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Mann, Heinrich - Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen

Referat / Aufsatz (Schule) 2002 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung
1.1 allgemeines zur Aufgabenstellung
1.2 Formulierung einer These

2. Zusammenfassung

3. Figuren / Personen
3.1 Die Dreiecksbeziehung Unrat - Rosa - Lohmann
3.2 Bedeutung von Biografie, Aussehen und Kleidung
3.2.1 Unrat
3.2.2 Lohmann

4. Verwendung von Symbolen

5. Bedeutung der örtlichen Gegebenheiten

6. Biografie
6.1 Allgemeines
6.2 Zeittafel zu Leben und Werk

7. Literaturgeschichtliche Einordnung aufgrund der Biografie
7.1 Zum historischen Hintergrund
7.2 Einordnung durch Sprache und Aussehen der Figuren

8. Schlussfolgerung

1. Einleitung

1.1 allgemeines zu Aufgabenstellung

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, eine Interpretation über den Roman Professor Unrat in eigenen Worten zu formulieren. Basierend auf Lektüre, eigenen Ideen und Thesen, Interpretationshilfen und Internet muss eine Facharbeit er- stellt werden. Dies geschieht vor allem im Hinblick auf das spätere Verfassen ei- ner Maturaarbeit, bei welcher die formalen Gesichtspunkte ebenso bewertet wer- den. Aus diesem Grunde gilt unser Augenmerk beim Verfassen nicht nur dem In- halt sondern zu einem grossen Teil auch dem Formalen, Gestalterischen und dem allgemeinen Aussehen der Arbeit.

1.2 Formulierung einer These

Das Ausformulieren einer These betreffend dem Inhalt resp. dem Geschehen, er- langt für uns insofern an Wichtigkeit, dass wir dadurch der gesamten Arbeit einen roten Faden, beziehungsweise einen geordneten Aufbau geben können. Es ist daher gefragt eine einzelne, aber geeignete These zu finden, welche es zu bewei- sen respektive zu widerlegen gilt. In diese Arbeit haben wir folgende These ein- gebracht:

Unrat wünscht sich insgeheim so zu sein und zu denken wie sein Schüler Lohmann, welcher durch seine offene und gleichgültige Art den Prototypen des „neuen Stadtmenschen“ darstellt, der in seinem Daherkommen weder spiessig noch konservativ erscheint und genau dem gegenteiligen Wesen des Professors entspricht.

2. Zusammenfassung

Der Roman handelt vom Gymnasiastenschreck Professor Raat, der von allen nur Unrat genannt wird. Diesen Namen, Professor Unrat, trägt er schon seit vielen Jahren. Leider konnte er bis anhin noch nicht vielen Schülern beweisen, dass sie ihn bei dem „Namen“ genannt haben. Meist sprechen sie ihn nur hinter seinem Rücken aus. Wenn er aber in der Nähe ist, gibt es alleweil solch dreiste Schüler, die sich getrauen zu sagen, „da ist Unrat in der Luft.“ (PU 10) Jeder Schüler den er „fassen“ kann wie er ihn bei seinem Namen nennt, kommt ins Kabuff oder darf direkt beim Rektor vorsprechen. Er unterrichtet seit 25 Jahren an einem Gymnasi- um, wo er mit einer beängstigenden Zielstrebigkeit und viel Freude das Leben seiner verhassten Schüler erschwert. Er erzieht seine Schüler im kleinbürgerlichen Stil und wacht wie ein drohender Ordnungshüter über die angehenden Universi- tätsgelehrten, die einst das Gefüge des Staates sichern sollen. Doch eines Tages, während eines Aufsatzes über die Jungfrau von Orléans, bei dem er wieder ein- mal alle Schüler hat „reinfallen lassen“, sprechen drei Schüler aus Verzweiflung über den Reinfall seinen Namen noch im Schulzimmer aus. Diese drei Schüler Lohmann, Kieselack und von Erztum, sieht er fortan als seine grössten Feinde an. Er folgt ihnen sogar abends, wenn sie sich im Lokal ,,Der Blaue Engel" bei der Künstlerin Rosa Fröhlich aufhalten. Um sich an den Schülern, die für diese Dame schwärmen, zu rächen, erklärt er sich als ihr persönlicher Schutzbeauftragte und findet sich allabendlich bei ihr ein, um die Schüler von ihr fernzuhalten. Die bei- den verlieben sich und heiraten schließlich. Durch diese Bindung ist seine bürger- liche Stellung verloren. Als Unrat erkennt, dass er selbst Opfer lebensfeindlicher Zwänge war, beginnt er sich an dieser Gesellschaft, der er diente, zu rächen. Er setzt sich über alle Tabus hinweg, er führt ein Leben ausserhalb der geduldeten Norm, um seine Umwelt zu provozieren. Er verwandelt sein Haus zum Treffpunkt abendlicher Vergnügungen, zum Beispiel Glücksspiele zu denen sich bald die gan- ze High-Society der Stadt versammelt. Der Roman endet mit Unrats Verhaftung, nachdem er Lohmanns Brieftasche gestohlen hat und gewaltsam gegen seine Frau vorgegangen ist, welche er zusammen mit Lohmann erwischt hatte.

3. Figuren / Personen

3.1 Die Dreiecksbeziehung Unrat - Rosa - Lohmann

Von dieser Dreiecksbeziehung lebt der Roman, wobei sie für jeden der Beteiligten eine andere Qualität hat. Für Unrat, welcher als Hauptfigur des Romans dargestellt wird, ist Rosa eine ihm gleichgestellte Person, während Lohmann als sein Hauptgegner auszumachen ist.

Lohmann ist der einzige Schüler, dem sich Unrat nicht überlegen und gewachsen fühlt. Dadurch entwickelt sich der grosse Hass Unrats gegenüber Lohmann, wel- cher im Laufe des Romans anwächst. Vorerst ist Lohmann nur der schlimmste Schüler und Unrat muss sich nur in der Schule mit ihm beschäftigen, später be- schäftigt sich Unrat die ganze Zeit mit Lohmann. Aus seinem Ziel Lohmann zu fassen, wachsen wichtigere, grössere Ziele empor. Zum einen bleibt das Ziel ihn zu fassen, hinzu kommt jedoch der Konkurrenzkampf um Rosa Fröhlich, welche Unrat langsam zu lieben beginnt.

Es kommt zu einem ersten scheinbaren Sieg Unrats, als sich dieser in der Künstlergarderobe bestens eingelebt hat und er Rosa so viele Dienste erbringen kann, so dass Unrat unersetzlich wird.

Und er richtete ihren Kopf so vollkommen her, dass sie den Finger in keine Salbe mehr zu tauchen brauchte. Sie wunderte sich über seine Fertigkeiten und verlangte zu wissen, wie er sie so rasch erworben habe. Er errötete wolkig und stotterte irgend etwas; aber ihre Neugier blieb ungestillt.

Unrat erfreute sich der Bedeutung, die er in der Garderobe erobert hatte. Lohmann durfte nicht mehr hoffen, ihn zu ersetzen. Würde Lohmann etwa behalten haben, dass er der rosa Bolero dort zum Färber sollte? (PU110)

Doch auf diesen Sieg folgt schnell einmal eine erste Niederlage Unrats. Er be- nimmt sich beim Hünengrabprozess total daneben und muss dazu noch einige für ihn unerträgliche Neuigkeiten erfahren. Nach dem Prozess leben sich Unrat und Fröhlich kurz auseinander, doch sie finden schnell einmal wieder zusammen. Un- rat, der sich völlig in Rosa Fröhlich verliebt hatte, und dessen einziger Wunsch im Leben nur noch das Zusammensein mit Rosa war, macht ihr einen Heiratsantrag. Rosa, die ziemlich überrascht war und Unrat eigentlich gar nicht richtig liebte, nahm ihn an. Allein weil Unrat ihr die Sicherheit gab, die sie brauchte. Dies vor allem auch aus finanziellen Hinsichten. Diese Annahme und dass Lohmann die Stadt verlassen hatte, sieht Unrat als seinen endgültigen Sieg über Lohmann an. Wegen Unrats Angstfantasien gegenüber Lohmann, führt Unrat für Rosa nur eine einzige Tabuzone ein, Lohmann als Person selbst. Unrat verbietet ihr also jeglichen Umgang mit seinem Erzfeind.

Zwei Jahre verstreichen ohne dass Unrat und Lohmann in wirklichen Kontakt treten. Einzig Unrats Angstfantasien behalten ihren Bestand.

Doch diese gewisse Ruhephase wird durch das zufällige Aufeinandertreffen mit Lohmann und von Erztum auf der Strasse jäh beendet. Unrat vertraut Rosa an, wie es ihm gelungen sei, nach Kieselsack nun endlich auch von Erztum ins Ver- derben zu führen. Jetzt war also nur noch Lohmann fällig und Unrat wollte das gleich selbst übernehmen und nicht, wie so oft zuvor, Rosa damit beauftragen. Dies nimmt sie mit gemischten Gefühlen auf. Folglich provoziert sie am nächsten Morgen ein Wiedersehen mit Lohmann in der Stadt. Sie unterhalten sich über die beiden vergangenen Jahre. Lohmann bewundert die Werdegänge Unrats und Fröhlichs. Um Rosa zu imponieren erstellt er ihr ein Psychogramm Unrats, von welchem er selbst nicht glaubte Unrat gerecht zu werden. Doch sein Ziel, ihr da- mit zu imponieren, erreichte er damit. Vollends geblendet ist Rosa dann, als Loh- mann ihr Sachkundige Informationen zum letzten Stand der Kleidermode zu ge- ben weiss. Rosa lädt ihn ein, am Nachmittag, wenn sonst niemand zu Hause sei, bei ihr vorbeizuschauen. Voller Stolz über die Einladung erscheint Lohmann am Nachmittag bei Rosa. Als er ihre vielen Schulden sieht, möchte er diese sofort be- zahlen, da er sich in der peinlichen Situation sieht, für etwaige Dienste Rosas be- zahlt zu haben. Obwohl Rosa ablehnt, weil sie nicht gekauft sein wollte, legt er provozierend seine, mit braunen Scheinen gefüllte, Brieftasche geöffnet auf den Tisch. Weil Lohmann der Einzige war, der ihr verboten wurde, übte er einen spe- ziellen Reiz auf sie aus. So wie auch das Lied vom runden Mond, das einzige war, das sie nicht singen durfte, spürte sie eine riesige Lust es Lohmann vorzusingen. Gerade beim Vorsingen dieses Liedes taucht Unrat auf. Seine Schreckensvision ist nun Tatsache geworden. Unrat sah sein ganzes Vernichtungswerk zerstört. Darum verurteilte er gleich alle drei zu Tode. Diesem Grundsatz folgend, begann er Rosa zu würgen. Lohmann schritt zögernd ein und half Rosa, die dadurch in ein Nebenzimmer fliehen konnte. Unrat, völlig ausser sich, schnappte sich die Brieftasche. Dies veranlasste Lohmann zum Alarmieren der Polizei. Unrat und Rosa wurden verhaftet, was nun die endgültige Niederlage Unrats bedeutete.

3.2 Bedeutung von Biografie, Aussehen und Kleidung

3.2.1 Unrat

Unrats Lebensgeschichte bleibt dem Leser weitgehend unbekannt, nicht einmal seinen Vornamen erfährt er. Seine Biographie lässt sich nur teilweise aus Bruchstücken rekonstruieren. Unrat studierte alte Sprachen in der Hauptstadt des grossen Reiches. Dabei wurde er durch eine Witwe finanziell unterstützt, die er vertragsmässig auch heiratete. Aus dieser Ehe wurde ein Sohn geboren von wel- chem sich Unrat später trennte, da er seine Erwartungen nicht erfüllte. Der 57 jährige Professor lebt nun seit 27 Jahren ohne Familie und Freunde in einer nord- deutschen Stadt.

Im Buch wird auch bruchstückhaft auf das Äussere Unrats eingegangen. Er besitzt magere, eingeknickte Beine; graue eckige Hände; ein hölzernes Kinn mit einem graugelben Bärtchen; seine Lippen werden als „hölzerne Mundfalten, aus denen im Zorn Speichel bis auf die vorderste Bank spritzt.“ (PU 13) beschrieben und sei- ne rechte Schulter ist höher als die linke. Seine Physiognomie wirkt folglich gera- dezu abstossend. Oft wird Unrat auch mit einem Tier verglichen. So sehen ihn die Schüler zum Beispiel als „ein gemeingefährliches Vieh, das man leider nicht tot- schlagen durfte.“ (PU 11)

Aus seinem äusseren Erscheinungsbild lässt es sich leicht auf sein Inneres schlies- sen: Seine Bewegungen, er schleicht mit langen Schritten, oder macht manchmal einen eckigen Sprung, sind Ausdruck seiner inneren angespannten Verfassung. Seine eckige und unförmige Gestalt ist sichtbarer Ausdruck einer psychischen De- formation. Seine Verunstaltung durch die in die Höhe gedrängte rechte Schulter, ist die Folge der wissenschaftlichen Tätigkeit von 30 Jahren, fernab der Welt an seinem alten Schreibpult.

Was in der Schule vorging hatte für Unrat Ernst und Wirklichkeit des Lebens. Sein ganzes Leben bestand aus der Schule. Unrat ist nur durch seine Stellung als Leh- rer und durch sein Wissen den Schülern überlegen. Sozial ist er ihnen jedoch weit unterlegen. Seine hinterhältigen und gemeinen Zwangsmittel sind nichts anderes als die verzweifelte Kompensation seiner inneren Schwäche und Ohnmacht. So lag auch nichts näher als aus seinem Namen Raat, der auf Weisheit und Überle- genheit schliessen lässt, genau das Gegenteil, nämlich Unrat zu machen.

3.2.2 Lohmann

Der 17 - jährige Konsulsohn wird auch in seinem Aussehen klar als Gegenspieler Unrats dargestellt. Er ist sehr modekundig und modebewusst, meistens schwarz angezogen und hat einen schwarzen Hut auf dem Kopf. Auch seine Haare sind schwarz, was einen guten Kontrast zu seinem blassen Gesicht bildet, mit welchem er eine talentvolle Mimik ausübt.

Lohmann entzieht sich „bei verbotenen Freuden der harten Zucht des Lehrers“ und verschafft sich Kenntnisse ausserhalb der Schule. Er besitzt jene geistige Unabhängigkeit und Souveränität, die Unrat nicht besitzt, und stellt so als Vertreter des Geistes die Gegenposition der Macht dar. Er ist nicht nur seinen Mitschülern geistig überlegen sondern auch Unrat, dessen Macht er in Frage stellt. Lohmann tritt gerne in die Rolle des Leidenden, so wird die Liebe für ihn zur masochistischen Leidenschaft. Er liebt die 30 - jährige Dora Breetpoot nicht als Person, sondern weil sie aufgrund der gesellschaftlichen Umstände für ihn unerreichbar ist und seine Liebe unglücklich bleiben muss.

Lohmann ist stets um seine Eigenart bemüht. Er sucht seine Antibürgerlichkeit vor allem gegen gängige Denk- und Fühlweisen und gegen konventionelle Moralvor- stellungen zu beweisen. Lohmann kritisiert die Zivilisation mit einer gewissen Sympathie zum Anarchismus, an dem Unrat später auch gefallen finden soll.

4. Verwendung von Symbolen

Im Roman kommen relativ häufig Symbole vor. Wir haben uns bei der Auswahl auf die wichtigsten, immer wieder vorkommenden Symbole beschränkt. Einerseits wird im Buch eine sehr grosse Anzahl an Farbsymbolen verwendet, andererseits existieren aber auch andere, sehr aussagekräftige Symbole.

Symbole:

Grau:

Die farblos, finstere Existenz Unrats wird durch die Farbe Grau gekennzeichnet. Er trägt einen grauen Mantel, sein Gesicht und seine Hände werden ebenfalls als grau und fahl beschrieben.

Rosa:

Der Vorname der Künstlerin Fröhlich bezeichnet die Farbe Rosa, welche den Wunsch nach Leichtigkeit in Liebe und Leidenschaft, Sehnsüchte und kommenden Erfolg symbolisiert.

Blau:

Der Blaue Engel erscheint als Verheissung der lang ersehnten Treue. Unrat wünscht sich Zuneigung und Treue, die er dank Rosa Fröhlich im Blauen Engel findet. Blau ist im allgemeinen Symbol für Glauben und Treue.

Bunt:

Das „bunte Gesicht“ Rosa Fröhlichs steht einerseits für die Künstlerin selbst, andererseits aber auch für die Lebendigkeit, die Unrats graue Existenz zu neuem Leben erweckt.

Schwarz:

Als Farbe des Netzkleides Rosa Fröhlichs ihrer Strümpfe und Unterwäsche wird die Farbe Schwarz zum Symbol sinnlicher Triebhaftigkeit.

Lohmann hat schwarze Haare, trägt einen schwarzen Hut und schwarze Kleidung. In der westlichen Welt gilt schwarz als das Symbol von Tod, Trauer und Unterwelt. Lohmann symbolisiert also den Niedergang Unrats.

Weiss:

Die Familie Unrat erscheint in neuem Glanz: in elegantem und sinnlichem Weiss, der Farbe der Unschuld und Reinheit, aber auch der blendenden Fas- sade:

„Die Künstlerin Fröhlich trug weisse Schuhe und weisse Federboas zu weissen Voilekleidern. Sie sah frisch und luftig aus mit dem flatternden weissen Schleier an ihrem Crêpelisse - Hut und mit ihrem weissen Kind an der Hand.“ (PU 184)

Lohmanns Gesicht ist blass und weisslich. In diesem Zusammenhang symbolisiert Weiss die Totenblässe und somit wiederum den Untergang Unrats.

Barfuss:

Die Barfusstänzerin Rosa Fröhlich. Barfussgehen ist ein Symbol für Sinnliche Freiheit, wobei der Fuss allein für Freiheit und Stabilität steht.

Tanz:

Nach dem östlichen Glauben wird der Mensch durch Rhythmus und Tanz näher an seine Instinkte herangeführt. Der Barfusstanz steht in Kombination beider Symbole demnach für die sinnliche Freiheit der Instinkte!

Ein weiteres ganz auffälliges Symbol ist, dass sich die Annäherung Unrats an die Künstlerin Rosa Fröhlich durch die Nacht zum Licht vollzieht, respektive aus dem dunkeln Hafenlokal in die helle Villa Unrats.

5. Bedeutung der örtlichen Gegebenheiten

Die Schule und der Blaue Engel sind zu Beginn die beiden sehr unterschiedlichen Lebensbereiche Unrats. Die Schule ist Ort, der Erziehung, der Vermittlung von bürgerlichen Tugenden, der ernsten und strengen wissenschaftlichen Schulung, der Disziplin und Ordnung. Hingegen ist der Blaue Engel Ort, des Vergnügens, der Verlockung, der Ablenkung, der sexuellen Freiheiten, des Chaos und der Unord- nung. Die Umorientierung Unrats zeigt sich nun deutlich durch die zunehmende Verlagerung in den Blauen Engel. Niemals kann Unrat beide Orte gleichzeitig beherrschen. So bedeutet der Sieg an einem Ort gleichzeitig auch die Niederlage am anderen Ort. Anfangs ist Unrat unumstrittener Herrscher im Klassenzimmer und mit der Zeit triumphiert er im blauen Engel. Die Parallelität der beiden Orte zeigt sich auch darin, dass beide jeweils aus zwei Räumen bestehen. Einerseits gibt es das Klassenzimmer und die Kabuff genannte und zur Bestrafung der Schüler verwendete Garderobe und andererseits gibt es im Blauen Engel den Konzertsaal und das als Umkleide- und Aufenthaltsraum benutzte Nebenzimmer, welches von Unrat meist auch als Kabuff bezeichnet wird.

Zu Beginn wurde von Unrat nur die Schule geschätzt und der Blaue Engel ganz klar verachtet. Doch die Trennlinie schmolz langsam dahin. Seine Gegenwelt, der Blaue Engel, wird zuerst zur parallelen und dann zu seiner eigentlichen Welt. Eine weitere Parallelität lässt sich insofern ausmachen, als beides gegen aussen abgeschirmte, nicht öffentliche Räume sind. Unrat kann sich nur in solchen Räumen einigermassen erfolgreich bewegen.

Danach spielt die Handlung ausserhalb von Schule und Blauem Engel. Dies Ent- spricht der Ausnahme in der privaten Situation Unrats, nämlich seinem glücklichen Zustand.

Weder die Schauplätze noch die Handlung verknüpfen den ersten mit dem zwei- ten Teil. Diese beiden Teile werden nur durch Unrat und seinen Charakter zu- sammengehalten. Im zweiten Teil spielt die Handlung im Seebad. Dort beginnt der private Kampf gegen die Schüler, diesmal jedoch ohne Schauplatzwechsel,.

6. Biografie: Heinrich Manns

6.1 Allgemeines

Diese Biographie und Bibliographie konzentriert sich weitgehend auf die Jahre der Jahrhundertwende. Aus diesem Grunde wurde die nachfolgende Zeittafel in einer speziellen Unterteilung gegliedert.

Vor allem die Zeit seit dem Tod seines Vaters bis hin zum ersten Weltkrieg wird eingehender behandelt. In diesen Jahren (1891-1916) schrieb er seine berühm- testen Werke wie zum Beispiel Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen, Der Untertan und Flöten und Dolche. Bis zu seinem Tode im Jahre 1950 kamen noch zahlreiche Werke hinzu, welche er zum grössten Teil im Exil geschrieben hatte. Während der Nationalsozialistischen Zeit galt Mann als entarteter Schrift- steller und musste deswegen die Flucht nach Frankreich ergreifen. Im selben Jahr (1933) wurde ihm die Deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er starb 1950 in Kalifornien. Seine Urne wurde erst 1961 wieder in das von ihm bis anhin verhass- te Vaterland überführt.

6.2 Zeittafel zu Leben und Werk

1871 Heinrich Mann wird in Lübeck als ältester Sohn des Senators Tho- mas Johann Heinrich Mann geboren

1875 Geburt des Bruders Thomas Mann

1890 erste Veröffentlichung in der Lübeckischen Zeitung

1891 Tod des Vaters

1893 Übersiedlung nach München; Reisen nach Paris, Italien

1894 In einer Familie, Roman

1895–1896 Herausgeber der Monatsschrift Das Zwanzigste Jahrhundert. Blätter für deutsche Art und Wohlfahrt

1900–1914 ohne festen Wohnsitz, Aufenthalt in München, Paris, Berlin und meist in Italien

1900 Schlaraffenland. Roman unter feinen Leuten, Roman

1903 Die Göttinnen oder Die drei Romane der Herzogin von Assy, Roman

1905 Flöten und Dolche, Novelle

1905 Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen, Roman

1906 Drei Novellenbände: Schauspielerin, Stürmische Morgen, Mnais und Ginerva

1907 Zwischen den Rassen, Roman

1908 Gretchen die Böse, Roman

1909 Die kleine Stadt, Roman

1914 Der Untertan, erscheint in der Zeit im Bild

1916 Der Untertan erscheint als Privatdruck

1933 Flucht vor Hitler nach Frankreich

1940 Flucht aus Nizza über Spanien und Portugal in die USA

1940-1950 Wohnsitz in Kalifornien (Los Angeles, Santa Monica)

1950 gestorben am 12. März in Kalifornien

7. Literaturgeschichtliche Einordnung aufgrund der Biografie

7.1 Zum historischen Hintergrund

Manns Roman spielt in der traditionsreichen Hansestadt Lübeck, in welcher er selbst geboren wurde. Zu dieser Zeit herrschten allerlei gesellschaftliche Miss- stände. Es gab kein einheitliches Wahlrecht, die wirtschaftlich arrivierten Kaufleu- te bestimmten die Politik der Stadt und die Armen hausten meist in Baracken in den Hafenvierteln. Zwischen Arm und Reich klaffte zu jener Zeit eine gewaltige Lücke, die von der Mittelschicht kaum aufgefüllt werden konnte. Genau dieser Mittelschicht entstammt auch Unrat. Er gehört zu der Anzahl Beamten, selbstän- digen Handwerkern und Gewerbetreibenden welche diese Zwischenschicht dar- stellten. Gymnasiallehrer bezogen ihr damals, im Vergleich zum Verdienst, hohes Prestige allein aus der Tatsache, dass sie ein Universitätsstudium genossen hat- ten. Dies war bei Unrat bekanntlich auch nur der Fall, weil er eine reiche Witwe geheiratet hat.

Der Gesellschaftsaufbau ist also hierarchisch und statisch aufgebaut. Es ist kein, oder kaum ein Aufstieg möglich. Das Gegenteil jedoch kann sehr schnell auftre- ten. Der Abstieg in eine sozial tiefere Schicht aufgrund wirtschaftlichen Nieder- gangs ist absolut möglich. Die Bildungschancen verteilen sich gemäss der sozialen Stellung. Aus finanziellen Gründen war das Gymnasium nur der Ober - und Mittelschicht zugänglich.

In Professor Unrat liefert Heinrich Mann kein klares Panorama der Gesellschafts- struktur. Er spricht weder das politische System des Kaiserreichs noch das System der Hansestadt Lübeck genauer an. Durch die satirische und bisweilen bissige Art der Personen - und Umstandsschilderung, bringt er indirekt genügend Hinweise darauf wie es wirklich aussieht. Die Mitbürger jener Zeit wussten daher durchaus auf was Heinrich Mann in seinem Professor Unrat und später auch in Der Untertan sichtbar machen wollte.

7.2 Einordnung durch Sprache und Aussehen der Figuren

Bei Literaturgeschichtlichen Einreihungen eignet sich kaum etwas besser als die Sprache. Dialekt, Umgangsprache und das Hochdeutsch Unrats kann man ent- sprechend der sozialen und regionalen Gegebenheiten einordnen. Auch durch die Orte an denen die Geschichte spielt lassen sich Ableitungen zu den Hintergründen erstellen. So ist zum Beispiel der „Blaue Engel“ sehr wirklichkeitsgetreu und de- tailhaft gezeichnet. Dies verweist auf den Naturalismus, aber gleichzeitig entfernt sich Mann von diesem, indem er sich durch seine satirisch - überspitzte Darstel- lungsweise weit von jeder Wirklichkeitstreue entfernt. Die bildreichen und manchmal sehr spitzfindigen Darstellungen des Innenlebens Unrats zeigt Manns expressionistische Art.

Ein letztes Zeichen das durch die Art einer bestimmten Figur auf die Zeit verweist ist die Dekadenz Lohmanns, welche wiederum durch seine Kleidung und sein Auftreten gegenüber den anderen Romanfiguren zur Geltung kommt.

8. Schlussfolgerung

Ist die am Anfang gestellte These nun richtig, oder muss sie als falsch abgetan werden? Wir denken, dass Unrat durch sein verunsichertes Ich und sein unschö- nes Auftreten durchaus eine Art Komplex ausgebildet hat. Lohmann der als deka- denter und verschlagen - intelligenter Jüngling auftritt, entspricht durch und durch dem modernen Erscheinungsbild der damaligen Zeit. Unrat, der ja später immer wieder Empfänge in seinem Haus gibt, vermisst an sich selbst diese Eigenschaften. Er möchte liebend gerne mit der Leichtigkeit seines ärgsten Gegenspielers durchs Leben gehen können, doch dies gelingt ihm aufgrund seines bisherigen Verhaltens und seiner andersartigen Erziehung nicht. Die Sympathie zum A- narchismus übernimmt er dabei von Lohmann, lebt diese jedoch anschliessend voll und ganz aus. Zum Schluss geht er sogar an diesem Hang zum Anarchismus zugrunde. Er hat sich also durch seine Veränderung während des Romans selbst ins Verderben geliefert, während Lohmann immer noch triumphiert und am Schluss trotzdem das bekommt was er haben wollte.

Die aufgestellte These hat sich also als richtig erwiesen. Auch wenn Unrat schlussendlich nie so geworden ist, respektive geworden wäre wie Lohmann, versuchte er dennoch alles um mit ihm auf einer Stufe zu stehen.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Computer und Internet:

Microsoft Encarta Enzyklopädie Plus 2001

URL :http://www.kosh.de/referate/html/p/professorunrat.htm

URL :http://www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/kunst/unrat/

URL :http://home.t-online.de/home/reetdach/download/unrat.htm

URL :http://www.inter-nationes.de/d/frames/gaz/didak1905.html

Details

Seiten
16
Jahr
2002
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106370
Note
Schlagworte
Mann Heinrich Professor Unrat Ende Tyrannen

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Titel: Mann, Heinrich - Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen