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Kinderlose Ehen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 25 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Öffentliche Meinung über Kinderlosigkeit bei Ehepaaren .
2.1 Vergangenheit
2.2 Gegenwart

3 Gründe für Kinderlosigkeit
3.1 Fehlender Kinderwunsch
3.2 Geburtenkontrolle
3.3 Die veränderte Rolle der Frau
3.4 Ansprüche an die Erziehung
3.5 Partnerschaft
3.6 Umweltbedingungen und Zukunftsängste
3.7 Lebensstil
3.8 Werte in der Gesellschaft
3.9 Biographie
3.10 Gesundheit

4 Folgen der Kinderlosigkeit

5 Politische Maßnahmen zur Steigerung der Geburtenrate ..

6 Zusammenfassung

Literatur

1 Einleitung

„Die Deutschen sterben aus“ (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 10), so fürchten die Politiker und Bevölkerungswissen- schaftler. Und tatsächlich hat die Bundesrepublik eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt1. Der Geburtenrückgang setzte 1965 ein, damals lag die Geburtenziffer bei 2,5, was allerdings ein relativer Höchststand war (Kaufmann 1995, S. 47). Heute hat sich die Geburtenziffer in Deutschland auf dem niedrigen Niveau zwischen 1,3 und 1,5 eingependelt (Zie- bell/Schmerl/Queisser 1992, S. 11), 1995 lag sie bei 1.25 (Engstler 1997, S. 85). Um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, müssten aber im Durchschnitt etwas mehr als zwei Kinder pro Frau geboren werden, wenn man Aus- und Einwanderungsprozesse nicht in die Rechnungen mit einbezieht (Bur- kart/Kohli 1992, S. 152).

Das Thema meiner Arbeit trägt in Anlehnung an das Seminarthe- ma vom 4.7.2000 und das Buch von Frau Nave-Herz die Über- schrift „Kinderlose Ehen“. In der Literatur, auf die ich mich im Folgenden beziehen werde, sprechen die Autoren nicht immer explizit von Kinderlosigkeit in der Ehe, sondern auch außerhalb dieser Institution. Die meisten Aussagen, die sich mit Gründen der Kinderlosigkeit und deren Folgen beschäfti- gen, treffen aber auf beide Situationen zu. Zudem werden in der Bundesrepublik immer noch die meisten Kinder in der Ehe geboren, 1995 fanden nur 16,1% aller Lebendgeburten in Deutschland außerehelich statt (Engstler 1997, S. 85), so dass man davon ausgehen kann, dass sich der Geburtenrückgang vor allem in den Ehen vollzogen hat. Interessant ist in die- ser Hinsicht, wie sich diese Entwicklung aus demographischen Gesichtspunkten zusammensetzt. Burkart und Kohli (1992, S. 157) weisen darauf hin, dass die sinkende Geburtenziffer hauptsächlich auf einen Rückgang von kinderreichen Familien (in diesem Fall mehr als zwei Kinder) und auf den Anstieg von gänzlich kinderlosen Frauen bzw. Ehen zurückzuführen ist. Ein gleichmäßiger Rückgang, bei dem beispielsweise jede Frau ein Kind weniger als ihre Mutter zur Welt bringt, scheint also nicht die Ursache zu sein.

Zum Begriff der „kinderlosen Ehe“ schreibt Nave-Herz, dass eine Definition nicht so einfach ist, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Darunter könnten Ehepaare, deren Kinder das Elternhaus schon verlassen haben genauso fallen, wie die Paare, bei denen die Frau schon schwanger ist, die aber noch kein Kind haben. Müssen beide Ehepartner kinderlos sein oder dürfen sie nur keine gemeinsamen Kinder haben, um als kinder- lose Ehe bezeichnet zu werden? Nave-Herz suchte daher nach einer Definition des Begriffs und wurde dabei weder in der soziologischen noch psychologischen Literatur fündig. Hinge- gen ist der Begriff in der medizinischen Literatur genau be- schrieben und bezeichnet ein Ehepaar, das ohne die Anwendung von Verhütungsmitteln nach zwei Jahren2 keine Schwangerschaft erreicht hat, es ist dann von einer absoluten (bzw. congeni- talen oder primären) Kinderlosigkeit die Rede. Kinderlosig- keit wird im medizinischen Sinne als pathologisch angesehen und mit den Ausdrücken Sterilität und Infertilität gleichge- setzt. Zusätzlich wird in der Medizin die relative (bzw. ac- quisite oder sekundäre) Kinderlosigkeit betrachtet, die gege- ben ist, wenn nach einer Schwangerschaft keine weitere er- folgt (vgl. Nave-Herz 1988a, S. 23). Ich werde in meiner Ar- beit aber nur die absolute Kinderlosigkeit betrachten3. Im statistischen Sinne wird eine Ehe als kinderlos bezeichnet, wenn aus einer bestehenden Ehe keine Kinder hervorgegangen sind. Wenn auch der Begriff an sich im soziologischen Sinne nicht definiert ist, so wird zumindest in verschiedene Typen der kinderlosen Ehe unterschieden. Nave-Herz und auch Schnee- wind unterscheiden jeweils 3 Gruppen, die sich ähneln, aber nicht völlig übereinstimmen: Eine Gruppe ist bei beiden Auto- ren die, die aus medizinischen Gründen kinderlos bleibt, wo- bei die Ursache organisch oder psychosomatisch sein kann, ei- ne zweite Gruppe ist die der Paare, die sich bewusst gegen eigene Kinder entscheiden4, und die dritte Gruppe ist bei Na- ve-Herz aus Paaren zusammengesetzt, die trotz aktuellem Kin- derwunsch noch keine Kinder haben, wohingegen Schneewind in der dritten Gruppe diejenigen zusammenfasst, die sich zwar nicht gegen ein Kind entscheiden, die Realisierung aber so lange aufschieben, bis biologische Grenzen entstehen. Ich werde mich bei meinen Ausführungen auf diejenigen Ehepaare beziehen, die sich bewusst gegen ein Kind entscheiden, das sind schätzungsweise 8-9% aller Ehen5 (Zie- bell/Schmerl/Queisser 1992, S. 15), wobei diese Entscheidung endgültig aber auch bis auf weiteres sein kann. Das besondere bei diesem Typ kinderlosen Ehen ist, dass es sich um ein neu- es Phänomen handelt. Sich bewusst für Kinderlosigkeit zu ent- scheiden ist erst seit der allgemeinen Verbreitung von Anti- konzeptiva und anderer Veränderungsprozesse in der Gesell- schaft möglich (Nave-Herz 1988a, S. 12). Es ist vielleicht sogar so, dass es sich heute nicht mehr um etwas besonderes handelt, sich bewusst gegen Kinder zu entscheiden, sondern eher, die aktive Entscheidung für Kinder zu treffen. So schreibt von Lear: „Mußte man sich früher relativ mühsam um empfängnisverhütende Mittel kümmern, wenn man keine Kinder wollte, so muß man sich heute meist bewußt dazu entschließen, diese Mittel abzusetzen, wenn man Kinder will. Der Entschei- dungsprozeß läuft in der Regel jetzt umgekehrt.“ (zit. in Nave-Herz 1988a, S.13)

Im Folgenden werde ich versuchen, das Ansehen kinderloser E- hepaare früher und heute knapp darzustellen, um dann auf den Schwerpunkt meiner Arbeit zu kommen, nämlich die Gründe für eine bewusst gewählte Kinderlosigkeit. Hierbei möchte ich auch die objektiven Gegebenheiten betrachten, die hinter den subjektiv empfundenen und die Entscheidung beeinflussenden Bedingungen stehen. Zum Abschluss werde ich mögliche Folgen des Abwärtstrends bei der Geburtenziffer sowie politische Ge- genmaßnahmen beschreiben. Mein besonderes Interesse gilt der Frage, ob die Gründe nur zur Zeit aktuell sind oder ob es Faktoren sind, die schon immer vorhanden waren, aber aufgrund der fehlenden Möglichkeit der Geburtenkontrolle nicht zum Tragen kamen. Außerdem möchte ich herausfinden, ob sie sich von allein wieder verlieren werden, und inwiefern die Mög- lichkeit besteht, durch gezieltes Eingreifen den Trend des Geburtenrückgangs umzukehren.

2 Öffentliche Meinung über Kinderlosigkeit bei Ehe- paaren

2.1 Vergangenheit

Nave-Herz schreibt unter Bezug auf verschiedene Autoren, dass in früheren Zeiten die Ehe stets die Zeugung von Nachwuchs zum Ziel hatte. Kinder bedeuteten für eine Familie zusätzli- che kostengünstige Arbeitskräfte, sie sollten die Eltern im Alter versorgen und dienten natürlich als Erben. Durch die hohe Kindersterblichkeit wurde auch Wert auf möglichst viele Kinder gelegt. Blieb eine Ehe kinderlos, so geschah dies fast immer unfreiwillig. Die Schuld dafür wurde überwiegend der Frau gegeben und sie war es auch, die am stärksten darunter zu leiden hatte, denn in vielen Kulturen konnte eine Ehe bei Kinderlosigkeit aufgelöst werden und die Frau durfte versto-ßen werden. In anderen Kulturen wurden Hochzeitstermine erst bei einer Schwangerschaft festgelegt, so dass kinderlose Ehen gar nicht erst entstehen konnten. Erklärt wurde Kinderlosig- keit oft als Fluch oder Zauber, der der Frau, die als Folge dessen geächtet wurde, als Strafe auferlegt worden war. Bei Impotenz des Mannes machte man meist den Zauber anderer Frau- en verantwortlich, auch in Hexenprozessen wurde dieses thema- tisiert. Welche hohe Bedeutung die Fruchtbarkeit hatte, kann man auch daran ablesen, wie viel verschiedene angebliche Ge- genmittel und fruchtbarkeitsfördernde Handlungen zu allen Zeiten verbreitet waren (beschrieben z.B. bei Nave-Herz 1988a, S. 11f. oder Dee 1999, S. 41f.).

Aber Diskriminierung von kinderlosen Ehen fand nicht nur in der Antike oder im Mittelalter statt. In ihrer Studie, in der Nave-Herz kinderlose Ehepaare verschiedener Eheschließungs- jahrgänge befragt, zitiert sie diskriminierende Bemerkungen, die Ehepaare, die um 1950 geheiratet haben, erlebten. Die Ab- wertung betraf nicht mehr nur die Frauen und auch die Themen hatten sich geändert, die Aussprüche waren aber nicht weniger verletzend. Sie reichten von Vorhaltungen, dass man nicht mitreden könne, nichts zu tun hätte und einem die Lebensqua- lität fehle, bis zu der Aussage, dass die Frau ohne Kind ein „bevölkerungspolitischer Blindgänger“ sei (Nave-Herz 1988a, S. 85).

2.2 Gegenwart

Ob kinderlose Ehen auch heute noch so starken Diskriminierun- gen ausgesetzt sind, ist in der Literatur nicht eindeutig ge- klärt. Bei Dee ist die Rede davon, dass die kinderlose Frau ein Feindbild darstellt, „weil sie sich weigert „ihre Pflicht“ für den Staat und das Sozialversicherungssystem zu tun“ (Dee 1999, S. 44) und Neid bei Frauen erzeugt, die Kin- der haben und nicht über die gleiche Menge an Freizeit und finanziellen Mitteln verfügen. Nave-Herz hingegen spricht von einer Abnahme der Diskriminierung, wobei sie zu bedenken gibt, dass eventuell nur die Stärke der Abwertung abgenommen hat und so leichter - bewusst oder unbewusst - übersehen wer- den kann (Nave-Herz 1988a, S. 88). Wenn Vorurteile geäußert werden, dann beziehen sich diese hauptsächlich auf einen an- geblichen Egoismus der Nicht-Eltern, eine fehlende soziale Einstellung und eine mögliche Einsamkeit im Alter. Die Be- fragten in der Studie von Nave-Herz berichten über den Vor- wurf des „Doppelverdienertums“, den Vorschlag der Aberken- nung des Rentenanspruchs, aber auch über Mitleid und anzügli- che Bemerkungen in Bezug auf die männliche Potenz. (Nave-Herz 1988a, S. 84). Fehlende Toleranz gegenüber der Entscheidung gegen Kinder wird auch von Verwandten gezeigt, allerdings nicht in so starkem Maße. Hervorgehoben werden können hier die Eltern der Ehepartner, die in Form von häufigem Nachfra- gen ihren Anspruch auf Enkelkinder anmelden. Nave-Herz legt aber auch dar, dass in den letzten Jahrzehnten die Meinung zugenommen hat, dass eine Frau bzw. eine Ehe auch ohne Kinder glücklich sein kann. Als positives Merkmal kinderloser Ehen wird vor allem anerkannt, dass das Paar freier bei der Wahl des Lebensstils und finanziell besser gestellt sei.

Vier Lieblingsklischees über Kinderlose werden bei Ziebell u.a. angesprochen. Das sind das Vorurteil der Kinderfeind- lichkeit, der „kaputten“ Herkunftsfamilie, dem Streben nach Karriere und Geld sowie der Wohlstandsverwahrlosung, d.h. dass der „natürliche“ Kinderwunsch durch das angenehme Le- ben, besonders in den höheren Schichten, abhanden gekommen sei (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 216ff.). Inwiefern diese Vorurteile begründet sind, werde ich im nächsten Ab- schnitt, der sich mit den Gründen der Kinderlosigkeit be- schäftigt, erörtern.

3 Gründe für Kinderlosigkeit

Wenn ein Paar sich entscheidet kinderlos zu bleiben, handelt es sich jedes Mal um eine ganz individuelle Entscheidung. Die Gründe dafür liegen ganz allein in ihrem Ermessen und sind daher subjektiv. Betont wird von mehreren Autoren, dass viele Faktoren, die sich teilweise auch gegenseitig bedingen, für die steigende Kinderlosigkeit verantwortlich sind. Vor einer monokausalen Betrachtungsweise wird gewarnt (Zie- bell/Schmerl/Queisser 1992, S. 15; Hettlage 1998, S. 138). In der mir vorliegenden Literatur bestätigt sich dies durch die große Vielzahl von Argumenten. Da bei allen Untersuchungen die Stichprobengröße von wenigen hundert Befragten nicht ü- berstiegen wird, kann man keine sicheren Aussagen über die Repräsentativität der Aussagen treffen. Nichtsdestotrotz fin- det man in den Studien der verschiedenen Autoren einige Grün- de, die immer wieder auftauchen und besonders bedeutsam für den Geburtenrückgang scheinen, wohingegen andere Begründungen nur vereinzelt auftreten. Zu beachten ist auch, dass sich die Gründe für die Kinderlosigkeit während der Ehebiographie häu- fig verändern, wobei eine Verschiebung zu erfolgen scheint, bei der berufliche und materielle Gründe durch psychologische und gesundheitliche abgelöst werden. Oft gewöhnen sich die Ehepartner an die Kinderlosigkeit oder biologische Grenzen werden erreicht (Nave-Herz 1988a, S. 49). Ziebell u.a. beto- nen, dass es sich bei der Entscheidung gegen Kinder um einen Prozess handelt, bei dem verschiedene Faktoren zusammenkom- men, die schließlich zu der endgültigen Entscheidung führen (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 214). Dieser Prozess kann durchaus Schwankungen unterworfen sein, d.h. dass während seines Verlaufs Argumente für ein Kind in den Vordergrund treten können, um dann wieder von den Gegenargumenten abge- löst zu werden (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 183). In keinem der in der Literatur wiedergegebenen Interviews wurde eine Entscheidung gegen Kinder beschrieben, die leichtfertig und ohne Bedenken der negativen Seiten der Kinderlosigkeit bzw. der positiven Eigenschaften von Kindern gefällt wurde.

Bemerkenswert ist, dass stets nach Begründungen der Kinderlo- sigkeit gefragt wird, kinderlose Ehepaare müssen sich auch heute noch rechtfertigen. Dabei wäre es auch interessant zu fragen, warum sich Paare für Kinder entscheiden, schließlich sind die historischen Gründe der zusätzlichen Arbeitskraft und der Altersversorgung in unserer heutigen Gesellschaft hinfällig. Gefunden habe ich Ergebnisse zu dieser Fragestel- lung bei Schütze, die aus einer Untersuchung von Rosenstiel stammen und aussagen, dass die wichtigsten Gründe für eigene Kinder heute die Freude am Kind und der Sinn, den das Leben durch sie erhält, sind (Schütze 1988, S. 104).

Die folgenden Begründungen der bewusst gewählten Kinderlosig- keit traten bei den verschiedenen Autoren mehr oder weniger wiederholt auf und ich habe mich bemüht, sie in Gruppen zu- sammenzufassen, die sich inhaltlich ergeben. Nicht immer ist die Zuordnung der Argumente zu den Gruppen eindeutig, da sie sich häufig gegenseitig bedingen und es kommt zu Überschnei- dungen mit denen in der Literatur gewählten Einteilungen.

3.1 Fehlender Kinderwunsch

Nicht immer wird die Entscheidung gegen ein Kind aufgrund schwerwiegender Gegenargumente gefällt, es kommt auch vor, dass bei einem Paar kein Kinderwunsch vorhanden ist. So gibt es in der Interviewstudie von Schneewind Antworten, die aus- drücken, dass die Betroffenen kein Bedürfnis nach Kindern ha- ben. Teilweise wird angegeben, dass diese Einstellung schon seit der Jugend vorhanden ist (Schneewind 1995, S. 460). Das spricht gegen die Annahme, wie sie nach Ziebell u.a. von ei- nigen Propagandisten der Bevölkerungspolitik vertreten wird, dass Frauen grundsätzlich, schon allein durch ihr Geschlecht Mütter werden wollen. Autoren, die diese Meinung vertreten, gehen davon aus, dass die Frauen der Industrieländer diesen natürlichen Kinderwunsch verloren haben, entweder weil hohe Lebenshaltungskosten sie davon abhalten, oder weil sie durch „Wohlstandsdenken, Bequemlichkeit, falsch verstandene Emanzi- pation und Karriereehrgeiz ihren >eigentlichen< Strebungen [...] entfremdet“ (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S.30) sind.

Dieser fehlende Kinderwunsch darf aber nicht mit Kinderfeind- lichkeit gleichgesetzt werden. Interviewausschnitte zeigen, dass Frauen und Männer ohne Kinderwunsch häufig Kontakt zu Kindern von Freunden und Verwandten haben und dort z.B. die Rolle des Lieblingsonkels bzw. der Lieblingstante haben und dies als angenehm empfinden (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 60ff.). Dennoch, oder gerade deswegen wünschen sie sich keine eigenen Kinder. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch Männer und Frauen gibt, die eine Abneigung gegen Kinder haben und daher kinderlos bleiben möchten.

Dennoch wird er fehlende Kontakt zu kleinen Kindern als mit- verantwortlich für einen nicht vorhandenen Kinderwunsch mit- verantwortlich gemacht (Kaufmann 1995, S. 216f.). Durch die Kinderarmut und die Ausgrenzung von Kinder in Sonderumwelten (Kindergarten u.ä.) haben viele Menschen keinen Kontakt mit kleinen Kindern und das bedeutet, dass Heranwachsende oft keine Erfahrung im Umgang mit kleinen Kindern haben und somit die eigene Elternschaft als nicht einschätzbares Risiko erle- ben. Dadurch entfällt ein Teil der Motivation, eigene Kinder zu bekommen.6

3.2 Geburtenkontrolle

Die verbesserten Möglichkeiten der Geburtenkontrolle gehören wohl zu den ersten möglichen Begründungen, die einem einfal- len, wenn man über die sinkenden Geburtenziffern nachdenkt. Und tatsächlich hat heute wohl jedes Paar (zumindest in Deutschland) die Möglichkeit sicher zu verhüten. Aber nicht nur durch reine Empfängnisverhütungsmittel wie Pille oder Spirale werden Schwangerschaften verhindert. Auch der Gebrauch von Kondomen, der im Zeitalter von Aids mehr als sinnvoll ist, verhütet Schwangerschaften. Außerdem gibt es heute die Möglichkeit des legalen Schwangerschaftsabbruchs und wenn man sich sicher ist, dass man sein Leben völlig ohne Kinder planen möchte, kann man sich zur Sterilisation entschließen, so wie es ein Teil der Befragten in der Interviewstudie von Ziebell u.a. getan hat.

Während man früher kaum eine andere Wahl hatte als schwanger zu werden7, wenn man Geschlechtsverkehr hatte, kann man heute also Sex und Fortpflanzung trennen. Aber es wird auch darauf hingewiesen, dass man die heutigen Möglichkeiten der Gebur- tenkontrolle in ihrer Auswirkung auf die Geburtenrate nicht zu hoch bewerten sollte, es ist vor allem zu beachten, dass der Geburtenrückgang schon begann, bevor sich die Pille in der Masse der Bevölkerung durchgesetzt hat (Burkart/Kohli 1992, S. 156).

3.3 Die veränderte Rolle der Frau

Durchgängig wurde bei allen Autoren die veränderte Rolle der Frau (hauptsächlich in ihrem Erscheinungsbild der gestiegenen Erwerbstätigkeit) mit ihren verschiedenen direkten und indi- rekten Folgen als wichtiges Entscheidungskriterium genannt. Bevor ich auf die Ergebnisse der verschiedenen Studien bezüg- lich dieser Faktoren eingehe, möchte ich kurz darstellen, in- wiefern sich die Frauenrolle seit Beginn der Industrialisie- rung gewandelt und wie sie sich heute darstellt. In der vor- industriellen Zeit herrschte fast überall eine geschlechts- spezifische Arbeitsteilung vor, die Männern und Frauen be- stimmte Bereiche zuschrieb. Durch den Beginn der Industriali- sierung und die damit verbundene Trennung in Berufs- und Hausarbeit verstärkt sich dieses noch. Die Rolle des Mannes ist durch „Härte, Schläue und Durchsetzungsfähigkeit“ (Hett- lage 1998, S. 81) gekennzeichnet und ist darauf ausgerichtet in der Berufswelt zu bestehen. Die Frau hingegen hat ihre Aufgabe in der Familie und soll dort für emotionale und psy- chische Geborgenheit sorgen, den Haushalt führen und die Kin- der erziehen. Wer sich diesen Rollenerwartungen nicht an- passt, gilt nicht als „richtiger Mann“ sondern als weibisch, eine nicht angepasste Frau wird als Mannweib angesehen. In den letzten 20 Jahren haben diese Rollenbilder nun erheblich an Geltung verloren. Hettlage schreibt, dass die Geschlechts- rollen immer mehr als soziale Konstrukte, also nicht naturge- geben angesehen werden und somit auch als veränderbar wahrge- nommen werden (Hettlage 1998, S. 83). Als Folge dessen glei- chen sich Frauen- und Männerwelt immer mehr einander an.8 Dies schlägt sich besonders in der verbesserten Bildung der Frauen und einer höheren Erwerbstätigkeit nieder. Die verbes- serte Bildung ist gekennzeichnet durch eine egalitäre Chan- cenverteilung beim Zugang zu allgemeinbildenden Schulen und zu Universitäten, Koedukation und einheitliche Lehrpläne. Da- durch erhalten Frauen die Gelegenheit, sich in neue Denkin- halte einzuüben, die Selbstständigkeit und eigene Leistung betonen (vgl. Hettlage 1998, S. 85f.). Durch die verbesserte (Aus-) Bildung entsteht bei den Frauen eine große Motivation erwerbstätig zu sein und durch das veränderte Rollenbild der Frau in der Gesellschaft ist ihnen dies auch leichter mög- lich. Frauenerwerbstätigkeit findet nun nicht mehr nur auf- grund ökonomischer Zwänge statt, wie sie z.B. früher bei un- verheirateten Frauen begründet war, sondern weil die Frauen motiviert sind, lebenslang berufstätig zu sein und somit fi- nanzielle Unabhängigkeit zu erlangen und Sinnerfüllung außer- halb der Familie zu finden. Dies bewirkte, dass die Frauener- werbsquote in den letzten 20 Jahren fast stetig zugenommen hat und 1996 bei 43,1% lag (Hettlage 1998, S. 89).

Wenn man nun betrachtet, welche Auswirkungen sich aus der so veränderten Rolle der Frau ergeben, muss man beachten, dass sich die Rolle des Mannes nicht in einem solchen Maße verän- dert hat. Es ist zwar bei den Männern ein Einstellungswandel zu beobachten, in der Hinsicht, dass sie der Frau zwar die Erwerbstätigkeit zugestehen, in ihrem Handeln drückt sich dies aber nicht aus. Konkret heißt das, dass ihre Beteiligung an der Haushaltsarbeit und bei der Sozialisation der Kinder nicht steigt, wenn die Partnerin erwerbstätig ist, sondern sich weiterhin auf einem niedrigen Niveau befindet. Aus ver- schiedenen Studien ergibt sich zwar, dass der prozentuale An- teil des Mannes an der Hausarbeit steigt, was aber nicht dar- auf zurückzuführen ist, dass der Mann mehr tut, sondern dass die Frau ihren Arbeitsaufwand im Haushalt reduziert. Außerdem ist die Beteiligung der Hausarbeit meist auf Verschönerungs- und Reparaturarbeiten beschränkt, während die Frau für die tagtäglich anfallenden Arbeiten zuständig ist (Hettlage 1998, S. 93f.). Ähnlich selektiv ist das Engagement der Männer bei der Sozialisation der Kinder. Zwar ist hier die Anteilnahme deutlich gestiegen, jedoch bevorzugen die Männer die angenehmen Tätigkeiten, z.B. gemeinsames Spielen oder das abendliche Zubettbringen. Die Aufgaben die z.B. die tägliche Pflege des Kindes betreffen werden häufiger von der Mutter übernommen (Nave-Herz 1988b, S. 80f.). Somit ergibt sich im Falle der Berufstätigkeit der Frau eine Doppelbelastung, die durch Kinder natürlich noch gesteigert wird.

Nun komme ich zu den Folgen der oben beschriebenen Verände- rungen - besonders natürlich der gestiegenen Erwerbstätig- keit, die ja in unmittelbarem Zusammenhang mit dem veränder- ten Frauenbild steht - die in den vorliegenden Literatur häu- fig als Begründungsfaktor der Kinderlosigkeit angegeben wur- den. Bei Schneewind werden Begründungen, die sich um diesen Aspekt drehen, als „Berufliche Gründe“ (Schneewind 1995, S. 461)9 bezeichnet. Die Aussagen der interviewten Frauen zielen alle darauf ab, dass Kind und Beruf schwer vereinbar seien, teilweise wird darauf hingewiesen, dass der Eintritt ins Be- rufsleben gerade erst vollzogen wurde10, oder vor kurzem ein Studium oder eine Fortbildung begonnen wurde. Diese Gründe können zwar für eine vorübergehende Kinderlosigkeit sprechen, doch wie ich bereits erwähnt habe, führt eine solche immer häufiger zu einer lebenslangen. Einige Frauen betonen, dass sie ihren Beruf auf keinen Fall aufgeben wollen und bestimmte Pläne bezüglich ihrer Karriere haben, beispielsweise einen Auslandsaufenthalt wünschen.

Genauere Aussagen, warum eine Erwerbstätigkeit der Frau gegen Kinder spricht werden bei Nave-Herz getroffen. Eine inter- viewte Partnerin gibt an: „...wenn ich mich für ein Kind ent- scheide, dann mit Haut und Haaren“ (Nave-Herz 1988a, S. 53). Ähnliche Aussagen anderer Frauen weisen darauf hin, dass sie der Meinung sind, dass einen gute Mutter nicht berufstätig sein darf. Diese traditionelle Mutterrollenkonzeption lässt sich aber nicht mit einer Berufstätigkeit, wie sie in das neue Frauenbild passt, vereinbaren. Und selbst wenn die Frau sich nicht verpflichtet fühlt, ihren Beruf aufzugeben, um bei ihrem Kind zu sein, muss für die Betreuung des Kindes gesorgt sein. Nicht immer sind Betreuungsplätze in ausreichender An- zahl vorhanden.

Ziebell u.a. widersprechen dem Vorurteil, dass Kinderlosig- keit eine Konsequenz von Karrierestreben und dem Streben nach Geld sei. Die Antworten ihrer Interviewpartnerinnen lassen darauf schließen, dass die Frauen arbeiten, um Herkunftsver- hältnisse verlassen zu können und einem typischen Frauenle- ben11 zu entfliehen. Sie üben ihren Beruf aus, weil er ihnen Spaß macht und weil er ihnen ökonomische Freiheit bringt. Er dient also nicht dem bloßen Geldverdienen, um ein Luxusleben zu leben, sondern dient vorrangig der Selbstverwirklichung (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 220ff.). Zu dem gleichen Ergebnis, kommt auch Nave-Herz in ihrer Erhebung (Nave-Herz 1988a, S. 48).

Ein weiterer Grund für die wachsende Kinderlosigkeit ist das steigende Heiratsalter, dass vermutlich auf die Bildungsexpansion bei den Frauen zurückzuführen ist (Hettlage 1998, S. 129). Dadurch wird auch der Kinderwunsch verzögert und somit wird es wahrscheinlicher, dass er gar nicht mehr verwirklicht wird (Hettlage 1998, S. 143).

Hettlage greift auch die These von Heide Mertens auf, die be- sagt, dass die niedrigen Geburtenziffern eine Folge der Wi- dersprüche sind, denen die Frauen in neuester Zeit ausgesetzt sind. Diese bestehen daraus, dass sie einerseits anscheinend aus ihrer Nur- Hausfrauen- und Mutterrolle entlassen werden und durch Erwerbstätigkeit zur Existenzsicherung beitragen sollen, andererseits dürfen sie sich wohl doch nicht aus ih- rer Mutterrolle befreien, was sich darin zeigt, dass sie nur unter hohem Energieaufwand Zugang zu den männlichen Domänen erhalten (Hettlage 1998, S. 143f.). Nave-Herz kommt in ihrer empirischen Arbeit zu dem Schluss, dass die Berufsorientie- rung der Frauen den „stärksten Einfluß auf die Entscheidung für oder gegen Kinder nach der Eheschließung“ hat (Nave-Herz 1988a, S. 45), allerdings muss man bedenken, dass in anderen europäischen Ländern sowohl die Frauenerwerbsquote als auch die Geburtenziffer höher liegt (Nave-Herz 1988a, S. 47).

Ein ganz anderen möglichen Grund für Kinderlosigkeit, der sich aus dem heutigen Frauenbild ergibt, führt Dee an, die darauf hinweist, dass das aktuelle Schönheitsideal nicht das der „mütterlichen Frau“ ist (Dee 1999, S. 124f.). Erwünscht ist, dass eine Mutter nach der Geburt wieder aussieht, als sei sie nie schwanger gewesen. In den Medien werden solche Frauen gezeigt und somit werden Maßstäbe gesetzt, die meist nur durch Schönheitsoperationen erreicht werden können.

3.4 Ansprüche an die Erziehung

Nicht selten wird als Grund für die eigene Kinderlosigkeit angegeben, dass man nicht bereit ist die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen. Nicht bereit sein bedeutet in diesem Zusammenhang sowohl, dass man die Verantwortung nicht über- nehmen will, um nicht gebunden zu sein und auf andere Dinge verzichten zu müssen, als auch, dass man sich nicht kompetent fühlt. Beide Bedeutungen werden von den Interviewpartnern bei Schneewind angesprochen. Das Gefühl der fehlenden Kompetenz wird deutlich durch Aussagen wie „Kann nicht so gut mit Kin- dern umgehen; Hilflosigkeit gegenüber Kind“ oder „Angst da- vor, den eigenen hohen Ansprüchen einer Elternschaft nicht gerecht werden zu können“ (Schneewind 1995, S. 462). Die ho- hen Ansprüche an die Erziehung wurden auch schon in 3.1 ange- sprochen, wo Frauen die Meinung vertreten, nur eine Mutter, die zu Hause bleibt, ist eine gute Mutter. Die gestiegenen Ansprüche bestätigen sich auch bei anderen Autoren. So heißt es bei Burkart und Kohli: „Die Ansprüche an eine gute Erzie- hung sind so sehr gestiegen, daß die Entscheidung für ein Kind mit sehr viel mehr Einschränkungen verbunden ist als je- mals zuvor. Dem Kind muß so viel Aufmerksamkeit und Geduld, Fürsorge und Liebe, Verständnis und Wohlwollen entgegenge- bracht werden, daß viele Eltern sich heute schon mit einem einzigen Kind überfordert fühlen“ (Burkart/Kohli 1992, S. 155f.).

Nun stellt sich die Frage, ob es für die Erziehung der Kinder wirklich besser ist, wenn die Mutter nicht erwerbstätig ist. Es existieren Untersuchungen hierzu, die besagen, dass er- werbstätige Mütter nicht wesentlich weniger Zeit mit ihren Kinder verbringen als nicht-erwerbstätige. Möglich wird dies dadurch, dass jene Frauen weniger Zeit für Hausarbeit und Freizeit aufwenden. Entscheidend für die Erziehungsqualität sei vielmehr, wie zufrieden die Frau mit ihrem Leben ist. Wenn die Berufstätigkeit finanziell notwendig ist aber ungern ausgeführt wird, so ist es wahrscheinlicher, dass Erziehungs- probleme bestehen, die sich dann negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken können und die heute von vielen Seiten zu recht beklagt werden12. Bei Müttern hingegen, die aus frei- er Entscheidung arbeiten gehen - hierbei handelt es sich vor- nehmlich um qualifizierte Frauen - scheint sich dieses posi- tiv auf die kindliche Entwicklung auszuwirken (Kaufmann 1995, S. 131).

Jedoch befürchten nicht nur Frauen, dass ihre Erwerbstätig- keit gegen ein Kind spricht. Auch manche Männer sind der Mei- nung, dass ihre Karriere und andere Interessen es nicht zu- lassen, sich so um ihr Kind zu kümmern, wie sie es für not- wendig erachten. Die Ansprüche an die Vaterschaft sind ge- stiegen, wenn schon Vater, „dann mit allem Drum und Dran“ (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 207). Wenn sie diesen An- spruch nicht erfüllen können, verzichten sie lieber auf ein Kind.

Dee weist auf die „infantile Gesellschaft“ (Dee 1999, S. 150) hin, in der es vielen Menschen anscheinend schwer fällt, erwachsen zu werden und somit Verantwortung zu übernehmen. Verbunden damit ist die Angst alt zu werden, da heutzutage Jugendlichkeit gefragt ist. An die Stelle des Wunsches nach eigenen Kindern rückt das Verlangen, mit Hilfe von Psycho- Esoterik das Kind in sich selbst zu entdecken oder es einfach auszuleben, mit Hilfe einer Flut von Freizeitvergnügen (Dee 1999, S. 154f.). Dieses unreif sein (oder sich so fühlen) spiegelt sich auch in Antworten Befragter wieder (Schneewind 1995, S.462).

Als Begründung für die bewusst gewählte Kinderlosigkeit wird auch das zu hohe Alter angegeben (Schneewind 1995, S.462). Dies geschieht zum Teil ohne Begründung13 und es wäre annehmbar, dass die Befragten sich den Ansprüchen an die Erziehung nicht mehr gewachsen fühlen.

3.5 Partnerschaft

Kinderlosigkeit wird auch durch Faktoren bedingt, die in der Partnerschaft liegen. Bei Schneewind zeigt sich, dass part- nerbezogene Gründe eine große Rolle spielen, wenn es um die Entscheidung für oder gegen Kinder geht (Schneewind 1995, S. 468). Folgende Argumente, die sich auf Partnerbeziehung be- ziehen, wurden von befragten Paaren genannt. Zum einen ist man zufrieden mit der Partnerbeziehung, ein Kind erscheint nicht notwendig, um die Ehe zu vervollkommnen. Das Leben zu zweit wird als Idealzustand empfunden. Noch deutlicher gegen ein Kind richten sich Aussagen, die ausdrücken, dass man be- fürchtet, die Ehe durch ein Kind zu gefährden. Hintergrund dieser Ängste ist, dass man bei anderen Paaren beobachtet hat, dass das Kind in den Mittelpunkt rückt und somit Zeit für den Partner verloren geht (Schneewind 1995, S. 461).

Diese Aussagen stützen die Emotionshypothese, die Hettlage vorstellt. Er spricht von einem veränderten Leitbild der Ehe, dass durch eine „hohe Emotionalisierung der Ehegattenbezie- hung“ (Hettlage 1998, S. 148) charakterisiert ist. Die ge- genseitige Liebe unter den Partnern wird zur Grundlage des Zusammenlebens. Ein Kind würde in dieser engen Zweierbezie- hung als Eindringling erscheinen. Hinzu kommt, dass die Ehe vermutlich labiler wird, wenn sie allein auf der Basis von Emotionen gegründet wird14. Diese Labilität wird eventuell von den Partnern geahnt und somit werden Kinder als zusätzliche Belastung vermieden. Für diese Theorie spricht der „Erste- Kind-Schock“, der durch ökonomische und psychische Belastung nach Geburt des ersten Kindes eintreten kann (Hettlage 1998, S. 148f.). Auch Schütze beschreibt die zeitlichen Probleme, die in einer Paarbeziehung auftreten können, wenn Kinder vor- handen sind (Schütze 1988, S. 106ff.). In einer Studie wurde von Familien ein Zeitbuch geführt und es ergab sich, dass Kinder unter drei Jahren 92,9% des Tages von einem Erwachse- nen betreut werden, wobei 42,1% dieser Zeit eine direkte In- teraktion mit dem Kind statt findet. In dieser Zeit tritt al- so die Partnerschaft in den Hintergrund, zumal der Partner, der gerade nicht mit dem Kind beschäftigt ist, die freie Zeit für nicht kindorientierte Beschäftigungen nutzen möchte.

3.6 Umweltbedingungen und Zukunftsängste

Auch die Lebensbedingungen, die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage, die die Gesellschaft Kindern und Eltern heute bietet, sind mitverantwortlich für die Entscheidung kinderlos zu leben. In der Untersuchung von Schneewind wurden derartige Argumente zwar nicht als besonders bedeutsam für die Entscheidung für oder gegen ein Kind angesehen, aber sie sprechen fast ausschließlich gegen Kinder. Bei Dee finden sich eine Reihe konkreter Beispiele für ein kinderfeindliches Klima. So wird erwähnt, dass schwangere Frauen bei verschie- denen Reiseunfallversicherungen nicht versichert werden15 (Dee 1999, S. 28). Ein anderes Beispiel handelt von einem Arbeit- geber, dem vom Arbeitsgericht in Elmshorn das Recht bestätigt wurde, dass er eine Angestellte entlassen durfte, die ver- sucht hatte, durch künstliche Befruchtung schwanger zu werden (Dee 1999, S. 29). Umweltorientierte Argumente werden auch im Umweltdefizitmodell aufgegriffen (Hettlage 1998, S. 142).

Dort ist die Rede von ungenügenden Leistungen des Sozialstaa- tes in Bezug auf Wohnverhältnisse16 und Betreuungsleistungen. Kaufmann stellt hingegen fest, dass die niedrige Geburtenrate in der Bundesrepublik eine Folge von Kinderfeindlichkeit ist, sei nicht belegt, es handle sich bei derartigen Beispielen eher um oberflächliche Phänomene. „Das eigentliche Problem scheint nicht die Ablehnung von Kindern, sondern eine weitge- hende Indifferenz gegenüber Kindern und ihren spezifischen Bedürfnissen sowie eine ungenügende Anerkennung der Eltern- leistungen in weiten Bereichen der Gesellschaft zu sein.“ (Kaufmann 1995, S.174)

Häufig beziehen sich Aussagen zur Kinderlosigkeit auf Zu- kunftsängste, die eine Welt beschreiben, in die man keine Kinder setzen möchte. An vorderster Stelle rangiert dabei die Umweltproblematik, auch in Verbindung mit der Gefährdung der Gesundheit durch Umweltverschmutzung. Es wird aber auch die Sorge um die Überbevölkerung und die Weltpolitik genannt und eine Bemerkung bezieht sich auf die Schulverhältnisse (Gewalt und Drogen) (Schneewind 1995, S. 461). Bei Ziebell u.a., de- ren Interviews ca. 2 Jahre nach dem Reaktorunfall in Tscher- nobyl stattgefunden haben, zeigt sich die Sorge um die Umwelt besonders. Viele der Befragten sind froh, in einer solchen Situation nicht die Verantwortung für Kinder und deren Ge- sundheit tragen zu müssen. Eine Frau gibt an, dass sie zu diesem Zeitpunkt den endgültigen Entschluss gefasst hat, sich sterilisieren zu lassen (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 175). Auch die kritische Lage auf dem Arbeitsmarkt schreckt mögliche Väter und Mütter ab, denn sie fürchten ihren Ar- beitsplatz zu verlieren (falls sie überhaupt einen haben), und dann ihren Kindern keinen in ihren Augen angemessenen Le- bensstandard bieten zu können. Und auch für ihre Kinder be- steht die Gefahr, keinen Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz zu erhalten (Dee 1999, S. 184).

Interessant ist, dass für die häufige Nennung dieses Argu- ments die Tatsache mitentscheidend ist, dass es von den Mit- menschen sehr leicht akzeptiert wird, denn es erscheint nicht egoistisch wie manch andere Begründung, sondern spricht eher für eine sehr verantwortungsvolle Einstellung. Das dieser Grund oft angeführt wird, um nicht über die Entscheidung dis- kutieren zu müssen, wird von den Befragten offen zugegeben: “Das ist etwas, was du nachschiebst. Das ist halt schwer zu entkräften.“ (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 177).

Gerade bei dieser Begründung fällt es auf, dass nicht ein Be- gründungsfaktor den aktuellen Geburtenrückgang erklären kann, selten waren die Bedingungen um Kinder zu bekommen, in Deutschland (und in den Industriestaaten allgemein) so güns- tig. Trotz wirtschaftlicher Probleme herrscht ein relativer Wohlstand, die medizinische Versorgung wird immer besser und staatliche Finanzhilfen sichern zumindest ein Überleben. Trotzdem werden sogar weniger Kinder als zu Kriegszeiten oder in Wirtschaftskrisen geboren.

3.7 Lebensstil

Unter Lebensstil sollen hier die alltäglichen Verhaltensmus- ter verstanden werden, „also alle jene Handlungen, die sich auf die Freizeitgestaltung, auf das eheliche Zusammenleben, auf die Verbindung zur außerfamilialen Umwelt u.a.m. bezie- hen“ (Nave-Herz 1988a, S. 57). Es wird angenommen, dass sich kinderlose Ehepaare, nicht zuletzt durch ihre bessere ökono- mische Lage, ein abwechslungsreicheres und ausgiebigeres Freizeitleben leisten können. Nave-Herz vergleicht aus diesem Grund den Lebensstil von Eltern mit dem kinderloser Ehepaare, und zwar unter den Gesichtspunkten materieller Lebensstil, innerfamilialer Arbeitsteilung, Umweltoffenheit, regionale und berufliche Mobilität. Sie kommt zu dem Schluss, dass es keine gravierenden Unterschiede gibt (Nave-Herz 1988a, S. 81). Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht als Grund ange- führt wird. Denn es scheint die Annahme verbreitet zu sein, dass Kinder eine zwangsläufige Veränderung des Lebensstils bedeuten17 und nicht alle Paare sind bereit, diese in Kauf zu nehmen. In der empirischen Studie von Nave-Herz wurde Aussa- gen, die zu dieser Kategorie (Bevorzugung eines bestimmten Lebenskonzepts) gehören am häufigsten zugestimmt (Nave-Herz 1988a, S. 49). Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Be- fürchtung, Veränderungen in der Lebensweise durch die Geburt von Kindern hinnehmen zu müssen bei kinderlosen Ehepaaren schon am Anfang der Ehe als Grund angegeben wird und im Ver- lauf des Zusammenlebens an Bedeutung zunimmt (Nave-Herz 1988a, S.50). Das eigene Leben ohne Rücksicht auf Kinder le- ben zu wollen, die persönliche Freiheit nicht opfern zu wol- len, wird kinderlosen Paaren oft als Egoismus ausgelegt. Aber auch die Befragten selbst geben Egoismus als Begründung an. Sie haben Angst davor, sich einschränken zu müssen (z.B. in Hinsicht auf Sport, Urlaub, Spaß) und in Abhängigkeit zu ge- raten (Schneewind 1995, S.463).

Eine wichtige Rolle spielen wie bereits erwähnt finanzielle Bedingungen, die ja einen erheblichen Einfluss auf den Le- bensstil haben können. Kinder sind teuer und das in mehrfa- cher Hinsicht. Eine Komponente sind die direkten finanziellen Aufwendungen, die durch das Kind entstehen. Ein zweiter Punkt ist das entgangene Gehalt. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei das des Partners, der den größten Teil der Betreuung übernimmt18 und somit nicht oder nicht in vollem Umfang er- werbstätig ist, aber auch das Einkommen, das man hätte ver- dienen können, wenn man nicht durch das zeitweise Ausscheiden einen Kompetenzverlust erlitten hätte und somit Karrierechan- cen geringer werden. Ein weiterer Faktor der finanziellen Be- nachteiligung sind die Verluste, die durch fehlendes Einzah- len des kinderbetreuenden Partners in die Arbeitslosen- und Rentenversicherung entstehen (Kaufmann 1995, S. 207). Frauen und Männer begründen ihre bewusste Kinderlosigkeit sowohl mit finanziellen Problemen und Unsicherheiten, die sie jetzt schon haben und die sich durch die Geburt von Kindern noch verstärken würden als auch mit der Angabe, dass sie ihren jetzigen Lebensstandard beibehalten wollen und nicht zu einem finanziellen Verzicht bereit sind (Schneewind 1995, S. 462f.).

3.8 Werte in der Gesellschaft

Im Hedonismusmodell (Hettlage 1998, S. 145ff.) wird von einem epochalen Wertewandel gesprochen. Das heißt insbesondere, dass Pflicht- und Akzeptanzwerte, womit die bürgerlichen Tu- genden der Leistungsbereitschaft, Selbstkontrolle, Askese und Gehorsam gemeint sind, an Bedeutung verlieren. An ihre Stelle treten Selbsterfüllungswerte wie Freiheit, Selbstbestimmung, Emanzipation und psychisches Wachstum. Dies zieht unter ande- rem die Erwerbstätigkeit der Frauen nach sich, deren Rolle bereits unter 3.3 beschrieben wurde. Auch unterstützt dieser Wertewandel das Genussmodell in den Wohlstandsgesellschaften, nach dem nicht nur Pflicht und Arbeit, sondern Freizeit, Kon- sum und Lebensgenuss propagiert werden. Daraus wird wiederum eine Erklärung für den Geburtenrückgang abgeleitet, denn Kin- der stehen der Verwirklichung dieses Lebensziels im Wege. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die Möglichkeiten der Geburtenkontrolle eingehen. Nicht nur das Vorhandensein von sicheren Verhütungsmitteln ist ausschlaggebend, sondern auch die Tatsache, „daß die Anwendung selbstbestimmt und pri- vatisiert ist, daß sich Entscheidungsspielräume auftun, die persönlich gefüllt werden müssen“ (Hettlage 1998, S. 146). Das bedeutet, dass die Anwendung der Verhütungsmethoden von der Gesellschaft nicht mehr abgelehnt wird, die Entscheidung sie einzusetzen ist jedem selbst überlassen. Zu den Werten in der Gesellschaft gehört aber auch die Norm, sich nur für ein oder mehrere Kinder zu entscheiden, wenn man die Verantwor- tung für die Erziehung19 übernehmen kann. Kaufmann spricht von der „Norm verantworteter Elternschaft“ (Kaufmann 1995, S. 42). Insofern wird Paaren nicht nur das Recht auf eine selbstbestimmte Familienplanung zugestanden, sie werden gleichzeitig in die Pflicht genommen, diese Entscheidung sehr bewusst und verantwortlich zu treffen.

Wingen schreibt, dass aufgrund von Wandlungen in den wert- und sinnbesetzten Lebensentwürfen das „Kinder-haben“ an Be- deutung verloren hat, und dass die Auffassung, dass Kinder in einer Ehe selbstverständlich sind, nicht mehr die gleiche Geltung hat wie früher. Weiterhin führt er aus, dass die Ent- scheidung über das eigene Fortpflanzungsverhalten stärker im Ermessen des einzelnen liegt und nicht mehr so stark von ge- samtgesellschaftliche oder religiösen Sinnbezügen bestimmt wird (Nave-Herz 1988a, S. 37).

3.9 Biographie

Laut Ziebell u.a. ist es ein beliebtes Vorurteil, dass der Grund, warum manche Frauen und Männer keine Kinder haben möchten, in ihrer Biographie begründet ist. Gemeint sind da- mit „kaputte“ Herkunftsfamilien oder prägende Erlebnisse, wie der frühe Tod eines Elternteils oder die Scheidung der Eltern. Dadurch konnten die Betroffenen kein zufriedenstel- lendes Familienleben kennen lernen. Diese Annahme erscheint den Autoren aufgrund ihrer Untersuchung jedoch nicht begrün- det, denn ihre Interviewpartner, die sich definitiv gegen Kinder entschieden haben, stammen zum größten Teil aus Her- kunftsfamilien, die dem Ideal der heilen Familie20 sehr viel näher kamen als die statistische Durchschnittsfamilie. Das heißt allerdings nicht, dass die Entscheidung nicht durch das Erleben der Familie in der Kindheit beeinflusst wurde, jedoch anders, als man zuerst vermuten möchte. So berichten die männlichen Befragten vom abschreckenden Beispiel des autori- tären, zum Teil schlagenden Vaters. Im Gegensatz wird die be- rufstätige Mutter21, die finanziell unabhängig ist, bewundert und als Vorbild für die spätere Wunschpartnerin gewählt. Die befragten Frauen berichten, das sie das Leben ihrer Mutter als nicht erstrebenswert ansahen, unabhängig davon ob diese erwerbstätig war oder nicht, denn für die Arbeit im Haus war diese in jedem Fall zuständig. Der Grund für diese Sichtweise ist, dass sie stets erlebten, dass die Arbeit der Mutter im Haushalt und bei der Kindererziehung nicht angemessen gewür- digt wurde, weder von den Familienmitgliedern, insbesondere dem Vater, noch von der Gesellschaft.

3.10Gesundheit

Auch gesundheitliche Gründe werden von Interviewten als Grund für ihre Kinderlosigkeit genannt. Dabei handelt es sich zum einen um die eigene Gesundheit, zum anderen um die des Kin- des. Im ersten Fall handelt es sich vorrangig um die gesund- heitliche Belastung, die durch die Schwangerschaft erwartet wird (Schneewind 1995, S. 466), im zweiten Fall werden Sorgen um die Gesundheit des Kindes genannt, die sich aus geneti- schen Gründen ergeben, z.B. wenn eine Erbkrankheit oder eine Disposition für Krebs in der Familie bekannt ist (Schneewind 1995, S. 463). Bei Dee wird darauf hingewiesen, dass nicht nur ernsthafte Krankheiten als Problem bei der Vererbung an- gesehen werden, sondern auch Äußerlichkeiten, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen, sowie psychische Eigenschaften, die dem Kind nicht zugemutet werden sollen (Dee 1999, S. 117ff.).

4 Folgen der Kinderlosigkeit

Kinderlosigkeit hat verschiedene Folgen, die ich hier kurz darstellen möchte. Dabei werde ich mich auf die Probleme be- schränken, die sich auf die Gesellschaft auswirken und die bewirken, dass sich die Politik Gedanken über Gegenmaßnahmen macht (siehe Abschnitt 5). Die Folgen, die kinderlose Paare persönlich betreffen, werde ich vernachlässigen, da sie von Männern und Frauen schon in ihrer Entscheidungsfindung be- dacht wurden22, und als weniger bedeutend angesehen wurden. Ihnen wären die Folgen des Kinderhabens wesentlich unangeneh- mer, ansonsten hätten sie sich wohl anders entschieden. Au-ßerdem ist anzunehmen, dass ihre Bewertung der Folgen anders ist, als die von Paaren, denen eigene Kinder sehr wichtig sind, d.h. Folgen, die von einigen als negativ gesehen wer- den, werden von Kinderlosen möglicherweise als positiv einge- schätzt.

Wenn ich nun Folgen der niedrigen Geburtenrate beschreibe, vernachlässige ich die Tatsache, dass Deutschland ein Einwan- derungsland ist und somit die Entwicklung der Bevölkerungs- zahlen nicht nur von der Geburtenzahl der Deutschen abhängig ist. Nach Kaufmann gibt es aber einen Unterschied in der Nachwuchssicherung durch Geburten und Zuwanderung (Kaufmann 1995, S. 67). Nicht nur die Quantität, sondern auch die Qua- lität sei entscheidend. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass deutsche Kinder besser sind als Kinder, die im Ausland geboren werden, aber aufgrund der Sozialisation vor verschie- denen kulturellen Hintergründen unterscheiden sich Eigen- schaften und Einstellungen23. Voraussetzung für die Stabilität eines demokratischen Gemeinwesens sind aber ausreichend kul- turelle Gemeinsamkeiten.

Sobald es um Probleme geht, die sich aus dem Geburtenrückgang ergeben, wird an erster Stelle das Umkippen der Altersstruk- tur genannt, das zur Überalterung führt. Dadurch sind immer weniger Erwerbstätige für die Versorgung von immer mehr nicht mehr Erwerbstätigen verantwortlich. Zwar steigt die Zahl der erwerbstätigen Frauen auch an und könnte somit einen Aus- gleich schaffen, doch wenn es keine anderen Veränderungen gibt, könnte die zu einer weiteren negativen Entwicklung der Geburtenziffern führen. Das Ungleichgewicht der Generationen kann dann wirtschaftliche und politische Probleme verursachen (Kaufmann 1995, S. 5). Hinzu kommt, dass auch das Lösen die- ser Schwierigkeiten durch Anpassung an die Gegebenheiten kom- plizierter wird, denn es ist gerade die junge Generation, die am ehesten zu Innovationen im Bereich von Kultur, Wirtschaft und Politik bereit ist. Diese Generation nimmt aber einen kleiner werdenden Teil der Gesellschaft ein und so kommt es, „daß wachsende Umstrukturierung- und Anpassungserfordernisse mit sinkenden Anpassungskapazitäten zusammentreffen“ (Kauf- mann 1995, S. 6). Auch das Potential, aus dem die Erwerbstä- tigen rekrutiert werden können, nimmt ab. Nach einigen Be- rechnungen ist bis 2050 mit der Halbierung des deutschen Er- werbspersonenpotentials zu rechnen (Kaufmann 1995, S. 70).

Ganz andere Befürchtungen hat Helmut Kohl geäußert, nämlich dass „vor allem [...] unsere Wehrkraft durch mangelnden Re- krutennachwuchs gefährdet sein [wird], was aufgrund sinkender Mannschaftsstärke zwangsläufig zu längeren Dienstzeiten füh- ren müsse und zu der bangen Frage, wie wir denn bei der Ge- burtenrate von heute „unsere NATO-Verpflichtungen“ erfüllen wollen (zit. bei Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 11f.).

5 Politische Maßnahmen zur Steigerung der Geburten- rate

Hier soll es nicht um detailliert beschriebene Maßnahmenkata- loge gehen, es soll lediglich angedeutet werden, in welche Richtung solche Schritte gehen müssten, die die Geburtenzif- fer anheben könnten. Dabei ist zu beachten, dass Politik Kin- derwünsche nicht erzeugen kann, sie kann nur die Folgen des Kinderhabens so beeinflussen, dass Risiken und Kosten für die Eltern geringer werden und die Entscheidung für ein Kind leichter fällt (Kaufmann 1995, S. 196). Hierbei wird voraus- gesetzt, dass dies überhaupt gewünscht ist. In der dritten Welt liegt schließlich eine Bevölkerungsexplosion vor, und man ist sich einig, dass die Geburtenrate dort gesenkt werden muss. Ziebell u.a. weisen darauf hin, dass es auch in Deutschland (bzw. in Europa) eine Bevölkerungsexplosion gege- ben hat. In den letzten 250 Jahren haben demnach die Einwoh- nerzahlen um 400% zugenommen und machen Deutschland damit zu einem der dichtbesiedeltsten Gebiete der Erde (Zie- bell/Schmerl/Queisser 1992, S. 23). Demnach ist es keine Ka- tastrophe, wenn Bevölkerungszahl absinkt, im Gegenteil, nur so ist es möglich, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Be- lastbarkeit und Belastung der Umwelt zu erreichen (Zie- bell/Schmerl/Queisser 1992, S. 29). Ob man nun für politische Gegenmaßnahmen ist oder nicht, hängt davon ab, welchen Argu- menten man den Vorzug gibt, den gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen (siehe Abschnitt 4) oder ökologischen.

Wenn die Politik eingreifen möchte, so darf sie die Hilfe nicht nur an einem Punkt, z.B. in Form von finanziellen Ange- boten, ansetzen. Dazu schreiben Burkart und Kohli, dass es unwahrscheinlich ist, dass durch finanzielle Anreize die Ge- burtenhäufigkeit zunehmen würde, insbesondere wenn sich diese Zuwendungen in einem Bereich bewegen, den sich der Staat leisten kann (Burkart/Kohli 1992, S. 159). Kaufmann sprich von vier Teilhabedimensionen: Status, Ressourcen, Gelegenhei- ten und Kompetenzen (Kaufmann 1995, S. 203). Alle diese Di- mensionen müssen entsprechend unterstützt werden, in Form von rechtlicher, ökonomischer, ökologischer und pädagogischer In- tervention. Diese sollen im Folgenden kurz erläutert werden. Zu den rechtlichen Interventionen gehört die „Ausgestaltung des Rechtsstatus der Eltern gegenüber anderen gesellschaftli- chen Teilbereichen“ (Kaufmann 1995, S. 204). Darunter fällt z.B. das Recht auf Erziehungsgeld und -urlaub, die Schaffung von Beteiligungs- und Anhörungsrechten im Schulwesen und der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Außerdem werden folgende Probleme angesprochen, deren Lösung rechtliche Ände- rungen voraussetzen: die eigenständige Alterssicherung der verheirateten Frau, die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbstätigkeit für beide Geschlechter (z.B. durch vermehrte Arbeitszeitflexibilisierung), die Erleichte- rung des gemeinsamen Sorgerechtes im Falle nicht (mehr) ver- heirateter Eltern und eventuell die Einführung des Familien- wahlrechts, bei dem auch Kinder das Wahlrecht besitzen, wel- ches bis zu deren Volljährigkeit24 von den Eltern wahrgenommen werden kann. Bei der ökonomischen Intervention ist in erster Linie die Änderung von Höhe und Verteilungsweise des Famili- enlastenausgleich gemeint, die ich hier nicht diskutieren möchte. Außerdem fällt der Ausgleich der entgangenen Er- werbseinkommen darunter, der durch Mutterschutz- und Erzie- hungsgeld zwar angegangen wird, jedoch nicht in ausreichender Weise. So ist die Zeitspanne, in der man Anrecht auf diese finanzielle Hilfe hat, nicht lang genug. Es fehlt auch die Dynamisierung solcher finanziellen Beiträge, sprich die An- passung an die Entwicklung des Geldwertes und die Einkommen. Ebenfalls sollten die sozialversicherungsrechtlichen Folge- wirkungen durch Ausfall von Beitragsjahren durch die vermehr- te Anrechenbarkeit von Kindererziehungszeiten ausgeglichen werden. Die ökologische Intervention betrifft die Verbesse- rung der Infrastruktur zum Wohle von Familien mit Kindern. Darunter fällt besonders Bereitstellung von ausreichenden Wohnraum, aber auch die Gestaltung eines Wohnumfeldes, in dem Kinder die Möglichkeit zum Spielen haben. Außerdem sollen fa- milienrelevante Orte wie Kindergarten, Arbeitsplatz und Frei- zeitmöglichkeiten gut erreichbar sein. Im Übergang zu den pä- dagogischen Maßnahmen ist die Einrichtung von familienergän- zender Dienste in ausreichendem Maße angesiedelt. Damit sind Frühförderstellen, Kinderkrippen, Kindergärten, Horte u.a. gemeint. Zu den pädagogischen Interventionen gehört schließ- lich die Unterstützung der Begegnung von älteren Kindern und Jugendlichen mit Kleinkindern, z.B. im Rahmen von Praktika in Kleinkindereinrichtungen. Damit soll ermöglicht werden, dass Heranwachsende Erfahrungen mit Kindern machen, die ihnen sonst verwehrt bleiben. Außerdem gibt es die Möglichkeit ei- nes Beratungs- und Elternbildungsangebots, dass jedoch um- stritten ist25.

Im Anschluss an diesen Überblick über die Möglichkeiten fami- lienpolitischer Maßnahmen möchte ich noch einige interessante konkrete Vorschläge verschiedener Autoren vorstellen, ohne näher auf diese einzugehen, sondern um die Vielfältigkeit der Lösungsansätze (auch wenn sie teilweise etwas übertrieben er- scheinen) deutlich zu machen. So findet sich bei Hettlage der Vorschlag von Lempp, dass Ehepaare, die eine vergleichbare Berufsausbildung haben, gemeinsam eine Stelle besetzen (Hett- lage 1998, S. 263). Auch bei Ziebell u.a. werden verschiedene Vorschläge referiert. So könnte es hauptberufliche Mütter ge- ben, Bafögschulden könnten durch das Bekommen von Kindern ab- gegolten werden, Kinderlose sollten mehr Steuern zahlen und höhere Beiträge zur Rentenversicherung leisten, oder gar von der Rente ausgeschlossen werden. Außerdem gibt es eine „Ar- beitsgemeinschaft Familientag“, die für einen Familienfeier- tag kämpft (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S.16f.).

Zusammenfassend stellt Hettlage jedoch fest, dass die Mög- lichkeiten der Gesellschaft auf die Kinderwunschentscheidung des einzelnen Einfluss zu nehmen, gering ist. Zum einen ist die Einmischung in das generative Verhalten seit der Zeit der nationalsozialistischen Rassenlehre verpönt, zum anderen wür- de sie von vielen als Eingriff in die individuellen Frei- heitsrechte gesehen werden. In Anlehnung an Griesewelle schreibt Hettlage: „Bevölkerungspolitik gerät schnell in den Widerspruch zu den unverzichtbaren Werten der autonomen Le- bensplanung, der schützenswerten Privatheit, der Entschei- dungsrechte der Eltern, insbesondere der Frauen, und sie wi- derspricht der Zweckfreiheit des Kinderwunsches.“ (Hettlage 1998, S. 218)

6 Zusammenfassung

Ich möchte nun versuchen, die eingangs gestellte Frage nach der zeitlichen Begrenztheit der Gründe für Kinderlosigkeit zu beantworten. Dabei ist es mir klar, dass Aussagen, die die Zukunft betreffen, rein spekulativ sind.

Einen ganz wichtigen Faktor bei der Geburtenentwicklung spielt die veränderte Rolle der Frau und davon hängen viele der anderen Argumente ab. Denn solange die Frauen kaum Alter- nativen zum Hausfrauen- und Mutterdasein hatten und auch die Männer die Rolle der Frau so sahen, wird sich ein Großteil der Paare keine Gedanken darüber gemacht haben, ob sie Kinder möchten oder nicht und welche Argumente dafür und dagegen sprechen. Wenn man keine Alternativen kennt, ist es schwer, sich diese zu wünschen. Auch wenn bei einigen vielleicht der Gedanke aufkam, dass sie gerne auf Kinder verzichten würden, wird sie der Druck der Gesellschaft leicht dazu veranlasst haben, diesem Wunsch nicht nachzugehen, denn Kinder gehörten nach damaligen Vorstellungen automatisch zu einer Ehe und sie waren ja auch für die eigene Altersversorgung notwendig. Au-ßerdem war es schwer, eine mögliche Entscheidung gegen Kinder in die Tat umzusetzen, denn Geburtenkontrolle war aufgrund fehlender sicherer Mittel schwer und gesellschaftlich nicht anerkannt. Das heißt, einige Gründe wären eventuell schon vor Beginn des Geburtenrückgangs vorhanden gewesen, wurden einem aber nicht bewusst oder mussten unterdrückt werden. Dazu ge- hört z.B. die Angst um die eigene Gesundheit oder die des Kindes, die in Zeiten schlechterer medizinischer Versorgung berechtigt und sicher vorhanden war oder finanzielle Proble- me, die vor der Einführung staatlicher Hilfen nicht nur über Lebensstil sondern über das Überleben entscheiden konnten. Andere Motive sind neu, weil sie an die Entwicklung der ge- sellschaftlichen Werte gebunden sind, die früher eben anders waren. So war früher die emotionale Bindung zwischen den Ehe- partnern nicht so stark wie heute und somit wurde das Kind nicht als eventueller Störfaktor gesehen. Und auch die ge- stiegenen Ansprüche an die Erziehung zeichnen sich eben da- durch aus, dass sie früher nicht so hoch waren und man als Eltern damit eine anscheinend nicht so große Verantwortung übernahm. Insgesamt scheinen die meisten Gründe in der Ver- gangenheit nicht vorhanden gewesen zu sein.

Wie es in der Zukunft aussehen wird ist schwer zu sagen, da man die Entwicklung der Werte nicht vorhersehen kann, doch es ist unwahrscheinlich, dass das Kinderkriegen jemals wieder in eine so selbstverständliche Stellung aufrücken wird, nachdem andere Möglichkeiten der Lebenserfüllung, besonders für die Frau, bekannt geworden sind. Paare haben nun die freie Ent- scheidung über ihr generatives Verhalten und es wird immer Gründe geben, die gegen Kinder sprechen. So wird es bei- spielsweise immer Eltern geben, die sich die Verantwortung für ein Kind nicht zutrauen oder die Lebenspläne haben, in die ein Kind überhaupt nicht passt. Auch ist es kaum denkbar, dass die Gründe, die früher für ein Kind sprachen, wieder ak- tuell werden. Vielleicht können jedoch die Begründungen gegen ein Kind weniger werden, wenn sich die Umweltbedingungen än- dern und - ich denke das steht an erster Stelle - die Mög- lichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sich verbessern, besonders für die Frauen. Denn die sind es, die letztendlich die Entscheidung haben, ob sie Kinder bekommen oder nicht und die im Zweifelsfall die Konsequenzen tragen müssen.

Literatur

Burkart; Günther/Kohli, Martin: Liebe, Ehe, Elternschaft. Die Zukunft der Familie. München; Zürich: Piper 1992

Dee, Andrea: Müssen Frauen Mütter sein? Die neue Kinderlosigkeit. Wien: Ueberreuter 1999

Engstler, Heribert: Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik. Bonn 1997

Hettlage, Robert: Familienreport. Eine Lebensform im Umbruch. München: Beck 1998

Kaufmann, Franz-Xaver: Zukunft der Familie im vereinen

Deutschland. Gesellschaftliche und politische Bedingungen. München: Beck 1995

Nave-Herz, Rosemarie: Kinderlose Ehen. Eine empirische Studie über die Lebenssituationen kinderloser Ehepaare und die Grün- de für ihre Kinderlosigkeit. Weinheim; München: Juventa 1988a

Nave-Herz, Rosemarie: Kontinuität und Wandel in der Bedeutung, in der Struktur und Stabilität von Ehe und Familie in der Bundesrepublik Deutschland. In: Nave-Herz, Rosemarie (Hrsg.): Wandel und Kontinuität der Familie in der Bundesrepublik Deutschland. Stuttgart: Enke1988b (Der Mensch als soziales und personales Wesen; Bd. 8)

Schneewind, Klaus A.: Bewußte Kinderlosigkeit: Subjektive Begründungsfaktoren bei jungverheirateten Paaren. In: Nauck, Bernhard/Onnen-Isemann, Corinna (Hrsg.): Familie im Brenn- punkt von Wissenschaft und Forschung. Neuwied; Kriftel; Berlin: Luchterhand 1995

Schütze, Yvonne: Zur Veränderung im Eltern-Kind Verhältnis

seit der Nachkriegszeit. In: Nave-Herz, Rosemarie (Hrsg.):

Wandel und Kontinuität der Familie in der Bundesrepublik

Deutschland. Stuttgart: Enke1988 (Der Mensch als soziales und personales Wesen; Bd. 8)

Vaskovics, Laszlo A.: Veränderungen der Wohn- und Wohnumwelt- bedingungen in ihren Auswirkungen auf die Sozialisationsleis- tung der Familie. In: Nave-Herz, Rosemarie (Hrsg.): Wandel und Kontinuität der Familie in der Bundesrepublik Deutsch- land. Stuttgart: Enke1988 (Der Mensch als soziales und perso- nales Wesen; Bd. 8)

Ziebell, Lindy/Schmerl, Christine/Queisser, Hannelore: Lebensplanung ohne Kinder. Perspektiven eines bewußten Verzichts. Frankfurt am Main: Fischer 1992

[...]


1 Ich werde im folgenden nicht auf Unterschiede zwischen der BRD und der DDR eingehen (Die Literatur, auf die ich mich beziehen werde, stammt ent- weder aus der alten Bundesrepublik oder ist nach der Vereinigung erschie- nen.). Bemerken möchte ich aber, dass sich die Geburtenziffern in der DDR 1958 bis 1974 parallel zu denen der Bundesrepublik entwickelten (Kaufmann 1995, S. 47), von 1975 bis1988 deutlich über denen der Bundesrepublik lagen (25% höher), zwischen 1989 und 1992 dann drastisch absanken und damit weit unter denen der BRD lagen (40% niedriger) (Kaufmann 1995, S. 5). Noch ist nicht sicher, ob sich die familialen und demographischen Verhältnisse in den neuen Ländern denen der alten Länder angleichen (Kaufmann 1995, S. 90).

2 In der älteren Literatur ist auch von 3 Jahren die Rede (Nave-Herz 1988a, S. 23).

3 Trotzdem werde ich Gründe aufgreifen, die in der Literatur für eine geringe Kinderzahl und nicht für eine absolute Kinderlosigkeit sprechen, da ich davon ausgehe, dass viele Argumente, die ein Paar zur Begrenzung ihrer Kinderzahl bewegen, andere Paare gänzlich von der Fortpflanzung abhalten, abhängig von der persönlichen Bewertung des Arguments.

4 Bei Nave-Herz gehören hierzu auch ausdrücklich diejenigen, die diesen Zustand als befristet planen.

5 Genaue Zahlen zu finden ist in diesem Bereich schwer. In den amtlichen Statistiken finden sich meist nur Aussagen über Verheiratete ohne ledige Kinder im Haushalt, dazu gehören also auch diejenigen Ehepaare, deren Kinder schon ausgezogen sind. Und wenn man eine Aufstellung über kinderlose Ehepaare im Sinne dieser Arbeit findet, kennt man noch nicht die Gründe, die Kinderlosigkeit kann ja auch ungewollt sein.

6 Möglichkeiten der Geburtenkontrolle gehören zwar nicht zu den Argumen- ten, mit denen ein kinderloses Paar seine Entscheidung begründet, aber es handelt sich hierbei um eine wichtige Voraussetzung, um eine solche Ent- scheidung fällen zu können. Aus diesem Grund habe ich den Punkt in meine Liste aufgenommen.

7 Natürlich waren auch schon vor der Einführung der momentan gängigen

Verhütungsmittel Möglichkeiten der Empfängnisverhütung bekannt, die aber im allgemeinen nicht so sicher waren. Neben dem auch heute noch bekannten und verwendeten Coitus Interruptus, von dem schon in der Bibel berichtet wird (natürlich als Sünde beschrieben), gab es viele Hausmittel. Eine interessante Auswahl solcher, die schon 2000 v.Chr. bekannt waren, be- schreibt Dee (!999, S. 45ff.).

8 Diese Angleichung findet zunächst am stärksten in den oberen Mittel- schichten statt, da für diese neue Rollendefinition Freiräume vonnöten sind, die Gelegenheit zur Selbstthematisierung geben. In den Unterschich- ten werden die dazu nötigen Kräfte aber schon im Einsatz für materielle Zwänge und den tagtäglichen Überlebenskampf gebraucht (Hettlage 1998, S. 83f.).

9 Dort sind auch berufliche Gründe von Männern genannt. Diese betrachte ich in 3.4.

10 Hierbei spielt wiederum eine Rolle, dass die Bildungschancen der Frauen verbessert wurden und sich dadurch auch die Ausbildungszeiten verlängert haben.

11 Viele Bemerkungen der interviewten Frauen zeigen auf, dass sie auf keinen Fall so leben möchten wie ihre Mütter (z.B. Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 91).

12 Ein aktuelles Beispiel bieten die Werbeplakate, die zur Zeit überall zu sehen sind. Auf ihnen wird „Mehr Zeit für Kinder“ gefordert. Aber auch Lehrer (so habe ich es in meinem Praktikum erlebt) beschweren sich dar- über, dass Eltern von der Schule den größten Teil der Erziehung erwarten.

13 Ein Mann, der sich zu alt fühlt; gibt an, dass er eine kranke Mutter hatte, anscheinend möchte er seinem Kind eine ähnliche Situation nicht zumuten.

14 In Untersuchungen zur Scheidungshäufigkeit wurde festgestellt, dass mit zunehmender Kinderzahl die Scheidungswahrscheinlichkeit sinkt, ab vier Kindern beginnt sie wieder zu steigen (Hettlage 1998, S. 166). Dabei ist allerdings nicht geklärt, was Ursache und was Wirkung ist.

15 Dieses Beispiel stammt aus Österreich, ist aber in ähnlicher Form sicherlich auch in Deutschland zu finden.

16 Allerdings ist zu bemerken, dass sich die Wohnverhältnisse seit dem zweiten Weltkrieg erheblich verbessert haben, wovon kinderreiche Familien aber nicht in gleichem Maße profitieren (Vascovics 1988).

17 In einigen Fällen ist dies sicherlich auch der Fall, denn aus dem Vergleich der beiden Gruppen (Kinderlose und Eltern) kann man wohl keine Rückschlüsse auf einzelne Paare ziehen.

18 In den meisten Fällen ist das auch heute noch die Frau (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 44).

19 Wie in 3.4 beschrieben ist die Erwartung an diese ziemlich hoch. 17

20 Dazu muss bemerkt werden, dass die Befragten dieser Studie in der Nach- kriegszeit aufwuchsen, also auch ein der Zeit entsprechendes Idealbild galt.

21 Bei 75% der befragten Männern war die Mutter berufstätig und nur bei 35% der interviewten Frauen (Ziebell/Schmerl/Queisser 1992, S. 73)

22 Zumindest in den von mir verwendeten Studien waren sich die Befragten der Nachteile ihrer Kinderlosigkeit bewusst.

23 Hier sei noch angefügt, dass es diese Unterschiede auch zwischen in Deutschland geborenen Kindern gibt, abhängig von der sozialen Herkunft und dem näheren sozio-kulturellen Kontext (Kaufmann 1995, S. 67).

24 Es könnte sich auch um ein anderes festgelegtes Alter handeln, entsprechend der Diskussion zur Herabsetzung des Wahlalters.

25 Näheres bei Kaufmann (1995, S. 217f.)

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2000
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Deutsch
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v106547
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Humboldt-Universität zu Berlin
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Kinderlose Ehen Hauptseminar Familie

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Titel: Kinderlose Ehen