zu haben.

[...]


1 in ganz Europa (in unterschiedlicher Zeitfolge)

2 Spiegel Spezial S. 15, Spalte 3, Absatzende

3 “Bourgeoisie“, Microsoft(R) Encarta(R) 98 Enzyklopädie 1993-1997 Microsoft Corporation

4 Leszek Kolakowski, Die Haupströmungen des Marxismus, 1976, Band 1, S. 209

5 Platon (um 428 bis ca. 347 v. Chr.)

6 Aristoteles: griechischer Philosoph, der das Modell der Elitedemokratie entwarf

7 3-Stände-Theorie Platons: siehe Anhang

8 Spiegel Spezial S. 16, Spalte 1, Absatz 2

9 I. Kant (1724-1804) Quelle: provokant, Ausgabe Mai 1999

10 “Utopischer Sozialismus“, Microsoft(R) Encarta(R) 98 Enzyklopädie 1993-1997 Microsoft Corporation

11 Spiegel Spezial S. 16, Spalte 2, Absatz 3

12 Fichte, Spiegel Spezial S. 16, Spalte 3, Absatz 2

13 Zitat des deutschen linksliberalen Reichtagsabgeordneten Eugen Richter, utopischer Roman „Sozialdemokratische Zukunftsbilder“, vor 100 Jahren, Quelle: Spiegel Spezial S. 16, Spalte 3, Absatz 4

14 Lenin, Kleines Lexikon A-Z, VEB Verlag Enzyklopädie, Leipzig, 1960, 2. Auflage

15 Michil Bakunin: siehe Anhang

16 W. I. Lenin - Über die Pariser Kommune, Verlag neuer Weg, Berlin, 1946, S. 25, Absatz 2

17 Spiegel Spezial S. 17, Spalte 2, Absatz 1

18 20. Tage im 20. Jahrhundert, ARD, April 1999

19 Georg von Rauch, Geschichte der Sowjetunion, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1990, 8.Auflage, S. 2, Absatz 2

20 Panslawismus: siehe Anhang

21 Zitat Bakunin, Quelle: Georg von Rauch, Geschichte der Sowjetunion, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1990, 8.Auflage, S. 4, Absatz 2

22 Georg von Rauch, Geschichte der Sowjetunion, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1990, 8.Auflage, S. 7, Absatz 1 (Die Anfänge des Marxismus in Rußland)

23 Georg von Rauch, Geschichte der Sowjetunion, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1990, 8.Auflage, S. 7, Abs. 2

24 unbekannt

25 Georg von Rauch, Geschichte der Sowjetunion, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1990, 8.Auflage, S. 14, Absatz 2 (Lenins Aufstieg)

26 Diese Namen sagen nichts über die „Anhängerschaft“ im Volk aus

27 Georg von Rauch, Geschichte der Sowjetunion, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1990, 8.Auflage, S. 20, Absatz 4 (Lenins Aufstieg)

28 Informationen zur politischen Bildung, 235, Die Sowjetunion 1917-1953, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 2. Quartal 1992, S. 3, Aus der Petition der St. Petersburger Arbeiter, Absatz 1

29 andere Parteien siehe Abschnitt/ Kapitel 2.2.1. und 2.2.2.

30 Petrograd: siehe Anhang

31 “Russische Revolution 1917“, Microsoft(R) Encarta(R) 98 Enzyklopädie 1993-1997 Microsoft Corporation

32 Informationen zur politischen Bildung, 235, Die Sowjetunion 1917-1953, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 2. Quartal 1992, S. 9, Staatsstreich der Bolschewiki, Absatz 1

33 unbekannt

Details

Seiten
25
Jahr
1999
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106025
Note
15 Punkte
Schlagworte
Sozialismus Kommunismus Russische Oktoberrevolution

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Titel: Sozialismus, Kommunismus und die Russische Oktoberrevolution 1917