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Mörike, Eduard - Mozart auf der Reise nach Prag

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 8 Seiten

Leseprobe

Mozart auf der Reise nach Prag

1.Über den Autor

1.1 Biografie des Autors: Eduard Mörike (08.09.1804 - 04.06.1875)

Eduard Mörike wurde am 08.09.1804 im schwäbischen Ludwigsburg geboren. Er entstammte als siebtes von insgesamt dreizehn Kindern einer Arztfamilie. In Ludwigsburg besuchte er die Lateinschule. Im Jahre 1817 verlor Mörike (damals 13 Jahre alt) seinen Vater Karl Friedrich. Seine Mutter Charlotte Dorothea beschloss, mit den Kindern zu ihrem Bruder nach Stuttgart zu ziehen. Sein Onkel ermöglichte ihm den Besuch des angesehenen „Gymnasium illustre“. Mörike war kein guter Schüler und zeichnete sich mehr durch Arreststrafen als durch gute Leistungen aus. Mit 14 Jahren trat er in das niedere theologische Seminar in Urach ein und begann vier Jahre später mit seinem Theologiestudium am Tübinger Stift. Während des Theologiestudiums in Urach und im Stift Tübingen lernte er Freunde (Johannes Mäherlein, Wilhelm Waiblinger, Ludwig Bauer, Wilhelm Hartlaub) kennen, die ihn anregten, sich mit Dichtung zu beschäftigen. So wurde Goethe zu seinem großen Vorbild, nachdem er sich mit einigen seiner Gedichte auseinandergesetzt hatte. Er begann, selbst zu schreiben. Zusammen mit seinem Freund Ludwig Bauer schrieb er die „Orplid - Dichtungen“. Zu dieser Zeit hatte er außerdem eine mysteriöse Beziehung mit Maria Meyer, die Verwirrung in seinem Leben auslöste. Er verarbeitete seine Gefühle und Gedanken in seinen Gedichten („Peregrina - Gedichten“) und in seinem unvollendeten Roman „Maler Nolten“ in dem man Maria als Zigeunerin Elisabeth erkennt. Mit 22 Jahren ( Oktober 1826) legte er sein theologisches Examen in Tübingen ab.

Nach dem Examen wanderte Mörike acht Jahre lang als Vikar von einem schwäbischen Ort zum anderen. Zu seiner Vikariatszeit entstanden zwei seiner berühmtesten Gedichte; „Septembermorgen“ und „Er ist´s“. Der Zwang, der seinen Beruf als Vikar mit sich brachte, belastete ihn sehr. Er hatte sich nur aus finanziellen Problemen zur Ausbildung in einer Klosterschule entschieden. Zudem starb seine Schwester Luise, zu der er ein gutes Verhältnis hatte. Mörike litt an Depressionen, glaubte, seinen Beruf nicht mehr ausüben zu können und schimpfte auf die „Vikariatsknechtschaft“. Viel lieber wollte er als freier Schriftsteller und Dichter in Stuttgart leben. 1828 arbeitete er an einer Stuttgarter Damenzeitung als novellistischer Mitarbeiter, erfolglos ( die gescheiterte Liebe zu Louise Rau bedrückte ihn zusätzlich). So blieb ihm nichts übrig als im Alter von 30 Jahren eine Stelle als Pfarrer in Cleversulzbach bei Heilbronn anzutreten. Dort lebte er neun Jahre glücklich (kurze Krise aufgrund des Todes seiner Mutter), dann ließ er sich frühzeitig pensionieren und führte weiter ein unstetes Leben. In Mergentheim lernte er Margarethe (Gretchen) von Speeth, Tochter eines bayrischen Offiziers, kennen. Er heiratete sie 1851 nach 7 Jahren Verlobung trotz ihres katholischen Glaubens. Aus der unglücklichen Ehe mit vielen Krisen entstammen 2 Mädchen (Fanny und Marie). Es gab viele Differenzen zwischen Ehefrau und Schwester, die weiterhin im Haus lebte. Auch die Konfessionsunterschiede spielten eine Rolle.

Um seine Pension aufzubessern hielt er Literaturvorlesungen (sogenannte „Fräuleinslektionen) am Katharinenstift in Stuttgart. 1855 war er kurzzeitig sogar Hofrat. 1856 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen wegen seinen Prosawerken „Das Stuttgarter Hutzelmännchen“(Märchen, 1853) und „Mozart auf der Reise nach Prag“(Novelle, 1856), sowie einigen Gedichten, die er während seiner Ehe schrieb. Durch diese Auszeichnung wurde er bekannt und berühmte Schriftsteller wie Storm, Geibel, Heyse und Turgenjew nahmen Kontakt zu ihm auf und besuchten ihn.

Im Alter von 69 Jahren (1873) ließ er sich noch von seiner Frau scheiden. Darauf folgten mehrere Wohnortswechsel. Krank und einsam ging er dem Tod entgegen („Wie ein Reis zerbrochen lag ich da.“). Am 04.06.1875 starb Mörike einsam an seiner Krankheit in Stuttgart und wurde auf dem Pragfriedhof (Stuttgart) begraben.

1.2 Entstehung der Geschichte

Die Episode auf dem Schloss ist so lebendig und anschaulich dargestellt, dass eine Reise von Mörike von Wien nach Prag vermutet wurde. Doch Mörike schrieb, dass er sich nicht an eine literarische Quelle hielt, sondern dass „das früher hier und dort gelesene an ihm haftete, weil es sich im Laufe der Zeit unvermerkt zu dem Bild von Mozart gefügt hatte, welches er längst in sich trug.“1 Es wurde vermutet, dass das Schloss in Gratzen als Vorbild für Mörikes Schloss diente. Mörike hatte keine Reise von Wien nach Prag unternommen. Er hatte die Geschichte frei erfunden. Aber er hatte sich gründlich über Mozarts Bekannte informiert und setzt dies auch voraus. Die Personen werden oft nur kurz angesprochen. Wann Mörike mit der Arbeit begann, ist nicht genau nachzuweisen. Erwähnt wurde die Arbeit zum ersten Mal im Briefwechsel zwischen Mörike und Wilhelm Hartlaub am 8. Juni 1847. Erst in Briefen von 1852 und 1853 kann man direkt nachweisen, dass Mörike mit der Arbeit begonnen hat. Mörike selbst hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ein „kleines Charaktergemälde aufzustellen, wobei vorzüglich die heitere Seite zu lebendiger, konzentrierter Anschauung gebracht werden sollte“2. Mörike verlangte 300 Gulden für sein Werk, dass 1855 in der Zeitung von Cotta in vier Ausgaben erschien. Die zweite Auflage erschien im Januar 1856 zu Mozarts 100. Geburtstag.

1.3 Werke

Gedichte: Peregrina- Gedichte, An einem Wintermorgen vor Sonnenaufgang (1825),Septembermorgen (1828), Im Frühling (1828), Er ist´s (1828) u.a.

Roman: Maler Nolten

Erzählungen: Lucie Gelmeroth (1834), Der Schatz (1835), Der Bauer und sein Sohn (1838)

Märchen: Das Stuttgarter Hutzelmännchen (1853)

Novelle: Mozart auf der Reise nach Prag (1856)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.4 Biedermeier (1815-1848)

Mörike ließ sich vom Stil des Biedermeier inspirieren.

Das Biedermeier ist die Stilbezeichnung für Formen der deutschen Wohnkultur, Malerei und Literatur. Die Möbel (heute Biedermeiermöbel; sehr begehrt) waren zweckmäßig, zierlich und vor allem handwerklich vorzüglich gearbeitet. Helle geblümte Stoffe und weich geschwungene Linien bestimmten den Eindruck des Raums. Der behagliche Wohnraum ist typisch für die friedliche kleinbürgerliche Atmosphäre der vorrevolutionären Zeit. Das Leben spielte sich in kleinem Kreis ab (Familie und Freunde). Ausflüge ins Grüne waren typisch und verdeutlichen das Verhältnis zur Natur. Das Biedermeier war auch die Blütezeit des Singens und der Hausmusik - das Klavier war sehr wichtig und fand zu seiner heutigen Form.

2.Charakterisierung der Hauptpersonen

2.1 Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart ist nicht viel Älter als 30 Jahre, schlank und mittelgroß. Für die Reise hat ihm seine Frau Konstanze die Kleider, eine blaue gestickte Weste, ein brauner Überrock, schwarzseidene Beinkleider, Strümpfe und Schuhe mit goldenen Schnallen, ausgesucht. Er trägt seine Haare lose zu einem Zopf zusammengebunden.

Mozart liebt die Natur. Als sie während der Reise am dritten Tag eine Rast machen, geht er in den Wald und betrachtet die Bäume und das Moos.

Mozart findet den Kontakt zur hohen Gesellschaft wichtig und lädt gerne wichtige und bekannte Leute ein. Er lädt aber auch Poeten, Liebhaber der Musik, Kunstgenossen und Sänger, die er auf der Straße sieht, zu sich ins Haus ein. Seine Ehefrau Konstanze ist davon weniger begeistert, doch von der Meinung anderer lässt Mozart sich nicht beirren und setzt fast immer seine eigene durch. Er kostet seine leichte Berühmtheit in Wien voll und ganz aus. Seine Freizeit verbringt er meistens außer Haus beim Billard im Kaffeehaus, in einem Gasthof, beim Reiten, auf Bällen und Redouten (Maskenbälle) und auf Volksfesten. Nachts arbeitet er an seinen Kompositionen. Mozart ist außerdem humorvoll. Zum Beispiel ist er beim Brigitten-Kirchtag mit Pierrot- Maskierung erschienen. Er trifft seine Entscheidungen spontan und wirft auch gerne mal seine Pläne um, wenn ihn ein spannendes Angebot lockt, wie zum Beispiel als er zur Verlobungsfeier eingeladen wird, obwohl er eigentlich am Abend noch weiter reisen wollte. Er ist leichtsinnig und verschwenderisch, gibt gerne viel Geld für unnützliche Dinge aus. Wenn sich jemand etwas von ihm leihen möchte, dann fragt er nicht lange nach Pfand oder Absicherung sondern gibt das Geld. Man kann jedoch nicht sagen, dass er Geld im Überfluss hat, denn seine Kompositionen und Theaterstücke sind nicht immer bei dem Publikum beliebt und bringen je nach dem mal mehr, mal weniger Geld für Mozart ein.

Zudem ist er nicht besonders rücksichtsvoll beim Umgang mit seinen Schülern, die er sich, wie er einem Gönner schreibt, „aufgehalst“ hat. Es fällt ihm schwer, die Geduld nicht zu verlieren. Mozart ist aber auch sehr freundlich und herzlich zu Leuten, die er besonders gern hat, wie seine Frau oder Eugenie. Bei ihr sparte er nicht mit Loben an ihrem wundervollen Gesang und küsst ihre Hand.

Mozart ist eingebildet. Er denkt, jeder kennt ihn und er ist berühmt, doch viele kennen ihn nicht. Er kann in Wirtshäuser gehen, ohne erkannt zu werden. Um zu zeigen, dass er wirklich was kann, gibt er am Abend bei der Verlobung ständig eigene Reime zum Besten.

Informationenüber Mozart, die in der Novelle nicht genau erwähnt werden:

Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27.01.1756 in Salzburg geboren. Dort wurde er dann Konzertmeister. Nach der Entlassung reiste er mit seiner Mutter nach Paris. Nach dem Tod seiner Mutter wurde er in Salzburg Hofkapellmeister. Nach der Entlassung heiratete er Konstanze Weber, machte sich selbstständig und schrieb die berühmten Opern Zauberflöte, Figaro und Don Giovanni. Außerdem komponierte er einige berühmte Lieder. 1791 starb er in Wien im Alter von 35 Jahren.

2.2. Konstanze Mozart (geb. Weber )

Konstanze ist etwa genauso alt wie Mozart. Während der Reise trägt sie einen hellgrün weiß gestreiften Reisehabbit und trägt ihre braunen Locken halb aufgebunden. Konstanze unterstützt Mozart, obwohl sie nicht alles gut findet, was er macht. Zudem ist sie traurig über die Vernachlässigung der beiden Söhne, die während der vielen Reisen zu kurz kommen. Sie überblickt Mozarts vielen Termine und erinnert ihn daran. Von Haus aus ist sie an Entbehrungen gewöhnt. Sie überblickt Einkommen und Ausgaben der Familie und schämt sich wegen der Schuldmahnungen, die Mozarts guten Ruf ankratzen könnten. Konstanze ist oft traurig darüber, dass Mozart meist tagsüber außer Haus ist und versucht, ihn oft zum gemeinsamen Essen und Tee trinken zu überreden. Sie hofft auf eine Veränderung in Mozart, damit er mehr Zeit mit ihr verbringt. Manchmal redet sie mehrere Tage nicht mit ihm. Ein „wortloser Streit“, wie sie es nennt.

An Mozarts Spontanität ist sie gewöhnt und sie wundert sich nicht, als plötzlich Graf Max in der Schenkstube steht und sie zur Verlobungsfeier im Schloss abholt.

2.3 Weitere wichtige Personen

Graf von Schinzberg

Wichtige Aufgaben nimmt er am liebsten selbst in die Hand, zum Beispiel holt er seine Nichte Eugenie und ihren Bräutigam Max persönlich ab. Sein Verhältnis zu Eugenie ist sehr gut, weil Eugenie schon von ihrer Kindheit an ein zweites Zuhause gefunden hat. Er ist offen für alles. Zudem ist er sehr humorvoll, was man an seiner Erzählweise erkennt. Er ist sehr offen und ganz natürlich, nicht auf seinen Titel eingebildet oder gar eitel. Durch seine Natürlichkeit hat er keine Feinde. Er verehrt seine Frau, aber bei einem Fest widmet er sich eher den Gästen, weil er mit seiner Frau immer sprechen kann. Er weiß selbst am besten, was er zu tun hat oder wie er sich kleiden soll und lässt sich von niemandem etwas einreden.

Gräfin von Schinzberg

Sie ist höflich und hat gute Sitten. Sie hat aber auch ihre Grundsätze und möchte von ihrem Mann nicht unterdrückt werden. Sie ist sehr gebildet, kennt sich in Literatur und Politik gut aus. Gerne knüpft sie Kontakt zu anderen Leuten, wie zu Frau von Sévigné, eine der bekanntesten französischen Frauen. Von ihr hat sie auch den Pomeranzenbaum bekommen, den Eugenie immer so gut pflegte.

Eugenie

Sie hat blondes Haar und ist schlank. Vor Freude über die Verlobung blüht sie richtig auf. Sie ist eine begeisterte Klavierspielerin und Sängerin und kennt fast alle Werke Mozarts. In Mozart sieht sie Genialität. Als sie die ersten Töne des Liedes singt, ist sie sehr nervös und angespannt, doch schon nach wenigen Sekunden verschwindet dieses Gefühl. Daran kann man erkennen, dass sie sich in einer großen Menge unsicher fühlt, jedoch von ihren Talenten überzeugt sein kann, weil die Reaktionen des Publikums durchweg positiv sind. Im Schloss fühlt sie sich zu Hause und sie hat ein gutes Verhältnis zu Graf und Gräfin.

Graf Max

Er ist kaum älter als Eugenie und schlank. Außerdem ist er Soldatenoffizier wegen seinen Kenntnissen und seinen guten Sitten, nicht wegen seiner Neigung dazu. Von seinen Eltern hat er die Neigung zur Literatur geerbt. Max ist ein passendes Vorbild, wegen seiner guten Bildung und seiner Höflichkeit.

3. Inhaltsangabe

In der Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“, die im Oktober 1787 spielt, geht es um die Reise in einer Kutsche von Mozart und seiner Frau Konstanze. Die Erzählung beginnt am dritten Tag der Reise von Wien nach Prag. Seine Oper Don Giovanni, welche er noch gar nicht vollendet hat, soll in Prag uraufgeführt werden.

Bei einer Rast im Wald bewundert er die schöne Natur, die er in seiner Kindheit nie gesehen hat. Während der langen Fahrt kann er zudem mit seiner Frau privates und berufliches klären, was in letzter Zeit zu kurz gekommen ist. Mozart denkt über seinen Alltag und über seine Freunde und Bekannte nach. Und auch über die Lektionen, die er seinen manchmal unbegabten Schülern gibt.

An diesem Tag machen sie im Gasthaus des gleichen Ortes in dem auch das Schloss des Grafen von Schinzberg steht, Rast. Als sie im „Weißen Ross“ ankommen, werden sie von Angestellten zu ihrem Zimmer, das prachtvoll eingerichtet ist, begleitet. Konstanze möchte sich von der langen Reise erholen und schläft. Mozart geht in die Schenkstube. Weil dort außer dem Wirt niemand ist, geht er hinaus und macht einen Spaziergang zu dem prachtvollen Park des Grafen von Schinzberg. Der Zutritt ist nur anständigen Fremden gestattet, zu denen Mozart sich zählt. Gedankenversunken wandert er auf dem Weg entlang. Nach einer Weile entdeckt er einen Pomeranzenbaum (Bitterorangen) mit wundervollen Früchten daran, die ihn an ein Erlebnis in seiner Kindheit erinnern. Als er eine Frucht anfasst, reißt diese unabsichtlich vom Ast ab. Er genießt das Gefühl, die Pomeranze in der Hand zu haben. Er nimmt ein Messer aus der Tasche und schneidet die Frucht durch. Genüsslich riecht er an dem südlichen Duft, der die Frucht umgibt. Dann hört er Schritte in der Nähe, doch es ist zu spät, um die Pomeranze zu verstecken, die er gepflückt hat. Der Gärtner steht vor ihm und erkennt den populären Mozart nicht. Der Gärtner fragt, ob Mozart im Schloss des Grafen bekannt sei. Mozart bittet um ein Gespräch mit dem Grafen oder der Gräfin, doch der Graf ist nicht im Schloss anwesend und die Gräfin ist beschäftigt. Als Mozart aus dem Park gehen möchte, hält der Gärtner ihn zurück und erklärt ihm in unfreundlichem Ton, das die Pomeranzenfrüchte abgezählt seien und für ein Fest benötigt werden. Mozart muss einen Zettel, auf dem er seine Schuld bekennt, unterschreiben währenddessen kommt der Graf mit Nichte Eugenie und deren Bräutigam Max von der amtlichen Verlobung nun zum Fest im Schloss, in dem bereits Hektik wegen der Vorbereitungen für die Verlobungsfeier ausgebrochen ist. So kann die Gräfin nicht gleich den Brief lesen. Mozart wartet ungeduldig vor dem Schloss auf Bescheid vom Gärtner. Der Gärtner erzählt dem Graf von dem Vorfall. Der Graf hat kein Verständnis dafür. Als die Gräfin bemerkt wer zu Gast im Schloss ist, lädt sie Mozart für die Verlobungsfeier ins Schloss ein, weil die Nichte Eugenie ein großer Anhänger von Mozarts Stücken ist und begeistert auf dem Flügel spielt.

Mozart ist einverstanden und begibt sich direkt ins Schloss. Seine Ehefrau Konstanze wird von Graf Max zur Feier abgeholt.

Zu Beginn singt Eugenie ein Lied und wird von Mozart gelobt und beherzt. Dann treten Konstanze und ein paar weitere Gäste ein. Das Ehepaar wird vorgestellt und Mozart setzt sich an das Klavier, um ein paar seiner Stücke zum Besten zu geben. Anschließend gehen sie alle in den Speisesalon. Der Graf macht mehrere Anspielungen auf Mozarts Gartenabenteuer, so dass die Gäste neugierig werden und Mozart schließlich alles von Anfang an erzählt. Die Gäste sind sehr amüsiert darüber. Dann erzählt Mozart noch von dem Jugenderlebnis, dass ihm mit der Pomeranze eingefallen war. Die Pomeranze erinnerte ihn an den Italienurlaub, den er mit seinem Vater im Alter von 13 Jahren unternommen hatte. Im Urlaub spielte er mit einigen Jungen und Mädchen ein Spiel, bei dem man Pomeranzen auffangen musste, die von Gegnern geworfen wurden.

Weiter erzählt Mozart vom schönen Rom und Neapel. Dann öffnen sich die großen Türen und einige Diener tragen den Pomeranzenbaum herein. Eugenie erkennt den Baum, weil sie ihn früher selbst gepflegt hat. Neben dem Pomeranzenbaum wird auch die zerschnittene Pomeranze von Mozart hereingebracht.

Während des abends gibt Mozart immer wieder einige seiner Verse zum Besten. Auch Max und der Graf dichten mit, nachdem sie schon etwas angetrunken sind.

Dann gehen alle Gäste zum Klavier im Zimmer nebenan, um das Duett von Mozart und Eugenie zu hören. Die meisten Paare beginnen zu tanzen.

Nach kurzer Zeit, als der Abend herbeigekommen war, hörten Mozart und Eugenie auf, zu musizieren. Der Graf lud die Herren ins Billardzimmer ein und die Gräfin schlug den Damen vor, in den Park zu gehen. Dort wird Madame Mozart gebeten, etwas von sich und Mozart zu erzählen.

Sie erzählt von Mozarts Krankheit im vorletzten Winter. Er musste am Gehstock laufen, welchen er vorher nie benutzen wollte. Doch kaum konnte er wieder einigermaßen gehen macht er sich auch schon wieder an seine täglichen Arbeiten, obwohl er eigentlich noch im Bett hätte liegen sollen. Konstanze schmollt den ganzen Tag und nimmt sich vor, nicht mit ihm zu reden. Mozart bemerkt dies und kauft für sie abends einen schön verzierten Spaten und einen Rechen für den Garten. Den Damen gefällt die Geschichte.

Dann gehen die Damen wieder ins Schloss. Mozart spielt einige Stücke aus seiner Oper Don Giovanni. Anschließend wird noch über die Oper und die Sprüche des Grafen geredet. Erst nach Mitternacht gehen Mozart und seine Frau im Gasthof zu Bett.

Am nächsten Morgen stehen sie früh auf, um mit der Kutsche weiter nach Prag zu fahren. Da Mozart seinen Kutscher mit der Kutsche am Tag zuvor weggeschickt hatte, muss Mozart nun eine Kutsche vom Grafen ausleihen. Der Graf schenkt sie Mozart zum Andenken, worüber Mozart sich sehr freut. Dann brechen sie auf.

4. Interpretation (Aussage)

Mörike wollte mit der Novelle Mozart auf der Reise nach Prag seinem Freund Wilhelm Hartlaub beweisen, dass man eine historische Biografie auch lebendig schreiben kann. Die Geschichte ist zwar frei erfunden, dennoch sind einige Charaktereigenschaften von Mozart erhalten geblieben (s. Charakterisierung).

Zudem spiegelt die Novelle Mörikes Erinnerungen an seine Heimatstadt Ludwigsburg, in der er seine Kindheit verlebte, wider. Auch das mit der Pomeranze, Mozarts Kindheitserlebnis, erinnert an Mörikes Kindheit, in der er fröhlich war.

Das Mörike ausgerechnet die Biografie von Mozart geschrieben hat und es dabei um die Oper Don Giovanni geht, liegt daran, dass Mörike die Oper zusammen mit einigen Bekannten und seinem Bruder August gesehen hat. Sein Lieblingsbruder starb wenige Tage danach. Dieses Trauma hat er wohl nie richtig überwunden und so ist ihm die Oper, der letzte Ausflug mit seinem Bruder, besonders im Gedächtnis geblieben und noch 1843 berichtete er von der überwältigenden Wirkung dieser Musik, „weil sie zu viele subjektive Elemente für mich hat und einen Überschwall von altem Dufte, Schmerz und Schönheit über mich herwälzt.“3

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Mozart und Mörike

Mörike und Mozart überschätzen sich gerne. Mörike denkt, dass seine Gedichte sehr gut sind, doch er schafft es nicht, sich als Dichter oder Schriftsteller selbstständig zu machen und muss den Beruf Vikar ausüben. Mozart denkt, dass er überall bekannt ist, doch der Gärtner erkennt ihn nicht und auch die Leute im Wirtshaus erkennen ihn nicht.

Mozart jedoch war um einiges glücklicher als Mörike und hatte viel mehr Erfolg. Mörike war unglücklich verheiratet, Mozart liebte seine Frau über alles.

Form

Mörike schreibt, als würden die Leser dabei sein, als würde er es hautnah miterleben.

Mörike dichtet gerne und verfasst gerne Briefe, damit der Text abwechslungsreich wird und nicht eintönig. Wie zum Beispiel auch der Brief, den der Gärtner an die Gräfin verfasst. Oft sind die Sätze sehr lang und nicht gerade leicht zu verstehen. Wenn erzählt wird, merkt man nicht gleich, um welche Person es sich handelt. Außerdem setzt er Kenntnisse von Personen voraus, die den Lesern nicht bekannt sind (S.15, Z.4: „Dein Herr Bodini wird sein Schäfchen an der Oper scheren“). Daran merkt man, dass sich Mörike intensiv mit Mozarts Lebensgeschichte auseinandergesetzt hat.

Reime schreibt er auch oft in italienisch.

Die Novelle beschreibt nur eine kurze Zeit. Die Novelle beginnt an einem Morgen am dritten Tag der Reise. Der Hauptteil beginnt im Garten, als Mozart die Pomeranze pflückt und daraufhin ins Schloss eingeladen wird. Den Schlussteil bildet der Morgen nach dem Fest, an dem Mozart und seine Frau mit der vom Grafen geschenkten Kutsche weiterreisen Der Text ist mit Reimen und Erzählungen gespickt, die aus dem Leben Mozarts erzählen. Dadurch wird der normale Handlungsstrang unterbrochen.

Mörike schreibt das, was Mozart sagt, in einem Dialekt.

Zitat, S.48: Mozart: Noch bi Gott der Komponist, s´mindest weiß zu dieser Frist!

Die Feier wird ausführlich beschrieben und ist mit vielen Erzählungen unterbrochen.

4.1 Die Oper: Don Juan (Don Giovanni) in 2 Akten

1. Akt

Donna Annas Vater, der Komtur4, der den Verführer seiner Tochter zum Duell fordern will, wird von Don Giovanni getötet. Donna Anna und deren verlobter Don Ottavio wollen ihn rächen, wissen aber anfänglich nicht, dass Don Giovanni der Mörder ist. Dieser hat bereits Zerlina, die Masello heiraten soll, im Auge. Donna Elvira eine Verflossene lenkt den Verdacht auf Don Giovanni. Als er Zerlina auf einem Fest verführen will, schreiten Ottavio, Donna Anna und Donna Elvira ein. Don Giovanni kann aber entkommen.

2. Akt

Don Giovanni tauscht mit seinem Diener Leprello die Kleider, um der Rache zu entgehen. Danach erzählen sie sich auf dem Friedhof, was sie in der Rolle des anderen erlebt haben. Plötzlich beginnt das Standbild des getöteten Komturs zu sprechen. Es will Don Giovanni von seinem Lebenswandel abbringen. Übermütig lädt jener das Standbild zum Essen ein. Er beharrt auf seinen Standpunkt, woraufhin das Standbild an der Hand packt. Die Hölle tut sich auf und Don Giovanni versinkt in den Flammen.

5. Eigene Meinung

Die Handlung in der Novelle gefällt mir eigentlich gut, aber ich finde es sehr verwirrend, dass die Handlung ständig durch Erzählungen unterbrochen wird. Als ich das Buch das erste mal gelesen habe, wusste ich manchmal gar nicht mehr genau, was jetzt zur Handlung gehört und was erzählt wird. Aber später fällt es einem eigentlich leicht zu unterscheiden, was über Mozart erzählt wird und wann die Handlung weitergeht.

6. Verzeichnis

www.xlibris.de

www.fundus.org

www.hausarbeiten.de

Cornelsen- Von Wort zu Wort

Erläuterungen und Dokumente, Eduard Mörike, Mozart auf der Reise nach Prag von Karl Pörnbacher

Eduard Mörike von Mathias Mayer

[...]


1 Karl Pörnbacher: Erläuterungen und Dokumente, Eduard Mörike Mozart a. d. Reise nach Prag

2 Karl Pörnbacher: Erläuterungen und Dokumente, Eduard Mörike Mozart a. d. Reise nach Prag

3 Mathias Meyer: Eduard Mörike

4 Verwalter in einem Ritterorden; Inhaber eines Ordens höherer Klasse

Details

Seiten
8
Jahr
2001
DOI
10.3239/9783640045389
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2002 (April)
Note
2
Schlagworte
Mörike Eduard Mozart Reise Prag Hausarbeit Novelle

Autor

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Titel: Mörike, Eduard - Mozart auf der Reise nach Prag