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Coping. Der Umgang mit Stress

Ausarbeitung 2002 11 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Gliederung:

1. Grundgedanken

2. Historischer Hintergrund

3. Coping als Eigenschaft

4. Anwendung von Coping

5. Zusammenfassung

Literatur:

Richard S. Lazarus, 1999 Stress and emotion - A New Synthesis, New York, Springer

Zeidner, M. und Endler, N.S., “Handbook of coping“, New York, 1996

Anlage:

Folie “mögliche Reaktionen auf Stress““

1. Grundgedanken

Coping: Coping is a capacity, a capacity to RESPOND and to RECOVER from something stressful: e.g. a disaster.

Richard Lazarus beschäftigt sich in dem angegebenen Kapitel mit dem Thema „Coping“. Um sich dem Begriff zu nähern und mögliche wissenschaftliche Untersuchungen anzustellen, hat er zunächst vier Grundgedanken formuliert, von welchen aus er nach und nach an die verschiedenen Möglichkeiten, mit Stress umzugehen, herantritt.

Seine Grundgedanken sehen wie folgt aus (S. 101):

- Coping wurde zu sehr unterschätzt, da der Schwerpunkt im Umgang mit Coping eher auf der Bewertung oder Einschätzung der jeweiligen Situation lag als auf Coping selber

- Abgrenzung von Coping zu Emotion. Seiner Ansicht nach sollte Coping als Teil des „Emotionsprozesses“ (Lazarus, S.101) betrachtet werden. Er versteht „Emotion“ als ein Gebilde aus den Komponenten Motivation, also den individuellen Zielen, Situationsbewertung, Stress, Emotionen selber und Coping.

- Coping soll von Anfang bis zum Ende des „Emotionsprozesses“ eine wesentliche Rolle spielen

- Coping sollte auch auf positive, nicht ausschließlich auf negative Emotionen bezogen werden, beispielsweise Wut, Trauer etc.

2. Historischer Hintergrund

Das Problem, welches sich bei Coping stellt, ist die Tatsache, dass Coping nun im Falle von Effektivität stressreduzierend wirkt, bei Ineffizienz stressfördernd. Hierbei muss man nun bemerken, dass eine Person, die Coping effektiv einsetzt, zwar Stress reduziert, jedoch besteht hierdurch die Möglichkeit, dass solch eine Person Stress anhäuft, weil dieser sie nicht beeinflusst. Lazarus ist also der Ansicht, dass Coping ein äußerst wichtiger Bestandteil emotionaler Prozesse, welche es genauestens zu beobachten gilt, damit Stressreaktionen besser analysiert werden können.

Das wissenschaftliche Interesse an Coping konnte erst in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts geweckt werden, dann jedoch stieg es rapide an. Es gab zwar bereits Untersuchungen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, jedoch wurden erst in dem oben angesprochenen Zeitraum durch Beobachtungen zahlreiche empirische Ergebnisse gewonnen, die nach ihrer Auswertung dann als Grundlage für Interpretationen dienten.

3. Coping als Eigenschaft

Es gibt nach Lazarus drei Wege, Coping als Eigenschaft zu betrachten (S.103 / 104):

a) Die empirische Beobachtung der Handlungsmuster beim Coping, da diese stabil und immer wiederkehrend sind
b) Beobachtung und Untersuchung von Eigenschaften und Merkmalen einer Person, welche Coping beeinflussen
c) Veränderung der Eigenschaften beeinflussender Umweltfaktoren in funktionell äquivalenter Art und Weise

Letzterer Punkt ist nach Lazarus der vielversprechendste. Die Eigenschaften müssen empirisch überprüft werden.

Er stellt sich nun die Frage, welches die persönlichen Dispositionen oder Eigenschaften sind, welche Coping beeinflussen. Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, verweist er auf drei solcher Eigenschaften, welche bereits in Kapitel 3.1. Erwähnung fanden.

Diese sind: - Ziele

- Allgemeines Verständnis von sich und der Umwelt

- Persönliche Eigenschaften, welche Intelligenz, Erziehung, Vermögen, physische Attraktivität, soziale Fähigkeiten, Gesundheit sowie Wege des Denkens, z.b. Optimismus, beinhalten

Um diese Eigenschaften im Hinblick auf eine mögliche Beeinflussung von Coping zu untersuchen, ist es unerlässlich, so viele Eigenschaften wie möglich und so detailliert wie möglich in die Untersuchungen mit einzubeziehen, um die Verbindungen dieser zu Umgangsformen mit Stress zu erforschen, da keine der Variablen alleine Coping beeinflusst, sondern mit anderen in einem System.

Untersuchungen in den Fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter dem Aspekt der psychoanalytischen Ego-Psychologie ergaben neben einer immensen Stabilität dieser Strategien einige wesentliche Einschränkungen in dieser Herangehensweise.

Einschränkungen in der Herangehensweise über Eigenschaften

Eine erkannte Beschränkung dieser oben erwähnten Annäherung ist die auftretende Darstellung von Coping als Kontrast zwischen den beiden Extremen, Erfolg und Misserfolg im Umgang mit Stress. Hierdurch werden die vielfältigen verschiedenen Arten und Möglichkeiten des Coping bzw. der in diesem Prozess auftretenden Handlungen und Gedankengänge zu sehr simplifiziert.

Eine weitere Einschränkung ist, dass die Annäherung über Eigenschaften die möglichen Beweggründe und integrativen Strategien des Individuums, kurz Motivation, völlig vernachlässigt.

Eine dritte Einschränkung ist, das verschiedene Copingstile die in der Mitte einer Verteilung angesiedelten Individuen vernachlässigen. Copingstile sagen lediglich etwas über die beiden Positionen extreme Stressresistenz und extreme Stressanfälligkeit, somit tragen die in der Mitte auffindbaren Merkmale nichts zu einer Untersuchung bei.

Viertens führt Lazarus an, dass die eigentlich sichtbaren Ergebnisse bei dieser Herangehensweise, also das Verhalten der Individuen nach Stresseinfluss bzw. ihren Umgang damit, eigentlich eher bescheiden an Aussagekraft sind.

4. Anwendung von Coping

Um die Überflüssigkeit der Suche nach einer universell einsetzbaren Copingstrategie zu verdeutlichen, schildert Lazarus ein Beispiel, in welchem sehr deutlich wird, weshalb es keine Universalstrategie gibt.

Er schildert die Situation eines Menschen, bei dem ein Herzinfarkt Stress hervorruft (S. 111). Sollte diese Person nun im Umgang mit dem Stressor die Strategie des Verleugnens anwenden, also niemanden davon erzählen und selber die Symptome zu ignorieren, so mag die betroffene Person zwar in diesem Moment keine Anzeichen von Stress zeigen, jedoch ist ein Ignorieren bei Symptomen eines Herzinfarktes mit Sicherheit die unzweckmäßigste Reaktion, die man treffen kann.

Versetzt man sich jedoch in eine andere Situation, beispielsweise in die eines Krebspatienten, der nach zunächst einmal erfolgreicher Behandlung eine gewisse Zeit warten muss, bis er erneut untersucht werden kann, kann es im Zeitraum zwischen Ende der Behandlung und erneuter Untersuchung durchaus zweckmäßig sein, die Krankheit zu verdrängen (S.112).

Im folgenden greift Lazarus die bereits erwähnten Forderung nach detaillierter Beschreibung der Copingstile noch einmal auf. Es ist unabdingbar, genauestens zu beschreiben, was eine Person tut und denkt, genauso wie Angaben über den Zusammenhang mit der jeweiligen Situation, in der die Person sich befindet zu machen. Er hat dazu mit verschiedenen anderen Wissenschaftlern in den Siebzigern und Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts Fragebögen entwickelt, welche sich schnell auf der ganzen Welt verbreiteten (Bsp. für Items S.115).

Seine Haupterkenntnis war neben der Tatsache, dass man eigentlich nicht präzise unterscheiden zwischen verschiedenen Copingstilen, das Herauskristallisieren zweier allgemeinen Sichtweisen im Umgang mit Stressoren. Es stellte sich nach der Auswertung der Ergebnisse heraus, dass sich jede Copinghandlung entweder auf das Problem, welches der Auslöser für den Stress ist, oder die Emotionen und Empfindungen des Individuums, welches sich in einer Stresssituation befindet, fokussieren (S. 114). Als Beispiel führt er erneut einen Krebspatienten an, welcher zur realistischen Einschätzung des Ausprägungsgrades seiner Krankheit die Meinung von verschiedenen Ärzten einholen muss. Diese Vorgehensweise nennt Lazarus „problemorientiertes Coping“.

Das von ihm sogenannte „emotionsorientierte Coping“ äußert sich beispielsweise in der Art, als das jemand vermeiden will, an eine bestimmte Situation, beispielsweise eine Bedrohung, überhaupt zu denken.

Dabei stellte sich heraus, dass die Neueinschätzung einer Situation eine äußerst effektive Möglichkeit darstellt mit einer Stresssituation umzugehen, seiner Ansicht sogar die zweckmäßigste.

Er schildert hierzu folgendes Beispiel (S.116): Eine Ehefrau schreit ihren Ehemann aus irgendwelchen Gründen an. Dieser jedoch, anstatt zurückzuschreien, überdenkt die Situation kurz und kommt zu der Erkenntnis, dass seine Frau möglicherweise einen stressigen Arbeitstag hatte und deshalb gereizt ist. Somit hat der Ehemann die Situation neu eingeschätzt und ist hier einem möglichen Stressor, nämlich dem an ihn gerichteten Wutausbruch seiner Frau, aus dem Weg gegangen. Hier muss man jedoch noch erwähnen, dass solch ein Umgang mit einer Stresssituation leichter gesagt als getan ist, denn der Ehemann darf selber nicht gereizt sein. Sollte dies Form von Coping jedoch funktionieren, zeigt sich ihre immense Fähigkeit, Emotionen zu beeinflussen.

Hierzu merkt Lazarus abschließend an, dass das emotionsorientierte Coping eine Möglichkeit des Denkens darstellt, welche sich mit der individuellen Betrachtungsweise einer sozialen Situation beschäftigt, nicht jedoch mit der Beziehung zwischen dem Individuum und seiner Umwelt.

Einschränkungen

Wie bereits oben gezeigt, gibt es bei den verschiedenen Untersuchungsweisen Einschränkungen. Bei der Annäherung über die Art und Weise der Anwendung sieht Lazarus weniger Einschränkungen, was seiner Ansicht nach jedoch damit zusammenhängt, dass er sich mit letzterer Version eingehender beschäftigt hat.

Das vorherrschende Problem hierbei ist, dass bei einer Befragung, wie sie Lazarus entwickelt hat, es nicht völlig ausgeschlossen werden kann, das die befragten Personen als Antwort die Möglichkeit wählen, die sie in einer entsprechenden Situation bevorzugen würden, was wiederum nicht heißt, dass sie diese Variante auch im Endeffekt anwenden würden.

Einhergehend hiermit erwähnt er die Problematik, dass bei einer Befragung sich die Befragten nicht exakt in eine mögliche Situation hineinversetzen können, vor allem unter Berücksichtigung ihrer individuellen Motivation und Eigenschaften.

Betrachtet man nun einzelne Stresssituationen, so fällt auf, dass die angewandten Strategien, mit dieser Situation fertig zu werden solche sind, die bereits bekannt und erprobt sind. Dies hängt mit der Komplexität der gesamten Strategien zusammen und er daraus folgenden Tatsache, dass eine mögliche alternative nicht erprobte Strategie zu viel Zeit beanspruchen würde bis sie angewandt wird, da sie zunächst überdacht und bewertet werden muss. Es gibt zwar gewisse Überlegungen in jeder Stresssituation, aber diese werden automatisch bei geringen Erfolgsaussichten eingestellt, womit die dann angewandte Strategie erprobt wird und bei Erfolg in der nächsten Stresssituation wiederum angewandt wird.

Einige Copingstrategien hängen stark von den individuellen Fähigkeiten der anwendenden Person ab, andere wiederum von dem sozialen Kontext und der sozialen Situation, in der sie angewandt werden. Dies fand Lazarus heraus, indem im „Berkeley Stress and Coping Project“ einhundert Personen fünf Monate lang beobachtete (S. 117), wobei die Testpersonen jeden Monat mit einer neuen Stresssituation konfrontiert wurden und hierbei sehr genau beobachtet werden konnte, das eine erfolgreiche Strategie in einer ähnlichen Situation erneut angewandt wurde, nicht erfolgreiche jedoch durch neue ersetzt wurden Um weitere Erkenntnisse über die Anwendung verschiedener Copingstrategien zu erlangen, hat Lazarus Schüler, die auf die Bekanntgabe ihrer Klausurnoten warteten, beobachtet. Hierbei teilte erd en Zeitraum zwischen Abschluss der Klausur sowie der Bekanntgabe der Noten in folgende Abschnitte: eine sogenannte Periode der „Warnung“, also wenn erste Anmerkungen über die Zensuren auftauchen, eine Periode unmittelbar vor der Bekanntgabe sowie den Zeitpunkt der Bekanntgabe. Er stellte beispielsweise fest, dass in dem „Warnungszeitraum“ Strategien wie soziale Unterstützung oder Informationssuche dominierten, jedoch während der anderen Zeiträume abrupt vernachlässigt wurden. Im Zeitraum vor der Bekanntgabe der Noten ist es seiner Meinung nach wiederum sinnvoll, dies wurde auch so beobachtet, dass sich die Schüler eher distanziert verhalten haben.

Hiermit will er verdeutlichen, dass man im Falle der Betrachtung einer Prüfungssituation zwar die Prüfung als möglichen Stressor betrachten kann, jedoch die Beobachtungsergebnisse unbrauchbar sind, wenn man lediglich den Zeitraum der Prüfung betrachtet, nicht jedoch die Zeit danach.

Lazarus sieht Coping auch als einen einflussreichen Vermittler („mediator“, S. 121), welcher auch eine Stresssituation von ihrem ersten Auftreten an bis zum Schluss verändern kann, also nicht nur als eine Umgangsform des Individuums mit Stress.

Als Beispiel hierfür führt er an, dass beispielsweise „Distanzierung“ zwar eine mögliche Form von Coping darstellt, jedoch bei einem offensiven Herangehen an eine Situation diese sich möglicherweise zugunsten des Betroffenen ändern kann. Abschließend zu diesem Aspekt erwähnt er noch mal die Tatsache, dass ein möglicher Erfolg einer Strategie nicht ausschließlich mit den Emotionen der betroffenen Person zusammenhängen, sondern auch mit dem Verändern der jeweiligen Situation.

Abschließend weist Lazarus noch auf verschiedene Missverständnisse im Zusammenhang mit Copingprozessen hin. Zunächst bezieht er sich auf die bereits erwähnten beiden Copingstile, emotionsorientiert bzw. problemorientiert. Seiner Ansicht nach gibt es hierauf bezogen zwei wesentliche Denkfehler. Zunächst wäre dies die Tatsache, dass man es sich zu einfach macht, Gedanken oder Handlungen einer der beiden Denkweisen zuzuordnen.

Dabei muss man immer wieder die Sichtweise der Person betrachten die in einer Stresssituation steckt. Sie will nicht bloß ausschließlich emotionsorientiert oder ausschließlich problemorientiert handeln, sondern strebt nach Möglichkeit eine Kombination aus beidem an. Eine strikte Trennung beider Sichtweisen und eine Orientierung in eine Richtung kann im Endeffekt den Stressor noch vergrößern, wenn man sich nicht mit der Realität abfindet, einen der beiden Faktoren nicht beeinflussen zu können, anstelle sich auf den anderen zu konzentrieren.

Es lässt sich hierzu abschließend sagen, dass bei einer Situation, die Umgang mit Stress verlangt, immer beide Faktoren eine Rolle spielen und dass sie so gut wie nie voneinander separiert sind.

Weiterhin führt er an, dass zur Untersuchung der beiden Copingstile entworfene Untersuchungsmuster sich lediglich auf das Verhalten der Personen beziehen, nicht jedoch auf die individuellen Beweggründe in der entsprechenden Stresssituation. Lazarus führt hier an, dass sich der lautstarke Ausdruck von Ärger zwar einer Situation zuordnen lässt, jedoch in Bezugnahme auf eine andere Situation wieder anders zu interpretieren ist. Als Beispiel dient ihm hier die Auseinandersetzung zwischen einem Ehepaar, welches möglicherweise vor der Trennung steht. Einerseits kann hierbei lautstarkes Schreien auf eine Gefühlsverletzung hindeuten, für welche der Ehepartner verantwortlich ist und was eine Trennung herbeiführen sollte, andererseits kann es aber auch bedeuten, dass der eine Partner den anderen nicht verlieren möchte.

Zusammenfassung

Lazarus sieht Coping nicht bloß als eine Verhaltensweise, die im Zusammenhang mit Stress als Reaktion auf diesen auftritt, sondern als einen Teil der menschlichen Emotionen. Er verdeutlicht, dass eine ausführliche Untersuchung die detaillierte Schilderung der beobachtbaren Verhaltensmerkmale voraussetzt und dass eine strikte Trennung von verschiedenen Stilen nicht möglich ist. Anhand von verschiedenen Beispielen lässt sich klar erkennen, dass es keine Universalstrategie zur Lösung eines Stressproblems gibt, dass man jedoch im wesentliche zwei verschieden Herangehensweisen an Stress unterscheiden kann, welche jedoch im Zusammenhang ihrer individuellen Anwendung nicht voneinander getrennt werden können, da kein Individuum seine Reaktion auf Stress ausschließlich in eine Richtung richtet. Dies könnte im schlimmsten Falle den Stressor noch intensivieren. Weiterhin sollten Untersuchungen zum Thema Coping sich nicht ausschließlich auf die gezeigten Emotionen und Äußerungen beschränken, sondern auch auf die jeweiligen Beweggründe, die ein Individuum zu solch einem Verhalten veranlassen.

Details

Seiten
11
Jahr
2002
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106551
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
2,0
Schlagworte
Coping

Autor

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Titel: Coping. Der Umgang mit Stress