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Das Erbe der Briten in Afrika - Der Sudan

Hausarbeit 2001 14 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Der Sudan in der aktuellen Statistik

2. Die historische Entwicklung des Sudan
2.1 Unterwerfung durch Ägypten und das Britische Empire
2.2 Unterdrückung und Polarisierung von Nord- und Südsudan
2.3 Zeit der politischen Unabhängigkeit
2.4 Bürgerkrieg zwischen der Regierung und südlicher Opposition
2.4.1 Konfliktpunkte
2.5 Das Regime al-Bashirs

3. Die ökonomische Situation des Sudan
3.1 Statistische Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung
3.2 Ölförderung im Sudan

4. Internationale Beziehungen

5. Bewertung und Ausblick

6. Literaturverzeichnis Anhang

1. Einführung

Seit 1955 herrscht in dem nord-ostafrikanischen Staat Sudan ein Bürgerkrieg, der an Dauer und Brutalität nur von wenigen kriegerischen Konflikten übertroffen wird. In dem Land, das über Bodenschätze wie Öl und Gold verfügt und als Hoffnungsträger für die Nahrungsmittel- produktion der arabischen Staaten ist, herrschen Nahrungsmittelknappheit, Hunger und Armut. Vertreibungen, Vergewaltigungen, Verschleppung und die Heranziehung Jugendlicher zum Militärdienst ist alltäglich. Seit sich die Kampfhandlungen um die 1977 vom US-amerikanischen Chevron-Texaco-Konzern entdeckten Ölquellen südlich der Nuba-Berge verstärkt haben, hat die Vertreibung der vorwiegend schwarzafrikanischen-christlichen Bevölkerung weiter zugenommen.

Das Regime Omar Hassan Ahmad al-Bashirs, welches sich im Jahr 1989 mit Hilfe des Militärs und islamistischen Parteien an die Macht geputscht hat, gilt als international weitgehend isoliert. Grenzkonflikte mit den Nachbarn und die angebliche Unterstützung des Regimes für den islamistischen Terrorismus schufen dem Land viele Gegner, darunter die Nachbarstaaten Äthiopien, Eritrea und Uganda, sowie auf internationaler Ebene vor allem die USA. Gleichzeitig hoffen Freunde und Feinde der Politik Omar al-Bashirs auf eine lohnende Beteiligung am Erdölgeschäft, wobei auch Menschenrechtsverletzungen des Regimes, wie das Beispiel Nigeria in der Vergangenheit gezeigt hat, nur ein geringer Hinderungsgrund für die Teilnahme an Joint Ventures ist und war. Doch so lange der Bürgerkrieg andauert, kann die herrschende Elite keinen Profit aus den reichhaltigen Ölquellen schlagen. Die Gründe für die fortwährende Spaltung und somit die Grundlage der Auseinandersetzungen sollen in dieser Arbeit diskutiert werden.

1.1 Der Sudan in der aktuellen Statistik (aus: Fischer Weltalmanach, 2001)

Die Republik Sudan ist das flächenmäßig größte Land Afrikas und ungefähr sechsmal so groß wie Deutschland (siehe Abb.1, Anhang). Regierungssitz und Hauptstadt ist die Drei-Städte-Stadt Khartoum am Zusammenfluss des Weißen und des Blauen Nils (ca. sechs Mio. Einwohner). Im Norden des Landes dominieren Wüste und Trockensavanne, im Süden dagegen die Feuchtsavanne. Ungefähr 29 Millionen Menschen wohnen im Sudan, davon 35 Prozent in Städten. Mit fast 600 Völkerschaften (Araber, Nuba, Dinka...) ist der Sudan eines der ethnisch vielfältigsten Länder der Welt. 40 - 50 Prozent der Sudanesen sind Araber, 55 % sprechen Arabisch. Das Land ist durch kulturell-religiöse, wirtschaftliche und politische Differenzen in Nord- und einen Südsudan unterteilt. Ein Drittel der Bevölkerung lebt im Südsudan. Diese Trennung macht sich besonders auf dem Gebiet der Religion deutlich: 73 Prozent der Sudanesen sind sunnitische Muslime und leben vor allem im Norden des Landes. Im Süden dagegen sind lediglich 1 Prozent Anhänger des Islam, 10 Prozent sind Christen, die meisten jedoch Anhänger von Naturreligionen. Die Lebenserwartung beträgt im Durchschnitt 56 Jahre (1999). Die Analphabetenrate liegt zwischen 32 Prozent (bei Männern) und 57 Prozent (bei Frauen).

2 Die Historische Entwicklung des Sudans

2.1 Unterwerfung durch Ägypten und das Britische Empire (Kondominium)

Im Jahr 1821 eroberte Ägypten das vierhundert Jahre alte Reich von Sennar, das sich von der Flussoase zwischen dem blauen und dem weißen Nil bis an die Tore Ägyptens erstreckte. Auf der Suche nach Gold und Sklaven erweiterte Ägypten seinen Herrschaftsbereich im Süden. Unter- stützt wurde es dabei von europäischen Technikern und Beamten. Auch das Britische Empire entdeckte nach dem Bau des Suezkanals sein Interesse an der Region. Um seinen Handel mit dem Nahen und Fernen Osten abzusichern, unterwarf das Britische Imperium Ägypten seiner Einflusssphäre. Da aber Ägypten vom Wasser des Nils abhängt, begann der Kampf der Kolonialmächte um die Quellen des Nils.

Gegen die (zunächst allein) ägyptische Herrschaft, die von europäischen Mächten mit manipuliert wurde, erhob sich ein bewaffneter Widerstand im Norden. Muhammad Ahmad ibn Abdallah (1844 - 1885) erklärte sich zum „Rechtsgeleiteten“ (Mahdi), der am Ende der Zeiten die Erde von Missständen befreien werde. Die Briten und Ägypter wurden 1885 aus dem Land vertrieben. Das war der erste Erfolg einer antikolonialen Bewegung in Afrika. Die Briten antworteten 1898 darauf mit einer Feueroffensive und eroberten wieder die Herrschaft. Offiziell übten sie mit den Ägyptern gemeinsam die Oberhand aus (Kondominium), faktisch waren sie jedoch die wahren Kolonialherren.

2.2 Unterdrückung und Polarisierung von Nord- und Südsudan

Die Bevölkerung des Sudan hatte unter den Kolonialherren stark zu leiden. So zwangen die ägyptischen Herrscher dem Norden hohe Steuern auf, die viele zur Aufgabe ihres bäuerlichen Daseins (Zahlungsunfähigkeit) trieben und versuchten sich als kleine Händler durchzuschlagen. Im Süden versprach die Beteiligung am Handel mit Elfenbein und Sklaven eine gewisse Zukunftschance. Gewalt und Ausplünderungen standen schon zu dieser Zeit auf der Tages- ordnung.

Seit dem Jahr 1923 hatten die Briten begonnen, eine getrennte Entwicklung zwischen Nord und Süd zu forcieren mit der Begründung, den Sklavenhandel unterbinden zu wollen. Hintergrund jedoch war der Wunsch der Briten, die Ausfuhr des gewinnträchtigen Rohstoffes Baumwolle zu erleichtern. Zu diesem Zweck wurde die Wirtschaft und die Infrastruktur des Landes von den Briten ganz auf den Anbau und den Export der Baumwolle über den neugegründeten Hafen in Port Sudan am roten Meer ausgerichtet. In anderen Landesteilen dagegen förderten die Briten keinerlei Entwicklungsprojekte. Sie schufen dagegen ein Bildungssystem, das dazu diente, die britischen Herrscher mit „einheimischen Verwaltungs- bediensteten zu versorgen“. Von dieser Bildung profitierten jedoch ausschließlich die nördlichen, arabischen Landesteile. Die zentralen, arabischen Nilprovinzen wurden von den drei Südprovinzen getrennt. Ein konfessionelles Zusammenwachsen und die Ausbildung einer gemeinsamen Identität wurden verhindert. Der Süden sollte ein Puffer zwischen der arabischen Region und den schwarzafrikanischen Völkern bilden. Zur Unterbindung des gemeinsamen antikolonialen Widerstandes beider Landesteile ergriffen die Briten mehrere Maßnahmen, um Nord und Süd voneinander zu entfremden (z.B. unterschiedliche Sprache und Religion in Nord und Süd). Als schließlich die Ägypter 1929 die Kontrolle über den Suezkanal abgaben, und die Wasserversorgung zwischen den beiden Staaten geregelt war, verloren die Briten jegliches Interesse am Süden. Kontakte zwischen Nord und Süd wurden stark reglementiert.

2.3 Zeit der politischen Unabhängigkeit (ab 1956)

Die neue Republik Sudan wurde 1956 von Großbritannien unabhängig. Zwei ungleiche Landesteile trafen zu diesem Zeitpunkt wieder aufeinander. Als die Briten 1954 die Verwaltung in die Hände sudanesischer Beamter legten, gingen nur sechs von 800 Posten der öffentlichen Verwaltung an Südsudanesen. Obwohl dies in erster Linie eine Folge der Bildungspolitik war, da die Bevölkerung im Norden bessere Qualifikationen vorweisen konnte, kamen bei den Südsudanesen verständlicherweise Ängste der Übervorteilung des Nordens gegenüber dem Süden auf. Das über viele Jahre entwickelte arabische Nationalbewusstsein des Nordens trug ebenfalls dazu bei.

Aus diesen Gründen war es bereits 1955, am Vorabend der Unabhängigkeit, zu einer Meuterei südlicher Truppen gekommen, welche den Beginn der gewalttätigen Auseinander- setzungen, die bis heute andauern, markiert. Der Aufstand wurde durch nordsudanesische Truppen niedergeschlagen. Dies bestätigte das Gefühl der Trennung und Benachteiligung und der Vorbehalte bei den Südsudanesen. Nordsudanesische Politiker begannen daraufhin mit der Umgestaltung des Sudans in einen Nationalstaat mit arabisch als offizieller Sprache und einheitlich-islamischer Kultur. Zum Einsatz kamen dabei sämtliche staatliche Machtmittel wie Verwaltung, Medien, Schule und Militär, die gegen die Bevölkerung im Süden eingesetzt wurden.

Seit der Unabhängigkeit wechseln sich deshalb „demokratische“ (1956-58, 1964-69, 1985-89) und „militärisch-dominierte“ Regierungen (1958 -64, 1969-85, seit 1989 Omar al- Bashir) im Sudan ab. Erste Koalitionsregierung unter Abdallah Khalil wurde nach einem Generalstreik, zu dem die Gewerkschaften aufgerufen hatten, am 17.November 1958 aus dem Amt geputscht. Aus Angst vor einer bevorstehenden demokratischen Entwicklung des Landes, an deren Spitze die Gewerkschaften stehen, hatte das Militär in das Geschehen eingegriffen, um die neue soziale Bewegung zu stoppen. Das von ihnen installierte Regime unter General Ibrahim Abbud ging mit aller Härte gegen demokratisch gesinnte Kräfte im Land vor. Abbud arbeitete stark mit den Sieger-(West-)mächten zusammen. Pressezensur, Verhaftungen und das Verbot der Gewerkschaften und sämtlicher Partien waren Ausdruck seiner diktatorischen politischen Aus- richtung.

Nach Massenprotesten zogen sich die Militärs wieder in die Kasernen zurück (1.11.1964). Doch die neue, folgende zivile Regierung konnte die wirtschaftlichen Probleme des Landes auch nicht lösen, so dass es am 25. Mai 1969 erneut zu einer Machtergreifung des Militärs kam. Der Putschist al-Numairi verbot alle politischen Parteien. Der autoritäre Führungsstil al-Numairis, die anhaltende Korruption und die hohe Schuldenaufnahme zur Planung von Großprojekten und der gleichzeitigen Vernachlässigung der einheimischen Wirtschaft, kam es zwischen 1979 und 1982 zu zahlreichen Protesten. Der Bürgerkrieg gegen die südlichen, östlichen und westlichen Provinzen setzte sich jedoch auch unter eher demokratisch orientierten Regimen fort.

2.4 Bürgerkrieg zwischen der Regierung und südlicher Opposition seit 1955

Nach Angaben der UNHCR sind vier Millionen Binnenflüchtlinge in ihrem eigenen Land ohne Heimat. Viele Anhänger der politischen Opposition und Angehöriger ethnischer Minderheiten mussten ins Exil z.B. nach Uganda, Äthiopien und Kenia gehen. Zwei Drittel aller Südsudanesen gelten als ihrer Heimat beraubt. Bei den Militäroffensiven, die täglich 2 Mio. Dollar verschlingen, und den Nahrungsmittelknappheiten sind seit 1983 mindestens 2 Millionen Menschen ums Leben gekommen.

2.4.1 Konfliktpunkte

Der Krieg ist die Folge der langjährigen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Unterdrückung und Benachteiligung der Bevölkerung im Süden, sowie der Bevölkerung in den Ost- und Westprovinzen. Auslöser der sozialen Konflikte ist der Streit um die Verteilung und Mitbestimmung über wirtschaftlich nutzbare Ressourcen wie Wasser, Acker- und Weideland, Erdöl und Gold. Religiöse Gründe spielen, wie fälschlicherweise von einigen Politikern und Theoretikern angenommen, nur eine geringe Rolle.

Vor allem um die Verfassung des Staates gibt es immer wieder Konflikte. Der Wunsch der Opposition nach der grundlegenden Verankerung des Föderalismus in der Verfassung, sowie die Reduktion islamischer Einflüsse waren hier Kernpunkte der Auseinandersetzungen. Der ständige Versuch, die öffentliche Ordnung ausschließlich auf Prinzipien der islamischen Staats- und Rechtslehre zu gründen, stößt bei Sozialisten, Kommunisten, bürgerlich-liberalen Politikern und Anhängern religiöser Minderheiten auf starke Ablehnung. Die großen, alten Parteien im Norden, Umma- und Unionisten, sowie die Nationale Islamische Front von Hasan al-Turabi, gelten im Norden des Sudan als die starken Befürworter der „Islamisierung“ .

Erst 1972 kam es zu einer (vorübergehenden) Pause bei den Kampfhandlungen. Regierungschef Jaafar al-Numairi gestand dem Süden im Abkommen von Addis Abeba erstmals Autonomie (Selbstverwaltung) und Partizipation zu und beendete damit den ersten seit 1955 entfachten Bürgerkrieg. Lange währte der Frieden jedoch nicht. Als 1977 im Süden Ölquellen von besonderer Qualität gefunden wurden (siehe Abb. 2, Anhang), kam es erneut zu Verteilungskonflikten. Die Gesamtölreserven werden auf 110 - 160 Millionen Tonnen geschätzt. Khartoum wollte dem Süden jedoch nicht die Kontrolle über die Ölreserven überlassen, die Regierung startete den Versuch, die ölreichen Gebiete dem Norden anzuschließen.

Als nach dem Ölfund die Verstöße gegen die vereinbarte Autonomie des Südens häufiger wurden und die wirtschaftliche Benachteiligung weiter zunahm, erhoben sich 1983 südliche Armeeangehörige und gründeten die SPLA (Sudanese People’s Liberation Army) unter Führer John Garang. Daraufhin setzte Khartoum die Autonomieregierung ab und teilte die Südregion in kleinere Einheiten. Im Laufe der Jahre gelang es der SPLA jedoch, große Teile des Südens unter ihre Herrschaft zu bringen. Das Gebiet umfasste 1998 eine Größe von der Bayerns, Niedersachsens und Hessens zusammen-genommen. Die SPLA fordert heute eine gemeinsame, demokratische Lösung für beide Landesteile; ihren Wunsch nach Abspaltung des Südens ließ sie fallen. Allerdings agiert sie in den „befreiten Zonen“ ähnlich eines Militärregime.

Während im Süden des Landes die Regierung al-Numairis von 1977 bis 1983 gegen die Autonomierechte des Südens vorging, versuchte sie im Norden vor allem die (damals) islamistische Opposition in die Regierung einzubinden. al-Numairi nahm Hassan al-Turabi und Sadiq al-Mahdi in die einzig zugelassene Partei Sudanese Socialist Union (SSU) auf. Des weiteren führte er 1983 die Scharia (islamisches Recht) ein. 1986 wurde der Sudan zum „ersten islamischen Gottesstaat Afrikas“ umgewandelt. Einschneidende Veränderungen gibt es seitdem vor allem für Frauen und Nichtmuslime (besonders grausame Formen der Beschneidung, Arbeitsverbote etc.). Im April 1985 wurde Al-Numairi von einem Übergangs- militärrat seines Amtes erhoben.

Die Übergangsregierung legte die Regierungsgeschäfte in die Hände einer zivilen Regierung unter al-Jazuli Daf’allah. Die Parteien wurden wieder zugelassen und ließ Parlamentswahlen abhalten, an denen allerdings im Süden nur wenige Personen wegen des Bürgerkriegs teilnehmen konnten. Wahlsieger bei den Parlamentswahlen 1986 wurde Sadiq al-Mahdi, der al-Numairi an der Regierungsspitze somit ablöste. Er bildete eine Koalition seiner Umma-Partei mit der Democratic Unionist Party (DUP) und ab 1988 auch mit der National Islamic Front (NIF), deren Führer al-Turabi Justizminister wurde. Die Regierung intensivierte die Kämpfe im Süden mit Hilfe Libyens und Saudi-Arabiens. Zwei Jahre nach der Wahl startete die DUP auf Eigeninitiative Friedensverhandlungen mit der SPLA. Die NIF lehnte dies wegen der Forderung nach Aufhebung der Scharia ab, als Folge verließ die DUP die Koalition. al-Turabi wurde vorübergehend Vize-Premier und Außenminister, allerdings bildeten die DUP und die Umma-Partei ohne die NIF eine neue Regierung, die an den Friedensvereinbarungen festhielt.

2.5 Das Regime des General al-Bashir

Um die Macht der Islamisten an der Spitze des Staates zu sichern, kam es im Juni 1989 zu einem unblutigen Militärputsch, für den al-Turabis NIF verantwortlich gemacht wurde. Die Militärjunta löste sich im Oktober 1993 formell auf und ernannte Generalleutnant Omar Hassan Ahmad al-Bashir zum Präsidenten, der die Gültigkeit der Scharia bekräftigte. Al-Bashirs Regime ist das erste islamische Regime im Sudan. Das Parteiensystem ersetzte er fortan durch eine auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene pyramidal gestaffelte Volkskonferenz.

Das Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) charakterisierte das Regime al-Bashirs 1998 als „repressiv-polizeistaatlich“, dessen alleiniges Ziel die Machterhaltung der nördlichen Elite sei. „Willkürliche Hinrichtungen, Inhaftierungen ohne ordentliche Gerichtsverfahren, Verschleppungen, die Duldung der Sklaverei und Folter politischer Gegner“ stehen auf der Tagesordnung. Paramilitärische Kräfte (Popular Defence Force) unterstützen das Regime dabei.

Um die fortwährenden Spannungen (zumindest formell) zu mildern, führte das Regime unter al-Bashir nationaler Ebene eine föderale Verfassung ein: Der Sudan wurde in 26 Bundesstaaten geteilt, deren Regierungen allerdings weder politischen noch wirtschaftlichen Spielraum bei ihren Entscheidungen haben. Die Gouverneure werden von Khartoum eingesetzt. Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im März 1996 erreichte al-Bashir 75,7% der Stimmen (bei einer Wahlbeteiligung von 10 % !). Aufgrund des politischen Drucks im Land und der internationalen Sanktionen gegen den Sudan führte er 1998 eine neue Verfassung ein. Diese basiert zwar auf islamischen Recht, garantiert jedoch formell einige bürgerliche Freiheiten wie das Recht auf Religions-, Reise- und Versammlungsfreiheit. Darüber hinaus wurde eine Nationalversammlung eingeführt, deren Vertreter alle 4 Jahre gewählt werden sollen.

Zwischen 1999 - 2000 brachten interne Streitigkeiten zwischen Turabi und General al- Bashir einen Machtkampf zwischen dem nationalistisch-konservativen und dem islamistisch- fundamentalistischen Flügel hervor, der zugunsten des Präsidenten al-Bashir (konservativer Flügel) ausging. Turabi wurde danach von allen Ämtern enthoben. Er und seine Anhänger wurden auf Befehl al-Bashirs verhaftet. Der Vorwurf lautete: gemeinsame Umsturzpläne mit SPLA-Führer John Garang. Al-Bashir suchte daraufhin die Annäherung an traditionelle Parteien (Umma, Unionisten). Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vom Dezember 2000, bei denen allerdings nur in 6 Südprovinzen (Boykott z.B. durch Ummapartei, NPC, DUP und den Bürgerkreig)gewählt wurde, erreichte al-Bashir erneut die Mehrheit (Wahlbeteiligung 66%). Seine erste Amtshandlung war wiederum Richtungsweisend für das undemokratische Regime: Der Ausnahmezustand wurde verlängert. Seit Mai 2001 haben sich die Kämpfe im Süden intensiviert, den Rebellen ist es jedoch gelungen, bis auf wenige Kilometer vor die Erdölfelder vorzudringen. Die Regierung verkündete daraufhin die Generalmobilmachung.

3. Die ökonomische Situation des Sudan

3.1 Statistische Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung

Brutto-Inlands-Produkt (BIP): 10 366 Mio. US-Dollar, 39 % des BIP werden in der Landwirtschaft erwirtschaftet, 18 % in der Industrie und 43 Prozent im Dienstleistungssektor. Auslandsverschuldung: 16 132 Milliarden US-Dollar (nach Fischer Weltalmanach) - 21 Milliarden (nach Loimeier)

Inflationsrate: 74,4 % (Durchschnittswert von 1990 bis 1998), seit 1999 gilt hier wieder der sudanesische Dinar als eigene Wertung, dessen Einführung die I. zunächst verringerte. Erwerbstätigkeit: 62,9% der Personen sind in der Landwirtschaft tätig. Bodenschätze: vorwiegend Gold und Öl Hauptexportgüter: Baumwolle (40 % der Exporterlöse), Gummi arabicum, Holzkohle, Weizen, Hirse, Sesam, lebende Tiere (nach Ägypten und die arabische Halbinsel), Zuckerrohr. Hauptim- portländer sind Großbritannien und Saudi-Arabien (10,4 %), die GUS-Staaten (13,3%) und nach Thailand (11,8).

Die seit 1989 regierenden nationalistisch orientierten Islamisten haben es nicht geschafft, die Wirtschaft des eigentlich potenten Landes anzukurbeln. Aufgrund der politischen Isolation des Landes fehlt es an vielen Dingen, vor allem an harter Währung und Entwicklungshilfe. Durch Monopolisierungen im Bereich der Baumwollproduktion und bei der Finanzierung von Groß- projekten wurde oft in die eigene Tasche der islamistischen Elite gewirtschaftet. Das Budget ist stark zurückgegangen, seit im Ausland die Menschenrechtsverletzungen des Regimes publik gemacht wurden. Trotz der offiziellen Ächtung des Regimes war Ölbohrungen jedoch ausgerechnet der US-amerikanischen Firma Chevron erlaubt, die den Sudan als einen von mehreren „Schurkenstaaten“ in der Welt bezeichnet.

Auch beim Internationalen Währungsfond (IWF) ist der Sudan ins Abseits geraten. Dem hochverschuldeten Land drohte mehrfach der Rausschmiss, da das Land von ihm als „un- kooperativ“ eingestuft wurden bei der Bewältigung der Währungskrisen und der Rückzahlung der gewährten Kredite. Auslandsschulden bei 21 Milliarden Dollar. Es ist für das Regime schwierig geworden, Kredite aufzunehmen. Stattdessen erreichte die Inflation dagegen Spitzen- werte: im Jahr 1994 stieg sie bis auf 130 Prozent an. Einen großen Anteil hat hieran der fortschreitende Bürgerkrieg. Wie bereits erwähnt verschlingen die jährlichen Ausgaben zur Durchführung der täglichen Militäroffensiven im Süden des Landes ungefähr 600 Mio. Dollar.

Auch für die Agrarwirtschaft hat der Bürgerkrieg schwerwiegende Konsequenzen. 40 Prozent des sudanesischen Staatsgebietes liegen in Bereichen der Feucht- und Trockensavanne und ist damit für den Regenfeldbau nutzbar. Für die arabische Welt hat das eine große Bedeutung; da die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen vor allem auf der arabischen Halbinsel stark begrenzt sind. Lediglich durch eine erhöhte Intensivierung der Produktion bei der Bewässerung und Düngung können dort einen gesteigert Output ermöglichen. Der sudanesische Bürgerkrieg verhindert jedoch den regulären Anbau und macht längere Transportwege nötig. Die zieht weitere wirtschaftliche Ausfälle für das Land nach sich.

Die Folgekosten durch die Zerstörungen und die Vertreibung der Bevölkerung ist bei all dem noch gar nicht berücksichtigt. Bezogen auf die Nutzung der im Kriegsgebiet befindlichen Rohstoffe verhindert der Krieg die Ausbeutung der Öl- und Wasserquellen.

3.2 Ölförderung im Sudan

1977 stieß der texanische Konzern Chevron (Texaco-Gruppe) bei Probebohrungen südlich der Nuba-Berge auf reichhaltige Ölquellen. Daraufhin werden die Grenzen der Bundesstaaten von der Regierung neu festgelegt, um die Ölgebiete unter die Kontrolle des Nordens zu bringen. Die Regierung startete darüber hinaus Vertreibungen aus den Ölgebieten (Oberer Nil), da sie an zügiger Förderung interessiert ist, um ihren mangelhaften Devisenbestand aufzuforsten. Dabei soll das im Südsudan gewonnene Erdöl über die ca. 1600 km lange Ölpipeline zwischen Bentiu und der Hafenstadt Port Sudan nach Norden transportiert und dort raffiniert werden. Die Südsudanesische Bevölkerung geht im Plan der Regierung (wieder einmal) leer aus, was Arbeitsplätze und die Verbesserung der Infrastruktur angeht. Seit 1980 arbeiten überwiegend französische Firmen an der Fertigstellung der Pipeline, trotz aller Proteste.

Wegen der anhaltenden Kämpfe im Gebiet verkaufte Chevron 1983 seine Konzessionen an die kanadische Arakis Oil Corporation, die von da an ein Viertel des Konsortiums hielt. Des weiteren sind chinesische Firmen mit 40 %, malaysische mit 30 %, und sudanesische, regierungsnahe Firmen an dem Projekt beteiligt. Außerdem erhielten französische, österreich- ische und US-Firmen Konzessionen für die Ölförderung. Für die im Bau befindliche Pipeline zwischen den Ölgebieten und Port Sudan hatte auch das deutsche BMZ 1983 2 Kredite beigesteuert. Bis 1996 häuften sich jedoch die Zahlungsrückstände, da das Projekt nicht vollendet werden konnte.

Erst Mitte der 1990er gelang der Regierung eine Wiederaufnahme der Ölförderung. Unter massivem Militärschutz begann 1999 die Produktion durch chinesische, malaysische, kanadische und schwedische Firmen. Blutige Kämpfe den je und Massenflucht der Bevölkerung. Im Jahr 2000 wurden 8 Mio. Tonnen gefördert. Die Nettoeinnahmen der Regierung werden auf 300 Millionen Dollar im Jahr 2000 geschätzt. Welche schwerwiegenden Folgen die forcierte Ölförderung für Umwelt und Zivilbevölkerung haben, ließ die kanadische Regierung 1999 untersuchen. Ihre Ergebnisse waren erschreckend: Intensivierung der Kämpfe im Fördergebiet, Flucht und Vertreibung der Zivilbevölkerung, Verschärfung sklavereiähnlicher Zustände, Umweltschäden wie z.B. verbrannte Felder.

4. Internationale Beziehungen

Nach seiner Unabhängigkeit 1956 orientierte sich die Politik des Sudan an den führenden Industrieländern, vor allem an den USA. Unter der Regierung von Oberst Jaafar al-Numairi, der seinerseits eine Art „Sozialismus sudanesischer Prägung“ entwickelte, setzte dieser vermehrt auf die Zusammenarbeit mit arabischen und sozialistischen Staaten. Nach dessen Sturz im Jahr 1985 wandte sich der Sudan vollkommen von Ägypten und den USA ab und neigte sich Libyen zu. Diese „Gegenbewegung“ zu den USA nahm ihren Höhepunkt in der offenen Konfrontation als sich die sudanesische Regierung während des Golfkriegs 1990/91 auf die Seite des Irak stellte. Die Beziehungen mit den USA und Ägyptens verschlechterten sich daraufhin zusehends. Saudi- Arabien brach seine wirtschaftliche und personelle Unterstützung des Sudans ab.

Die Gründung der islamischen Achse Sudan - Iran folgte. Der Iran wurde zum wichtigsten Verbündeten bei der Bekämpfung der Rebellen im Süden (iranische Waffen, libysches Erdöl). Ab 1992 wurde der Sudan verstärkt zum Ausbildungszentrum islamistischer Aktivisten, woraufhin Tunesien und Algerien ihre diplomatischen Beziehungen abbrachen. Durch die Aufforderung seiner arabischen Nachbarstaaten zum „Djihad“ gegen die „Zionisten“ 1997 ist der Sudan noch mehr in Verruf geraten. Auch Ägypten fürchtet seitdem ein Exportieren des islamistischen Fundamentalismus und die Rebellenaufstände im Süden des Landes, da sie die Wasserquellen Ägyptens bedrohen könnten. Darüber hinaus scheiterte ein geplantes Attentat auf den ägyptischen Regierungschef Mubarak 1995, in das der Sudan ebenfalls verwickelt gewesen sein soll. Aufgrund des Terrorismusvorwurfs ist die Beziehung zwischen den USA und dem Sudan ohnehin belastet. Allerdings durfte sich, wie bereits oben beschrieben, dennoch ein kalifornisches Unternehmen an der Ölförderung im Land beteiligen.

Ägypten selbst wirft dem Sudan eine Beteiligung am Attentat auf den Präsidenten Sadat im Jahr 1981 vor. Außerdem werden die Anhänger der „Gamaa Islamija“ für den Anschlag auf Touristen in Luxor im November 1997 verantwortlich gemacht. Osama bin Laden, der von 1991 bis zu seiner erzwungenen Ausweisung 1996 im Sudan lebte, soll diese Gruppe jahrelang finanziell unterstützt haben. Osama bin Laden selbst soll an der Planung der Bombenattentate auf die US-Botschaften in Nairobi/Kenia und Daressalam/Tansania am 7.8.1998 beteiligt gewesen sein. Nach den Terroranschlägen in New York und Washington vom 11. September 2001 und dem Krieg der USA, bzw. der alliierten Nato-Staaten gegen das Taliban-Regime in Afghanistan kam auch der Sudan für „militärische Schläge gegen den internationalen islamistischen Terrorismus“ in Betracht.

Nach den Angriffen auf die Botschaften in Kenia und Tansania reagierte USA prompt. Am 20.08.1998 folgte der „Vergeltungsanschlag“ der USA. Mit fünf Raketenabwürfen auf die Fabrik Al.-Chifaa Pharmaceutical Cooperation in Khartoum-Bahri. zerstörten die USA mit Hilfe von Marschflugkörpern eine pharmazeutische Fabrik bei Khartoum, da sie dem Sudan Verbindungen zum Terroristenführer Osama bin Laden vorwarf („Schurkenstaat“) und mutmaßten, dass in der Fabrik kriegswaffenfähiges Material hergestellt würde. Es wurden dabei allerdings keine chemischen Waffen und Grundstoffe für Nervengas zerstört, sondern nach amtlichen sudanesischen Angaben Medikamente in der 30 Millionen Dollar teuren Anlage vernichtet. Die USA lehnten im UN-Sicherheitsrat eine unabhängige Untersuchung zu dem Vorfall ab. Für die USA gilt der Sudan weiterhin neben dem Irak, dem Iran und Libyen als maßgeblicher Unterstützer des internationalen Terrorismus. Im April 1996 schlossen sie ihn deshalb von wirtschaftlichen Transaktionen aus. Auch wenn diese Entscheidung vom US- Präsidenten im Dezember 2001 bekräftigt wurde, macht sich jedoch das Verlangen der US- Amerikaner stark, die den Sudan im Kampf gegen den internationalen Terrorismus einbinden wollen und im Gegenzug dazu wirtschaftliche Hilfen in Aussicht stellen.

Auch zu anderen Staaten im direkten Umkreis des Sudan gibt es starke Spannungen, wie z.B. im Verhältnis zu Uganda (das die SPLA unterstützt, die ihrerseits ugandische Rebellen mitbekämpft), Äthiopien und Eritrea. Interessant ist jedoch die dominante Verbindung zu Frankreich. Hier hält der Sudan starke Verbindungen in der geheim- dienstlichen Zusammenarbeit, bei der Ölförderung. Darüber hinaus setzte sich Frankreich sogar über das 1994 von der europäischen Union beschlossene Waffenembargo mit dem Sudan hinweg.

5. Bewertung und Ausblick

Seit 1995 koordiniert die südliche Opposition nun den Widerstand gegen Khartoum zusammen mit der politischen Opposition im Norden. Hier hat sich die NDA (National Defence Alliance) als Dachorganisation der Gegenbewegungen formiert. Ein Rolle spielt dabei auch die nach seiner Verhaftung von al-Turabi neu gegründete Partei Nationaler Volkskongress (PNV). Unter der Schirmherrschaft der eritreischen Regierungspartei, der People’s Front for Democracy and Justice, wurde ab dem 15. Juni 1995 eine Konferenz der sudanesischen Oppositionsparteien in Asmara/Eritrea abgehalten. Teilnehmer waren Mitglieder der NDA, der DUP, der Umma-Partei, der SPLA, der sudanesischen Kommunistischen Partei, mehrere Gewerkschaftsführer, sowie ehemalige Militärs. Sie einigten sich auf Forderungen wie der Trennung von Religion und Staat im Sudan und die Durchführung eines Referendums über die Sezession des Südens.

Im April 1996 unterzeichnete die sudanesische Regierung ein Friedensabkommen mit zwei oppositionellen Gruppen, darunter einer Splittergruppe der SPLA (SPLA-United). Offensichtlich hatten diese Gruppen, um das Ergebnis zu ermöglichen, zuvor das Begehren nach einer Teilung des Landes aufgegeben. Von SPLA-Führer John Garang wurde daraufhin sowohl die Regierung als auch die SPLA-United kritisiert. Jedoch wurde im April 1997 ein Friedensübereinkommen zwischen sechs übriggebliebenen der seit 1991 von der SPLA abgespaltenen Splittergruppen mit der SPLA unterzeichnet. Diese Vereinbarungen sehen das Recht auf Selbstbestimmung im Süden, die Abschaffung der Scharia und Amnestie für die Mitglieder der sechs Gruppen vor.

Nach der Einführung der neuen Verfassung am 24. Juni 1998 durch Präsident al-Bashir rief dieser die Oppositionellen auf, aus dem Exil zurückzukehren. Er versprach ihnen eine Teilhabe an der Macht, politische Freiheiten und zivile Rechte. Darüber hinaus wurde von der Nationalversammlung die Wiedereinführung des Mehrparteiensystems beschlossen, das nach einigen Schwierigkeiten durch die Opposition al-Trurabis zu einer Registrierung erster, weniger Parteien führte. Die politische Opposition im Süden antwortete entgegenkommend auf diese Entscheidungen der Regierung mit mehrmaligen, mehrmonatigen Waffenstillständen. In einer Fernsehrede des Senders Qatarie State TV bewertete Präsident al-Bashir die Trennung von Nordsudan und Südsudan als bessere Lösung als ein Fortschreiten des Bürgerkriegs.

Am 26.09.2000 kam es erneut zu Verhandlungen in Asmara (Eritrea) und zum ersten direkten Gespräch seit 11 Jahren zwischen al-Bashir und NDA-Vorsitzenden al-Mirghani. Die Aufnahme von weiteren Friedensgesprächen wurde in diesem Rahmen beschlossen. Einigungsziel war einmal die friedliche Lösung für angemessene Bedingungen der freiwilligen Einheit von Nord und Süd zu finden. NDA gab ihre Forderung nach vollständiger Sezession auf. Die Gespräche endeten allerdings ohne konkretes Ergebnis, es sollen jedoch permanente Delegationen in Nairobi weiter verhandeln.

Der Bürgerkrieg wird für die Regierung nicht mit militärischen Mitteln zu gewinnen sein. Politische Lösungen des Konflikts sind schwierig, wegen der hervorstechenden Bedeutung des Öls, des Weide- und Ackerlands und der historischen Spaltung des Landes. Wirtschaftlich gesehen kommen die Einnahmen aus dem Ölgeschäft im Moment (wenn überhaupt, dann ) der Bevölkerung im Norden zugute. Wichtig für das politische Entwickeln und das wirtschaftliche Wachstum des Landes ist nach Ansicht der Autorin eine Autonomie der Südregion im Rahmen eines föderativen, demokratischen Sudan. Die Dominanz ausländischer Konzerne bei der Ausbeutung des Öls beraubt jedoch den Sudan seiner finanziellen Gewinne, ausschließlich die wirtschaftliche Elite, die mit den Trägern des diktatorischen Regimes al-Bashirs eng verwoben ist, profitiert von den Erlösen.

Internationale Maßnahmen können die politische und wirtschaftlichen Schwierigekeiten des Sudan auf die Dauer nicht lösen. So verteilt z.B. die Operation Lifeline Sudan (OLS) der UN und der UNHCR seit 1989 für etwa eine halbe Milliarde Dollar pro Jahr per Luftbrücke und Lastwagen Nahrungsmittel auf beiden Seiten der Front. Die OLS ist auf die Geneh- migung der Regierung angewiesen. Khartoum duldet die Flüge nur in Einzelfällen, da die Regierung befürchtet, dass die Güter in die Hände der Rebellen fallen. 720 000 Einwohner des Südsudan sollen nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms von Nahrungsmittel- hilfen abhängig sein. Problem: Kriegsverlängernd. Auch die internationale Entwicklungshilfe ist stark zurückgegangen: Der Sudan war bis zum Ende der 1980er Jahre ein Schwerpunktland deutscher Entwicklungspolitik (1989: 48,3 Millionen US-Dollar, 2. Stelle nach Ägypten). Seit 1989 jedoch werden nur noch Vorhaben, die der Bevölkerung direkt zugute kommen fortgesetzt und nur Projekte privater Hilfsorganisationen unterstützt. Die beiden letzten Projekte der (staatlichen) Technischen Zusammenarbeit liefen Ende 1997 aus. Vor allem im medizinischen und landwirtschaftlichen Bereich ist der Sudan jedoch weiter auf Hilfe angewiesen. Ein dauerhaft friedvolles und demokratisches System wird in einer Situation des Mangels an der Befriedigung grundlegender sozialer und persönlicher Bedürfnisse zu schwer zu etablieren sein.

6. Literatur

Bundeszentrale für Politische Bildung (Hrsg.) 2001: Informationen zur Politischen Bildung. Afrika II. Bonn, S. 48 - 54.

Loimeier, M. 1998: Zum Beispiel Sudan. Göttingen.

Fischer-Verlag (Hrsg.) 2001: Fischer-Weltalmanach 2002. Frankfurt/Main.

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Details

Seiten
14
Jahr
2001
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106283
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
Schlagworte
Erbe Briten Afrika Sudan

Autor

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Titel: Das Erbe der Briten in Afrika - Der Sudan